Vom Wesen ägyptischer Tempel (Teil 2) von Merienptah

Um den Göttern das Leben im Tempel zu verschönern und ihre Schöpfungskraft sichtbar darzustellen, sind im Inneren der Umfassung Baumgärten, Blumenbeete und Teiche angelegt.

Der Dromos mit Sphingenallee vor dem 1. Pylon des Karnaktempels. Spätestens an diesem Tor war für das Volk Schluss

Diese Teiche oder Seen haben die Form von rechteckigen Becken von oft beträchtlicher Tiefe, die über Treppen begehbar und für Reinigungsrituale und Bootsfahrten der Götter vorgesehen sind.

Inmitten all dieser Anlagen steht, alle anderen Bauten überragend, das eigentliche Tempelhaus, das Hut-netjer.
Dieses Tempelhaus ist wie der innere Zwinger einer Burg nochmals von einer hohen Mauer umgeben und besitzt neben dem Mitteleingang, nur noch einen oder einige wenige kleine Seitenpforten, durch die die Priester den Tempel betreten und direkt zum heiligen Brunnen dicht neben dem Tempelhaus gelangen können.

In der Mitte der Tempelfront öffnet sich das Hauptportal.
Es führt nicht, wie man meinen könnte, in den Tempel hinein, sondern öffnet sich von innen, wenn der Gott in seiner Barke sein Haus verlässt oder wieder dorthin zurückkehrt.
Die meiste Zeit allerdings bleibt dieses große Tor fest verschlossen.
Hinter diesem Tor öffnet sich ein oftmals an zwei, drei oder allen vier Seiten von Säulenhallen umgebener Hof (Uba – „der Offene“).
Bedeutungsmäßig und gelegentlich auch formal bildet er eine Einheit mit dem dahinterliegenden Säulensaal. Denn beide Bauteile sind Erscheinungsstätten für die Götterbarken und bieten Platz für die Abhaltung raumumgreifender Kulthandlungen.
Zu diesen Ritualen werden in seltenen Fällen sogar einige Vertreter aus dem einfachen Volk zugelassen, die aus diesem Anlass bis in den Tempelhof vorgelassen werden.
Gelegentlich steht bereits in diesem Hof ein großer Opferaltar.

Der Deutung des Tempels als Ort des Urhügels gemäß erhebt sich die Rückhalle des Hofes oder der folgende Säulensaal auf einer niedrigen Terrasse.
Der Höhenunterschied zwischen Hof und Tempelhaus wird durch eine flache Rampe überbrückt um den Trägern der Götterbarke ein würdiges Herabsteigen in den Hof zu ermöglichen.
Der Weg den die Prozession durch den Säulensaal nimmt ist durch einen weiteren Säulenabstand als am Rand hervorgehoben und bei größeren Tempelbauten oftmals auch durch ein basilikal erhöhtes Mittelschiff von oben her beleuchtet.
Die Seitenbereiche des Säulensaales sind in Dämmerlicht getaucht, die nur durch die blendendweiße Bemalung der Wände etwas aufgehellt wird.

Einige Tempel besitzen seitlich neben dem Säulensaal und dem dahinter befindlichen Opfertischsaal noch Räume für die Aufbewahrung der heiligen Salben und Stoffe, die für das Kultbildritual benötigt werden. Auch sind sogenannte „Schatzkammern“, also Lagerräume für das kostbare Kultgerät seitlich der großen Hallen vorhanden und schließlich auch Treppenhäuser, die für Dachprozessionen benutzt werden.

 

Wohnung der Götter

Auf den Säulensaal folgt hinter einer weiteren Pforte der eigentliche Wohnbereich des Gottes, beginnend mit einem kleinen Saal, der gelegentlich mit zwei bis vier Säulen ausgestattet ist und als „Empfangsraum“ dient. Dieser Raum nennt sich Usechet-hotep, „Saal der Opfer“ oder. In der Mitte der Rückwand dieses Opfertischraumes öffnet sich der Durchgang zum Hauptsanktuar.
Daneben und entlang der Seitenwände befinden sich Kapellen für Gastgötter. Hier stehen die Altäre und Opfertische.
In diesem Raum, direkt vor dem Hauptsanktuar, wird das alltägliche Opferritual zelebriert, an dem auch die Gastgötter teilhaben dürfen.
Diese Gastgötter sind oft als „Neunheit“ zusammengefasst, die die neun Urgötter der Schöpfung darstellen. Sie stehen auch durch ihre Anzahl für die Gesamtheit der kemetischen Götter, denn die Zahl 9 symbolisiert im kemetischen Zahlenkontext auch die Mehrzahl der Mehrzahl, also Alles.
Zu unterscheiden sind die Gastgötter von der eigentlichen Götterfamilie des Tempels, die sich oft als Triade aus Gott, Göttin und Götterkind zusammensetzt und deren Kultstatuen demgemäß im Hauptsanktuar des Tempels untergebracht sind.
In einigen Tempelbauten wird die Funktion der Opferdarbringung und der Gastgötterversammlung auf zwei hintereinanderliegende Räume verteilt, das heißt, auf den eigentlichen Opfertischraum folgt noch ein weiterer Usechet-pesedjtiu, „Saal der Neunheit“ oder Usechet-cherit-ib, „Saal der Mitte“ genannter Raum.
In der Mitte der Rückwand dieses Raumes öffnet sich der Durchgang zum Hauptsanktuar des Herrn oder der Herrin des Tempels, der Set-weret, der „großen Stätte“ oder des „hohen Thrones“. Dieses Sanktuar ist meist der Raum für die Aufstellung der heiligen Barke. Sie ruht dort auf einem steinernen Sockel, von dem sie zum Transport leicht heruntergehoben werden kann.
Oftmals wird diese Barke durch einen eigenen, freistehenden Schrein oder Baldachin geschützt. Es gibt auch Tempelbauten, die vor dem Hauptsanktuar einen eigenen Barkensaal (Useched-wija) haben, dort ist das Hauptsanktuar in zwei hintereinanderliegende Räume aufgeteilt, meist aber wird die Götterbarke im Set-weret aufbewahrt.

    In den Ruinen des Ptah-Tempels von Karnak sieht man im Barkensanktuar vor der Statuennische den Sockel, auf dem die Barke des Gottes abgestellt wurde...
In den Ruinen des Ptah-Tempels von Karnak sieht man im Barkensanktuar vor der Statuennische den Sockel, auf dem die Barke des Gottes abgestellt wurde…

Das Kultbild der Gottheit selbst ist nicht permanent in der kleinen Kapelle untergebracht, die auf der heiligen Barke befestigt ist. Dieser Schrein ist nur für die Tempelprozessionen die Heimstatt der Gottheit. Die meiste Zeit steht das Kultbild hinter der Barke in einem eigenen, freistehenden, steinernen Naos oder in einer verschließbaren Nische in der Rückwand des Raumes.
In einigen Fällen wird es sogar in einem eigenen Kultbildraum hinter dem Sanktuar aufbewahrt.
Der Naos des Kultbildes oder der Kultbildraum Mesenet, („Geburtsstätte“) sind das Herz des gesamten Tempelkomplexes, von dem es heißt:

„Es ist unzugänglicher, als was im Himmel ist, verhüllter als die Dinge der Unterwelt, verborgender als die Bewohner des Urwassers.“

Das Sanktuar und die umliegenden Räume besitzen keine Fenster und bleiben daher permanent in Dunkel gehüllt (wie übrigens auch die Schlafzimmer altägyptischer Wohnhäuser).
Die Vorstellung, dass am Morgen die Tempeltüren geöffnet werden und somit die Sonnenstrahlen bis zum Kultbildschrein vordringen können, ist falsch. Bevor man die Türen im Inneren öffnet um in den nächsten Raum zu gelangen müssen sogar die vorderen Tempeltüren geschlossen werden.
Ausnahmen von dieser Regel bilden nur die Tempel, die dem Sonnenkult des Gottes Ra geweiht sind.
In diesen Bauten wird das Sanktuar durch in der Wand angebrachte Lichtschlitze von oben her erhellt.

 

Ende Teil 2

15.03.15 -Editorial

Quelle: sternenkreis.de

 

Hallo zusammen,

heute bereits auf der Schwelle zum nächsten Tag, doch noch das Editorial. 😉

Seit 2011 ruft der Verein Sternenkreis am 15. 03. jeden Jahres zum Hypatia-Gedenktag auf, um den Opfern durch die Heidenverfolgungen und der Hexenverbrennungen zu gedenken.
Dieses Jahr stand er im Zeichen der ganz aktueller Geschehnisse in Syrien und Irak.

Gefunden auf Facebook Quelle: Bitte auf Bild klicken.

Eine weitere sehr traurige Mitteilung kam, als bekannt wurde, dass Terry Pratchett, der Autor der wundervollen Scheibenweltromane, in denen er so viel Magie legte und beschrieb, dass manche (mit einem Augenzwinkern) auch gut als Lehrwerk für Junghexen geeignet erscheinen 😉 , im Alter von 66 Jahren verstorben war.
Nun hat er seinen letzte Reise angetreten und wird sicherlich erst einmal mit dem Tod bei einer Tasse Tee Schach spielen.
Er wird durch seine Bücher nie vergessen sein.
Ruhe in Frieden, lieber Sir.

In unserem heutigen Update findet Ihr den zweiten Teil von Merienptahs Artikelreihe „Vom Wesen ägyptischer Tempel„.
Und ich habe mir, ebenfalls im Zeichen des Hypatia-Gedenktages, ein paar „Gedanken über Zerstörung und Terror im Namen Gottes“ gemacht.

 

Wir wünschen Euch auch diesmal viel Vergnügen beim Lesen, den einen oder anderen interessanten Gedankenimpuls und freuen uns natürlich wieder auf Eure Kommentare, Gedanken oder vielleicht sogar den einen oder anderen Beitrag von Euch.

LG
Siat

Mantra, Chant & Affirmation-Ein Versuch der Unterscheidung (Teil 4)

Nachdem wir uns im zweiten  und dritten Teil dieser Artikelreihe mit den Begriffen des Chants und der Affirmation auseinandergesetzt haben, möchte ich mich dem etwas komplexen Thema „Mantra“ widmen.

मन्त्र Mantra

Wortherkunft
Der Begriff stammt aus dem Sanskrit, bei der es sich, ganz grob gesagt, um eine alt-indische Sprache handelt, die auch heute noch gesprochen wird.
Die Übersetzung des Wortes ist sehr vielfältig. So kann es:

  • (Bann)Spruch
  • (vedische) Hymne oder eine Opferformel
  •  heiliger Text oder ein heilge Spruch
  • Gebet oder Lobpreis
  • Geheimnis
  • Zauber/Amulett
  • mystische Verse
  • heilige Formel, die an jede individuelle Gottheit gerichtet ist/sein kann

bedeuten.
Doch die wohl bekannteste Übersetzung ist „Instument des Denkens“ oder „des Geistes“.

Die Ursprünge des Wortes werden meist auf die Wurzel मन् (man) und auf das Präfix  त्र (tra) zurückgeführt.

मन् (man) lässt sich dabei einerseits auf das Verb मन्यते (manyate) als auch auf मन (mana), मान (mAna) bzw. मना (manA) zurück führen, deren Bedeutungen sich im weitesten Sinne um das Denken, Erkennen, Verstehen, Wissen drehen.

Verb: मन्यते (manyate)

  • (nach) denken (an/über)
  • vorstellen
  • wahrnehmen
  • mit den/allen Sinnen erfassen
  • das Herz/die Gedanken auf etwas richten
  • begreifen/erfassen/verstehen
  • wissen
  • glauben
  • anbieten
  • anbeten
  • hoffen/wünschen
  • (ver)ehren

Substantive: मन (mana), मान (mAna) bzw. मना (manA)

  • Gedanke/Denken/Geist
  • Vorstellung
  • Sicht
  • Glauben
  • Idee
  • Hingabe
  • Anhaftung
  • Stolz
  • Ehre
  • Selbst-Respekt
  • Wunsch
  • Überlegung

Das Präfix wird, wie bereits gesagt, in der Regel auf das Wort त्र (tra) zurückgeführt. Dieses wiederum kann auf zwei unterschiedliche Wurzeln zurück geführt werden.
Die eine steht mit der Wortwurzel त्र (tra) in ganz direkter Verbindung zu dem Verb त्राति (trAti) und dem Substantiv त्रा (tra).
Die andere über die Verben तरति (tarati)तरुते (tarute)तितर्ति (titarti) und तारयति (tArayati) mit der Wortwurzel तॄ  (tRR).

Verb: राति (trAti)

  • retten
  • bewahren
  • erhalten
  • schützen
  • befreien
  • auffangen

Substantiv: त्रा (tra)

  • Verteidiger
  • (Be)Schützer

Verben रति (tarati), तरुते (tarute), तितर्ति (titarti) und तारयति (tArayati) besitzen im Ganzen dieselbe Bedeutung:

  • schwimmen
  • verrichten/ausführen
  • führen durch/über
  • durchkommen
  • durchdringen
  • erreichen
  • retten
  • entkommen
  • flüchten
  • erfüllen
  • überwinden
  • bewältigen
  • bezwingen/-siegen
  • durch-/überqueren
  • ein Ende/Ziel erreichen
  • segeln über
  • befreien (von)
  • (hin)über(ge)leiten

 

Definition
„Mantra“ zu definieren ist mindestens genauso schwierig, wie den Begriff (direkt) zu übersetzen.

Ursprünglich, und sehr oberflächlich betrachtet, handelt es sich bei einem Mantra um einen (zu rezitierenden) Vers aus den Veden (und anderen Schriften, wie z.B. den Puranas), was es faktisch zu einem Stück „vedischer Poesie“ macht.
Die heiligen Schriften  sind in einer bestimmten Weise und nach einem bestimmten Versmaß geschrieben, um das Auswendiglernen zu erleichtern.


Sprache ist das Wesen des Menschseins

Letztlich basiert alles, was wir als Menschen denken und letztlich werden und sind, auf dem Ausdruck in Sprache und Schrift. Eine funktionierende Gesellschaft ohne (irgendeine Form von ) Sprache bzw. Kommunikation wäre überhaupt nicht möglich.
Egal um was es geht: Alles kann erst dann „ins Sein“ kommen, wenn es gerufen und damit ausgedrückt wird.
Die Wichtigkeit von Klang und Sprache finden wir in fast allen Kulturen.
So z.B. im alten Kemet, wo Hu und Sia den (göttlichen) Ausspruch und den Verstand/die Einsicht/Erkenntnis als Gottheiten personifizieren, die jeder Gottheit und jedem Menschen innewohnen und ohne die das Wirken nicht möglich wären.
Dies zieht sich weiter bis in die abrahamitischen Religionen, wo wir in der Bibel den Ausspruch finden: „Im Anfang war das Wort. Und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort.“ (Joh. 1, 1)

 

Mantra als Macht und Energie-tragender Klang
Worte, und damit natürlich die Sprache, sind (wie alles andere auch) Schwingung.
Wenn wir etwas sagen, entstehen zwangsläufig Schwingungen in Form von Tönen, bzw. Klang/Lauten, deren (Aus)Wirkung wir beobachten können.
Bevor sich die Sprache(n) entwickelte(n), kommunizierten unsere Vorfahren über Laute, die im Laufe der Zeit mit bestimmten „Wirkungen“ oder „Dingen“ in Verbindung gebracht wurden.
Das wir wissen, welche Schwingung (welcher Laut/Klang) was bedeutet, verdanken wir im Grunde der Tatsache, dass diese irgendwann mal mit bestimmten Dingen verknüpft wurden.

Schwingung/Laut/Klang  mit bestimmten „Wirkungen“ oder Dingen in Beziehung zu setzen ist die eine Ebene.
Die andere ist die der Absicht bzw. des Zwecks.

Wird eine Schwingung mit einer Absicht verbunden, erhält diese eine zusätzliche Färbung, bzw. einen zusätzlichen (geistigen) „Bestandteil“, der das Ergebnis der beinflusst/beeinflussen kann.
Beobachten können wir das z.B. auch in unserem ganz normalen Alltag, abseits von Spiritualität und Magie, wenn wir uns unsere Verwendung von Worten, ihre Betonung usw. betrachten, mit denen wir nicht nur andere, sondern auch uns selbst beeinflussen (können). Sprechen wir etwas aus, ist es immer auch mit einer Absicht oder einem Zweck verbunden. Somit wird gleichzeitig die Schwingung dessen, was wir sagen durch das, was wir beabsichtigen (wollen) gefärbt.

Schall  und/oder Klang können wir mit einer Welle vergleichen, die von unserer Intention gefärbt wird.
Diese „Färbung“  ist mit einem Farbfilter vergleichbar, durch den das Sonnenlicht scheint, wodurch das Licht nicht mehr klar, sondern in dem spezifischen Licht erscheint.

Doch egal welche Ebene wir uns betrachten, Worte sind Energie.
Sie tragen die Macht in sich, Dinge zu bewirken und zu beeinflussen.
Das trifft auf alles zu. Mantras selbst sind in dieser Form jedoch noch spezieller.
Wir haben auf der einen Seite die generellen Bedeutungen und Übesetzungen, die mit einem Mantra verbunden sind, auf der anderen Seite jedoch dann das, was ein Mantra tatsächlich bewirkt/bewirken kann, wenn man es ausspricht.
Ähnlich, wie wir nur die Begriffe „heiß“, „Schmerz“ und „Flamme“ in eine Beziehung setzen und wirklich verstehen können, wenn wir uns an einer Flamme die Finger verbrennen, ist es auch mit Mantras.
Wir verstehen Mantras erst dann wirklich, wenn wir sie und ihre Wirkung erfahren.

 

Mantras, Bewusstsein und Körper
Von vedisch-hinduistischen Standpunkt aus betrachtet, besteht der Mensch nicht nur aus einem einzigen Bewusstsein, sondern viel mehr aus vielen verschiedenen Bewustseinsebenen, die nicht nur den physisch-materiellen Körper durchdringen, sondern auch in die verschiedenen Energiekörper und die Aura hineinreichen.
Auch jedes Organ bis hin zu den verschiedenen Körpersystemen (z.B. (Blut)Kreislaufsystem) besitzen ihr eigenes („niederes“) Bewusstsein, die dafür verantwortlich sind, dass der Mensch funktioniert. Die einzelnen Bewusstseinsebenen stehen jedoch nicht unabhängig von einander, sondern beieinflussen sich stetig untereinander, sind von einander abhängig oder/und in einer anderen Weise miteinander verbunden.
Doch solcherlei unterschiedliche Bewusstseinsebenen gibt nicht nur in unserem materiellen Körper, sondern auch in den verschiedenen Energiekörpern. Diese wiederum sind, wie die Bewusstseinsebenen des physischen Körpers, miteinander verbunden und beeinflussen auch den physischen Körper und die Bewusstseinsebenen in diesem.
So wie ein Organ-Bewusstsein einem System-Bewusstsein „untergeordnet“ ist, ist das System-Bewusstsein überlagert von Teilen unseres/r Energiekörpers. Und so geht es darüber hinaus weiter.

Da auch alles andere Schwingungen ist und aussendet, werden diese von unseren verschiedenen Bewusstseinsebenen natürlich ebenso aufgenommen und beeinflusst, was bedeutet, dass in unserem Körper, nicht nur unser „Ich“-Bewusstsein umherwabert, sondern unzählige andere Schwingungen ebenfalls in unserem Körper wirken.
Wir gehen also ständig mit allen möglichen unzählingen Dingen um uns herum in Resonanz.

Mantras, die auf Grund ganz bestimmter Begebenheiten (auf die ich noch etwas eingehen werde) von sich aus bestimmte und sehr machtvolle Schwingungen sind, wirken auf eine ähnliche Weise. Wenn wir mit ihnen arbeiten, beginnt die ihnen innewohnende Kraft über Schwingungen die anderen Schwingungen zu „löschen“ und zu „überschreiben“, bis wir schließlich von der Schwingung (und der Energie) des Mantras erfüllt werden und sich dessen Wirkung entfalten kann.
Mantras versetzen uns in einen Zustand, in dem wir komplett mit den Energien schwingen, die durch das jeweilige Mantra repräsentiert und „aufgerufen“ werden.

 

„Instument“ des Denkens oder des Geistes
Wenn man die zu Beginn zusammen getragenen Übersetzungen nimmt , dann stellt sich die Frage, warum das Wort „Mantra“ in der Regel als „Instument des Denkens“ oder „des Geistes“ bezeichnet wird, wenn die verwendeten Wurzeln „Instrument“ oder „Werkzeug“ überhaupt nicht beinhaltet.
Die Antwort liegt, so vermute ich, in der Grammatik des Sanskrit verborgen.
Sanskrit gehört zu den Sprachen, die den „Casus instrumentalis“ („Womit“-Fall) besitzen, also den Fall, der uns darüber aufklärt mit welchen Mitteln eine Handlung ausgeführt wird.
Im klassischen Sanskrit ist तृतीया विभक्ति (tRtIya vibhakti = instrumentell, als Mittel dienend) das, was die Handlung ermöglicht/unterstützt/fördert.
Dies ist, so zumindest meine Einschätzung, die einzig sinnvolle Erklärung für diesen Ansatz.

Allerdings lassen die Wurzeln des Wortes auch entsprechend andere Üerbsetzungen und Deutungen zu.
Angefangen von „Schutz des Geistes“/“Gedankenschutz“ über „Befreier des Geistes“ hin zu „etwas das den Geist erfüllt“, „Befreier von (weltlichen/gedanklichen) Anhaftungen“, „Denken, dass befreit/beschützt“ oder als etwas, mit dem man das Denken, die Anhaftungen usw. überqueren kann und dabei hilft, einen Zustand zu erreichen, in dem wir die Einsheit mit dem Göttlichen und der Schöpfung erfahren können.

Doch egal in welcher Weise man den Begriff jetzt (wörtlich) übersetzt, letzten Endes wirken Mantras wie Werkzeuge, die uns dabei helfen, das „Materielle“ zu überwinden, unser Denken zu überwinden, Stille zu werden und uns für .

Ende Teil 4


Quellen:
Spoken Sanskrit
Hindudharma-Forum

Hindupedia
Forum for Hindu awakening
Sanskrit Mantra
Wikipedia.de
Wikipedia.com

 

Vom Wesen ägyptischer Tempel (Teil 1) von Merienptah

Die Götter Kemets residieren nicht in einem weit entfernten Olymp, sondern (zumindest zeitweise) auf der Erde selbst inmitten der Menschen.
Die Tempel, also ihre Residenzen, sind aber als Teil einer anderen Welt den Menschen verschlossen.

Der kemetische Tempel ist ein Per-netjer, ein Haus für den Gott im vollsten Wortsinn. Die Tempel werden auch als Achet, als Horizont, bezeichnet; als ein Ort an dem die Gottheit erscheint, genau wie die Sonne bei Sonnenaufgang am Horizont erscheint.
In dieser „Exklave“ des Himmels leben die Götter in ihren Bildern. Ihre Kultbilder sind in gewissem Sinn die Körper der Götter auf Erden. Nicht ohne Grund heißt demnach in den Tempelannalen die Herstellung eines solchen Kultbildes „die Geburt des Gottes“.

Alle in der Tempelumwallung, also dem von einer hohen Mauer umschlossenen und den Blicken der Menschen entzogenen Tempelbezirk, zusammengeschlossen Einrichtungen haben letztlich die Aufgabe die im Tempel wohnenden Götter zu beschützen, zu pflegen und zu versorgen.
Die Kultbilder führen im Tempel ein elitäres, geheimnisvolles und von dem sie verehrenden Volk völlig abgeschirmtes Dasein.
Nur an bestimmten Götterfesten werden sie herausgetragen, um eine „Erscheinung“ zu feiern.
Fragen und Wünsche des Volkes an die Götter werden an solchen Tagen durch die Priester direkt den Gottheiten übermittelt und in Form von Orakeln beantwortet.

Gelegentlich sind an den Rückseiten der Tempel, also genau gegenüber der Stelle, an der sich im Inneren das Kultbild befindet, Kultstellen in Form von Scheintüren, Stelen oder Schreinen eingerichtet, von dem aus der im Tempel residierende Gott von außen erreicht werden kann.
Es gibt jedoch auch noch eine weitere Möglichkeit am Dasein der Gottheit im Tempel teilzuhaben und förmlich in die Götterresidenz „einzudringen“ und sogar dort mit der Gottheit zu „wohnen“, nämlich durch die Stiftung einer persönlichen Statue, die dann im Inneren des Tempelhauses aufgestellt wird und somit an den dort abgehaltenen Kulthandlungen teilnimmt.
Demzufolge ist das Innere der kemetischen Tempel nicht nur von Kultbildern, sondern auch von einer Vielzahl von Bildern bevölkert, die von Stiftern aus der normalen Bevölkerung stammen.
In diesen Bildern lebt, wie in den Kultbildern der Götter auch, der Ka der stiftenden Person und kann wie jene in den Genuss der ewiges Leben im Kreise der Götter verheißenden Rituale gelangen.
Hinzu kommen noch Weihegeschenke (kleine Tonfiguren und dergleichen), die die Bevölkerung als Dank für göttlichen Beistand den Tempeln stiftet.
Diese Figuren und Geschenke überfüllen allmählich die Innenräume der Tempel so sehr, dass sie von Zeit zu Zeit immer wieder ausgeräumt werden müssen.
Votivgaben können jedoch als Eigentum der Gottheit nicht zerstört werden, sondern werden innerhalb des Tempelbezirkes in großen Gruben rituell „beigesetzt“.
(In den alten Tempeln Kemets wurden solche Depots von den Archäologen entdeckt, diese sind für sie wahre Schatzgruben. Im Bereich des Karnak-Tempels wurde das bisher größte dieser Depots entdeckt, dort kamen über 17.000 Bronzestatuetten und 751 größere Statuen aus Stein zutage.)

Auch außerhalb der Tempelmauern fehlt es nicht an volkstümlichen Kultplätzen wie Höhlen, heiligen Tälern, Inseln oder Hügeln an denen das Volk mit den Göttern in Kontakt tritt und ihnen Opfergaben darbringt. Auch die privaten Wohnhäuser der Kemeten besitzen meist kleinere Kultstätten oder Schreine für die Schutzgottheiten der Familie.

Dass der Kemet ein derart aufwendiges System der Götterpflege auf sich nimmt, ist dadurch zu erklären, dass durch diese Umsorgung der Götter der ausgeglichene Zustand der Maat, der lebensspendenden Ordnung, hergestellt wird.
Dieses Ziel kann nur erreicht werden, wenn Menschen und Götter gegenseitig ihren Beitrag dazu leisten, der Mensch durch Opfer und Kult, die Götter durch Erhaltung des Lebens und der Schöpfung. Wird dies nicht getan, versinkt die Welt in Chaos und Not, dann herrscht Isfet.
Die Durchsetzung der Maat auf Erden, also von Gerechtigkeit und Kult, obliegt dem König oder seinen direkten Stellvertretern. Erbauung und Unterhalt der Tempel gehört nicht in die Kompetenz einer weltlichen Lokalverwaltung, sondern ausschließlich in die Verantwortlichkeit des Königs, dessen Name allein in den Weiheinschriften erscheint. In den Tempelinschriften sind daher auch keine Verweise auf die Namen von Architekten oder einfache Priester zu finden, die die Pläne für den Bau und seine Ausstattung entwarfen.

Der kemetische Tempel ist in der Regel einer bestimmten Gottheit oder einer Göttertriade (Mutter, Vater, Kind) geweiht.
Wer sich einem solchen Heiligtum nähert folgt einer steingepflasterten Prozessionsstraße die meist von der Anlegestelle am Fluss bis zum eigentlichen Tempel führt.
Dieser Dromos ist von seitlichen Mauern abgeschirmt oder von Reihen von Sphingen begleitet, oft säumen auch Baumreihen diese zum Heiligtum führende Allee.
Dieser Zugangsweg endet für den nicht befugten Besucher normalerweise am Eingang zum eigentlichen Tempelbezirk, dem Per des Gottes, mit einem Tor in der Umfassungsmauer.

Grundriss des Horus-Tempels in Edfu, Ägypten. Schautafel an einer Miniatur-Rekonstruktion im Ägyptischen Museum Berlin. Bild: © Siat
Grundriss des Horus-Tempels in Edfu, Ägypten. Schautafel an einer Miniatur-Rekonstruktion im Ägyptischen Museum Berlin. Bild: © Siat

Dieser Zugang wird bei großen Tempeln von zwei Pylontürmen flankiert vor denen oft monumentale Stand- und Sitzbilder aufgestellt sind, die gelegentlich eigene Namen tragen und als Mittler zwischen Menschen und Göttern eigene Opfer empfangen.
Diese Prozessionsstraße setzt sich hinter dem Eingangstor fort und führt geradlinig auf das meist durch ein weiteres Portal geschützte Tempelhaus zu.
Kleinere Nebentempel wie zum Beispiel Geburtshäuser oder Barkenstationen und kleine Kapellen säumen den Weg.
Zu beiden Seiten der Straße und den eigentlichen Tempel an allen Seiten umschließend, erfüllt ein dichtes Gedränge von Bauten aller Art das Innere des Tempelbezirkes.
Einen Großteil der Fläche nehmen Magazin- und Lagergebäude ein, in denen die Rohstoffe untergebracht werden, die für den Tempelbetrieb benötigt werden. Dazu kommen administrative Einrichtungen wie Büros, Verwaltungsgebäude und Archive der Tempelverwaltung sowie Wohnhäuser für diejenigen Priester, die (zumindest zeitweise) direkt im Tempelbezirk untergebracht werden müssen. Oftmals gehören auch noch Werkstätten, in denen nicht nur Kultgegenstände und Statuen angefertigt werden, sondern in denen auch viele andere Handwerke vertreten sein können (beispielsweise eigene Schlachtereien und Tempelbäckereien) zu den Gebäuden die das gesamte Tempelareal zu einer richtigen kleinen Stadt in der Stadt machen.
Selbstverständlich fehlen neben diesen eher weltlichen Einrichtungen auch nicht solche, die enger mit dem Kult verbunden waren. So besitzen größere Tempel Bibliotheken für die religiöse Literatur und Schulen für die Ausbildung von Schreibern, Ärzten und Priestern. Diese Schulen stehen in engem Zusammenhang mit dem Lebenshaus, dem Per-anch, in dem die alten Schriften kopiert und aufbewahrt werden und in dem die Priester nicht nur Einsicht in die religiöse und wissenschaftliche Literatur nehmen, sondern auch jene Riten vollziehen, die zur Erhaltung des Lebens nötig sind.

 

Ende Teil 1

08.03.15 – Editorial

Hallo zusammen,

das Jahresrad dreht sich immer weiter.
Die wärmenden Sonnenstrahlen locken hinaus und verleiten dann und wann dazu zu vergessen, dass der Winter noch immer nicht ganz aus den Landen vertreiben ist.
Hier steigen die Temperaturen tagsüber mittlerweile auf 13-15° C, doch in der Nacht hat uns Väterchen Frost mit Temperaturen zwischen -1° und -2° C noch gut in der Hand.
Und doch, Ostera, die Frühlings-Tag-und Nachtgleiche sendet bereits seine Boten.
Die Natur, die an Imbolc noch im sanften Schlummer lag, beginnt nun zu erwachen. Schneeglöcklichen und Krokusse spitzen überall aus den Boden und übersäen Wiesen und Gärten mit ihrer Pracht.
Der Gesang der Vögel beginnt die Luft wieder zu füllen und in uns allen erwachen so langsam die Frühlingsgefühle.

Durchatmen ist angesagt und die Freude über das Erwachen der Natur.

Im heutigen Update findet Ihr den vierten Teil der Reihe „Mantra, Chant und Affirmation-Ein Versuch der Unterscheidung„, der sich heute mit dem Ursprung und der Definition von „Mantra“ beschäftigen wird.

Außerdem freue ich mich, Euch den ersten Teil der Artikelreihe „Vom Wesen ägyptischer Tempel“ von Merienptah präsentieren zu können, für den ich mich ganz herzlich bedanke.

Wir wünschen Euch viel Freude beim Lesen und würden uns natürlich auch über Eure Gedanken in Form von Kommentaren oder auch gern Artikeln für das Blog freuen.

 

LG
Siat