Vasant Panchami, Sarasvati Ma und der Frühlingsbeginn

Ja, auch Indien (vor allen Dingen der Norden), und damit das Sanatana Dharma, kennt Frühlingsfeste.

Dazu gehören neben dem (Magha) Gupta-Navratri die Festivitäten zu Vasant Panchmi, und einige Tage später das bunte Fest der Farben, Holi.
Über Navratri, die neun Heiligen Nächte der Großen Göttin, habe ich bereits eine kleine Artikelreihe geschrieben, die Ihr HIER findet.
Heute möchte ich Euch vor allen Dingen, das Sarasvati-Puja vorstellen.

Name und Zeitpunkt
Vasant/Basant = Frühling
Panchami = 5. Tag nach Neumond
In diesem Jahr fiel dieser Tag auf den

Vasant- oder Basant-Panchami ist ein Fest, das, wie sein Name bereits sagt, am 5. Tag nach Neumond im Frühlingsmonat Magha (Januar/Februar des gregorianischen Kalenders) gefeiert wird.
Es ist das etwas „kleinere“ der beiden Frühlingsfeste, zu denen noch das Holi-Fest gehört.
Während Holi praktisch den Höhepunkt des (/der) Frühling(sfestivitäten) darstellt, so läutet Vasant Panchami die Zeit des Frühlings ein, in der die Vorbereitungen für die Festivitäten zu Holi langsam getroffen werden.
In manchen Teilen Indiens wird allerdings auch schon mit einigen diesbezüglichen Ritualen die segensreiche Zeit von Holi eingeläutet, in dem Priester z.B. mit gefärbten Wasser oder Pulver die Verehrer der Göttin Sarasvati besprengen.

Andere Namen: Shri Panchami, Sarasvati Jayanti, Sarasvati-Puja

 

Die Göttin Sarasvati-Eine Kurzvorstellung
Sarasvati Ma ist die Göttin der Weisheit, des Wissens, des Lernens, aber auch der Künste, der Poesie und Literatur, der Musik und des Gesanges, der Schrift und der Sprache.

Sie ist diejenige, die uns Menschen mit dem Reichtum von Weisheit und Erkenntnis segnet, und uns die Kreativität schenkt, mit der wir uns in Kunst, Musik und Poesie Ausdruck verleihen können.
Sie ist die Weiße Göttin, die auf einem weißen Schwan (Hamsa) reitet, der ebenso ein Symbol der Erkenntnis der Höchsten Wahrheit und/oder Realität, der Unterscheidung von „Gut“ und „Böse“, als auch des vollkommenen Wissens ist.
Neben dem Schwan ist häufig auch der Pfau Ihr Begleiter, der Stolz, Arroganz und die Einbildung auf die eigene äußere Schönheit symbolisiert, die durch Erkenntnis der wahren Natur der Dinge (=Brahman) überwunden werden.
Ihre Farbe ist das Weiß, das sowohl Reinheit, als auch Vollkommenheit (der Weisheit und des Wissens) und die vollkommene Erkenntnis und Realisation des Brahman (dh. ganz grob und kurz gesagt: der unveränderlichen, transzendenten, unendlichen und immanenten Realität, die der Ursprung aller Dinge und allen Seins ist).
Sarasvati Ma wird häufig vierarmig dargestellt, wobei Sie in zwei Händen die Vina (ein indisches Musikinstrument) und in den anderen beiden ein Buch (=Veden, linke untere Hand) und eine Mala (Gebetskette, rechte obere Hand) hält.
In den meisten Darstellungen von Ihr wird Sie neben oder in einem Gewässer dargestellt, was zum einen aus Ihrer Verbindung mit Ihrem Heiligen Fluss, der Ihren Namen trägt, zu erklären ist, zum anderen auch daraus, dass Sarasvati Ma auch eine Göttin der Fruchtbarkeit und der Fülle ist.
Sie ist Shakti von Brahma, dem Gott der Schöpfung, und gilt als „Mutter der Veden“.

Eine Form von Ihr ist Maha-Sarasvati (Höchste/Große Sarasvati), die achtarmig dargestellt wird und als eine der Formen Maha-Devis (der Großen Göttin) in Ihrer Drei-Gestalt (Tri-Murti) Maha-Kali, Maha-Lakshmi und Maha-Sarasvati gilt.
Sarasvati Jayanti und Sarasvati-Puja
An Vasant Panchami feiern wir den Geburtstag der Göttin.

Da Weiß als Lieblingsfarbe der Göttin betrachtet wird, werden Ihr vor allen Dinge in dieser Farbe dargebracht: Weiße Kleidung/Stoffe, weiße Blumen sowie Speisen und Getränke in weißer Farbe.
Aber auch Dinge in gelber Farbe (vor allem Blumen) werden Ihr dargebracht, da sie im Zusammenhang mit der Senf- und der Ringelblumenblüte stehen, die zu dieser Zeit in Teilen Indiens (v.a. Nordindien) in voller Pracht zu sehen ist und die Ankunft des Frühlings verkünden.

An diesem Tag finden im ganzen Land sowohl Zuhause als auch öffentlich große Feierlichkeiten statt.
Vor allen Dingen StudentInnen, SchülerInnen, Personen in Lehr-oder Ausbildungsberufen, aber auch Poeten, Schriftsteller, Sänger, Musiker, Wissenschaftler usw. ehren die Göttin an diesem Tag, und viele Schulen und Universitäten organisieren zu dieser Zeit eine Puja (ein Ritual).

Vasant Panchami und Sarasvati Jayanti gelten als besonders wichtige und segensreiche Zeit, um Kinder rituell auf die Schulzeit und auf das Lernen vorzubereiten, bzw. in einem Ritual den Segen der Göttin für den Beginn der Schulzeit, für Studium, Prüfungen usw. zu erbitten.
Akshar-Abhyasam oder Vidya-Arambham/Prasana ist das wohl bekannteste Ritual von Vasant Panchami, in dem Kinder das Schreiben ihres ersten Buchstabens gelehrt wird, und das ihren Eintritt in das Schulkinder-Alter markiert.
Traditionen
Sarasvati Jayanti ist voll von (regional) unterschiedlichen Traditionen und Bräuchen.
Gemein sind jedoch die Pujas, in denen die Göttin angerufen und verehrt wird.
Dabei finden sich auf dem Altar meistens auch Schulbücher, Musikinstrumente, Schreib- oder Künstlergeräte, oder auch Konto-Bücher usw., die während der Puja gesegnet werden.
Es ist ebenso üblich, an diesem Tag weder zu Lernen noch zu Lehren.

In manchen Teilen Indiens gehört das Drachen-Steigen-Lassen dazu, das mit viel Freude und Enthusiasmus sowohl von Männern als auch Frauen zelebriert wird.
Viele Menschen tragen an diesem Tag vorzugsweise weiße oder gelbe Kleidung die mit den Farben des Frühlings korrespondiert.

In manchen Teilen Indiens wird am Abend von Vasant Panchami (oder auch erst am Abend des dritten Tages) das Bildnis Sarasvatis verabschiedet, in dem es fließendem Wasser übergeben wird (z.B. Bengalen).

© Siat

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