Zeitgemäßes Opfern (Lesezeit ca. 3 Min.)
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Vingiana -
7. November 2021 um 18:04 -
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4 Minuten
Eigentlich dachte ich das diese Zeiten vorbei wären, oder klar sein sollte, das man sich als paganer Mensch mit Umweltverschmutzung auseinander setzt. Aber das war ja wohl nichts.
Als ich vor ein paar Tagen an einem Kraftort besuchte, fand ich dort wieder einmal Kerzenwachsreste, verschimmelte Lebensmittel, Wollfäden und anderen Zivilisationsmüll.
Zugegeben opfern ist immer eine reichlich persönliche Sache. Aber gerade weil nicht nur man selbst, sondern auch diverse örtliche Geistwesen und Gottheiten involviert sind, sollte man auch mal weiter denken. Von der Natur selbst ganz zu schweigen. Selbstverständlich sollte auch sein, das man sein Opfer Tun im im Hier und Jetzt auch mal reflektiert. Keiner fragt sich, wie sein hübsches Ritual Arrangement nach ein paar Tagen aussieht. Offenbar herrscht zudem immer noch die Ansicht, das gerade Teelichter komplett abbrennen müssen. So lange wartet natürlich keiner vor Ort, erst recht nicht um die Reste anschließend mitzunehmen.
Will man so was Mutter Erde zumuten?! Ich hätte nicht gedacht das wir immer noch in einer Zeit leben in der über zeitgemäßes opfern diskutiert werden muss. Wie wichtig ist uns die Natur in dieser Hinsicht wirklich?
Was kann man also tun? Was man zuhause macht ist ja noch eine Sache, hier kann man Kerzen, Kekse, Wein, Räucherwerk etc. sachgemäß entsorgen und ich behaupte jetzt mal, das die meisten das auch tun. In der Natur hingegen scheint der gute Wille dem Verstand dann aber ein Schnippchen zu schlagen und man übernimmt einfach die zuhause gewohnte Opferzeremonie ohne weiter nachzudenken.
Ein Bekannter von mir ist Archäologe, sogar hier ist diese Thematik erstaunlicherweise schon angekommen. Spätestens wenn alte Tempel Überreste unserer Vorfahren als Quelle der Kraft wiederentdeckt werden. Grundsätzlich sei das kein Problem meinte mein Bekannter, solange es sich um organisches Material handelt. Alles andere müsste mühsam von Stadtreinigung und Forstamt beseitigt werden. Es landet dann dort ,wo´s für viele der Ritual-Spaß aufhört: im Müll. Einige dieser archäologischen Stätten sind deshalb schon für Besucher wieder gesperrt. Hinweisschilder auf Wanderwegen zum Schutz dieser Plätze wieder demontiert.
Mein Bekannter fragte mich, was z.B. eine römische Göttin deren Tempel Überreste man mitten im Wald besuchen kann von halb abgebrannten Kerzengläsern mit toten Insekten drin hat. Ich konnte nur mit einem „ich weiß es auch nicht“ antworten. Oder die vielen lieben Menschen, die immer noch gut gemeinte Kuchenstücke, Kekse, Brot und Met in den Wald tragen? Deutschland hat mittlerweile 2,8 Millionen Kinder die in Armut leben. Wie wäre es stattdessen mal als Opfergabe nen Tag bei der Tafel zu arbeiten oder seine ehrenamtlichen Dienste bei einer Suppenküche für Obdachlose anzubieten. So was kommt bei Gottheiten und der Geisterwelt ganz bestimmt gut an - egal wie der persönliche Pantheon aussieht.
Oder wie wäre es stattdessen mal ein Musik zu opfern, dazu braucht man nicht mal ein Instrument, wer nicht singen kann (oder will) und auch für Instrumente zu ungeschickt ist, kann es auch mal mit Landart versuchen. Zeichnet eure Gebete doch mal mit einem Stock in die Erde und wer gern tanzt – jetzt wäre die Gelegenheit. All diese Dinge wurden schon von unseren Vorfahren praktiziert. Es sind also nicht mal neue Vorschläge. Was ist uns also wichtiger, eine evtl. überkommene Tradition oder zeitgemäße neue Ideen? Stillstand ist immer dem Tod geweiht. Das wussten auch schon unsere Vorfahren.
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