Editorial 17.11.2014

Hallo zusammen,

die Zeit ein Gut, das schnell zwischen den Fingern verrinnt.
Kaum ist Samhain vorbei, steuern wir direkt auf die Wintersonnenwende und damit auf Yul zu.

Die immer kürzer werdenden Tage animieren mich dazu, auch künstlerisch wieder mehr tätig zu werden.
Da kam ein frühes „Samhain-Wichteln“ grade recht, um diese Zeit einzuläuten.
Im Beitrag Tischdecke „Nil-Göttin“ findet Ihr das Ergebnis und einen Link zur Häkelanleitung (in Englisch).
Desweiteren findet Ihr einen zweiten Teil von meinen Gedanken über die Möglichkeiten und Unmöglichkeiten von Wahrsagerei.

Ich wünsch Euch viel Vergnügen und freuen mich, wie immer, auf Kommentare und Beiträge von Euch!

LG
Siat

Möglichkeiten und Unmöglichkeiten von Wahrsagerei

Samhain oder die Zeit um Samhain ist der Zeitpunkt, an dem viele Heiden traditionell ein Orakel befragen, um einen Blick dahin zu werfen was der neue Zyklus für sie bereithalten könnte.
Tarot-Karten, Tierorakel, Erzengelorakel, Ogham, Runen, Feuerschau…
Für diejenigen, die einen Blick in die Zukunft werfen möchten, gibt es ein reichhaltiges Angebot an Möglichkeiten.

Genauso groß, wie die Auswahl der Orakel-Methoden, ist auch der Umgang mit und die Interpretation dessen, was „geschaut“ oder „gelesen“ wird.

Doch was ist tatsächlich möglich und was nicht?

„Das Tolle an der Zukunft ist, dass niemand weiss, wie sie aussieht!“(1)
Natürlich gibt es sehr viele Ansichten und Meinungen zu dem Thema, ob und in welcher Weise die (mögliche) Zukunft vorhersehbar ist, oder auch nicht.
Diese sind vermutlich so vielfältig, wie es Menschen gibt, die „Zukunfts-Schau“ betreiben.

Fast genauso vielfältig sind auch die Meinungen zu der Frage, ob es uns Menschen überhaupt zu steht, einen Blick in die Zukunft zu werfen, oder gar diese zu beeinflussen, sie zu verändern.

Der Wunsch die Zukunft, oder „das Schicksal“, zu (er)kennen ist vermutlich schon so alt wie die Menschheit.
Ich denke, schon immer gab es das Bedürfnis in den Menschen,  sich Rat, Hilfe und Unterstützung durch Menschen zu holen, die (augenscheinlich) um die Zukunft wussten, oder die einen „Draht“ zu Göttern oder (Ahnen)Geistern hatten/vermitteln konnten, damit S/sie Wege aufzeigten.

Und sicherlich gab es auch schon damals Menschen, die ihre „Position“ auszunutzen wussten, um Menschen zu manipulieren und (für ihre Zwecke) auszunutzen.

Die spannenden Fragen sind jedoch:
Kann man die Zukunft überhaupt vorher sagen? Und sollte Mensch das überhaupt tun?

Nun, natürlich sind die Antworten davon abhängig, welches Weltbild, und auch, welches Verständnis von Zeit, man hat.
Meinem Verständnis nach ist das, was wir „Zukunft“ nennen, nichts Statisches.
Und schon gar nicht etwas, das unwiderruflich in Stein gemeißelt, und unbeeinflussbar ist. Ganz so, als seien wir dem Willen der Göttlichen und /oder des Schicksals ausgeliefert, ohne die Möglichkeit dazu zu haben, unser Geschick zu beeinflussen.
Die Zukunft ist meiner Ansicht nach in einem stetigen Fluss, der durch alles was wir tun, denken, sagen, lesen etc. (oder auch nicht!) beeinflusst wird, bzw. beeinflusst werden kann.

Ich betrachte das, was ich durch verschiedene Orakelmethoden erkennen kann, aus unterschiedlichen Perspektiven. Die eine ist, dass sie mir ermöglichen, mögliche (!) Entwicklungen oder Tendenzen, von meinem derzeitigen Standpunkt aus betrachtet, aufzeigen können, eine weitere, dass sie mir einen Spiegel von mir selbst vorhalten. Wenn ich im letzteren „Bereich“ bin dann sind Orakelmethoden für mich ein (hervorragendes) Werkzeug zur Arbeit an mir selbst, und damit zur Selbsterkenntnis, weil sie mir auch einen Einblick in mein Unterbewusstsein geben können.
Und sie können auch dabei helfen, (wieder kehrende) Muster oder Themen im Leben zu erkennen.

 

Die Einsicht in „Größeres“
Es gibt auch Orakelmethoden, die einem Menschen die Möglichkeit geben, Einblicke in den „Weltlauf“ zu erhalten.
Meiner Meinung (und Erfahrung) nach ist das allerdings eine recht zweischneidige Sache.

Der Einblick in eine mögliche Zukunft der Welt, eine Volkes, einer Gemeinschaft o.ä.  kann ziemlich belastend und frustrierend sein.
Vor allen Dingen dann, wenn einem bewusst wird, dass die menschlichen Möglichkeiten beschränkt sind und es mehr braucht, als das Bemühen und die Arbeit von einem einzelnen Menschen.
Und dass es schlicht Dinge gibt, die sich jeglicher Einflussnahme durch (einzelne) Menschen entziehen. Krankheit, Tod, Krieg, mensch-gemachte oder natürliche Katastrophen o.ä..

Diese Dinge zu „sehen“ kann Ohnmachtsgefühle oder vielleicht auch eine gewisse Verzweiflung auslösen, weil sie durch einen Einzelnen nicht (oder nur schwer) verändert werden können, oder weil so viele „Fäden“ zusammen laufen, dass eine Einflussnahme auf die Geschehnisse unmöglich ist.

Die Zukunft zu sehen, so meine ich, ist keine wirklich sehr hohe Kunst, allerdings sehr wohl der Umgang mit dem, was Mensch erfahren kann.

 

Der Blick in und die Veränderung der Zukunft
Sollte der Mensch Blicke in die Zukunft werfen? Die Gegenfrage wäre: Warum eigentlich nicht?

The Lament of the Fortune Teller; Künstler: foreigneye; Quelle: Toonpool.com

Eine Argumentation, die mir sogar in manchen esoterisch-heidnischen Kreisen begegnete ist, dass Mensch nicht in das Schicksal einzugreifen hätte, das Gott/die Götter und Göttinnen  den Menschen vorherbestimmt hat/hätten.
Andere sind der Meinung, dass es so wieso nicht möglich ist, das eh vorherbestimmte und zugedachte Schicksal zu ändern, und dass Mensch sich seinem Schicksal zu fügen hätte.

Ich gehöre jedoch nicht zu den Menschen, die derlei Meinung vertreten, auch wenn ich durchaus der Ansicht bin, dass es so etwas wie einen „Lebensplan“ gibt. Doch für mich besteht dieser eher aus (flexiblen) „Lern“-und „Aufgabenfeldern“, denn aus in Stein gemeißelten, unabänderlichen Gesetzen.
Sein Schicksal und seine Zukunft selbst in die Hand zu nehmen und das Bestmögliche aus der Existenz hier auf Erden zu machen ist, so denke ich, das Recht eines jeden Menschen und auch etwas, was die Göttinnen und Götter von uns erwarten (zumindest tun es „meine“ von mir 😉 ).

Sich auf seinem Lebensweg Hilfen und Unterstützung von anderer als „menschlicher Seite“ zu holen, wenn es um (wichtige) Fragen des Lebens geht, ist natürlich und eine schon fast logische Konsequenz wenn man daran denkt, das Mensch eben nicht alles weiss, und auch nicht wissen kann.

Doch das eine ist der Blick in die mögliche Zukunft. – Das andere, was Ratsuchende daraus machen.
Der größe Fehler, der meines Erachtens gemacht werden kann ist, das Ergebnis einer Orakelbefragung als endgültig fest stehende, unanfechtbare und unabänderliche Antwort, oder als unabwendbares Schicksal zu betrachten.
Orakeln eine Art sakrosankte Stellung zu geben, die nicht hinterfragt werden darf, halte ich für ungesund und gefährlich.
Selbst göttliche Ratschläge sind mit einer gesunden Skepsis zu betrachten, denn „so einfach“, wie es sich manche gerne vorstellen, sind auch vermeintlich „göttliche Ansagen“ nicht.
Meiner bisherigen Erfahrung nach, sind die Antworten von Orakel eher viel-, denn einschichtig, und nicht immer ist das, was auf den ersten Blick so verlockend einfach erscheint auch das, was die Botschaft tatsächlich bedeutet.
Und manchmal kann es auch passieren, dass sich die „wahre Bedeutung“ eines „Orakelspruchs“ erst in viel späterem Nachschauen offenbart.

Quelle: Funnymadworld

 

Ende Teil 1
Siat


1 – Iolaos („Hercules“ S5-F10 „Dahaks dunkle Mission“)

Gedanken zu Samhain von Solveig

Zu Samhain sind die Schleier zwischen den Welten besonders dünn. Das Übernatürliche durchdringt die alltägliche Wirklichkeit. Wesenheiten diesseits und jenseits des Vorhanges können leichter passieren.
Samhain ist die Nacht der Begegnung zwischen Lebenden und Toten.

Das Licht hat inzwischen deutlich abgenommen, die Tage sind kurz. Die Bäume haben ihr Laub abgeworfen, viele Pflanzen haben sich in die Erde zurückgezogen. Samen ruhen gut geschützt in der Erde und warten auf den Frühling. Die Natur macht Pause.
Nebel und Regen verleiden uns das Draußen sein.
Die Zeit der Außenarbeiten ist vorbei.
Jetzt kommt die Zeit für Glühwein und Plätzchen, die Zeit, sich in geselliger Runde zu treffen, Geschichten zu erzählen und Pläne für das nächste Jahr zu schmieden.

Wir wenden unsere Aufmerksamkeit nach innen und beschäftigen uns mit den eigenen dunklen Aspekten.
Für jeden magisch Arbeitenden ist es unverzichtbar, den eigenen Schatten zu kennen und anzunehmen.
Tun wir es nicht, macht er uns zum Sklaven und bestimmt unser Leben.

Wer möchte, nimmt Kontakt auf zu den Ahnen, legt ein zusätzliches Gedeck auf oder stellt Milch, Brei, Brot und Bier unter den Hollerbusch.
Der Hollunder neben dem Haus ist ein Schwellenbaum, ein Zugang zum Reich der Hel und zu den verstorbenen Ahnen.
Wenn euch die Ahnen nicht geheuer sind, denkt an liebe Menschen, die diese Welt verlassen haben und an all das Gute, das euch mit ihnen verbindet. Vielleicht sind sie gerade jetzt an eurer Seite und stärken euch mit ihrer Kraft.

Da ist auch noch die Auseinandersetzung mit Tod, Alter und Sterben.
Für jeden kommt irgendwann die Zeit – ein Fakt, den wir gerne ausblenden.
Der Tod ist etwas Anonymes geworden. Wir schieben ihn weg, denn er macht Angst.
Diese Angst gilt es zu überwinden – auch wenn das leichter gesagt als getan ist.
Der Tod stellt einen Neubeginn dar.
Es gilt, ihm ins Auge zu sehen, ohne vor Schreck zu erstarren und das Leben zu vergessen.
Er ist fester Bestandteil des Lebens, der akzeptiert und integriert werden will.

Editorial – 09.11.2014

© Siat
© Siat

 

Die dunkle Jahreszeit ist angebrochen. Die Tage sind jetzt schon merklich kürzer und auch die Temperaturen sinken in der Nacht schon auf etwas knusprigere Temperaturen.
Zwar friert es noch nicht, aber vermutlich wird der erste Frost auch nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen.

Die Samhain-Feuer, so welche entzündet wurden, sind erloschen und die Zeit der Einkehr ist angebrochen.
Wir fühlen vielleicht das Bedürfnis, uns (vermehrt) zurück zu ziehen. Uns in warme Decken bei einer heißen Tasse Tee, Kakao oder Glühwein einzumummeln, und die Botschaften in uns zu bewegen, die wir durch die Götter, die Göttinnen, Ahnen, Geister oder wen auch immer wir um Botschaft baten, erhalten haben.

Vielleicht ziehen wir uns auch einfach nur zurück, um in der Gemütlichkeit der immer kürzer werdenden Tage ein Buch zu lesen, oder uns endlich Zeit für die Dinge zu nehmen, zu denen wir bisher nicht kamen.

Wie Samen, die im Schoß der Mutter Erde ruhen und ihrer Zeit der Reife und des Sprießens entgegen träumen, so haben auch wir, unsere Ideen, Wünsche und Träume ihre Zeit.

In unserem heutigen Update findet Ihr einen Nachklang zum Samhain-Fest, der uns freundlicher Weise von Solveig gespendet wurde: Gedanken zu Samhain
Vielen Dank dafür 🙂 .
Die Tage um Samhain haben mich außerdem dazu inspiriert, mir ein paar Gedanken über die Möglichkeiten und Unmöglichkeiten von Wahrsagerei und Orakelbefragung zu machen.

Wie immer wünschen wir Euch viel Vergnügen beim Lesen, und wir freuen uns natürlich auf Eure Kommentare und vielleicht den einen oder anderen Beitrag für unser Blog. 🙂

Liebe Grüße
Siat

Schnitterin

Schweigend schreitet Sie durchs Land
Sens´und Kessel in der Hand
Schreitet schweigend durch die Flur
Rot wie Blut ist Ihre Spur

Was zur Reife kam nun fällt
So Sie die Balance erhält
Ruhet sanft in Ihrem Schoß
Bis sich erfüllt des Rades Los

Schweigend schreitet Sie durchs Land
Sens´und Kessel in der Hand
Es schreitet schweigend durch die Weit´
Die Schnitterin der Lebenszeit.

©Siat
02.10.11