Mittsommer ist eine Zeit der Fülle.
Bäume tragen Früchte, üppig wachsen das Korn und die Beeren. Im Tierreich tummelt sich der hoffnungsvolle Nachwuchs.
Wir haben bereits geerntet – Kirschen und Aprikosen aus der Region.
Die Spargelsaison ist sogar schon vorüber. Nun darf das edle Gewächs tüchtig ins Kraut schießen und Kraft zur Vermehrung sammeln.
Die Fülle, die uns von der Natur zur Verfügung gestellt wird, wollen wir teilen. Gemeinsam feiern wir das Fest des längsten Tages und der kürzesten Nacht – mit Essen, Trinken und Fröhlichkeit.
In unseren Breiten ist der Sommer kurz, und jeder einzelne Sonnentag ist ein Fest an sich. Wenn heute die Sonne nicht so warm scheint, wie die vergangene Woche es erhoffen ließ, so gemahnt uns dies, unsere Erwartungen nicht zu hoch zu stecken.
Wohl dürfen wir hoffen und träumen und Zukunftspläne machen, doch am Ende gilt es, mit dem zurechtzukommen, was wir vorfinden.
Drum lasst unseren Blick auf die schönen Seiten heften, auf die Chancen, die das gemeinsam Feiern in diesem Kreis für uns bietet. Lasst uns die Gesellschaft all jener genießen, die heute gekommen sind, und höflich darum bitten, dass Thor unseren Platz trocken hält.
Norden – Erde
„Ich segne euch mit dem Element Erde.
Fest verwurzelt im Boden
Wächst der Baum dem Himmel entgegen.
Möge die Erde euch Halt und Geborgenheit spenden.
Möget ihr fruchtbare Felder vorfinden,
auf denen ihr gemeinsam wachsen und gedeihen könnt.“
Osten – Luft
„Ich segne euch mit dem Element Luft.
Das Schwert des Sturms bringt Klarheit und Einsicht.
Es vertreibt den Schleier der Wolken
und zeigt die Dinge so, wie sie sind.
Möge der Wind euch den Weg der Erkenntnis weisen.
Mögen die Worte des anderen,
nicht nur euren Verstand, sondern auch euer Herz berühren.“
Süden – Feuer
„Ich segne euch mit dem Element Feuer.
Die Flamme der Tatkraft bringt der Welt den Wandel.
Sie transformiert das was ist in das, was es werden kann.
Möge das Feuer euch mit Mut, Stärke und Lebenskraft segnen.
Bei allen Veränderungen, die das Leben mit sich bringt
Möge die Flamme eurer Liebe niemals erlöschen.“
Westen – Wasser
„Ich segne euch mit dem Element Wasser.
Die Oberfläche des Sees reflektiert unser Spiegelbild
Und verbirgt darunter die Tiefen des inneren Wesens.
Möge das Wasser euch Zugang zu euren wahren Gefühlen gewähren.
Möge die Intuition euer Wegweiser sein
Um hinter den Vorspiegelungen eitlen Scheins
Die Nöte des anderen verständnisvoll zu erkennen.“
Beltane ist ein Fest des Lebens, der Fruchtbarkeit, des Sieges der Sonne über Kälte und Nacht.
Endgültig hat nun der Sommer über den Winter triumphiert (auch wenn sich das heute wettermäßig nicht so anfühlt). Der Sonnengott ist zum geschlechtsreifen Jüngling herangewachsen und stellt sich der Herrschaft über das Land. Die jungfräuliche Göttin erwartet ihn, um Neues zu schaffen. Erde und Sonne stehen in inniger Verbindung.
Die Welt ist für die heilige Hochzeit bereit.
Leichtigkeit greift um sich.
Die Zeit des Mangels und des Sparens ist vorbei. Nun werden wir wieder von der Natur direkt versorgt und müssen nicht länger auf das Eingemachte zurückgreifen.
Die Freude, dass der Winter überstanden ist, sollte uns zu einem ausgelassenen Fest inspirieren.
Heute Abend reiten Hexen auf ihren Besen rund um den Brocken. In ihrem Gefolge findet sich ein wilder Reigen von Elfen, Menschenfrauen und Geistern. Sie alle wollen Teil haben an der wieder erwachten Lebensfreude.
In alten Überlieferungen werden diese Frauen als ungezähmt und kraftvoll beschrieben – die Ur-Frau, die ihre Gefühle lebt und stolz ihren Mann erwählt.
Wikipedia berichtet: „Der anfangs fröhliche, später immer ekstatischer werdende Kulttanz entfachte eine gemeinsame Trance, in der es möglich war, aus der ganz „normalen Realität“ auszusteigen und Kontakt mit der Anderswelt zu bekommen sowie Energien in sich zu entfachen.“
Wozu diese Energien wohl gebraucht wurden?
Die Alten haben getanzt, sind über das Feuer gesprungen und dann…
Das könnten wir auch tun … aber ich fürchte, da macht keiner mit.
Gesellschaftliche Regeln und unser modernes Selbstverständnis stehen einer wilden Beltane-Feier entgegen.
Doch wir dürfen uns zumindest vorstellen, wie das früher einmal abgelaufen sein könnte. Und dürfen uns – ganz ohne die anerzogene Scham – an der gedanklichen Bilderwelt erfreuen.
Damit wäre ein erster Schritt gemacht … zu einer ekstatischen Beltanefeier.
Das Devi Mahatmya gehört neben der Shrimad Devi Bhagavatam Purana zu den wichtigsten Schriften der Shaktas, den VerehrerInnen der Göttin im Sanatana Dharma.
Das Devi Mahatmyam besteht aus 13 „Gesängen“/Hymnen, die einen Teil der Markandeya-Purana bilden, einer Schrift die (wie im Grunde alle Puranas) in Dialogform geschrieben wurde.
Die Hymnen des Devi Mahatmyam beschreiben einerseits die Herrlichkeit der Göttin und andererseits Ihren Kampf gegen Unwissenheit und Übel in der Welt, das durch verschiedene Asuras (1) , Gegenspieler der Devas (2), versinnbildlicht wird.
Dabei spielen verschiedene „Inkarnationen“ der Göttin (meist Durga oder Kali) eine Rolle.
Diese Hymnen spielen in der Verehrung der Göttin und bei Ihren Ritualen eine sehr wichtige Rolle. So werden sie in Auszügen oder auch komplett rezitiert, bzw. gesungen.
Navratri, die neun heilgen Nächte der Göttin, die (je nach Pfad) vier bis fünfmal im Jahr stattfinden, sind eine Zeit, in der traditionell das Devi Mahatmyam rezitiert wird.
In welcher Weise dies geschieht, ist ebenfalls nach Tradition und Pfad recht unterschiedlich. Doch darauf werd ich in anderen Artikeln eingehen.
Da das Rezitieren des gesamten Devi Mahatmyams einen nicht zu unterschätzenden Zeitaufwand bedeutet (vor allem wenn man bedenkt, was für vorbereitende Maßnahmen ggf. noch vorgenommen werden), ist eine beliebte Variante die Rezitation des Devi Mahatmya Stotra Ashtakam.
Diese Hymne fasst die Geschichten, die in den dreizehn Kapiteln des Devi Mahatmya erzählt werden in einem Oktett zusammen (in der Übersetzung lässt es sich jedoch leider nicht umsetzen).
Passend zum jetzigen Frühlings-Navratri möchte ich Euch gern eine deutsche Übersetzung präsentieren.
Die Übersetzung des Devi-Mahatmyam von Sanskrit in Englisch von P.R. Ramachander findet Ihr im Übrigen hier KLICK.
Lakshmeese yoga nidhram prabhajathi bhujaga Deesa thalpe sadad pad Vuthpannaou dhanavou thachra vana mala mayangaou Madhum kaidabham cha Drustwa bheethasya dhathu stuthibira binutham, Masu thou nasayantheem Durgam deveem prapadye saranamaha, Masesha apadan unmoolanaya.
Vishnu auf der Schlange Shesha, Brahma auf dem Lotus, Adi-Shakti und die Asuras Madhu und Kaidabha Quelle: exoticindiaart.com (Klick a. Bild)
Einstmals, als der Gebieter Lakshmis im tiefen Yoga-Schlaf versunken war auf Seinem furchteinflößenden Schlangenbett, und die urzeitlichen Dämonen Madhu und Kaidabha, hervorkamen aus Seinem Ohrenschmalz und Brahma, den Schöpfer, zum Erzittern brachten, Erhörtest Du, Oh Durga, Seine Gebete und tötestest sie beide. Und so falle ich zu Deinen Füßen für die Lösung all meiner großen Probleme.
Als der große Dämon Mahisha, der Indra, den Herrn aller Devas, im Kampf besiegte, und durch seine Fähigkeiten alle drei Welten zu seinen Sklaven machte, und seine Untergebenen einsetze, um über sie zu herrschen, tötestest Du, Durga, ihn zusammen mit seiner Armee,
seinen Ministern und Freunden. Und so falle ich zu Deinen Füßen für die Lösung all meiner großen Probleme.
Viswothpathi pranasa sthithi vihruthi pare, Devi Gora marari, Thrasath thratham kulam na punarapi cha maha Sankadeshwi diseshu, Avirbhooya purasthadithi chararana namath, Sarva geervana vargam, Durgam deveem prapadye saranamaha, Masesha apadan unmoolanaya.
Hey, Göttin Durga, Die Du im Akt der Schöpfung versunken bist in der Erschaffung, Erhaltung und Zerstörung des Universums, Hey, Göttin, die Du die Verkörperung des Lichtes bist, die Götter und Devas appelierten an Dich: „Du hast uns vor der Gefahr errettet, Mutter, die der große Rakshasa (3) mit seinem Krieg darstellte, und wir beten, dass Du unsere Früchte in Zukunft ebeso rettest, wie heute.“ Und Du pflichtetest Ihnen bei. Und so falle ich zu Deinen Füßen für die Lösung all meiner großen Probleme.
Dem Gebet der Göttern beipflichtend kamst Du zu den verschneiten Bergen, auf einer goldenen Schaukel und tötetest die stolzen Dämonen von Shumbha und Nishumba, nachdem Du Dhommraksha, Chanda und Munda getötet hattest. Du wurdest gerufen udn gepriesen als Chamunda, und Du tötetest auch die große Übel Rakthabeeja,
Und so falle ich zu Deinen Füßen, für die Lösung all meiner großen Probleme.
Durga tötet Rakthabeeja, während Kali sein Blut trinkt. Quelle: exoticindiaart.com (Klick Bild)
Du tötestest Shumbha, der über alle Devas herrschte, in dem Du die Shaktis von Brahma, Skanda, Narayana, Narashima, Varaha und Indra zu Deinen Gehilfinnen machtest und dann alle in Dir vereintest. Und Du tötestest Nishumbha in einem schrecklichen Krieg Und so falle ich zu Deinen Füßen, für die Lösung all meiner großen Probleme.
Du wurdest als Tochter des Königs Nanda geboren, Auf dieser Heiligen Erde, um die Rakhasas Shumbha und Nishumba zu töten,
Bhramaramba (Bhramari), Mutter der Bienen; Quelle: Maa Vaishnavi.com (Klick Bild)
und Du wurdest als Biene geboren, um den Asura Aruna zu töten und wieder wurdest Du geboren, als Heilige Durga, um den Asura zu töten, der Durgama genannt wurde. Du warst berühmt als Bheema, als Du die Asuras in Deiner Raserei verschlangst. Du warst bekannt als Sakambhari, als Du Speise auf Deinem Körper wachsen liest, für die tausenden Verhungernden, während einer großen Hungersnot. Und Du warst auch bekannt under Rakthadantha, weil Du die Asuras Vipra und Chitha verschlangst. Und so falle ich zu Deinen Füßen, für die Lösung all meiner großen Probleme.
Shatakshi/Sakambhari, die Göttin mit unzähligen Augen, die den Menschen Wasser und Nahrung brachte, damit sie nicht verhungern. Quelle: exoticindiaart.com (Klick Bild)
Tri giunyaanam gunaanaam anusarana kala Keeli naanavatharai, Tri lokya trana seelaam dhanuja kula vanee, Vahnee leela saleelaam, Deveem sachinma mayeem tham vit haritha vinamath, Sathree vargaaapavargaam, Durgam deveem prapadye saranamaha, Masesha apadan unmoolanaya.
Du bist alle drei Gunas in einer vereint, Du spielst Dein göttliches Spiel in verschiedenen Gestalten, Du achtest auf alle drei Welten, Du raffst kinderleicht die Asuras hinweg, mit der Heftigkeit eines Wirbelsturmes in einem Wald Du bist die Verkörperung von allem, was gut ist für die, die sich vor Deinen Füßen in Demut verneigen Du gewährst ihnen alles, was sie ersehnen hier und danach. Und so falle ich zu Deinen Füßen, für die Lösung all meiner großen Probleme.
Durga und die sieben Matrika; Künstler/Artist: unbekannt
Sie, die auf einen Löwen reitet. Sie, die drei Augen hat. Sie, die ein Muschelhorn und das Wurfrad mit bezaubernder Anmut trägt. Sie, die die Bitten Ihrer Verehrer erfüllt. Sie, die Ihre Feinde vernichtet. Sie, die in allen Welten verehrt wird. Sie, die in Vollkommenheit gekleidet ist. Sie, die den Mond an Ihrer Krone trägt. Sie, die von schwarzer Farbe ist Sie, die von schlanker Gestalt ist. Ich falle zu Deinen Füßen, für die Lösung all meiner Probleme.
Adi-Parashakti und die Trimurti (Dreiheit) von Brahma, Vishnu und Shiva als Ihre Kinder. Künstler/Artist: unbekannt;
„Es besteht keine Notwendigkeit, oh Durga, Dich zu bitten uns zu beschützen und zu retten, denn hat die Mutter, von der sie allein abhängen, jemals ein Bitten gebraucht. Und so grüßen wir Dich“, so beten die Götter zu Dir. Und so falle ich zu Deinen Füßen, für die Lösung all meiner großen Probleme.
Etham santha padanthu sthavam akhila vipa, Jjala thoolana labham, Hrinmoha dwantha bhanu prathima makhilam, Sankalpa kalpa dru kalpam, Dowrgam dowargathya goratha pathu hina kara, Prakhya mam ho gajendra, Sroni panchasya desyam Vipula bhayadha Kaalahitha tharkshya prabhavam.
Lass dieses Gebet an die Göttin Durga sein wie ein Wind für ein Baumwoll-Bündel der Sünden wie eine Sonne für den stockdunklen Verstand wie der alle Wünsche erfüllende, göttliche Baum, wie der kalte Mond für die glühende Hitze der Not, wie ein Löwe vor der Elefantenherde der Sünden, und wie ein furchterregender Adler vor dem König der Kobras. Rette uns vor allen Gefahren, und lass dieses von allen Verehrern immer gesungen werden.
Adi-Parashakti; Künstler/Artist: unbekannt.
1- „Dämonen“; Gegenspieler der Devas mit eifersüchtige und neidische Charakter, die gegen die lichtvollen Devas kömpfen.
2-sanskr. wörtl.: „Gott“; es handelt sich hierbei nach verschiedenen Vorstellungen um Götter/Göttinnen (=Devis), die dem höchsten Göttlichen dienen, die dem Rad der Wiedergeburt unterworfen sind und/oder um Halbgötter
3-Dämonen bzw. nächtliche Geister, die häufig in Tiergestalt oder Mischwesen zwischen Menschen und Tieren erscheinen. Obwohl sie in der Regel von bösem Wesen sind und Menschen und Göttern eher feindlich gesonnen sind, können verschiedene Rakshasas auch das gute Unterstützen und sich als besonders tugendhaft und kultiviert zeigen.
Heute begehen wir das Fest der Tag- und Nachtgleiche.
Ein Äquinoktium ist lt. Wikipedia der Moment, an dem die Sonne bei ihrer scheinbaren Jahresbewegung auf der Ekliptik den Himmelsäquator überschreitet. Die Schnittpunkte von Ekliptik und Äquator werden Frühlings- und Herbst- bzw. Widder- und Waagepunkt genannt.
Die Tag- und Nachtgleichen sind Sonnenfeste.
Licht und Dunkel sind gleich stark. Es herrscht Ausgewogenheit, Gleichgewicht zwischen Tag und Nacht.
In diesem Punkt steckt die gesamte Fülle der Möglichkeiten.
Alles kann sich entwickeln – nach der einen oder der anderen Seite (come to he dark side, we have the cookies!).
Der Name des Festes könnte lt. Wikipedia auf Ostara oder „Eostre“, dem angelsächsischen Namen der teutonischen Göttin der Morgenröte, zurückgehen.
Lautgeschichtlich besteht „Os-tara“ aus zwei Silben.
„Os“ wäre demnach Mund-Schoß-Erde-Geburt-Entstehung. Und „tar“ würde „zeugen“ bedeuten.
Ostara hieße demnach Erd-Zeugung.
Auch Osten beinhaltet die gleiche erste Silbe. Im Osten geht die Sonne auf, dort wird sie geboren.
Andere Quellen führen den Wortstamm auf Isis/Astarte/Ishtar zurück.
Zu Ostara sind die Felder bestellt.
Der Keim im Boden beginnt zu wachsen. Erste grüne Spitzen zeigen sich. Das Neue schafft sich seinen Raum.
Auch für uns Menschen ist die Zeit der Innenorientierung vorbei. Wir wenden den Blick nach außen und suchen neue Herausforderungen. Die Handwerksburschen gehen auf die Wanderschaft. Für das Jungvolk kommt die Zeit des „Liebäugelns“, oder neudeutsch des Flirtens. Neue Bindungen formen und festigen sich, neues Leben darf entstehen.
Im Ritual bitten wir nun um fruchtbaren Boden für unsere Werke oder bündeln die Energie, um das Wachstum magisch zu intensivieren.
Vorchristliche Symbole wie Ei (=> Wiedergeburt, Ursprung des Lebens) und Hase (=> besonders fruchtbares Tier) verbinden uns mit den Bräuchen vorangegangener Generationen. Schon früher wurden die Eier rot – in der Farbe des Blutes und des Lebens – gefärbt.
Rote Eier, Schoko-Osterhasen und Hefekranz finden sich auch heute auf unserem Gabentisch.
Lasst uns im Geiste unserer Vorfahren die Gaben des Frühlings feiern und uns daran laben. Vergesst jedoch nicht, den hohen Wesen und den Geistern des Ortes ihren Anteil abzugeben.
Auf dass es uns (und ihnen) wohl bekommen möge!