Archiv der Kategorie: Heidnisches Multiversum

Wie fange ich an… von Tunritha

Wie fange ich an…..
In letzter Zeit häufen sich die Gespräche zu der Frage – wie fange ich an schamanisch zu arbeiten? Was sind die ersten Schritte auf dem Weg des Schamanen? Kann ICH überhaupt schamanisch arbeiten und was heißt das überhaupt?

Meiner persönlichen Erfahrung nach kann jeder, der es möchte, grundlegende schamanische Techniken lernen und anwenden.

Kleiner Exkurs – Was ist Schamanisch?
Für mich bedeutet Schamanismus oder schamanische Arbeit an allererster Stelle die Arbeit oder vielmehr die Zusammenarbeit mit Geistern oder Spirits. Und damit meine ich nicht die Arbeit mit Energien, inneren Bildern oder Anteilen meiner eigenen Psyche… Ich meine damit Wesenheiten die nicht inkarniert sind – und die man (im Normalfall) nur dann wahrnehmen kann, wenn man das normale oder alltägliche Bewusstsein verlässt und stattdessen eintritt in das Nicht-Alltägliche Bewusstsein. Diese Spirits sind eigentständige Wesen, die außerhalb von mir existieren und genau so real sind wie Du und ich.  Die Zusammenarbeit mit den Spirits ist für mich ein essentieller Bestandteil der schamanischen Arbeit – Ohne Geister kein Schamanismus/kein Schamane.

DSC_0012_ps_HDR_raven_fbEin weiterer wichtiger und meiner Ansicht nach unverzichtbarer Teil des Schamanentums ist der “Seelenflug”.             

Die schamanische Reise, in die nicht alltägliche Wirklichkeit – in die Anderswelt.
Der Schamane/schamanisch Praktizierende begibt sich hierzu in einen Trancezustand (durch singen, rasseln, trommeln, tanzen oder was auch immer), wechselt den Bewusstseinszustand und fliegt/reist mit seinem Geist in die anderen Ebenen der Wirklichkeit – in die Anderswelt – die Nicht-Alltägliche Wirklichkeit. Viele schamanische Kulturen kennen mindestens eine 3-teilige Wirklichkeit… Eine mittlere Welt, eine untere Welt und eine obere Welt.  Und durch diese Welten lässt sich reisen und von dort lässt sich auch etwas mitbringen. Die Mittlere Welt ist dabei die Anderswelt zu unserer normalen, alltäglichen, materiellen Welt. Für die anderen Welten gibt es keine materielle Entsprechung. Dies ist aber nur ein Model von vielen möglichen Modellen.

Um schamanisch zu praktizieren oder gar Schamane zu werden müssen also ein paar grundlegende Techniken gelernt und praktiziert werden.

Die erste und wichtigste ist dabei wohl, den Bewusstseinszustand willentlich zu verändern und eine leichte oder auch stärkere Trance herbeizuführen.
Im Zustand der sog. schamanischen Trance begibt sich der schamanisch Praktizierende dann auf die Suche nach Verbündeten – Krafttier und Lehrer sind wohl die Bekanntesten, aber es gibt auch reichlich andere, mögliche Verbündete…. und nicht alle werden einfach nur „gefunden“ oder gehören schon zu mir…. manche müssen erabeitet, überzeugt, ertrotzt oder gar erkämpft werden….

Die ersten Verbündeten die ein schamanisch Praktizierender sich erwirbt, sollten vertrauenswürdige und mitfühlende Geister sein, denn diese sind Schutz und Führer auf der schamischen Reise und durch die Anderswelt.

Seminar

Wie und wo lernt man dies?
Grundsätzlich gibt es dafür viele verschiedene Möglichkeiten, ich habe zu Beginn ein sog. Schamanisches Basis-Seminar besucht. Hier wird intensiv an 2-3 Tagen alles eingeübt was man für die schamanische Arbeit braucht.
Vor Besuch des Seminars habe ich mich schon einige Zeit als Autodidakt versucht – was auch gut funktioniert hat, aber nicht die gleiche intensive Wirkung auf mich hatte wie ein zweitägiges Seminar.

Auf einem Basis-Seminar ist ein Lehrer den man mit Fragen löchern kann, andere Teilnehmer die vielleicht ähnliche oder auch ganz andere Erlebnisse haben wie man selbst – man kann sich austauschen, es hat einfach eine ganz andere Wirkung wenn man zwei Tage mehrere Stunden reist und übt als wenn man das zu Haus, alle paar Tage mal, für ein zwei Stündchen probiert…. Für mich war damals die Intensität der Arbeit und des Erlebten ein ganz klarer Unterschied.

Die Kraft einer Gruppe und eines routinierten Lehrers kann, gerade am Anfang, sehr, sehr hilfreich sein.
Darum wäre mein Tipp immer sich zuerst ein schamanisches Basis-Seminar zu gönnen – ein gutes Basis-Seminar ermöglicht es mir das ich danach auch alleine weiterkomme, denn die eigentliche Unterweisung und Ausbildung erfolgt durch die Geister.

321449_4945939696567_1344387140_nWer lieber alleine arbeitet dem seien einige Bücher empfohlen die ich persönlich sehr nützlich fand:

http://www.tunritha.de/literatur.html

Ganz grundsätzlich gilt meiner Ansicht nach: Schamanisch Praktizieren kann jeder, der das möchte und den Wunsch danach verspürt. Krafttier, Lehrer und andere spirituelle Verbündete können das Leben sehr bereichern und uns mit ihrer Kraft und Unterstützung wunderbare Freunde und Partner sein. Aber natürlich wird man nicht an einem Wochenende zum Schamanen…. und das ist doch auch gar nicht notwendig….

Trommel-neu_HDRGenau so wie eigentlich jeder singen oder tanzen kann, so haben wir auch alle die grundlegenden Fähigkeiten uns spirituell zu entfalten und mit Spirits und geistigen Verbündeten zu kommunizieren.
Aber genau wie nicht aus jedem ein Berufs-Sänger oder Profi-Tänzer wird, so muss auch nicht jeder der schamanisch praktiziert unbedingt ein Schamane werden, mit Verantwortung für Andere.

 

http://blog.tunritha.de/wp-content/uploads/2015/03/schamanentum-.jpg

Turitha Blog

Vom Wesen ägyptischer Tempel (Teil 4) von Merienptah

Religiöse Landkarte
Zusammengefasst stellen Grundriss und Aufbau eines Tempels also einen ganzen Kanon von kosmischen Regeln dar.
So ist der Tempel also vom Eingang zum Allerheiligsten nach einer „imaginären“ Ost-West-Achse ausgerichtet, die dem Sonnenlauf folgt.
Nebeneingänge für Priester, also die Wege für den täglichen Kultablauf, liegen im rechten Winkel zu dieser göttlichen Achse und bilden eine weltliche Nord-Süd-Achse, die sich an der Fließrichtung des Nils orientiert, der in Kemet ja die Hauptverkehrsader der menschlichen Welt darstellt.
Der Fussboden des Tempels steigt vom Hof zum Allerheiligsten in mehreren Stufen, an den Urhügel erinnernd, an und mit der Erhöhung des Bodens nimmt die Höhe der Decken und Durchgänge ab. Der Boden symbolisiert die fruchtbare Erde und die Decke den sternenübersäten Himmel. Tragende Teile wie Säulen und Türstürze stellen die Vegetation dar, die vom Boden in den Himmel wächst und somit beide Sphären miteinander verbindet.
Das Allerheiligste mit der Kultbildkammer liegt auf der Mittelachse im hinteren Tempelbereich am weitesten vom Eingang entfernt.
Die Götterbarke wird in einem Kultraum vor dem Allerheiligsten aufbewahrt und die täglichen Opferhandlungen finden davor in einem eigenen Raum statt.
Fenster gibt es nicht um der chaotischen Außenwelt keinen Weg ins Innere zu bieten, somit ist das Innere des Heiligtums, außer bei Heiligtümern des Sonnenkultes, immer in Dunkelheit gehüllt.
Auch müssen bei den Ritualen immer erst die äußeren Türen verschlossen werden, bevor die Inneren geöffnet werden können um keinen direkten Durchgang von außen nach innen zu ermöglichen.
Und zu guter Letzt ist der Tempel noch von einer oder mehreren Mauern umschlossen, die ihn komplett von der Außenwelt abschotten und jeden unbefugten Blick ins Innere verwehren. Auch darf der Tempel niemals von Unbefugten betreten werden, nur die Priesterschaft hat Zugang zu seinem Inneren.
Und innerhalb der Priesterschaft entscheidet der Priestergrad wie weit sich der Priester dem „Sitz der Gottheit“ nähern darf.

Amun-Tempel Luxor
Am Tempel von Luxor sieht man gut wie der Dromos eines kemetischen Tempels aussehen sollte. Eine Allee von Sphingen und Baumreihen begleiten die Strasse, die direkt auf die durch einen Pylon gebildete Tempelfront führt. Vor dem Tempel stehen Obelisken (einer fehlt hier) und verschiedene Statuen…

Zugang zum Allerheiligsten haben nur die ranghöchsten Priester und deren direkte Stellvertreter, aber das genauer zu erläutern würde jetzt auch zu weit führen.

Bereits die Grundsteinlegung eines kemetischen Tempels ist ein mythologisierter Vorgang und Gegenstand eines uralten Rituals, das unter Anwesenheit und Mithilfe der Göttin Seschat selbst ausgeführt wird.
Mit dem „Spannen des Strickes“ wird Ausrichtung und Umriss des zu gründenden Baues bestimmt.
Unter den Ecken werden Grundsteinbeigaben verborgen, die den Bau vor bösen Einflüssen von außen bewahren sollen. Diese beigaben bestehen aus Gefäßen mit Opfergaben wie Speiseopfern, übelabwehrenden Amuletten und Modellwerkzeugen. Dazu kommen auch Täfelchen mit dem Namen des Tempels, seines Besitzers und des Erbauers.
Nach der Vollendung des Baues wird dann die kultische Reinigung des Tempelgeländes vollzogen und mit der Zeremonie der „Mundöffnung“ die magische Verlebendigung des Baues und seine Verwandlung in einen Achet, einen Götterhorizont, bewirkt.
Erst damit erlangt der Bau seinen funktionsfähigen Zustand als Wohnstätte der Götter und kann an seinen Herrn übergeben werden.
Wichtig dabei ist auch die „Taufe“ des Tempels, denn jedes Heiligtum hat einen eigenen Namen.

Nach der Namensgebung kann der normale Kultbetrieb im Tempel beginnen, der an jedem Tag nach dem gleichen Muster abläuft.
Das häufigste Ritual ist das täglich dreimal vollzogene Kultbildritual. Es hat seinen Ursprung in den Diensthandlungen der Dienerschaft im herrschaftlichen Haushalt und umfasst die vollständige Versorgung des Kultbildes, also des Hausherren, von seiner Reinigung und Bekleidung bis zur Versorgung mit Speise und Trank.
Weitere tägliche Rituale sind das Morgenritual, bei dem die Gottheit geweckt wird und bei der das „Tagesprogramm“ durchgegangen wird (wie ein Briefing des Hauspersonals in einem herrschaftlichen Anwesen) sowie das Abendritual bei dem der Hausherr des Tempels das „Tagesresümee“ zieht und für die Nacht vorbereitet wird.

Der Kalender Kemets ist so angefüllt mit Götterfesten, dass die Routine der täglichen Zeremonien sehr häufig durch besonders festliche Handlungen bereichert wird. Dies sind insbesondere das 5 Tage andauernde Neujahrsfest, das Eintreffen der Nilschwemme, das Hervorkommen der Sopdet, das 17 tägige Opetfest, das Sokarfest, das große Ipipfest, das schöne Fest vom Wüstental und zu guter Letzt die Epagomenen, die letzten fünf Tage des Jahres.
Dazu kommen noch die monatlich stattfindenden Reinigungsfeste, die Feste zum Jahreskreis und unzählige weitere Feiertage wie die tempelinternen Mysterienspiele zu Ehren des Osiris, bei denen der gewaltsame Tod und die Auferstehung des Osiris szenisch dargestellt werden.
Bei derartigen feierlichen Anlässen werden auch die Kultbilder aus dem Tempelinneren ans Tageslicht gebracht und auf Prozessionen durch ihre Herrschaftsgebiete geführt.
Heutzutage beschränken sich derartige Prozessionen auf Umrundungen des Tempelhauses innerhalb des Tempelbezirkes, in alter Zeit führten sie durch die ganze Stadt und einige sogar über noch größere Distanzen.

Zu diesen Anlässen werden die Kultbilder aus ihrem steinernen Naos herausgehoben und in einen kleinen hölzernen Tragschrein oder in die Kajüte einer tragbaren Götterbarke platziert.
An langen Tragestangen kann diese schwere Barke von einer größeren Anzahl Priester angehoben und aus dem Tempel ins Freie getragen werden. Diese Barke muss während der Prozession in bestimmten Abständen auf vorbereiteten Sockeln abgestellt werden um den tragenden Priestern und der „reisenden Gottheit“ eine Verschnaufpause zu gewähren. Dies sind die bereits erwähnten Barkenstationen, in denen der Gottheit auch Opfergaben (Erfrischungen) dargebracht werden.
Diese Feste werden auch von Musik und Tanz begleitet um die Gottheit auf ihrer Reise zu unterhalten.

Der normale Tagesablauf im Tempel ist neben den Kulthandlungen natürlich weitaus weniger festlich und von ganz alltäglichen und weltlichen Arbeiten geprägt.
Die Hauptaufgabe der Priesterschaft besteht in der Vorbereitung der Opfergaben und der Reinigung der Tempelräume und des Kultgeschirrs, also ganz normaler Hausarbeit. Weiterhin müssen die Außenanlagen und Gärten gepflegt und die Gebäude instand gehalten werden. Von diesen Tätigkeiten leitet sich auch die geläufigste Amtsbezeichnung der Priester Hem-netjer, also „Gottesdiener“ ab.
Weiterhin wird in der Tempelschule, die zum Tempelarchiv gehört, die nächste Generation der Priesterschaft ausgebildet. Dort werden auch unsere alte Schriften aufbewahrt, restauriert oder gegebenenfalls erneuert in dem sie kopiert werden.
Somit ist ein Tempel auch eine Bibliothek und ein Wissensspeicher.
Und in der angeschlossenen Tempelwerkstatt werden von den Priestern Kultgeschirr und Ritualgegenstände hergestellt, die für den täglichen Betrieb vonnöten sind sowie Grabstelen für das kemetische „Volk“ und andere Gegenstände des Totenkultes.

Karnak-Tempel
In einer anderen Halle des Karnaktempels sieht man wie die Decke dunkelblau bemalt ist um den Himmel zu symbolisieren…

Der gesamte Tempelbezirk ist also keinesfalls ein Gebetshaus für Gläubige sondern ein verkleinertes Modell der Welt oder gar des Kosmos und ein lebendiger und geschäftiger Ort des Kultbetriebes und des täglichen Lebens in dem die Priesterschaft, als Dienerschaft der Gottheit, dafür Sorge trägt, dass es dem Hausherrn an nichts mangelt und dieser sich somit seiner Aufgabe im Immerwährenden Schöpfungsprozess widmen kann.

Der Tempel ist die von der Außenwelt abgeschirmte Wohnstatt der Gottheit, vergleichbar mit einer herrschaftlichen Privatresidenz, einem königlichen Palast, in dem der Hofstaat den täglichen Ablauf und die Versorgung des Königs gewährleistet und kein Ort für „das Volk“ welches diesen Ort nicht betreten darf.
Das unterscheidet die kemetischen Tempel von dem was man sich heutzutage unter einem Tempel vorstellt, in dem die Gläubigen sich dem Göttlichen nähern und ihre Gebete verrichten, ähnlich einer christlichen Kirche. Mit einem solchen öffentlichen Kultbau hat der kemetische Tempel rein gar nichts gemeinsam.

Dies soll nun erst mal genug sein und einen kleinen Türspalt öffnen um doch mal einen neugierigen Blick in unsere für die Augen der Öffentlichkeit verschlossenen Heiligtümer gewähren.
In unseren Tempeln läuft entgegen aller Gerüchte nichts Geheimnisvolles und Okkultes ab, sie sind normale religiöse Bauten mit ihrem ganz eigenen Innenleben und Kultablauf, mit eigener Priesterschaft und eigenen Gesetzen und Regeln, der Außenwelt verschlossen aber dennoch nicht entrückt.

Damals wie heute, der Nil in Ägypten

Devi Mahatmya Stotra Ashtakam

Das Devi Mahatmya gehört neben der Shrimad Devi Bhagavatam Purana zu den wichtigsten Schriften der Shaktas, den VerehrerInnen der Göttin im Sanatana Dharma.
Das Devi Mahatmyam besteht aus 13 „Gesängen“/Hymnen, die einen Teil der Markandeya-Purana bilden, einer Schrift die (wie im Grunde alle Puranas) in Dialogform geschrieben wurde.
Die Hymnen des Devi Mahatmyam beschreiben einerseits die Herrlichkeit der Göttin und andererseits Ihren Kampf gegen Unwissenheit und Übel in der Welt, das durch verschiedene Asuras (1) , Gegenspieler der Devas (2), versinnbildlicht wird.
Dabei spielen verschiedene „Inkarnationen“ der Göttin (meist Durga oder Kali) eine Rolle.
Diese Hymnen spielen in der Verehrung der Göttin und bei Ihren Ritualen eine sehr wichtige Rolle. So werden sie in Auszügen oder auch komplett rezitiert, bzw. gesungen.
Navratri, die neun heilgen Nächte der Göttin, die (je nach Pfad) vier bis fünfmal im Jahr stattfinden, sind eine Zeit, in der traditionell das Devi Mahatmyam rezitiert wird.
In welcher Weise dies geschieht, ist ebenfalls nach Tradition und Pfad recht unterschiedlich. Doch darauf werd ich in anderen Artikeln eingehen.
Da das Rezitieren des gesamten Devi Mahatmyams einen nicht zu unterschätzenden Zeitaufwand bedeutet (vor allem wenn man bedenkt, was für vorbereitende Maßnahmen ggf. noch vorgenommen werden), ist eine beliebte Variante die Rezitation des Devi Mahatmya Stotra Ashtakam.
Diese Hymne fasst die Geschichten, die in den dreizehn Kapiteln des Devi Mahatmya erzählt werden in einem Oktett zusammen (in der Übersetzung lässt es sich jedoch leider nicht umsetzen).

Passend zum jetzigen Frühlings-Navratri möchte ich Euch gern eine deutsche Übersetzung präsentieren.
Die Übersetzung des Devi-Mahatmyam von Sanskrit in Englisch von P.R. Ramachander findet Ihr im Übrigen hier KLICK.


Lakshmeese yoga nidhram prabhajathi bhujaga
Deesa thalpe sadad pad
Vuthpannaou dhanavou thachra vana mala mayangaou
Madhum kaidabham cha
Drustwa bheethasya dhathu stuthibira binutham,
Masu thou nasayantheem
Durgam deveem prapadye saranamaha,
Masesha apadan unmoolanaya.

Vishnu auf der Schlange Shesha, Brahma auf dem Lotus, Adi-Shakti und die Asuras Madhu und Kaidabha Quelle: exoticindiaart.com (Klick a. Bild)

Einstmals,
als der Gebieter Lakshmis
im tiefen Yoga-Schlaf versunken war
auf Seinem furchteinflößenden Schlangenbett,
und die urzeitlichen Dämonen Madhu und Kaidabha,
hervorkamen aus Seinem Ohrenschmalz
und Brahma, den Schöpfer, zum Erzittern brachten,
Erhörtest Du, Oh Durga, Seine Gebete
und tötestest sie beide.
Und so falle ich zu Deinen Füßen
für die Lösung all meiner großen Probleme.

 

Yudhe nirjithya daithya stribhuvanamakilam,
Yastha deeyeshu dishnyai,
Shwasthapya swan vidheyan swayamagama Abhasou,
Sakratham vikramena,
Tham saamapthyaptha mithram mahisha mapi niha
Thyasya moordhathi roodam,
Durgam deveem prapadye saranamaha,
Masesha apadan unmoolanaya.

Durga als Mahishasuramardini; Künstler: unbekannt, frühes 16.Jhd.; Quelle: wikimedia.org (Klick a.Bild)

Als der große Dämon Mahisha,
der Indra, den Herrn aller Devas, im Kampf besiegte,
und durch seine Fähigkeiten alle drei Welten zu seinen Sklaven machte,
und seine Untergebenen einsetze, um über sie zu herrschen,
tötestest Du, Durga, ihn zusammen mit seiner Armee,
seinen Ministern und Freunden.

Und so falle ich zu Deinen Füßen
für die Lösung all meiner großen Probleme.

 

Viswothpathi pranasa sthithi vihruthi pare,
Devi Gora marari,
Thrasath thratham kulam na punarapi cha maha
Sankadeshwi diseshu,
Avirbhooya purasthadithi chararana namath,
Sarva geervana vargam,
Durgam deveem prapadye saranamaha,
Masesha apadan unmoolanaya.

Hey, Göttin Durga,
Die Du im Akt der Schöpfung versunken bist
in der Erschaffung, Erhaltung und Zerstörung des Universums,
Hey, Göttin,
die Du die Verkörperung des Lichtes bist,
die Götter und Devas appelierten an Dich:
„Du hast uns vor der Gefahr errettet,  Mutter,
die der große Rakshasa (3) mit seinem Krieg darstellte,
und wir beten, dass Du unsere Früchte
in Zukunft ebeso rettest, wie heute.“
Und Du pflichtetest Ihnen bei.
Und so falle ich zu Deinen Füßen
für die Lösung all meiner großen Probleme.

 

Hanthum Shumbham Nishumbam tridasa gana nutham, Hemadolam himadri,
Aarudaam vyuda darpan yudhi nihatha vathim,
Dhoomra drik chanda mundane,
Chamundakhyamdhadanam upasamitha maha,
Raktha beejopasargam,
Durgam deveem prapadye saranamaha,
Masesha apadan unmoolanaya.

Dem Gebet der Göttern beipflichtend
kamst Du zu den verschneiten Bergen,
auf einer goldenen Schaukel
und tötetest die stolzen Dämonen von Shumbha und Nishumba,
nachdem Du Dhommraksha, Chanda und Munda getötet hattest.
Du wurdest gerufen udn gepriesen als Chamunda,
und Du tötetest auch die große Übel Rakthabeeja,
Und so falle ich zu Deinen Füßen,

für die Lösung all meiner großen Probleme.

Durga tötet Rakthabeeja, während Kali sein Blut trinkt. Quelle: exoticindiaart.com (Klick Bild)

 

Brahmesa skanda Narayana kiti,
Narasimhendra Shakthi swa bruthya,
Kruthwa hathwa nisumbam jitha vibutha ganam,
Trasitha sesha lokam,
Eki bhooyada shumbham rana sirasi niha
Tyasithamatha Gadgaam,
Durgam deveem prapadye saranamaha,
Masesha apadan unmoolanaya.

Du tötestest Shumbha,
der über alle Devas herrschte,
in dem Du die Shaktis von Brahma,
Skanda, Narayana, Narashima,
Varaha und Indra zu Deinen Gehilfinnen machtest
und dann alle in Dir vereintest.
Und Du tötestest Nishumbha in einem schrecklichen Krieg
Und so falle ich zu Deinen Füßen,
für die Lösung all meiner großen Probleme.

Saptamatrika; Quelle: exoticindiaart.org (Klick Bild)

 

 

Uthpanna nandajethi swayam avani thale,
Shumbamanyam Nishumbham,
Bramaryakya Arunakhyam punarapi janani,
Durgamakhyam nihanthum,
Bheema, Sakambareethi, truti tharipu Gata,
Raktha danthethi Jaa thaam,
Durgam deveem prapadye saranamaha,
Masesha apadan unmoolanaya.

Du wurdest als Tochter des Königs Nanda geboren,
Auf dieser Heiligen Erde,
um die Rakhasas Shumbha und Nishumba zu töten,

Bhramaramba (Bhramari), Mutter der Bienen; Quelle: Maa Vaishnavi.com (Klick Bild)

und Du wurdest als Biene geboren, um den Asura Aruna zu töten
und wieder wurdest Du geboren, als Heilige Durga,
um den Asura zu töten, der Durgama genannt wurde.
Du warst berühmt als Bheema, als Du die Asuras in Deiner Raserei verschlangst.
Du warst bekannt als Sakambhari, als Du Speise auf Deinem Körper wachsen liest, für die tausenden Verhungernden,
während einer großen Hungersnot.
Und Du warst auch bekannt under Rakthadantha,
weil Du die Asuras Vipra und Chitha verschlangst.
Und so falle ich zu Deinen Füßen,
für die Lösung all meiner großen Probleme.

Shatakshi/Sakambhari, die Göttin mit unzähligen Augen, die den Menschen Wasser und Nahrung brachte, damit sie nicht verhungern. Quelle: exoticindiaart.com (Klick Bild)

 

Tri giunyaanam gunaanaam anusarana kala
Keeli naanavatharai,
Tri lokya trana seelaam dhanuja kula vanee,
Vahnee leela saleelaam,
Deveem sachinma mayeem tham vit haritha vinamath,
Sathree vargaaapavargaam,
Durgam deveem prapadye saranamaha,
Masesha apadan unmoolanaya.

Du bist alle drei Gunas in einer vereint,
Du spielst Dein göttliches Spiel in verschiedenen Gestalten,
Du achtest auf alle drei Welten,
Du raffst kinderleicht die Asuras hinweg,
mit der Heftigkeit eines Wirbelsturmes in einem Wald
Du bist die Verkörperung von allem, was gut ist
für die, die sich vor Deinen Füßen in Demut verneigen
Du gewährst ihnen alles, was sie ersehnen
hier und danach.
Und so falle ich zu Deinen Füßen,
für die Lösung all meiner großen Probleme.

 

Navdurga4
Durga und die sieben Matrika; Künstler/Artist: unbekannt

Simharoodam trinethraam kara thala vilasath,
Sankha chakrasi ramyam,
Bhakthabeeshta pradathreem ripu madana kareem,
Sarva lokaika vandhyam,
Nana alankara yuktham sasi yutha makutam,
Syamalangeem krusangeem,
Durgam deveem prapadye saranamaha,
Masesha apadan unmoolanaya.

Sie, die auf einen Löwen reitet. Sie, die drei Augen hat.
Sie, die ein Muschelhorn und das Wurfrad mit bezaubernder Anmut trägt.
Sie, die die Bitten Ihrer Verehrer erfüllt.
Sie, die Ihre Feinde vernichtet.
Sie, die in allen Welten verehrt wird.
Sie, die in Vollkommenheit gekleidet ist.
Sie, die den  Mond an Ihrer Krone trägt.
Sie, die von schwarzer Farbe ist
Sie, die von schlanker Gestalt ist.
Ich falle zu Deinen Füßen,
für die Lösung all meiner Probleme.

 

Trayaswa swamin ithi tri bhuvana janani,
Prarthana twayya partha,
Palyanth abhyarthanayam bhagawathi sisava,
Kinnvananya jananya,
Tathubhyam syannamasyethya vanatha vibhdha,
Ahladhi veeksha visargam,
Durgam deveem prapadye saranamaha,
Masesha apadan unmoolanaya.

Adi-Parashakti und die Trimurti (Dreiheit) von Brahma, Vishnu und Shiva als Ihre Kinder. Künstler/Artist: unbekannt;
Adi-Parashakti und die Trimurti (Dreiheit) von Brahma, Vishnu und Shiva als Ihre Kinder. Künstler/Artist: unbekannt;

„Es besteht keine Notwendigkeit, oh Durga, Dich zu bitten
uns zu beschützen und zu retten,
denn hat die Mutter, von der sie allein abhängen,
jemals ein Bitten gebraucht.
Und so grüßen wir Dich“,
so beten die Götter zu Dir.
Und so falle ich zu Deinen Füßen,
für die Lösung all meiner großen Probleme.

 

Etham santha padanthu sthavam akhila vipa,
Jjala thoolana labham,
Hrinmoha dwantha bhanu prathima makhilam,
Sankalpa kalpa dru kalpam,
Dowrgam dowargathya goratha pathu hina kara,
Prakhya mam ho gajendra,
Sroni panchasya desyam Vipula bhayadha
Kaalahitha tharkshya prabhavam.

Lass dieses Gebet an die Göttin Durga sein
wie ein Wind für ein Baumwoll-Bündel der Sünden
wie eine Sonne für den stockdunklen Verstand
wie der alle Wünsche erfüllende, göttliche Baum,
wie der kalte Mond für die glühende Hitze der Not,
wie ein Löwe vor der Elefantenherde der Sünden,
und wie ein furchterregender Adler vor dem König der Kobras.
Rette uns vor allen Gefahren,
und lass dieses von allen Verehrern immer gesungen werden.

 

 

Adi-Parashakti; Künstler/Artist: unbekannt.
Adi-Parashakti; Künstler/Artist: unbekannt.

 


 

1- „Dämonen“; Gegenspieler der Devas mit eifersüchtige und neidische Charakter, die gegen die lichtvollen Devas kömpfen.

2-sanskr. wörtl.: „Gott“; es handelt sich hierbei nach verschiedenen Vorstellungen um Götter/Göttinnen (=Devis), die dem höchsten Göttlichen dienen, die dem Rad der Wiedergeburt unterworfen sind und/oder um Halbgötter

3-Dämonen bzw. nächtliche Geister, die häufig in Tiergestalt oder Mischwesen zwischen Menschen und Tieren erscheinen. Obwohl sie in der Regel von bösem Wesen sind und Menschen und Göttern eher feindlich gesonnen sind, können verschiedene Rakshasas auch das gute Unterstützen und sich als besonders tugendhaft und kultiviert zeigen.

Vom Wesen ägyptischer Tempel (Teil 3) von Merienptah

Der heilige See von Karnak. Der See ist der grösste seiner Art und diente der Waschung der Priesterschaft, für sämtliche Reinigungsriten und für Bootsfahrten für den Gott. Ohne See oder Teich (mag er auch noch so klein sein) ist ein kemetischer Tempel unvollständig und nicht funktionsfähig…

 

Weiterhin gehören zu den meisten Tempelkomplexen sogenannte Barkenstationen.
Dies sind Ruheplätze für die Götterbarke bei ihren Prozessionen im Tempelgebäude selbst oder außerhalb der Tempelumwallung.
Diese Gebäude sind Stätten bei denen die Gottheit während einer Prozession ausruhen kann, aber sie haben auch einen nicht zu verachtenden Wert für die Priester, die die nicht gerade leichte Kultbarke während dieser Prozessionen auf ihren Schultern tragen müssen.
Grundsätzlich genügt zu diesem Zweck ein Baldachin oder zeltförmiger Unterstand. Oftmals werden diese Einrichtungen jedoch zu kleinen Heiligtümern ausgebaut. Sie treten in verschiedenen Forman auf.
Die erste Station auf dem Weg der Kultbarke ist meist der Säulensaal des Tempels selbst, der ja den Namen „Saal des Erscheinens“ trägt. Besonders das erhöhte oder durch einen weiteren Säulenabstand besonders betonte Mittelschiff dieses Saales kann als Säulenkiosk und somit als Barkenstation gelten.

Nach ähnlichem Prinzip ist die zweite Station im Tempelhof gestaltet, wo ja auch gelegentlich ein Säulenkiosk oder Baldachin steht. Im Gegensatz zur Barkenstation im Erscheinungssaal sind hier, in einer nach kemetischer Vorstellung bereits potentiell feindlicheren Umgebung, die Interkolumnien zwischen den Säulen durch Schrankenwände verschlossen, die einen direkten Einblick verhindern sollen. Bei hölzernen Baldachinen werden zwischen den Haltepfosten des Daches aus dem selben Grund Tücher gespannt die erstens Schatten spenden und zweitens die ruhende Gottheit vor den Blicken Unbefugter beschützen.

Als dritte Station ist der Säulenkiosk zu verstehen, der bei einigen Tempeln direkt vor dem Hauptportal errichtet wird und seine Rückwand an die Tempelfassade lehnt. Diese Kioske heißen auf ägyptisch Hajit, also „Hütte“ oder „Häuschen“.
Es sind entweder echte Säulenkioske, deren Außensäulen durch halbhohe Schrankenwände miteinander verbunden sind und nur einen Durchgang auf der Hauptachse haben oder sie bestehen aus parallelen Säulenreihen (meist vier), die an der Front und den Seiten komplett offenbleiben und die nur bei Prozessionen durch zwischen die Säulen gespannte Tücher geschützt werden.
In größerer Entfernung zum Heiligtum stehen meist weitere solche Stationskioske. Häufig nehmen die außerhalb des eigentlichen Tempelbezirkes gelegenen Barkenstationen die Form eines kleinen Tempels an in dem die Gottheit bei längeren Prozessionen auch über Nacht verweilen kann.

Hinter dieser Wand befindet sich das Hauptsanktuar des Amun-Tempels von Karnak. Alexander der Grosse hat diesen Schrein errichten und sich auf seinen Wänden vor dem Gott Amun abbilden lassen. Aus Respekt vor dem uns noch immer heiligen Ort hab ich nur die Aussenseite des Sanktuars fotografiert…

Als letzter Bestandteil eines kemetischen Tempelkomplexes müssen noch die Mammisi genannten Geburtshäuser (ägyptisch: Per-meset) genannt werden.
Diese sind zwar im Allgemeinen genau wie der eigentliche Haupttempel der gesamten Göttertriade geweiht, speziell richten sie sich aber an den weiblichen Partner der Götterfamilie und deren Kind.
Sie stehen innerhalb der Tempelumwallung, meist an der zum Haupttempel führenden Prozessionsstraße, rechtwinklig zu dessen Achse ausgerichtet.
Sie bestehen gewöhnlich aus einem dreiräumigen Sanktuar, das allseitig von einem mit Schrankenwänden verschlossenen Säulenumgang umgeben ist, der das Dach stützt.
Diese Bauform orientiert sich an den „Wochenlauben“ Kemets in denen die Frauen in alter Zeit ihre Kinder zur Welt brachten. Geburtshäuser sind gewissermaßen Prozessionsstationen, in die an bestimmten Festtagen die Götterprozession einzieht, um hier die Geburt des jungen Gottes zu feiern.

Diesem groben Muster des Bauplanes folgen alle Tempelbauten Kemets, die Großen wie die Kleinen.
Von Ort zu Ort wird dieser Masterplan den lokalen und kultischen Gegebenheiten angepasst, aber grob gesehen bestehen alle Tempel aus einer relativ hohen äußeren Umfassungsmauer, Prozessionsstraße, zweiter Mauer mit Tempeltor, Hof, Säulensaal, Opfertischraum und Sanktuar, umgeben von einigen Kult- und Lagerräumen.
Das Tempelhaus ist eingebettet in Gärten mit Blumenbeeten, einem Teich und dem Geburtshaus und im äußeren Bereich liegen noch einige Gebäude für Verwaltung, Werkstätten und Lager.

Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussieht folgen die kemetischen Tempel der heutigen Zeit doch ebenfalls diesem festgelegten Bauplan, allerdings weit weniger Monumental als die antiken Vorläufer und aufs Wesentliche zusammengeschrumpft. Der Schwerpunkt der Ausgestaltung hat sich mehr auf das Innere der Tempel verschoben, so dass die Außenansichten relativ unscheinbar gehalten werden. Dennoch sind auch in den modernen kemetischen Tempeln alle wichtige Kulträume und Nebengebäude vorhanden, genauso wie Gärten und ein Teich umgeben von einer abschottenden Mauer.
Auch der Kultbetrieb in den Tempeln der Neuzeit hat sich mehr auf das Innere verlagert und Prozessionen sowie Erscheinungsfeste finden ausschließlich im Inneren der Umfassungsmauer statt, so dass die Tempelbauten von außen nicht als solche in Erscheinung treten.

Das ist das Eingangstor in der Umfassungsmauer vor dem Chons-Tempel von Karnak. Das äussere Portal sozusagen. Dieses Tor bildet die Grenze zwischen der Welt der Menschen und der göttlichen Residenz. Dem normalen Volk war der Weg durch das Tor verschlossen, nur die Priesterschaft und der König durften dieses Tor durchschreiten oder der Gott wenn er sich in einer Prozession den Menschen zeigte…

Der kemetische Tempel ist nicht nur, wie man gerne glauben möchte, eine Bühne für den Kultbetrieb. Nein, für den Kemeten ist er weitaus mehr als das.
Wir sehen unsere Heiligtümer auf einer anderen, mythischen Ebene.
Wie bereits erwähnt ist der Tempel als Wohnstätte der Götter ein ins Diesseits herübergeholter Teil jener anderen Welt, in der die Götter wohnen und in dem andere Gesetze gelten.
Diese göttliche Sonderwelt im Hier ist nun interessanterweise als ein verkleinerter und abstrahierter oder kondensierter Kosmos gestaltet, der dem Vorbild des kemetischen Weltbildes folgt.
Diese kosmographische Eigenschaft eines Tempels, die „Welt“ darzustellen, führt jedoch nicht zu einem modellhaften Nachbau des kemetischen Weltgebäudes.
Assoziationen werden durch subtile Hinweise oder durch entsprechende architektonische Zitate und durch die Thematik des Dekorationsprogrammes heraufgerufen.

Der kemetische Tempel ist eine heilige Stätte des „Ersten Males“, also ein Urhügel auf dessen Grund der Urgott verborgen war, um dann am Weltanfang aus dem Urozean aufzutauchen um zum ersten Mal den Prozess der Schöpfung in Gang zu setzen.
Dieses Bild entspricht auch der natürlichen Situation eines Tempels der auf einer Anhöhe, und mag sie noch so klein sein, errichtet ist.
In Fällen wo die natürlichen Gegebenheiten keine Anhöhe bieten, wird extra für den Tempelbau vorher ein Hügel künstlich aufgeschüttet und in eine abstrakte Form eines Urhügels gebracht. Erhalten bleibt der Urhügelaspekt in übertragener Form auch in der erhöhten Lage der hinteren Tempelteile, besonders des Sanktuars, das jeweils auf einer auch noch so flachen Terrasse über alle vorderen Tempelräume erhöht steht.
Die letzte Ausformung des Bildes eines Urhügels finden wir im Naos.
Da in seinem Inneren das Kultbild der Gottheit geborgen wird, nimmt er die abstrakte Form eines solchen Urhügels an.
Er besteht aus hartem Gestein und ist von einem pyramidenförmigen Dach bekrönt, das ebenfalls als eine Darstellung des Urhügels aufzufassen ist. Darunter, quasi im Inneren des Urhügels, befindet sich dann die Aushöhlung, in der die Gottheit in ihrem Kultbild wohnt.

Ein Blick in die grosse Säulenhalle des Amun-Tempels von Karnak. Die Säulen stehen auf (einst schwarzen) Basen, die die fruchtbare Erde symbolisieren und stellen selbst zusammengeschnürte Bündel aus Pypyrusstengeln dar, die den Himmel tragen…

Auch in der Dekoration der Tempel Kemets tritt der Aspekt der aus dem Ursumpf hervorragenden Erde in der dunklen Farbe der Bodenbeläge hervor, in der schwarzen Bemalung des Sockelfeldes der Wanddekoration oder in der Darstellung eines Papyrussumpfes im untersten Teil der Wände. Im untersten Bildregister der Wanddekorationen treten dann auch meist Nil- und Fruchtbarkeitsgötter in Erscheinung, die quasi aus dem fruchtbaren schwarzen Untergrund ihre Gaben hervorbringen.
Das Motiv der aus dem Grund emporwachsenden Pflanzen kehrt schließlich in der Form der Säulen wieder, die einen Säulensaal in einen imaginären Pflanzenwald verwandeln oder einen heiligen Ort mit einem schützenden Papyrusdickicht umgeben.
So wie der Boden des Tempels den Untergrund der fruchtbaren Erde darstellt, werden die Decken zu einer Wiedergabe des Himmels.
Ihre Grundfarbe ist daher blau und sie sind mit einer Unzahl von gelben oder weißen fünfzackigen Sternen bedeckt. Auch sind über den Hauptdurchgängen Bilder von fliegenden Geiern und Falken angebracht, gelegentlich breitet sogar die Himmelsgöttin Nut ihren Körper über die Decke einiger Räume aus.

Auch in der Ausrichtung der Tempel und der Anlage des an die Wände angebrachten Bildprogrammes wird die natürliche Orientierung des Gebäudes bedacht, so schmücken die nördliche Hälfte des Baues Darstellungen mit den unterägyptischen Kennzeichen und die Südliche die oberägyptischen Pendants.
Grundsätzlich werden handelnde Personen auf den betreffenden Wandflächen in ober- und unterägyptischem Ornat dargestellt und auch die Wappenpflanzen der beiden Landesteile tauchen auf den zu ihnen gehörenden Wänden auf. Ebenso sind die bildlichen Darstellungen im Inneren der Tempel immer auf den Kultvollzug und die Aufrechterhaltung der Maat ausgerichtet.
Die Darstellungen auf den Außenwänden hingegen haben meist die Unterwerfung der Isfet, also den Kampf gegen das Chaos zum Thema. Dies verdeutlicht dass der Tempel der chaotischen Außenwelt den Zugang versperrt und in seinem inneren der perfekte Zustand der Maat herrscht.

Allerdings haben heutige kemetische Tempel an ihren Außenfassaden keine bildlichen Darstellungen mehr und die Außenanlagen sind auf ein Minimum reduziert, auch sind die Gebäude an sich weitaus weniger monumental und demzufolge viel kleiner als ihre antiken Vorgänger.
Die Fassaden sind in einem unscheinbaren weiß getüncht und nur an den „Schwachstellen“, also an den Türdurchgängen und den Oberkanten der Umfassungsmauern und denen der Wände mit kaum sichtbaren Schutzsymbolen versehen. Somit fallen die heutigen kemetischen Heiligtümer dem unwissenden Betrachter kaum ins Auge.
Weiter gehe ich an dieser Stelle auf das komplizierte Dekorationsprogramm jetzt mal nicht ein, da es den Rahmen dieser „kurzen“ Übersicht sicherlich sprengen würde.

Durch diese Ordnungssysteme (und viele weitere Regeln) wird der Tempel maatgerecht in die Weltordnung eingepasst und somit zu einer symbolischen Wiedergabe der göttlichen Schöpfung.
Seine Nordhälfte ist Unterägypten und seine Südhälfte Oberägypten, seine Ostseite der Bereich des Morgens, der aufgehenden Sonne zugewandt, und der Westen ist der Bereich des Sonnenuntergangs.
Allerdings können diese ganzen Regelungen, die Architektur und die Dekoration betreffend, bis zu einem gewissen Grad den realen Gegebenheiten untergeordnet und angepasst werden, wenn es notwendig ist. So stimmt die imaginäre Ost-West-Ausrichtung der Tempelachse nicht immer akkurat mit der geographischen Ausrichtung überein. Jedoch wird innerhalb des Tempels durch die Darstellung der Himmelsrichtungen dieser „Fehler“ korrigiert und seine tatsächliche Achse wird zur Wahrheit, wohingegen die reale Ausrichtung ihre Bedeutung verliert.
Das Bild wird somit zur Realität und der Tempel schafft sich durch die ihm innewohnende göttliche Kraft seine eigene Wahrheit.

 

Ende Teil III

Vom Wesen ägyptischer Tempel (Teil 2) von Merienptah

Um den Göttern das Leben im Tempel zu verschönern und ihre Schöpfungskraft sichtbar darzustellen, sind im Inneren der Umfassung Baumgärten, Blumenbeete und Teiche angelegt.

Der Dromos mit Sphingenallee vor dem 1. Pylon des Karnaktempels. Spätestens an diesem Tor war für das Volk Schluss

Diese Teiche oder Seen haben die Form von rechteckigen Becken von oft beträchtlicher Tiefe, die über Treppen begehbar und für Reinigungsrituale und Bootsfahrten der Götter vorgesehen sind.

Inmitten all dieser Anlagen steht, alle anderen Bauten überragend, das eigentliche Tempelhaus, das Hut-netjer.
Dieses Tempelhaus ist wie der innere Zwinger einer Burg nochmals von einer hohen Mauer umgeben und besitzt neben dem Mitteleingang, nur noch einen oder einige wenige kleine Seitenpforten, durch die die Priester den Tempel betreten und direkt zum heiligen Brunnen dicht neben dem Tempelhaus gelangen können.

In der Mitte der Tempelfront öffnet sich das Hauptportal.
Es führt nicht, wie man meinen könnte, in den Tempel hinein, sondern öffnet sich von innen, wenn der Gott in seiner Barke sein Haus verlässt oder wieder dorthin zurückkehrt.
Die meiste Zeit allerdings bleibt dieses große Tor fest verschlossen.
Hinter diesem Tor öffnet sich ein oftmals an zwei, drei oder allen vier Seiten von Säulenhallen umgebener Hof (Uba – „der Offene“).
Bedeutungsmäßig und gelegentlich auch formal bildet er eine Einheit mit dem dahinterliegenden Säulensaal. Denn beide Bauteile sind Erscheinungsstätten für die Götterbarken und bieten Platz für die Abhaltung raumumgreifender Kulthandlungen.
Zu diesen Ritualen werden in seltenen Fällen sogar einige Vertreter aus dem einfachen Volk zugelassen, die aus diesem Anlass bis in den Tempelhof vorgelassen werden.
Gelegentlich steht bereits in diesem Hof ein großer Opferaltar.

Der Deutung des Tempels als Ort des Urhügels gemäß erhebt sich die Rückhalle des Hofes oder der folgende Säulensaal auf einer niedrigen Terrasse.
Der Höhenunterschied zwischen Hof und Tempelhaus wird durch eine flache Rampe überbrückt um den Trägern der Götterbarke ein würdiges Herabsteigen in den Hof zu ermöglichen.
Der Weg den die Prozession durch den Säulensaal nimmt ist durch einen weiteren Säulenabstand als am Rand hervorgehoben und bei größeren Tempelbauten oftmals auch durch ein basilikal erhöhtes Mittelschiff von oben her beleuchtet.
Die Seitenbereiche des Säulensaales sind in Dämmerlicht getaucht, die nur durch die blendendweiße Bemalung der Wände etwas aufgehellt wird.

Einige Tempel besitzen seitlich neben dem Säulensaal und dem dahinter befindlichen Opfertischsaal noch Räume für die Aufbewahrung der heiligen Salben und Stoffe, die für das Kultbildritual benötigt werden. Auch sind sogenannte „Schatzkammern“, also Lagerräume für das kostbare Kultgerät seitlich der großen Hallen vorhanden und schließlich auch Treppenhäuser, die für Dachprozessionen benutzt werden.

 

Wohnung der Götter

Auf den Säulensaal folgt hinter einer weiteren Pforte der eigentliche Wohnbereich des Gottes, beginnend mit einem kleinen Saal, der gelegentlich mit zwei bis vier Säulen ausgestattet ist und als „Empfangsraum“ dient. Dieser Raum nennt sich Usechet-hotep, „Saal der Opfer“ oder. In der Mitte der Rückwand dieses Opfertischraumes öffnet sich der Durchgang zum Hauptsanktuar.
Daneben und entlang der Seitenwände befinden sich Kapellen für Gastgötter. Hier stehen die Altäre und Opfertische.
In diesem Raum, direkt vor dem Hauptsanktuar, wird das alltägliche Opferritual zelebriert, an dem auch die Gastgötter teilhaben dürfen.
Diese Gastgötter sind oft als „Neunheit“ zusammengefasst, die die neun Urgötter der Schöpfung darstellen. Sie stehen auch durch ihre Anzahl für die Gesamtheit der kemetischen Götter, denn die Zahl 9 symbolisiert im kemetischen Zahlenkontext auch die Mehrzahl der Mehrzahl, also Alles.
Zu unterscheiden sind die Gastgötter von der eigentlichen Götterfamilie des Tempels, die sich oft als Triade aus Gott, Göttin und Götterkind zusammensetzt und deren Kultstatuen demgemäß im Hauptsanktuar des Tempels untergebracht sind.
In einigen Tempelbauten wird die Funktion der Opferdarbringung und der Gastgötterversammlung auf zwei hintereinanderliegende Räume verteilt, das heißt, auf den eigentlichen Opfertischraum folgt noch ein weiterer Usechet-pesedjtiu, „Saal der Neunheit“ oder Usechet-cherit-ib, „Saal der Mitte“ genannter Raum.
In der Mitte der Rückwand dieses Raumes öffnet sich der Durchgang zum Hauptsanktuar des Herrn oder der Herrin des Tempels, der Set-weret, der „großen Stätte“ oder des „hohen Thrones“. Dieses Sanktuar ist meist der Raum für die Aufstellung der heiligen Barke. Sie ruht dort auf einem steinernen Sockel, von dem sie zum Transport leicht heruntergehoben werden kann.
Oftmals wird diese Barke durch einen eigenen, freistehenden Schrein oder Baldachin geschützt. Es gibt auch Tempelbauten, die vor dem Hauptsanktuar einen eigenen Barkensaal (Useched-wija) haben, dort ist das Hauptsanktuar in zwei hintereinanderliegende Räume aufgeteilt, meist aber wird die Götterbarke im Set-weret aufbewahrt.

    In den Ruinen des Ptah-Tempels von Karnak sieht man im Barkensanktuar vor der Statuennische den Sockel, auf dem die Barke des Gottes abgestellt wurde...
In den Ruinen des Ptah-Tempels von Karnak sieht man im Barkensanktuar vor der Statuennische den Sockel, auf dem die Barke des Gottes abgestellt wurde…

Das Kultbild der Gottheit selbst ist nicht permanent in der kleinen Kapelle untergebracht, die auf der heiligen Barke befestigt ist. Dieser Schrein ist nur für die Tempelprozessionen die Heimstatt der Gottheit. Die meiste Zeit steht das Kultbild hinter der Barke in einem eigenen, freistehenden, steinernen Naos oder in einer verschließbaren Nische in der Rückwand des Raumes.
In einigen Fällen wird es sogar in einem eigenen Kultbildraum hinter dem Sanktuar aufbewahrt.
Der Naos des Kultbildes oder der Kultbildraum Mesenet, („Geburtsstätte“) sind das Herz des gesamten Tempelkomplexes, von dem es heißt:

„Es ist unzugänglicher, als was im Himmel ist, verhüllter als die Dinge der Unterwelt, verborgender als die Bewohner des Urwassers.“

Das Sanktuar und die umliegenden Räume besitzen keine Fenster und bleiben daher permanent in Dunkel gehüllt (wie übrigens auch die Schlafzimmer altägyptischer Wohnhäuser).
Die Vorstellung, dass am Morgen die Tempeltüren geöffnet werden und somit die Sonnenstrahlen bis zum Kultbildschrein vordringen können, ist falsch. Bevor man die Türen im Inneren öffnet um in den nächsten Raum zu gelangen müssen sogar die vorderen Tempeltüren geschlossen werden.
Ausnahmen von dieser Regel bilden nur die Tempel, die dem Sonnenkult des Gottes Ra geweiht sind.
In diesen Bauten wird das Sanktuar durch in der Wand angebrachte Lichtschlitze von oben her erhellt.

 

Ende Teil 2