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Drum prüfe wer sich (ewig) bindet… von Seòras MacTheàrlaich

In Deutschland gibt es nicht so viele “echte” Wicca-Covens, deswegen rate ich allen, die sich einem Coven anschließen möchten, sich diesen sorgfältig anzusehen und zu prüfen, ob es denn wirklich die richtige Gruppe für Dich ist.
Leider gibt es immer wieder Leute, die das breite Nichtwissen für ihre eigenen Bedürfnisse ausnutzen…

Wenn Du Dich mit Wicca bzw. dem Heidentum beschäftigst, wirst Du wahrscheinlich irgendwann eine Gruppe von Gleichgesinnten suchen.
Oft ist die erste Schwierigkeit überhaupt eine Gruppe, die sich mit Deinem Interessengebiet beschäftigt zu finden, sei es nun ein Wicca-Coven, ein Druidenorden, oder eine andere Richtung, aufzustöbern.
Nur weil es solch eine Gruppe vor Deiner Haustür gibt, bedeutet es nicht, dass dies automatisch die beste Gruppe für Dich ist – manchmal musst Du bereit sein regelmäßig zu reisen bzw. abzuwarten, ob es nicht irgendwann ein Gruppe in Deiner Nähe gibt, die mit Dir kompatibel ist.

Deshalb ist es wichtig so viel wie möglich über die Gruppe vorher zu erfahren und sich auch an unbeteiligte Dritte wenden, um objektive Informationen zu erhalten (ob nun an die Pagan Federation International oder andere Interessensgruppen).

Eine weitere Möglichkeit ist auch eine Checkliste zu benutzen, um eine Gruppe besser einschätzen zu können. Der englische Esoteriker Phil Hine hat z. B. so eine hilfreiche Liste bezüglich esoterischer Gruppen entwickelt (es gibt noch andere, z. B. die “Sektengefahr Checkliste” von Isaac Bonewits):


Einige Warnsignale
Es ist eine Sache eine magische Gruppe zu finden, aber eine Gruppe zu finden, die für Dich total passend ist, ist manchmal schwieriger. Falls Du in der Situation bist, in der Du Dich zu entscheiden versuchst, ob Du einer bestimmten Gruppe beitreten möchtest oder nicht, achte auf folgende Punkte:

  1. Scheinen die meisten Mitglieder willenlose und passive Personen zu sein, die es zulassen, dass eine willensstarke Person (oder auch zwei willensstarke Personen) den Ablauf der Gruppe dominieren?
  2. Arbeitet die Gruppe nur anhand einer bestimmen Lehrauffassung bzw. eines bestimmten Handbuchs, und gestattet nicht, dass von diesen Prinzipien abgewichen wird bzw. dass man diese in Frage stellt?
  3. Bestehen sie darauf, dass sie die beste Gruppe sind und dass alle anderen Gruppen zweitklassig sind?
  4. Besteht die Gruppe darauf, dass Du eine Anzahl von strikten Regeln einhalten musst, oder versucht sie Dein Leben außerhalb der Gruppe zu beeinflussen (z. B. dass Du bestimmte Personen meiden solltest bzw. ein bestimmtes Buch nicht lesen darfst ohne logische Begründungen zu geben)?
  5. Machen Sie es Mitgliedern schwierig, die Gruppe zu verlassen (z. B. sie drohen mit dem “Zorn der Götter”, wie viel schlechter Dein Leben sein wird, weil Du einen besonderen “Schutz” nicht mehr hättest, etc.), und falls Mitglieder die Gruppe verlassen, werden diese dann verteufelt, sprich sie werden zu Feinden der Gruppe?
  6. Stellen Sie kühne Behauptungen auf bezüglich wie viel besser Dein Leben wäre wenn Du Mitglied der Gruppe bist?
  7. Gibt es eine komplexe und starre Hierarchie, in der die führenden Mitglieder eindrucksvolle Titel haben und unantastbar erscheinen?
  8. Ermuntern sie die Mitglieder ihre Loyalität entweder dadurch zu zeigen, dass sie größere Summen Geld an die Gruppe zahlen oder einen großen Teil ihrer Freizeit für unbezahlte Arbeit für die Gruppe opfern müssen?
  9. Betonen sie andauernd den Unterschied zwischen der Gruppe und der „Außenwelt“ und sehen sich als „überlegene Eingeweihte“ und alle anderen sind Unwissende?
  10. Halten sie bei Treffen Mitglieder grundsätzlich davon ab abweichende Meinungen zu äußern und stempeln alle, die abweichen als unreif, unausgewogen oder schwach ab?

Falls Du denkst, dass die besagte Gruppe zwei oder drei der oben angegebenen Punkte erfüllt, dann sei vorsichtig.
Falls die Gruppe Deiner Meinung nach über vier dieser Charakteristiken aufweist, dann solltest Du sie vielleicht besser meiden, außer Du denkst, dass Du in solch einer Situation glücklich wärst.


Heidentum und Sex
Im Heidentum werden Sexualität und alles was dazu gehört nicht verteufelt, sondern als Bestandteil des menschlichen Lebens angesehen und sind damit positiv besetzt.

Daher ist es wichtig sich vorher darüber zu informieren, welche Praktiken es in einer Gruppe gibt. Wenn Du einer Tantragruppe beitrittst, weißt Du in der Regel vom Anfang an, dass Sexualität in irgendeiner Form eine Rolle spielen wird.

In vielen Tradtitionen, wie z. B. BTW (= British Traditional Wicca, einer initiatorischen Mysterienbewegung – z. B. Gardnerian und Alexandrian Wicca), wird jedoch NICHT erwartet, dass Du irgendwelche sexuelle Handlungen im Rahmen von einer Initiation begehst.
Wenn eine Gruppe, die sich z. B. als BTW bezeichnet, aber eine sexuelle Handlung im Rahmen eines Rituals von Dir verlangt, ist dies ein deutliches Warnsignal, und Du solltest Dich über andere Quellen absichern und auf alle Fälle Dich nicht zu etwas zwingen lassen, was Du nicht bereit bist, zu tun.

Dies ist nämlich ein sexueller Übergriff in der übelsten Form, und solche Gruppen sind besser zu meiden!

26.07.15-Editorial

Gebildbrot
Gebildbrot © Siat

 

 

Hallo zusammen,

Lughnassadh, bzw. Lammas steht vor unserer Tür.
Die ersten Ernten wurden und werden eingebracht und wir sehen das Korn in voller Reife.
Für einige ist Lammas das erste Erntefest von dreien, an dessen Ende Samhain und damit auch das Ende des heidnischen Jahreskreises steht.
Wir spüren bereits, dass die Länge der Tage abnimmt und das, obwohl uns hier die Hitze und die Dürre des Sommers ins Schwitzen bringt, der Sommer langsam seinen Abschied nimmt.
Die Schnitterin beginnt Ihre Sichel zu schwingen, und auch wir haben die Möglichkeit uns langsam wieder nach Innen zu wenden und Rückschau zu halte auf das, was wir gesät haben und was uns in diesem Jahr als Ernte wohl erwarten mag.

Wir hoffen, Euch die Zeit von Lammas bis Samhain reiche Ernte bringen möge und Ihr ein wundervolles erstes Schnitterfest feiern möget.

Mein besonderer Dank geht heute an Seòras, der uns den Artikel “Drum prüfe wer sich (ewig) bindet…” für unser Wicca-Unterforum “Kelch uns Stab” zur Verfügung gestellt hat, der ein sehr wichtiges Thema anspricht: Warnzeichen für missbräuchliche und manipulative Gemeinschaften. Auch wenn er sich in seinem Artikel auf Wicca-Coven bezieht, so sind sie auch in Hinblick auf andere Gruppierungen anwendbar.
“Am Ufer des Nils” findet Ihr heute den zweiten Teil von Merienptahs “Von der Schöpfung der Welt”.
Auch an ihn für seine Artikelspende meinen herzlichsten Dank.

Wir wünschen Euch auch dieses Mal viel Vergnügen beim Lesen und freuen uns auf Eure Kommentare.

LG
Siat

Mantra, Chant & Affirmation-Ein Versuch der Unterscheidung (Teil 2)

Im ersten Teil dieser Reihe habe ich eine sehr grobe Gegenüberstellung der drei Begriffe gemacht, nun möchte ich etwas in die Tiefe gehen.

Der Chant

Wortherkunft:
engl.:
“chant” = “(feierlicher) Gesang, Kirchenlied, (Lob)Preis, Singsang
to chant” = “(ab)singen”, “(rhthmisch oder im Sprechchor) rufen”.
Die ethymologischen Wurzeln vom englischen “(to) chant” liegen wiederum im Altfranzöschen “chanter” (“singen”, “feiern”, “preisen”), die ihrerseits wiederum vom Lateinischen “cantare” (“singen”) abstammen. (1)

Definition:
Ein Chant ist demnach eigentlich erst einmal ein rhythmischen Sprechen oder Singen von Wörtern, Sätzen oder Tönen, die häufig ein oder zwei Tonhöhen umfassen. Er kann daher bloß Melodie oder auch nur  (rhythmisch) Gesprochen sein.
Chants können sich in der Ausgestaltung Melodie sehr stark unterscheiden. Sie kann sehr einfach gestaltet sein und nur ein paar wenige Noten enthalten, sie kann aber auch höchst komplex sein, wie z.B. bei Gregorianischen Chants.

Die deutsche  Wikipedia (2)  definiert das Chanten “im engeren Sinne” als

das Singen von religiösen Liedern oder Mantren als religiöse Praxis

und “im weitersten Sinne” als:

das Singen einfacher Melodien, bzw. das melodische Sprechen von Texten − oft in Verbindung mit Körperbewegung, Trommeln oder auch Tanz.

Sie unterscheidet das Chanten vom “professionellen Singen” wie z.B. in einem Chor darin, dass das Chanten “leistungsfrei” sei und es dabei

nicht um musikalische Perfektion oder Kunst

gehe, sondern

darum, durch länger andauerndes Wiederholen und die Konzentration auf den Chant und die Gruppe soziale, gesundheitsfördernde und transzendente Wirkungen zu entfalten.

Wenn eine “gesundheitsfördernde” Wirkung, beispielsweise zur Stressreduktion, im Fordergrund steht, wird heute auch gern der Begriff “Heilsingen” verwendet.

 

Verschiedene Varianten des Chantens
Unter dem Begriff “Chant” fallen heute, wie wir sehen können, viele verschiedene Dinge.
Sie können nicht nur religös-spiritueller Natur sein, sondern auch völlig profan.
So gehören Sprechchöre von Fußballfans, die ihre Mannschaft anfeuern ebenso in diese Kategorie, wie Proklamationen auf Demonstrationen oder gar die Rufe eines Auktionators.

 

Chant und Chanting als Teil der relgiösen und spirituellen Praxis
Schaut man sich in der religös-spirituellen Welt um, dann finden wir Chants auf sämtlichen Pfaden.
In den abrahamitischen Religionen ebenso wie im Buddhismus, Hinduismus oder auch Stammesrelgionen oder im (Neu)Heidentum (z.B. Wicca).
Dabei findet natürlich zwangsweise auch eine Überschneidung mit dem Mantra statt, dass “gechantet” wird. Doch dazu mehr an entsprechender Stelle.

Der Chant ist jedoch nicht auf das Mantra beschränkt.
Darunter fällt auch das Rezitieren von heiligen Texten (oder Ausschnitten davon),  Gottesnamen  und ähnliches.

Wie das Gebet kann (muss allerdings nicht 😉 ) das Chanten einen wesentlichen Bestandteil der persönlichen Glaubens-und Religionsausübung, oder der Praxis einer ganzen Gruppe ausmachen.
Manche betrachten das Chanten auch explizit als ein Werkzeug oder Mittel, um die spirituelle Entwicklung eines_r Einzelnen  oder einer Gruppe zu fördern.

Es gibt, je nach Pfad, ganz unterschiedliche Methoden oder “Arten” des Chantes. Z.B. der Obertongesang tibetischer Mönche oder das Kirtan, ein Wechselgesang zwischen einem Vorsänger und “Antwortenden”, das vor allem durch die Bhakti-Bewegung der ISKCON in unseren westlichen Breiten bekannt geworden ist.
Allerdings ist das Kirtan natürlich nicht auf die ISKCON beschränkt sondern stellt eine Praxis dar, die generell im Sanatana-Dharma (3) aber z.B. auch dem Sikhismus bekannt und verbreitet ist.

Der Chant kann darüber hinaus Teil eines Rituals, eines “Gottesdienstes” oder einer Andacht sein, muss es aber nicht zwangsweise.

 

Chants im (Neu)Heidentum und als Teil magisch-spiritueller Praxis
Innerhalb des (Neu)Heidentum erfreuen sich diverse neue und alte Chants großer Beliebtheit.
Sie bilden einen z.T. nicht ganz unerheblichen Teil bei Jahreskreisfesten, Übergangsritualen oder anderen Feierlichkeiten, Ritualen und/oder anderen Treffen.
Zumindest ist es meine Beobachtung, die sicherlich nicht generalisierbar ist, und sich auch von Gruppierung zu Gruppierung, oder auch persönlicher Präferenz stark unterscheidet/unterscheiden können.

Chants helfen vor, während und nach Ritualen dabei, die Gruppe auf das Ritual einzustellen, Energien aufzubauen,  zu fokussieren, auszurichten und schließlich auch zu lenken.
Mit ihrer Hilfe können aufgerufene Energien auch wieder geerdet werden und die Mitglieder einer Gruppe wieder in das “Hier und Jetzt” (zurück) geholt werden .
Die Einsatzmöglichkeiten sind sehr vielfältig.

Im Gegensatz zu Mantren die, wie wir noch sehen werden, von Natur aus eigene Energie(n) besitzen und quasi “geladen” sind, sind Chants eher “Gefäße”, dazu geeignet (“Fremd”- bzw. “Eigen”-) Energien “einzufangen”, zu bündeln, zu halten und zu lenken.
Sie wirken, so gesehen, nicht aus sich selbst heraus, sondern durch und mit Energien, die in sie hineingegeben werden.

Allerdings ist meiner Erfahrung nach auch zu beachten, dass nicht jeder gleich “gut” auf Chants “anspringt” .
Das kann an unterschiedlichen Dingen liegen. Sei es, dass die entsprechende Person sich einfach unwohlfühlt, bisher noch keine Erfahrungen mit Chants gesammelt oder sich schlicht nich fallen und “gehen” lassen kann.

 

Wirkung von Chants
Chants wirken meiner bisherigen Erfahrung nach, vor allem durch die Komponenten Rhythmus, Metrum und Tempo.
Worte sind, wie bereits oben geschrieben, nicht zwingend notwendig, können aber natürlich für den/die eine_n oder andere_n hilfreich sein.
Eine ebenfalls nicht unerhebliche Rolle kann ggf. auch die Tonlage spielen.

Wichtig ist darüber hinaus der Sinn und Zweck, der mit einem Chant verfolgt werden soll.
Für das Aktivieren und die Steigerung eines Energieflusses, nützt es z.B. wenig, das Tempo generell langsam und getragen zu gestalten, sondern es muss (oder sollte 😉 ) sich, dem anpassend, von langsam zu schnell steigern, dann einen Augenblick auf dem Höhepunkt gehalten werden um dann abgegeben und wieder zurück gebracht zu werden, bzw. den Rest der aufgerufenen und gesammelten Energie wieder zu Erden.
Für Letzteres ist z.B. wiederum ein schnelles, “zackiges” und aufputschendes Tempo kontraproduktiv.

Chants können für ganz verschiedene Zwecke verwendet werden, die sich im weitesten Sinn auch mit denen von Mantren überschneiden können.
Neben dem Erwecken und Lenken von Energie kann mit ihrer Hilfe Trance eingeleitet, Visionen hervorgerufen, evoziert oder/und invoziert werden.
Sie können die Gemeinschaft und die Verbundenheit stärken und haben einen sehr starken Einfluss auf die Emotionen.
Nicht zuletzt helfen sie natürlich auch dabei, die Gedanken und auch die Atmung (positiv) zu beeinflussen.

 

Fazit
Bei Chants handelt es sich in erster Linie um das rhythmische Sprechen und/oder Singen von Worten, Texten oder Tönen.
Unterschiedliche religiöse und spirituelle Pfade bedienen sich Chants. Einerseits um positive und angenehme Atmosphören zu schaffen, andererseits um die spirituelle (Weiter)Entwicklung zu fördern, den Geist und die Gedanken zu beruhigen und zu fokussieren.
Doch neben diesen Wirkungsbereichen können Chants auch in unterschiedlicher Weise auf rituell-magischer Ebene eingesetzt werden. Z.B. bei der Erweckung, Steigerung, Speicherung und dem Loslassen von Energie.

Auch wenn sie sich von Mantren und ihren Wirkungsweisen z.T. erheblich unterscheiden, so sind sie hervorragende Werkzeuge, mit denen es sich lohnt sich näher auseinander zu setzen und spielerisch mit ihnen zu experimentieren.

 

 

Beispiele für populäre heidnische Chants

Element Chant
The earth
The air
The fire
The water
Return, return, return, return

 

Goddess Chant
Isis
Astarte
Diana
Hekate
Demeter
Kali
Inanna

 

Triple Goddess Chant
Honored maiden huntress Artemis, Artemis,
New moon come to us.

Silver shining wheel of radiance, radiance,
Mother come to us.

Honored queen of wisdom Hecate, Hecate
Old One come to us.

 

Ende Teil 2
Siat


1-Online Etymology Dictionary
2-Wikipedia: Chanting
3-Eigenname des Hinduismus