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Navratri – Die neun heiligen Nächte der Mutter (Teil 6)

Der Tag des Sieges-Vijayadashami
Vijayadashami oder Dusshera/Das(h)ara markiert das Ende der Feierlichkeiten zu Ehren der Großen Mutter.
Es findet am 10. Tag statt und wird im großen Stil als Tag des Sieges des Guten über des Bösen, des Lichtes über die Dunkelheit begangen.
Die Bedeutung des Namens Dusshera ist recht vielfältig.
Zum einen hat er den Bezug zu einem anderen Mythos bezüglich des Gottes Rama, der den zehnköpfigen Dämon (Dashanan-)Ravana (dessen zehn Köpfe zehn Frevel symbolisieren) besiegt, weswegen sich der Name in diesem Zusammenhang von dasha-hara (=”Hinwegnehmen/Besiegen der Frevel”) abgeleitet wird.
Eine weitere Ableitung folgt vom Wort “ahaha”(=”Tag”).
Dasharahaha/Dasharaha bezieht sich damit auf die neun Nächte und zehn Tage, an denen die Göttin in unterschiedlichen Inkarnationen mit den Dämonen kämpfte.
Der zehnte Tag markiert dabei den Siegenstag, an dem Durga den Dämon Mahishasura besiegte.
Auf den Sieg der Göttin bezieht sich auch der Begriff “Vijayadashami”, der “Sieg am 10. Tag des (Mond-)Monats”. Als “dashami” (=”zehn”) wird wörtl. der zehnte Tag im Monat des hinduistisch-vedischen (Mond-)Kalenders bezeichnet, und “vijaya” wird übersetzt mit “Sieg” und “Triumph”.

An Vijayadashami wird außerdem die Heimkehr von Mutter Durga gefeiert.
Eine Legende erzhält davon, dass Adi-Parashakti als Sati, die Tochter des Königs Daksha, dem Herrn der Erde, und seiner Gattin Prasuti geboren wurde. Sati begann bereits als Kind, Shiva als Ihren zukünftigen Gatten anzubeten und zu verehren. Shiva, der von Ihrer Hingabe höchst angetan und erfeut war, heiratete später Sati. Daksha, der von Anfang an gegen die Heirat war, konnte dies natürlich nicht verhindern. Verärgert ließ Daksha ein rituelles Feuer vorbereiten und lud dazu jeden ein außer Shiva.

Sita Verbrennt sich selbst im Opferfeuer;  Künstler/Artist: unbekannt/unknown
Sita Verbrennt sich selbst im Opferfeuer; Künstler/Artist: unbekannt/unknown

Sati, die zutiefst beschämt von dem Verhalten Ihres Vaters und erzürnt über diese Beleidigung war, suchte Ihren Vater gegen den Rat Ihres Gatten auf. Bestürzt über weitere Beleidungen Ihres Vaters, stürzte Sie sich in die Flammen des Opferfeuers.

Als Shiva von Tod Seiner geliebten Frau wurde er rasend und blind vor Zorn, Schmerz und Trauer.
Er verließ augenblicklich den Berg Kailash.
Als Er den Palast seines Schwiegervaters erreicht hatte, zerstörte Er in Seiner Raserei das Opferfeuer und schlug seinem Schwiegervater Daksha den Kopf ab.

Shiva nimmt den leblosen Körper Satis auf und zerstört Dakshas Opferfeuer; Künstler/Artist: unbekannt/unknown.
Shiva nimmt den leblosen Körper Satis auf und zerstört Dakshas Opferfeuer; Künstler/Artist: unbekannt/unknown.

Aus den Überresten des Feuers und der Flammen hob er den leblosen Körper Satis und begann dann Seinen vor Trauer und Schmerz überwältigt, Seinen Tanz der Zerstörung. Als Shiva, als Höchste Macht, voller Zorn mit Seinem Tanz die Welten zum wanken und an den Rand der vollkommenen Zerstörung brachte, flehten die Götter Vishnu an, etwas zu unternehmen.
Also machte sich dieser auf und zerteilte den Leichnam Parvatis mit Seinem Wurfdiskus, der auf den Schultern des noch immer rasend tanzenden Shiva ruhte.
Ihre einzelnen Teile vielen von Seinen Schulter und verteilten sich über ganz Indien. Und dort, wo Sie nieder fielen, entstanden heilige Plätze, die Adi-Shakti geweiht sind, die sog. “Shakti Peethas” (1) .

Trauernder Shiva; Künstler/Artist: unbekannt/unknown; Quelle: flickr.com
Trauernder Shiva, Parvati tragend; Künstler/Artist: unbekannt/unknown; Quelle: flickr.com

Als das letzte Stück von Ihr von Seinen Schultern gefallen war, wurde Shiva ruhiger, und Er zog sich als Asket in die Einsamkeit des Himalaya zurück um sich in tiefer Meditation zu versenken.

Parvati wurde von Vishnu wieder in Ihrer ursprünglichen Gestalt Adi-Shaktis wieder erweckt.
Als Sie in Ihrer nächsten Inkarnation als Shailaputri (Parvati) wiedergeboren und Shiva wieder als Ihren Gatten gewonnen hatte, bat Vishnu den Höchsten der Göttlich darum, Daksha zu vergeben.
Seit dem ist der Frieden wieder hergestellt, und Durga besucht seit dem zusammen mit Ihren Kindern Skanda und Ganesha, und Ihren Shaktis Jaya und Vijaya, jedes Jahr im Herbst Ihre Eltern.

Vijayadashami markiert den Beginn der Ernte-Zeit, und die Muttergöttin wird angerufen, um die Fruchtbarkeit und die Kraft der Erde und des Bodens zu erneuern. Das geschieht mit vielen verschiedenen Ritualen, in denen die kosmischen Kräfte der Göttin an- und hereingerufen werden, um den Erdboden zu verjüngen.
Überall in Indien und Teilen angrenzender Länder wie Nepal finden große Feierlichkeiten und Speiseopfer für die Götter statt, sowohl zu Hause als auch in den Tempeln.
Dieser Tag gilt komplett als ein günstiger und segensreicher Tag. Alles, was an ihm angefangen wird, steht, so wird gesagt, unter dem Segen und dem Wohlwollen der Höchsten Göttin und der kosmischen Kräfte.

Der zehnte und letzte Tag von Navrati stellt den Höhepunkt der Festivitäten zu Ehren der Mutter des Universums dar.
Begleitet unter Jubel, Musik und Gesang werden die Statuen der Göttin aus Ihren zum Teil extra angefertigten Schreinen hinaus ans Licht gebracht, was sowohl den Sieg der Kräfte der Rechtschaffenheit und des Guten über die Mächte des Bösen und des Frevels symbolisert, als auch die Wiederherstellung des Gleichgewichtes und der Ordnung im Universum.
Die Statuen werden dann in Prozessionen zu Flüssen oder hin zum Meer gebracht und unter Jubel den Wassern übergeben.
Mit der Versenkung der Statuen wird die Göttin bis zum nächsten Navratri verabschiedet.

Doch die Feierlichkeiten sind damit noch nicht (ganz) zu Ende.
Je nach Region und Traditonen ist auch Vijayadashami mit vielerlei Bräuchen und weitern Ritualen verbunden.
Z.B. ersuchen die Jüngeren von den Älteren Ihren Segen, in dem sie sich zu deren Füßen niederbeugen und diese berühren, im Gegenzug werden sie von diesen gesegnet.
Und in manchen Gegenden gehen die Kinder (ähnlich wie an Halloween) von Tür zu Tür, und sammeln von Nachbarn und Verwandten Süßigkeiten.

Natürlich ist diese Artikelreihe nur ein kleiner Überblick über dieses, im großen Stil überall in Indien gefeierte Fest.
Der letzten Teile, die noch folgen, werden sich mit dem Durga-Puja, einer der wichtigsten Festivitäten während Navrati, und unterschiedlichen Ritualen rund um dieser heiligen Zeit beschäftigen.

Siat
Ende Teil 6


1-wrtl.: “Sitz der Shakti”; es werden 4-51 Peethas benannt, an denen jeweil ein Körperteil oder Schmuckstück Satis niederfiel. An jedem dieser Orte wird Adi-Shakti Sati in Form einer anderen Göttin verehrt, immer auch begleitet von Ihrem Gatten Rudra-Shiva. 

Navratri – Die neun heiligen Nächte der Mutter (Teil 5)

Die Navdurgas
Tag 7-9 (Maha-Sarasvati)
Die letzten drei Nächte sind Maha-Sarasvati geweiht, der Göttin, die (spirituellen) Erkenntnis,  Einsicht und Weisheit schenkt, die (u.a.) aus dem Sieg über die (eigenen inneren) Dämonen erwächst.

Ma Kalaratri; Künstler/Artist: unbekannt/unknown; Quelle: Dharma Vidya
Ma Kalaratri; Künstler/Artist: unbekannt/unknown; Quelle: Dharma Vidya

7. Kalaratri कालरात्रि 
Der Name setzt sich zusammen aus kala/i und ratri (=”Nacht”, “Dunkelheit und Stille der Nacht”). Kala/i bedeutet auf der einen Seite “dunkel, schwarz, dunkel-blau, von dunkler Farbe” auf der anderen Seite jedoch auch “Nacht” “Zeit”, “(Erd-)Zeitalter”, Zeitraum”, “Tod”, “Ende”.
Entsprechend vielfältig wird der Name Kalaratris als “Dunkle/schwarze Nacht”, “Ende der Dunkelheit/Nacht” übersetzt. Weitere Übersetzungen sind auch “Die jenige, die der Tod des Gottes des Todes (=Kala) ist”, “Diejenige, die der Tod der Zeit ist”, “Nacht der Zerstörung am Ende der Welt” und “Nacht der alles-vernichtenden Zeit”.

Kalaratri gilt als aggressivste, gefährlichste und zerstörerischte Kraft von Adi-Shakti und damit Form von Parvati/Durga.
Sie ist eine Kriegsgöttin wie Chandraghanta, Katyayani und Durga, und gilt häufig auch als eine Gestalt der Göttin Kali.
Das Devi-Mahatmyam erzählt davon, dass Parvati als Jagadamba inkarnierte, um den Dämonen Raktabeeja zu töten. Als Sie ihn sah, wie er überheblich mit seiner Macht angab, und die Götter, Göttinnen, Menschen und alle anderen Lebewesen bedrohte, wurde Sie sehr wütend und aus Ihrer Stirn entsprang Kali, um den Dämon und all seine Klone (die durch seine Blutstropfen während der Kämpfe entstanden waren) zu vernichten. Und das tat Sie, in dem Sie sein herabfallendes Blut trank, während Sie ihn und seine Klone köpfte.
Es wird auch erzählt, dass Parvati sich einst, nachdem Sie von Shiva wegen Ihrer dunklen Hautfarbe geärgert worden war, asketischen Übungen unterzog, um von Brahma einen Wunsch gewährt zu bekommen. Als Er Ihr erschien, bat Sie Ihn darum, Ihre dunkle Hautfarbe in eine helle, goldfarbene zu verwandeln.
Er gewährte Ihr den Wunsch, und aus Ihrer dunklen Haut entstand die schöne, dunkle Göttin Kaushiki.
Als die Welt und die Götter von Raktabeeja und seinen Abbildern bedroht wurden, zog Kaushiki mit Kali in den Kampf, und während Kaushiki die Dämonen tötete, verschlang Kali ihr Blut.
Im Devi-Mahatmyam wird Kalaratri auch mit Bhairavi gleichgesetzt.
Parvati inkarnierte in dieser Form auch, um die Dämonen Chanda und Munda zu vernichten. Daher trägt Sie auch den Namen Chamunda.

Sie ist immer bereit für den Kampf, für Krieg und Zerstörung. Ihr Kampf gilt den Dämonen, Monstern, bösen Geistern und allen negativen Kräften, die alle Lebewesen bedrohen.
Trotz Ihrer Brutalität, Aggressivität und furchteinflößenden Erscheinung gilt Kalaratri (auch) als eine liebende und sich um Ihre Kinder sorgende Mutter (-Göttin), die diejenigen reich segnet, die Sie verehren. Deswegen wird sie auch Shubhankari (“Die, die Gutes tut”) genannt.
Sie ist diejenige, die alle Ignoranz und alle Illusionen zerstört, die jegliche Finsternis hinwegnimmt und lehrt, dass das Leben auch eine dunkle Seite hat.

Der Planet, der astrologisch mit Kalaratri verbunden wird, ist Saturn.
Das Ihr zugeordnete Chakra ist das 7. oder Scheitel-bzw. Sahasrara-Chakra.

Ikonographie
Kalaratri wird vierarmig und in der Regel auf einem Esel reitend dargestellt.
In Ihren Händen  trägt Sie häufig Dreizack, Schwert, Krummsäbel und eine Waffe aus Dornen.
In anderen Darstellungen trägt Sie in Ihren linken Händen Krummsäbel und die Waffe aus Dornen, während die rechten Hände die Gesten der Wunschgewährung und des Schutzes.
Sie trägt häufig einen schwarzen Sari oder ist in ein Tigerfell gekleidet. Um Ihren Hals trägt Sie wie Kali eine Kette aus Menschenschädeln, die die Buchstaben des Sanskrit-Alphabetes repräsentieren.
Andere Dastellungen zeigen Sie auch mit einem Gürtel aus menschlichen Armen,  einem Schmuck Blitzen oder auch auf einem Leichnam sitzend.
Die Stirn Kalaratris ist von einem Dritten Auge geziert, Ihre schwarzen Haare stehen wild von Ihrem Kopf ab und Ihre Augen sind weit aufgerissen und (manchmal) blutunterlaufen.

Ma Mahagauri; Künstler/Artist: unbekannt/unknown; Quelle: Dharma Vidya
Ma Mahagauri; Künstler/Artist: unbekannt/unknown; Quelle: Dharma Vidya

8. Mahagauri महागौरी 
Nachdem Parvati Ihre dunkle Hautfarbe durch die Erfüllung Ihres Wunsches durch Brahma abgelegt hatte, strahlte Ihre Haut hell-weiß, manche sagen auch golden.
Aus diesem Grunde erhielt Sie den Namen Maha (=”groß”, “mächtig”) Gauri (=”weiß”, “hell”, “hübsch”, “schön”, “liebreizend”).
Eine andere Legende besagt, dass Parvati in Ihrer Inkarnation als Shailaputri ein wundervolles und strahlendes Mädchen, mit einer sehr hellen Haut gewesen sei, weswegen Sie Mahagauri genannt wurde.
Von einem anderen Mythos wird berichtet, dass die Haut Parvatis nach Ihren langen Jahren als Asketin durch Staub und Erde dunkel geworden war. Als Shiva Sie im Gangeswasser wusch, erhielt Sie Ihre strahlend weiße Körperfarbe wieder und ist seit dem  unter dem Namen bekannt.

Auf Grund Ihrer weißen Hautfarbe wird sie mit der weißen Meeresschnecke, dem Mond und der Jasminblüte verglichen.

Mahagauri wird mit dem aufsteigenden Mondknoten und dem sogenannten Soma-Chakra (1) in Verbindung gebracht.

Ikonographie:
Mahagauri wird mit weißer Körperfarbe, vier Armen und auf einem weißen Bullen reitend dargestellt. Auch Ihr Sari ist weiß, selten auch rosa.
In Ihren drei Händen trägt die Göttin Dreizack, Dhamaru (eine Trommel), einen Lotus und die vierte ist in der Geste der Furchtlosigkeit vorgestreckt.
In manchen Darstellungen trägt Sie auch nur Dhamaru und Dreizack, während Sie mit den anderen Händen die Geste der Furchtlosigkeit und der Wunschgewährung zeigt.

Ma Siddhidatri; Künstler/Artist: unbekannt/unknown; Quelle: Dharma Vidya
Ma Siddhidatri; Künstler/Artist: unbekannt/unknown; Quelle: Dharma Vidya

9. Siddhidatri सिद्धिदात्री 
Der Name der Göttin bedeutet “Geberin aller (übernatürlicher) Kräfte”, kann aber auch übersetzt werden mit “Geberin der Vervollkommnung/Vollkommenheit”, “Erfüllerin aller Wünsche”, “Gewährerin allen Verstehens”, “Gewährerin/Geberin der (spirituellen) Verwirklichung”, “Die, die alles Wissen/Verstehen schenkt” oder “Die, die alle Erkenntnis gewährt”

Ein Mythos berichtet davon, dass Siddhidatri den Göttern Brahma, Vishnu und Shiva jeweils Ihre Aufgabenbereiche in der Schöpfung (Erschaffung, Erhaltung, Zerstörung) und Ihre Identität als Schöpfer, Bewahrer und Zerstörer zuteilte.
Sie war es auch die Shiva gebot über Sie zu meditieren um so mit allen acht (manchmal werden auch achtzehn) “siddhis” (2), dh. übernatürlichen Fähigkeiten von Ihr gesegnet zu werden.
Während Shivea dieser Aufgabe nachkam, segnete Siddhidatri Sie Ihn mit der Gestalt von Ardhanaishvara (“Gott, der zur Hälfte weiblich ist”)  in dem Sie sich in Seiner linken Körperhälfte manifestierte.

Einer anderen Legend zufolge verehrte Rudra (3) zu Beginn des Universums Adi-Parashakti für die Schöpfung.  Es ist gesagt, dass Adi-Parashakti, die aller höchste Göttin der Macht,  formlos und gestaltlos ist und aus Shivas linker Hälfte als Siddhidatri hervorging, der seit dem als Ardhanaishvara bekannt ist und verehrt wird.

In der Gestalt der Siddhidatri ist es Parvati/Durga, die Ignoranz und Illusionen nimmt und die Weisheit zur Erkenntnis des Brahman (4) schenkt. Sie verhilft zur Erkenntnis, dass alles Brahman ist.

Astrologisch gesehen ist Ihr der absteigende Mondknoten als neunter Planet, und das Nirvana-Chakra (5) zugeordnet.

Ikonographie
Siddhidatri ist in Ihrer Erscheinung der Göttin Lakshmi recht ähnlich. Sie sitzt auf einem voll erblühten, rosanen Lotus und ist vierarmig. In Ihren Händen trägt Sie einen Wurfdiskus, ein Muschelhorn, den Dreizack und eine Keule, und ist in einen roten Sari gekleidet.
Häufig wird Sie umringt von all jenen dargestellt, die Sie verehren: Menschen, Devas (6), Gandharvas (7), Asuras (8), Yakshas (9) und Siddhas (10).
Manchmal wird sie auch auf einem Löwen oder Kamel reitend dargestellt.

 

Ende Teil 5
Siat


 

1 – Sitz: Hinterkopf, manchmal auch an der Stirn lokalisiert (je nach Tradition).

2 – Lt. der Markandeya Purana: Anima: Die Fähigkeit, sich zu verkleinern; Mahima: Die Fähigkeit, sich zu vergrößern; Garima: Die Fähigkeit, unendlich schwer zu werden; Laghima: Die Fähigkeit, schwerelos zu werden); Prapti: Die Fähigkeit, zu allen Orten Zugang zu erhalten; Prakamya: Die Fähigkeit, Verlangen zu erzeugen; Ishitva: Die uneingeschränkte Herrschaft zu besitzen und Vashitva: Lenker aller Dinge.

3 – Ein Name Shivas


4 – “das”, “dieses”; das Absolute und der Urgrund des Universums, des Seins und aller Schöpfung, Formloses, absolutes Göttliches, das alles Sein enthält.

5 – Sitz: Krone des Kopfes; markiert das Ende des Sushumna-Kanals.

6 – im weitesten Sinne: “Götter”/”Gottheiten”

7 – himmlische Musikanten

8 – im weitesten Sinne: “Dämonen”/”böse Geister”

9 – Halb-Götter, Naturgeister und/oder Götter niederen Ranges.

10 – Yogis/Tantriker, die bereits Siddhis erlangt haben

Navratri – Die neun heiligen Nächte der Mutter (Teil 4)

Die Navdurgas
Tag 4-6 (Maha-Lakshmi)
Während die ersten drei Tage Navratris unter dem Banner der Göttin des Mutes, des Selbstvertrauens der Macht und Energie stehen, stehen die nächsten drei Tage unter der segnenden Hand von Maha-Lakshmi, der Göttin des (materiellen wie spirituellen) Wohlstands, des Reichtums, der Fülle und des Friedens.

Ma Kushmanda; Künstler/Artist: unbekannt/unknown
Ma Kushmanda; Künstler/Artist: unbekannt/unknown; Quelle: Dharma Vidya

4. Kushmanda कूष्माण्डा
Noch ehe das Universum erschaffen wurde, erleuchete Adi-Shakti die ewige Dunkelheit mit ihrem Licht.
Sie erschuf das gesamte Universum allein durch ein winziges Aufblitzen Ihres Lächelns (manche sagen auch, durch den Klang Ihres Lachens) durch dass der Kosmos als Kosmische Ei ins Sein kam.
Ihr Name reflektiert Ihre Verbindung zum Kosmischen Ei (“anda” = kosmisches Ei).

Sie gab Ihr Licht der Sonne, damit diese das Fortbestehen allen Seins bewahren kann.
In den Schriften wird davon berichtet, dass Sie selbst im Zentrum der Sonne existiert, ihre Energie darstellt und die einzige ist, die die Kraft und Energie der Sonne kontrollieren kann.

Als die Göttin, die über die Sonne gebietet ist diese Ihr natürlich auch in der vedischen Astrologie als Planet zugeordnet.
Das Chakra, mit dem Sie in Verbindung steht, ist das Anahata- bzw. Herzchakra.

Ikonographie:
Kushmanda wird mit acht Armen und auf einem Tiger oder Löwen reitend dargestellt.
In vier Ihrer Hände trägt sie Waffen, die anderen drei halten die Gebetskette, einen Lotus und ein rituelles Wassergefäß, während Sie in ihrer letzten Hand ein Gefäß mit Nektar hält, der Gesundheit und langes Leben schenkt.
Sie wird meist einen rosanen Sari tragend dargestellt.
Wegen Ihrer acht Arme wird Kushmanda auch “Ashtabhuja (“asht(a)” =acht; “bhuja”=Hand) genannt.

Ma Skandamata; Künstler/Artist: unbekannt/unknown;
Ma Skandamata; Künstler/Artist: unbekannt/unknown; Quelle: Dharma Vidya

5. Skandamata स्कन्दमाता
Als Parvati Shiva heiratete, wurde Sie kurze Zeit später Mutter von Skanda (1). Dieser wurde zum General der göttlichen Armee (n)  und ein großer Feldherr der Götter gegen die Dämonen.
Ihr Name setzt sich aus dem Namen Ihres Sohnes und dem Wort “mata” (=Mutter) zusammen und weist damit auf Ihre sehr mütterliche Form hin.

Es wird gesagt, dass nur der das Wohlwollen von Skanda erhält, der Seine Mutter in Ihrer Form als Skandamata verehrt.
Sie gilt darüber hinaus auch als eine Göttin des Feuers (der Weisheit und Erkenntnis).
Durch Ihre Gunst und Ihren Segen sollen selbst Idioten dazu fähig werden, sich zu einem Ozean der Weisheit zu wandeln.

Als Planet ist Ihr in der vedischen Astrologie der Merkur zugeordnet, und Sie steht mit dem fünften oder Hals-/bzw. Visuddha-Chakra in Verbindung.

Ikonographie:
Skandamata wird vierarmig und in einem gelben oder orangenen Sari auf einem Löwen reitend dargestellt. In Ihrem Schoß hält Sie mit einer Hand Ihren Sohn Skanda, der als kleines Kind und fünfköpfig dargestellt ist. Ihre linke untere Hand zeigt Sie die Geste der Wunsch-Erfüllung und der Furchtlosigkeit, während Sie in Ihren beiden oberen Händen rosane Lotusblüten tragen.
Sie wird auch auf einer Lotusblüte sitzend dargestellt, und trägt dann den Namen “Padmasana”.

Ma Katyayani; Künstler/Artist: unbekannt/unknown
Ma Katyayani; Künstler/Artist: unbekannt/unknown; Quelle: Dharma Vidya

6. Katyayani कात्यायनी
Der Legende nach beteten der Weise Katyaya und sein Sohn Katya zur Göttin Durga, um von Ihr gesegnet zu werden. Als Sie ihnen erschien, bat Katyaya die Göttin, das Sie als seine Tochter reinkarnieren möge.  Er nannte Sie Katyayani, und Sie sollte die Welt vor Schrecken und Unheil bewahren.
Während Sie heranwuchs, gewährte Brahma den Dämonen Mahishasura, auf Grund seiner langen asketischen Übungen,  einen Wunsch, der da lautete, dass er niemals von einem Mann getötet werden könne. Als dieser die Götter und Göttinnen bedrohte, betete die Dreiheit Brahma, Shiva und Vishnu drei Tage (Shukla Saptami, Ashtami und Navami (7.-9. Tag)) lang zur Göttin Katyayani, damit Sie sie von dem Dämon und seinem Heer befreien möge.
Nach einer anderen Legende ist es der Weise Katyaya, der die Göttin drei Tage lang anbetet, um die Welt von Mahishasura zu befreien.
Angetan und erfreut von der Hingabe der Götter/des Heiligen, nahm die Göttin die Gestalt der zehn-, manchmal auch achtzehn-armigen Göttin Mahishasura-mardini an. Die Devi-Gita beschreibt, wie Sie auf einem Löwen reitend in die Schlacht zieht, ausgestattet mit den Waffen aller Götter.
Am 10.Tag (Vijayadashami) besiegte die Göttin den Dämon und befreite damit die Götter von seinem Treiben.

Die Gestalt von Katyayani gilt als eine der furchterregendsten und gewalttätigsten der Göttin Parvati, in der Sie als Kriegsgöttin erscheint, um diejenigen zu beschützen, die Sie um Hilfe anflehen.
Auf der anderen Seite gilt Katyayani als “Tochter-Form” der Göttin Durga. D.h. Sie ist die liebende, hingebungsvolle Tochter, die nicht zögert Ihre Lieben zu verteidigen.

Als Planet ist Ihr in der vedischen Astrologie der Planet Jupiter zugeordnet. Das mit Ihr verbundene Chakra ist das 6. bzw. Ajna-Chakra, das auch als Drittes Auge bekannt ist.

Ikonograhie:
Katyayani wird auf einem Löwen reitend mit vier Händen dargestellt.
In drei von ihnen trägt Sie Schwert, Dreizack und Lotus, während die untere rechte Hand die Geste der Furchtlosigkeit zeigt.  Die Farben Ihres Saris ist grün, manchmal auch rosa oder rot. Letztere Farbe assoziiert Sie mit den furchteinflößenden Formen von Bhadrakali und Chandika.

Tritt Sie als Mahishasura-mardini auf, wird Sie zehn- bis achtzehnarmig ebenfalls auf einem Löwen reitend darstellt. Ihre Stirn ist dann außerdem von einem dritten Auge geziert.
In Ihren Händen trägt sie alle möglichen Waffen der Götter, darunter den Dreizack Shivas und den Wurfdiskus Vishnus.

Durga als Mahishasura-mardini; Künstler/Artist: undbekannt/unknown
Durga als Mahishasura-mardini; Künstler/Artist: undbekannt/unknown; Quelle: Flickr.com

 

Ende Teil 4
Siat

Navratri-Die neun heiligen Nächte der Mutter (Teil 3)

Parvati, Durga, Kali und Adi-Parashakti
Wie bereits im 2. Teil der Serie geschrieben ist Navrati den neun Formen Durgas (=Nav(a) durga)  gewidmet.
Mata Durga und Mata Kali sind sehr vielschichtige Göttin, die als Manifestationen Satis/Parvatis, Shivas geliebte Gefährtin und “Gattin” gesehen und verehrt wird.
Parvati ist Parashakti, die uranfängliche Quelle der göttlich-weiblichen, aktiven Schöpfungskraft, durch die alles wird und auch wieder zerstört wird, während Paramshiva der uranfängliche Quell aller männlich-göttlichen Kraft ist. Durch Sie kann Er sich (in der Schöpfung) manifestieren, bekommt Form und Gestalt.
Sie ist Adi-Parashakti, die aller-höchste, göttliche Macht, ohne die alle anderen Götter macht-los sind. Sie ist die mächtigest von allen, die das gesamte Universum in einem Augenblick zerstören kann, und vor der selbst die hoch verehrte Dreiheit von Brahma (dem Schöpfer), Vishnu (der Erhalter) und Shiva (der Zerstörer) sehr großen Respekt hat.
Oder um es mit der Devi-Gita zu sagen:

Sarvarupe sarveshe sarvashakti samanvite bhayebhyastrahi no Devi Durge devi namostute.

Wir verneigen uns vor der Göttin Durga, die der Ursprung aller Formen (sarvarupe) ist, die die Göttin aller Wesen(heiten) (sarveshe) ist, in der alle Macht existiert (sarvashakti samanvite) und die alle Furcht zerstört.

Shiva und Shakti sind beide untrennbar miteinander verbunden, so wie die Flamme nicht von der Wärme oder die Sonne vom Licht zu trennen sind.

Parvati, Durga und Kali werden als die Saguna Svarupas Adi-Shaktis betrachtet, dh. als Ihre “menschlichen” Inkarnationen in der Schöpfung, denn sie selbst ist-wie Ihr Gatte- (Teil von) Parabrahman, dem absoluten, namen-, form- und gestaltlosen Göttlichen, das alle (göttlichen) Potenziale in sich birgt. Das bedeutet im Verständnis des Shakta-Pfades des Sanatana Dharmas, dass Parvati und Durga als die reinsten “materiellen Formen” der Großen Göttin Adi-Parashakti betrachtet werden, die alle drei Qualitäten der Schöpfung in sich tragen, die, sehr, sehr verkürzt und vereinfacht dargestellt, mit Erschaffung, Erhalt und Zerstörung assoziiert werden.
Und als diese sind Sie die Quelle aller anderen Göttinnen.

Diese Sichtweise ist, am Rande erwähnt, also nichts anderes als die reinste Form der in manchen Kreisen “des” Heidentums so verpönten und abgelehnten Sichtweise von “Alle Göttinnen sind eine Göttin” 😉 . Doch das ist ein Thema für einen anderen Artikel.

Diesen Gedanken im Hinterkopf zu haben (auch wenn es jetzt nur ein sehr, sehr grober und unvollständiger Einblick ist) erleichtert vielleicht ein wenig, die Zusammenhänge von allem zu verstehen und vielleicht nicht ganz so verwirrt zu sein, wenn es um die ganzen Traditionen, Ansichten, Rituale und Mythen geht. 😉

Die Navdurgas
Tag 1-3 (Durga/Maha-Kali)
An den ersten drei Tagen wird Adi-Shakti als Göttin der Macht und Energie verehrt. In Hinblick auf die spirituelle Reise verkörpert Durga auch die Göttin des Mutes und der Tapferkeit, die ein Mensch aufbringen muss, um sich auf die Reise zur Erkenntnis zu machen.

Ma Shailaputri; Künstler/Artist: unbekannt/unknown;
Ma Shailaputri; Künstler/Artist: unbekannt/unknown; Quelle: Dharma Vidya
  1. Shailaputri शैलपुत्री
    Der Name setzt sich aus den Wörtern “putri” (=Tochter) und “shail(a)” (=Berg) zusammen und bedeutet damit “Tochter des Berges”.
    Nach Ihrer Selbstverbrennung inkarnierte Sati, die über alles geliebte und verehrte Gattin Shivas als Tochter von Himavat, dem König des Himalayas. Sie wird daher auch Parvati genannt  und trägt als seine Tochter auch den Namen Himavati. Wie in Ihrer vorherigen Geburt heiratet Parvati nach einigen Hindernissen den Gott Shiva.
    Sheilaputri verkörpert die Macht von Brahma, Vishnu und Shiva und die Absolutheit von Mutter Natur. Sie ist die Personifikation der Erde und allem, was auf ihr existiert.Ihr wird das erste Chakra (Wurzel-oder Mulhadhara-Chakra, bei dem das Erwachen beginnt) und gilt als die Verkörperung von dessen Energie (= Shakti).
    Das hat damit auch zur Folge, dass das Mulhadhara-Chakra an diesem 1. Tag im Zentrum der sprituellen Praxis steht und Yogis sich auf dieses besonders konzentrieren, denn das Muladhara-Chakra gilt (wie auch der erste Tag selbst) als Anfangspunkt für ihre spirituelle Reise (hin zur Göttin).
    Shailaputri ist damit dieGöttin, die einen festen Grund schenkt und den Beginn der spirituellen Reise markiert.Als (vedischer) Planet ist Ihr der Mond zugeordnet. Er wird zu den positivsten gezählt,unter denen ein Mensch geboren werden kann, weil er Glück und Wohlstand verheißt.Ikonographie:
    Shailaputri wird auf Nandi (dem weißen Bullen Shivas) reitend dargestell. Sie ist zwei-armig und trägt in einer Hand einen Trishul (=Dreizack). Ihre andere ist entweder zum Segen erhoben oder hält einen rosafarbigen Lotus. Sie ist außerdem mit der Mondsichel geschmückt und trägt einen weißen oder hell-rosanen Sari.
  2. Brahmacharini ब्रह्मचारिणी
    Ma Brahmacharini; Künstler/Artist: unbekannt/unknown
    Ma Brahmacharini; Künstler/Artist: unbekannt/unknown; Quelle: Dharma Vidya

    Ihr Name stammt vermutlich von dem Wort “brahmacharin”, was soviel bedeutet wie “sich einem Keuschheitsgelübte zu unterziehen”, “sich jung und unverheiratet spirituellen Studien zu widmen”, “sich unverheiratet der spirituellen Praxis zu widmen”.
    Er wird auch übersetzt mit “Eine, die ihre Gedanken (in Meditation) stets auf das Absolute gerichtet hat” und “die sich strenger Askese unterzieht”.

    Nachdem Sati als Parvati inkarnierte, wurde Ihr von Narada Muni, einem Weisen geweissagt, dass Sie den nackten und schrecklichen “Bhole bappa” (1) heiraten werde, der bereits in Ihrer Inkarnation als Sati, der Tochter des Königs Daksha, an Ihrer Seite war. Doch um ihn zu gewinnen müsse Sie sich strenger Askese, yogischen Übungen und dem Studium der Schriften widmen.
    Parvati verkündete daraufhin Ihren Eltern, dass Sie niemand anderen als Shambho heiraten oder lieber unverheiratet bleiben würde, und zog sich dann zurück, um sich spirituellen Übungen zu widmen.
    Ihre weiteren Namen, die sich aus Ihrem Rückzug ergeben sind Tapascharini (“die, die sich religiöser Entsagung unterzieht”), Aparna (“die Entfernte”, “die Blattlose”)  und Uma (“die Strahlende”, “die Stille”).
    Es wird erzählt, dass Parvati 1000 Jahre  lang nichts anderes aß als Blüten und Früchte. Weitere 100 Jahre ernährte Sie sich dann ausschließlich von Blattgemüse und schlief auf dem kahlen Boden.
    Während die Zeiten verrannen, unterzog Sie sich immer stärkerer Askese. Während brennender Sommer, während stürmischen Regens und eisiger Winter hielt sie sich auf offenen Plätzen auf, und 3000 Jahre ernährte Sie sich nur von den Blättern des Bilva Baumes, während Sie zu Shiva betete.
    Später aß Sie auch keine Bilva-Blätter (darauf bezieht sich Ihr Name “Aparna”) mehr und nahm weder andere Speisen noch Wasser zum Trinken zu sich.

    Viele der heute von indischen Frauen durchgeführten Vrathas (2) gehen auf Brahmacharini zurück.
    Brahmacharini ist die Göttin, die auf dem Weg zur Erleuchtung Glückseligkeit und Freude schenkt und mit Mut, Kraft, Hingabe und Selbstvertrauen segnet.
    Sie ist die Personifikation der absoluten Wahrheit und des seligmachenden Wissens, das sich in der Erkenntnis des Brahman gründet.

    Ihr wird das zweite oder Svadhisthana/Sakral-Chakra zugeordenet, dem sich an diesem Tag die Yogis und andere Übende fokussieren, um ihrer Hingabe eine stabile Basis zu geben.

    In der vedischen Astrologie ist Ihr der Planet Mars zugeordnet.

    Ikonogaphie:
    Brahmacharini wird mit einer Rudraksha-Mala (2) in der einen und einem Wassergefäß in der anderen dargestellt, barfuß gehend und in einen weißen Sari gekleidet.

  3. Chandraghanta चंद्रघंटा
    Sie ist die mit Shiva verheiratete Parvati, die nach Ihrer Hochzeit damit begann, den Halbmond an ihrer Stirn zu tragen.
    Als Chandraghanta ist Sie eine eher friedvolle und auf das Wohlergehen Ihrer Verehrer ausgerichtete Göttin, die allerdings auch jederzeit dazu bereit ist, in den Krieg zu ziehen.
    SieverleihtKraftundMutdabei,sichseinen (inneren)Dämonen zustellenundgegen sie zukämpfen.

    Ma Chandraghanta; Künstler/Artist: unbekannt/unknown
    Ma Chandraghanta; Künstler/Artist: unbekannt/unknown; Quelle: Dharma Vidya

    Wenn Chandraghanta zornig wird, so wird gesagt, ertönt Ihre Mond-Glocke durch alle Welten und lässt sowohl Dämonen als auch alle Götter und Göttinnen erzittern.

    Ihr ist das Manipurna-Chakra (3. Chakra) zugeordnet (=Solarplexus).
    Der Ihr nach der vedischen Astrologie zugeordnete Planet ist die Venus.

    Ikonographie:
    Sie wird auf einem Tiger, manchmal auch auf einem Löwen reitend dargestellt. In Ihren acht Händen trägt sie allerlei Waffen, mit denen Sie jederzeit in den Krieg gegen Dämonen zu kämpfen und den Göttlichen oder/und den Menschen zur Hilfe zu eilen. Ihre beiden anderen Hände hat Sie in der Geste der Furchtlosigkeit und des Segens erhoben.
    Ihre Stirn wird von einem Halbmond geziert und sie ist in einen roten Sari gekleidet.

 

Ende Teil 3
Siat


1- Ein Name Shivas
2-Ein Mala (Gebetskette) aus den Samen des Rudraksha-Baumes, einer Platanen-Art. Rudraksha-Samen sind Shiva heilig.

Navratri-Die neun heiligen Nächte der Mutter (Teil 2)

Die Formen der Göttlichen
Die Verehrung der Großen Mutter, Adi-Parashakti, findet in unterschiedlicher Weise statt.
Mit Adi-Parashakti, die uranfängliche (Schöpfungs)Macht werden, je nach Tradition, unterschiedliche Manifestationsformen der Göttin bezeichnet. Vor allem:

  • Durga
  • (Bhadra)Kali
  • (Jagad)Amba
  • Bhavani
  • Chandi(ka)
  • Lalita
  • Bhairavi
  • Annapoorna

Allen gemeinsam ist, dass sie als “Inkarnationen” oder Manifestationen der schöpferischen göttlich-weiblichen (aktive) Macht der Schöpfung und somit als “Partnerin” oder “Gattin” Shivas, dem formlosen “Bewusstsein” und eher “passiven”, ruhenden Teil der Schöpfung betrachtet wird.
Sie sind Ausdruck und/oder Teil von Sati-Parvati, der geliebten Gefährtin Shivas.

Drei mal drei Nächte Maha-Shaktis
Die neun Nächte werden darüber hinaus in 3×3 Nächte unterteilt, die jeweils (je nach Tradition) einer der Manifestationen Maha-Shaktis geweiht sind:
Die ersten drei Nächte: Durga/Maha-Kali
Die nächsten drei: Maha-Lakshmi
Die letzten drei: Maha-Saraswati.

Diese Aufteilung der Nächte basiert auf der Devi-Gita bzw. dem Devi-Mahatmyam. In ihr wird beschrieben, wie Adi-Shakti in drei unterschiedlichen Gestalten den Göttern zur Hilfe kommt, um Ihnen im Kampf gegen Dämonen beizustehen.
Gleichzeitig haben Sie jedoch noch eine deutlich tiefere Bedeutung und beschreiben die Transformation, die der Mensch im Laufe seiner spirituellen Reise durchläuft.
Diese Stufen werden in drei Kapiteln der Devi-Gita beschrieben.
Die erste beschreibt wie Adi-Shakti Maha-Vishnu erweckt, der so tief schlief, das niemand Ihn erwecken konnte.
Die nächste beschreibt, wie dieselbe Adi-Shakti sich als Maha-Lakshmi manifestiert, um gegen die Dämonen Mahishasura und Raktabija zu kämpfen. Und die nächste, wie die Dämonen Shumbha und Nishumbha von Maha-Sarasvati zerstört werden.
Die neun Nächte und Tage reflektieren diese drei Stadien und haben ihren Höhepunkt dann im 10. Tag, der Vijaya-Dashami genannt wird, der Tag des Sieges, an dem das Licht der Erkenntnis über die Dunkelheit der Unwissenheit siegt, in der wir die Dinge hinter uns lassen, die uns sei langem beschränken.
Wir können weiter gehen, sie hinter uns lassen, uns (und sie) transformieren.

Die Reise von Kali, der Dunklen Mutter hin zur leuchtenden Sarasvati führt uns darüber hinaus durch (unsere eigene) Dunkelheit hin zum Licht, und lässt uns auch unseren eigenen spirituellen Pfad  vom “dunklen” Anfang unserer Reise hin in das Licht der Erkenntnis finden.

Maha-Kali, Maha-Lakshmi und Maha-Sarasvati
Maha-Kali, Maha-Lakshmi und Maha-Sarasvati

 

Die Dash-Mahavidyas und die heiligen zehn Tage
Weitere Göttinnen, die mit Navratri verbunden sind, sind die Dash-Mahavidyas. Sie sind eine Gruppe von zehn (=dash(a)) (tantrischen) Göttinnen der Weisheit und Einweihung.-Um es sehr grob zu umreißen.
Auch Sie sind Manifestationsformen von Shakti, und werden somit (je nach Tradition und Überlieferung) auch als Gestalten von Parvati, Durga und/oder Kali angesehen und verehrt.
Doch genaueres zu Ihnen wird an anderer Stelle folgen :).

Durga und die Dash-Mahavidyas
Ma Kali/Durga und die Dash-Mahavidyas, Künstler/Artist: unbekannt/unknown

 

Navdurga und die neun heiligen Nächte
Die einzelnen Tage dieses Festes sind den unterschiedlichen Aspekten der Göttin Durgas bzw. Parvatis geweiht.

  1. Tag: Shailaputri
  2. Tag: Brahmacharini
  3. Tag: Chandraghanta
  4. Tag: Kushmanda
  5. Tag: Skandamata
  6. Tag: Katyayani
  7. Tag: Kalaratri
  8. Tag: Mahagauri
  9. Tag: Siddhidatri

Einige Traditionen sehen in den neun Formen der Göttin soetwas wie die Lebensphasen von Maha-Devi Parvati, während wieder andere davon ausgehen, dass sich die drei Formen Adi-Shaktis, also Maha-Kali, Maha-Lakshmi und Maha-Sarasvati, wiederum in jeweils drei weiteren Formen manifestieren.
Und wieder andere nehmen beide dieser Ansichten an.

Der nächsten Teile dieser Reihe werden die neun Matas näher beleuchten.

Ende Teil 2
Siat