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Mantra, Chant & Affirmation-Ein Versuch der Unterscheidung (Teil 4)

Nachdem wir uns im zweiten  und dritten Teil dieser Artikelreihe mit den Begriffen des Chants und der Affirmation auseinandergesetzt haben, möchte ich mich dem etwas komplexen Thema “Mantra” widmen.

मन्त्र Mantra

Wortherkunft
Der Begriff stammt aus dem Sanskrit, bei der es sich, ganz grob gesagt, um eine alt-indische Sprache handelt, die auch heute noch gesprochen wird.
Die Übersetzung des Wortes ist sehr vielfältig. So kann es:

  • (Bann)Spruch
  • (vedische) Hymne oder eine Opferformel
  •  heiliger Text oder ein heilge Spruch
  • Gebet oder Lobpreis
  • Geheimnis
  • Zauber/Amulett
  • mystische Verse
  • heilige Formel, die an jede individuelle Gottheit gerichtet ist/sein kann

bedeuten.
Doch die wohl bekannteste Übersetzung ist “Instument des Denkens” oder “des Geistes”.

Die Ursprünge des Wortes werden meist auf die Wurzel मन् (man) und auf das Präfix  त्र (tra) zurückgeführt.

मन् (man) lässt sich dabei einerseits auf das Verb मन्यते (manyate) als auch auf मन (mana), मान (mAna) bzw. मना (manA) zurück führen, deren Bedeutungen sich im weitesten Sinne um das Denken, Erkennen, Verstehen, Wissen drehen.

Verb: मन्यते (manyate)

  • (nach) denken (an/über)
  • vorstellen
  • wahrnehmen
  • mit den/allen Sinnen erfassen
  • das Herz/die Gedanken auf etwas richten
  • begreifen/erfassen/verstehen
  • wissen
  • glauben
  • anbieten
  • anbeten
  • hoffen/wünschen
  • (ver)ehren

Substantive: मन (mana), मान (mAna) bzw. मना (manA)

  • Gedanke/Denken/Geist
  • Vorstellung
  • Sicht
  • Glauben
  • Idee
  • Hingabe
  • Anhaftung
  • Stolz
  • Ehre
  • Selbst-Respekt
  • Wunsch
  • Überlegung

Das Präfix wird, wie bereits gesagt, in der Regel auf das Wort त्र (tra) zurückgeführt. Dieses wiederum kann auf zwei unterschiedliche Wurzeln zurück geführt werden.
Die eine steht mit der Wortwurzel त्र (tra) in ganz direkter Verbindung zu dem Verb त्राति (trAti) und dem Substantiv त्रा (tra).
Die andere über die Verben तरति (tarati)तरुते (tarute)तितर्ति (titarti) und तारयति (tArayati) mit der Wortwurzel तॄ  (tRR).

Verb: राति (trAti)

  • retten
  • bewahren
  • erhalten
  • schützen
  • befreien
  • auffangen

Substantiv: त्रा (tra)

  • Verteidiger
  • (Be)Schützer

Verben रति (tarati), तरुते (tarute), तितर्ति (titarti) und तारयति (tArayati) besitzen im Ganzen dieselbe Bedeutung:

  • schwimmen
  • verrichten/ausführen
  • führen durch/über
  • durchkommen
  • durchdringen
  • erreichen
  • retten
  • entkommen
  • flüchten
  • erfüllen
  • überwinden
  • bewältigen
  • bezwingen/-siegen
  • durch-/überqueren
  • ein Ende/Ziel erreichen
  • segeln über
  • befreien (von)
  • (hin)über(ge)leiten

 

Definition
“Mantra” zu definieren ist mindestens genauso schwierig, wie den Begriff (direkt) zu übersetzen.

Ursprünglich, und sehr oberflächlich betrachtet, handelt es sich bei einem Mantra um einen (zu rezitierenden) Vers aus den Veden (und anderen Schriften, wie z.B. den Puranas), was es faktisch zu einem Stück “vedischer Poesie” macht.
Die heiligen Schriften  sind in einer bestimmten Weise und nach einem bestimmten Versmaß geschrieben, um das Auswendiglernen zu erleichtern.


Sprache ist das Wesen des Menschseins

Letztlich basiert alles, was wir als Menschen denken und letztlich werden und sind, auf dem Ausdruck in Sprache und Schrift. Eine funktionierende Gesellschaft ohne (irgendeine Form von ) Sprache bzw. Kommunikation wäre überhaupt nicht möglich.
Egal um was es geht: Alles kann erst dann “ins Sein” kommen, wenn es gerufen und damit ausgedrückt wird.
Die Wichtigkeit von Klang und Sprache finden wir in fast allen Kulturen.
So z.B. im alten Kemet, wo Hu und Sia den (göttlichen) Ausspruch und den Verstand/die Einsicht/Erkenntnis als Gottheiten personifizieren, die jeder Gottheit und jedem Menschen innewohnen und ohne die das Wirken nicht möglich wären.
Dies zieht sich weiter bis in die abrahamitischen Religionen, wo wir in der Bibel den Ausspruch finden: “Im Anfang war das Wort. Und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort.” (Joh. 1, 1)

 

Mantra als Macht und Energie-tragender Klang
Worte, und damit natürlich die Sprache, sind (wie alles andere auch) Schwingung.
Wenn wir etwas sagen, entstehen zwangsläufig Schwingungen in Form von Tönen, bzw. Klang/Lauten, deren (Aus)Wirkung wir beobachten können.
Bevor sich die Sprache(n) entwickelte(n), kommunizierten unsere Vorfahren über Laute, die im Laufe der Zeit mit bestimmten “Wirkungen” oder “Dingen” in Verbindung gebracht wurden.
Das wir wissen, welche Schwingung (welcher Laut/Klang) was bedeutet, verdanken wir im Grunde der Tatsache, dass diese irgendwann mal mit bestimmten Dingen verknüpft wurden.

Schwingung/Laut/Klang  mit bestimmten “Wirkungen” oder Dingen in Beziehung zu setzen ist die eine Ebene.
Die andere ist die der Absicht bzw. des Zwecks.

Wird eine Schwingung mit einer Absicht verbunden, erhält diese eine zusätzliche Färbung, bzw. einen zusätzlichen (geistigen) “Bestandteil”, der das Ergebnis der beinflusst/beeinflussen kann.
Beobachten können wir das z.B. auch in unserem ganz normalen Alltag, abseits von Spiritualität und Magie, wenn wir uns unsere Verwendung von Worten, ihre Betonung usw. betrachten, mit denen wir nicht nur andere, sondern auch uns selbst beeinflussen (können). Sprechen wir etwas aus, ist es immer auch mit einer Absicht oder einem Zweck verbunden. Somit wird gleichzeitig die Schwingung dessen, was wir sagen durch das, was wir beabsichtigen (wollen) gefärbt.

Schall  und/oder Klang können wir mit einer Welle vergleichen, die von unserer Intention gefärbt wird.
Diese “Färbung”  ist mit einem Farbfilter vergleichbar, durch den das Sonnenlicht scheint, wodurch das Licht nicht mehr klar, sondern in dem spezifischen Licht erscheint.

Doch egal welche Ebene wir uns betrachten, Worte sind Energie.
Sie tragen die Macht in sich, Dinge zu bewirken und zu beeinflussen.
Das trifft auf alles zu. Mantras selbst sind in dieser Form jedoch noch spezieller.
Wir haben auf der einen Seite die generellen Bedeutungen und Übesetzungen, die mit einem Mantra verbunden sind, auf der anderen Seite jedoch dann das, was ein Mantra tatsächlich bewirkt/bewirken kann, wenn man es ausspricht.
Ähnlich, wie wir nur die Begriffe “heiß”, “Schmerz” und “Flamme” in eine Beziehung setzen und wirklich verstehen können, wenn wir uns an einer Flamme die Finger verbrennen, ist es auch mit Mantras.
Wir verstehen Mantras erst dann wirklich, wenn wir sie und ihre Wirkung erfahren.

 

Mantras, Bewusstsein und Körper
Von vedisch-hinduistischen Standpunkt aus betrachtet, besteht der Mensch nicht nur aus einem einzigen Bewusstsein, sondern viel mehr aus vielen verschiedenen Bewustseinsebenen, die nicht nur den physisch-materiellen Körper durchdringen, sondern auch in die verschiedenen Energiekörper und die Aura hineinreichen.
Auch jedes Organ bis hin zu den verschiedenen Körpersystemen (z.B. (Blut)Kreislaufsystem) besitzen ihr eigenes (“niederes”) Bewusstsein, die dafür verantwortlich sind, dass der Mensch funktioniert. Die einzelnen Bewusstseinsebenen stehen jedoch nicht unabhängig von einander, sondern beieinflussen sich stetig untereinander, sind von einander abhängig oder/und in einer anderen Weise miteinander verbunden.
Doch solcherlei unterschiedliche Bewusstseinsebenen gibt nicht nur in unserem materiellen Körper, sondern auch in den verschiedenen Energiekörpern. Diese wiederum sind, wie die Bewusstseinsebenen des physischen Körpers, miteinander verbunden und beeinflussen auch den physischen Körper und die Bewusstseinsebenen in diesem.
So wie ein Organ-Bewusstsein einem System-Bewusstsein “untergeordnet” ist, ist das System-Bewusstsein überlagert von Teilen unseres/r Energiekörpers. Und so geht es darüber hinaus weiter.

Da auch alles andere Schwingungen ist und aussendet, werden diese von unseren verschiedenen Bewusstseinsebenen natürlich ebenso aufgenommen und beeinflusst, was bedeutet, dass in unserem Körper, nicht nur unser “Ich”-Bewusstsein umherwabert, sondern unzählige andere Schwingungen ebenfalls in unserem Körper wirken.
Wir gehen also ständig mit allen möglichen unzählingen Dingen um uns herum in Resonanz.

Mantras, die auf Grund ganz bestimmter Begebenheiten (auf die ich noch etwas eingehen werde) von sich aus bestimmte und sehr machtvolle Schwingungen sind, wirken auf eine ähnliche Weise. Wenn wir mit ihnen arbeiten, beginnt die ihnen innewohnende Kraft über Schwingungen die anderen Schwingungen zu “löschen” und zu “überschreiben”, bis wir schließlich von der Schwingung (und der Energie) des Mantras erfüllt werden und sich dessen Wirkung entfalten kann.
Mantras versetzen uns in einen Zustand, in dem wir komplett mit den Energien schwingen, die durch das jeweilige Mantra repräsentiert und “aufgerufen” werden.

 

“Instument” des Denkens oder des Geistes
Wenn man die zu Beginn zusammen getragenen Übersetzungen nimmt , dann stellt sich die Frage, warum das Wort “Mantra” in der Regel als “Instument des Denkens” oder “des Geistes” bezeichnet wird, wenn die verwendeten Wurzeln “Instrument” oder “Werkzeug” überhaupt nicht beinhaltet.
Die Antwort liegt, so vermute ich, in der Grammatik des Sanskrit verborgen.
Sanskrit gehört zu den Sprachen, die den “Casus instrumentalis” (“Womit”-Fall) besitzen, also den Fall, der uns darüber aufklärt mit welchen Mitteln eine Handlung ausgeführt wird.
Im klassischen Sanskrit ist तृतीया विभक्ति (tRtIya vibhakti = instrumentell, als Mittel dienend) das, was die Handlung ermöglicht/unterstützt/fördert.
Dies ist, so zumindest meine Einschätzung, die einzig sinnvolle Erklärung für diesen Ansatz.

Allerdings lassen die Wurzeln des Wortes auch entsprechend andere Üerbsetzungen und Deutungen zu.
Angefangen von “Schutz des Geistes”/”Gedankenschutz” über “Befreier des Geistes” hin zu “etwas das den Geist erfüllt”, “Befreier von (weltlichen/gedanklichen) Anhaftungen”, “Denken, dass befreit/beschützt” oder als etwas, mit dem man das Denken, die Anhaftungen usw. überqueren kann und dabei hilft, einen Zustand zu erreichen, in dem wir die Einsheit mit dem Göttlichen und der Schöpfung erfahren können.

Doch egal in welcher Weise man den Begriff jetzt (wörtlich) übersetzt, letzten Endes wirken Mantras wie Werkzeuge, die uns dabei helfen, das “Materielle” zu überwinden, unser Denken zu überwinden, Stille zu werden und uns für .

Ende Teil 4


Quellen:
Spoken Sanskrit
Hindudharma-Forum

Hindupedia
Forum for Hindu awakening
Sanskrit Mantra
Wikipedia.de
Wikipedia.com

 

Navratri-Die neun heiligen Nächte der Mutter (Teil 7)

Durga-Puja/Durga Utsav
Das im Herbst stattfindende Maha-Navratri überschneidet sich mit einem der größten Feste zu Ehren der göttlichen Mutter des Universums, dem Durga-Puja.
Auch wenn das Fest in allen Teilen Indiens gleich große Relevanz hat und mit großem Pomp und voller Hingabe gefeiert wird, sind es besonders die östlichen Bundesländer wie Westbengalen und Assam, die wegen ihrer Festivitäten berühmt sind.
Während in manchen Bundesländern die Feierlichkeiten einen Tag andauern, wird es in den östlichen Bundesländern über fünf Tage lang gefeiert.
Es ist dort auch unter dem Namen “Akalbodhan”/”Akaal Bodhon” (“Durgas vorzeitiges Erwachen”) bekannt und bezieht sich damit auf eine Legende, in der Rama, ein großer Verehrer der Göttin Durga,  die Göttin Durga um Beistand im Kampf gegen den Dämon Ravana anrief, der Seine Gattin Sati entführt hatte.

Rama und Durga; Künstler/Artist: M. Gopal; Quelle:  Art of legend India

Er vollzog ein “Chandi Homa”(1), um die göttliche Mutter um Ihren Segen im Kampf gegen den Dämon Ravana anzurufen, der Seine Gattin Sita entführt hatte.
Die Göttin erschien darauf Rama und schenkte Ihm das Wissen, wie Er Ravana besiegen könne.
Dussehra schließlich markiert den Tag, an dem Sita gefunden und Ravana besiegt wurde.

Der Beginn des Durga-Pujas liegt etwa sechs  bis acht Tage nach Neumond, doch eines der wichtiges Ereignisse beginnt bereits einige Tage davor mit dem Schwarzmond, Amavasya Shraddha genannt.

Amavasya Shraddha
“Amavasya” bezeichnet zum einen die Nacht des (nicht sichtbaren) Neumondes zum anderen auch den Nacht an dem die Sichel des neuen Mondes das erste Mal (wieder) sichtbar wird.
Das Amavasya Shraddha ist ein Ahnen-Ritual am Abend des Schwarzmondes, und markiert das Ende einer 15-tägigen Periode, in der Hindus ihren Ahnen mit speziellen Ritualen und Opfern Ehre erweisen
Nach hinduistischem Brauch werden die Verstorbenen je nach Zeitpunkt, Art und ihrem “Status” zum Zeitpunkt ihres Todes an unterschiedlichen Tagen dieser Periode verehrt (z.B. am fünfte und sechste Tag Menschen, die im voran gegangenen Jahr verstarben, am neunte  verheiratete Frauen, die vor ihren Männern starben und am zehnte Tag Kinder und Asketen).
Amavasya Shraddha, das auch “Sarvapitra/i (Moksha) Amavasya” (“Neumondtag aller Väter”) genannt wird, markiert das Ende dieser Periode und ist allen Ahn/innen geweiht, unabhängig vom Tag des Mondes, an dem sie verstarben.
Wenn also jemand aus irgendwelchen Gründen am spezifischen Tag nicht das Ritual ausführen konnte oder nicht weiss, wann er das Ahnen-Ritual vollziehen soll, ist das der Tag, an dem die Rituale vollzogen werden können.

Pitru Amavasya;  Quelle: India.com

Mahalaya Amavasya ist der einzige Tag dieser Periode, in dem der Sohn der Tochter bzw. der Sohn der Mutter Rituale zu Ehren der Ahnen der mütterlichen Linie abhalten darf.  Daher wird dieser Tag auch als Matamaha (“Mutters Vater”) oder Dauhitra (“Tochters Sohn”) Amavasya bezeichnet. Alle anderen Tage sind, nach hinduistisch-vedischer Vorstellung, den Ahnen der väterlichen Linie vorbehalten.
Frauen sind grundsätzlich von der Darbringung der Opfer und den Ritualen der Ahnen-Verehrung ausgeschlossen, ebenso wie die Mitglieder der königlichen Familie es waren, weil alle Riten um Tod und Sterben als Unheil bringend betrachtet werden.

Devi Paksha
Mit Mahalaya Amavasya beginnen die vierzehn Tage der Göttin, Devi Paksha genannt.
Die Menschen glauben, dass sich auch die Götter und Göttinnen ab diesem Tag für die Ankunft der Göttin des Universums und das Durga-Puja vorzubereiten beginnen, während sich die Göttin selbst auf die Reise zur Erde macht.
Es ist der Tag, an dem die Göttin mit Chants und Mantras dazu eingeladen wird, auf die Erde herab zu steigen und die Menschen zu besuchen.
Trotz seines Bezuges auch mit dem Tod gilt der Tag von Mahalaya Amavasya als extrem günstig und glücksverheißend für den Beginn jeglicher Vorhaben.
Der nächste Tag steht unter dem Licht der Ankunft der Göttin und Ihrer Kinder.
An diesem Tag, so glauben die Menschen, betritt die Göttin wieder die Erde und besucht die Menschen.
Andere Mythen bringen diesen Tag damit in Verbindung, dass Parvati zusammen mit Ihren Kindern Lakshmi, Sarasvati, Ganesh und Skanda Ihre Eltern besucht und dort bis Dusshera  bleibt.

Am nachfolgenden Tag wird die Göttin, je nach Region und/oder Tradition in verschiedenen Riten in eine (Gruppe von neun) Pflanze(n) oder aber in einen speziell vorbereiteten und geschmückten Kalash (2) invoziert.
Durch weitere anschließende Riten wird die Göttin dann symbolisch für die Dauer der nächsten Tage an die Pflanze bzw. den Kalash gebunden.
Neben diesen Ritualen bildet an diesem Tag auch das entschleiern der speziell für das Durga-Puja angefertigten Murti (3) und damit das Willkommen-Heißen der Göttin im Zuhause oder aber in einem speziell gefertigten Schrein den Hauptteil der Zeremonien.

Der nachfolgende Tag ist Mahashtami.
Ein sehr wichtigen Teil nimmt an diesem Tag das sog. Kumari-Puja ein,  in dem neun junge, unverheiratete Mädchen als Verkörperung der Göttin verehrt, bewirtet und beschenkt werden.
In manchen Regionen Indiens erstreckt sich das Kumari-Puja allerdings auch über die gesamte Zeit von Navratri.
Einen anderes  sehr wichtiges Ritual ist das Shandi-oder Chandi-Puja bzw. Homam, das, nach dem Mythen, bereits von Rama zelebriert wurde.

Kali vernichtet die Dämonen Chanda und Munda; Quelle: Shiva Shakti Canada

Es findet zu einem bestimmten, nach dem vedischen Kalender berechneten Zeitpunkt statt und wird mit dem Zeitpunkt in Verbindung gebraht, in dem der Göttin Durga die Göttin Chamunda (eine Form Kalis) entsprang um die Dämonen Chanda und Munda zu vernichten.
Aufgrund des blutigen Kampfes zwischen der Göttin und den Dämonen beinhaltet das Chandi-Puja in manchen Regionen Indiens auch Tieropfer (Balidan). Anhänger der Göttin, die keine Tieropfer vollziehen, bringen symbolisch Opfer in Form von Obst oder Gemüse dar, wie z.B. Bananen, Gurken oder Kürbisse.
Mit Mahanavami findet das Durga-Puja schließlich seinen Höhepunkt.

Mahishasura-mardini besiegt den Büffeldämon; Künstler/Artist: unbekannt/unknown
Mahishasura-mardini besiegt den Büffeldämon; Künstler/Artist: unbekannt/unknown

Der Legende nach besiegt die Göttin an diesem Tag den Dämon Mashishasur, wesewegen sie als Mahishasura-mardinini, die “Vernichterin des Büffel-Dämons” im großen Stil verehrt und gefeiert wird.

Den Schluss bildet, wie gehabt, Vijaya-Dashami, an dem der Sieg der Göttin und Ihre Rückkehr zu Shiva gefeiert wird.

Das Durga-Puja und die Vernichtung der Unwissenheit
Wie das Thema Navratis im allgemeinen, so steht auch das Durga-Puja ganz im Zeichen des Kampfes Gut gegen Böse, des Lichtes gegen die Dunkelheit.
Die vier bis fünf Tage des Durga-Pujas stehen daher mit den Kämpfen der Göttin mit den unterschiedlichen Dämonen , von denen im Devi-Mahatmyam berichtet wird, in Verbindung:

In Zeiten von damals,
als der Herr von Lakshmi (3)
im Yoga-Schlaf versunken war
auf Seinem furchteinflößenden Schlangenbett,
und die urzeitlichen Dämonen Madhu und Kaidabha
hervorkamen aus Seinem Ohrenschmalz
und Brahma, den Schöpfer zum Erzittern brachten,
erhörtest Du, oh Durga, Seine Gebete
und Du tötestest sie beide

Als der große Dämon Mahisha
der Indra, den Herrn aller Devas im Krieg besiegte
und mit seinem Können alle drei Welten zu seinen Sklaven machte,
und seine Diener dazu berief über sie zu herrschen,
tötestest Du, Durga, ihn mit seiner Armee, seinen Ministern und Freunden.

Das Gebet der Götter erhörend
stiegst Du von den verschneiten Bergen
auf einer goldenen Schaukel.
Und Du tötestest die stolzen Dämonen Shumbha und Nishumbha.
Nachdem Du Dhoomraksha, Chanda und Munda getötet hattest,
wurdest Du Chamunda genannt und gepriesen.
Und so tötestest Du auch die große Geißel Rakthabheeja.

– aus dem Devi Mahatmyam Stothra Ashtakam

Neben den mythologischen Hintergründen steckt hinter den Geschichten und Bildern eine tiefer verborgene, spirituelle Bedeutung, die sich erst erschließt, wenn man sich mit dem Denken und den Weltbildern des Sanatana Dharma näher beschäftigt.
Näher darauf einzugehen würde jetzt den Rahmen sprengen, doch sie beschreiben die Entwicklung des Menschen auf seiner spirituellen Reise.

Die neun Nächte Navratris und das Durga-Puja ist nicht damit nicht nur ein Fest, dass die göttliche Mutter des Universums, die Bezwingerin des Bösen und die (Wieder)Herstellerin der kosmischen Ordnung feiert, sondern es soll gleichsam daran erinnern, dass es das Licht der Erkenntnis ist, dass unsere eigenen inneren Dämonen, unser Ego, unsere Gier besiegt.
Ende Teil 7
Siat


1 – Ein vedisches Ritual, das ein Opferfeuer beinhaltet. Das Chandi-Homa ist ein spezielles Ritual, das an die Göttin Kali als Chandi(ka) gerichtet ist.
2 – Ein metallenes Gefäß mit einer schmalen Öffnung, auf die eine Kokusnuss passt. Im rituellen Kontext ein (meist) mit (heiligem Ganges-) Wasser gefülltes Gefäß, in dessen Öffnung (meist) Mangoblätter gesteckt und mit einer Kokusnuss gekrönt wird.
3- Vishnu