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Vasant Panchami, Sarasvati Ma und der Frühlingsbeginn

Ja, auch Indien (vor allen Dingen der Norden), und damit das Sanatana Dharma, kennt Frühlingsfeste.

Dazu gehören neben dem (Magha) Gupta-Navratri die Festivitäten zu Vasant Panchmi, und einige Tage später das bunte Fest der Farben, Holi.
Über Navratri, die neun Heiligen Nächte der Großen Göttin, habe ich bereits eine kleine Artikelreihe geschrieben, die Ihr HIER findet.
Heute möchte ich Euch vor allen Dingen, das Sarasvati-Puja vorstellen.

Name und Zeitpunkt
Vasant/Basant = Frühling
Panchami = 5. Tag nach Neumond
In diesem Jahr fiel dieser Tag auf den

Vasant- oder Basant-Panchami ist ein Fest, das, wie sein Name bereits sagt, am 5. Tag nach Neumond im Frühlingsmonat Magha (Januar/Februar des gregorianischen Kalenders) gefeiert wird.
Es ist das etwas „kleinere“ der beiden Frühlingsfeste, zu denen noch das Holi-Fest gehört.
Während Holi praktisch den Höhepunkt des (/der) Frühling(sfestivitäten) darstellt, so läutet Vasant Panchami die Zeit des Frühlings ein, in der die Vorbereitungen für die Festivitäten zu Holi langsam getroffen werden.
In manchen Teilen Indiens wird allerdings auch schon mit einigen diesbezüglichen Ritualen die segensreiche Zeit von Holi eingeläutet, in dem Priester z.B. mit gefärbten Wasser oder Pulver die Verehrer der Göttin Sarasvati besprengen.

Andere Namen: Shri Panchami, Sarasvati Jayanti, Sarasvati-Puja

 

Die Göttin Sarasvati-Eine Kurzvorstellung
Sarasvati Ma ist die Göttin der Weisheit, des Wissens, des Lernens, aber auch der Künste, der Poesie und Literatur, der Musik und des Gesanges, der Schrift und der Sprache.

Sie ist diejenige, die uns Menschen mit dem Reichtum von Weisheit und Erkenntnis segnet, und uns die Kreativität schenkt, mit der wir uns in Kunst, Musik und Poesie Ausdruck verleihen können.
Sie ist die Weiße Göttin, die auf einem weißen Schwan (Hamsa) reitet, der ebenso ein Symbol der Erkenntnis der Höchsten Wahrheit und/oder Realität, der Unterscheidung von „Gut“ und „Böse“, als auch des vollkommenen Wissens ist.
Neben dem Schwan ist häufig auch der Pfau Ihr Begleiter, der Stolz, Arroganz und die Einbildung auf die eigene äußere Schönheit symbolisiert, die durch Erkenntnis der wahren Natur der Dinge (=Brahman) überwunden werden.
Ihre Farbe ist das Weiß, das sowohl Reinheit, als auch Vollkommenheit (der Weisheit und des Wissens) und die vollkommene Erkenntnis und Realisation des Brahman (dh. ganz grob und kurz gesagt: der unveränderlichen, transzendenten, unendlichen und immanenten Realität, die der Ursprung aller Dinge und allen Seins ist).
Sarasvati Ma wird häufig vierarmig dargestellt, wobei Sie in zwei Händen die Vina (ein indisches Musikinstrument) und in den anderen beiden ein Buch (=Veden, linke untere Hand) und eine Mala (Gebetskette, rechte obere Hand) hält.
In den meisten Darstellungen von Ihr wird Sie neben oder in einem Gewässer dargestellt, was zum einen aus Ihrer Verbindung mit Ihrem Heiligen Fluss, der Ihren Namen trägt, zu erklären ist, zum anderen auch daraus, dass Sarasvati Ma auch eine Göttin der Fruchtbarkeit und der Fülle ist.
Sie ist Shakti von Brahma, dem Gott der Schöpfung, und gilt als „Mutter der Veden“.

Eine Form von Ihr ist Maha-Sarasvati (Höchste/Große Sarasvati), die achtarmig dargestellt wird und als eine der Formen Maha-Devis (der Großen Göttin) in Ihrer Drei-Gestalt (Tri-Murti) Maha-Kali, Maha-Lakshmi und Maha-Sarasvati gilt.
Sarasvati Jayanti und Sarasvati-Puja
An Vasant Panchami feiern wir den Geburtstag der Göttin.

Da Weiß als Lieblingsfarbe der Göttin betrachtet wird, werden Ihr vor allen Dinge in dieser Farbe dargebracht: Weiße Kleidung/Stoffe, weiße Blumen sowie Speisen und Getränke in weißer Farbe.
Aber auch Dinge in gelber Farbe (vor allem Blumen) werden Ihr dargebracht, da sie im Zusammenhang mit der Senf- und der Ringelblumenblüte stehen, die zu dieser Zeit in Teilen Indiens (v.a. Nordindien) in voller Pracht zu sehen ist und die Ankunft des Frühlings verkünden.

An diesem Tag finden im ganzen Land sowohl Zuhause als auch öffentlich große Feierlichkeiten statt.
Vor allen Dingen StudentInnen, SchülerInnen, Personen in Lehr-oder Ausbildungsberufen, aber auch Poeten, Schriftsteller, Sänger, Musiker, Wissenschaftler usw. ehren die Göttin an diesem Tag, und viele Schulen und Universitäten organisieren zu dieser Zeit eine Puja (ein Ritual).

Vasant Panchami und Sarasvati Jayanti gelten als besonders wichtige und segensreiche Zeit, um Kinder rituell auf die Schulzeit und auf das Lernen vorzubereiten, bzw. in einem Ritual den Segen der Göttin für den Beginn der Schulzeit, für Studium, Prüfungen usw. zu erbitten.
Akshar-Abhyasam oder Vidya-Arambham/Prasana ist das wohl bekannteste Ritual von Vasant Panchami, in dem Kinder das Schreiben ihres ersten Buchstabens gelehrt wird, und das ihren Eintritt in das Schulkinder-Alter markiert.
Traditionen
Sarasvati Jayanti ist voll von (regional) unterschiedlichen Traditionen und Bräuchen.
Gemein sind jedoch die Pujas, in denen die Göttin angerufen und verehrt wird.
Dabei finden sich auf dem Altar meistens auch Schulbücher, Musikinstrumente, Schreib- oder Künstlergeräte, oder auch Konto-Bücher usw., die während der Puja gesegnet werden.
Es ist ebenso üblich, an diesem Tag weder zu Lernen noch zu Lehren.

In manchen Teilen Indiens gehört das Drachen-Steigen-Lassen dazu, das mit viel Freude und Enthusiasmus sowohl von Männern als auch Frauen zelebriert wird.
Viele Menschen tragen an diesem Tag vorzugsweise weiße oder gelbe Kleidung die mit den Farben des Frühlings korrespondiert.

In manchen Teilen Indiens wird am Abend von Vasant Panchami (oder auch erst am Abend des dritten Tages) das Bildnis Sarasvatis verabschiedet, in dem es fließendem Wasser übergeben wird (z.B. Bengalen).

© Siat

Devi Mahatmya Stotra Ashtakam

Das Devi Mahatmya gehört neben der Shrimad Devi Bhagavatam Purana zu den wichtigsten Schriften der Shaktas, den VerehrerInnen der Göttin im Sanatana Dharma.
Das Devi Mahatmyam besteht aus 13 “Gesängen”/Hymnen, die einen Teil der Markandeya-Purana bilden, einer Schrift die (wie im Grunde alle Puranas) in Dialogform geschrieben wurde.
Die Hymnen des Devi Mahatmyam beschreiben einerseits die Herrlichkeit der Göttin und andererseits Ihren Kampf gegen Unwissenheit und Übel in der Welt, das durch verschiedene Asuras (1) , Gegenspieler der Devas (2), versinnbildlicht wird.
Dabei spielen verschiedene “Inkarnationen” der Göttin (meist Durga oder Kali) eine Rolle.
Diese Hymnen spielen in der Verehrung der Göttin und bei Ihren Ritualen eine sehr wichtige Rolle. So werden sie in Auszügen oder auch komplett rezitiert, bzw. gesungen.
Navratri, die neun heilgen Nächte der Göttin, die (je nach Pfad) vier bis fünfmal im Jahr stattfinden, sind eine Zeit, in der traditionell das Devi Mahatmyam rezitiert wird.
In welcher Weise dies geschieht, ist ebenfalls nach Tradition und Pfad recht unterschiedlich. Doch darauf werd ich in anderen Artikeln eingehen.
Da das Rezitieren des gesamten Devi Mahatmyams einen nicht zu unterschätzenden Zeitaufwand bedeutet (vor allem wenn man bedenkt, was für vorbereitende Maßnahmen ggf. noch vorgenommen werden), ist eine beliebte Variante die Rezitation des Devi Mahatmya Stotra Ashtakam.
Diese Hymne fasst die Geschichten, die in den dreizehn Kapiteln des Devi Mahatmya erzählt werden in einem Oktett zusammen (in der Übersetzung lässt es sich jedoch leider nicht umsetzen).

Passend zum jetzigen Frühlings-Navratri möchte ich Euch gern eine deutsche Übersetzung präsentieren.
Die Übersetzung des Devi-Mahatmyam von Sanskrit in Englisch von P.R. Ramachander findet Ihr im Übrigen hier KLICK.


Lakshmeese yoga nidhram prabhajathi bhujaga
Deesa thalpe sadad pad
Vuthpannaou dhanavou thachra vana mala mayangaou
Madhum kaidabham cha
Drustwa bheethasya dhathu stuthibira binutham,
Masu thou nasayantheem
Durgam deveem prapadye saranamaha,
Masesha apadan unmoolanaya.

Vishnu auf der Schlange Shesha, Brahma auf dem Lotus, Adi-Shakti und die Asuras Madhu und Kaidabha Quelle: exoticindiaart.com (Klick a. Bild)

Einstmals,
als der Gebieter Lakshmis
im tiefen Yoga-Schlaf versunken war
auf Seinem furchteinflößenden Schlangenbett,
und die urzeitlichen Dämonen Madhu und Kaidabha,
hervorkamen aus Seinem Ohrenschmalz
und Brahma, den Schöpfer, zum Erzittern brachten,
Erhörtest Du, Oh Durga, Seine Gebete
und tötestest sie beide.
Und so falle ich zu Deinen Füßen
für die Lösung all meiner großen Probleme.

 

Yudhe nirjithya daithya stribhuvanamakilam,
Yastha deeyeshu dishnyai,
Shwasthapya swan vidheyan swayamagama Abhasou,
Sakratham vikramena,
Tham saamapthyaptha mithram mahisha mapi niha
Thyasya moordhathi roodam,
Durgam deveem prapadye saranamaha,
Masesha apadan unmoolanaya.

Durga als Mahishasuramardini; Künstler: unbekannt, frühes 16.Jhd.; Quelle: wikimedia.org (Klick a.Bild)

Als der große Dämon Mahisha,
der Indra, den Herrn aller Devas, im Kampf besiegte,
und durch seine Fähigkeiten alle drei Welten zu seinen Sklaven machte,
und seine Untergebenen einsetze, um über sie zu herrschen,
tötestest Du, Durga, ihn zusammen mit seiner Armee,
seinen Ministern und Freunden.

Und so falle ich zu Deinen Füßen
für die Lösung all meiner großen Probleme.

 

Viswothpathi pranasa sthithi vihruthi pare,
Devi Gora marari,
Thrasath thratham kulam na punarapi cha maha
Sankadeshwi diseshu,
Avirbhooya purasthadithi chararana namath,
Sarva geervana vargam,
Durgam deveem prapadye saranamaha,
Masesha apadan unmoolanaya.

Hey, Göttin Durga,
Die Du im Akt der Schöpfung versunken bist
in der Erschaffung, Erhaltung und Zerstörung des Universums,
Hey, Göttin,
die Du die Verkörperung des Lichtes bist,
die Götter und Devas appelierten an Dich:
“Du hast uns vor der Gefahr errettet,  Mutter,
die der große Rakshasa (3) mit seinem Krieg darstellte,
und wir beten, dass Du unsere Früchte
in Zukunft ebeso rettest, wie heute.”
Und Du pflichtetest Ihnen bei.
Und so falle ich zu Deinen Füßen
für die Lösung all meiner großen Probleme.

 

Hanthum Shumbham Nishumbam tridasa gana nutham, Hemadolam himadri,
Aarudaam vyuda darpan yudhi nihatha vathim,
Dhoomra drik chanda mundane,
Chamundakhyamdhadanam upasamitha maha,
Raktha beejopasargam,
Durgam deveem prapadye saranamaha,
Masesha apadan unmoolanaya.

Dem Gebet der Göttern beipflichtend
kamst Du zu den verschneiten Bergen,
auf einer goldenen Schaukel
und tötetest die stolzen Dämonen von Shumbha und Nishumba,
nachdem Du Dhommraksha, Chanda und Munda getötet hattest.
Du wurdest gerufen udn gepriesen als Chamunda,
und Du tötetest auch die große Übel Rakthabeeja,
Und so falle ich zu Deinen Füßen,

für die Lösung all meiner großen Probleme.

Durga tötet Rakthabeeja, während Kali sein Blut trinkt. Quelle: exoticindiaart.com (Klick Bild)

 

Brahmesa skanda Narayana kiti,
Narasimhendra Shakthi swa bruthya,
Kruthwa hathwa nisumbam jitha vibutha ganam,
Trasitha sesha lokam,
Eki bhooyada shumbham rana sirasi niha
Tyasithamatha Gadgaam,
Durgam deveem prapadye saranamaha,
Masesha apadan unmoolanaya.

Du tötestest Shumbha,
der über alle Devas herrschte,
in dem Du die Shaktis von Brahma,
Skanda, Narayana, Narashima,
Varaha und Indra zu Deinen Gehilfinnen machtest
und dann alle in Dir vereintest.
Und Du tötestest Nishumbha in einem schrecklichen Krieg
Und so falle ich zu Deinen Füßen,
für die Lösung all meiner großen Probleme.

Saptamatrika; Quelle: exoticindiaart.org (Klick Bild)

 

 

Uthpanna nandajethi swayam avani thale,
Shumbamanyam Nishumbham,
Bramaryakya Arunakhyam punarapi janani,
Durgamakhyam nihanthum,
Bheema, Sakambareethi, truti tharipu Gata,
Raktha danthethi Jaa thaam,
Durgam deveem prapadye saranamaha,
Masesha apadan unmoolanaya.

Du wurdest als Tochter des Königs Nanda geboren,
Auf dieser Heiligen Erde,
um die Rakhasas Shumbha und Nishumba zu töten,

Bhramaramba (Bhramari), Mutter der Bienen; Quelle: Maa Vaishnavi.com (Klick Bild)

und Du wurdest als Biene geboren, um den Asura Aruna zu töten
und wieder wurdest Du geboren, als Heilige Durga,
um den Asura zu töten, der Durgama genannt wurde.
Du warst berühmt als Bheema, als Du die Asuras in Deiner Raserei verschlangst.
Du warst bekannt als Sakambhari, als Du Speise auf Deinem Körper wachsen liest, für die tausenden Verhungernden,
während einer großen Hungersnot.
Und Du warst auch bekannt under Rakthadantha,
weil Du die Asuras Vipra und Chitha verschlangst.
Und so falle ich zu Deinen Füßen,
für die Lösung all meiner großen Probleme.

Shatakshi/Sakambhari, die Göttin mit unzähligen Augen, die den Menschen Wasser und Nahrung brachte, damit sie nicht verhungern. Quelle: exoticindiaart.com (Klick Bild)

 

Tri giunyaanam gunaanaam anusarana kala
Keeli naanavatharai,
Tri lokya trana seelaam dhanuja kula vanee,
Vahnee leela saleelaam,
Deveem sachinma mayeem tham vit haritha vinamath,
Sathree vargaaapavargaam,
Durgam deveem prapadye saranamaha,
Masesha apadan unmoolanaya.

Du bist alle drei Gunas in einer vereint,
Du spielst Dein göttliches Spiel in verschiedenen Gestalten,
Du achtest auf alle drei Welten,
Du raffst kinderleicht die Asuras hinweg,
mit der Heftigkeit eines Wirbelsturmes in einem Wald
Du bist die Verkörperung von allem, was gut ist
für die, die sich vor Deinen Füßen in Demut verneigen
Du gewährst ihnen alles, was sie ersehnen
hier und danach.
Und so falle ich zu Deinen Füßen,
für die Lösung all meiner großen Probleme.

 

Navdurga4
Durga und die sieben Matrika; Künstler/Artist: unbekannt

Simharoodam trinethraam kara thala vilasath,
Sankha chakrasi ramyam,
Bhakthabeeshta pradathreem ripu madana kareem,
Sarva lokaika vandhyam,
Nana alankara yuktham sasi yutha makutam,
Syamalangeem krusangeem,
Durgam deveem prapadye saranamaha,
Masesha apadan unmoolanaya.

Sie, die auf einen Löwen reitet. Sie, die drei Augen hat.
Sie, die ein Muschelhorn und das Wurfrad mit bezaubernder Anmut trägt.
Sie, die die Bitten Ihrer Verehrer erfüllt.
Sie, die Ihre Feinde vernichtet.
Sie, die in allen Welten verehrt wird.
Sie, die in Vollkommenheit gekleidet ist.
Sie, die den  Mond an Ihrer Krone trägt.
Sie, die von schwarzer Farbe ist
Sie, die von schlanker Gestalt ist.
Ich falle zu Deinen Füßen,
für die Lösung all meiner Probleme.

 

Trayaswa swamin ithi tri bhuvana janani,
Prarthana twayya partha,
Palyanth abhyarthanayam bhagawathi sisava,
Kinnvananya jananya,
Tathubhyam syannamasyethya vanatha vibhdha,
Ahladhi veeksha visargam,
Durgam deveem prapadye saranamaha,
Masesha apadan unmoolanaya.

Adi-Parashakti und die Trimurti (Dreiheit) von Brahma, Vishnu und Shiva als Ihre Kinder. Künstler/Artist: unbekannt;
Adi-Parashakti und die Trimurti (Dreiheit) von Brahma, Vishnu und Shiva als Ihre Kinder. Künstler/Artist: unbekannt;

“Es besteht keine Notwendigkeit, oh Durga, Dich zu bitten
uns zu beschützen und zu retten,
denn hat die Mutter, von der sie allein abhängen,
jemals ein Bitten gebraucht.
Und so grüßen wir Dich”,
so beten die Götter zu Dir.
Und so falle ich zu Deinen Füßen,
für die Lösung all meiner großen Probleme.

 

Etham santha padanthu sthavam akhila vipa,
Jjala thoolana labham,
Hrinmoha dwantha bhanu prathima makhilam,
Sankalpa kalpa dru kalpam,
Dowrgam dowargathya goratha pathu hina kara,
Prakhya mam ho gajendra,
Sroni panchasya desyam Vipula bhayadha
Kaalahitha tharkshya prabhavam.

Lass dieses Gebet an die Göttin Durga sein
wie ein Wind für ein Baumwoll-Bündel der Sünden
wie eine Sonne für den stockdunklen Verstand
wie der alle Wünsche erfüllende, göttliche Baum,
wie der kalte Mond für die glühende Hitze der Not,
wie ein Löwe vor der Elefantenherde der Sünden,
und wie ein furchterregender Adler vor dem König der Kobras.
Rette uns vor allen Gefahren,
und lass dieses von allen Verehrern immer gesungen werden.

 

 

Adi-Parashakti; Künstler/Artist: unbekannt.
Adi-Parashakti; Künstler/Artist: unbekannt.

 


 

1- “Dämonen”; Gegenspieler der Devas mit eifersüchtige und neidische Charakter, die gegen die lichtvollen Devas kömpfen.

2-sanskr. wörtl.: “Gott”; es handelt sich hierbei nach verschiedenen Vorstellungen um Götter/Göttinnen (=Devis), die dem höchsten Göttlichen dienen, die dem Rad der Wiedergeburt unterworfen sind und/oder um Halbgötter

3-Dämonen bzw. nächtliche Geister, die häufig in Tiergestalt oder Mischwesen zwischen Menschen und Tieren erscheinen. Obwohl sie in der Regel von bösem Wesen sind und Menschen und Göttern eher feindlich gesonnen sind, können verschiedene Rakshasas auch das gute Unterstützen und sich als besonders tugendhaft und kultiviert zeigen.

Navratri-Die neun heiligen Nächte der Mutter (Teil 8)

Traditionen und Bräuche
Von den vielen Traditionen und Bräuchen, die es je nach Bundesland, Bevölkerungsgruppe (und -schicht) aber auch hinduistischer Strömung gibt, möchte ich nur auf ein paar ausgewählte eingehen.

Ältestes erhaltenes Manuskript des Devi Mahatmyams auf Palmenblättern, Bihar oder Nepal, 11. Jahrhundert; Quelle: Wikipedia.de

Rezitation des Devi-Mahatmyams
Eine der wohl essenziellsten Praktikenn Navratris ist die Rezitation des kompletten Devi-Mahatmyams.
Das Devi-Mahatmyam ist eigentlich Teil der Makandeya-Purana und besteht aus dreizehn Kapiteln. Es beschreibt einerseits das Wirken der Göttin Adi-Parashaktis in unterschiedlichen Formen, aber auch, in seiner tieferen Bedeutung, die Wanderung der menschlichen Seele.
Die dreizehn Kapitel sind in drei Abschnitte unterteilt und entsprechend ihrer Bedeutung für die Entwicklung der Seele und der Veränderungen auf der spirituellen Reise Maha-Kali, Maha-Lakshmi und Maha-Sarasvati zugeordnet sind. Sie stellen die Kräfte dar, die im menschlichen Geist während seiner spirituellen Reise wirken und sich in ihm manifestieren.

Die Rezitation des Devi-Mahatmyams wird meist unter Einhaltung bestimmter Regeln und Methoden begangen, die sich jedoch von Tradition zu Tradition unterscheiden.
Zu den unterschiedlichen Methoden gehören z.B.
1. die Rezitation des kompletten Textes an einem Tag (kann mehrere Stunden in Anspruch nehmen)

2. die Aufteilung der Kapitel an verschiedenen Tagen:

Tag 1 Kapitel 1
Tag 2 Kapitel 2-3
Tag 3 Kapitel 4
Tag 4 Kapitel 5-8
Tag 5 Kapitel 9-10
Tag 6 Kapitel 11
Tag 7 Kapitel 12-13

3. die tägliche Rezitation nur des 2.-4. Kapitels

4. die tägliche Rezitation der Devi-Mahatmya Stothra Ashtakam, d.h. eine Zusammenfassung des Devi-Mahatmyams in acht Strophen.

Der Rezitation des Devi-Mahatmyams werden entsprechend der Wiederholungszahl unterschiedliche “Früchte” oder Ergebnisse zugesprochen.
So soll z.B. das 3-fache wiederholen dabei helfen, sich von schwarzmagischen Einflüssen zu befreien. Fünfzehn Wiederholungen sollen zu einem angenehmen Leben und Reichtümern verhelfen und bei der Vollendung von 1000 Wiederholungen soll die Göttin Lakshmi erscheinen und allen Reichtum und Wohlstand den man sich wünschen kann, schenken.

Doch es sind dazu noch weitere Regeln zu beachten.
So z.B. dass bestimmte Manten vor und nach jedem Vers gesprochen werden sollen, oder dass vor und nach dem Lesen des Devi Mahatmyams 100 Mal das sog. Tryambaka-Mantra (1)  rezitiert werden soll.
Die Möglickeiten sind da sehr sehr vielfältig.
Auch die Kombination mit einem sog. Vrata kommt vor, besonders dann, wenn man sich die Erfüllung eines bestimmten Wunsches erhofft.

 

Tanz
Vor allem in Gujarat und Mumbai sind Tänze Teil der Feierlichkeiten.
Der sog. Garba ist ein ritueller Tanz, der während des Pujas (dem Ritual) vor der Darbringung der heiligen Flamme zu Ehren der Göttin vorgeführt wird, und ein Kreistanz (traditionell von Frauen) um eine in einem tönerden Gefäß brennende (Öl)Lampe/Kerze oder einer Statue der Göttin ist.

Garba; Quelle: Kathiyavad
Dandiya; Quelle: QuoteKo.com

Das Licht der Lampe stellt das Leben dar und den Fötus im Leib der Mutter. Der Tanz ist damit auch ein Teil der Verehrung des Lebens, der Schöpfung und der Zyklen des Seins.

Ein anderer, nach dem Puja als Teil der anschließenden Feierlichkeiten vorgeführter Tanz ist der Dandiya.
Der Dandiya war ursprünglich den Männern vorbehalten und diente dem Training von Kampftechniken z.B. mit dem Schwert.
Die heute benutzen farbenprächtigen Stäbe sind die Überbleibsel des Schwertes. Erst später kam Musik hinzu und er öffnete sich auch für Frauen.

 

Kalash Sthapana
Am ersten Tav von Navratri wird ein tönerdes oder metallenes Gefäß (Kalash) für den Hausschrein oder einen eigens dafür hergerichteten Altar(raum) vorbereitet, in den die Göttin invoziert wird.

Kalasha und Gersten-Schößlinge; Quelle: ekunji.com

In manchen Regionen ist es auch Brauch, auf dem Altar bzw. im Schrein etwas feuchte Erde auszubreiten  und dort Getreide (meist Gerste) auszusäen, die in den neun Tagen gehegt werden, bis sie sprießen. Die Sprößlinge werden am letzten Tag sog. Prasada (2) an Familienmitglieder und/oder Teilnehmer der Heim-Puja verteilt.

In anderen Regionen werden die Sprößlinge auch in tönernden Gefäßen, in die feuchte Erde getan wurde,  gezogen.

 

Die Verbrennung Ravanas
Einer der Bräuche am letzten Tag von Navratri ist die Verbrennung des Dämonens Ravana.
Sie symbolisiert den Sieg Ramas über den Dämonen und damit den Sieg über das Böse in der Welt.
Dazu werden z.T. riesige hölzerne Nachbildungen des Dämonenkönigs gebaut, die dann entzündet werden, doch auch im Kleinen zu Hause werden, Feuer entzündet und Nachbildungen des Dämons verbrannt.
Ein wenig erinnert diese Tradition an die Sonnenwendfeuer in unseren Breiten 😉 .

 

Sarasvati-Puja; Quelle: Paradise found

Sarasvati-Puja
Die letzten drei Tage von Navratri sind Saraswati geweiht.
An diesen Tagen finden unterschiedliche Rituale statt, um den Segen der Göttin der Weisheit, der Erkenntnis, des Lernens und der Künste zu erbitten.
Doch nicht nur Schüler, Studenten, Künstler o.a. widmen sich an diesem Tag besonders Ihrer Verehrung, sondern die Angehörigenaller Berufsgruppen.
Es ist auch die Zeit, in der Kinder zwischen 4 und 5 Jahren in einem rituellen Rahmen ihre erste Einweihung ins Schreiben und damit in den Beginn des Lernens erhalten.

 

Doch wie zu Beginn gesagt, dies sind nur Beispiele für die Traditionen und Bräuche, die mit Navrati in Verbindung stehen.
Auch wenn es viele Überschneidungen in den unterschiedlichen Bundesländern Indiens gibt, gibt es doch auch genauso viele Unterschiede.
Die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe innerhalb des Hinduismus spielt darüber hinaus natürlich ebenso noch eine Rolle wie der gesellschaftliche Status.
Aber ich hoffe, es mir gelungen, einen kleinen Einblick in dieses wundervolle Fest zu Ehren der Großen Göttin Indiens zueröffnen.

Siat


1 – Ein Mantra Shivas
2 – geheiligte Speise

Navratri-Die neun heiligen Nächte der Mutter (Teil 7)

Durga-Puja/Durga Utsav
Das im Herbst stattfindende Maha-Navratri überschneidet sich mit einem der größten Feste zu Ehren der göttlichen Mutter des Universums, dem Durga-Puja.
Auch wenn das Fest in allen Teilen Indiens gleich große Relevanz hat und mit großem Pomp und voller Hingabe gefeiert wird, sind es besonders die östlichen Bundesländer wie Westbengalen und Assam, die wegen ihrer Festivitäten berühmt sind.
Während in manchen Bundesländern die Feierlichkeiten einen Tag andauern, wird es in den östlichen Bundesländern über fünf Tage lang gefeiert.
Es ist dort auch unter dem Namen “Akalbodhan”/”Akaal Bodhon” (“Durgas vorzeitiges Erwachen”) bekannt und bezieht sich damit auf eine Legende, in der Rama, ein großer Verehrer der Göttin Durga,  die Göttin Durga um Beistand im Kampf gegen den Dämon Ravana anrief, der Seine Gattin Sati entführt hatte.

Rama und Durga; Künstler/Artist: M. Gopal; Quelle:  Art of legend India

Er vollzog ein “Chandi Homa”(1), um die göttliche Mutter um Ihren Segen im Kampf gegen den Dämon Ravana anzurufen, der Seine Gattin Sita entführt hatte.
Die Göttin erschien darauf Rama und schenkte Ihm das Wissen, wie Er Ravana besiegen könne.
Dussehra schließlich markiert den Tag, an dem Sita gefunden und Ravana besiegt wurde.

Der Beginn des Durga-Pujas liegt etwa sechs  bis acht Tage nach Neumond, doch eines der wichtiges Ereignisse beginnt bereits einige Tage davor mit dem Schwarzmond, Amavasya Shraddha genannt.

Amavasya Shraddha
“Amavasya” bezeichnet zum einen die Nacht des (nicht sichtbaren) Neumondes zum anderen auch den Nacht an dem die Sichel des neuen Mondes das erste Mal (wieder) sichtbar wird.
Das Amavasya Shraddha ist ein Ahnen-Ritual am Abend des Schwarzmondes, und markiert das Ende einer 15-tägigen Periode, in der Hindus ihren Ahnen mit speziellen Ritualen und Opfern Ehre erweisen
Nach hinduistischem Brauch werden die Verstorbenen je nach Zeitpunkt, Art und ihrem “Status” zum Zeitpunkt ihres Todes an unterschiedlichen Tagen dieser Periode verehrt (z.B. am fünfte und sechste Tag Menschen, die im voran gegangenen Jahr verstarben, am neunte  verheiratete Frauen, die vor ihren Männern starben und am zehnte Tag Kinder und Asketen).
Amavasya Shraddha, das auch “Sarvapitra/i (Moksha) Amavasya” (“Neumondtag aller Väter”) genannt wird, markiert das Ende dieser Periode und ist allen Ahn/innen geweiht, unabhängig vom Tag des Mondes, an dem sie verstarben.
Wenn also jemand aus irgendwelchen Gründen am spezifischen Tag nicht das Ritual ausführen konnte oder nicht weiss, wann er das Ahnen-Ritual vollziehen soll, ist das der Tag, an dem die Rituale vollzogen werden können.

Pitru Amavasya;  Quelle: India.com

Mahalaya Amavasya ist der einzige Tag dieser Periode, in dem der Sohn der Tochter bzw. der Sohn der Mutter Rituale zu Ehren der Ahnen der mütterlichen Linie abhalten darf.  Daher wird dieser Tag auch als Matamaha (“Mutters Vater”) oder Dauhitra (“Tochters Sohn”) Amavasya bezeichnet. Alle anderen Tage sind, nach hinduistisch-vedischer Vorstellung, den Ahnen der väterlichen Linie vorbehalten.
Frauen sind grundsätzlich von der Darbringung der Opfer und den Ritualen der Ahnen-Verehrung ausgeschlossen, ebenso wie die Mitglieder der königlichen Familie es waren, weil alle Riten um Tod und Sterben als Unheil bringend betrachtet werden.

Devi Paksha
Mit Mahalaya Amavasya beginnen die vierzehn Tage der Göttin, Devi Paksha genannt.
Die Menschen glauben, dass sich auch die Götter und Göttinnen ab diesem Tag für die Ankunft der Göttin des Universums und das Durga-Puja vorzubereiten beginnen, während sich die Göttin selbst auf die Reise zur Erde macht.
Es ist der Tag, an dem die Göttin mit Chants und Mantras dazu eingeladen wird, auf die Erde herab zu steigen und die Menschen zu besuchen.
Trotz seines Bezuges auch mit dem Tod gilt der Tag von Mahalaya Amavasya als extrem günstig und glücksverheißend für den Beginn jeglicher Vorhaben.
Der nächste Tag steht unter dem Licht der Ankunft der Göttin und Ihrer Kinder.
An diesem Tag, so glauben die Menschen, betritt die Göttin wieder die Erde und besucht die Menschen.
Andere Mythen bringen diesen Tag damit in Verbindung, dass Parvati zusammen mit Ihren Kindern Lakshmi, Sarasvati, Ganesh und Skanda Ihre Eltern besucht und dort bis Dusshera  bleibt.

Am nachfolgenden Tag wird die Göttin, je nach Region und/oder Tradition in verschiedenen Riten in eine (Gruppe von neun) Pflanze(n) oder aber in einen speziell vorbereiteten und geschmückten Kalash (2) invoziert.
Durch weitere anschließende Riten wird die Göttin dann symbolisch für die Dauer der nächsten Tage an die Pflanze bzw. den Kalash gebunden.
Neben diesen Ritualen bildet an diesem Tag auch das entschleiern der speziell für das Durga-Puja angefertigten Murti (3) und damit das Willkommen-Heißen der Göttin im Zuhause oder aber in einem speziell gefertigten Schrein den Hauptteil der Zeremonien.

Der nachfolgende Tag ist Mahashtami.
Ein sehr wichtigen Teil nimmt an diesem Tag das sog. Kumari-Puja ein,  in dem neun junge, unverheiratete Mädchen als Verkörperung der Göttin verehrt, bewirtet und beschenkt werden.
In manchen Regionen Indiens erstreckt sich das Kumari-Puja allerdings auch über die gesamte Zeit von Navratri.
Einen anderes  sehr wichtiges Ritual ist das Shandi-oder Chandi-Puja bzw. Homam, das, nach dem Mythen, bereits von Rama zelebriert wurde.

Kali vernichtet die Dämonen Chanda und Munda; Quelle: Shiva Shakti Canada

Es findet zu einem bestimmten, nach dem vedischen Kalender berechneten Zeitpunkt statt und wird mit dem Zeitpunkt in Verbindung gebraht, in dem der Göttin Durga die Göttin Chamunda (eine Form Kalis) entsprang um die Dämonen Chanda und Munda zu vernichten.
Aufgrund des blutigen Kampfes zwischen der Göttin und den Dämonen beinhaltet das Chandi-Puja in manchen Regionen Indiens auch Tieropfer (Balidan). Anhänger der Göttin, die keine Tieropfer vollziehen, bringen symbolisch Opfer in Form von Obst oder Gemüse dar, wie z.B. Bananen, Gurken oder Kürbisse.
Mit Mahanavami findet das Durga-Puja schließlich seinen Höhepunkt.

Mahishasura-mardini besiegt den Büffeldämon; Künstler/Artist: unbekannt/unknown
Mahishasura-mardini besiegt den Büffeldämon; Künstler/Artist: unbekannt/unknown

Der Legende nach besiegt die Göttin an diesem Tag den Dämon Mashishasur, wesewegen sie als Mahishasura-mardinini, die “Vernichterin des Büffel-Dämons” im großen Stil verehrt und gefeiert wird.

Den Schluss bildet, wie gehabt, Vijaya-Dashami, an dem der Sieg der Göttin und Ihre Rückkehr zu Shiva gefeiert wird.

Das Durga-Puja und die Vernichtung der Unwissenheit
Wie das Thema Navratis im allgemeinen, so steht auch das Durga-Puja ganz im Zeichen des Kampfes Gut gegen Böse, des Lichtes gegen die Dunkelheit.
Die vier bis fünf Tage des Durga-Pujas stehen daher mit den Kämpfen der Göttin mit den unterschiedlichen Dämonen , von denen im Devi-Mahatmyam berichtet wird, in Verbindung:

In Zeiten von damals,
als der Herr von Lakshmi (3)
im Yoga-Schlaf versunken war
auf Seinem furchteinflößenden Schlangenbett,
und die urzeitlichen Dämonen Madhu und Kaidabha
hervorkamen aus Seinem Ohrenschmalz
und Brahma, den Schöpfer zum Erzittern brachten,
erhörtest Du, oh Durga, Seine Gebete
und Du tötestest sie beide

Als der große Dämon Mahisha
der Indra, den Herrn aller Devas im Krieg besiegte
und mit seinem Können alle drei Welten zu seinen Sklaven machte,
und seine Diener dazu berief über sie zu herrschen,
tötestest Du, Durga, ihn mit seiner Armee, seinen Ministern und Freunden.

Das Gebet der Götter erhörend
stiegst Du von den verschneiten Bergen
auf einer goldenen Schaukel.
Und Du tötestest die stolzen Dämonen Shumbha und Nishumbha.
Nachdem Du Dhoomraksha, Chanda und Munda getötet hattest,
wurdest Du Chamunda genannt und gepriesen.
Und so tötestest Du auch die große Geißel Rakthabheeja.

– aus dem Devi Mahatmyam Stothra Ashtakam

Neben den mythologischen Hintergründen steckt hinter den Geschichten und Bildern eine tiefer verborgene, spirituelle Bedeutung, die sich erst erschließt, wenn man sich mit dem Denken und den Weltbildern des Sanatana Dharma näher beschäftigt.
Näher darauf einzugehen würde jetzt den Rahmen sprengen, doch sie beschreiben die Entwicklung des Menschen auf seiner spirituellen Reise.

Die neun Nächte Navratris und das Durga-Puja ist nicht damit nicht nur ein Fest, dass die göttliche Mutter des Universums, die Bezwingerin des Bösen und die (Wieder)Herstellerin der kosmischen Ordnung feiert, sondern es soll gleichsam daran erinnern, dass es das Licht der Erkenntnis ist, dass unsere eigenen inneren Dämonen, unser Ego, unsere Gier besiegt.
Ende Teil 7
Siat


1 – Ein vedisches Ritual, das ein Opferfeuer beinhaltet. Das Chandi-Homa ist ein spezielles Ritual, das an die Göttin Kali als Chandi(ka) gerichtet ist.
2 – Ein metallenes Gefäß mit einer schmalen Öffnung, auf die eine Kokusnuss passt. Im rituellen Kontext ein (meist) mit (heiligem Ganges-) Wasser gefülltes Gefäß, in dessen Öffnung (meist) Mangoblätter gesteckt und mit einer Kokusnuss gekrönt wird.
3- Vishnu

Navratri – Die neun heiligen Nächte der Mutter (Teil 6)

Der Tag des Sieges-Vijayadashami
Vijayadashami oder Dusshera/Das(h)ara markiert das Ende der Feierlichkeiten zu Ehren der Großen Mutter.
Es findet am 10. Tag statt und wird im großen Stil als Tag des Sieges des Guten über des Bösen, des Lichtes über die Dunkelheit begangen.
Die Bedeutung des Namens Dusshera ist recht vielfältig.
Zum einen hat er den Bezug zu einem anderen Mythos bezüglich des Gottes Rama, der den zehnköpfigen Dämon (Dashanan-)Ravana (dessen zehn Köpfe zehn Frevel symbolisieren) besiegt, weswegen sich der Name in diesem Zusammenhang von dasha-hara (=”Hinwegnehmen/Besiegen der Frevel”) abgeleitet wird.
Eine weitere Ableitung folgt vom Wort “ahaha”(=”Tag”).
Dasharahaha/Dasharaha bezieht sich damit auf die neun Nächte und zehn Tage, an denen die Göttin in unterschiedlichen Inkarnationen mit den Dämonen kämpfte.
Der zehnte Tag markiert dabei den Siegenstag, an dem Durga den Dämon Mahishasura besiegte.
Auf den Sieg der Göttin bezieht sich auch der Begriff “Vijayadashami”, der “Sieg am 10. Tag des (Mond-)Monats”. Als “dashami” (=”zehn”) wird wörtl. der zehnte Tag im Monat des hinduistisch-vedischen (Mond-)Kalenders bezeichnet, und “vijaya” wird übersetzt mit “Sieg” und “Triumph”.

An Vijayadashami wird außerdem die Heimkehr von Mutter Durga gefeiert.
Eine Legende erzhält davon, dass Adi-Parashakti als Sati, die Tochter des Königs Daksha, dem Herrn der Erde, und seiner Gattin Prasuti geboren wurde. Sati begann bereits als Kind, Shiva als Ihren zukünftigen Gatten anzubeten und zu verehren. Shiva, der von Ihrer Hingabe höchst angetan und erfeut war, heiratete später Sati. Daksha, der von Anfang an gegen die Heirat war, konnte dies natürlich nicht verhindern. Verärgert ließ Daksha ein rituelles Feuer vorbereiten und lud dazu jeden ein außer Shiva.

Sita Verbrennt sich selbst im Opferfeuer;  Künstler/Artist: unbekannt/unknown
Sita Verbrennt sich selbst im Opferfeuer; Künstler/Artist: unbekannt/unknown

Sati, die zutiefst beschämt von dem Verhalten Ihres Vaters und erzürnt über diese Beleidigung war, suchte Ihren Vater gegen den Rat Ihres Gatten auf. Bestürzt über weitere Beleidungen Ihres Vaters, stürzte Sie sich in die Flammen des Opferfeuers.

Als Shiva von Tod Seiner geliebten Frau wurde er rasend und blind vor Zorn, Schmerz und Trauer.
Er verließ augenblicklich den Berg Kailash.
Als Er den Palast seines Schwiegervaters erreicht hatte, zerstörte Er in Seiner Raserei das Opferfeuer und schlug seinem Schwiegervater Daksha den Kopf ab.

Shiva nimmt den leblosen Körper Satis auf und zerstört Dakshas Opferfeuer; Künstler/Artist: unbekannt/unknown.
Shiva nimmt den leblosen Körper Satis auf und zerstört Dakshas Opferfeuer; Künstler/Artist: unbekannt/unknown.

Aus den Überresten des Feuers und der Flammen hob er den leblosen Körper Satis und begann dann Seinen vor Trauer und Schmerz überwältigt, Seinen Tanz der Zerstörung. Als Shiva, als Höchste Macht, voller Zorn mit Seinem Tanz die Welten zum wanken und an den Rand der vollkommenen Zerstörung brachte, flehten die Götter Vishnu an, etwas zu unternehmen.
Also machte sich dieser auf und zerteilte den Leichnam Parvatis mit Seinem Wurfdiskus, der auf den Schultern des noch immer rasend tanzenden Shiva ruhte.
Ihre einzelnen Teile vielen von Seinen Schulter und verteilten sich über ganz Indien. Und dort, wo Sie nieder fielen, entstanden heilige Plätze, die Adi-Shakti geweiht sind, die sog. “Shakti Peethas” (1) .

Trauernder Shiva; Künstler/Artist: unbekannt/unknown; Quelle: flickr.com
Trauernder Shiva, Parvati tragend; Künstler/Artist: unbekannt/unknown; Quelle: flickr.com

Als das letzte Stück von Ihr von Seinen Schultern gefallen war, wurde Shiva ruhiger, und Er zog sich als Asket in die Einsamkeit des Himalaya zurück um sich in tiefer Meditation zu versenken.

Parvati wurde von Vishnu wieder in Ihrer ursprünglichen Gestalt Adi-Shaktis wieder erweckt.
Als Sie in Ihrer nächsten Inkarnation als Shailaputri (Parvati) wiedergeboren und Shiva wieder als Ihren Gatten gewonnen hatte, bat Vishnu den Höchsten der Göttlich darum, Daksha zu vergeben.
Seit dem ist der Frieden wieder hergestellt, und Durga besucht seit dem zusammen mit Ihren Kindern Skanda und Ganesha, und Ihren Shaktis Jaya und Vijaya, jedes Jahr im Herbst Ihre Eltern.

Vijayadashami markiert den Beginn der Ernte-Zeit, und die Muttergöttin wird angerufen, um die Fruchtbarkeit und die Kraft der Erde und des Bodens zu erneuern. Das geschieht mit vielen verschiedenen Ritualen, in denen die kosmischen Kräfte der Göttin an- und hereingerufen werden, um den Erdboden zu verjüngen.
Überall in Indien und Teilen angrenzender Länder wie Nepal finden große Feierlichkeiten und Speiseopfer für die Götter statt, sowohl zu Hause als auch in den Tempeln.
Dieser Tag gilt komplett als ein günstiger und segensreicher Tag. Alles, was an ihm angefangen wird, steht, so wird gesagt, unter dem Segen und dem Wohlwollen der Höchsten Göttin und der kosmischen Kräfte.

Der zehnte und letzte Tag von Navrati stellt den Höhepunkt der Festivitäten zu Ehren der Mutter des Universums dar.
Begleitet unter Jubel, Musik und Gesang werden die Statuen der Göttin aus Ihren zum Teil extra angefertigten Schreinen hinaus ans Licht gebracht, was sowohl den Sieg der Kräfte der Rechtschaffenheit und des Guten über die Mächte des Bösen und des Frevels symbolisert, als auch die Wiederherstellung des Gleichgewichtes und der Ordnung im Universum.
Die Statuen werden dann in Prozessionen zu Flüssen oder hin zum Meer gebracht und unter Jubel den Wassern übergeben.
Mit der Versenkung der Statuen wird die Göttin bis zum nächsten Navratri verabschiedet.

Doch die Feierlichkeiten sind damit noch nicht (ganz) zu Ende.
Je nach Region und Traditonen ist auch Vijayadashami mit vielerlei Bräuchen und weitern Ritualen verbunden.
Z.B. ersuchen die Jüngeren von den Älteren Ihren Segen, in dem sie sich zu deren Füßen niederbeugen und diese berühren, im Gegenzug werden sie von diesen gesegnet.
Und in manchen Gegenden gehen die Kinder (ähnlich wie an Halloween) von Tür zu Tür, und sammeln von Nachbarn und Verwandten Süßigkeiten.

Natürlich ist diese Artikelreihe nur ein kleiner Überblick über dieses, im großen Stil überall in Indien gefeierte Fest.
Der letzten Teile, die noch folgen, werden sich mit dem Durga-Puja, einer der wichtigsten Festivitäten während Navrati, und unterschiedlichen Ritualen rund um dieser heiligen Zeit beschäftigen.

Siat
Ende Teil 6


1-wrtl.: “Sitz der Shakti”; es werden 4-51 Peethas benannt, an denen jeweil ein Körperteil oder Schmuckstück Satis niederfiel. An jedem dieser Orte wird Adi-Shakti Sati in Form einer anderen Göttin verehrt, immer auch begleitet von Ihrem Gatten Rudra-Shiva.