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„Nazi-Druide“ „Burgos“ alias „Hasspredix“ und die „Heidenszene“ von Martin M. (Nornirs Ætt)

Der „Druide“ und „Reichsbürger“ Burghard B., der sich selbst „Burgos von Buchonia I.“ nennt, wirkt in seinem offensichtlich von „Asterix“ und Fantasy-Filmen inspirierten „authentisch keltischen“ Druiden-Ornat auf den ersten Blick eher komisch als gefährlich. Selbst dass er sich wie ein Saruman-Imitator aufführt und die zu dieser Rolle passenden Machtphantasien zeigt, lässt noch nicht die inneren Alarmglocken läuten: Ein größenwahnsinniger „Heidenfürst“ in der an skurrilen Charakteren nicht gerade armen „Heidenszene“ mehr, was soll’s?

„Burgos“ führte als „keltischer Druide“ gewandet Wandergruppen durch die Rhön und galt bei den regionalen Medien hier und an seinem Wohnort Schwetzingen (bei Heidelberg) als interessanter Spinner.
Sogar der Bayerische Rundfunk hielt den „Druiden“ vor einigen Jahren anscheinend für einen harmlosen Exzentriker und filmte ihn beim Kräutersammeln im Wald und beim Bogenschießen.
Dabei erzählte er mit ernster Mine, er sei vor 2.500 Jahren in einer Winternacht als Neffe des Zauberers Merlin geboren worden.
Es ist nicht auszuschließen, dass „Burgos“ das wirklich glaubt.
Er glaubt ja so Einiges, was halbwegs politisch gebildete Menschen für blühenden Unsinn halten – zum Beispiel, dass das „Deutsche Reich“ nach wie vor bestünde, die BRD eine GmbH und Deutschland nach wie vor besetzt sei.
Er ist überzeugt, dass es „ohne Juden keine Kriege, ohne Kriege keine Asylanten“ gäbe, ist der Ansicht, Deutschland werde seit 130 Jahren „bekriegt“, Winston Churchill wäre Zionist gewesen und habe Befehl gegeben, „Millionen Menschen unseres Volkes“ zu vernichten und behauptet, zwei Weltkriege seien geführt worden, „um die dominante Rolle Deutschlands zu verhindern“.
(Am Rande bemerkt: Der zweimalige britische Premierminister Winston Churchill (1874–1965) trat 1908 in die „Albion Loge“ des „Ancient Order of Druids“ (AOD) ein – er war also (Neu-)Druide!)
Selbst die meisten überzeugten Nazis würden das nicht so sehen wie „Burgos“. Wenn er jedoch fürchtet: „Wir sollen umgevolkt werden. Wir sollen unserer Identität beraubt werden“, dann sind das Ängste, die weit über die Nazi-Kreise hinaus von Rechtsextremisten (auch solchen, die sich lieber „besorgte Bürger“ nennen) geteilt werden. Auch seine zum Teil unflätige antisemitische und anti-muslimische Hetze und seine rassistischen Sprüche fanden beifällig nickende Zuhörer und Leser.

Spätestens seit Mittwoch, dem 25. Januar 2017 wird, von Gesinnungsgenossen vielleicht abgesehen, niemand mehr Burghard B. für einen „harmlosen Spinner“ halten.
Der Druide, der Juden vernichten will (tagesschau)
Der Generalbundesanwalt schickte am 24. Januar Polizisten zwecks Razzia zur Schwetzinger Wohnung B.’s und zu denen einiger seiner Gleichgesinnten.
Die Beamten fanden in den Wohnungen der Beschuldigten neben zahllosen Waffen und Munition auch Pläne für Anschläge auf Juden, Muslime und Polizisten.
Die Bundesanwaltschaft wirft dem 62-Jährigen (bzw. nach eigenen Angaben mittlerweile 2506-Jährigen) „Druiden“ und seinen fünf mutmaßlichen Komplizen vor, gemeinsam eine rechtsterroristische Vereinigung gegründet zu haben.
Allem Anschein nach zurecht.

Für uns ist das aus gleich mehreren Gründen äußerst ärgerlich!

„Burgos von Buchonia“ ist im deutschen Neuheidentum wirklich kein Unbekannter.
Der selbsternannte Druide war gut vernetzt, sowohl persönlich, auf rechten wie auf heidnischen Treffen, wie auch auf facebook, YouTube und dem bei Verschwörungsideologen beliebten russischen sozialen Netzwerk VK.

Ärgerlich ist einerseits, dass solche kriminellen Gruselgestalten dem Ruf des Heidentums schaden.
Dass wir als „germanisch“ bzw. „keltisch“ orientierte Heiden schnell und meistens zu Unrecht in die „rechte Ecke“ gestellt werden, liegt vor allem daran, dass völkisch-rassistische Spinner wie B. nicht nur in der „Bild“ das Bild des Heidentums bestimmen.

Vielleicht noch ärgerlicher ist andererseits, dass längst nicht alle auf „unserer“ Seite (also Heiden, die keine Nazis sind) klare Position gegen Rechtsextremisten wie „Burgos“ beziehen, und damit Nazis und Rassisten leichtfertig die Deutungshoheit über das, was die Öffentlichkeit über Heiden zu sehen bekommt, überlassen.

Sehr ärgerlich ist, dass nicht-rassistische Heiden mit dem mutmaßlichen Terroristen und schon damals als solchem erkennbaren völkischen Hetzer kuschelten.
Zum Beispiel war der „Druide“ bei der jährlichen Demonstration gegen das Bonifatius-Denkmal in Fritzlar dabei.
Zur Erinnerung: Es liegt – unter Anderem – an der „Rechtsoffenheit“ dieser Veranstaltung, dass sich die Nornirs Ætt nicht daran beteiligt.

Für die ärgerliche Tatsache, dass offen erkennbare Hetzer einfach so in heidnischen Gruppen und auf Veranstaltungen mitmischen können, fehlt mir jedes Verständnis!

Die aus „Ættlingen“ bestehende Band „Singvøgel“ sang schon vor Jahren über die falsche Toleranz gegenüber falschen Freunden und zeigte, was von der „unpolitischen“ „Wir-sind-doch-alle-Heiden“-Gesinnung zu halten ist: Absolut nichts!
„Freundchen“.

Zwar haben sich Druiden-Vereinigungen wie der OBOD und verschiedene keltische Gruppen und Vereine vom rechtsextremen „Druiden“ distanziert. Um der rechtsextremen Konnotation des Heidentums entgegen zu wirken, reicht es aber nicht aus, sich nur nach außen abzugrenzen – man muss in den eigenen Reihen anfangen!

Es geht auch anders:
Der Steinkreisverein im badischen Brühl schloss 2012 seinen damaligen Vorstand aus, weil „Burgos von Buchonia“ auf Facebook Muslime beleidigt hatte.
Dort hatte der „Druide“ damals das Bild einer brennenden Moschee gezeigt und die Hoffnung geäußert, bald möge auch das islamische Heiligtum in Mekka brennen. (Diese Äußerungen verhalfen B. zum „Druidennamen“ „Hasspredix“.)
Auch „Celtoi e. V.“ belässt es schon lange nicht mehr bei verbalen Abgrenzung – rassistische „Kelten“ haben hier keine Chance.
So, wie rassistische „Germanen“ beim „Eldaring“ und erfreulicherweise inzwischen auch beim „Verein für Germanisches Heidentum e. V.“ keinen Zutritt haben.
Und an der harten Haltung der Nornirs Ætt gegenüber rechtsdrehendem Heidentum und völkischer Ideologie dürfte ohnehin kein Zweifel bestehen.


Hier geht`s zum Orginal-Artikel und zur Seite der Nornirs Ætt

(Neu)Heidentum und Rechtsextremismus von Siat

Hallo zusammen,

heute möchte ich aus aktuellem Anlass ein paar Gedanken zum Thema (Neu)Heidentum und Rechtsextremismus teilen.

Wer bisher nicht mitkommen haben sollte, was der letzten Tage so los gewesen ist, der möge sich den Artikel der Nornirs Ætt „Nazi-Druide“ „Burgos“ alias „Hasspredix“ und die „Heidenszene“ , sowie die Nachrichten HIER, HIER, HIER und HIER durchlesen J .

Burghard B. alias „Burgos von Buchonia I.“, der sich als „keltischer Druide“ und „Neffe des Merlin“ ausgibt (und laut eigener Aussage eigentlich über 2.500 Jahre alt ist), war schon längere Zeit auf Grund seiner rassistischen, menschenverachtenden, diskriminierenden und zur Gewalt aufrufenden Äußerungen aufgefallen und bekannt.
Sowohl außerhalb, als auch innerhalb des Internets sind seine Kontakte sehr weitläufig, und gehen sowohl weit in die rechte, aber auch weit in unsere heidnische „Szene“ hinein, die sich, bedauerlicher Weise, oft genug noch immer nicht von derlei Gestalten distanzieren, und klare Positionen beziehen.

Nichts Neues unter der Sonne
Dabei ist das „Problem“, das „wir Heiden“ mit Nazis und Rechtsextremismus nun faktisch einmal haben, nichts Neues.
Als ich vor gut 15 Jahren die Möglichkeiten und die Weiten des Internets entdeckte und in den Kontakt mit der heidnischen Szene kam, wurde mir erst mal langsam bewusst, wie „kompliziert“ sich das Geflecht „(Neu)Heidentum“ und „Rechtsextremismus“ darstellt.
Durch den Missbrauch, den das Heidentum durch die Nazis vor allem in den 30ger und 40ger Jahren hier in Deutschland massiv ausgesetzt war, und der sich bis in unsere heute Zeit durchzieht, wurde nicht nur dem germanischen, sondern dem Heidentum im Gesamten, ein großer Schaden zugefügt, der weder wegdiskutierbar noch unübersehbar ist.

Von der Gesinnung her äußerst fragwürdige Gestalten wie der selbsternannte Nazi-Druide gibt es (bedauerlicher Weise) in unserer, eh schon von bunten Zeitgenossen wimmelnden, „Szene“, genügend.
Ich denke da beispielsweise an Geza v. N., dem ich „damals“ in verschiedenen Foren (u.a. Wurzelwerk und unserem Mutterforum Paganforum) begegnete (und der, trotz ausgesprochenem Hausverbots immer wieder versucht, sich Mitgliedschaft in unserem Forum zu verschaffen!), und der heute aktiv in der AfD mitmischt, und natürlich auch weiter seine fragwürdigen Ansichten in seinen Machwerken (=Büchern) veröffentlicht.

Das Problem, das „wir“ mit rechten, rassistischen und völkischen Ideologien haben, ist also schon etliche Jahr(zehnt)e alt und bekannt.
Das bedauerliche, problematische und ärgerlicher ist aber, das viele von „uns“ das gar nicht wirklich als „Problem“ wahr(zu)nehmen (scheinen), und/oder diese ganze „unschöne“ Thematik lieber ignorieren und unter den Teppich kehren!
Frei dem Motto:
„Was ich nicht sehe, das gibt es nicht!“ – „Was gehen mich die Probleme anderer (Heiden) an?“

Vom Kuschelkurs und dem Weggucken
Ich gehe völlig konform mit Martin M., der in seinem Artikel „“Nazi-Druide“ „Burgos“ alias „Hasspredix“ und die „Heidenszene“ schreibt:

„Vielleicht noch ärgerlicher ist andererseits, dass längst nicht alle auf „unserer“ Seite (also Heiden, die keine Nazis sind) klare Position gegen Rechtsextremisten wie „Burgos“ beziehen, und damit Nazis und Rassisten leichtfertig die Deutungshoheit über das, was die Öffentlichkeit über Heiden zu sehen bekommt, überlassen.
Sehr ärgerlich ist, dass nicht-rassistische Heiden mit dem mutmaßlichen Terroristen und schon damals als solchem erkennbaren völkischen Hetzer kuschelten.“

Es spiegelt meine Erfahrung und Beobachtung wieder, dass sich heute noch viel zu wenig (Neu) Heiden deutlich gegen Rechtsextremismus, gegen Fremdenhass, gegen Diskriminierung und menschenfeindliche Ideologien abgrenzen.
Sich nicht klar zu positionieren ist AUCH eine Positionierung, die denjenigen zu einer „Deutungshoheit“ verhilft, die am lautesten brüllen und dadurch auffallen.
Ironischer Weise wird sich dann allerdings darüber beschwert, wenn das (Neu)Heidentum gleich Rechtsextremismus dargestellt wird.

Mir begegnet immer wieder die Aussage in heidnischen Kreisen: „Man sollte alle Meinungen anhören. Und die Gelegenheit nutzen, Aufklärung zu betreiben.“
Ganz ehrlich? – Hassreden, Aufruf zu Gewalttaten gegen Andersdenkende und –gläubige, Diskriminierung…
Das sind meiner Ansicht nach keine Meinungen, sondern Statements, bei denen das Diskutieren so sinnvoll ist, wie das Reden mit einer Mauer!
Ich betrachte das als vollkommene Zeit- und Energie-Verschwendung, solchen Menschen, ihren Plattitüden und Parolen eine Platz zu bieten.

Aber so einfach, wie es klingt, finde ich es trotzdem nicht.
Was die einen oder anderen vielleicht als etwas fragwürdig erachten könn(t)en ist, dass ich trotz allem allerdings der Ansicht bin, dass wir Raum für Vorurteile und Ängste schaffen sollten.
Der Grund ist folgende Beobachtung:
Wenn ich an die letzte Zeit zurück denke, in der die Pegida und Parteien wie die AfD stark geworden und unglaublichen Zulauf bekommen haben, dann halte ich ein Verhalten, das unsere Politiker und Medien fast durchweg an den Tag gelegt haben, für grundweg falsch:
Die (wenn vielleicht auch z.T. absichtlich geschürten) Ängste, Vorurteile, Sorgen und Befürchtungen der Bevölkerung einfach nur abzutun, und jeden, der sie äußert einfach mal pauschal als rechtsradikal, rassistisch, fremdenfeindlich, oder auch nur „dumm“, „ungebildet“ usw. abzukanzeln, statt sich die Zeit zu nehmen, und den Aufwand (JA! Das ist einer!) zu betreiben, sich ernsthaft mit den Menschen, und das was sie bewegt, auseinander zu setzen!

Was ich in unserer Politik und in unseren Medien beobachte, ist eine Unwilligkeit, sich mit unbequemen Fragen und Problemen auseinander zu setzen, und schnelle und einfache Lösungen und Antworten finden zu wollen, und diese zu bevorzugen, statt ehrlich zu sein und dazu zu stehen, das es durchaus Probleme gibt und geben kann, das Dinge ihre Zeit brauchen und es die schnellen Antworten, die vermeintlich „alternative Parteien“ anzubieten scheinen, nicht gibt.

Unsere Welt ist komplex!-Und genauso komplex können (und müssen!) daher auch nur die Antworten sei!
Und je komplexer etwas ist, desto mehr Zeit benötigt das Ganze.
Und ich denke, dass es unter anderem dieses „nicht ernst Nehmen“, dieses Verlachen und „Abkanzeln“ ist, was „uns“ früher oder später einfach um die Ohren fliegen MUSS!
Die Wahlen, die uns dieses Jahr bevorstehen, werden es vermutlich zeigen.
Menschen, die sich nicht ernst genommen fühlen, suchen sich jemanden, der ihnen zuhört, der sie unterstützt und der ihnen (ggf.) (einfache) Lösungen bietet.
Das ist ein psychologischer Fakt, den unsere Politik und auch unsere Medien in den letzten Monaten und Jahren schlicht zu ignorieren scheinen, und damit, meines Erachtens, wichtige Chancen verpassen, den Entwicklungen entgegen zu wirken und sie zu beeinflussen.

Weil ich der Meinung bin, das man, wenn man bei den Menschen etwas erreichen möchte, diesen auch das Gefühl geben muss, das man ihnen zuhört und das man sie ernst nimmt, versuche ich in der Tat den sehr schmalen Grat mit unserem Forum zu gehen, rigoros gegen Hass- und Hetzreden, Gewaltverherrlichung und –aufrufen, u.ä. vorzugehen, aber noch soweit „offen“ zu sein, dass noch kritische Auseinandersetzung und Diskussion möglich ist.
Bedauerlicher Weise scheint auch der Wille zu kritischer Auseinandersetzung und Diskussion in den letzten Monaten und Jahren immer weiter abzunehmen, und einer „Friss (meine Meinung) -oder stirb!“-Mentalität Platz zu machen.

Ich finde Diskurs, Auseinandersetzungen und Diskussionen ein unglaublich wichtiges Mittel, um Aufklärung zu betreiben, und um den derzeitigen Entwicklungen entgegen zu treten.
Sich passiv in eine Ecke zu verkriechen, die Augen zu verschließen vor den offensichtlichen Problemen, die wir überall in der Gesellschaft haben, und zu hoffen, das alles schon gut ausgehen wird, spielt den „Feinden“ von Freiheit, Vielfalt, Demokratie und Rechtsstaat mehr in die Hände, als sich den Diskussionen und Problemen zu stellen.

Falsch verstandene Offenheit
Ich bin ein Fan von Offenheit.
Doch offen zu sein für Diskussion, für kritische Auseinandersetzungen mit unserem Staat(sgebilde), mit unserer Politik und unserer Gesellschaft, für Diskurs und (gerne auch heiße) Diskussionen bedeutet jedoch lange nicht, dass man keine Grenzen ziehen kann, darf, soll oder gar muss! Im Gegenteil!
Offenheit für solche Dinge bringt die Verantwortung mit sich, ganz klar Position zu beziehen, ganz klare Grenzen zu zeihen und auch „STOP!-Bis hierher und nicht weiter, Freundchen!“ zu sagen.

Ich halte das, was in den letzten Jahren innerhalb des Heidentums oft zu beobachten war und ist, für eine falsch verstandene oder praktizierte Offenheit, weil oft genug eben keine klaren Grenzen gezogen worden sind.
Wie z.B. beim Nazi-Druiden „Burgos“, der bei der, von Heiden organisierten, Kundgebung und Versammlung in Fritzlar dabei war, und geduldet wurde.
Oder Literatur-Empfehlungen an Suchende und/oder Interessierte, deren Autoren dem rechten, völkischen und/oder rassistischen Spektrum zugeneigt sind oder diesem angehören (z.B. wenn es um Runen geht, die Bücher eines Gezas v.N.).
Das sind Dinge, wo meines Erachtens klare Positionierungen wichtig und notwendig sind.
D.h., dass man bei Demonstrationen, wie in Fritzlar, solche Gestalten wie Burghard B. z.B. des Platzes verweist, oder dafür sorgt, das der Hintergrund von Autoren klar dargelegt wird usw. .

Wenn WIR uns nicht klar positionieren, keine ganz klaren Grenzen setzen und klar machen, wer „zu uns“ gehört, und wer nicht, überlassen wir es Gestalten wie Geza v.N. oder Burghard B. wie wir von Nicht-Heiden wahrgenommen werden.
Wer, wenn nicht WIR, hat in der Macht, das Bild des (Neu)Heidentums in Deutschland zu gestalten?

Problematische Berichterstattung
Das Bild des (Neu) Heidentums in Deutschland scheint sich in den letzten Jahren leider nicht wesentlich geändert zu haben.
Hört Normalbürger den Begriff „Heide“, wird die Denke meist immer noch automatisch in eine (oder mehrere) der (sehr stark vereinfacht) vier möglichen (Haupt-)Richtungen gelenkt:

  1. „Ah! Du bist also ungläubig!“
  2. „Mit Nazis will ich gar nichts zu tun haben!
  3. „Schau an! Ich auch!
  4. „Aha… Davon hab ich noch nie was gehört.“

Was mittlerweile hinzukommt, ist eine äußerst fragwürdige Differenzierung zwischen „Neuheidentum/Neopaganismus“ (wahlweise auch ein anderes „neo“/„neu“, wie in den letzten Tagen „Neu“-/„Neo“-Druide) und „Heidentum“.
Wobei sich da leicht getan und argumentiert wird, das „Neu“/“Neo“heiden diejenige sind, die dem rechten Spektrum zuzurechnen seien, und dagegen die (im Großen und Ganzen „unpolitischen“) Heiden abzugrenzen seien.

Diese, in meinen Augen unhaltbare, Differenzierung halte ich deshalb für problematisch, weil unser heutiges Heidentum nur „neu“ (= „neo“) sein KANN.
Die meisten Neuheiden praktizieren heute ein Heidentum, das unserer heutigen Zeit Rechnung trägt und diesem angepasst ist.
Darüber hinaus ist es einfach auch ein Fakt, dass die neuheidnischen Pfade, die sich auf vorchristliche Kulte und/oder Religionen beziehen, in den aller wenigsten Fällen in einer ununterbrochenen Linie überliefert, und uns ihre Worte und Praktiken vollständig erhalten worden wären!
Dh. das was „wir“ rekonstruieren können, muss auch mit Dingen unserer eigenen Mutmaßungen, Schlussfolgerungen und/oder Kreativität gefüllt werden, weil es niemanden gibt, den wir dazu befragen können. Aber das bedeutet eben, dass es nicht mehr dem entspricht, was „unsere“ Altvorderen praktiziert haben, und somit eine Neuschöpfung unserer Zeit ist!
Ich betrachte jeden, der anderes behauptet mit äußerster Skepsis, und ich kann nur jeden/r andere/n ans Herz legen desgleichen ebenso zu tun!

Davon vollkommen abgesehen muss bei solchen Überlegungen auch berücksichtigt werden, dass es heidnische Ausrichtungen bzw. Wege gibt, die sich erst in den vergangenen Jahren, Jahrzehnten oder Jahrhunderten entwickelt haben, bzw. die erst von (inspirierten) Menschen ins Leben gerufen wurden.
Dazu gehört zum Beispiel Wicca oder die gesamte Bandbreite der Göttinnenspiritualität.
Fakt ist, auch wenn es da Heiden und Heidinnen gibt, die mir da heftig wiedersprechen werden, dass diese Pfade nicht uuuuuuuuuurrurururururalt sind, und bis in die Steinzeit in ganz genau DIESER Weise zurückverfolgbar sind! Sie sind in DIESER Zeit geboren worden und haben sich in DIESER Zeit entwickelt.
Sie sind faktisch und in wahrsten Sinne des Wortes, neu!

Im Prinzip bedeutet die Schlussfolgerung, das alles, was sich „Neuheidentum“/“Neopaganismus“ (oder ähnliches) nennt, sei gleichzusetzen mit Rechtsextremismus, rechten Terror usw., diejenigen in eine Rechte Ecke zu stellen, deren gewählter, spiritueller Pfad erst sich erst in „unserer Zeit“ entwickelt hat.

Ich weiß nicht, ob dies Organisationen wie der Amadeu-Antonio-Stiftung, die verantwortlich für die Seite „Netzt gegen Nazis“ ist, und die derlei fragwürdige Definitionen der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen, bewusst ist, oder ob sie diese Tatsache einfach nur zu Gunsten eines bequemen Feindbildes ignorieren.

Doch das Problematische an der Berichterstattung ist eben nicht nur das, was durch fragwürdige Definitionen aus der Linken Szene kursiert, sondern eben, wie bereits geschrieben, natürlich auch das Bild, was „wir“ durch unsere (Nicht)Positionierung in diesen Fragen liefern.
Wollen wir das Bild und die „Beurteilung“ dessen, wer und was „wir“ Heiden sind ändern, dann führt kein Weg daran vorbei, AKTIV zu werden, ganz klare Position zu beziehen, und uns auch der Öffentlichkeit zu stellen, in Diskurs und in die Diskussion zu gehen.
Genauso wichtig ist es aber auch, das wir uns, unseren Umgang mit Nazis, rechtsextremistischen und völkischen Ideologien, Rassismus, Fremdenhass usw. hinterfragen, und in unseren Reihen aufzuräumen.

Gute Beispiele für klare und konsequente Linien geben da Nornirs Ætt, Celtoi e.V., aber auch der Eldaring e.V. und der VfgH (Verein für germanisches Heidentum), und auch wir werden im PanPagan weiter unsere Linie gegen Rechts, gegen Hass und Gewalt vertreten.

 

In diesem Sinne
liebe Grüße
Siat

Mantra, Chant & Affirmation-Ein Versuch der Unterscheidung (Teil 2)

Im ersten Teil dieser Reihe habe ich eine sehr grobe Gegenüberstellung der drei Begriffe gemacht, nun möchte ich etwas in die Tiefe gehen.

Der Chant

Wortherkunft:
engl.:
“chant” = “(feierlicher) Gesang, Kirchenlied, (Lob)Preis, Singsang
to chant” = “(ab)singen”, “(rhthmisch oder im Sprechchor) rufen”.
Die ethymologischen Wurzeln vom englischen “(to) chant” liegen wiederum im Altfranzöschen “chanter” (“singen”, “feiern”, “preisen”), die ihrerseits wiederum vom Lateinischen “cantare” (“singen”) abstammen. (1)

Definition:
Ein Chant ist demnach eigentlich erst einmal ein rhythmischen Sprechen oder Singen von Wörtern, Sätzen oder Tönen, die häufig ein oder zwei Tonhöhen umfassen. Er kann daher bloß Melodie oder auch nur  (rhythmisch) Gesprochen sein.
Chants können sich in der Ausgestaltung Melodie sehr stark unterscheiden. Sie kann sehr einfach gestaltet sein und nur ein paar wenige Noten enthalten, sie kann aber auch höchst komplex sein, wie z.B. bei Gregorianischen Chants.

Die deutsche  Wikipedia (2)  definiert das Chanten “im engeren Sinne” als

das Singen von religiösen Liedern oder Mantren als religiöse Praxis

und “im weitersten Sinne” als:

das Singen einfacher Melodien, bzw. das melodische Sprechen von Texten − oft in Verbindung mit Körperbewegung, Trommeln oder auch Tanz.

Sie unterscheidet das Chanten vom “professionellen Singen” wie z.B. in einem Chor darin, dass das Chanten “leistungsfrei” sei und es dabei

nicht um musikalische Perfektion oder Kunst

gehe, sondern

darum, durch länger andauerndes Wiederholen und die Konzentration auf den Chant und die Gruppe soziale, gesundheitsfördernde und transzendente Wirkungen zu entfalten.

Wenn eine “gesundheitsfördernde” Wirkung, beispielsweise zur Stressreduktion, im Fordergrund steht, wird heute auch gern der Begriff “Heilsingen” verwendet.

 

Verschiedene Varianten des Chantens
Unter dem Begriff “Chant” fallen heute, wie wir sehen können, viele verschiedene Dinge.
Sie können nicht nur religös-spiritueller Natur sein, sondern auch völlig profan.
So gehören Sprechchöre von Fußballfans, die ihre Mannschaft anfeuern ebenso in diese Kategorie, wie Proklamationen auf Demonstrationen oder gar die Rufe eines Auktionators.

 

Chant und Chanting als Teil der relgiösen und spirituellen Praxis
Schaut man sich in der religös-spirituellen Welt um, dann finden wir Chants auf sämtlichen Pfaden.
In den abrahamitischen Religionen ebenso wie im Buddhismus, Hinduismus oder auch Stammesrelgionen oder im (Neu)Heidentum (z.B. Wicca).
Dabei findet natürlich zwangsweise auch eine Überschneidung mit dem Mantra statt, dass “gechantet” wird. Doch dazu mehr an entsprechender Stelle.

Der Chant ist jedoch nicht auf das Mantra beschränkt.
Darunter fällt auch das Rezitieren von heiligen Texten (oder Ausschnitten davon),  Gottesnamen  und ähnliches.

Wie das Gebet kann (muss allerdings nicht 😉 ) das Chanten einen wesentlichen Bestandteil der persönlichen Glaubens-und Religionsausübung, oder der Praxis einer ganzen Gruppe ausmachen.
Manche betrachten das Chanten auch explizit als ein Werkzeug oder Mittel, um die spirituelle Entwicklung eines_r Einzelnen  oder einer Gruppe zu fördern.

Es gibt, je nach Pfad, ganz unterschiedliche Methoden oder “Arten” des Chantes. Z.B. der Obertongesang tibetischer Mönche oder das Kirtan, ein Wechselgesang zwischen einem Vorsänger und “Antwortenden”, das vor allem durch die Bhakti-Bewegung der ISKCON in unseren westlichen Breiten bekannt geworden ist.
Allerdings ist das Kirtan natürlich nicht auf die ISKCON beschränkt sondern stellt eine Praxis dar, die generell im Sanatana-Dharma (3) aber z.B. auch dem Sikhismus bekannt und verbreitet ist.

Der Chant kann darüber hinaus Teil eines Rituals, eines “Gottesdienstes” oder einer Andacht sein, muss es aber nicht zwangsweise.

 

Chants im (Neu)Heidentum und als Teil magisch-spiritueller Praxis
Innerhalb des (Neu)Heidentum erfreuen sich diverse neue und alte Chants großer Beliebtheit.
Sie bilden einen z.T. nicht ganz unerheblichen Teil bei Jahreskreisfesten, Übergangsritualen oder anderen Feierlichkeiten, Ritualen und/oder anderen Treffen.
Zumindest ist es meine Beobachtung, die sicherlich nicht generalisierbar ist, und sich auch von Gruppierung zu Gruppierung, oder auch persönlicher Präferenz stark unterscheidet/unterscheiden können.

Chants helfen vor, während und nach Ritualen dabei, die Gruppe auf das Ritual einzustellen, Energien aufzubauen,  zu fokussieren, auszurichten und schließlich auch zu lenken.
Mit ihrer Hilfe können aufgerufene Energien auch wieder geerdet werden und die Mitglieder einer Gruppe wieder in das “Hier und Jetzt” (zurück) geholt werden .
Die Einsatzmöglichkeiten sind sehr vielfältig.

Im Gegensatz zu Mantren die, wie wir noch sehen werden, von Natur aus eigene Energie(n) besitzen und quasi “geladen” sind, sind Chants eher “Gefäße”, dazu geeignet (“Fremd”- bzw. “Eigen”-) Energien “einzufangen”, zu bündeln, zu halten und zu lenken.
Sie wirken, so gesehen, nicht aus sich selbst heraus, sondern durch und mit Energien, die in sie hineingegeben werden.

Allerdings ist meiner Erfahrung nach auch zu beachten, dass nicht jeder gleich “gut” auf Chants “anspringt” .
Das kann an unterschiedlichen Dingen liegen. Sei es, dass die entsprechende Person sich einfach unwohlfühlt, bisher noch keine Erfahrungen mit Chants gesammelt oder sich schlicht nich fallen und “gehen” lassen kann.

 

Wirkung von Chants
Chants wirken meiner bisherigen Erfahrung nach, vor allem durch die Komponenten Rhythmus, Metrum und Tempo.
Worte sind, wie bereits oben geschrieben, nicht zwingend notwendig, können aber natürlich für den/die eine_n oder andere_n hilfreich sein.
Eine ebenfalls nicht unerhebliche Rolle kann ggf. auch die Tonlage spielen.

Wichtig ist darüber hinaus der Sinn und Zweck, der mit einem Chant verfolgt werden soll.
Für das Aktivieren und die Steigerung eines Energieflusses, nützt es z.B. wenig, das Tempo generell langsam und getragen zu gestalten, sondern es muss (oder sollte 😉 ) sich, dem anpassend, von langsam zu schnell steigern, dann einen Augenblick auf dem Höhepunkt gehalten werden um dann abgegeben und wieder zurück gebracht zu werden, bzw. den Rest der aufgerufenen und gesammelten Energie wieder zu Erden.
Für Letzteres ist z.B. wiederum ein schnelles, “zackiges” und aufputschendes Tempo kontraproduktiv.

Chants können für ganz verschiedene Zwecke verwendet werden, die sich im weitesten Sinn auch mit denen von Mantren überschneiden können.
Neben dem Erwecken und Lenken von Energie kann mit ihrer Hilfe Trance eingeleitet, Visionen hervorgerufen, evoziert oder/und invoziert werden.
Sie können die Gemeinschaft und die Verbundenheit stärken und haben einen sehr starken Einfluss auf die Emotionen.
Nicht zuletzt helfen sie natürlich auch dabei, die Gedanken und auch die Atmung (positiv) zu beeinflussen.

 

Fazit
Bei Chants handelt es sich in erster Linie um das rhythmische Sprechen und/oder Singen von Worten, Texten oder Tönen.
Unterschiedliche religiöse und spirituelle Pfade bedienen sich Chants. Einerseits um positive und angenehme Atmosphören zu schaffen, andererseits um die spirituelle (Weiter)Entwicklung zu fördern, den Geist und die Gedanken zu beruhigen und zu fokussieren.
Doch neben diesen Wirkungsbereichen können Chants auch in unterschiedlicher Weise auf rituell-magischer Ebene eingesetzt werden. Z.B. bei der Erweckung, Steigerung, Speicherung und dem Loslassen von Energie.

Auch wenn sie sich von Mantren und ihren Wirkungsweisen z.T. erheblich unterscheiden, so sind sie hervorragende Werkzeuge, mit denen es sich lohnt sich näher auseinander zu setzen und spielerisch mit ihnen zu experimentieren.

 

 

Beispiele für populäre heidnische Chants

Element Chant
The earth
The air
The fire
The water
Return, return, return, return

 

Goddess Chant
Isis
Astarte
Diana
Hekate
Demeter
Kali
Inanna

 

Triple Goddess Chant
Honored maiden huntress Artemis, Artemis,
New moon come to us.

Silver shining wheel of radiance, radiance,
Mother come to us.

Honored queen of wisdom Hecate, Hecate
Old One come to us.

 

Ende Teil 2
Siat


1-Online Etymology Dictionary
2-Wikipedia: Chanting
3-Eigenname des Hinduismus