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Devi Mahatmya Stotra Ashtakam

Das Devi Mahatmya gehört neben der Shrimad Devi Bhagavatam Purana zu den wichtigsten Schriften der Shaktas, den VerehrerInnen der Göttin im Sanatana Dharma.
Das Devi Mahatmyam besteht aus 13 “Gesängen”/Hymnen, die einen Teil der Markandeya-Purana bilden, einer Schrift die (wie im Grunde alle Puranas) in Dialogform geschrieben wurde.
Die Hymnen des Devi Mahatmyam beschreiben einerseits die Herrlichkeit der Göttin und andererseits Ihren Kampf gegen Unwissenheit und Übel in der Welt, das durch verschiedene Asuras (1) , Gegenspieler der Devas (2), versinnbildlicht wird.
Dabei spielen verschiedene “Inkarnationen” der Göttin (meist Durga oder Kali) eine Rolle.
Diese Hymnen spielen in der Verehrung der Göttin und bei Ihren Ritualen eine sehr wichtige Rolle. So werden sie in Auszügen oder auch komplett rezitiert, bzw. gesungen.
Navratri, die neun heilgen Nächte der Göttin, die (je nach Pfad) vier bis fünfmal im Jahr stattfinden, sind eine Zeit, in der traditionell das Devi Mahatmyam rezitiert wird.
In welcher Weise dies geschieht, ist ebenfalls nach Tradition und Pfad recht unterschiedlich. Doch darauf werd ich in anderen Artikeln eingehen.
Da das Rezitieren des gesamten Devi Mahatmyams einen nicht zu unterschätzenden Zeitaufwand bedeutet (vor allem wenn man bedenkt, was für vorbereitende Maßnahmen ggf. noch vorgenommen werden), ist eine beliebte Variante die Rezitation des Devi Mahatmya Stotra Ashtakam.
Diese Hymne fasst die Geschichten, die in den dreizehn Kapiteln des Devi Mahatmya erzählt werden in einem Oktett zusammen (in der Übersetzung lässt es sich jedoch leider nicht umsetzen).

Passend zum jetzigen Frühlings-Navratri möchte ich Euch gern eine deutsche Übersetzung präsentieren.
Die Übersetzung des Devi-Mahatmyam von Sanskrit in Englisch von P.R. Ramachander findet Ihr im Übrigen hier KLICK.


Lakshmeese yoga nidhram prabhajathi bhujaga
Deesa thalpe sadad pad
Vuthpannaou dhanavou thachra vana mala mayangaou
Madhum kaidabham cha
Drustwa bheethasya dhathu stuthibira binutham,
Masu thou nasayantheem
Durgam deveem prapadye saranamaha,
Masesha apadan unmoolanaya.

Vishnu auf der Schlange Shesha, Brahma auf dem Lotus, Adi-Shakti und die Asuras Madhu und Kaidabha Quelle: exoticindiaart.com (Klick a. Bild)

Einstmals,
als der Gebieter Lakshmis
im tiefen Yoga-Schlaf versunken war
auf Seinem furchteinflößenden Schlangenbett,
und die urzeitlichen Dämonen Madhu und Kaidabha,
hervorkamen aus Seinem Ohrenschmalz
und Brahma, den Schöpfer, zum Erzittern brachten,
Erhörtest Du, Oh Durga, Seine Gebete
und tötestest sie beide.
Und so falle ich zu Deinen Füßen
für die Lösung all meiner großen Probleme.

 

Yudhe nirjithya daithya stribhuvanamakilam,
Yastha deeyeshu dishnyai,
Shwasthapya swan vidheyan swayamagama Abhasou,
Sakratham vikramena,
Tham saamapthyaptha mithram mahisha mapi niha
Thyasya moordhathi roodam,
Durgam deveem prapadye saranamaha,
Masesha apadan unmoolanaya.

Durga als Mahishasuramardini; Künstler: unbekannt, frühes 16.Jhd.; Quelle: wikimedia.org (Klick a.Bild)

Als der große Dämon Mahisha,
der Indra, den Herrn aller Devas, im Kampf besiegte,
und durch seine Fähigkeiten alle drei Welten zu seinen Sklaven machte,
und seine Untergebenen einsetze, um über sie zu herrschen,
tötestest Du, Durga, ihn zusammen mit seiner Armee,
seinen Ministern und Freunden.

Und so falle ich zu Deinen Füßen
für die Lösung all meiner großen Probleme.

 

Viswothpathi pranasa sthithi vihruthi pare,
Devi Gora marari,
Thrasath thratham kulam na punarapi cha maha
Sankadeshwi diseshu,
Avirbhooya purasthadithi chararana namath,
Sarva geervana vargam,
Durgam deveem prapadye saranamaha,
Masesha apadan unmoolanaya.

Hey, Göttin Durga,
Die Du im Akt der Schöpfung versunken bist
in der Erschaffung, Erhaltung und Zerstörung des Universums,
Hey, Göttin,
die Du die Verkörperung des Lichtes bist,
die Götter und Devas appelierten an Dich:
“Du hast uns vor der Gefahr errettet,  Mutter,
die der große Rakshasa (3) mit seinem Krieg darstellte,
und wir beten, dass Du unsere Früchte
in Zukunft ebeso rettest, wie heute.”
Und Du pflichtetest Ihnen bei.
Und so falle ich zu Deinen Füßen
für die Lösung all meiner großen Probleme.

 

Hanthum Shumbham Nishumbam tridasa gana nutham, Hemadolam himadri,
Aarudaam vyuda darpan yudhi nihatha vathim,
Dhoomra drik chanda mundane,
Chamundakhyamdhadanam upasamitha maha,
Raktha beejopasargam,
Durgam deveem prapadye saranamaha,
Masesha apadan unmoolanaya.

Dem Gebet der Göttern beipflichtend
kamst Du zu den verschneiten Bergen,
auf einer goldenen Schaukel
und tötetest die stolzen Dämonen von Shumbha und Nishumba,
nachdem Du Dhommraksha, Chanda und Munda getötet hattest.
Du wurdest gerufen udn gepriesen als Chamunda,
und Du tötetest auch die große Übel Rakthabeeja,
Und so falle ich zu Deinen Füßen,

für die Lösung all meiner großen Probleme.

Durga tötet Rakthabeeja, während Kali sein Blut trinkt. Quelle: exoticindiaart.com (Klick Bild)

 

Brahmesa skanda Narayana kiti,
Narasimhendra Shakthi swa bruthya,
Kruthwa hathwa nisumbam jitha vibutha ganam,
Trasitha sesha lokam,
Eki bhooyada shumbham rana sirasi niha
Tyasithamatha Gadgaam,
Durgam deveem prapadye saranamaha,
Masesha apadan unmoolanaya.

Du tötestest Shumbha,
der über alle Devas herrschte,
in dem Du die Shaktis von Brahma,
Skanda, Narayana, Narashima,
Varaha und Indra zu Deinen Gehilfinnen machtest
und dann alle in Dir vereintest.
Und Du tötestest Nishumbha in einem schrecklichen Krieg
Und so falle ich zu Deinen Füßen,
für die Lösung all meiner großen Probleme.

Saptamatrika; Quelle: exoticindiaart.org (Klick Bild)

 

 

Uthpanna nandajethi swayam avani thale,
Shumbamanyam Nishumbham,
Bramaryakya Arunakhyam punarapi janani,
Durgamakhyam nihanthum,
Bheema, Sakambareethi, truti tharipu Gata,
Raktha danthethi Jaa thaam,
Durgam deveem prapadye saranamaha,
Masesha apadan unmoolanaya.

Du wurdest als Tochter des Königs Nanda geboren,
Auf dieser Heiligen Erde,
um die Rakhasas Shumbha und Nishumba zu töten,

Bhramaramba (Bhramari), Mutter der Bienen; Quelle: Maa Vaishnavi.com (Klick Bild)

und Du wurdest als Biene geboren, um den Asura Aruna zu töten
und wieder wurdest Du geboren, als Heilige Durga,
um den Asura zu töten, der Durgama genannt wurde.
Du warst berühmt als Bheema, als Du die Asuras in Deiner Raserei verschlangst.
Du warst bekannt als Sakambhari, als Du Speise auf Deinem Körper wachsen liest, für die tausenden Verhungernden,
während einer großen Hungersnot.
Und Du warst auch bekannt under Rakthadantha,
weil Du die Asuras Vipra und Chitha verschlangst.
Und so falle ich zu Deinen Füßen,
für die Lösung all meiner großen Probleme.

Shatakshi/Sakambhari, die Göttin mit unzähligen Augen, die den Menschen Wasser und Nahrung brachte, damit sie nicht verhungern. Quelle: exoticindiaart.com (Klick Bild)

 

Tri giunyaanam gunaanaam anusarana kala
Keeli naanavatharai,
Tri lokya trana seelaam dhanuja kula vanee,
Vahnee leela saleelaam,
Deveem sachinma mayeem tham vit haritha vinamath,
Sathree vargaaapavargaam,
Durgam deveem prapadye saranamaha,
Masesha apadan unmoolanaya.

Du bist alle drei Gunas in einer vereint,
Du spielst Dein göttliches Spiel in verschiedenen Gestalten,
Du achtest auf alle drei Welten,
Du raffst kinderleicht die Asuras hinweg,
mit der Heftigkeit eines Wirbelsturmes in einem Wald
Du bist die Verkörperung von allem, was gut ist
für die, die sich vor Deinen Füßen in Demut verneigen
Du gewährst ihnen alles, was sie ersehnen
hier und danach.
Und so falle ich zu Deinen Füßen,
für die Lösung all meiner großen Probleme.

 

Navdurga4
Durga und die sieben Matrika; Künstler/Artist: unbekannt

Simharoodam trinethraam kara thala vilasath,
Sankha chakrasi ramyam,
Bhakthabeeshta pradathreem ripu madana kareem,
Sarva lokaika vandhyam,
Nana alankara yuktham sasi yutha makutam,
Syamalangeem krusangeem,
Durgam deveem prapadye saranamaha,
Masesha apadan unmoolanaya.

Sie, die auf einen Löwen reitet. Sie, die drei Augen hat.
Sie, die ein Muschelhorn und das Wurfrad mit bezaubernder Anmut trägt.
Sie, die die Bitten Ihrer Verehrer erfüllt.
Sie, die Ihre Feinde vernichtet.
Sie, die in allen Welten verehrt wird.
Sie, die in Vollkommenheit gekleidet ist.
Sie, die den  Mond an Ihrer Krone trägt.
Sie, die von schwarzer Farbe ist
Sie, die von schlanker Gestalt ist.
Ich falle zu Deinen Füßen,
für die Lösung all meiner Probleme.

 

Trayaswa swamin ithi tri bhuvana janani,
Prarthana twayya partha,
Palyanth abhyarthanayam bhagawathi sisava,
Kinnvananya jananya,
Tathubhyam syannamasyethya vanatha vibhdha,
Ahladhi veeksha visargam,
Durgam deveem prapadye saranamaha,
Masesha apadan unmoolanaya.

Adi-Parashakti und die Trimurti (Dreiheit) von Brahma, Vishnu und Shiva als Ihre Kinder. Künstler/Artist: unbekannt;
Adi-Parashakti und die Trimurti (Dreiheit) von Brahma, Vishnu und Shiva als Ihre Kinder. Künstler/Artist: unbekannt;

“Es besteht keine Notwendigkeit, oh Durga, Dich zu bitten
uns zu beschützen und zu retten,
denn hat die Mutter, von der sie allein abhängen,
jemals ein Bitten gebraucht.
Und so grüßen wir Dich”,
so beten die Götter zu Dir.
Und so falle ich zu Deinen Füßen,
für die Lösung all meiner großen Probleme.

 

Etham santha padanthu sthavam akhila vipa,
Jjala thoolana labham,
Hrinmoha dwantha bhanu prathima makhilam,
Sankalpa kalpa dru kalpam,
Dowrgam dowargathya goratha pathu hina kara,
Prakhya mam ho gajendra,
Sroni panchasya desyam Vipula bhayadha
Kaalahitha tharkshya prabhavam.

Lass dieses Gebet an die Göttin Durga sein
wie ein Wind für ein Baumwoll-Bündel der Sünden
wie eine Sonne für den stockdunklen Verstand
wie der alle Wünsche erfüllende, göttliche Baum,
wie der kalte Mond für die glühende Hitze der Not,
wie ein Löwe vor der Elefantenherde der Sünden,
und wie ein furchterregender Adler vor dem König der Kobras.
Rette uns vor allen Gefahren,
und lass dieses von allen Verehrern immer gesungen werden.

 

 

Adi-Parashakti; Künstler/Artist: unbekannt.
Adi-Parashakti; Künstler/Artist: unbekannt.

 


 

1- “Dämonen”; Gegenspieler der Devas mit eifersüchtige und neidische Charakter, die gegen die lichtvollen Devas kömpfen.

2-sanskr. wörtl.: “Gott”; es handelt sich hierbei nach verschiedenen Vorstellungen um Götter/Göttinnen (=Devis), die dem höchsten Göttlichen dienen, die dem Rad der Wiedergeburt unterworfen sind und/oder um Halbgötter

3-Dämonen bzw. nächtliche Geister, die häufig in Tiergestalt oder Mischwesen zwischen Menschen und Tieren erscheinen. Obwohl sie in der Regel von bösem Wesen sind und Menschen und Göttern eher feindlich gesonnen sind, können verschiedene Rakshasas auch das gute Unterstützen und sich als besonders tugendhaft und kultiviert zeigen.

Navratri-Die neun heiligen Nächte der Mutter (Teil 8)

Traditionen und Bräuche
Von den vielen Traditionen und Bräuchen, die es je nach Bundesland, Bevölkerungsgruppe (und -schicht) aber auch hinduistischer Strömung gibt, möchte ich nur auf ein paar ausgewählte eingehen.

Ältestes erhaltenes Manuskript des Devi Mahatmyams auf Palmenblättern, Bihar oder Nepal, 11. Jahrhundert; Quelle: Wikipedia.de

Rezitation des Devi-Mahatmyams
Eine der wohl essenziellsten Praktikenn Navratris ist die Rezitation des kompletten Devi-Mahatmyams.
Das Devi-Mahatmyam ist eigentlich Teil der Makandeya-Purana und besteht aus dreizehn Kapiteln. Es beschreibt einerseits das Wirken der Göttin Adi-Parashaktis in unterschiedlichen Formen, aber auch, in seiner tieferen Bedeutung, die Wanderung der menschlichen Seele.
Die dreizehn Kapitel sind in drei Abschnitte unterteilt und entsprechend ihrer Bedeutung für die Entwicklung der Seele und der Veränderungen auf der spirituellen Reise Maha-Kali, Maha-Lakshmi und Maha-Sarasvati zugeordnet sind. Sie stellen die Kräfte dar, die im menschlichen Geist während seiner spirituellen Reise wirken und sich in ihm manifestieren.

Die Rezitation des Devi-Mahatmyams wird meist unter Einhaltung bestimmter Regeln und Methoden begangen, die sich jedoch von Tradition zu Tradition unterscheiden.
Zu den unterschiedlichen Methoden gehören z.B.
1. die Rezitation des kompletten Textes an einem Tag (kann mehrere Stunden in Anspruch nehmen)

2. die Aufteilung der Kapitel an verschiedenen Tagen:

Tag 1 Kapitel 1
Tag 2 Kapitel 2-3
Tag 3 Kapitel 4
Tag 4 Kapitel 5-8
Tag 5 Kapitel 9-10
Tag 6 Kapitel 11
Tag 7 Kapitel 12-13

3. die tägliche Rezitation nur des 2.-4. Kapitels

4. die tägliche Rezitation der Devi-Mahatmya Stothra Ashtakam, d.h. eine Zusammenfassung des Devi-Mahatmyams in acht Strophen.

Der Rezitation des Devi-Mahatmyams werden entsprechend der Wiederholungszahl unterschiedliche “Früchte” oder Ergebnisse zugesprochen.
So soll z.B. das 3-fache wiederholen dabei helfen, sich von schwarzmagischen Einflüssen zu befreien. Fünfzehn Wiederholungen sollen zu einem angenehmen Leben und Reichtümern verhelfen und bei der Vollendung von 1000 Wiederholungen soll die Göttin Lakshmi erscheinen und allen Reichtum und Wohlstand den man sich wünschen kann, schenken.

Doch es sind dazu noch weitere Regeln zu beachten.
So z.B. dass bestimmte Manten vor und nach jedem Vers gesprochen werden sollen, oder dass vor und nach dem Lesen des Devi Mahatmyams 100 Mal das sog. Tryambaka-Mantra (1)  rezitiert werden soll.
Die Möglickeiten sind da sehr sehr vielfältig.
Auch die Kombination mit einem sog. Vrata kommt vor, besonders dann, wenn man sich die Erfüllung eines bestimmten Wunsches erhofft.

 

Tanz
Vor allem in Gujarat und Mumbai sind Tänze Teil der Feierlichkeiten.
Der sog. Garba ist ein ritueller Tanz, der während des Pujas (dem Ritual) vor der Darbringung der heiligen Flamme zu Ehren der Göttin vorgeführt wird, und ein Kreistanz (traditionell von Frauen) um eine in einem tönerden Gefäß brennende (Öl)Lampe/Kerze oder einer Statue der Göttin ist.

Garba; Quelle: Kathiyavad
Dandiya; Quelle: QuoteKo.com

Das Licht der Lampe stellt das Leben dar und den Fötus im Leib der Mutter. Der Tanz ist damit auch ein Teil der Verehrung des Lebens, der Schöpfung und der Zyklen des Seins.

Ein anderer, nach dem Puja als Teil der anschließenden Feierlichkeiten vorgeführter Tanz ist der Dandiya.
Der Dandiya war ursprünglich den Männern vorbehalten und diente dem Training von Kampftechniken z.B. mit dem Schwert.
Die heute benutzen farbenprächtigen Stäbe sind die Überbleibsel des Schwertes. Erst später kam Musik hinzu und er öffnete sich auch für Frauen.

 

Kalash Sthapana
Am ersten Tav von Navratri wird ein tönerdes oder metallenes Gefäß (Kalash) für den Hausschrein oder einen eigens dafür hergerichteten Altar(raum) vorbereitet, in den die Göttin invoziert wird.

Kalasha und Gersten-Schößlinge; Quelle: ekunji.com

In manchen Regionen ist es auch Brauch, auf dem Altar bzw. im Schrein etwas feuchte Erde auszubreiten  und dort Getreide (meist Gerste) auszusäen, die in den neun Tagen gehegt werden, bis sie sprießen. Die Sprößlinge werden am letzten Tag sog. Prasada (2) an Familienmitglieder und/oder Teilnehmer der Heim-Puja verteilt.

In anderen Regionen werden die Sprößlinge auch in tönernden Gefäßen, in die feuchte Erde getan wurde,  gezogen.

 

Die Verbrennung Ravanas
Einer der Bräuche am letzten Tag von Navratri ist die Verbrennung des Dämonens Ravana.
Sie symbolisiert den Sieg Ramas über den Dämonen und damit den Sieg über das Böse in der Welt.
Dazu werden z.T. riesige hölzerne Nachbildungen des Dämonenkönigs gebaut, die dann entzündet werden, doch auch im Kleinen zu Hause werden, Feuer entzündet und Nachbildungen des Dämons verbrannt.
Ein wenig erinnert diese Tradition an die Sonnenwendfeuer in unseren Breiten 😉 .

 

Sarasvati-Puja; Quelle: Paradise found

Sarasvati-Puja
Die letzten drei Tage von Navratri sind Saraswati geweiht.
An diesen Tagen finden unterschiedliche Rituale statt, um den Segen der Göttin der Weisheit, der Erkenntnis, des Lernens und der Künste zu erbitten.
Doch nicht nur Schüler, Studenten, Künstler o.a. widmen sich an diesem Tag besonders Ihrer Verehrung, sondern die Angehörigenaller Berufsgruppen.
Es ist auch die Zeit, in der Kinder zwischen 4 und 5 Jahren in einem rituellen Rahmen ihre erste Einweihung ins Schreiben und damit in den Beginn des Lernens erhalten.

 

Doch wie zu Beginn gesagt, dies sind nur Beispiele für die Traditionen und Bräuche, die mit Navrati in Verbindung stehen.
Auch wenn es viele Überschneidungen in den unterschiedlichen Bundesländern Indiens gibt, gibt es doch auch genauso viele Unterschiede.
Die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe innerhalb des Hinduismus spielt darüber hinaus natürlich ebenso noch eine Rolle wie der gesellschaftliche Status.
Aber ich hoffe, es mir gelungen, einen kleinen Einblick in dieses wundervolle Fest zu Ehren der Großen Göttin Indiens zueröffnen.

Siat


1 – Ein Mantra Shivas
2 – geheiligte Speise

Navratri – Die neun heiligen Nächte der Mutter (Teil 6)

Der Tag des Sieges-Vijayadashami
Vijayadashami oder Dusshera/Das(h)ara markiert das Ende der Feierlichkeiten zu Ehren der Großen Mutter.
Es findet am 10. Tag statt und wird im großen Stil als Tag des Sieges des Guten über des Bösen, des Lichtes über die Dunkelheit begangen.
Die Bedeutung des Namens Dusshera ist recht vielfältig.
Zum einen hat er den Bezug zu einem anderen Mythos bezüglich des Gottes Rama, der den zehnköpfigen Dämon (Dashanan-)Ravana (dessen zehn Köpfe zehn Frevel symbolisieren) besiegt, weswegen sich der Name in diesem Zusammenhang von dasha-hara (=”Hinwegnehmen/Besiegen der Frevel”) abgeleitet wird.
Eine weitere Ableitung folgt vom Wort “ahaha”(=”Tag”).
Dasharahaha/Dasharaha bezieht sich damit auf die neun Nächte und zehn Tage, an denen die Göttin in unterschiedlichen Inkarnationen mit den Dämonen kämpfte.
Der zehnte Tag markiert dabei den Siegenstag, an dem Durga den Dämon Mahishasura besiegte.
Auf den Sieg der Göttin bezieht sich auch der Begriff “Vijayadashami”, der “Sieg am 10. Tag des (Mond-)Monats”. Als “dashami” (=”zehn”) wird wörtl. der zehnte Tag im Monat des hinduistisch-vedischen (Mond-)Kalenders bezeichnet, und “vijaya” wird übersetzt mit “Sieg” und “Triumph”.

An Vijayadashami wird außerdem die Heimkehr von Mutter Durga gefeiert.
Eine Legende erzhält davon, dass Adi-Parashakti als Sati, die Tochter des Königs Daksha, dem Herrn der Erde, und seiner Gattin Prasuti geboren wurde. Sati begann bereits als Kind, Shiva als Ihren zukünftigen Gatten anzubeten und zu verehren. Shiva, der von Ihrer Hingabe höchst angetan und erfeut war, heiratete später Sati. Daksha, der von Anfang an gegen die Heirat war, konnte dies natürlich nicht verhindern. Verärgert ließ Daksha ein rituelles Feuer vorbereiten und lud dazu jeden ein außer Shiva.

Sita Verbrennt sich selbst im Opferfeuer;  Künstler/Artist: unbekannt/unknown
Sita Verbrennt sich selbst im Opferfeuer; Künstler/Artist: unbekannt/unknown

Sati, die zutiefst beschämt von dem Verhalten Ihres Vaters und erzürnt über diese Beleidigung war, suchte Ihren Vater gegen den Rat Ihres Gatten auf. Bestürzt über weitere Beleidungen Ihres Vaters, stürzte Sie sich in die Flammen des Opferfeuers.

Als Shiva von Tod Seiner geliebten Frau wurde er rasend und blind vor Zorn, Schmerz und Trauer.
Er verließ augenblicklich den Berg Kailash.
Als Er den Palast seines Schwiegervaters erreicht hatte, zerstörte Er in Seiner Raserei das Opferfeuer und schlug seinem Schwiegervater Daksha den Kopf ab.

Shiva nimmt den leblosen Körper Satis auf und zerstört Dakshas Opferfeuer; Künstler/Artist: unbekannt/unknown.
Shiva nimmt den leblosen Körper Satis auf und zerstört Dakshas Opferfeuer; Künstler/Artist: unbekannt/unknown.

Aus den Überresten des Feuers und der Flammen hob er den leblosen Körper Satis und begann dann Seinen vor Trauer und Schmerz überwältigt, Seinen Tanz der Zerstörung. Als Shiva, als Höchste Macht, voller Zorn mit Seinem Tanz die Welten zum wanken und an den Rand der vollkommenen Zerstörung brachte, flehten die Götter Vishnu an, etwas zu unternehmen.
Also machte sich dieser auf und zerteilte den Leichnam Parvatis mit Seinem Wurfdiskus, der auf den Schultern des noch immer rasend tanzenden Shiva ruhte.
Ihre einzelnen Teile vielen von Seinen Schulter und verteilten sich über ganz Indien. Und dort, wo Sie nieder fielen, entstanden heilige Plätze, die Adi-Shakti geweiht sind, die sog. “Shakti Peethas” (1) .

Trauernder Shiva; Künstler/Artist: unbekannt/unknown; Quelle: flickr.com
Trauernder Shiva, Parvati tragend; Künstler/Artist: unbekannt/unknown; Quelle: flickr.com

Als das letzte Stück von Ihr von Seinen Schultern gefallen war, wurde Shiva ruhiger, und Er zog sich als Asket in die Einsamkeit des Himalaya zurück um sich in tiefer Meditation zu versenken.

Parvati wurde von Vishnu wieder in Ihrer ursprünglichen Gestalt Adi-Shaktis wieder erweckt.
Als Sie in Ihrer nächsten Inkarnation als Shailaputri (Parvati) wiedergeboren und Shiva wieder als Ihren Gatten gewonnen hatte, bat Vishnu den Höchsten der Göttlich darum, Daksha zu vergeben.
Seit dem ist der Frieden wieder hergestellt, und Durga besucht seit dem zusammen mit Ihren Kindern Skanda und Ganesha, und Ihren Shaktis Jaya und Vijaya, jedes Jahr im Herbst Ihre Eltern.

Vijayadashami markiert den Beginn der Ernte-Zeit, und die Muttergöttin wird angerufen, um die Fruchtbarkeit und die Kraft der Erde und des Bodens zu erneuern. Das geschieht mit vielen verschiedenen Ritualen, in denen die kosmischen Kräfte der Göttin an- und hereingerufen werden, um den Erdboden zu verjüngen.
Überall in Indien und Teilen angrenzender Länder wie Nepal finden große Feierlichkeiten und Speiseopfer für die Götter statt, sowohl zu Hause als auch in den Tempeln.
Dieser Tag gilt komplett als ein günstiger und segensreicher Tag. Alles, was an ihm angefangen wird, steht, so wird gesagt, unter dem Segen und dem Wohlwollen der Höchsten Göttin und der kosmischen Kräfte.

Der zehnte und letzte Tag von Navrati stellt den Höhepunkt der Festivitäten zu Ehren der Mutter des Universums dar.
Begleitet unter Jubel, Musik und Gesang werden die Statuen der Göttin aus Ihren zum Teil extra angefertigten Schreinen hinaus ans Licht gebracht, was sowohl den Sieg der Kräfte der Rechtschaffenheit und des Guten über die Mächte des Bösen und des Frevels symbolisert, als auch die Wiederherstellung des Gleichgewichtes und der Ordnung im Universum.
Die Statuen werden dann in Prozessionen zu Flüssen oder hin zum Meer gebracht und unter Jubel den Wassern übergeben.
Mit der Versenkung der Statuen wird die Göttin bis zum nächsten Navratri verabschiedet.

Doch die Feierlichkeiten sind damit noch nicht (ganz) zu Ende.
Je nach Region und Traditonen ist auch Vijayadashami mit vielerlei Bräuchen und weitern Ritualen verbunden.
Z.B. ersuchen die Jüngeren von den Älteren Ihren Segen, in dem sie sich zu deren Füßen niederbeugen und diese berühren, im Gegenzug werden sie von diesen gesegnet.
Und in manchen Gegenden gehen die Kinder (ähnlich wie an Halloween) von Tür zu Tür, und sammeln von Nachbarn und Verwandten Süßigkeiten.

Natürlich ist diese Artikelreihe nur ein kleiner Überblick über dieses, im großen Stil überall in Indien gefeierte Fest.
Der letzten Teile, die noch folgen, werden sich mit dem Durga-Puja, einer der wichtigsten Festivitäten während Navrati, und unterschiedlichen Ritualen rund um dieser heiligen Zeit beschäftigen.

Siat
Ende Teil 6


1-wrtl.: “Sitz der Shakti”; es werden 4-51 Peethas benannt, an denen jeweil ein Körperteil oder Schmuckstück Satis niederfiel. An jedem dieser Orte wird Adi-Shakti Sati in Form einer anderen Göttin verehrt, immer auch begleitet von Ihrem Gatten Rudra-Shiva. 

Navratri – Die neun heiligen Nächte der Mutter (Teil 5)

Die Navdurgas
Tag 7-9 (Maha-Sarasvati)
Die letzten drei Nächte sind Maha-Sarasvati geweiht, der Göttin, die (spirituellen) Erkenntnis,  Einsicht und Weisheit schenkt, die (u.a.) aus dem Sieg über die (eigenen inneren) Dämonen erwächst.

Ma Kalaratri; Künstler/Artist: unbekannt/unknown; Quelle: Dharma Vidya
Ma Kalaratri; Künstler/Artist: unbekannt/unknown; Quelle: Dharma Vidya

7. Kalaratri कालरात्रि 
Der Name setzt sich zusammen aus kala/i und ratri (=”Nacht”, “Dunkelheit und Stille der Nacht”). Kala/i bedeutet auf der einen Seite “dunkel, schwarz, dunkel-blau, von dunkler Farbe” auf der anderen Seite jedoch auch “Nacht” “Zeit”, “(Erd-)Zeitalter”, Zeitraum”, “Tod”, “Ende”.
Entsprechend vielfältig wird der Name Kalaratris als “Dunkle/schwarze Nacht”, “Ende der Dunkelheit/Nacht” übersetzt. Weitere Übersetzungen sind auch “Die jenige, die der Tod des Gottes des Todes (=Kala) ist”, “Diejenige, die der Tod der Zeit ist”, “Nacht der Zerstörung am Ende der Welt” und “Nacht der alles-vernichtenden Zeit”.

Kalaratri gilt als aggressivste, gefährlichste und zerstörerischte Kraft von Adi-Shakti und damit Form von Parvati/Durga.
Sie ist eine Kriegsgöttin wie Chandraghanta, Katyayani und Durga, und gilt häufig auch als eine Gestalt der Göttin Kali.
Das Devi-Mahatmyam erzählt davon, dass Parvati als Jagadamba inkarnierte, um den Dämonen Raktabeeja zu töten. Als Sie ihn sah, wie er überheblich mit seiner Macht angab, und die Götter, Göttinnen, Menschen und alle anderen Lebewesen bedrohte, wurde Sie sehr wütend und aus Ihrer Stirn entsprang Kali, um den Dämon und all seine Klone (die durch seine Blutstropfen während der Kämpfe entstanden waren) zu vernichten. Und das tat Sie, in dem Sie sein herabfallendes Blut trank, während Sie ihn und seine Klone köpfte.
Es wird auch erzählt, dass Parvati sich einst, nachdem Sie von Shiva wegen Ihrer dunklen Hautfarbe geärgert worden war, asketischen Übungen unterzog, um von Brahma einen Wunsch gewährt zu bekommen. Als Er Ihr erschien, bat Sie Ihn darum, Ihre dunkle Hautfarbe in eine helle, goldfarbene zu verwandeln.
Er gewährte Ihr den Wunsch, und aus Ihrer dunklen Haut entstand die schöne, dunkle Göttin Kaushiki.
Als die Welt und die Götter von Raktabeeja und seinen Abbildern bedroht wurden, zog Kaushiki mit Kali in den Kampf, und während Kaushiki die Dämonen tötete, verschlang Kali ihr Blut.
Im Devi-Mahatmyam wird Kalaratri auch mit Bhairavi gleichgesetzt.
Parvati inkarnierte in dieser Form auch, um die Dämonen Chanda und Munda zu vernichten. Daher trägt Sie auch den Namen Chamunda.

Sie ist immer bereit für den Kampf, für Krieg und Zerstörung. Ihr Kampf gilt den Dämonen, Monstern, bösen Geistern und allen negativen Kräften, die alle Lebewesen bedrohen.
Trotz Ihrer Brutalität, Aggressivität und furchteinflößenden Erscheinung gilt Kalaratri (auch) als eine liebende und sich um Ihre Kinder sorgende Mutter (-Göttin), die diejenigen reich segnet, die Sie verehren. Deswegen wird sie auch Shubhankari (“Die, die Gutes tut”) genannt.
Sie ist diejenige, die alle Ignoranz und alle Illusionen zerstört, die jegliche Finsternis hinwegnimmt und lehrt, dass das Leben auch eine dunkle Seite hat.

Der Planet, der astrologisch mit Kalaratri verbunden wird, ist Saturn.
Das Ihr zugeordnete Chakra ist das 7. oder Scheitel-bzw. Sahasrara-Chakra.

Ikonographie
Kalaratri wird vierarmig und in der Regel auf einem Esel reitend dargestellt.
In Ihren Händen  trägt Sie häufig Dreizack, Schwert, Krummsäbel und eine Waffe aus Dornen.
In anderen Darstellungen trägt Sie in Ihren linken Händen Krummsäbel und die Waffe aus Dornen, während die rechten Hände die Gesten der Wunschgewährung und des Schutzes.
Sie trägt häufig einen schwarzen Sari oder ist in ein Tigerfell gekleidet. Um Ihren Hals trägt Sie wie Kali eine Kette aus Menschenschädeln, die die Buchstaben des Sanskrit-Alphabetes repräsentieren.
Andere Dastellungen zeigen Sie auch mit einem Gürtel aus menschlichen Armen,  einem Schmuck Blitzen oder auch auf einem Leichnam sitzend.
Die Stirn Kalaratris ist von einem Dritten Auge geziert, Ihre schwarzen Haare stehen wild von Ihrem Kopf ab und Ihre Augen sind weit aufgerissen und (manchmal) blutunterlaufen.

Ma Mahagauri; Künstler/Artist: unbekannt/unknown; Quelle: Dharma Vidya
Ma Mahagauri; Künstler/Artist: unbekannt/unknown; Quelle: Dharma Vidya

8. Mahagauri महागौरी 
Nachdem Parvati Ihre dunkle Hautfarbe durch die Erfüllung Ihres Wunsches durch Brahma abgelegt hatte, strahlte Ihre Haut hell-weiß, manche sagen auch golden.
Aus diesem Grunde erhielt Sie den Namen Maha (=”groß”, “mächtig”) Gauri (=”weiß”, “hell”, “hübsch”, “schön”, “liebreizend”).
Eine andere Legende besagt, dass Parvati in Ihrer Inkarnation als Shailaputri ein wundervolles und strahlendes Mädchen, mit einer sehr hellen Haut gewesen sei, weswegen Sie Mahagauri genannt wurde.
Von einem anderen Mythos wird berichtet, dass die Haut Parvatis nach Ihren langen Jahren als Asketin durch Staub und Erde dunkel geworden war. Als Shiva Sie im Gangeswasser wusch, erhielt Sie Ihre strahlend weiße Körperfarbe wieder und ist seit dem  unter dem Namen bekannt.

Auf Grund Ihrer weißen Hautfarbe wird sie mit der weißen Meeresschnecke, dem Mond und der Jasminblüte verglichen.

Mahagauri wird mit dem aufsteigenden Mondknoten und dem sogenannten Soma-Chakra (1) in Verbindung gebracht.

Ikonographie:
Mahagauri wird mit weißer Körperfarbe, vier Armen und auf einem weißen Bullen reitend dargestellt. Auch Ihr Sari ist weiß, selten auch rosa.
In Ihren drei Händen trägt die Göttin Dreizack, Dhamaru (eine Trommel), einen Lotus und die vierte ist in der Geste der Furchtlosigkeit vorgestreckt.
In manchen Darstellungen trägt Sie auch nur Dhamaru und Dreizack, während Sie mit den anderen Händen die Geste der Furchtlosigkeit und der Wunschgewährung zeigt.

Ma Siddhidatri; Künstler/Artist: unbekannt/unknown; Quelle: Dharma Vidya
Ma Siddhidatri; Künstler/Artist: unbekannt/unknown; Quelle: Dharma Vidya

9. Siddhidatri सिद्धिदात्री 
Der Name der Göttin bedeutet “Geberin aller (übernatürlicher) Kräfte”, kann aber auch übersetzt werden mit “Geberin der Vervollkommnung/Vollkommenheit”, “Erfüllerin aller Wünsche”, “Gewährerin allen Verstehens”, “Gewährerin/Geberin der (spirituellen) Verwirklichung”, “Die, die alles Wissen/Verstehen schenkt” oder “Die, die alle Erkenntnis gewährt”

Ein Mythos berichtet davon, dass Siddhidatri den Göttern Brahma, Vishnu und Shiva jeweils Ihre Aufgabenbereiche in der Schöpfung (Erschaffung, Erhaltung, Zerstörung) und Ihre Identität als Schöpfer, Bewahrer und Zerstörer zuteilte.
Sie war es auch die Shiva gebot über Sie zu meditieren um so mit allen acht (manchmal werden auch achtzehn) “siddhis” (2), dh. übernatürlichen Fähigkeiten von Ihr gesegnet zu werden.
Während Shivea dieser Aufgabe nachkam, segnete Siddhidatri Sie Ihn mit der Gestalt von Ardhanaishvara (“Gott, der zur Hälfte weiblich ist”)  in dem Sie sich in Seiner linken Körperhälfte manifestierte.

Einer anderen Legend zufolge verehrte Rudra (3) zu Beginn des Universums Adi-Parashakti für die Schöpfung.  Es ist gesagt, dass Adi-Parashakti, die aller höchste Göttin der Macht,  formlos und gestaltlos ist und aus Shivas linker Hälfte als Siddhidatri hervorging, der seit dem als Ardhanaishvara bekannt ist und verehrt wird.

In der Gestalt der Siddhidatri ist es Parvati/Durga, die Ignoranz und Illusionen nimmt und die Weisheit zur Erkenntnis des Brahman (4) schenkt. Sie verhilft zur Erkenntnis, dass alles Brahman ist.

Astrologisch gesehen ist Ihr der absteigende Mondknoten als neunter Planet, und das Nirvana-Chakra (5) zugeordnet.

Ikonographie
Siddhidatri ist in Ihrer Erscheinung der Göttin Lakshmi recht ähnlich. Sie sitzt auf einem voll erblühten, rosanen Lotus und ist vierarmig. In Ihren Händen trägt Sie einen Wurfdiskus, ein Muschelhorn, den Dreizack und eine Keule, und ist in einen roten Sari gekleidet.
Häufig wird Sie umringt von all jenen dargestellt, die Sie verehren: Menschen, Devas (6), Gandharvas (7), Asuras (8), Yakshas (9) und Siddhas (10).
Manchmal wird sie auch auf einem Löwen oder Kamel reitend dargestellt.

 

Ende Teil 5
Siat


 

1 – Sitz: Hinterkopf, manchmal auch an der Stirn lokalisiert (je nach Tradition).

2 – Lt. der Markandeya Purana: Anima: Die Fähigkeit, sich zu verkleinern; Mahima: Die Fähigkeit, sich zu vergrößern; Garima: Die Fähigkeit, unendlich schwer zu werden; Laghima: Die Fähigkeit, schwerelos zu werden); Prapti: Die Fähigkeit, zu allen Orten Zugang zu erhalten; Prakamya: Die Fähigkeit, Verlangen zu erzeugen; Ishitva: Die uneingeschränkte Herrschaft zu besitzen und Vashitva: Lenker aller Dinge.

3 – Ein Name Shivas


4 – “das”, “dieses”; das Absolute und der Urgrund des Universums, des Seins und aller Schöpfung, Formloses, absolutes Göttliches, das alles Sein enthält.

5 – Sitz: Krone des Kopfes; markiert das Ende des Sushumna-Kanals.

6 – im weitesten Sinne: “Götter”/”Gottheiten”

7 – himmlische Musikanten

8 – im weitesten Sinne: “Dämonen”/”böse Geister”

9 – Halb-Götter, Naturgeister und/oder Götter niederen Ranges.

10 – Yogis/Tantriker, die bereits Siddhis erlangt haben

Navratri – Die neun heiligen Nächte der Mutter (Teil 4)

Die Navdurgas
Tag 4-6 (Maha-Lakshmi)
Während die ersten drei Tage Navratris unter dem Banner der Göttin des Mutes, des Selbstvertrauens der Macht und Energie stehen, stehen die nächsten drei Tage unter der segnenden Hand von Maha-Lakshmi, der Göttin des (materiellen wie spirituellen) Wohlstands, des Reichtums, der Fülle und des Friedens.

Ma Kushmanda; Künstler/Artist: unbekannt/unknown
Ma Kushmanda; Künstler/Artist: unbekannt/unknown; Quelle: Dharma Vidya

4. Kushmanda कूष्माण्डा
Noch ehe das Universum erschaffen wurde, erleuchete Adi-Shakti die ewige Dunkelheit mit ihrem Licht.
Sie erschuf das gesamte Universum allein durch ein winziges Aufblitzen Ihres Lächelns (manche sagen auch, durch den Klang Ihres Lachens) durch dass der Kosmos als Kosmische Ei ins Sein kam.
Ihr Name reflektiert Ihre Verbindung zum Kosmischen Ei (“anda” = kosmisches Ei).

Sie gab Ihr Licht der Sonne, damit diese das Fortbestehen allen Seins bewahren kann.
In den Schriften wird davon berichtet, dass Sie selbst im Zentrum der Sonne existiert, ihre Energie darstellt und die einzige ist, die die Kraft und Energie der Sonne kontrollieren kann.

Als die Göttin, die über die Sonne gebietet ist diese Ihr natürlich auch in der vedischen Astrologie als Planet zugeordnet.
Das Chakra, mit dem Sie in Verbindung steht, ist das Anahata- bzw. Herzchakra.

Ikonographie:
Kushmanda wird mit acht Armen und auf einem Tiger oder Löwen reitend dargestellt.
In vier Ihrer Hände trägt sie Waffen, die anderen drei halten die Gebetskette, einen Lotus und ein rituelles Wassergefäß, während Sie in ihrer letzten Hand ein Gefäß mit Nektar hält, der Gesundheit und langes Leben schenkt.
Sie wird meist einen rosanen Sari tragend dargestellt.
Wegen Ihrer acht Arme wird Kushmanda auch “Ashtabhuja (“asht(a)” =acht; “bhuja”=Hand) genannt.

Ma Skandamata; Künstler/Artist: unbekannt/unknown;
Ma Skandamata; Künstler/Artist: unbekannt/unknown; Quelle: Dharma Vidya

5. Skandamata स्कन्दमाता
Als Parvati Shiva heiratete, wurde Sie kurze Zeit später Mutter von Skanda (1). Dieser wurde zum General der göttlichen Armee (n)  und ein großer Feldherr der Götter gegen die Dämonen.
Ihr Name setzt sich aus dem Namen Ihres Sohnes und dem Wort “mata” (=Mutter) zusammen und weist damit auf Ihre sehr mütterliche Form hin.

Es wird gesagt, dass nur der das Wohlwollen von Skanda erhält, der Seine Mutter in Ihrer Form als Skandamata verehrt.
Sie gilt darüber hinaus auch als eine Göttin des Feuers (der Weisheit und Erkenntnis).
Durch Ihre Gunst und Ihren Segen sollen selbst Idioten dazu fähig werden, sich zu einem Ozean der Weisheit zu wandeln.

Als Planet ist Ihr in der vedischen Astrologie der Merkur zugeordnet, und Sie steht mit dem fünften oder Hals-/bzw. Visuddha-Chakra in Verbindung.

Ikonographie:
Skandamata wird vierarmig und in einem gelben oder orangenen Sari auf einem Löwen reitend dargestellt. In Ihrem Schoß hält Sie mit einer Hand Ihren Sohn Skanda, der als kleines Kind und fünfköpfig dargestellt ist. Ihre linke untere Hand zeigt Sie die Geste der Wunsch-Erfüllung und der Furchtlosigkeit, während Sie in Ihren beiden oberen Händen rosane Lotusblüten tragen.
Sie wird auch auf einer Lotusblüte sitzend dargestellt, und trägt dann den Namen “Padmasana”.

Ma Katyayani; Künstler/Artist: unbekannt/unknown
Ma Katyayani; Künstler/Artist: unbekannt/unknown; Quelle: Dharma Vidya

6. Katyayani कात्यायनी
Der Legende nach beteten der Weise Katyaya und sein Sohn Katya zur Göttin Durga, um von Ihr gesegnet zu werden. Als Sie ihnen erschien, bat Katyaya die Göttin, das Sie als seine Tochter reinkarnieren möge.  Er nannte Sie Katyayani, und Sie sollte die Welt vor Schrecken und Unheil bewahren.
Während Sie heranwuchs, gewährte Brahma den Dämonen Mahishasura, auf Grund seiner langen asketischen Übungen,  einen Wunsch, der da lautete, dass er niemals von einem Mann getötet werden könne. Als dieser die Götter und Göttinnen bedrohte, betete die Dreiheit Brahma, Shiva und Vishnu drei Tage (Shukla Saptami, Ashtami und Navami (7.-9. Tag)) lang zur Göttin Katyayani, damit Sie sie von dem Dämon und seinem Heer befreien möge.
Nach einer anderen Legende ist es der Weise Katyaya, der die Göttin drei Tage lang anbetet, um die Welt von Mahishasura zu befreien.
Angetan und erfreut von der Hingabe der Götter/des Heiligen, nahm die Göttin die Gestalt der zehn-, manchmal auch achtzehn-armigen Göttin Mahishasura-mardini an. Die Devi-Gita beschreibt, wie Sie auf einem Löwen reitend in die Schlacht zieht, ausgestattet mit den Waffen aller Götter.
Am 10.Tag (Vijayadashami) besiegte die Göttin den Dämon und befreite damit die Götter von seinem Treiben.

Die Gestalt von Katyayani gilt als eine der furchterregendsten und gewalttätigsten der Göttin Parvati, in der Sie als Kriegsgöttin erscheint, um diejenigen zu beschützen, die Sie um Hilfe anflehen.
Auf der anderen Seite gilt Katyayani als “Tochter-Form” der Göttin Durga. D.h. Sie ist die liebende, hingebungsvolle Tochter, die nicht zögert Ihre Lieben zu verteidigen.

Als Planet ist Ihr in der vedischen Astrologie der Planet Jupiter zugeordnet. Das mit Ihr verbundene Chakra ist das 6. bzw. Ajna-Chakra, das auch als Drittes Auge bekannt ist.

Ikonograhie:
Katyayani wird auf einem Löwen reitend mit vier Händen dargestellt.
In drei von ihnen trägt Sie Schwert, Dreizack und Lotus, während die untere rechte Hand die Geste der Furchtlosigkeit zeigt.  Die Farben Ihres Saris ist grün, manchmal auch rosa oder rot. Letztere Farbe assoziiert Sie mit den furchteinflößenden Formen von Bhadrakali und Chandika.

Tritt Sie als Mahishasura-mardini auf, wird Sie zehn- bis achtzehnarmig ebenfalls auf einem Löwen reitend darstellt. Ihre Stirn ist dann außerdem von einem dritten Auge geziert.
In Ihren Händen trägt sie alle möglichen Waffen der Götter, darunter den Dreizack Shivas und den Wurfdiskus Vishnus.

Durga als Mahishasura-mardini; Künstler/Artist: undbekannt/unknown
Durga als Mahishasura-mardini; Künstler/Artist: undbekannt/unknown; Quelle: Flickr.com

 

Ende Teil 4
Siat