Archiv der Kategorie: Herbarium

Kräuter, Bäume, Sträucher-Gegen (fast) alles ist ein Kraut gewachsen

Frauendreißiger und die Kräuterweihe von Siat

Der “Große Frauentag” am 15. August markiert den Beginn der Frauendreißiger, die bis zum 12., manche sagen auch 15., September andauern und den Auftakt zur wichtigsten Kräutersammelzeit des Jahres markieren.
Besonders bekannt und verbreitet sind die Frauendreißiger in Orten Bayerns und in Tirol.

Maria und die Frauendreißiger
Der Monat August steht in einer sehr engen Beziehung mit der Gottesmutter Maria und gilt in der katholischen Kirche als ein besondere Gnadenzeit.
Nach katholischer Lehre beginnt diese mit der ersten Vesper am 15. August, der als Tag der Himmelfahrt Mariens gilt, und endet (nach einem Ablassdokument aus dem Jahr 2003) mit dem Sonnenuntergang am 15. September, dem Tag des Gedächtnisses der Schmerzen Mariens.
Neben dem Monat Mai gilt somit auch der Monat August als besonderer Zeitpunkt für die Verehrung der Gottesmutter, der zu Ehren in dieser Zeit zahlreiche Wallfahrten und Abendandachten stattfinden. Sowohl in privaten Rahmen als auch Kirchen und Kapellen.
Ebenso fallen zahlreiche Feiertage, die mit der Gottesmutter in Verbindung stehen in den Monat August.

Maria Himmelfahrt und die Kräuterweihe
In die christlichen Bräuche zur Verehrung Mariens wurde die Darbringungn und Segnung von Kräutern im 9. Jhd. aufgenommen, doch ist stark anzunehmen, dass die Darbringung und Segnung von (Heil)Kräutern vorchristlich-heidnischen Ursprungs ist.
Die Menschen machten schon viele Jahrtausende zuvor konkrete Erfahrungen mit den Kreisläufen der Natur, mit Blüte und Reife von Kräutern und Früchten, so dass die Erkenntnis, dass diese Zeitspanne eine besonders günstige Zeit zur Sammlung und Trocknung vom Kräutern darstellte, denen man die größte Heilkraft zusprach,  ganz praktischen Erfahrungen entstammte.
Kräuterweihen als Bestandteil der Feste zu ehren Mariens sind in der römisch-katholischen Kirche seit dem 9.Jhd. verbreitet, nachdem sie im 8. Jhd. erst verboten wurden.
An Maria Himmelfahrt werden verschiedene Kräuter zu Sträußen gebunden, in die Kirche gebracht und dort während oder nach der Messe von dem Priester gesegnet.
Die römisch-katholische Kirche sieht in der Weihe der Kräuter einen Ausdruck der Achtung vor der Schöpfung Gottes sowie der Heilkraft der Kräuter, die wiederum als ein Symbol für Gottes Zuwendung an die Menschen betrachtet werden.

Marias Verbindung zu den Kräuter bedingt sich nach kirchlicher Lehre aus verschiedenen Legenden, die sich um die Aunahme Mariens in den Himmel ranken, und in denen der Geruch von Blumen eine wesentliche Rolle spielt.
Die Frauendreißiger gelten ebenso als eine Zeit, in der die Gottesmutter auf der Erde wandelt und sie segnet.

Kräuterbuschen
Die zu den Frauendreißigern gebundenen Kräutersträuße werden Kräuterbuschen genannt.
Die Anzahl der in den Kräuterbuschen gebundenen Kräuter variiert regional und ist, zumindest nach katholischem Brauch, mit einem bestimmten Symbolismus versehen:

  • 7 = Anzahl der Wochen-bzw. Schöpfungstage
  • 9 = 3×3 (= dreifache Dreifaltigkeit)
  • 12 = Anzahl der Apostel (=NT), bzw. die Stämme Israels (=AT)
  • 14 = Zahl der Nothelfer
  • 24 = 2×12
  • 72 = 6×12
  • 99 = In der alten Kirche Zahlenwert des Wortes “Amen”, aber auch in Zusammenhang mit dem Gleichnis der 99 Schafe (Gott freut sich über die 99 Schafe, die sich nicht verirrten (Mt. 18, 12)

Darüber hinaus sind natürlich auch entsprechende Vervielfältigungen der Zahlen möglich.

Typische Kräuter, die im Kräuterbuschen eingebunden werden sind:

  • Königskerze
  • Alant
  • Echtes Johanniskraut
  • Beifuß
  • Wermut
  • Rainfarn
  • Schafgarbe
  • Baldrian
  • Eisenkraut
  • Kamille
  • Thymian
  • Tausendgüldenkraut
  • Zinnkraut
  • Ringelblume
  • Pfefferminze
  • (Zitronen)Melisse
  • Salbei
  • verschiedene Getreidesorten

Ebenfalls typisch ist das Einbinden der Königskerze in das Zentrum des Kräuterbuschens.

Den geweihen Kräuterbüschen sollen vor vielerlei Unheil und Schaden bewahren, vor Unfällen, Krankheiten und dem Tod schützen.
In manchen Gegenden war und ist es z.B. Brauch, so viele Alantblüten in den Strauß einzubinden, wie es Kühe, Menschen und Pferde auf dem Hof gab/gibt.
Nach der Weihe der Sträuße werden diese häufig im Herrgottswinkel des Hauses aufgehangen und in Zeiten der Krankheit wurde aus ihnen ein Tee gekocht, der der/dem Kranken zu trinken gegeben wurde. Auch dem Vieh wurden die Kräuter unters Futter gemischt, um es vor Krankheit oder gar Hexerei oder ähnlichem zu schützen oder es zu heilen.Auch sagt(e) man ihm nach, vor Blitzschlag zu schützen, weswegen die Sträuße auch unter das Dach gehängt oder bei Gewitter verbrannt werden/wurden.

Vielerorts war es üblich, dass Kräuterbuschen, mit Weihrauch vermischt in Krankenzimmern aufzuhängen oder die Kräuter mit Weihrauch vermischt zu verräuchern, und frisch vermählten Brautpaaren wurden Kräuterbündel in der Hochzeitsnacht unter die Kopfkissen gelegt, um das Paar mit Kindern, einer guten Ehe und ein langes Leben zu segnen.
Auch Verstorbenen legte man ein Kreuz aus Kräuterbündeln auf die Brust, um ihnen ihre letzte Reise zu erleichtern.In den Rauhnächten war es Brauch, Haus und Ställe ebenfalls mit den Kräutern des Kräuterbündels auszuräuchern, um Glück, Wohlstand und Schutz anzuziehen.

Dieses Auswahl zeigt, dass die geweihten Kräuter alles im allem  gegen alle möglichen Krankheiten und auch Verzauberungen, aber auch für Kindersegen, Eheglück und noch vieles mehr helfen sollen.

Gebete
Es sind zahlreiche Gebete und Segenssprüche für die Weihe der Kräuterbuschen bekannt.
Eines davon, das neutraler in seiner Formulierung ist und mir persönlich recht gut gefällt, ist dieses:

„Gewähre gnädig, dass überall dort wo auch immer von diesen gesegneten Kräutern etwas aufbewahrt, mitgetragen oder anders verwendet wird, Menschen, Schafe, Vieh, Reit- und Lasttiere heilende Hilfe finden gegen Krankheiten, Seuchen, Geschwüre, Bösartigkeiten und Verwünschungen sowie gegen die Gifte und Bisse der Schlangen und anderer Tiere, aber auch Verteidigung finden gegen teuflische Illusionen, Machenschaften und betrügerische Verführungen.“

 

 


 

Quellen:
Wikipedia.de
Kultkraftplatz
Brauchtum.de

St. Salvador-Pfarreienverbund Hollfelder Land
Zauberpflanzen

Katholische.de
Brauchtumsseiten
Seniorbook.de
Brauchwiki.de
Ökumenisches Heiligenlexikon

Quelle Titelbild:
© Merdingen-Blog 

Pflanzensteckbrief: Sanddorn

Deutscher Name:
Sanddorn

Sanddorn; Photo: Svdmolen; Quelle: wikipedia.org.

Synonyme:
Audorn, Fasanenbeere, Rote Schlehe, Haffdorn, Dünendorn, Sandbeere, Griesbeere

Englischer Name:
Sea Buckthorn

Synonyme:
Sallow Thorn, Willow-thorn, Wirwivvle, Wyrvivle

Botanischer Name:
Hippophae rhamnoides

Familie:
Ölweidengewächse (Elaeagnaceae)

Etymologie:
„Hippophae“ leitet sich vom Lateinischen „hippóphaes“ ab Plinius beschreibt es als eine “Wolfsmilch-Art mit starken Dornen“, und hat seine Wurzeln  vermutlich im Griechischen.

Bei Dioskurides können wir den Begriff „hippophaés“ finden,  der soviel wie „eine nicht näher bezeichnete Gruppe/Sippe“ bedeutet.
Er weist auf die Verwandtschaft zu den Worten „hippóphaiston“ (bedeutet dasselbe und wurde wird von Theophrastos genannt) und das spätgriechische Wort „hippópheos“ hin.
Ethymologisch wahrscheinlich scheint, dass sich der Begriff auf das griechische „phéos“ zurück verfolgen lässt, das soviel wie „eine stachelige Sippe (Sarcopoterium spinosum)” bedeutet. Allerdings schweigen sich zu der Etymologie des Wortes die Handbücher der Etymologen aus, und es bleibt im Dunkeln, welche Sippe mit diesen Namen gemeint war und wie diese zu deuten ist.
Noch weniger sagen die Handbücher zum Zusammenhang des Wortes  mit dem Wort „hippós“ („Pferd“), und dem Zusammenhang zwischen Tier und Strauch.
Der Forscher Carl von Linné scheint den antiken Namen ausschließlich in Hinblick auf seine dornbewehrten Äste und Zweige gedeutet und dann auf den in der Antike in Südeuropa unbekannten Sanddorn übernommen zu haben.

Der Wortbestandteil „rhamnoides“ leitet sich vom Lateinischen „rhamnus“ und vom griechischen „-oeidés“ („ähnlich“) ab:
lat. „rhamnus“ = “Kreuzdorn“ (Rhamnus sp.)
Dieser Name lässt sich auch wieder bei Plinius nachweisen.
Auch hier scheinen die Wurzeln des Lateinischen ebenfalls im Griechischen zu liegen.
Theoprastos, Dioskurides u.a. ist für den Kreuzdorn “rhamnos” überliefert, so dass die Verwandtschaft der Begriffe sehr nahe liegend ist. Allerdings lässt sich die Etymologie des griechischen Wortes „rhamnos“ lässt nur sehr schwer nachvollziehen.
In die ethymologischen (Hand)Wörterbücher lassen eine Verwandtschaft mit dem sprachwissenschaftlich rekonstruierten Wort „*rhábnos“ mit den griechischen Wörtern „rhábdos“ („Rute, Gerte“ ) und „thámnos“ („Busch, Strauch“) vermuten.

In dieser Gattung werden alle Bäume und Sträucher zusammen gefasst, die meist dornenbewehrte Äste und Zweige tragen.

 

Vorkommen:
Der Sanddorn ist in Europa und Asien sehr weit verbreitet.
So findet er sich natürlich wachsend an Küsten auf Dünen, in den Alpen und dem Alpenvorland, am Bodensee und im südlichen Rheintal auf Felsschutthalten und Flussschotter, wobei er im allgemeinen sandigen Boden bevorzugt und dementsprechend besonders an Böschungen und den Ufern von Seen und Bächen zu finden ist.
Allerdings zieht er mittlerweile auch vermehrt in Gärten und Parkanlagen als Zierbaum ein.
Die ursprüngliche Heimat des Sanddorns ist Nepal. Eiszeitliche Verschiebungen führten dann zu seiner weiteren Verbreitung.

Die Wurzeln des Sanddorns eignen sich besonders gut für die Befestigung von Böschungen und losen Böden, so dass der Sanddorn mittlerweile auch bewusst zur Befestigung von Dünen, aber auch an Autobahn-und Straßenböschungen gepflanzt wird.

Mit der Fülle seiner Beeren leuchtender Sanddorn-Busch; Quelle: Wikimedia.org (klick Bild)

Aussehen:
Der Sanddorn ist ein kleiner bis mittelgroßer Strauch, der allerdings auch zu einem Baum wachsen und dann zwischen 3-6m hoch werden kann.
Seine Wurzeln sind sehr tief im Boden verankert, wobei von der Hauptwurzel kriechende Wurzelausläufer ausgehen.
Charakteristisch für den Sanddorn sind seine dornenbewehrten Äste und Zweige, sowie die im Herbst orange leuchtenden Beeren.
Die Rinde des Sanddorns ist in der Regel glatt, doch kann sie, wenn der Baum älter wird, Risse bekommen und abblättern.

Blütezeit:
April

Erntezeit:
September/Oktober

Männliche Blüten des Sanddorns; Quelle: wikipedia.org (Klick Bild)

Blätter:
Die Blätter des Sanddorns ähneln denen der Weide. Sie sind lancettenförmig, und an der Unterseite weißsilbrig behaart, während die Oberseite kahl und von graugrüner Farbe ist. Sie sind wechselständig und werden zwischen 5 und 6 cm lang.

Blüten:
Die sehr unscheinbaren und leicht zu übersehenden Blüten sind 2-häusig verteilt. Sie erscheinen vor dem Ausschlagen des Laubes und besitzen keine Kronblätter.
Der Sanddorn trägt sowohl männliche als auch weibliche Blüten, die graugrün bzw. grünbraun sind.

Weibliche Blüten des Sanddorns; Quelle: wikipedia.org (klick Bild)

Früchte:
Die orangrot leuchtenden Beeren sind Scheinbeeren, die aus dem Fruchtknoten entstehen, der von seiner fleischig gewordenen Kelchröhre umschlossen wird. Sie gehören damit zu den Steinfruchtartigen.
Sie sind eiförmig und zwischen 2-8 mm lang.
Da sie sehr nah an den Zweigen ansetzen und sich nur schwer lösen lassen, können die Beeren beim Sammeln sehr leicht zerquetscht werden.

Verwendete Teile:
Die reifen Beeren

Inhaltsstoffe:

  • Vitamin C (je nach Reife und Herkunft zwischen 0,2 und 0,9% pro 100g Fruchtfleisch)
  • Provitamin A, Vitamine der B-Gruppe (B12, das sonst fast ausschließlich in Fleisch vorkommt), Vitamin F, E und P
  • Zucker, Flavanoide, Mineralstoffe, Anthocyane.

Die Samen enthalten darüber hinaus sehr fettreiches Öl.

Zubereitungen:
Getrocknet als Zugabe in Tees oder Müsli. Frisch verarbeitet zu Marmeladen oder Gelees, Beerensaft sowie als Mus.

Leuchtende Beeren des Sanddorns; Quelle: Wikipedia.org (Klick Bild)

Anwendung in der Naturheilkunde:
Die sehr Vitamin C-reichen Beeren werden vorwiegend bei Erkältungskrankheiten und bei Fieber, sowie vorbeugend in Erkältungszeiten verwendet.
Dabei nimmt man sie in der Regel als Saft oder Mus zu sich.
Bei Fiebererkrankungen wirkt der Saft erfrischend, und stärkend auf das Immunsystem.

Medizinische Verwendung:
In der russischen Medizin soll der aus den Samen gewonnene Öl zur Behandlung von chronisch verlaufenden Hautkrankheiten, zur Wundbehandlung und bei Akne mit guten Erfolgen angewendet werden. Ebenso bei Decubitus und Verbrennungen.

Medinzisch findet ansonsten aus den Früchten gewonnene Saft oder Extrakte Anwendung.
Auf Grund des hohen Vitamin C-Gehalts vorallem zu Stärkung des Immunsystems, bei Erkältungskrankheiten, fieberhaften Infekten oder in der Rekonvaleszens, zur Stärkung des Körpers.
Auch werden dem Sanddorn eine ausgezeichnete adstringierende Wirkung nachgesagt, so dass er z.B. auch gern zur Behandlung von Durchfall-Erkrankungen oder Zahnfleischentzündungen verwendet wird.

Nebenwirkungen sind (wenn keine Allergien vorliegen) bisher nicht bekannt.

Kulinarisches:
Die sauren und sehr vitaminreichen Beeren können in vielfacher Weise genossen werden.
Sei es als Zugabe in Tees und Müslis, mit Sahne, in Joghurt oder Quark oder einfach frisch vom Baum genascht oder in Fruchtsalaten.
Ein aus getrockneten Beeren aufgegossener, eisgekühlter Tee eignet sich im Sommer besonders gut als Erfrischungsgetränk.
Daneben gelten die Marmeladen, Muse und Gelees im allgemeinen als ausgesprochene Leckereien. 😉

Sanddorn in voller Beeren-Pracht; Quelle: wikipedia.org (Klick Bild)

 

Wissenswertes im Zusammenhang mit Volkssglauben und magischer Verwedung

Verwendete Teile:
– getrockneten, reifen Beeren
– junge Blätter

Magische Eigenschaften:
Schutz, Gerechtigkeit, Klärung

Geschichte/Brauchtum:
Zweige des Sanddorns sollen gegen Hexen und Blitzschlag über Stalltüren gehängt worden sein.

Magische Verwendung:
Die Äste des Sanddorns vor das Fenster gehängt, sollen gegen negative Einflüsse und Energien schützen.
In einer Räucherung sollen Beeren und/oder Blätter des Sanddorns dabei helfen, Entscheidungen zu treffen und zu klären, welchen Weg man einschlagen soll.

Planet: Saturn
Element: Wasser
Gottheiten: Astraia, Donar

 


Quellen:
wikipedia.org
Bächthold-Stäubli, Hans: Handwörterbuch des Deutschen Aberglaubens
Magister Botanicus: Magisches Kreutherkompendium
Genaust, Helmut: Ethymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen
Pahlow, M. (Apotheker): Das große Buch der Heilpflanzen
Chevallier: Enzyklopädie der Heilpflanzen
Kothe, Dr. Hans W. : 1000 Kräuter