Archiv der Kategorie: Am Rand des magischen Kreises

Über Rituale, Magie und Zauberei.

Mantra, Chant & Affirmation-Ein Versuch der Unterscheidung (Teil 4)

Nachdem wir uns im zweiten  und dritten Teil dieser Artikelreihe mit den Begriffen des Chants und der Affirmation auseinandergesetzt haben, möchte ich mich dem etwas komplexen Thema “Mantra” widmen.

मन्त्र Mantra

Wortherkunft
Der Begriff stammt aus dem Sanskrit, bei der es sich, ganz grob gesagt, um eine alt-indische Sprache handelt, die auch heute noch gesprochen wird.
Die Übersetzung des Wortes ist sehr vielfältig. So kann es:

  • (Bann)Spruch
  • (vedische) Hymne oder eine Opferformel
  •  heiliger Text oder ein heilge Spruch
  • Gebet oder Lobpreis
  • Geheimnis
  • Zauber/Amulett
  • mystische Verse
  • heilige Formel, die an jede individuelle Gottheit gerichtet ist/sein kann

bedeuten.
Doch die wohl bekannteste Übersetzung ist “Instument des Denkens” oder “des Geistes”.

Die Ursprünge des Wortes werden meist auf die Wurzel मन् (man) und auf das Präfix  त्र (tra) zurückgeführt.

मन् (man) lässt sich dabei einerseits auf das Verb मन्यते (manyate) als auch auf मन (mana), मान (mAna) bzw. मना (manA) zurück führen, deren Bedeutungen sich im weitesten Sinne um das Denken, Erkennen, Verstehen, Wissen drehen.

Verb: मन्यते (manyate)

  • (nach) denken (an/über)
  • vorstellen
  • wahrnehmen
  • mit den/allen Sinnen erfassen
  • das Herz/die Gedanken auf etwas richten
  • begreifen/erfassen/verstehen
  • wissen
  • glauben
  • anbieten
  • anbeten
  • hoffen/wünschen
  • (ver)ehren

Substantive: मन (mana), मान (mAna) bzw. मना (manA)

  • Gedanke/Denken/Geist
  • Vorstellung
  • Sicht
  • Glauben
  • Idee
  • Hingabe
  • Anhaftung
  • Stolz
  • Ehre
  • Selbst-Respekt
  • Wunsch
  • Überlegung

Das Präfix wird, wie bereits gesagt, in der Regel auf das Wort त्र (tra) zurückgeführt. Dieses wiederum kann auf zwei unterschiedliche Wurzeln zurück geführt werden.
Die eine steht mit der Wortwurzel त्र (tra) in ganz direkter Verbindung zu dem Verb त्राति (trAti) und dem Substantiv त्रा (tra).
Die andere über die Verben तरति (tarati)तरुते (tarute)तितर्ति (titarti) und तारयति (tArayati) mit der Wortwurzel तॄ  (tRR).

Verb: राति (trAti)

  • retten
  • bewahren
  • erhalten
  • schützen
  • befreien
  • auffangen

Substantiv: त्रा (tra)

  • Verteidiger
  • (Be)Schützer

Verben रति (tarati), तरुते (tarute), तितर्ति (titarti) und तारयति (tArayati) besitzen im Ganzen dieselbe Bedeutung:

  • schwimmen
  • verrichten/ausführen
  • führen durch/über
  • durchkommen
  • durchdringen
  • erreichen
  • retten
  • entkommen
  • flüchten
  • erfüllen
  • überwinden
  • bewältigen
  • bezwingen/-siegen
  • durch-/überqueren
  • ein Ende/Ziel erreichen
  • segeln über
  • befreien (von)
  • (hin)über(ge)leiten

 

Definition
“Mantra” zu definieren ist mindestens genauso schwierig, wie den Begriff (direkt) zu übersetzen.

Ursprünglich, und sehr oberflächlich betrachtet, handelt es sich bei einem Mantra um einen (zu rezitierenden) Vers aus den Veden (und anderen Schriften, wie z.B. den Puranas), was es faktisch zu einem Stück “vedischer Poesie” macht.
Die heiligen Schriften  sind in einer bestimmten Weise und nach einem bestimmten Versmaß geschrieben, um das Auswendiglernen zu erleichtern.


Sprache ist das Wesen des Menschseins

Letztlich basiert alles, was wir als Menschen denken und letztlich werden und sind, auf dem Ausdruck in Sprache und Schrift. Eine funktionierende Gesellschaft ohne (irgendeine Form von ) Sprache bzw. Kommunikation wäre überhaupt nicht möglich.
Egal um was es geht: Alles kann erst dann “ins Sein” kommen, wenn es gerufen und damit ausgedrückt wird.
Die Wichtigkeit von Klang und Sprache finden wir in fast allen Kulturen.
So z.B. im alten Kemet, wo Hu und Sia den (göttlichen) Ausspruch und den Verstand/die Einsicht/Erkenntnis als Gottheiten personifizieren, die jeder Gottheit und jedem Menschen innewohnen und ohne die das Wirken nicht möglich wären.
Dies zieht sich weiter bis in die abrahamitischen Religionen, wo wir in der Bibel den Ausspruch finden: “Im Anfang war das Wort. Und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort.” (Joh. 1, 1)

 

Mantra als Macht und Energie-tragender Klang
Worte, und damit natürlich die Sprache, sind (wie alles andere auch) Schwingung.
Wenn wir etwas sagen, entstehen zwangsläufig Schwingungen in Form von Tönen, bzw. Klang/Lauten, deren (Aus)Wirkung wir beobachten können.
Bevor sich die Sprache(n) entwickelte(n), kommunizierten unsere Vorfahren über Laute, die im Laufe der Zeit mit bestimmten “Wirkungen” oder “Dingen” in Verbindung gebracht wurden.
Das wir wissen, welche Schwingung (welcher Laut/Klang) was bedeutet, verdanken wir im Grunde der Tatsache, dass diese irgendwann mal mit bestimmten Dingen verknüpft wurden.

Schwingung/Laut/Klang  mit bestimmten “Wirkungen” oder Dingen in Beziehung zu setzen ist die eine Ebene.
Die andere ist die der Absicht bzw. des Zwecks.

Wird eine Schwingung mit einer Absicht verbunden, erhält diese eine zusätzliche Färbung, bzw. einen zusätzlichen (geistigen) “Bestandteil”, der das Ergebnis der beinflusst/beeinflussen kann.
Beobachten können wir das z.B. auch in unserem ganz normalen Alltag, abseits von Spiritualität und Magie, wenn wir uns unsere Verwendung von Worten, ihre Betonung usw. betrachten, mit denen wir nicht nur andere, sondern auch uns selbst beeinflussen (können). Sprechen wir etwas aus, ist es immer auch mit einer Absicht oder einem Zweck verbunden. Somit wird gleichzeitig die Schwingung dessen, was wir sagen durch das, was wir beabsichtigen (wollen) gefärbt.

Schall  und/oder Klang können wir mit einer Welle vergleichen, die von unserer Intention gefärbt wird.
Diese “Färbung”  ist mit einem Farbfilter vergleichbar, durch den das Sonnenlicht scheint, wodurch das Licht nicht mehr klar, sondern in dem spezifischen Licht erscheint.

Doch egal welche Ebene wir uns betrachten, Worte sind Energie.
Sie tragen die Macht in sich, Dinge zu bewirken und zu beeinflussen.
Das trifft auf alles zu. Mantras selbst sind in dieser Form jedoch noch spezieller.
Wir haben auf der einen Seite die generellen Bedeutungen und Übesetzungen, die mit einem Mantra verbunden sind, auf der anderen Seite jedoch dann das, was ein Mantra tatsächlich bewirkt/bewirken kann, wenn man es ausspricht.
Ähnlich, wie wir nur die Begriffe “heiß”, “Schmerz” und “Flamme” in eine Beziehung setzen und wirklich verstehen können, wenn wir uns an einer Flamme die Finger verbrennen, ist es auch mit Mantras.
Wir verstehen Mantras erst dann wirklich, wenn wir sie und ihre Wirkung erfahren.

 

Mantras, Bewusstsein und Körper
Von vedisch-hinduistischen Standpunkt aus betrachtet, besteht der Mensch nicht nur aus einem einzigen Bewusstsein, sondern viel mehr aus vielen verschiedenen Bewustseinsebenen, die nicht nur den physisch-materiellen Körper durchdringen, sondern auch in die verschiedenen Energiekörper und die Aura hineinreichen.
Auch jedes Organ bis hin zu den verschiedenen Körpersystemen (z.B. (Blut)Kreislaufsystem) besitzen ihr eigenes (“niederes”) Bewusstsein, die dafür verantwortlich sind, dass der Mensch funktioniert. Die einzelnen Bewusstseinsebenen stehen jedoch nicht unabhängig von einander, sondern beieinflussen sich stetig untereinander, sind von einander abhängig oder/und in einer anderen Weise miteinander verbunden.
Doch solcherlei unterschiedliche Bewusstseinsebenen gibt nicht nur in unserem materiellen Körper, sondern auch in den verschiedenen Energiekörpern. Diese wiederum sind, wie die Bewusstseinsebenen des physischen Körpers, miteinander verbunden und beeinflussen auch den physischen Körper und die Bewusstseinsebenen in diesem.
So wie ein Organ-Bewusstsein einem System-Bewusstsein “untergeordnet” ist, ist das System-Bewusstsein überlagert von Teilen unseres/r Energiekörpers. Und so geht es darüber hinaus weiter.

Da auch alles andere Schwingungen ist und aussendet, werden diese von unseren verschiedenen Bewusstseinsebenen natürlich ebenso aufgenommen und beeinflusst, was bedeutet, dass in unserem Körper, nicht nur unser “Ich”-Bewusstsein umherwabert, sondern unzählige andere Schwingungen ebenfalls in unserem Körper wirken.
Wir gehen also ständig mit allen möglichen unzählingen Dingen um uns herum in Resonanz.

Mantras, die auf Grund ganz bestimmter Begebenheiten (auf die ich noch etwas eingehen werde) von sich aus bestimmte und sehr machtvolle Schwingungen sind, wirken auf eine ähnliche Weise. Wenn wir mit ihnen arbeiten, beginnt die ihnen innewohnende Kraft über Schwingungen die anderen Schwingungen zu “löschen” und zu “überschreiben”, bis wir schließlich von der Schwingung (und der Energie) des Mantras erfüllt werden und sich dessen Wirkung entfalten kann.
Mantras versetzen uns in einen Zustand, in dem wir komplett mit den Energien schwingen, die durch das jeweilige Mantra repräsentiert und “aufgerufen” werden.

 

“Instument” des Denkens oder des Geistes
Wenn man die zu Beginn zusammen getragenen Übersetzungen nimmt , dann stellt sich die Frage, warum das Wort “Mantra” in der Regel als “Instument des Denkens” oder “des Geistes” bezeichnet wird, wenn die verwendeten Wurzeln “Instrument” oder “Werkzeug” überhaupt nicht beinhaltet.
Die Antwort liegt, so vermute ich, in der Grammatik des Sanskrit verborgen.
Sanskrit gehört zu den Sprachen, die den “Casus instrumentalis” (“Womit”-Fall) besitzen, also den Fall, der uns darüber aufklärt mit welchen Mitteln eine Handlung ausgeführt wird.
Im klassischen Sanskrit ist तृतीया विभक्ति (tRtIya vibhakti = instrumentell, als Mittel dienend) das, was die Handlung ermöglicht/unterstützt/fördert.
Dies ist, so zumindest meine Einschätzung, die einzig sinnvolle Erklärung für diesen Ansatz.

Allerdings lassen die Wurzeln des Wortes auch entsprechend andere Üerbsetzungen und Deutungen zu.
Angefangen von “Schutz des Geistes”/”Gedankenschutz” über “Befreier des Geistes” hin zu “etwas das den Geist erfüllt”, “Befreier von (weltlichen/gedanklichen) Anhaftungen”, “Denken, dass befreit/beschützt” oder als etwas, mit dem man das Denken, die Anhaftungen usw. überqueren kann und dabei hilft, einen Zustand zu erreichen, in dem wir die Einsheit mit dem Göttlichen und der Schöpfung erfahren können.

Doch egal in welcher Weise man den Begriff jetzt (wörtlich) übersetzt, letzten Endes wirken Mantras wie Werkzeuge, die uns dabei helfen, das “Materielle” zu überwinden, unser Denken zu überwinden, Stille zu werden und uns für .

Ende Teil 4


Quellen:
Spoken Sanskrit
Hindudharma-Forum

Hindupedia
Forum for Hindu awakening
Sanskrit Mantra
Wikipedia.de
Wikipedia.com

 

Mantra, Chant & Affirmation-Ein Versuch der Unterscheidung (Teil 3)

Nachdem ich das letzte Mal den Chant ein wenig näher beleuchtet habe, möchte ich mich in diesem Artikel der Affirmation zuwenden.

Affi…-Was?
Wortherkunft:
Das Wort stammt vom Lateinischen “affirmatio”, dass “Versicherung, Beteuerung” bedeutet.
Verwendet wird dieser Begriff im Sinne einer “Bejahung”, “positive Wertung”, “Zustimmung”, “Bestärkung”, “Versicherung” oder “Zuordnung”.

Den Begriff findet man in unterschiedlichen Bereichen wieder. Neben den spritiuellen, religiösen und esoterischen Breichen (worauf ich dann gleich zu sprechen kommen werde) findet man ihn z.B. auch in der Sprachwissenschaft, der Psychologie oder der Logik.

Affirmation in Religion, Spiritualität und Esoterik
Im Groben gesagt handelt es sich bei Affirmationen um bewusst ausgedrückte, positive (positiv formuilerte) Haltungen, die das System (d.h. den Menschen, seine Haltung, sein Handeln, seine Interaktion etc. pp. ) aus sich selbst heraus positv beeinflussen.
Mit Hilfe von Affirmationen, also positiven, sich selbst bejahenden Sätzen, die kontinuierlich ins Gedächtnis geholt werden,  wird versucht, die eigenen Gedanken umzuprogrammieren, um eine gewünschte Veränderung im Leben des “Anwenders” herbei zu führen. “Positives Denken” gehört z.B. ebenfalls in diese Kategorie der Affirmation.

Was eine Affirmation von Chant und Mantra unterscheidet ist, m.E. dass mit Affirmationen werden ganz konkrete Ziele verfolgt, werden, die darin bestehen, sich selbst, das eigene Verhalten und Denken (bewusst) zu verändern.
Affirmationen sind Werkzeuge, mit deren Hilfe wir unsere Denkmuster, und die mit ihnen verbundene Verhaltensmuster verändern können.
Denken, Fühlen und Handeln, diese drei bedingen sich und hängen wechselseitig voneinander ab. D.h. wenn ich mein Denken veränder(n kann), hat dies automatisch auch einen Einfluss auf mein Fühlen und Handeln.
Allerdings darf man sich dies auch nicht in der Form vorstellen, dass ich mir einen positiven Satz formuliere, den ein paar mal vor mich hinsage und *schnips* nächsten Monat ist das gewünschte Ergebnis da. U. U. kann dies eine unbestimmte Zeit in Anspruch nehmen.

 

Wie funktionieren Affirmationen überhaupt?
Der Schlüssel der Affirmationen liegt in der Wiederholung.
Unser Gehirn braucht eine gewisse Anzahl von Wiederholungen, damit es etwas lernt und sich in ihm einprägt (ich habe Zahlen gelesen von 2000 Wiederholunge aufwärts).
Im Prinzip ist das wie das Austreten eines neuen Pfades: Erst sind nur die Fußspuren im Gras vorhanden, dann wird ein Trampelpfad und schließlich ein Weg draus, und das Begehen des Pfades wird einfacher.

Durch das stete Wiederholen der Affirmation programmiert man sich also selbst und versucht so einen alten, limitierenden Glaubenssatz zu ersetzen.

Es gibt dazu verschiedene Möglichkeiten, die (individuell) verschieden gut funktionieren.
Die eine Möglichkeit ist, dass ich einfach ein anderes Verhaltensmuster haben möchte, und dementsprechend einen positiven Satz formuliere, den ich immer wieder wiederhole.
Die andere (etwas komplexere) Möglichkeit ist die, dass ich erst einmal bei mir nachforsche, was für ein Glaubenssatz-muster (es können auch mehrere sein!) mich überhaupt daran hindern, ein bestimmtes (gewünschtes) Verhalten an den Tag zu legen.
Dieser wird dann entsprechend positiv umformuliert und dann (wie oben) immer wieder wiederholt.

Allerdings gibt es bei der Formulierung und Entwicklung von Affirmationen (meiner Erfahrung nach) einige Dinge, die es sich lohnt zu beachten.

1. Vorsicht mit direkten Formulierungen
Wenn ich mich so umhöre, dann gibt es sehr viele Menschen, die der Ansicht sind, eine Affirmation müsse direkt und in der Gegenwartsform formuliert sein, damit sie auch wirksam ist.
Man müsse also sagen:

  • “Ich bin selbstbewusst.”
  • “Ich bin erfolgreich.”
  • “Ich bin liebenswert.”
  • “Ich bin schön.”

usw.

Die Wirksamkeit solcher Affirmationen hängt allerdings meiner Erfahrung nach davon ab, in wieweit ich fähig bin, meine inneren Zweifel zu überwinden.
Oder anders herum gesagt: Wird eine Formulierung wie z.B. “Ich bin schön.” verwendet, kann diese bei vielen inneren Widerstand und Zweifel aufrufen, die die Wirkung der Affirmation verpuffen lassen können.
Gedanken wie:

  • “Ach, daran glaubst du doch selbst nicht!”
  • “Was soll den bloß der Quatsch?”
  • “Eigentlich mache ich mir doch eh nur ewas vor.”

Nähren dann mehr unsere Zweifel, und machen die Wirkung von Affirmationen ggf (fast) wirkungslos.

2. Verwendung von indirekter Formulierung
Aus obig genannten Grund kann es ggf. ratsam sein, die Affirmation indirekt zu formulieren und ein wenig zu “umschreiben”.
Statt: “Ich bin erfolgreich” z.B. dann eine Formulierung zu wählen wie: “Ich erlaube mir meine Erfolge zu genießen” oder “Ich werde jeden Tag mehr und mehr meine Erfolge erkennen.”

Für indirekte Formulierungen haben sich z.B. folgende Satzfragmente als hilfreich erwiesen:

  • “Ich kann mir erlauben…”/”Ich erlaube mir…”
  • “Ich genieße es…”
  • “Ich werde jeden Tag…”
  • “Ich darf…”/”Ich kann…”
  • “Es ist gut für mich… “
  • “… jeden Tag mehr und mehr…”
  • “… immer mehr (und mehr)…”
  • “Schon bald merke ich…”

3. Experimentieren und auf das eigene Gefühl hören
Trotz dieser obigen Empfehlungen ist es immer wichtig, auf sein eigenes Gefühl zu hören.
Jeder Mensch ist ein Individuum, und bei jedem Menschen funktionieren “(Neu) Programmierungen” anders.
Ein “Patentrezept” oder eine allein selig machende Wahrheit wären zwar schön, sind aber nicht existent.
Anderslautende Ansagen können getrost in die Tonne gekloppt werden. 😉
Es braucht manchmal etwas Zeit und Geduld, um die Affirmation zu finden, die “fluppt”, die anfängt, in unserem Inneren zu “schwingen”.
Das bedarf manchmal etwas Geduld.
Die Veränderung von Verhaltens- und Denkmustern ist ein Vorhaben, das viel Zeit in Anspruch nimmt und (entgegen mancher Erwartungen) nicht in einer “Nacht-und-Nebelaktion” verändert werden können.
Es ist wichtig, dass man sich mit der gefundenen Formulierung identifizieren kann und wohlfühlt. Alles, was innere Widerstände hervorruft, ist eher als kontraproduktiv einzustufen bzw. als ein Hinweis zu betrachten, dass es eventuell noch Bereiche (also noch (ggf. verborgene) Glaubensmuster) gibt, die vorher gelöst und verändert werden müssen, damit der, den man grade bearbeiten möchte, erfolgreich gelöst werden kann.

4. Immer bei Dir selbst bleiben
Ein sehr weises Sprichwort sagt: “Du kannst andere nicht verändern, sondern nur Dich selbst.”
Affirmationen dienen letztlich nur dazu, die eigenen Gedanken zu beeinflussen. Daher bleiben Formulierungen wie:
“Mein Partner wird mich immer lieben.”
oder
“Die Nachbarin wird immer freundlicher zu mir sein.”
recht wenig, weil diese nicht in unserem Einflussbereich liegen.
Andere Menschen haben ihren eigenen Kopf und haben ihre eigenen Gedanken, die von von außen, also von uns nicht (oder nur sehr schlecht) beeinflusst werden können.
Sind Probleme mit anderen Menschen vorhanden, so ist der beste Weg, sich zu fragen: “Was hilft mir, mit der Situation besser umzugehen?”, “Wie kann ICH besser damit umgehen?”, “Was kann ICH (in dieser Situation) tun?”
Affirmationen, die aus solcher Auseinandersetzung erfolgen können, könnten z.B. sein:
“Ich komme jeden Tag besser mit meiner Nachbarin zurecht”
oder
“Ich liebe meinen Partner auf eine gesunde Art und Weise.”

 

Affirmation gefunden.-Was nun?
Um eine Affirmation einzusetzen, damit sie ihre Wirkung entfalten kann, gibt es ganz viele unterschiedliche Möglichkeiten.
Die wohl häufigste Arten, die mir bisher aufgefallen sind:

  • Singen
  • (in Gedanken) vor sich her sagen
  • immer wieder und wieder, per Hand oder am PC, nieder schreiben

Andere Möglichkeiten wären z.B.:

  • auf Zettel schreiben und diese dorthin kleben, wo man sie oft sehen kann,
  • Kollagen erstellen
  • den Bildschirmschoner damit füttern
  • auf ein T-Shirt drucken
  • aufnehmen, und sich diese Aufnahme immer wieder anhören
  • usw.

Der eigenen Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Die Beschäftigung damit soll dazu dienen, dass man die Affirmation verinnerlicht und sie sich verselbstständigt. Dh. sich als neuer/s, positiver/s Glaubenssatz/-muster integriert.
Dabei macht es, wie oben gesagt, die stete Wiederholung.
Es dauert eben, bis sich neue Denkmuster gefestigt haben.
Und je nach “Thema” und natürlich auch der Intensität der Aufmerksamkeit, die hinein gesteckt wird, kann sich der Zeitraum sehr unterschiedlich gestalten.

 

Fazit
Eine Affirmation dient also dazu, ganz konkret persönliche Denk-und Verhaltensmuster zu verändern.
Dies kann z.B. durch eine Zielformulierung geschehen “Ich bin erfolgreich!”/”Ich erlaube mir, meine Erfolge zu genießen.” oder dadurch, dass ich einen bestehenden Glaubenssatz umformuliere, um dessen limitierende Wirkung in meinem Leben aufzulösen.
Affirmationen wirken auf in ganz realer Weise auf uns ein.
Und auch, wenn hier und da gewissen Leute in der Eso-/Heiden-Szene  das ganz gern annehmen und behaupten: Es wirken bei Affirmationen weder “mystische Kräfte”, noch “Gottheiten”, “Krafttiere”, “aufgestiegene Meister”, “Engel” oder dergleichen.
Was wirkt sind dabei ganz allein wir. 😉

 

LG
Siat

 


 

Quellen und Leseempfehlungen:
Wikipedia-Affirmation
Über die Wirkung von Glaubenssätzen-Carsten Bruns
Die Arbeit mit Glaubenssätzen: Als Schlüssel zur seelischen Weiterentwicklung; Gorchowiak, Klaus & Haag, Susanne:

Mantra, Chant & Affirmation-Ein Versuch der Unterscheidung (Teil 2)

Im ersten Teil dieser Reihe habe ich eine sehr grobe Gegenüberstellung der drei Begriffe gemacht, nun möchte ich etwas in die Tiefe gehen.

Der Chant

Wortherkunft:
engl.:
“chant” = “(feierlicher) Gesang, Kirchenlied, (Lob)Preis, Singsang
to chant” = “(ab)singen”, “(rhthmisch oder im Sprechchor) rufen”.
Die ethymologischen Wurzeln vom englischen “(to) chant” liegen wiederum im Altfranzöschen “chanter” (“singen”, “feiern”, “preisen”), die ihrerseits wiederum vom Lateinischen “cantare” (“singen”) abstammen. (1)

Definition:
Ein Chant ist demnach eigentlich erst einmal ein rhythmischen Sprechen oder Singen von Wörtern, Sätzen oder Tönen, die häufig ein oder zwei Tonhöhen umfassen. Er kann daher bloß Melodie oder auch nur  (rhythmisch) Gesprochen sein.
Chants können sich in der Ausgestaltung Melodie sehr stark unterscheiden. Sie kann sehr einfach gestaltet sein und nur ein paar wenige Noten enthalten, sie kann aber auch höchst komplex sein, wie z.B. bei Gregorianischen Chants.

Die deutsche  Wikipedia (2)  definiert das Chanten “im engeren Sinne” als

das Singen von religiösen Liedern oder Mantren als religiöse Praxis

und “im weitersten Sinne” als:

das Singen einfacher Melodien, bzw. das melodische Sprechen von Texten − oft in Verbindung mit Körperbewegung, Trommeln oder auch Tanz.

Sie unterscheidet das Chanten vom “professionellen Singen” wie z.B. in einem Chor darin, dass das Chanten “leistungsfrei” sei und es dabei

nicht um musikalische Perfektion oder Kunst

gehe, sondern

darum, durch länger andauerndes Wiederholen und die Konzentration auf den Chant und die Gruppe soziale, gesundheitsfördernde und transzendente Wirkungen zu entfalten.

Wenn eine “gesundheitsfördernde” Wirkung, beispielsweise zur Stressreduktion, im Fordergrund steht, wird heute auch gern der Begriff “Heilsingen” verwendet.

 

Verschiedene Varianten des Chantens
Unter dem Begriff “Chant” fallen heute, wie wir sehen können, viele verschiedene Dinge.
Sie können nicht nur religös-spiritueller Natur sein, sondern auch völlig profan.
So gehören Sprechchöre von Fußballfans, die ihre Mannschaft anfeuern ebenso in diese Kategorie, wie Proklamationen auf Demonstrationen oder gar die Rufe eines Auktionators.

 

Chant und Chanting als Teil der relgiösen und spirituellen Praxis
Schaut man sich in der religös-spirituellen Welt um, dann finden wir Chants auf sämtlichen Pfaden.
In den abrahamitischen Religionen ebenso wie im Buddhismus, Hinduismus oder auch Stammesrelgionen oder im (Neu)Heidentum (z.B. Wicca).
Dabei findet natürlich zwangsweise auch eine Überschneidung mit dem Mantra statt, dass “gechantet” wird. Doch dazu mehr an entsprechender Stelle.

Der Chant ist jedoch nicht auf das Mantra beschränkt.
Darunter fällt auch das Rezitieren von heiligen Texten (oder Ausschnitten davon),  Gottesnamen  und ähnliches.

Wie das Gebet kann (muss allerdings nicht 😉 ) das Chanten einen wesentlichen Bestandteil der persönlichen Glaubens-und Religionsausübung, oder der Praxis einer ganzen Gruppe ausmachen.
Manche betrachten das Chanten auch explizit als ein Werkzeug oder Mittel, um die spirituelle Entwicklung eines_r Einzelnen  oder einer Gruppe zu fördern.

Es gibt, je nach Pfad, ganz unterschiedliche Methoden oder “Arten” des Chantes. Z.B. der Obertongesang tibetischer Mönche oder das Kirtan, ein Wechselgesang zwischen einem Vorsänger und “Antwortenden”, das vor allem durch die Bhakti-Bewegung der ISKCON in unseren westlichen Breiten bekannt geworden ist.
Allerdings ist das Kirtan natürlich nicht auf die ISKCON beschränkt sondern stellt eine Praxis dar, die generell im Sanatana-Dharma (3) aber z.B. auch dem Sikhismus bekannt und verbreitet ist.

Der Chant kann darüber hinaus Teil eines Rituals, eines “Gottesdienstes” oder einer Andacht sein, muss es aber nicht zwangsweise.

 

Chants im (Neu)Heidentum und als Teil magisch-spiritueller Praxis
Innerhalb des (Neu)Heidentum erfreuen sich diverse neue und alte Chants großer Beliebtheit.
Sie bilden einen z.T. nicht ganz unerheblichen Teil bei Jahreskreisfesten, Übergangsritualen oder anderen Feierlichkeiten, Ritualen und/oder anderen Treffen.
Zumindest ist es meine Beobachtung, die sicherlich nicht generalisierbar ist, und sich auch von Gruppierung zu Gruppierung, oder auch persönlicher Präferenz stark unterscheidet/unterscheiden können.

Chants helfen vor, während und nach Ritualen dabei, die Gruppe auf das Ritual einzustellen, Energien aufzubauen,  zu fokussieren, auszurichten und schließlich auch zu lenken.
Mit ihrer Hilfe können aufgerufene Energien auch wieder geerdet werden und die Mitglieder einer Gruppe wieder in das “Hier und Jetzt” (zurück) geholt werden .
Die Einsatzmöglichkeiten sind sehr vielfältig.

Im Gegensatz zu Mantren die, wie wir noch sehen werden, von Natur aus eigene Energie(n) besitzen und quasi “geladen” sind, sind Chants eher “Gefäße”, dazu geeignet (“Fremd”- bzw. “Eigen”-) Energien “einzufangen”, zu bündeln, zu halten und zu lenken.
Sie wirken, so gesehen, nicht aus sich selbst heraus, sondern durch und mit Energien, die in sie hineingegeben werden.

Allerdings ist meiner Erfahrung nach auch zu beachten, dass nicht jeder gleich “gut” auf Chants “anspringt” .
Das kann an unterschiedlichen Dingen liegen. Sei es, dass die entsprechende Person sich einfach unwohlfühlt, bisher noch keine Erfahrungen mit Chants gesammelt oder sich schlicht nich fallen und “gehen” lassen kann.

 

Wirkung von Chants
Chants wirken meiner bisherigen Erfahrung nach, vor allem durch die Komponenten Rhythmus, Metrum und Tempo.
Worte sind, wie bereits oben geschrieben, nicht zwingend notwendig, können aber natürlich für den/die eine_n oder andere_n hilfreich sein.
Eine ebenfalls nicht unerhebliche Rolle kann ggf. auch die Tonlage spielen.

Wichtig ist darüber hinaus der Sinn und Zweck, der mit einem Chant verfolgt werden soll.
Für das Aktivieren und die Steigerung eines Energieflusses, nützt es z.B. wenig, das Tempo generell langsam und getragen zu gestalten, sondern es muss (oder sollte 😉 ) sich, dem anpassend, von langsam zu schnell steigern, dann einen Augenblick auf dem Höhepunkt gehalten werden um dann abgegeben und wieder zurück gebracht zu werden, bzw. den Rest der aufgerufenen und gesammelten Energie wieder zu Erden.
Für Letzteres ist z.B. wiederum ein schnelles, “zackiges” und aufputschendes Tempo kontraproduktiv.

Chants können für ganz verschiedene Zwecke verwendet werden, die sich im weitesten Sinn auch mit denen von Mantren überschneiden können.
Neben dem Erwecken und Lenken von Energie kann mit ihrer Hilfe Trance eingeleitet, Visionen hervorgerufen, evoziert oder/und invoziert werden.
Sie können die Gemeinschaft und die Verbundenheit stärken und haben einen sehr starken Einfluss auf die Emotionen.
Nicht zuletzt helfen sie natürlich auch dabei, die Gedanken und auch die Atmung (positiv) zu beeinflussen.

 

Fazit
Bei Chants handelt es sich in erster Linie um das rhythmische Sprechen und/oder Singen von Worten, Texten oder Tönen.
Unterschiedliche religiöse und spirituelle Pfade bedienen sich Chants. Einerseits um positive und angenehme Atmosphören zu schaffen, andererseits um die spirituelle (Weiter)Entwicklung zu fördern, den Geist und die Gedanken zu beruhigen und zu fokussieren.
Doch neben diesen Wirkungsbereichen können Chants auch in unterschiedlicher Weise auf rituell-magischer Ebene eingesetzt werden. Z.B. bei der Erweckung, Steigerung, Speicherung und dem Loslassen von Energie.

Auch wenn sie sich von Mantren und ihren Wirkungsweisen z.T. erheblich unterscheiden, so sind sie hervorragende Werkzeuge, mit denen es sich lohnt sich näher auseinander zu setzen und spielerisch mit ihnen zu experimentieren.

 

 

Beispiele für populäre heidnische Chants

Element Chant
The earth
The air
The fire
The water
Return, return, return, return

 

Goddess Chant
Isis
Astarte
Diana
Hekate
Demeter
Kali
Inanna

 

Triple Goddess Chant
Honored maiden huntress Artemis, Artemis,
New moon come to us.

Silver shining wheel of radiance, radiance,
Mother come to us.

Honored queen of wisdom Hecate, Hecate
Old One come to us.

 

Ende Teil 2
Siat


1-Online Etymology Dictionary
2-Wikipedia: Chanting
3-Eigenname des Hinduismus

Mantra, Chant & Affirmation-Ein Versuch der Unterscheidung (Teil 1)

Es fällt mir immer wieder auf, dass die Begriffe „Chant“, „Mantra“ und „Affirmation“ sehr gern bunt durcheinander gewürfelt und z.T.  synonym füreinander verwendet werden.
Besonders in der magisch-heidnisch-esoterischen „Szene“.

Dass sie sich tatsächlich unterscheiden, dass ein Chant nicht unbedingt ein Mantra, ein Mantra nicht unbedingt ein Chant oder gar eine Affirmation sein muss, ist den wenigstens bekannt und bewusst, oder wird manchmal auch schlicht ignoriert.

Doch was unterscheidet sie voneinander?  Was sind vielleicht ihre Gemeinsamkeiten?
Ich möchte versuchen, diesem ein wenig auf den Grund zu gehen, und vielleicht gelingt es mir, ein wenig „Licht ins Dunkle“ zu bringen.

Gemeinsamkeiten reichen nicht zur Gleichstellung
Fakt ist: Mantren, Chants und auch Affirmationen haben einige Dinge gemeinsam.
Sie haben einen (recht direkten) Einfluss auf uns und unsere Psyche, aber auch auf die eine oder andere Weise auf unsere (Um)Welt.
Und auf den ersten Blick scheint es mehr Gemeinsamkeiten zu geben als Dinge, die sie unterscheiden.

Betrachten wir Chats, Mantren und Affirmationen oberflächlich, so fällt vermutlich als hautpsächliche Gemeinsamkeit auf, dass es sich immer um Worte, Verse oder kurze Texte handelt, die ununterbrochen rezitiert werden. Entweder (laut oder leise) sprechend/murmelnd, singend oder in einem Sprechgesang .

Dies reicht vielen oftmals schon dafür, um die drei Begriffe miteinander zu vermischen, oder sie synonym für einander zu verwenden.
Doch brachtet man sie näher so kann man feststellen, dass diese Gemeinsamkeiten nicht dazu ausreichen, sie in dem Sinne gleich zustellen, dass sie Synonym für einander verwendet werden können.

Wenn ich versuchte die Unterschiede der drei sehr kurz zu erklären, würde es vermutlich auf folgende Kurzfassungen hinauslaufen:

Chant
Das rhythmische sprechen oder singen von Tönen, Worten oder auch kurzen Sätzen. Er dient im magisch-spirituellen Bereich z.B. in erster Linie dazu Energie aufzubauen, zu fokussieren und (eventuell) bei ihrer Lenkung zu unterstützen. Er kann einfache oder ganz komplexe Melodien beinhalten.


Affirmation

Ein positiver Glaubens-, bzw. ein „selbstbejahender Satz“. Er dient in erster Linie dazu, das Denken eines Menschen positiv zu beeinflussen/zu verändern. Es kann aber auch ein einzelnes Wort als Affirmation benutzt werden.

Mantra
(Heilige) Silben, Worte, Verse oder der Name einer Gottheit, die (laut oder leise) gesprochen, gesungen, in Gedanken rezitiert oder auch aufgeschrieben werden können.
Es dient einerseits z.B. dazu, den Geist (bzw. das Denken) zu fokussieren, zum anderen aber auch dazu, mentale und spirituelle Energien freizusetzen und bei der Meditation zu unterstützen, oder auch, um sich auf eine bestimmte Gottheit zu „konzentrieren“, diese anzurufen und/oder zu invozieren.

Diese kurze Gegenüberstellung lässt vielleicht bereits erahnen, dass die synonyme Verwendung der Begriffe fehlleitend ist.

 

Wortklauberei?
Doch warum sollte man sich überhaupt darum kümmern, wie was genannt wird?
Ist es nicht egal, ob man nun zu einem Mantra Affirmation, oder zu einem Chant Mantra sagt?

Nun ja. Eigentlich sind diese Fragen überflüssig. Ungenauigkeit und Falschinformation führen leider schon zu genügend Irritationen, Missverständnissen und dergleichen.
Und davon gibt es in „heidnisch-esoterischen Kreisen“ bereits genug.

Es ist noch niemanden bei der korrekten Verwendung von Begriffen ein Zacken aus der Krone gebrochen.
Die korrekte Verwendung von Synonymen ist selbstverständlich völlig legitim, doch aus Begriffen Synonyme zu machen, die bei genauerem Hinsehe und Beschäftigen gar nicht wirklich austauschbar sind, ist dann doch weit her geholt.

Äpfel sind ja schließlich auch keine Birnen. 😉

 

LG
Siat

Ende Teil 1

Möglichkeiten und Unmöglichkeiten von Wahrsagerei (Teil 2)

Wenn ich nun durch die Befragung eines Orakels einen Schimmer davon bekomme, was mich erwartet bzw. eher erwarten könnte…
Was tu ich dann mit der Info?

Im voran gegangenen Teil klang es ja bereits an:
Es ist natürlich stark davon abhängig, als was ich die Aussagen eines Orakels betrachte und wie ich mich, meinen Platz in der Welt und in der Schöpfung, und auch das Zusammenspiel zwischen Menschen, GötterInnen und Geistern sehe.
Betrachte ich mich als ausgeliefert? Den Geistern, dem Schicksal, den Göttern, den Geistern oder den Göttinnen?
Erlebe ich mich als macht-los und ohn-mächtig? Unfähig mein Leben, meine Schicksal zu beeinflussen?
Habe ich gar Angst davor, mein Leben selbst zu bestimmen weil ich befürchte gegen kosmische oder göttliche Gesetze zu verstoßen? Mir den “Zorn der Götter” aufzuladen?
Oder bin ich der Meinung, dass wir unser Leben und Schicksal selbst bestimmen?

Wahrsagerei und (Selbst)Verantwortung

Quelle: facebook.com

Ein sehr wichtiges Thema auch in Bezug auf Orakelbefragung und Wahrsagerei ist die Verantwortung.
Diese betrifft nicht nur andere, sondern auch in einem sehr großen Umfang in erster Linie uns selbst.
Doch ob wir uns dieser Verantwortung stellen, oder sie verleugnen und uns lieber darauf zurückziehen, unser Leben von und durch andere gestalten zu lassen, statt aktive Gestalter unseres Lebens zu sein…
Das ist eine Entscheidung die kein Orakel, kein Tarot-Deck, keine Rune oder was auch immer wir befragen, für uns fällen kann.

“Erkenne dich selbst”, eine Aufforderung, die bereits am Eingang zum Orakel von Delphi gestanden haben soll, ist eine der wichtigsten “Lektionen”, die ich über die Jahre, die ich mich mit verschiedenen Orakelmethoden befasse, gelernt habe.

(Er)Kenntnis darüber zu erhalten, was die eigene Zukunft bereit hält nützt meiner Meinung nach nur dann wirklich etwas, wenn man auch gewillt ist, mit diesem Wissen zu arbeiten.
Das kann (eine große Portion) Mut erfordern, weil manche Erkenntnisse eben nicht weich gespült in Licht und Liebe sind, und diese zu verändern auch Kraft und Ausdauer verlangen, oder sie uns an unsere Grenzen bringen können.
Sie erfordert aber auch den Mut und den Willen sich mit sich selbst auseinander zu setzen.

Das bringt uns auf dem direkten Wege hin zum Thema „(Selbst)Verantwortung“ und auch zu der Frage warum man eigentlich ein Orakel befragt/befragen möchte.
„Natürlich, damit man Antworten auf seine Fragen erhält“, mag die offensichtliche Antwort darauf lauten.
Die wirklich spannende Frage, die auch direkt mit dem Thema „Verantwortung“ verbunden ist, folg fast automatisch daraus: „Was tun wir dann mit unseren Antworten? Bzw. was tun wir mit ihnen nicht?“
Lassen wir sie einfach stehen und denken nicht weiter über sie nach?
Nehmen wir sie als „Wahr-Sprüche“, die nicht hinterfrage, nicht interpretiert oder „bewegt“ werden dürfen, weil sie von den Göttern kommen und somit „sacrosanct“ sind?
Betrachten wir sie als endgültiges, unabwendbares Schicksal, dem wir ausgeliefert sind? Dem wir nur mit demütig gesenktem Haupt (oder aufrecht) begegnen, aber gegen das wir nichts tun können oder dürfen (weil wir sonst gegen den Willen der Götter handeln, die unser Schicksal bestimmen)?

Wie auch immer wir damit umgehen, was wir an Antworten erhalten, von Karten, Runen, Pendel, Witch-Boards, Menschen, die als Medien dienen usw, usf..
All´ diese befreien uns nicht von der Verantwortung selbst (und ständig) zu denken, zu handeln und mit unseren Entscheidungen, die wir auf Grundlage von welchen Hilfen auch immer fällen, zu leben.
Und sie befreien uns auch nicht von den Konsequenzen dessen was wir tun und denken, oder auch unterlassen!

Natürlich, es hält uns auch niemand davon ab, wenn wir uns hinstellen und uns als „Opfer der Umstände“ oder „des Schicksals“ sehen und betiteln wollen. Auch dies ist eine Entscheidung, die wir fällen, und die manchmal als (verlockende) „einfachste Lösung“ erscheinen kann.
Vor allen Dingen, weil wir dann jemanden (oder etwas, wie z.B. eine „Prophezeiung“) für unser „Elend“ verantwortlich machen, dem wir die „Schuld“ geben können.

Änderungen in unserem Leben, in unserem Verhalten oder wo auch immer, können wie gesagt, weder durch Karten, noch durch (das Werfen von) Runen noch durch ein anderes Medium hervorgerufen werden.
Wahrsage/Orakel-Methoden können nur Hinweise, Tips, Ratschläge u.ä. geben, aber TUN (und die Entscheidung fällen, etwas tun zu wollen oder auch nicht) können nur wir etwas.

Quelle: Facebook
Quelle: Facebook

Selbsterfüllende Prophezeihungen und Wahrsagerei
Ein weiteres manchmal etwas unterschätzes Thema, ist die Selbsterfüllende Prophezeiung:
Je mehr man davon überzeugt ist, dass das, was man aus Karten, Runen oder dergleich liest, oder von anderen Orakelmethoden vohergesagt bekommt, auch ganz genau so eintritt, desto höher ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass dies auch passiert.
Wir “warten” nur darauf, haben Angst und ändern (vielleicht auch nur minimal und unterbewusst) dadurch unserer Verhalten, unsere Handlungen und/oder Denken, was wiederum Einfluss darauf hat, was von uns wie wahrgenommen wird usw. .
Es entsteht eine Art “Kreislauf”, den wir erst dann durchbrechen können, wenn wir es auch schaffen, unser Denken zu ändern.
Das funktioniert in die eine Richtung ebenso wie in die andere. Sprich sowohl in Richtung positiver Dinger, als auch negativer.

Der verantwortungsvolle Umgang mit Orakelaussagen ist daher auch aus diesem Blickwinkel zu betrachten.  Sowohl wenn es darum geht, das man selbst ein Orakel befragt, aber auch, wenn man für andere z.B. Karten legt.
Christen legen Jesus die Worte in den Mund: “Wie du glaubst, so geschieht dir.” Eine genaue Beschreibung dessen, was Selbsterfüllende Prophezeihungen sind.
Wenn ich jedes einzelne Wort so nehme, wie es ausgesprochen wurde, dann kann es unter Umständen sein, dass ich auch exakt genau das bekomme, egal um was es sich handelt.

Das Leben beginnt dort, wo die Angst endet (Osho)
Sein Leben selbst in die Hand zu nehmen und trotz diverser Ratschläge sich die Macht zu nehmen, über sich selbst zu bestimmen, erfordert eine Menge Mut, und die Überwindung von Ängsten, auch wenn diese sich vielleicht nicht im ersten Augenblick als Ängste offenbaren.
Unsicherheit und Angst gehören, zumindest meiner Beobachtung nach, zu den häufigsten Ursachen dafür, dass sich Menschen in die Abhängigkeit von Wahrsagern oder von Orakeln begeben.
Die Gründe, warum Unsicherheiten und/oder Ängste die Entscheidungsfähigkeit, und damit das Leben beeinflussen, können natürlich wiederum sehr vielfältig und individuell sein, weswegen sie an dieser Stelle nicht weiter besprochen werden können. Es würde den Rahmen spengen.

Orakelsprüche nicht ausschließlich als “Wahrsprüche” zu nehmen, sondern sie in seinem Herzen oder im Kopf zu bewegen um ihre Botschaft (so) vollständig (wie möglich) zu erfassen, auch wenn sie von einem anderen Menschen kommen, ist ein Schritt dazu, die eigenen Ängste zu überwinden und sich die “Macht” über das eigene Leben zurück zu erobern, und auch aus dem Feld der Selbsterfüllenden Prophezeihungen etwas heraus zu treten, bzw. sich bewusst zu machen, wo diese welche Wirkungen auf unser(e) Leben(sgestaltung) haben.

Siat