Archiv der Kategorie: Kreis der Philosophen

Wahrnehmung, Polaritäten und was das Sein noch alles zu bieten hat

Der verdrängte Tod

Ein paar lose Gedanken zum Umgang mit Sterben und Tod

Samhain, das Fest zu Ehren der Verstorbenen steht unmittelbar vor der Tür.
Die Schleier zwischen den Welten lichtet sich und es wird leichter sowohl für uns als auch für die, die vor uns gegangen sind, die Grenzen zwischen den Welten zu überschreiten.
Es ist die Zeit, in der viele von uns ihrer Verstorbenen gedenken, seien sie Heiden oder auch Christen.

Doch Samhain ist auch ein Fest, das mir das Thema der eigenen Sterblichkeit vor Augen bringt und mich darüber nachdenken lässt, wie mit dem Thema Tod und Sterben in unserer heutigen, noch immer stark christlich geprägten Gesellschaft umgegangen wird. – Und wie ich auch selbst mit diesen Themen-Bereichen umgehe.

Noch immer wird der Tod, zusammen mit dem ihm meist begleitenden Alter, aus der Mitte der Gesellschaft in die Anonymität und Einsamkeit von Krankenhäusern und/oder Pflegeeinrichtungen verdrängt.
Schönheit und Jugend verdrängen das unangenehme, “schrumpelige” Antlitz des Alters. Teure Duftwässerchen, Raum-Deodorants und ähnliches werden gegen unangenehme Gerüche versprüht und “helle”, “lichte” Farben gegen die Anwesenheit der Dunkelheit des Alters eingesetzt.
Die Schwäche des Körpers, das Altern, natürlich auch schwere Krankheit, und Tod sind bereiche, die in der heutigen leistungsorientierten Gesellschaft, in der nur Kraft, Schönheit und “Jugend” zählt, keinen Platz mehr haben.
In Deutschland gibt ihn nicht mehr: Den Tod, für jede/n sichtbar auf der Straße, und nur noch ganz selten Zuhause im Kreise der Familie.
Er ist “outgesourced”.

Das ewige “Mysterium Tod”
Obwohl verschiedene Wissenschaften seit Generationen daran forschen, ist der Tod noch immer ein ungelöstes Mysterium.
Vor allem was das “Danach” anbelangt.
Bisher ist noch kein Mensch von den Toten wieder zurück gekommen und hat davon berichtet, was nach dem Tod wartet und selbst dann zweifle ich (aufgrund meines Weltbildes) daran, dass sich auch jedes “Szenario” nach dem Tod gleicht.
Ein wenig so, wie es die Sage von Beorn erzählt:

Dieses Nicht-mit-Entschiedenheit-Wissen macht den meisten Menschen Angst oder bereitet zumindest ein gewisses Unbehangen.
Und bei manchen ist es auch so, dass sie sich viel weniger Gedanken darum machen was “danach” kommt, sich aber sehr wohl Gedanken über die Art des Todes machen.
Auf die eine oder andere Weise.- “Leicht” oder “angenehm” erscheint es den wenigsten Menschen.

Die Hospitzbewegung und Sterbebegleiter
Doch es gibt natürlich auch diejenigen, die sich darum bemühen, das Sterben wieder in das Leben, in die Mitte der Gesellschaft zu bringen.
Die Hospitz”bewegung” ist da z.B. etwas, was ich sehr bewunder und mit dem ich mich selbst seit einigen Jahren immer wieder beschäftige.

© Siat
© Siat

Vor einigen Jahren bin ich auch auf das Thema “Sterbeamme”/”Sterbebegleiter” gestoßen, als die man sich mittlerweile seit einigen Jahren in einigen Standorten in Deutschland ausbilden lassen kann, wenn man sich dazu berufen fühlt, Sterbende und ihre Familien zu begleiten.

Ich finde dies sehr wichtige Prozesse und würde mir wünschen, dass diese Arbeit mehr in der Öffentlichkeit zur Sprache gebracht werden würde.

Hier in Fürth wird die Hospitzarbeit interessanter Weise auch von der Fürther Freimaurer-Loge unterstützt.

Heiden, Sterben und Tod
Selbst unter Heiden haben ich manchmal den Eindruck, dass das Thema Tod und Sterben etwas ist, das zwar eine gewissen Rolle in der/n Spiritualität/en und im/in den Weltbild/ern spielt, aber offen darüber kaum gesprochen wird.
Ich empfinde es einwenig wie ein Phänomen, vor allen Dingen wenn ich mir ins Bewusstsein rufe, dass auch “wir” eines Tages “eingeholt” werden.
Themen wie “wie möchte ich mein Alter verbringen”, “wie möchte ich meine letzten Tage verbringen”, “wie soll mein Begräbnis aussehen”, “Was für Richtlinien gibt es ggf. die meinen Wunsch nach einer heidnischen Beerdigung (wie auch immer sie aussehen mag) ggf. erschweren könnten”   usw. usf. werden auch für “uns” (“eines Tages”) von Belang sein.

Nicht zuletzt ist auch eine sehr große Frage, die auch in letzter Zeit in der Öffentlichkeit eine größere Rolle spielt die, nach der Art des eigenen Ablebens.

© Siat
© Siat

Sterbehilfe
Grade im Angesichts der heutigen medizinischen und pflegerischen Möglichkeiten, die die Zeitspanne des menschlichen Lebens immer weiter hinauszuziehen vermögen wächst auch eine gewisse Skepsis und ein gewisser Argwohn. Vor allem hinsichtlich einer durch Politiker und Konfessionen, die politischen Einfluss haben wie die christlichen Kirche, aufgedrückten “Pflicht zu Leben”.
Die immer wieder heiß hochflammende Diskussion über Sterbehilfe auch in Deutschland zeigt, dass ein Rede- und vor allen Dingen auch ein Handlungsbedarf in diese Richtung besteht, wenn die Menschen, die den Zeitpunkt ihres Todes selbst bestimmen möchten, nicht weiter gezwungen sein sollen, dafür ins Ausland zu gehen.

Wie möchte ich sterben? Und ja, WANN möchte ich gehen? Wenn mir die Hilfe durch eine fachlich ausgebildete Person, bzw. einen Arzt verweigert wird, was möchte ich dann tun?
Wie möchte ich ggf., dass meine Hinterbliebenen mein Weggehen feiern? Möchte ich etwas “hinterlassen”? Ein “Vermächtnis”, das manche Menschen als so wichtig erachten?

Samhain ist eine Zeit, die mich (und vielleicht auch andere) dazu einläd, die eigen Ängste und Grenzen bezüglich der einen Sterblichkeit und des Todes zu überwinden und sich nicht nur mit denen die Bereits gegangen sind zu beschäftigen, sondern auch mit sich selbst. Oder auch den Menschen, die an unserer Seite noch auf dieser Seite des Schleiers wandeln.

© C. Martens

LG
Siat