Archiv der Kategorie: Die Göttlichen

Göttinnen und Götter

Brighid-Göttin der drei Feuer von Ishtar

Die keltische Göttin Brighid gehört vielleicht zu den ältesten Göttinnen Europas, die (teilweise zwar unter christlichem Mantel) ungebrochen bis heute verehrt wurde. Viele ihrer Wurzeln greifen zurück auf die Mythologie der Steinzeit und Eisenzeit. Sie wurde unter vielen Namen bekannt und ihre Verehrung findet sich nicht nur Irland und Nordengland, sondern auch auf dem Festland.

Namen unter denen Brighid bekannt ist:
Brigit, Brigid, Bhride, Brid, Bride [Bruiid oder Braidi ausgesprochen], Briga, Brigantia, Bridget, Brigindo, Brittania, Briginda, Brigdu.

Titel – Namenszugaben

  • Brighid-nam-Bratta(Brighid des Umhangs)
  • Brighid-Muirghin-na-tuinne(Brighid der Empfängnis der Wellen)
  • Brighid-sluagh(Brighid der unsterblichen Gastgeber)
  • Brighid-nan-sitheachseang(Brighid des dünnen Feen-volks)
  • Brighid des Volks der Grünen Umhänge
  • Brighid der Harfe, der Trauernden, der Prophezeihung, der reinen Liebe
  • Breo-Saighit, die Flamme von Irland, Feuriger Pfeil
  • Ihr Name bedeutet „Hoheit“ oder „Erhabenheit“.

Schirmherrin
Auf der Druidisch-Adligen Ebene:
Brighid Göttin der Heiler, Poeten und Inspiration und Schmiede,Patronin der Kriegskunst (oder Briga).

Auf der Bäuerlichen Ebene:
Feuer des Herdes, Herrin der Fruchtbarkeit, Landwirtschaft, Geburt, Ernten, Schutz der Kinder (Es heißt, dass Brighid sich über jede Wiege lehnt) und bei der Geburt, Trauer. Große Muttergöttin.

Mysterienebene:
Herrin des Göttlichen Feuers, Vermittlerin zwischen Himmel und Erde, Göttin der Initiation.

Angerufen für:
Trauer, Fruchtbarkeit, kreative Inspiration, Heilung, Geburt, aller Formen von Feuer oder Wassermagie, Schutz des Landes, für die Künste und das Handwerk, Hüterin der Kinder. Manchen Quellen zufolge wurde sie auch als Kriegsgöttin angerufen, Divination, Schamanismus.

Feiertag:
31.Januar – 1. Februar (Imbolc, auch bekannt als Brigid’s Day, Oimelc, Candlemass, Lichtmess). Imbolc ist eines der vier keltischen Feste die aus Quellen namentlich belegt sind.

Es wird als ein Fest der Milch und der jungen Lämmer gefeiert. Die christliche Kirche übernahm es als Fest wenn Maria die Verunreinigung der Geburt überstanden hat (Nach Biblischer Überlieferung ist eine Frau nach der Geburt eines Mädchens für 80 und bei einem Jungen für 40 Tage unrein) und als Gedenktag an die Heilige Brigit.

Korrespondenzen:
Feuer, Brombeer (Brombeerwein ist ihr heilig), Quellen, Milch, Schilde, Lämmer, das Herz,  das Herdfeuer

Tarotkarten:
die Königin, die Kraft

Farben:
Rot, weiß

Ein Altar ihr zu ehren sollte immer eine brennende Flamme haben, wenn nicht sogar ein „ewiges Licht“.

Ihr symbol ist das Brighid-Kreuz. Traditionell aus Stroh oder Binsen gefertigt. Man hing es im Haus oder über der Haustür zum Schutz auf.

 

Brighid’s Mantel wird ebenso viel Bedeutung zugeteilt.

Speer und Pfeil sind ihr ebenfalls heilig

Tiere:
Kühe (Brigid besaß zwei Kühe), Schafe, Lämmer (zum fest Imbolg gehörend). Manchen Quellen zufolge Besaß sie auch einen Eber und einen Widder.

Mythologie
Brighid und die Tuatha De Danann

Die irische Göttin Brighid gehört zu den ältesten Gottheiten der irischen Mythologie und ist auch in Schottland und England zu finden. In einem mittelalterlichen Manuskript heißt es, sie sei aus der „Zeit des Deluge“

Brighidwar ein Mitglied der Tuatha De Danann, dem Volk der Göttin Danu, die als sehr gebildet und in so manchen Künsten bewandert galten. Es heißt, sie erreichten Irland nicht wie alle anderen Invasoren mit einem Schiff, sondern sie kamen aus dem Nebel heraus. Hier ist sie die Tochter des Dagdas, der als Patrone der Druiden gilt. Brighid soll eine Dichterin der Tuatha De Danann gewesen sein, anderen Quellen zufolge hatte sie noch zwei weitere Schwestern, manchmal tragen diese den gleichen Namen, eine soll Heilerin, die andere Schmiedin gewesen sein. Allerdings gibt es auch Hinweise auf sie als eine Göttin vor der Zeit der Tuatha De Danann.

Dazu zählt, dass ihr Name unter anderem „Die Erhabene“ heißt, was auch der gleiche Name der Eriu ist, eines der drei Herrinnen zu denen Amergin, ein Sohn Mileds, reiste, um die Erlaubnis zur Eroberung Irlands zu erhalten. Eriu war auch ein anderer Name Irlands, was diese Göttin zur Hoheitsgewalt und das Land an sich macht.

Brighid und Bres
In einem Mythos ist Brighid mit Bres verheiratet. Er ist halb-Fomorianer und Herrscher der Kinder von Danu. Während der zweiten Schlacht des Magh Tuireadh zwischen den Tuatha De Danann und den Fomoren verwundete Brighids Sohn Ruadan den Schmiedegott Giobhnui und wird anschließend im Kampf getötet. Brighid ging selbst auf das Kriegsfeld und beklagte ihren Sohn. Es heißt, sie sei die erste gewesen, welche über den Tod eines geliebten Menschen wehklagte (caoine). So wurde sie zur Trösterin aller Trauernden. In Irland war es noch lange Brauch Frauen anzuheuern, die am Grabe wehklagten. Dieser Brauch wurde auch in Griechenland und Ägypten gepflegt und reicht sogar nach Mesopotamien zurück.

Brighid und Cailleach – eine Jahreszeitliche Verbindung
Im Mythos von Brighid und Cailleach finden wir auch Hinweise auf Brighid als Jahreszeitliche Göttin. Die große Ähnlichkeit ihres Namens, mit dem Wort für Braut sollte ebenfalls nicht von der Hand gewiesen werden. Sie könnte den Frühlings und Sommeraspekt des Landes darstellen. In der ersten Sage reist die Cailleach, die alte Frau des Winters zu einer Insel, wo der Brunnen der Jugend liegt. Wenn die Morgensonne aufgeht trinkt sie das Wasser und verwandelt sich in Bride, die Jungfrau. Hier können wir einen Ursprung der Wiccamythologie sehen, wo sich die Göttin zu Imbolc selbst wieder erneuert und verjüngt.

In der zweiten Sage wird Bride von der Cailleach in einem Berg gefangen gehalten. Es ist Cailleach’s eigener Sohn der sich in die leuchtende Bride verliebt und sie aus der Gefangenschaft befreit. Wütend verfolgte Cailleach das junge Paar mit einem Sturm und wird schließlich zu Stein.

Brighid und das heilige Feuer
Den Hauptaspekt der Brighid bildet das Feuer.

  • Feuer der Inspiration und Divination
  • Feuer der Heilung und der Fruchtbarkeit
  • Feuer der Schmiede und des Handwerks

Brighid wurde zu Sonnenaufgang geboren und es heißt, ihr Haus erschien wie von Flammen umgeben. Bei ihrer Geburt erschien eine Flammensäule über ihren Kopf, die bis in den Himmel reichte. Diese Verbindung zwischen Himmel und Erde ist sehr interessant und bringt uns Bride als Vermittlerin und Verbinderin näher. Sie steht so mit der Heiligen Flamme der Initiation und Erleuchtung zusammen. Kein wunder, dass Imbolc oft als Datum für Initiationen genommen wird. Die Assoziation mit dem Sonnenaufgang ihrer Geburt hat ebenfalls sehr viel Symbolik. So wird Brighid auch mit der Sonne in Verbindung gebracht, was wieder zu ihrem Jahreszeitlichen Aspekt als Frühlings – Sommergöttin passt.

Herrin des Ewigen Feuers
Das ewige Feuer am Himmel ist die Sonne, deren irdisches Symbol das Feuer ist. Bereits ihre Geburt weist darauf hin, dass Brighid als Erdgöttin das Ewige Feuer der Sonne auf die Erde bringt. In ihrem Heiligtum auf Kildare wurde ein ewiges Feuer gehütet, ähnlich wie für die Vesta in Rom. Auch das Herdfeuer im Haus ist ein Symbol dieses ewigen Feuers. In früheren Zeiten durfte nur ein Schamanen-Priester dieses Feuer entzünden und es war die Aufgabe der Herrin des Hauses darauf zu achten, dass es niemals erlosch (außer zu bestimmten rituellen Daten). Das Herdfeuer ist Brighid ebenso heilig. Das Feuer sollte immer an sein und jeden Abend würde die Frau des Haushaltes das Feuer bedecken (engl. Smoor), damit es die Nacht hindurch am brennen bleibt und dabei Brighid um Schutz bitten. An Imbolg wurde Eberesche für das Herdfeuer benutzt und am Morgen wurde nach dem Symbol Brighids auf dem Holz ausschau gehalten. Dieses sollte wie der Fußabdruck eines Schwans oder einer Gans aussehen und ein Segen der Göttin bedeuten. Das Holz sollte über Nacht also nicht komplett abbrennen. Dieses Symbol erklärt uns auch mehrere Assoziationen zwischen Brighid und Schwänen in der Carmina Gadelica.

Göttin der Poeten, Barden und Druiden
Divination
Brighid wird als die Göttin aller Divination angesehen. Besonders nahe steht ihr jedoch die Augurie, welche auch als Firth of Brighid bekannt ist. Die Technik wird beschrieben, dass man die Hände zu einem Fernrohr formt um verlorene Tiere und Menschen zu finden, oder die Gesundheit einer abwesenden geliebten Person zu überprüfen. Im Irische-Gälische Gebrauch entwickelte sich daraus der Gebrauch der Handinnenflächeals „Sehfläche“ um das Sonnenlicht auszublenden und den Seher zu fokussieren.

Der Frithir oder Seher welcher die Wahrsagung des Firth durchführte, beging diese Form der Divination am ersten Montag des Quartals, zu Sonnenaufgang, Barfuß und ohne Handschuhe nachdem er gefastet hat. Besondere Gebete wurden an Brighid gerichtet, während er Deosil (sonnwärts) um den Hausstand lief. Dann, mit verbundenen Augen geht der Frithir zur Schwelle des Hauses, legt eine Hand an jeden Türpfosten und betet dass ihm Einsicht gewährt wird. Dann schaut er mit offenen Augen unbeweglich nach vorne und merkt sich alles was er sieht.

Sieht er eine Person oder ein Tier aufstehen, bedeutet dies gute Gesundheit, während liegen Krankheit oder Tod bedeutet. Wenn sich Vögel nähern bedeutet dies gute Gesundheit. Eine Ente bedeutet Sicherheit für Matrosen, während ein Rabe Tod anzeigt.

Kreative Inspiration
Wie eine Muse wird Brighid auch als Geberin der kreativen und poetischen Inspiration verehrt. Frühe Irische Poeten trugen Mäntel aus Vogelfedern. Dies bringt sie einmal sehr stark mit den Schamanen in Verbindung, aber auch wieder mit der Vogelsymbolik der Göttin. Im Wort „Entchant“ = verzaubern findet sich auch die Wurzel für das Wort „singen“ (to chant). Es gibt eine enge Verbindung zwischen den Visionen der keltischen druiden-schamanen und der Barden. Den frühen Barden sagt man nach, dass sie Menschen Krankheiten „ansingen“ konnten.

Herrin der Schmiede und der Kriegskunst
Als Herrin der Schmiede wird Brighid in einem alten irischen Gedicht erwähnt. Auch hier ist die Verbindung zum Schamanismus wieder deutlich zu sehen. Die Kunst des Schmiedens war einst ein Geheimnis, welches von Schamanen gehütet wurde. Es war ein magisches Ritual zu schmieden, noch stärker im Wechsel der Bronze zur Eisenzeit, denn ursprünglich dachte man, dass ein Schwert nur aus dem Metall der Sterne (Meteoritenstein) geschmiedet werden konnte. Das legendäre Schwert Excalibur, das König Artus von der Herrin des Sees verliehen wurde, wurde von Frauen auf Avalon geschmiedet. Obwohl Frauen als Hüterinnen des Feuers nicht ungewöhnlich sind, ist die Assoziation von Frauen und der Schmiedekunst in überlieferter Zeit sehr vermännlicht worden. Zwei Hinweise auf Schmiedende Frauen in der keltischen Mythologie können also sehr wohl eine Parallele aufweisen. Vor allem, da dies nicht die einzige Verbindung zwischen Brighid und Avalon ist.

Von der Schmiede kommt die Verbindung zur Kriegskunst. Diese zeigt sich auch bei den Brigantes, der Soldaten der Göttin Brighid. Eine andere Theorie geht allerdings davon aus, dass Brighid die Hauptgöttin dieses Stammes war und sich von dort aus (oder durch Völkerwanderung) in ganz Irland und in andere Länder verbreitete. Ihre Assoziation mit der Kriegskunst könnte aber auch durch die Verbindung mit der römischen Minerva verstärkt worden sein. Zur ihrem als Aspekt als Herrin der Kriegskunst passt auch, dass es angeblich sie war, welche die Kriegsschreie erfand, mit denen die Feinde erschreckt wurden.

Wasser und Heilung
Auch Wasser ist der Göttin heilig. Mehrer Flüsse, Quellen und Brunnen mit Heilkräften sind ihrgeweiht. Besonders heilig sind ihr auch Warmwasserquellen, welche die beiden Kräfte, Wasser und Feuer miteinander verbinden. Es war früher üblich die Quellen mit Blumen und Pflanzen zu zieren, aber auch Münzen oder andere Silberobjekte wurden ihr geopfert.

Brighid und die Hoheitsgewalt des Landes
Ihr Name bedeutet „die Erhabene“ und basiert auf dem indoeuropäischen Stamm „bri“, was „Hoheit“, „Machtfülle“ oder „Hoheitsmacht“ bedeutet. Dieser Wortstamm findet sich in einer Vielzahl an Orts- und Flußnamen wieder: Bragana (Portugal), Bregenz (Österreich), Brig (Schweiz), Brega (Irland). Auch er Fluß Brent der das frühere Sumpfgebiet um Glastonbury herum entwässerte fällt in diese Kategorie. Wir können uns Fragen, ob Brighid die Göttin der Insel Avalon war. Auf die Verbindung zwischen der Schmiedekunst und Avalon habe ich bereits hingewiesen. Brighid’s große Verbreitung und Verbindung mit Orten und Flüssen zeigt sie uns als Verkörperung der Erde und der Herrschaft des Landes. Diese Verbindung zeigt sich auch darin, dass Brigantia, wie Brighid in England genannt wurde, als Britannia die Verkörperung Britanniens darstellt. Da Brighid immer mehr Aspekte der Großen Göttin Danu übernahm, entstand auch die Verbindung zwischen ihr und der Morrigan, dem Dunklen Aspekt der Danu. Allerdings besitzt sie mit den Sagen um Cailleach und Brighid bereits eine Verbindung zu einem dunklen Aspekt.

In zwei Geschichten und einem Brauch begegnet uns Brighid als die Herrschaftsgewalt des Landes: In einer Geschichte bestimmt sie den König des Landes, indem sie sich ihm als alte Hexe zeigt und nur er kann sie küssen. Auf die Frage wer sie sei, antwortet sie mit „Mein Name ist die Hoheitsmacht des Landes“. Einen weiteren Hinweis erhalten wir aus einer Legende der christianisierten Heiligen Brigit: Sie erhält das Land für ihr Kloster indem sie ihren Mantel auswirft, der sich über das Land ausweitet.Interessant ist auch, dass sie als weibliche Äbtissin die Bischöffe ernennt.

Überlappungen
Aufgrund von Darlughdacha, einer Vertrauten der Heiligen Brigit, deren Name Tochter des Lugh bedeutet, stellte Mary Condren die Theorie auf, dass Darlughdacha der eigentliche Name der Göttin Brighid sei und Brighid eher ein Titel darstellt.

Brighid wird häufiger in sehr großer Nähe mit Danu, der großen Muttergöttin der Tuata De Danan gebracht und weist viele Parallelen mit ihr auf. Da Brighid in Irland an sehr großer Popularität gewann, ist es möglich, dass sie Aspekte der großen Muttergöttin Danu übernahm. Sicherlich ist sie zu den großen Muttergöttinnen zu zählen, deren Verehrung ihre Wurzeln in der Steinzeit hat.

Ó’Hógáin verbindet die Heilige Brigit dagegen mit der Göttin Boann (Flußgöttin des Boann). Insoweit interessant als das es eine Verbindung zwischen Boann und der Morrigan gibt.

Übernahme in andere Pantheons
Romanisierung
Die Römer brachten Brighid mit Minerva in Verbindung, da sie ebenfalls eine Göttin ist, die Hoheitsgewalt, Weisheit und Inspiration gewährt und die Handwerkskunst unterstützt.

Christianisierung, die heilige Brigit
Die irische Verehrung der Brighid war so stark, dass sie ins Christentum in die Verehrung der Heiligen Brigit überging.
Die Heilige Brigit ist Überlieferungen zufolge 453 u.Z. In County Down geboren. Ihr Vater, Dubhtach war ein Druide (hier sehen wir die Verbindung zu Dagda, als Patron der Druiden), der sie nach dem Alten Weg aufzog und zur Insel Iona (auch als Druiden Insel bekannt) brachte und zur ban-drui, Druidin, ausbildete.
Ihre Vertraute war Darlughdacha (Tochter des Lugh), von der es hieß, sie hätte in Kildare mit Brigit das Bett geteilt. Manche Lesben sehen Brigidh deshalb auch als Göttin der Lesben.
Es erstaunt nicht, dass das Fest der Heiligen Brigit auf Imbolc gelegt wurde, angeblich weil die Heilige Brigit zu diesem Zeitpunkt gestorben war.

Nach iro-christlicher Tradition ist die Heilige Brigit Jesus’ Hebamme und Ziehmutter. Sie war auch eine Freundin seiner Mutter Maria und stand ihr zur Seite. Weswegen im Gälischen eines ihrer häufigsten Namen Muime Chriosd, (Ziehmutter Christi) ist. In diversen Gedichten wird sie Maria im Rang gleichgestellt, wird als Mutter Christi bezeichnet oder Maria der Gälen.

Die Heilige Brigit wurde als Patronin des Hofs und des Viehs, und Beschützerin des Haushaltes von Feuer und Krankheit verehrt.

Brigit wurde vom heiligen Patrick konvertiert und ihre Popularität stand mit der seinigen in ständiger Konkurrenz. Vieles deutet darauf hin, dass eine heilige Brigit niemals wirklich existiert hatte, sondern es sich dabei um die Umwandlung der Göttin in eine Heilige handelte, da ihre Popularität anders nicht gebrochen werden konnte.

Brigit wurde später Äbtissin der Abtei in Kildare und den Legenden zufolge war sie es, die die Bischöfe in ihrer Region ins Amt berief. Eine merkwürdige Rolle für eine Äbtissin, die eher an Brighid und die Hoheitsgewalt des Landes erinnert. Ihre Bischöfe mussten auch ausgebildete Goldschmiede sein, was uns nochmals in die Nähe der Göttin bringt. Die Geschichte wie sie das Land für ihre Abtei erhielt ist ebenso interessant, sie wurde dazu angewiesen ihren Mantel auszubreiten und so viel Land wie dieser umfassen konnte, solle ihr gehören. Ihr Mantel wuchs von Zauberhand und breitete sich über viele Hektare Land aus. Auch diese Geschichte erinnert uns an Brighid als Herrin des Landes.

Figuren der heiligen Brigit zeigen Tag- und Nachtsymbole in Form von einem Sonnen- oder Sternenkranz. Wie Maria kann sie aber auch auf der Mondsichel stehend entdeckt werden und als Beherrscherin über die Schlange.

Heilige Stätten
Kildare in Irland von Cill-Dara, Kirche der Eiche, ist ein besonders bekanntes Heiligtum der Brighid und war vor der Vereinnahmung durch das Christentum bereits ein heidnischer Kultort. 19 Frauen bewahrten das Feuer. Jede abwechselnd einen ganzen Tag von Sonnenuntergang zu Sonnenuntergang. Es heißt, Brighid selbst bewache ihre Flamme am 20. Tag. Die Frauen wurden als die Jungfrauen des Feuers bezeichnet Inghean au dagha und als Feuerbewahrer Brecohwidh. Brudins war ebenfalls eine Bezeichnung, die heute allerdings an Bedeutung gewechselt hat denn mit den Brudins sein, bedeutet heute mit den Feen sein. Meiner Meinung nach zeigt diese Wortentwicklung sehr deutlich, wie versucht wurde alte Götter als „Märchengestalten“ zu entmachten. Die Zahl 19 stellt den heiligen Jahreszyklus der Kelten dar, denn es brauchte 19 Jahre, für einen neuen Mond, bis er sich wieder am Tag der Wintersonnenwende befindet. Die Flamme wurde von einer (wahrscheinlich Weißdorn-) Hecke umgeben. Der Platz soll 20 Fuß groß, viereckig mit Dach gewesen sein. Es heißt, sie hätten bis ins 18. Jh. dieses Lied gesungen: “Bride, excellent woman, sudden flame, may the fiery, bright sun take us to the lasting kingdom.” – Bride ausgezeichnete Frau, unerwartete Flamme ,möge die feurige, leuchtende Sonneuns zum ewigen Reich geleiten”

Im Zuge der Christianisierung versuchten viele Bischöfe diesen heidnischen Brauch auszulöschen. Als ihnen dies nicht möglich war, wurde die Heilige Stätte eingenommen und Christianisiert. Die Jungfrauen wurden durch Nonnen ersetzt. 1220 wurde das Feuer schließlich auf Anweisung des Erzbischofs Heinrich von Dublin gelöscht. Dennoch gab es wohl mehrere Personen, die weiterhin eine Flamme bewahrten.

Im 18. Jh. wurde der Schrein in Kildare von der Monarchie geschlossen.

1960, im II. Vatikanum wurde beschlossen, dass es nicht genügend Beweise gibt um die Existenz und Heiligsprechung der Brigit aufrechtzuerhalten und sie wurde aus dem Canon entfernt. Dies betraf auch ihren Orden, der allerdings weiter bestehen blieb.

Zu Imbolc 1993 wurde das Feuer in Kildare von Schwester Mary Minehan eine Brigida-Nonne neu entfacht. Eine heilige Flamme brennt seitdem in ihrem Haus weiter. Viele heidnische Gruppen aus der näheren Umgebung sollten diese Brauch auch pflegen.

Viele Quellen und Brunnen deren Schutzherrin Brighid ist existieren noch heute und es heißt, dass sie viele Krankheiten heilen. In Kilfenora in CO in Irland gibt es eine besonders schöne. Sie wird Clare genannt und ist ein bedeutender Schrein der Heiligen Brigit welches von Nonnen gepflegt wird.

Überhaupt empfiehlt es sich nach Stätten der Heiligen Brigit zu suchen, so kommt man schnell an Kraftorte der Göttin.

Folklore

  • Zu Imbolc werden diverse Strohkreuze, genannt Brighid’s Cross gemacht. Davon gibt es zwei Varianten. Laut einer Quelle sind die irischen Brighid Kreuze 3 Strahlig, es gibt aber auch eine Variante mit vier Strahlen. Beide Varianten werden als ein altes Sonnensymbol gesehen.
  • In La Fheill Brighid (2. Februar) kommen die Frauen zusammen um ein Bild der Göttin als Jungfrau zu machen. Sie trägt ein weißes Kleid und einen Kristall über ihrem Herzen. Anschließend wird sie in einem Wiegenähnlichen Korb gelegt. Brighid wird dann mit Liedern von der Hausherrin ins Haus eingeladen. (Es heißt, wenn das Bett am nächsten Morgen unordentlich ist, war Brighid da).
  • Eine andere Tradition ist es ein Stück Brot, Milch und eine Kerze für Brighid draußen zu lassen.
  • In der Carmina Gadelica gibt es eine Stelle, wo sie in Beziehung zu einer Schlange die aus einem Hügel zu Latha Fheill herauskommt in Zusammenhang gesetzt wird. Dies könnte in Bezug zu älteren Assoziationen stehen, wo sie als eine Fomorische Erdgöttin dargestellt wird. In den West-Highlands gibt es einen Spruch, der dies unterstützt: „Früh an Bride’s Morgen wird die Schlange aus dem Loch kommen. Ich werde die Schlange nicht stören noch wird die Schlange mich stören.“Ein ähnlicher Spruch kann auch gefunden werden, bei dem stattdessen von der Königin die Rede ist.
  • Durch wiederholung der Genealogie Brighids soll man immer beschützt werden.
  • Ihr magischer Mantel wurde häufig gepriesen:
    „Oh Brighid wirf deinen Mantel über mein Haupt.
    Dein leuchtender Mantel mich beschützen soll. ”
    Die Iren stellen ihre Freunde „unter Brighid’s Mantel“. „Mögest du sicher sein und warm haben unter Brighid’s Mantel“

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Navratri – Die neun heiligen Nächte der Mutter (Teil 5)

Die Navdurgas
Tag 7-9 (Maha-Sarasvati)
Die letzten drei Nächte sind Maha-Sarasvati geweiht, der Göttin, die (spirituellen) Erkenntnis,  Einsicht und Weisheit schenkt, die (u.a.) aus dem Sieg über die (eigenen inneren) Dämonen erwächst.

Ma Kalaratri; Künstler/Artist: unbekannt/unknown; Quelle: Dharma Vidya
Ma Kalaratri; Künstler/Artist: unbekannt/unknown; Quelle: Dharma Vidya

7. Kalaratri कालरात्रि 
Der Name setzt sich zusammen aus kala/i und ratri (=”Nacht”, “Dunkelheit und Stille der Nacht”). Kala/i bedeutet auf der einen Seite “dunkel, schwarz, dunkel-blau, von dunkler Farbe” auf der anderen Seite jedoch auch “Nacht” “Zeit”, “(Erd-)Zeitalter”, Zeitraum”, “Tod”, “Ende”.
Entsprechend vielfältig wird der Name Kalaratris als “Dunkle/schwarze Nacht”, “Ende der Dunkelheit/Nacht” übersetzt. Weitere Übersetzungen sind auch “Die jenige, die der Tod des Gottes des Todes (=Kala) ist”, “Diejenige, die der Tod der Zeit ist”, “Nacht der Zerstörung am Ende der Welt” und “Nacht der alles-vernichtenden Zeit”.

Kalaratri gilt als aggressivste, gefährlichste und zerstörerischte Kraft von Adi-Shakti und damit Form von Parvati/Durga.
Sie ist eine Kriegsgöttin wie Chandraghanta, Katyayani und Durga, und gilt häufig auch als eine Gestalt der Göttin Kali.
Das Devi-Mahatmyam erzählt davon, dass Parvati als Jagadamba inkarnierte, um den Dämonen Raktabeeja zu töten. Als Sie ihn sah, wie er überheblich mit seiner Macht angab, und die Götter, Göttinnen, Menschen und alle anderen Lebewesen bedrohte, wurde Sie sehr wütend und aus Ihrer Stirn entsprang Kali, um den Dämon und all seine Klone (die durch seine Blutstropfen während der Kämpfe entstanden waren) zu vernichten. Und das tat Sie, in dem Sie sein herabfallendes Blut trank, während Sie ihn und seine Klone köpfte.
Es wird auch erzählt, dass Parvati sich einst, nachdem Sie von Shiva wegen Ihrer dunklen Hautfarbe geärgert worden war, asketischen Übungen unterzog, um von Brahma einen Wunsch gewährt zu bekommen. Als Er Ihr erschien, bat Sie Ihn darum, Ihre dunkle Hautfarbe in eine helle, goldfarbene zu verwandeln.
Er gewährte Ihr den Wunsch, und aus Ihrer dunklen Haut entstand die schöne, dunkle Göttin Kaushiki.
Als die Welt und die Götter von Raktabeeja und seinen Abbildern bedroht wurden, zog Kaushiki mit Kali in den Kampf, und während Kaushiki die Dämonen tötete, verschlang Kali ihr Blut.
Im Devi-Mahatmyam wird Kalaratri auch mit Bhairavi gleichgesetzt.
Parvati inkarnierte in dieser Form auch, um die Dämonen Chanda und Munda zu vernichten. Daher trägt Sie auch den Namen Chamunda.

Sie ist immer bereit für den Kampf, für Krieg und Zerstörung. Ihr Kampf gilt den Dämonen, Monstern, bösen Geistern und allen negativen Kräften, die alle Lebewesen bedrohen.
Trotz Ihrer Brutalität, Aggressivität und furchteinflößenden Erscheinung gilt Kalaratri (auch) als eine liebende und sich um Ihre Kinder sorgende Mutter (-Göttin), die diejenigen reich segnet, die Sie verehren. Deswegen wird sie auch Shubhankari (“Die, die Gutes tut”) genannt.
Sie ist diejenige, die alle Ignoranz und alle Illusionen zerstört, die jegliche Finsternis hinwegnimmt und lehrt, dass das Leben auch eine dunkle Seite hat.

Der Planet, der astrologisch mit Kalaratri verbunden wird, ist Saturn.
Das Ihr zugeordnete Chakra ist das 7. oder Scheitel-bzw. Sahasrara-Chakra.

Ikonographie
Kalaratri wird vierarmig und in der Regel auf einem Esel reitend dargestellt.
In Ihren Händen  trägt Sie häufig Dreizack, Schwert, Krummsäbel und eine Waffe aus Dornen.
In anderen Darstellungen trägt Sie in Ihren linken Händen Krummsäbel und die Waffe aus Dornen, während die rechten Hände die Gesten der Wunschgewährung und des Schutzes.
Sie trägt häufig einen schwarzen Sari oder ist in ein Tigerfell gekleidet. Um Ihren Hals trägt Sie wie Kali eine Kette aus Menschenschädeln, die die Buchstaben des Sanskrit-Alphabetes repräsentieren.
Andere Dastellungen zeigen Sie auch mit einem Gürtel aus menschlichen Armen,  einem Schmuck Blitzen oder auch auf einem Leichnam sitzend.
Die Stirn Kalaratris ist von einem Dritten Auge geziert, Ihre schwarzen Haare stehen wild von Ihrem Kopf ab und Ihre Augen sind weit aufgerissen und (manchmal) blutunterlaufen.

Ma Mahagauri; Künstler/Artist: unbekannt/unknown; Quelle: Dharma Vidya
Ma Mahagauri; Künstler/Artist: unbekannt/unknown; Quelle: Dharma Vidya

8. Mahagauri महागौरी 
Nachdem Parvati Ihre dunkle Hautfarbe durch die Erfüllung Ihres Wunsches durch Brahma abgelegt hatte, strahlte Ihre Haut hell-weiß, manche sagen auch golden.
Aus diesem Grunde erhielt Sie den Namen Maha (=”groß”, “mächtig”) Gauri (=”weiß”, “hell”, “hübsch”, “schön”, “liebreizend”).
Eine andere Legende besagt, dass Parvati in Ihrer Inkarnation als Shailaputri ein wundervolles und strahlendes Mädchen, mit einer sehr hellen Haut gewesen sei, weswegen Sie Mahagauri genannt wurde.
Von einem anderen Mythos wird berichtet, dass die Haut Parvatis nach Ihren langen Jahren als Asketin durch Staub und Erde dunkel geworden war. Als Shiva Sie im Gangeswasser wusch, erhielt Sie Ihre strahlend weiße Körperfarbe wieder und ist seit dem  unter dem Namen bekannt.

Auf Grund Ihrer weißen Hautfarbe wird sie mit der weißen Meeresschnecke, dem Mond und der Jasminblüte verglichen.

Mahagauri wird mit dem aufsteigenden Mondknoten und dem sogenannten Soma-Chakra (1) in Verbindung gebracht.

Ikonographie:
Mahagauri wird mit weißer Körperfarbe, vier Armen und auf einem weißen Bullen reitend dargestellt. Auch Ihr Sari ist weiß, selten auch rosa.
In Ihren drei Händen trägt die Göttin Dreizack, Dhamaru (eine Trommel), einen Lotus und die vierte ist in der Geste der Furchtlosigkeit vorgestreckt.
In manchen Darstellungen trägt Sie auch nur Dhamaru und Dreizack, während Sie mit den anderen Händen die Geste der Furchtlosigkeit und der Wunschgewährung zeigt.

Ma Siddhidatri; Künstler/Artist: unbekannt/unknown; Quelle: Dharma Vidya
Ma Siddhidatri; Künstler/Artist: unbekannt/unknown; Quelle: Dharma Vidya

9. Siddhidatri सिद्धिदात्री 
Der Name der Göttin bedeutet “Geberin aller (übernatürlicher) Kräfte”, kann aber auch übersetzt werden mit “Geberin der Vervollkommnung/Vollkommenheit”, “Erfüllerin aller Wünsche”, “Gewährerin allen Verstehens”, “Gewährerin/Geberin der (spirituellen) Verwirklichung”, “Die, die alles Wissen/Verstehen schenkt” oder “Die, die alle Erkenntnis gewährt”

Ein Mythos berichtet davon, dass Siddhidatri den Göttern Brahma, Vishnu und Shiva jeweils Ihre Aufgabenbereiche in der Schöpfung (Erschaffung, Erhaltung, Zerstörung) und Ihre Identität als Schöpfer, Bewahrer und Zerstörer zuteilte.
Sie war es auch die Shiva gebot über Sie zu meditieren um so mit allen acht (manchmal werden auch achtzehn) “siddhis” (2), dh. übernatürlichen Fähigkeiten von Ihr gesegnet zu werden.
Während Shivea dieser Aufgabe nachkam, segnete Siddhidatri Sie Ihn mit der Gestalt von Ardhanaishvara (“Gott, der zur Hälfte weiblich ist”)  in dem Sie sich in Seiner linken Körperhälfte manifestierte.

Einer anderen Legend zufolge verehrte Rudra (3) zu Beginn des Universums Adi-Parashakti für die Schöpfung.  Es ist gesagt, dass Adi-Parashakti, die aller höchste Göttin der Macht,  formlos und gestaltlos ist und aus Shivas linker Hälfte als Siddhidatri hervorging, der seit dem als Ardhanaishvara bekannt ist und verehrt wird.

In der Gestalt der Siddhidatri ist es Parvati/Durga, die Ignoranz und Illusionen nimmt und die Weisheit zur Erkenntnis des Brahman (4) schenkt. Sie verhilft zur Erkenntnis, dass alles Brahman ist.

Astrologisch gesehen ist Ihr der absteigende Mondknoten als neunter Planet, und das Nirvana-Chakra (5) zugeordnet.

Ikonographie
Siddhidatri ist in Ihrer Erscheinung der Göttin Lakshmi recht ähnlich. Sie sitzt auf einem voll erblühten, rosanen Lotus und ist vierarmig. In Ihren Händen trägt Sie einen Wurfdiskus, ein Muschelhorn, den Dreizack und eine Keule, und ist in einen roten Sari gekleidet.
Häufig wird Sie umringt von all jenen dargestellt, die Sie verehren: Menschen, Devas (6), Gandharvas (7), Asuras (8), Yakshas (9) und Siddhas (10).
Manchmal wird sie auch auf einem Löwen oder Kamel reitend dargestellt.

 

Ende Teil 5
Siat


 

1 – Sitz: Hinterkopf, manchmal auch an der Stirn lokalisiert (je nach Tradition).

2 – Lt. der Markandeya Purana: Anima: Die Fähigkeit, sich zu verkleinern; Mahima: Die Fähigkeit, sich zu vergrößern; Garima: Die Fähigkeit, unendlich schwer zu werden; Laghima: Die Fähigkeit, schwerelos zu werden); Prapti: Die Fähigkeit, zu allen Orten Zugang zu erhalten; Prakamya: Die Fähigkeit, Verlangen zu erzeugen; Ishitva: Die uneingeschränkte Herrschaft zu besitzen und Vashitva: Lenker aller Dinge.

3 – Ein Name Shivas


4 – “das”, “dieses”; das Absolute und der Urgrund des Universums, des Seins und aller Schöpfung, Formloses, absolutes Göttliches, das alles Sein enthält.

5 – Sitz: Krone des Kopfes; markiert das Ende des Sushumna-Kanals.

6 – im weitesten Sinne: “Götter”/”Gottheiten”

7 – himmlische Musikanten

8 – im weitesten Sinne: “Dämonen”/”böse Geister”

9 – Halb-Götter, Naturgeister und/oder Götter niederen Ranges.

10 – Yogis/Tantriker, die bereits Siddhis erlangt haben

Navratri – Die neun heiligen Nächte der Mutter (Teil 4)

Die Navdurgas
Tag 4-6 (Maha-Lakshmi)
Während die ersten drei Tage Navratris unter dem Banner der Göttin des Mutes, des Selbstvertrauens der Macht und Energie stehen, stehen die nächsten drei Tage unter der segnenden Hand von Maha-Lakshmi, der Göttin des (materiellen wie spirituellen) Wohlstands, des Reichtums, der Fülle und des Friedens.

Ma Kushmanda; Künstler/Artist: unbekannt/unknown
Ma Kushmanda; Künstler/Artist: unbekannt/unknown; Quelle: Dharma Vidya

4. Kushmanda कूष्माण्डा
Noch ehe das Universum erschaffen wurde, erleuchete Adi-Shakti die ewige Dunkelheit mit ihrem Licht.
Sie erschuf das gesamte Universum allein durch ein winziges Aufblitzen Ihres Lächelns (manche sagen auch, durch den Klang Ihres Lachens) durch dass der Kosmos als Kosmische Ei ins Sein kam.
Ihr Name reflektiert Ihre Verbindung zum Kosmischen Ei (“anda” = kosmisches Ei).

Sie gab Ihr Licht der Sonne, damit diese das Fortbestehen allen Seins bewahren kann.
In den Schriften wird davon berichtet, dass Sie selbst im Zentrum der Sonne existiert, ihre Energie darstellt und die einzige ist, die die Kraft und Energie der Sonne kontrollieren kann.

Als die Göttin, die über die Sonne gebietet ist diese Ihr natürlich auch in der vedischen Astrologie als Planet zugeordnet.
Das Chakra, mit dem Sie in Verbindung steht, ist das Anahata- bzw. Herzchakra.

Ikonographie:
Kushmanda wird mit acht Armen und auf einem Tiger oder Löwen reitend dargestellt.
In vier Ihrer Hände trägt sie Waffen, die anderen drei halten die Gebetskette, einen Lotus und ein rituelles Wassergefäß, während Sie in ihrer letzten Hand ein Gefäß mit Nektar hält, der Gesundheit und langes Leben schenkt.
Sie wird meist einen rosanen Sari tragend dargestellt.
Wegen Ihrer acht Arme wird Kushmanda auch “Ashtabhuja (“asht(a)” =acht; “bhuja”=Hand) genannt.

Ma Skandamata; Künstler/Artist: unbekannt/unknown;
Ma Skandamata; Künstler/Artist: unbekannt/unknown; Quelle: Dharma Vidya

5. Skandamata स्कन्दमाता
Als Parvati Shiva heiratete, wurde Sie kurze Zeit später Mutter von Skanda (1). Dieser wurde zum General der göttlichen Armee (n)  und ein großer Feldherr der Götter gegen die Dämonen.
Ihr Name setzt sich aus dem Namen Ihres Sohnes und dem Wort “mata” (=Mutter) zusammen und weist damit auf Ihre sehr mütterliche Form hin.

Es wird gesagt, dass nur der das Wohlwollen von Skanda erhält, der Seine Mutter in Ihrer Form als Skandamata verehrt.
Sie gilt darüber hinaus auch als eine Göttin des Feuers (der Weisheit und Erkenntnis).
Durch Ihre Gunst und Ihren Segen sollen selbst Idioten dazu fähig werden, sich zu einem Ozean der Weisheit zu wandeln.

Als Planet ist Ihr in der vedischen Astrologie der Merkur zugeordnet, und Sie steht mit dem fünften oder Hals-/bzw. Visuddha-Chakra in Verbindung.

Ikonographie:
Skandamata wird vierarmig und in einem gelben oder orangenen Sari auf einem Löwen reitend dargestellt. In Ihrem Schoß hält Sie mit einer Hand Ihren Sohn Skanda, der als kleines Kind und fünfköpfig dargestellt ist. Ihre linke untere Hand zeigt Sie die Geste der Wunsch-Erfüllung und der Furchtlosigkeit, während Sie in Ihren beiden oberen Händen rosane Lotusblüten tragen.
Sie wird auch auf einer Lotusblüte sitzend dargestellt, und trägt dann den Namen “Padmasana”.

Ma Katyayani; Künstler/Artist: unbekannt/unknown
Ma Katyayani; Künstler/Artist: unbekannt/unknown; Quelle: Dharma Vidya

6. Katyayani कात्यायनी
Der Legende nach beteten der Weise Katyaya und sein Sohn Katya zur Göttin Durga, um von Ihr gesegnet zu werden. Als Sie ihnen erschien, bat Katyaya die Göttin, das Sie als seine Tochter reinkarnieren möge.  Er nannte Sie Katyayani, und Sie sollte die Welt vor Schrecken und Unheil bewahren.
Während Sie heranwuchs, gewährte Brahma den Dämonen Mahishasura, auf Grund seiner langen asketischen Übungen,  einen Wunsch, der da lautete, dass er niemals von einem Mann getötet werden könne. Als dieser die Götter und Göttinnen bedrohte, betete die Dreiheit Brahma, Shiva und Vishnu drei Tage (Shukla Saptami, Ashtami und Navami (7.-9. Tag)) lang zur Göttin Katyayani, damit Sie sie von dem Dämon und seinem Heer befreien möge.
Nach einer anderen Legende ist es der Weise Katyaya, der die Göttin drei Tage lang anbetet, um die Welt von Mahishasura zu befreien.
Angetan und erfreut von der Hingabe der Götter/des Heiligen, nahm die Göttin die Gestalt der zehn-, manchmal auch achtzehn-armigen Göttin Mahishasura-mardini an. Die Devi-Gita beschreibt, wie Sie auf einem Löwen reitend in die Schlacht zieht, ausgestattet mit den Waffen aller Götter.
Am 10.Tag (Vijayadashami) besiegte die Göttin den Dämon und befreite damit die Götter von seinem Treiben.

Die Gestalt von Katyayani gilt als eine der furchterregendsten und gewalttätigsten der Göttin Parvati, in der Sie als Kriegsgöttin erscheint, um diejenigen zu beschützen, die Sie um Hilfe anflehen.
Auf der anderen Seite gilt Katyayani als “Tochter-Form” der Göttin Durga. D.h. Sie ist die liebende, hingebungsvolle Tochter, die nicht zögert Ihre Lieben zu verteidigen.

Als Planet ist Ihr in der vedischen Astrologie der Planet Jupiter zugeordnet. Das mit Ihr verbundene Chakra ist das 6. bzw. Ajna-Chakra, das auch als Drittes Auge bekannt ist.

Ikonograhie:
Katyayani wird auf einem Löwen reitend mit vier Händen dargestellt.
In drei von ihnen trägt Sie Schwert, Dreizack und Lotus, während die untere rechte Hand die Geste der Furchtlosigkeit zeigt.  Die Farben Ihres Saris ist grün, manchmal auch rosa oder rot. Letztere Farbe assoziiert Sie mit den furchteinflößenden Formen von Bhadrakali und Chandika.

Tritt Sie als Mahishasura-mardini auf, wird Sie zehn- bis achtzehnarmig ebenfalls auf einem Löwen reitend darstellt. Ihre Stirn ist dann außerdem von einem dritten Auge geziert.
In Ihren Händen trägt sie alle möglichen Waffen der Götter, darunter den Dreizack Shivas und den Wurfdiskus Vishnus.

Durga als Mahishasura-mardini; Künstler/Artist: undbekannt/unknown
Durga als Mahishasura-mardini; Künstler/Artist: undbekannt/unknown; Quelle: Flickr.com

 

Ende Teil 4
Siat

Navratri-Die neun heiligen Nächte der Mutter (Teil 3)

Parvati, Durga, Kali und Adi-Parashakti
Wie bereits im 2. Teil der Serie geschrieben ist Navrati den neun Formen Durgas (=Nav(a) durga)  gewidmet.
Mata Durga und Mata Kali sind sehr vielschichtige Göttin, die als Manifestationen Satis/Parvatis, Shivas geliebte Gefährtin und “Gattin” gesehen und verehrt wird.
Parvati ist Parashakti, die uranfängliche Quelle der göttlich-weiblichen, aktiven Schöpfungskraft, durch die alles wird und auch wieder zerstört wird, während Paramshiva der uranfängliche Quell aller männlich-göttlichen Kraft ist. Durch Sie kann Er sich (in der Schöpfung) manifestieren, bekommt Form und Gestalt.
Sie ist Adi-Parashakti, die aller-höchste, göttliche Macht, ohne die alle anderen Götter macht-los sind. Sie ist die mächtigest von allen, die das gesamte Universum in einem Augenblick zerstören kann, und vor der selbst die hoch verehrte Dreiheit von Brahma (dem Schöpfer), Vishnu (der Erhalter) und Shiva (der Zerstörer) sehr großen Respekt hat.
Oder um es mit der Devi-Gita zu sagen:

Sarvarupe sarveshe sarvashakti samanvite bhayebhyastrahi no Devi Durge devi namostute.

Wir verneigen uns vor der Göttin Durga, die der Ursprung aller Formen (sarvarupe) ist, die die Göttin aller Wesen(heiten) (sarveshe) ist, in der alle Macht existiert (sarvashakti samanvite) und die alle Furcht zerstört.

Shiva und Shakti sind beide untrennbar miteinander verbunden, so wie die Flamme nicht von der Wärme oder die Sonne vom Licht zu trennen sind.

Parvati, Durga und Kali werden als die Saguna Svarupas Adi-Shaktis betrachtet, dh. als Ihre “menschlichen” Inkarnationen in der Schöpfung, denn sie selbst ist-wie Ihr Gatte- (Teil von) Parabrahman, dem absoluten, namen-, form- und gestaltlosen Göttlichen, das alle (göttlichen) Potenziale in sich birgt. Das bedeutet im Verständnis des Shakta-Pfades des Sanatana Dharmas, dass Parvati und Durga als die reinsten “materiellen Formen” der Großen Göttin Adi-Parashakti betrachtet werden, die alle drei Qualitäten der Schöpfung in sich tragen, die, sehr, sehr verkürzt und vereinfacht dargestellt, mit Erschaffung, Erhalt und Zerstörung assoziiert werden.
Und als diese sind Sie die Quelle aller anderen Göttinnen.

Diese Sichtweise ist, am Rande erwähnt, also nichts anderes als die reinste Form der in manchen Kreisen “des” Heidentums so verpönten und abgelehnten Sichtweise von “Alle Göttinnen sind eine Göttin” 😉 . Doch das ist ein Thema für einen anderen Artikel.

Diesen Gedanken im Hinterkopf zu haben (auch wenn es jetzt nur ein sehr, sehr grober und unvollständiger Einblick ist) erleichtert vielleicht ein wenig, die Zusammenhänge von allem zu verstehen und vielleicht nicht ganz so verwirrt zu sein, wenn es um die ganzen Traditionen, Ansichten, Rituale und Mythen geht. 😉

Die Navdurgas
Tag 1-3 (Durga/Maha-Kali)
An den ersten drei Tagen wird Adi-Shakti als Göttin der Macht und Energie verehrt. In Hinblick auf die spirituelle Reise verkörpert Durga auch die Göttin des Mutes und der Tapferkeit, die ein Mensch aufbringen muss, um sich auf die Reise zur Erkenntnis zu machen.

Ma Shailaputri; Künstler/Artist: unbekannt/unknown;
Ma Shailaputri; Künstler/Artist: unbekannt/unknown; Quelle: Dharma Vidya
  1. Shailaputri शैलपुत्री
    Der Name setzt sich aus den Wörtern “putri” (=Tochter) und “shail(a)” (=Berg) zusammen und bedeutet damit “Tochter des Berges”.
    Nach Ihrer Selbstverbrennung inkarnierte Sati, die über alles geliebte und verehrte Gattin Shivas als Tochter von Himavat, dem König des Himalayas. Sie wird daher auch Parvati genannt  und trägt als seine Tochter auch den Namen Himavati. Wie in Ihrer vorherigen Geburt heiratet Parvati nach einigen Hindernissen den Gott Shiva.
    Sheilaputri verkörpert die Macht von Brahma, Vishnu und Shiva und die Absolutheit von Mutter Natur. Sie ist die Personifikation der Erde und allem, was auf ihr existiert.Ihr wird das erste Chakra (Wurzel-oder Mulhadhara-Chakra, bei dem das Erwachen beginnt) und gilt als die Verkörperung von dessen Energie (= Shakti).
    Das hat damit auch zur Folge, dass das Mulhadhara-Chakra an diesem 1. Tag im Zentrum der sprituellen Praxis steht und Yogis sich auf dieses besonders konzentrieren, denn das Muladhara-Chakra gilt (wie auch der erste Tag selbst) als Anfangspunkt für ihre spirituelle Reise (hin zur Göttin).
    Shailaputri ist damit dieGöttin, die einen festen Grund schenkt und den Beginn der spirituellen Reise markiert.Als (vedischer) Planet ist Ihr der Mond zugeordnet. Er wird zu den positivsten gezählt,unter denen ein Mensch geboren werden kann, weil er Glück und Wohlstand verheißt.Ikonographie:
    Shailaputri wird auf Nandi (dem weißen Bullen Shivas) reitend dargestell. Sie ist zwei-armig und trägt in einer Hand einen Trishul (=Dreizack). Ihre andere ist entweder zum Segen erhoben oder hält einen rosafarbigen Lotus. Sie ist außerdem mit der Mondsichel geschmückt und trägt einen weißen oder hell-rosanen Sari.
  2. Brahmacharini ब्रह्मचारिणी
    Ma Brahmacharini; Künstler/Artist: unbekannt/unknown
    Ma Brahmacharini; Künstler/Artist: unbekannt/unknown; Quelle: Dharma Vidya

    Ihr Name stammt vermutlich von dem Wort “brahmacharin”, was soviel bedeutet wie “sich einem Keuschheitsgelübte zu unterziehen”, “sich jung und unverheiratet spirituellen Studien zu widmen”, “sich unverheiratet der spirituellen Praxis zu widmen”.
    Er wird auch übersetzt mit “Eine, die ihre Gedanken (in Meditation) stets auf das Absolute gerichtet hat” und “die sich strenger Askese unterzieht”.

    Nachdem Sati als Parvati inkarnierte, wurde Ihr von Narada Muni, einem Weisen geweissagt, dass Sie den nackten und schrecklichen “Bhole bappa” (1) heiraten werde, der bereits in Ihrer Inkarnation als Sati, der Tochter des Königs Daksha, an Ihrer Seite war. Doch um ihn zu gewinnen müsse Sie sich strenger Askese, yogischen Übungen und dem Studium der Schriften widmen.
    Parvati verkündete daraufhin Ihren Eltern, dass Sie niemand anderen als Shambho heiraten oder lieber unverheiratet bleiben würde, und zog sich dann zurück, um sich spirituellen Übungen zu widmen.
    Ihre weiteren Namen, die sich aus Ihrem Rückzug ergeben sind Tapascharini (“die, die sich religiöser Entsagung unterzieht”), Aparna (“die Entfernte”, “die Blattlose”)  und Uma (“die Strahlende”, “die Stille”).
    Es wird erzählt, dass Parvati 1000 Jahre  lang nichts anderes aß als Blüten und Früchte. Weitere 100 Jahre ernährte Sie sich dann ausschließlich von Blattgemüse und schlief auf dem kahlen Boden.
    Während die Zeiten verrannen, unterzog Sie sich immer stärkerer Askese. Während brennender Sommer, während stürmischen Regens und eisiger Winter hielt sie sich auf offenen Plätzen auf, und 3000 Jahre ernährte Sie sich nur von den Blättern des Bilva Baumes, während Sie zu Shiva betete.
    Später aß Sie auch keine Bilva-Blätter (darauf bezieht sich Ihr Name “Aparna”) mehr und nahm weder andere Speisen noch Wasser zum Trinken zu sich.

    Viele der heute von indischen Frauen durchgeführten Vrathas (2) gehen auf Brahmacharini zurück.
    Brahmacharini ist die Göttin, die auf dem Weg zur Erleuchtung Glückseligkeit und Freude schenkt und mit Mut, Kraft, Hingabe und Selbstvertrauen segnet.
    Sie ist die Personifikation der absoluten Wahrheit und des seligmachenden Wissens, das sich in der Erkenntnis des Brahman gründet.

    Ihr wird das zweite oder Svadhisthana/Sakral-Chakra zugeordenet, dem sich an diesem Tag die Yogis und andere Übende fokussieren, um ihrer Hingabe eine stabile Basis zu geben.

    In der vedischen Astrologie ist Ihr der Planet Mars zugeordnet.

    Ikonogaphie:
    Brahmacharini wird mit einer Rudraksha-Mala (2) in der einen und einem Wassergefäß in der anderen dargestellt, barfuß gehend und in einen weißen Sari gekleidet.

  3. Chandraghanta चंद्रघंटा
    Sie ist die mit Shiva verheiratete Parvati, die nach Ihrer Hochzeit damit begann, den Halbmond an ihrer Stirn zu tragen.
    Als Chandraghanta ist Sie eine eher friedvolle und auf das Wohlergehen Ihrer Verehrer ausgerichtete Göttin, die allerdings auch jederzeit dazu bereit ist, in den Krieg zu ziehen.
    SieverleihtKraftundMutdabei,sichseinen (inneren)Dämonen zustellenundgegen sie zukämpfen.

    Ma Chandraghanta; Künstler/Artist: unbekannt/unknown
    Ma Chandraghanta; Künstler/Artist: unbekannt/unknown; Quelle: Dharma Vidya

    Wenn Chandraghanta zornig wird, so wird gesagt, ertönt Ihre Mond-Glocke durch alle Welten und lässt sowohl Dämonen als auch alle Götter und Göttinnen erzittern.

    Ihr ist das Manipurna-Chakra (3. Chakra) zugeordnet (=Solarplexus).
    Der Ihr nach der vedischen Astrologie zugeordnete Planet ist die Venus.

    Ikonographie:
    Sie wird auf einem Tiger, manchmal auch auf einem Löwen reitend dargestellt. In Ihren acht Händen trägt sie allerlei Waffen, mit denen Sie jederzeit in den Krieg gegen Dämonen zu kämpfen und den Göttlichen oder/und den Menschen zur Hilfe zu eilen. Ihre beiden anderen Hände hat Sie in der Geste der Furchtlosigkeit und des Segens erhoben.
    Ihre Stirn wird von einem Halbmond geziert und sie ist in einen roten Sari gekleidet.

 

Ende Teil 3
Siat


1- Ein Name Shivas
2-Ein Mala (Gebetskette) aus den Samen des Rudraksha-Baumes, einer Platanen-Art. Rudraksha-Samen sind Shiva heilig.