Mantra, Chant & Affirmation-Ein Versuch der Unterscheidung (Teil 3)

Nachdem ich das letzte Mal den Chant ein wenig näher beleuchtet habe, möchte ich mich in diesem Artikel der Affirmation zuwenden.

Affi…-Was?
Wortherkunft:
Das Wort stammt vom Lateinischen „affirmatio“, dass „Versicherung, Beteuerung“ bedeutet.
Verwendet wird dieser Begriff im Sinne einer „Bejahung“, „positive Wertung“, „Zustimmung“, „Bestärkung“, „Versicherung“ oder „Zuordnung“.

Den Begriff findet man in unterschiedlichen Bereichen wieder. Neben den spritiuellen, religiösen und esoterischen Breichen (worauf ich dann gleich zu sprechen kommen werde) findet man ihn z.B. auch in der Sprachwissenschaft, der Psychologie oder der Logik.

Affirmation in Religion, Spiritualität und Esoterik
Im Groben gesagt handelt es sich bei Affirmationen um bewusst ausgedrückte, positive (positiv formuilerte) Haltungen, die das System (d.h. den Menschen, seine Haltung, sein Handeln, seine Interaktion etc. pp. ) aus sich selbst heraus positv beeinflussen.
Mit Hilfe von Affirmationen, also positiven, sich selbst bejahenden Sätzen, die kontinuierlich ins Gedächtnis geholt werden,  wird versucht, die eigenen Gedanken umzuprogrammieren, um eine gewünschte Veränderung im Leben des „Anwenders“ herbei zu führen. „Positives Denken“ gehört z.B. ebenfalls in diese Kategorie der Affirmation.

Was eine Affirmation von Chant und Mantra unterscheidet ist, m.E. dass mit Affirmationen werden ganz konkrete Ziele verfolgt, werden, die darin bestehen, sich selbst, das eigene Verhalten und Denken (bewusst) zu verändern.
Affirmationen sind Werkzeuge, mit deren Hilfe wir unsere Denkmuster, und die mit ihnen verbundene Verhaltensmuster verändern können.
Denken, Fühlen und Handeln, diese drei bedingen sich und hängen wechselseitig voneinander ab. D.h. wenn ich mein Denken veränder(n kann), hat dies automatisch auch einen Einfluss auf mein Fühlen und Handeln.
Allerdings darf man sich dies auch nicht in der Form vorstellen, dass ich mir einen positiven Satz formuliere, den ein paar mal vor mich hinsage und *schnips* nächsten Monat ist das gewünschte Ergebnis da. U. U. kann dies eine unbestimmte Zeit in Anspruch nehmen.

 

Wie funktionieren Affirmationen überhaupt?
Der Schlüssel der Affirmationen liegt in der Wiederholung.
Unser Gehirn braucht eine gewisse Anzahl von Wiederholungen, damit es etwas lernt und sich in ihm einprägt (ich habe Zahlen gelesen von 2000 Wiederholunge aufwärts).
Im Prinzip ist das wie das Austreten eines neuen Pfades: Erst sind nur die Fußspuren im Gras vorhanden, dann wird ein Trampelpfad und schließlich ein Weg draus, und das Begehen des Pfades wird einfacher.

Durch das stete Wiederholen der Affirmation programmiert man sich also selbst und versucht so einen alten, limitierenden Glaubenssatz zu ersetzen.

Es gibt dazu verschiedene Möglichkeiten, die (individuell) verschieden gut funktionieren.
Die eine Möglichkeit ist, dass ich einfach ein anderes Verhaltensmuster haben möchte, und dementsprechend einen positiven Satz formuliere, den ich immer wieder wiederhole.
Die andere (etwas komplexere) Möglichkeit ist die, dass ich erst einmal bei mir nachforsche, was für ein Glaubenssatz-muster (es können auch mehrere sein!) mich überhaupt daran hindern, ein bestimmtes (gewünschtes) Verhalten an den Tag zu legen.
Dieser wird dann entsprechend positiv umformuliert und dann (wie oben) immer wieder wiederholt.

Allerdings gibt es bei der Formulierung und Entwicklung von Affirmationen (meiner Erfahrung nach) einige Dinge, die es sich lohnt zu beachten.

1. Vorsicht mit direkten Formulierungen
Wenn ich mich so umhöre, dann gibt es sehr viele Menschen, die der Ansicht sind, eine Affirmation müsse direkt und in der Gegenwartsform formuliert sein, damit sie auch wirksam ist.
Man müsse also sagen:

  • „Ich bin selbstbewusst.“
  • „Ich bin erfolgreich.“
  • „Ich bin liebenswert.“
  • „Ich bin schön.“

usw.

Die Wirksamkeit solcher Affirmationen hängt allerdings meiner Erfahrung nach davon ab, in wieweit ich fähig bin, meine inneren Zweifel zu überwinden.
Oder anders herum gesagt: Wird eine Formulierung wie z.B. „Ich bin schön.“ verwendet, kann diese bei vielen inneren Widerstand und Zweifel aufrufen, die die Wirkung der Affirmation verpuffen lassen können.
Gedanken wie:

  • „Ach, daran glaubst du doch selbst nicht!“
  • „Was soll den bloß der Quatsch?“
  • „Eigentlich mache ich mir doch eh nur ewas vor.“

Nähren dann mehr unsere Zweifel, und machen die Wirkung von Affirmationen ggf (fast) wirkungslos.

2. Verwendung von indirekter Formulierung
Aus obig genannten Grund kann es ggf. ratsam sein, die Affirmation indirekt zu formulieren und ein wenig zu „umschreiben“.
Statt: „Ich bin erfolgreich“ z.B. dann eine Formulierung zu wählen wie: „Ich erlaube mir meine Erfolge zu genießen“ oder „Ich werde jeden Tag mehr und mehr meine Erfolge erkennen.“

Für indirekte Formulierungen haben sich z.B. folgende Satzfragmente als hilfreich erwiesen:

  • „Ich kann mir erlauben…“/“Ich erlaube mir…“
  • „Ich genieße es…“
  • „Ich werde jeden Tag…“
  • „Ich darf…“/“Ich kann…“
  • „Es ist gut für mich… „
  • „… jeden Tag mehr und mehr…“
  • „… immer mehr (und mehr)…“
  • „Schon bald merke ich…“

3. Experimentieren und auf das eigene Gefühl hören
Trotz dieser obigen Empfehlungen ist es immer wichtig, auf sein eigenes Gefühl zu hören.
Jeder Mensch ist ein Individuum, und bei jedem Menschen funktionieren „(Neu) Programmierungen“ anders.
Ein „Patentrezept“ oder eine allein selig machende Wahrheit wären zwar schön, sind aber nicht existent.
Anderslautende Ansagen können getrost in die Tonne gekloppt werden. 😉
Es braucht manchmal etwas Zeit und Geduld, um die Affirmation zu finden, die „fluppt“, die anfängt, in unserem Inneren zu „schwingen“.
Das bedarf manchmal etwas Geduld.
Die Veränderung von Verhaltens- und Denkmustern ist ein Vorhaben, das viel Zeit in Anspruch nimmt und (entgegen mancher Erwartungen) nicht in einer „Nacht-und-Nebelaktion“ verändert werden können.
Es ist wichtig, dass man sich mit der gefundenen Formulierung identifizieren kann und wohlfühlt. Alles, was innere Widerstände hervorruft, ist eher als kontraproduktiv einzustufen bzw. als ein Hinweis zu betrachten, dass es eventuell noch Bereiche (also noch (ggf. verborgene) Glaubensmuster) gibt, die vorher gelöst und verändert werden müssen, damit der, den man grade bearbeiten möchte, erfolgreich gelöst werden kann.

4. Immer bei Dir selbst bleiben
Ein sehr weises Sprichwort sagt: „Du kannst andere nicht verändern, sondern nur Dich selbst.“
Affirmationen dienen letztlich nur dazu, die eigenen Gedanken zu beeinflussen. Daher bleiben Formulierungen wie:
„Mein Partner wird mich immer lieben.“
oder
„Die Nachbarin wird immer freundlicher zu mir sein.“
recht wenig, weil diese nicht in unserem Einflussbereich liegen.
Andere Menschen haben ihren eigenen Kopf und haben ihre eigenen Gedanken, die von von außen, also von uns nicht (oder nur sehr schlecht) beeinflusst werden können.
Sind Probleme mit anderen Menschen vorhanden, so ist der beste Weg, sich zu fragen: „Was hilft mir, mit der Situation besser umzugehen?“, „Wie kann ICH besser damit umgehen?“, „Was kann ICH (in dieser Situation) tun?“
Affirmationen, die aus solcher Auseinandersetzung erfolgen können, könnten z.B. sein:
„Ich komme jeden Tag besser mit meiner Nachbarin zurecht“
oder
„Ich liebe meinen Partner auf eine gesunde Art und Weise.“

 

Affirmation gefunden.-Was nun?
Um eine Affirmation einzusetzen, damit sie ihre Wirkung entfalten kann, gibt es ganz viele unterschiedliche Möglichkeiten.
Die wohl häufigste Arten, die mir bisher aufgefallen sind:

  • Singen
  • (in Gedanken) vor sich her sagen
  • immer wieder und wieder, per Hand oder am PC, nieder schreiben

Andere Möglichkeiten wären z.B.:

  • auf Zettel schreiben und diese dorthin kleben, wo man sie oft sehen kann,
  • Kollagen erstellen
  • den Bildschirmschoner damit füttern
  • auf ein T-Shirt drucken
  • aufnehmen, und sich diese Aufnahme immer wieder anhören
  • usw.

Der eigenen Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Die Beschäftigung damit soll dazu dienen, dass man die Affirmation verinnerlicht und sie sich verselbstständigt. Dh. sich als neuer/s, positiver/s Glaubenssatz/-muster integriert.
Dabei macht es, wie oben gesagt, die stete Wiederholung.
Es dauert eben, bis sich neue Denkmuster gefestigt haben.
Und je nach „Thema“ und natürlich auch der Intensität der Aufmerksamkeit, die hinein gesteckt wird, kann sich der Zeitraum sehr unterschiedlich gestalten.

 

Fazit
Eine Affirmation dient also dazu, ganz konkret persönliche Denk-und Verhaltensmuster zu verändern.
Dies kann z.B. durch eine Zielformulierung geschehen „Ich bin erfolgreich!“/“Ich erlaube mir, meine Erfolge zu genießen.“ oder dadurch, dass ich einen bestehenden Glaubenssatz umformuliere, um dessen limitierende Wirkung in meinem Leben aufzulösen.
Affirmationen wirken auf in ganz realer Weise auf uns ein.
Und auch, wenn hier und da gewissen Leute in der Eso-/Heiden-Szene  das ganz gern annehmen und behaupten: Es wirken bei Affirmationen weder „mystische Kräfte“, noch „Gottheiten“, „Krafttiere“, „aufgestiegene Meister“, „Engel“ oder dergleichen.
Was wirkt sind dabei ganz allein wir. 😉

 

LG
Siat

 


 

Quellen und Leseempfehlungen:
Wikipedia-Affirmation
Über die Wirkung von Glaubenssätzen-Carsten Bruns
Die Arbeit mit Glaubenssätzen: Als Schlüssel zur seelischen Weiterentwicklung; Gorchowiak, Klaus & Haag, Susanne:

Editorial 25.01.2015

Hallo zusammen,

heute, ein etwas spätes Editorial 😉 .
Januar geht langsam zu Ende und wir nähern uns Imbolc.
Gestern  fiel wieder Schnee, doch heute ist er in den wärmenden Strahlen der Sonne schon wieder geschmolzen.
Auch wenn wir noch Mitten im Winter stecken, kann man doch spüren und beobachten, wie die Tage immer länger werden.
Ich zumindest, freue mich sehr darüber. 😉

Der heutige Artikel beschäftigt sich wieder dem dritten Teil der Reihe „Chant, Affirmation und Mantra-Ein Versuch der Unterscheidung“. Heute habe ich mich mit dem weniger mystischen Thema der Affirmation beschäftigt.

Wir hoffen, dass Ihr viel Vergnügen beim Lesen habt und freuen uns über Eure Kommentare und natürlich auch über die eine oder andere Beitragsspende 🙂

 

LG
Siat

Happy Birthday, PanPagan-Forum!

Statt eines Editorials gibt es heute ein kleines Posting in eigener Sache:
Wir feiern unseren jetzt mittlerweile achten Geburtstag.

Seit Januar 2007 haben wir viele Auf´s und Ab´s erlebt.
Liebgewonnene Forenmitglieder kamen, gingen, sind uns geblieben, oder wurden von uns oder unserem Team mehr oder wenig sanft zur Tür begleitet. Seien es DDOS-Angriffe, zerschossene Forensoftwaren/Hacks oder auch skurile, bzw. unmögliche Mitglieder, die dementsprechend mehr oder weniger freundlich von uns oder unserem Team  zur Tür begleitet wurden.
Und natürlich gab es auch die Zeiten, in denen wir Admins etwas müde wurden und bei dem ganzen nervenaufreibenden und zum Teil wirklich ärgerlichen Geschichten auch mal ans Aufhören dachten.

Doch mit der zweiten „Inkarnation“ des Forums im vergangenen Jahr mit einer neuen Forensoftware, ist auch für uns wieder etwas „frischer Wind“ reingekommen.
Und wie es mit einer frischen Brise ist, fegt sie auch vieles hinweg, was an trockenen, herabgefallenen Laub herum liegt.
So ist es natürlich auch bei uns gewesen, was dazu führte, dass viele „Kartei-Leichen“ weggefallen, und die Liste unserer Mitglieder aktuell sehr abgespeckt ist.
Doch so ist eben der Lauf der Dinge, und wir sind gespannt darauf, welche Menschen unsere Wege noch kreuzen werden.

Wir möchten uns bei allen Mitgliedern, die uns bis heute treu begleiten/begleitet haben, uns auch in schwereren Zeiten mit Worten oder auch mit Spenden unterstützt haben, herzlich bedanken.
Ihr habt uns oftmals ein Lächeln ins Gesicht gezaubert und uns moralisch dabei unterstützt, nicht alles hinzuschmeißen.

Und natürlich geht auch ein riesieges, dickes Dankeschön an unser Team, und an die, die in unserem Team mitgewirkt haben.
Ohne Eure tatkräftige (und seelische 😉 ) Unterstützung und Hilfe wäre vieles nicht möglich.
Ihr habt uns oft den Rücken frei gehalten und alles am Laufen gehalten, wenn wir auf dem Zahnfleisch gingen.
Wir sind froh, das Ihr ein Teil unseres Teams (gewesen) seid und sich im Laufe der Jahre auch wundervolle Freundschaften entwickelt haben.
Es ist schön, auch die Gewissheit zu haben, dass wir auch weiter auf Euch zählen können. 😀

 

Wir freuen uns auf das kommende Jahr mit Euch, auf viele spannende Diskussionen und interessante Themen, und vielleicht trifft man sich auch im reellen Leben einmal bei einem Stammtisch, Ausflug oder einem Heidentreffen.

 

In diesem Sinne viele Grüße von den Forendrachen
Siat und StarFire

Mantra, Chant & Affirmation-Ein Versuch der Unterscheidung (Teil 2)

Im ersten Teil dieser Reihe habe ich eine sehr grobe Gegenüberstellung der drei Begriffe gemacht, nun möchte ich etwas in die Tiefe gehen.

Der Chant

Wortherkunft:
engl.:
„chant“ = „(feierlicher) Gesang, Kirchenlied, (Lob)Preis, Singsang
to chant“ = „(ab)singen“, „(rhthmisch oder im Sprechchor) rufen“.
Die ethymologischen Wurzeln vom englischen „(to) chant“ liegen wiederum im Altfranzöschen „chanter“ („singen“, „feiern“, „preisen“), die ihrerseits wiederum vom Lateinischen „cantare“ („singen“) abstammen. (1)

Definition:
Ein Chant ist demnach eigentlich erst einmal ein rhythmischen Sprechen oder Singen von Wörtern, Sätzen oder Tönen, die häufig ein oder zwei Tonhöhen umfassen. Er kann daher bloß Melodie oder auch nur  (rhythmisch) Gesprochen sein.
Chants können sich in der Ausgestaltung Melodie sehr stark unterscheiden. Sie kann sehr einfach gestaltet sein und nur ein paar wenige Noten enthalten, sie kann aber auch höchst komplex sein, wie z.B. bei Gregorianischen Chants.

Die deutsche  Wikipedia (2)  definiert das Chanten „im engeren Sinne“ als

das Singen von religiösen Liedern oder Mantren als religiöse Praxis

und „im weitersten Sinne“ als:

das Singen einfacher Melodien, bzw. das melodische Sprechen von Texten − oft in Verbindung mit Körperbewegung, Trommeln oder auch Tanz.

Sie unterscheidet das Chanten vom „professionellen Singen“ wie z.B. in einem Chor darin, dass das Chanten „leistungsfrei“ sei und es dabei

nicht um musikalische Perfektion oder Kunst

gehe, sondern

darum, durch länger andauerndes Wiederholen und die Konzentration auf den Chant und die Gruppe soziale, gesundheitsfördernde und transzendente Wirkungen zu entfalten.

Wenn eine „gesundheitsfördernde“ Wirkung, beispielsweise zur Stressreduktion, im Fordergrund steht, wird heute auch gern der Begriff „Heilsingen“ verwendet.

 

Verschiedene Varianten des Chantens
Unter dem Begriff „Chant“ fallen heute, wie wir sehen können, viele verschiedene Dinge.
Sie können nicht nur religös-spiritueller Natur sein, sondern auch völlig profan.
So gehören Sprechchöre von Fußballfans, die ihre Mannschaft anfeuern ebenso in diese Kategorie, wie Proklamationen auf Demonstrationen oder gar die Rufe eines Auktionators.

 

Chant und Chanting als Teil der relgiösen und spirituellen Praxis
Schaut man sich in der religös-spirituellen Welt um, dann finden wir Chants auf sämtlichen Pfaden.
In den abrahamitischen Religionen ebenso wie im Buddhismus, Hinduismus oder auch Stammesrelgionen oder im (Neu)Heidentum (z.B. Wicca).
Dabei findet natürlich zwangsweise auch eine Überschneidung mit dem Mantra statt, dass „gechantet“ wird. Doch dazu mehr an entsprechender Stelle.

Der Chant ist jedoch nicht auf das Mantra beschränkt.
Darunter fällt auch das Rezitieren von heiligen Texten (oder Ausschnitten davon),  Gottesnamen  und ähnliches.

Wie das Gebet kann (muss allerdings nicht 😉 ) das Chanten einen wesentlichen Bestandteil der persönlichen Glaubens-und Religionsausübung, oder der Praxis einer ganzen Gruppe ausmachen.
Manche betrachten das Chanten auch explizit als ein Werkzeug oder Mittel, um die spirituelle Entwicklung eines_r Einzelnen  oder einer Gruppe zu fördern.

Es gibt, je nach Pfad, ganz unterschiedliche Methoden oder „Arten“ des Chantes. Z.B. der Obertongesang tibetischer Mönche oder das Kirtan, ein Wechselgesang zwischen einem Vorsänger und „Antwortenden“, das vor allem durch die Bhakti-Bewegung der ISKCON in unseren westlichen Breiten bekannt geworden ist.
Allerdings ist das Kirtan natürlich nicht auf die ISKCON beschränkt sondern stellt eine Praxis dar, die generell im Sanatana-Dharma (3) aber z.B. auch dem Sikhismus bekannt und verbreitet ist.

Der Chant kann darüber hinaus Teil eines Rituals, eines „Gottesdienstes“ oder einer Andacht sein, muss es aber nicht zwangsweise.

 

Chants im (Neu)Heidentum und als Teil magisch-spiritueller Praxis
Innerhalb des (Neu)Heidentum erfreuen sich diverse neue und alte Chants großer Beliebtheit.
Sie bilden einen z.T. nicht ganz unerheblichen Teil bei Jahreskreisfesten, Übergangsritualen oder anderen Feierlichkeiten, Ritualen und/oder anderen Treffen.
Zumindest ist es meine Beobachtung, die sicherlich nicht generalisierbar ist, und sich auch von Gruppierung zu Gruppierung, oder auch persönlicher Präferenz stark unterscheidet/unterscheiden können.

Chants helfen vor, während und nach Ritualen dabei, die Gruppe auf das Ritual einzustellen, Energien aufzubauen,  zu fokussieren, auszurichten und schließlich auch zu lenken.
Mit ihrer Hilfe können aufgerufene Energien auch wieder geerdet werden und die Mitglieder einer Gruppe wieder in das „Hier und Jetzt“ (zurück) geholt werden .
Die Einsatzmöglichkeiten sind sehr vielfältig.

Im Gegensatz zu Mantren die, wie wir noch sehen werden, von Natur aus eigene Energie(n) besitzen und quasi „geladen“ sind, sind Chants eher „Gefäße“, dazu geeignet („Fremd“- bzw. „Eigen“-) Energien „einzufangen“, zu bündeln, zu halten und zu lenken.
Sie wirken, so gesehen, nicht aus sich selbst heraus, sondern durch und mit Energien, die in sie hineingegeben werden.

Allerdings ist meiner Erfahrung nach auch zu beachten, dass nicht jeder gleich „gut“ auf Chants „anspringt“ .
Das kann an unterschiedlichen Dingen liegen. Sei es, dass die entsprechende Person sich einfach unwohlfühlt, bisher noch keine Erfahrungen mit Chants gesammelt oder sich schlicht nich fallen und „gehen“ lassen kann.

 

Wirkung von Chants
Chants wirken meiner bisherigen Erfahrung nach, vor allem durch die Komponenten Rhythmus, Metrum und Tempo.
Worte sind, wie bereits oben geschrieben, nicht zwingend notwendig, können aber natürlich für den/die eine_n oder andere_n hilfreich sein.
Eine ebenfalls nicht unerhebliche Rolle kann ggf. auch die Tonlage spielen.

Wichtig ist darüber hinaus der Sinn und Zweck, der mit einem Chant verfolgt werden soll.
Für das Aktivieren und die Steigerung eines Energieflusses, nützt es z.B. wenig, das Tempo generell langsam und getragen zu gestalten, sondern es muss (oder sollte 😉 ) sich, dem anpassend, von langsam zu schnell steigern, dann einen Augenblick auf dem Höhepunkt gehalten werden um dann abgegeben und wieder zurück gebracht zu werden, bzw. den Rest der aufgerufenen und gesammelten Energie wieder zu Erden.
Für Letzteres ist z.B. wiederum ein schnelles, „zackiges“ und aufputschendes Tempo kontraproduktiv.

Chants können für ganz verschiedene Zwecke verwendet werden, die sich im weitesten Sinn auch mit denen von Mantren überschneiden können.
Neben dem Erwecken und Lenken von Energie kann mit ihrer Hilfe Trance eingeleitet, Visionen hervorgerufen, evoziert oder/und invoziert werden.
Sie können die Gemeinschaft und die Verbundenheit stärken und haben einen sehr starken Einfluss auf die Emotionen.
Nicht zuletzt helfen sie natürlich auch dabei, die Gedanken und auch die Atmung (positiv) zu beeinflussen.

 

Fazit
Bei Chants handelt es sich in erster Linie um das rhythmische Sprechen und/oder Singen von Worten, Texten oder Tönen.
Unterschiedliche religiöse und spirituelle Pfade bedienen sich Chants. Einerseits um positive und angenehme Atmosphören zu schaffen, andererseits um die spirituelle (Weiter)Entwicklung zu fördern, den Geist und die Gedanken zu beruhigen und zu fokussieren.
Doch neben diesen Wirkungsbereichen können Chants auch in unterschiedlicher Weise auf rituell-magischer Ebene eingesetzt werden. Z.B. bei der Erweckung, Steigerung, Speicherung und dem Loslassen von Energie.

Auch wenn sie sich von Mantren und ihren Wirkungsweisen z.T. erheblich unterscheiden, so sind sie hervorragende Werkzeuge, mit denen es sich lohnt sich näher auseinander zu setzen und spielerisch mit ihnen zu experimentieren.

 

 

Beispiele für populäre heidnische Chants

Element Chant
The earth
The air
The fire
The water
Return, return, return, return

 

Goddess Chant
Isis
Astarte
Diana
Hekate
Demeter
Kali
Inanna

 

Triple Goddess Chant
Honored maiden huntress Artemis, Artemis,
New moon come to us.

Silver shining wheel of radiance, radiance,
Mother come to us.

Honored queen of wisdom Hecate, Hecate
Old One come to us.

 

Ende Teil 2
Siat


1-Online Etymology Dictionary
2-Wikipedia: Chanting
3-Eigenname des Hinduismus

04. Januar 2015-Editorial

©Siat
©Siat

 

Hallo zusammen,
nun ist wieder ein Kalenderjahr vergangen und wir sind wieder am Beginn eines neuen.

Wir möchten Euch allen ein gutes, gesundes und erfolgreiches Jahr wünschen, dass  Euch viele wunderbare Begegnungen, Erfahrungen und Wiedersehen bescheren möge, und reich sei an viele Stunden voller Freude, Schönheit, anregenden und inspirierenden Gesprächen, und voller Träume und Visionen.

Und möget Ihr die Möglichkeiten, die Kraft und die Ausdauer dafür finden, das in Euren Leben verwirklichen zu können, was Euch auf Euren Wegen weiter bringen möge!

Doch nun zum erste Update diesen Jahres.
In ihm findet Ihr den zweiten Teil meiner Serie „Mantra, Chant & Affirmation-Ein Versuch der Unterscheidung“.

Wir wünsche Euch viel Vergnügen beim Lesen und natürlich freuen wir uns auf Eure Kommentare.

LG
Siat