Reinheit und Reinigung im Ritual

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      Reinheit und Reinigung im Ritual

      Hallo zusammen,
      der Februar gilt als Monat der Reinigung, zumindest hatte er diesen "Ruf" im Römischen Reich, und ich vermute, dass das Thema "Reinigung" und "Reinheit" auch heute bei römischen Heiden in diesem Monat große Rollen spielen.

      Doch was machen für Euch (rituelle) Reinigung und Reinheit aus? Was bedeuten sie für Euch? Und spielen sie für Euch, für Euch und Euren Weg, Euer Weltbild überhaupt eine Rolle?
      Verbindet Ihr es mit einer Art "Schuld-und-Sühne"-Thematik?
      Was für Rituale habt Ihr zur Reinigung ? Habt Ihr verschiedene Rituale für verschiedene Gelegenheiten (z.B. Reinigungsrituale zu "kultischen" Zwecken oder um die Wohnung zu reinigen, oder ähnliches) ?

      Ich freue mich auf Eure Beiträge.

      LG
      Siat
      Von den Hohen erschaffen
      zu lernen, zu lehren, zu wachen
      Geboren in der Sterne Welten
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      ©Siat



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      ANB´s
      Dann fange ich mal mit damit an.

      „Schuld“ und „Sühne“ spielen in meinem Weltbild ehrlich gesagt keine Rolle, weswegen ich diesen Punkt jetzt erst mal auslasse. ;)

      „Rituelle Reinigung“ und „Reinheit“ allerdings, in einem gewissen Maße schon, zumindest dann, wenn es um meinen Kontakt zu den Göttlichen geht, und damit in meinen Ritualen.
      „Rituelle Reinheit“ bedeutet für mich in aller erster Linie frei zu sein von „profanem“, von „irdischem Ballast“ und „Reinigung“ damit, einen gewissen Übergang , keine Grenze (!), zu schaffen von der alltäglichen Welt hin zur „Anderwelt“, dh. zur Ebene der Göttinnen und Götter, zu den Ahnen oder/und anderen Wesenheiten.
      Mich selbst (oder auch andere) vor einem Ritual zu reinigen dient dazu, alles abzuwaschen, was mich energetisch „verdreckt“ und mir damit erschwert mich auf das zu konzentrieren und einzulassen, was ich vorhabe, sei es eben eine rituelle Verehrung „meiner“ Göttlichen, sei es ein „Arbeitsritual“ oder ähnliches.
      Meine Ritualwerkzeuge oder den Ort eines Rituals zu reinigen hat eine ähnliche Funktion.

      Außerdem unterscheide ich durchaus zwischen „materieller“ und „energetischer“ Reinheit und Reinigung.
      „Materielle“ Reinigung und Reinheit umfasst dabei die ganz konkrete Reinigung entweder des Körpers oder auch eines Gegenstandes. Dazu zähle ich dann z.B. durchaus auch spezielle Ritualkleidung oder auch das Anlegen/Tragen von speziellem Schmuck oder ähnliches.
      Die „energetische“ Reinigung geht dabei, wie es zu vermuten ist, „darüber hinaus“. Heißt, ich beziehe dabei auch meine Aura und/oder meine Seele mit ein oder auch die Dinge, die energetisch an Gegenständen anhaften können.

      Rituale dafür habe ich ganz verschiedene, die in der Regel mindestens eines oder alle Elemente mit einbeziehen, und die ein wenig davon abhängig sind, was ich vor habe, wie viel Zeit vorhanden ist oder auch, was für Möglichkeiten mir zur Verfügung stehen.
      Z.B. kann es an einem Tag sein, dass ich vor Beginn meiner täglichen Andachten ausgiebig dusche, während ich einen bestimmten Reinigungsspruch rezitiere und dabei visualisiere, wie auch der ganze „energetische“ Dreck weggespült wird.
      Habe ich wenig Zeit, dann wasche ich mir mit dem entsprechenden Reinungsmantra zumindest die Hände, die Arme bis über die Ellenbogen, das Gesicht und Hals, und spüle den Mund.
      Habe ich viel Zeit, achte ich nach dem Duschen auf das Anlegen spezieller Ritualkleidung und auch Körperschmuck (in meinem Fall gehört dazu auch das Tilaka).
      Habe ich wenig Zeit, dann ist meine täglich frisch angelegte Kleidung auch ausreichend, da ja noch andere Reinigungen folgen. ;)
      Vor dem eigentlichen Ritual wird der Raum gereinigt. Auch da angepasst an die Situation und die vorhandene Zeit.
      Dabei fängt es bei der ganz materiellen Reinigung des Altares von den Resten des vorherigen Rituals an und geht über in die energetische Reinigung des Raumes, der Himmelsrichtungen usw. hin zu den Anwesenden.
      Dabei verwende ich Wasser, Ghee-Lampe/Kampfer, Rauch(Räucherstäbchen) und Klang (Mantra und Glocke), die für mich die Elemente repräsentieren.
      Danach geht es dann fast nahtlos in die weiteren Elemente des Rituals über.

      Soviel erst mal von mir.
      Wie ist es bei Euch?


      Liebe Grüße
      Siat
      Von den Hohen erschaffen
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      ©Siat



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      ANB´s
      In seinem Buch über die griechisch-römische Religion deutet Paul Veyne es jedenfalls an, dass zu den Sakralgesetzen der antiken Tempel eben auch Reinheitsvorschriften gehörten... Wöchnerinnen oder Menschen, die gerade Verluste erlitten hatten, galten wohl teilweise als unrein... natürlich nicht ihr ganzes Leben, aber eben für eine Zeit... oder sie bedürfen einer speziellen Reinigung... Vom Tempel des Swantevit auf Rügen heißt es, der Priester habe sogar den Atem angehalten, um den heiligen Bezirk nicht zu verunreinigen... und in der vor-islamitischen Ka'aba soll ein Götzenbild gestanden, dass vorher ein kopulierendes Menschenpaar war und zur Strafe der Entweihung des Heiligtums eben in ein Steinbild verwandelt worden war... die griechische Heldin Atalante und ihr Mann wurden ja von den Göttern auch in Löwen verwandelt, weil sie sich im Tempel der Großen Mutter liebten... aber ist alles wohl nur Spekulation...

      Persönlich werde ich mal versuchen, nächste Woche mich an der Fastenzeit zu beteiligen... soll ja auch reinigend für Körper und Geist sein ...
      Reinheit ist ja ein sehr großes Thema in vielen Kulten und Religionen.
      Kemet ist da ja auch ein sehr gutes Beispiel.
      Ich habe manchmal den Eindruck, dass das unter "uns" Heiden gar nicht so die große Rolle spielt. Warum?-Weil man sich auch da von den christlichen Vorstellungen abheben möchte?
      Oder einfach, weil man der Ansicht ist, dass das "überholt" sei, und den Göttlichen ja eh egal ist?


      Artjom schrieb:

      Persönlich werde ich mal versuchen, nächste Woche mich an der Fastenzeit zu beteiligen... soll ja auch reinigend für Körper und Geist sein ...


      Aus spirituell-religiöser Sicht ist Fasten ja auch ein sehr interessantes Thema, der heutzutage ja auch meistens außer Acht gelassen wird... ;)
      Nimmst Du denn daran ausschließlich wegen des körperlich reinigenden Effekts des Fastens daran teil?
      Und wie ist es grundsätzlich bei Dir? Spielt Reinheit und Reinigung auf Deinem Weg in irgendeiner Weise eine Rolle?

      LG und hab einen schönen Tag!
      Siat
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      ANB´s

      Siat schrieb:

      Nimmst Du denn daran ausschließlich wegen des körperlich reinigenden Effekts des Fastens daran teil?


      Ich erhoffe mir davon sowohl einen körperlichen wie einen geistigen Effekt. :)

      Siat schrieb:

      Und wie ist es grundsätzlich bei Dir? Spielt Reinheit und Reinigung auf Deinem Weg in irgendeiner Weise eine Rolle?


      Eigentlich schon. Ist eben wie bei einem Geburtstag oder einer Hochzeit oder einer anderen Feierlichkeit, man will sich ja von seiner besten Seite zeigen einerseits, man will das Göttliche nicht beschmutzen... ob das überhaupt geht, weiß ich nicht, das Göttliche beschmützen, aber eben der Form halber doch... Ich fühle mich nach einer Dusche sowieso auch immer sauber und wohl, rein eben :). Laut Volksglauben soll ja immer während der Rauhnächte eine numinoses Wesen umgehen, dass die Stuben und den Fleiß der Menschen kontrolliert. Ich finde es nicht verkehrt, fühle mich in einer aufgeräumten Bude auch wohler, als in einem Schweinestall... ordnungsliebend bin ich schon, doch immer klappt es bei mir auch nicht mit der Ordnung...