Religiöse Details von Plutarch

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      Religiöse Details von Plutarch

      Manchmal findet man an unvermuteter Stelle Hinweise auf die römische Religion. Ich lese gerade Plutarch "Von großen Römern und Griechen", darin finden sich immer wieder eingestreut, faszinierende Hinweise auf die Religion und die Sichtweise der Römer. Hier ein paar Beispiele.

      1) In der Beschreibung von König Numa, welcher den römischen Kultus begründete, wird deutlich wie spirituell die römische Religion war. (Ich übersetze hier mal nicht ins Deutsche und lasse die Quelle im Englischen, hoffe das ist so ok.) So hatten die Römer zuerst für lange Jahre keine Bildnisse der Götter, und hier erklärt Plutarch wieso:

      “Also his (King Numa's) orders on images show a close relation to the teachings of Pythagoras. He believed that the Original Essence could not be perceived by the senses and was not under any limitations, invisible, unrespresentable and could only be grasped for by spirit, and so Numa forbade the Romans to make a human-like or animal-like image of the Gods. Actually they have neither painted nor sculpted images of any God, but in the first 170 they did create Temples and Chapels, but no image of a God, because it was not allowed to depict the Higher is a material of lesser value, and it would be impossible to comprehend the Highest other than through the mind.”



      2) Hier sieht man wie stark wissenschaftliches Denken, geprägt durch den das Pythagoräische Denken, die Gestaltung des Cultus prägte:

      “Numa is said to have created the round temple of Vesta to protect the ever burning flame, not as an image of the earth, but as an image of the entire cosmos, in whose center due to the Pythagorean is the fire, which they call “Vesta” and “One”; they say the earth is not immovable and in the center of of the heavenly movements, but she encircles the fire and also the earth would not be the prime and most important of the heavenly bodies. Plato too should have come to this conclusion, that the earth is only a secondary in place.“



      3) Auch den humanitären Geist des Römischen Cultus kann man hier ausmachen:

      “Of the many sorts of Priests which Numa has created, I want to speak of two, the Salians and the Fetalians, which underscore his piety further. Because the Fetalians, a sort of peacekeepers,... searched to calm any sort of conflict and did not allow any open hostilities before any lawful way was exhausted. Like the Greeks they called it peace, when disputes were not solved by violence by through negotiations. The Fetalians went often to Romans who had acted unjustly, and tried to persuade them to be reasonable.“


      4) Hier ist eine Beschreibung, dass das Umkreisen, dass wir eher spontan dem Wicca zuordnen würden, eine mystische Bedeutung im römischen Kultus hatte, auch hier darf man wohl annehmen die pythagoräische Kosmologie hat in der Gestalt des Cultus eine große Rolle gespielt.

      “At festivals and on sacred days the priestly heralds moved ahead through the city and called for silence to for work to halt. Numa believed like the Pythagoreans, that religious service and prayer to the Gods should not be done parenthetically, but right from the moment stepping out of the house the soul should be prepared, so people should not hear or see something divine heedlessly, but with the attention of their mind to the religious ceremony as the most important action... So some customs have a secret meaning from the Pythagoreans, like offering the Heavenly Gods in uneven number and the Earthly Gods in even number,... and that during the prayer one shall turn around his axis and then sit down after prayer. The circulation at prayer is an imitation of the circulation of the solar system; the most correct interpretation seems to me, that since the Temples are directed towards the East, the praying person is looking towards West, looking away from sunrise, so he then turns to the God and back, creating a full circle, to assure himself a fulfillment of the prayer from both directions; or maybe the circulation should indicate something similar like the Egyptian Wheel, that no human matter lasts, and like the Gods turn our life around, we should be pious to adhere to this.
      Sitting down after prayer shall symbolize that the prayer is heard and that the good things are lasting. It is also said, that resting indicated an end of the first action and seperated thus from beginning a new action. … Also it can be connected to the fact, that the Lawgiver (Numa) wanted to accustom us to speak to the Gods not just by the way while we are busy, but when we have time and leisure.“




      5) An späteter Stelle, bei der Biographie Kimons von Athen, wird beschrieben wie großzügig Kimon gewesen sei. Er habe seine Zäune abgerissen, damit jeder Bürger sich Früchte des Feldes nehmen könne, wie er es brauche, er habe in seinem Haus immer eine offene Tafel für alle gehabt, und überhaupt sei Kimon von dem Geist beseelt gewesen, dass allen Bürger alles zum Nutzen sein solle, und so Plutarch, dies sei eine Erinnerung an die Goldene Zeit des Kronos. Das ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Wir haben ja in der Saturnalien ein Fest der Erinnerung an die Goldene Zeit in der noch Saturn herrschte. Hier ist die Darstellung Saturns sehr anders als die von Kronos im Griechischen, und obwohl die römische Sicht hier beschrieben wird, nennt Plutarch ihn Kronos; womöglich bekann in der Zeit des Neoplatonismus die Namensgebung der Griechen in Rom zu überwiegen. Wichtig ist auch, das Ideal des Saturn/Kronos und des Goldenen Zeitalters erhellt wird, und es scheint sich hier um eine quasi fasi kommunistische Sicht zu handeln: eine Zeit ohne Status-Unterschiede, in der das Marx'sche Prinzip "all according to their need, from all according to their ability" galt, oder man jedenfalls dieses annahm.


      6) Später, bei der Biographie von Lucullus, zu diesem Zeitpunkt Feldherr in Kleinasien, wird berichtet, sie wollten der Persephone wie es die Vorschrift ist, eine Kuh opfern, es sei aber keine Greifbar gewesen, also habe man aus Teig eine Kuh gebacken und geopfert. Das ist ein faszinierender Hinweis, wie flexibel der römische Cultus doch gewesen ist, und kein solch unbeugsames Regelwerk, sondern durchaus pragmatisch. Man kann also Backwerk als Ersatz für Fleisch nehmen.


      Kleine lustige Randbemerkung. In einer Geschreibung der orientalischen Despoten schreibt Plutarch verächtlich, diese hätten ihre Sklaven gezwungen, die Hände zu falten als Zeichen ihrer Demut, was Plutarch als Römer empörte, da er sagte, es sei nicht schicklich Sklaven so zu demütgen. Die Beschreibung der Geste erinnert sehr stark an die christliche Gebets-Haltung des "Hände faltens". Plutarch kennt die Christen nicht und bezieht sich nicht darauf, sagt aber es sei eine bei den Orientalen verbreitete Geste der Sklaverei. Hat sich also die Vorstellung des christlichen Gebets aus einer Idee des Sklaven-Daseins entwickelt? Wer weiß.

      Im Ganzen kann ich Plutarch's Buch, oder genau gesagt sind es ja wohl 5 Bände, sehr empfehlen. Man findet oft Hinweise auf die Religion in vielen Klassikern am Rande. Und gerade Plutarchs Biographien sind ohnehin lesenswert und lehrreich.
      Vielen Dank für diesen Beitrag, Elikal!

      Gerade das mit dem Opferkuchen ist sehr interessant.


      Elikal schrieb:

      obwohl die römische Sicht hier beschrieben wird, nennt Plutarch ihn Kronos; womöglich bekann in der Zeit des Neoplatonismus die Namensgebung der Griechen in Rom zu überwiegen


      Ich glaube, Plutarch stammte ursprünglich aus Athen, daher könnte er den Namen 'Kronos' verwendet haben. In welcher Sprache war das Werk, dem du dies entnommen hast, denn ursprünglich?

      Ich glaube, in Athen feierte man im Juli/August ein Erntefest namens 'Kronia', nach Kronos, bei dem die Sklaven die gleichen Freiheiten hatten wie ihre 'Kollegen' in Rom während der Saturnalien.

      Artjom schrieb:

      Vielen Dank für diesen Beitrag, Elikal!

      Gerade das mit dem Opferkuchen ist sehr interessant.


      Elikal schrieb:

      obwohl die römische Sicht hier beschrieben wird, nennt Plutarch ihn Kronos; womöglich bekann in der Zeit des Neoplatonismus die Namensgebung der Griechen in Rom zu überwiegen


      Ich glaube, Plutarch stammte ursprünglich aus Athen, daher könnte er den Namen 'Kronos' verwendet haben. In welcher Sprache war das Werk, dem du dies entnommen hast, denn ursprünglich?

      Ich glaube, in Athen feierte man im Juli/August ein Erntefest namens 'Kronia', nach Kronos, bei dem die Sklaven die gleichen Freiheiten hatten wie ihre 'Kollegen' in Rom während der Saturnalien.


      Das kann natürlich sein, dass das der Grund ist. Wobei er ja wissen musste, für ein römisches Publikum zu schreiben. Andererseits war er als Gelehrter wiederum griechisch orientiert. Mir fiel aber auf, dass in der Spätantike immer mehr ein Zug sich entwickelte im Rahmen des Neoplatonismus die Götter griechisch zu nennen. Kaiser Julian von Byzanz, der letzte polytheistische Kaiser, der "Wider die Galiläer" schrieb, schrieb immer von Zeus und Hermes.

      Interessant, dass für Plutarch Kronos aber keine negative Konnotation hat, wie man aus den griechischen Sagen sonst annehmen würde. Hier scheint, dass die griechischen auf den Mythen gegründeten Sichtweisen zu dieser Zeit weit in den Hintergrund gedrängt wurden, durch eine teils spirituellere bzw. römischere Sicht. Plutarch gibt sich in seinen "Moralia" denn auch als sehr sittenstrenger Mensch zu erkennen, was dem griechischen Ethos (ausgenommen Spartas der alten Zeit) ja eher widersprach. Plutarch war also ganz in der römischen Denkweise der Stoa gefestigt. Wie Römer, Sotiker und Platonisten, sah auch Plutarch wohl die Götter schon als rein wohlwollend und sehr spirituelle Konzepte. Das griechische Bild der unberechenbaren Tyrannen-Götter ist hier komplett verschwunden.

      Manche spekulierten ja, "Santa" sei zuerst Saturn gewesen, da die Saturnalien ja das unsprüngliche Weihnachstfest gewesen ist. Und nicht Odin, der oft als Vorbild für Santa angenommen wird.

      Elikal schrieb:

      Mir fiel aber auf, dass in der Spätantike immer mehr ein Zug sich entwickelte im Rahmen des Neoplatonismus die Götter griechisch zu nennen. Kaiser Julian von Byzanz, der letzte polytheistische Kaiser, der "Wider die Galiläer" schrieb, schrieb immer von Zeus und Hermes.


      Ich denke auch, dass der Neuplatonismus und der Stoizismus in den gebildeten Kreisen Roms (das ist nicht abwertend gemeint, die Ungebildeten konnten ja oftmals nichts für ihre Ungebildetheit mangels Zeit und/oder Möglichkeiten) auf ein dankbares Publikum gestoßen ist.

      Kaiser Julians Werke waren alle auf Griechisch, wenn ich nicht irre. Altgriechisch war, wie Du schon schreibst, die Bildungssprache jener Zeit.

      Elikal schrieb:

      Wobei er ja wissen musste, für ein römisches Publikum zu schreiben. Andererseits war er als Gelehrter wiederum griechisch orientiert.


      Wie Du schon schreibst: Die gebildeten Menschen - und wohl auch einige weniger gebildete Menschen - konnten Griechisch und dass Hermes = Merkur war usw. war ja allen geläufig.

      Elikal schrieb:

      Interessant, dass für Plutarch Kronos aber keine negative Konnotation hat, wie man aus den griechischen Sagen sonst annehmen würde. Hier scheint, dass die griechischen auf den Mythen gegründeten Sichtweisen zu dieser Zeit weit in den Hintergrund gedrängt wurden, durch eine teils spirituellere bzw. römischere Sicht.


      Das ist tatsächlich sehr interessant. Man sieht ja bereits im sechsten vorchristlichen Jahrhundert, dass Menschen nach anderen Erklärungen als den mythologischen suchten... Ohne dabei allerdings die Religion selbst umstürzen zu wollen. Ich liebe zwar die Mythologie der Griechen, doch man kann nicht die Augen davor verschließen, dass sie den Gegnern der Götter - nicht nur den Christen übrigens - eine sehr nützliche Waffe war.

      Elikal schrieb:

      Manche spekulierten ja, "Santa" sei zuerst Saturn gewesen, da die Saturnalien ja das unsprüngliche Weihnachstfest gewesen ist. Und nicht Odin, der oft als Vorbild für Santa angenommen wird.


      "Santa" oder "Väterchen Frost", wie unsereins aus der Zone ihn gerne nennt, hatte gewiss viele Vorbilder. Saturn gehört natürlich dazu, aber auch Wodan/Odin und sogar der "einfache" Hauskobold selbst (was erklären würde, wieso der Weihnachtsmann aus dem Ofen kommt und warum er überall sein kann: ganz einfach weil jedes Haus einen eigenen hat :) :) ). Persönlich finde ich allerdings, dass Kronos/Saturn ein besseres Äquivalent zu Odin/Wodan darstellt, als Merkur/Hermes: beide sind Väter des Donnergottes, beide herrschen über die "gesegneten" Toten (Odin in Walhalla, Kronos im Elysion), beide sind mit einem fröhlichen Erntefest und Endjahresfest verbunden (Wodan mit dem Vergodendeel und den Rauhnächten, Saturn eben mit den Saturnalien). Robert Graves, der einige Werke zu Mythologie und Heidentum schrieb, bringt den Namen des Kronos mit der Krähe in Verbindung, was an Odins Raben erinnert... Beide haben etwas Düsteres... Also, ich will mich nicht gegen die Tradition auflehnen, aber persönlich finde ich, dass Odin/Wodan und Kronos/Saturn einander sehr ähnlich sind.... Die Alten sahen dies leider etwas anders...
      Ich habe halt mit Santa Claus als Apollo Priester ein Hühnchen zu rupfen, da Nicolaus der "Heilige" war, der den Apollo Tempel zerstörte. >:(

      Vor kurzem ist ja da ein Buch erschienen, mit welcher Gewalt und Unterdrückung die frühen Christen gegen die Heiden vorgingen. Sehr wütend macht es mich, mich daran zu erinnern. Das weckt in mir düstere Emotionen.

      Elikal schrieb:

      Ich habe halt mit Santa Claus als Apollo Priester ein Hühnchen zu rupfen, da Nicolaus der "Heilige" war, der den Apollo Tempel zerstörte. >:(


      Wie fies. Und seiner Schwester soll Nikolaus einen Baum gefällt haben. Die Göttin rächte sich allerdings, indem sie ein Öl herstellte, dass auch auf Stein und im Wasser brennt. Dieses gab sie, verkleidet als alte Frau, einigen Pilgern mit, mit der Bitte, sie mögen damit doch die Wände der Nikolauskirche ölen... Nikolaus funkte allerdings dazwischen und erschien den Pilgern und klärte sie darüber auf, von wem sie das Öl bekamen.

      Elikal schrieb:

      Kleine lustige Randbemerkung. In einer Geschreibung der orientalischen Despoten schreibt Plutarch verächtlich, diese hätten ihre Sklaven gezwungen, die Hände zu falten als Zeichen ihrer Demut, was Plutarch als Römer empörte, da er sagte, es sei nicht schicklich Sklaven so zu demütgen. Die Beschreibung der Geste erinnert sehr stark an die christliche Gebets-Haltung des "Hände faltens". Plutarch kennt die Christen nicht und bezieht sich nicht darauf, sagt aber es sei eine bei den Orientalen verbreitete Geste der Sklaverei. Hat sich also die Vorstellung des christlichen Gebets aus einer Idee des Sklaven-Daseins entwickelt? Wer weiß.


      Ich habe einmal ein Relief gesehen, aus der Zeit der Sumerer (bis etwa 2000 vor Christus). Auf diesem wurden betende Menschen dargestellt, mit gefalteten Händen. Du scheinst also mit der Vermutung, dass da etwas von den Christen übernommen wurde, auf der richtigen Spur zu wandeln. Erinnern möchte ich in diesem Zusamenhang an den Baum des Lebens, der in ähnlicher Form im Buch Mose 1 erschien (Baum der guten und schlechten Erkenntnis). Über die Sintflut und das Gilgamesch-Epos habe ich bereits an anderer Stelle geschrieben.

      Ganz interessant fand ich, da wir gerade beim Gilgamesch-Epos waren, ein Relief von dessen Freund Enkidu, welches starke Ähnlichkeit mit Bildern aufwies, wie später der Teufel dargestellt wurde.

      Die Saturnalien sehe ich wie Du, als klaren Vorläufer des Weihnachtsfestes.

      Artjom schrieb:

      Ich liebe zwar die Mythologie der Griechen, doch man kann nicht die Augen davor verschließen, dass sie den Gegnern der Götter - nicht nur den Christen übrigens - eine sehr nützliche Waffe war.


      Der Nachteil aller schriftlichen Werke ist, dass man sich damit sehr lange und kritisch auseinandersetzen kann. Mit der Bibel und dem Koran ginge das auch, und dafür muss man sich nicht einmal Mühe geben. Dabei muss auch noch bedacht werden, dass die mythologichen Geschichten der Griechen nicht den Stellenwert hatten, wie die schriftlichen Quellen in den Buchreligionen. Vor allem waren diese Geschichten auch zur Unterhaltung gedacht. Das die alte Mythologie auch als Gegenargument herhalten musste, lag in der Natur des sich ausbreitenden Christentums, dass in den alten Kulten unerwünschte Konkurrenz sah.
      Gnothi seauton ... und Du erkennst die Götter, und deinen Platz im Universum.
      Ich denke wir sind durch den Stellenwert der Bibel bei den Galiläern in die Irre geführt. Die Römer lagen da meines Erachtens ganz richtig: sie sahen die Geschichten der Griechen eher als lustige Unterhaltung, als Geschichten für Bauern und einfaches Volk. Schon früh bildete sich bei Pythagoras und später bei Plato ein spirituelles Bild der Götter heraus. Gerade wenn ich auch an die nordischen Sagas denke, da sind ja etliche Zoten, die eben dann fahrende Geschichtenerzähler dem einfach Volke zu Unterhaltung boten. Manche Geschichten haben sicher auch eine symbolische Bedeutung gehabt, ein Mysterium, welches uns teilweise aber auch dann verloren ging.

      Ich entsinne mich mal eine Sendung über Barock Malerei gesehen zu haben. Darin hieß es, in dieser Malerei habe es viele tausend symbolische Dinge gegeben, aber die wurden fast alle vergessen. In einem zb gab ein junger Mann einem anderen einen Apfel, mit der "Unterseite" nach oben, und das sei ein Symbol, dass es sich hier um ein schwules Paar gehandelt habe. Aber die meisten Andeutungen der Barock Malerei haben wir halt verloren. So ähnlich ist es wohl mit den griechischen Geschichten. Man denke an die grausame Geschichte von Apollo und Marsyas. Ich habe mal dazu eine Interpretation gemacht. Aber das ist nartürlich spekulativ. Das Element der Unterhaltung darf man hier nie vergessen. Man denke auch etwa an die Bedeutung des Tarot, das auch voller Symbole ist, die auf etwas hindeuten, und viele Symbole muss man sich eben erklären lassen, die erschließen sich nicht von selbst und wirken so auf den Uneingeweihten oft nur wie seltsame, groteske Bilder.

      Dass aber gerade die Anhänger der Bibel sich hier mockieren finde ich drollig. Das Alte Testament ist eine ANSAMMLUNG von Grotesken. Und eben die Galiläer verweisen ja immer darauf, anders als wir, dass ihr Text heilig sein solle und wörtlich zu nehmen. Dergleichen nahmen die Heiden von damals ja nie an.
      Ich sehe das genauso wie ihr: im Alten Testament stehen weitaus schlimmere Sachen als in unseren Mythen, welche wir nicht verpflichtet sind, buchstäblich zu interpretieren.

      Spätere Heiden haben versucht, die Mythen als Allegorien zu erklären, so zum Beispiel Kronos/Saturn, der die Zeit ist und die ja auch ihre eigenen Kinder verschlingt... Oder bringe ich da etwas durcheinander... Ob die Mythen wirklich ursprünglich diese verschleierten Wahrheiten enthielten... Nun, da habe ich meine Zweifel. Ich glaube auch, dass sie ursprünglich der Unterhaltung dienten! In unseren Volkssagen und -legenden treten Jesus und die Heiligen und der Teufel auch nicht immer so erhaben (oder so durchaus böse, im Falle des Teufels) auf, wie man es von ihnen erwarten würde.

      Ich finde es da viel interessanter zu erfahren, wie die Philosophen über die Götter dachten.
      Wir dürfen natürlich nicht vergessen, dass die Ansichten der alten Griechen und Römer zu ihrem Kult, aber auch bezüglich der Götter manchem Wandel unterzogen waren. Dabei müssen wir bedenken, dass uns viel mehr Quellen bekannt sind, die gerade von der Oberschicht der Gesellschaft verafsst wurden, oder von gelehrten Philosophen. Man darf getrost davon ausgehen, dass deren Ansichten nicht von allen Menschen gleichermaßen geteilt wurden. Der Glaube des einfachen Volkes mag oft einfacher, weniger philosophisch, dafür wohl emotionaler, vor allem auch menschlicher gewesen sein. Das brachte mir übrigens diese Kulte näher.

      Übrigens freue ich mich schon sehr auf die bald beginnenden Saturnalien und stecke schon in den Vorbereitungen.
      Gnothi seauton ... und Du erkennst die Götter, und deinen Platz im Universum.