Slawisches Heidentum (und über die unsinnige Frage, ob es Slawen gab oder nicht...)

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      Artjom schrieb:

      Gut, dass die Menschen noch nicht von allen guten Geistern verlassen wurden und dass der Adel wenigstens in Europa seiner primitiven Privilegien beraubt wurde, die er selbst ja dereinst raubte. Und das Perverseste war ja noch, dass die ganzen Adelshäuser in Europa untereinander verwandt waren. Machten einerseits groß auf deutsche, französische oder russische Nation und Volksseele, doch hatten selbst vielleicht weiß der Deibel ihre Ahnen her???

      Bitte jetzt kein neues Feindbild kreieren, davon geistern hier schon genug rum. ;)
      "Das ist die Seuche dieser Zeit,
      Verrückte führen Blinde"


      King Lear, W. Shakespeare 1606

      Die Römer haben mit ihrer Besetzung von Gallien es geschafft, in relativ kurzer Zeit ihre Sprache Latein überall zu verbreiten. Mit der Zeit wurde daraus Französisch.
      Die Mönche der Ostkirche hatten auch eine Sprache, der biblischen Ideologie folgend, wonach die babylonische Sprachverwirrung überwunden werden sollte und man eine göttliche Kultsprache wünschte. Dieses "Kirchenslawisch" ist eine liturgische Sprache mit zahlreichen Zischlauten, also für die Verwendung im Gottesdienst gedacht.
      Diese Sprache hat griechische Wurzeln, aber entwicklte sich naürlich weiter und wurde absichtlich umgestaltet. Daß dann auch noch Teile der in den zu missionierenden Gebieten zuvor gesprochenen Sprachen (ungewollt) mit hineinkamen, ist anzunehmen.
      So sehr wahrscheinlich das Gotische wie auch die Sprache der Waräger. Die genauen Anteile mögen Sprachwissenschaftler bestimmen. Es stellt sich ja auch die Frage, wie das Gotische einst aussah; wir kennen ja eigentlich nur Wulfila "Bibelgotisch", welches sich von dem eigentlichen Gotischen unterscheidet, von dem wir kaum Zeugnisse haben.
      Wie gesagt, wenn dem so wäre, dann würde die slawische Sprache dem Griechischen genauso ähnlich sein wie das Französische dem Latein. Das ist aber nicht der Fall. Nur weil die kyrillische Schrift ähnliche Buchstaben besitzt wie die griechische Schrift, hat das Slawische noch lange keine griechischen Wurzeln. Und die Grammatik wäre einfacher geworden, nicht komplizierter.

      Durchaus hätte die Ostkirche überall eine Sprache durchsetzen können, doch das wäre dann wie gesagt einfach Griechisch gewesen und die Menschen in Osteuropa spräche dann eine Sprache, die dem Griechischen sehr viel mehr ähnelt als die heutigen slawischen Sprachen.
      Das Griechische hätte sich ähnlich verändert, wie das Lateinische in Frankreich. Tatsächlich finden wir doch schon bei den Götternamen Bezüge zum Baltischen (Zemina - Zemes mater, Perun - Percunas), zum iranischen (Chors - Khordad, Bog - Bharga) und zum Griechischen (Triglav - Tricephalos/Hekate, Mokos), aber auch zum Germanischen (Dac-Bog - Dagr, Turova - Thor, Bel - Baldr, "odin" als Zahlwort - Odin). Derartige Einflüsse waren also nachweisbar vorhanden und schafften es sogar, in den Kult vorzudringen. Warum sollte das mit der Sprache anders gelaufen sein?

      Aber ich kann auch Deine Meinung tolerieren, wenngleich ich sie nicht teile.
      @ "Viktor":
      Du hast echt Nerven, Dich hier anzumelden, Geza, wo Du ganz genau weisst, dass Du hier unwillkommen bist und Hausverbot in unserem Forum hast bist zum Sankt Nimmerleinstag!
      Warum brauche ich Dir nicht zu erläutern. Das wurde Dir per eMail und sogar per Telefonat schon zu genüge erklärt.
      Wenn das Deine Gehirnwindungen in all den Jahren (immerhin sind es mittlerweile im Panpagan alleine schon zehn (!) Jahre!) immer noch nicht durchdrungen hat, kann es mit Deiner zur Schau gestellten Gelehrtheit nicht so weit her sein.

      Und damit bist Du, wie bei all den anderen Malen, gesperrt. :no:

      Siat
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      Die Drachen
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      Viktor schrieb:

      Aber ich kann auch Deine Meinung tolerieren, wenngleich ich sie nicht teile.


      Lass es uns so machen, denn sonst drehen wir uns nur im Kreise :-). Sprachlich gesehen sind die slawischen Sprachen von der Altgriechischen und Neugriechischen Sprache einfach zu weit entfernt, die Entfernung zwischen Französisch und Latein ist da einfach geringer.

      Übrigens, nur weil ich nicht daran glaube, dass es niemals eine natürlich entstandene slawische Sprachgemeinschaft gegeben hat und ich ergo die slawische Mythologie nicht als unmöglich erachte, bedeutet dies nicht, dass ich nicht auch den Romantikern des Panslawismus' kritisch gegenüberstehe. Da kursieren auch die wildesten Theorien im Internet und es trieft auch nur so von einem übertriebenen Patriotismus (nicht, dass ich Heimatliebe nicht für begrüßenswert halte, aber übertreiben muss man es nicht). Und auch die meisten Slawisten, sogar polnische und russische, von denen ich die Werke gelesen habe, sind sich zum Beispiel darüber einig, dass Perun zum beispiel kein ursprünglich slawischer Gott war, der mit dem Thor der Waräger gleichgesetzt wurde, sondern dass es der nordische Thor war, der ursprünglich nur von der warägischen Oberschicht verehrt wurde, welche natürlich die Sprache ihrer neuen Untertanen übernommen haben. Im Allgemeinen wird in der Slawistik davon ausgegangen, dass die Slawen (oder meinetwegen die in der Geschichte als Slawen geltenden Stämme) sehr lange eigentlich eher einer Art Animismus und Totenkult frönten (Vampire, Rusalken und sogar die Hausgeister zeugen von einem Totenkult), und dass die Verehrung von als Personen gedachte Gottheiten eher von Nachbarvölkern übernommen wurde, was oft daran festgemacht wird, dass die "hohen" Göttergestalten sich kaum im Volksglauben niedergeschlagen haben, die kleineren Gottheiten und Geister aber umso mehr. Ich würde da sogar einen Vergleich zu den Römern und Griechen ziehen: diese mit ihren personalisierten Gottheiten und ihrer reichen Mythologie, jene mit kaum Mythologie aber unzähligen Götter- und Geisterwesen, die es zu "beschwören" gilt. Panslawisten der vergangenen Jahrhunderte versuchten ja auch immer wieder, einen slawischen Olymp zu finden, wo da aber keiner war, genauso wenig wie es wohl einen keltischen Olymp gab und wie es ursprünglich auch keinen römischen Olymp gab.

      Viktor, ich hoffe, Du akzeptierst meine Entschuldigung für die Ungehaltenheit, die ich hier in manchen meiner Antworten an den Tag gelegt habe. Ich wollte dich auch nicht bloßstellen. Es ist nicht so, dass ich ein Panslawist bin, aber trotzdem teile ich nicht alle deine Ansichten. Nichtsdestotrotz kann man ja immer noch höflich miteinander verkehren, denn es ist ja auch irgendwie ein Armutszeugnis, wenn man Menschen von vor 1000 Jahren verteidigt und sich dabei mit seinen Mitmenschen aus dem Hier und Jetzt verkracht. Der langen Rede kurzer Sinn: ich entschuldige mich, wenn ich Dich beleidigt haben sollte.
      Dass sich die "hohe" Mythologie bei den Slawen nicht so gut erhalten hat, würde ich nicht unbedingt als Argument anerkennen, denn auch bei den Griechen hat sich in die Neuzeit die Verehrung von Nymphen und Moiren (=Schicksalsgöttinnen / Feen) gehalten, aber nicht die der (zweifelsohne ursprünglich wichtigeren) "hohen" Götter. Der wesentliche Grund ist meines Erachtens, dass die Kirche letztere immer wesentlich stärker angegriffen hat. Trotzdem hast du bestimmt recht, dass man nicht überall nach einem Olymp suchen sollte... ich glaube auch fast, dass wir uns die griechische Religion meistens zu "olympisch" vorstellen. In der Komödie "Samia" von Menander gibt es zum Beispiel eine Stelle, wo jemand, der von einer Reise zurückkommt, als erstes die Apollon-Statue, die vor seinem Haus steht, als seinen Nachbarn begrüsst. Das hat doch auch mehr was von "Hausgeist" als von "hoher" Gottheit.