Götterbilder

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      Eine Sache, die bei der nüchternen Quellendiskussion zu kurz kommt, ist die Frage der Bedeutung und Wirkung von Götterbildern. Die Hinduisten behandeln ihre Götterbilder wie lebende Wesen, waschen sie, kleiden sie, geben Speise usw. Der Gedanke dahinter ist, daß sich Gottheiten tatsächlich in diese Figuren hineinbegeben und so in der materiellen Welt in Erscheinung treten. In den Überlieferungen (auch bei uns) kommen immer wieder sprechende oder sich bewegende Götterbilder vor, die durch den Kult so mit Kraft aufgeladen wurden, daß sich die Götter entsprechend manifestieren können. Daß dieses Verfahren auch große Gefahren birgt, sei am Rande erwähnt, denn es sind nicht immer die gewünschten Götter, die sich da manifestieren können.

      Die andere Bedeutung von Götterbildern hat mit den Gedanken zu tun. Ein Gedanke besteht aus zweierlei, nämlich einem Zielkopf und dem Inhalt, vergleichbar der Anschrift auf dem Brief und dem eigentlichen Briefinhalt. Wer die Telepathie kennt, der weiß, daß man beides (Anschrift und Inhalt) denken muß, um Erfolg zu haben. Will man z. B. daß eine bestimmte Person einen anruft, so stellt man sich bildlich vor, wie diese Person ans Telefon geht und die eigene Nummer wählt. Das wäre die Anschrift. Dann denkt man sich auch noch den gewünschten Inhalt, also das, was die Person einem sagen soll.

      Im heidnischen Kult ist es nun ganz ähnlich: Alle Teilnehmer sollten sich bemühen, das Bild der anzurufenden Gottheit intensiv vorzustellen, damit die Anrufung erfolgreich wird. Je homogener die Vorstellungen der Personen sind, desto stärker wirkt das ausgesendete Gedankenbild. Stellt sich hingegen jeder eine Gottheit individuell und anders vor, wird die Anrufung weniger erfolgreich sein. Unterschiedliche Gedankenbilder in den Köpfen der Teilnehmer unterstützen sich nicht gegenseitig, sondern können sich sogar im ungünstigsten Falle hemmen.
      Aus diesem Grund ist es wichtig, daß alle ein ähnliches Bild der anzurufenden Gottheit haben; dieses Bild erzeugt die Kenntnis der Mythen, in denen die Gottheiten beschrieben werden. Das bedeutet aber auch, daß gemeinsame Kulte verschiedener Traditionen nicht wirkungsvoll sind. Keltische Vorstellungen derselben Gottheit weichen ebenso ab, wie römische oder griechische. Nach griechischen Mythen ist Aphrodite eine untreue Göttin, betrügt ihren Mann Hephaistos mit Mars usw. Anders Freyja, der zwar Loki Untreue vorwirft, dessen Vorwürfe aber nicht zutreffen. Saxo schildert Freyja (die er Syritha nennt) als besonders züchtig und treu - deswegen reist sie ja auch ihrem Gemahl Odr nach. Um es drastisch und übertrieben auszudrücken: Wenn einer sich die Göttin als untreu und leichtlebig, der andere aber als züchtig und treu vorstellt, so sind das Widersprüche, die einander aufheben. Damit neutralisiert sich die Gedankenkraft der beiden Personen, die das denken, und der Kult wird von ihnen nicht gestärkt. Nebenbei könnte eine eher negative Vorstellung eine Gottheit auch beleidigen - selbst bei den Griechen.

      Im richtigverstandenen Ritual stärken die Teilnehmer die Götter, ihre positiven Gedanken und Vorstellungen sind an die jeweilige Gottheit gerichtet (die "Anschrift" unseres Briefes) und werden im Götterbild, an das sie ja gerichtet sind, gespeichert. Mit der Zeit wird es immer stärker gedanklich aufgeladen und der Kraftort wird ein wirklicher Ort mit Kraft. Leider können Menschen diese Kraft auch absaugen (durch entsprechendes Konzentrieren und Berühren des Götterbildes) und damit rauben. Deswegen durfte man Götterbilder nicht berühren und wurden entsprechende Schutzkreise um die Heiligtümer gelegt.
      Ich weiß nicht, wie lange diese Kraft vorhanden bleibt, ich denke, sie wird langsam weniger, wenn nichts mehr geschieht. Das dauert aber lange Zeit. Noch heute gibt es Heiligtümer, wo die Kraft der Vorfahren stark zu spüren ist, doch tun moderne Heiden oft nichts, um sie zu erhalten oder gar aufzufüllen. Meist steht das Ego im Mittelpunkt, man zieht beim Kult Kraft ab, statt sie zu geben und fühlt sich dann gestärkt, hat aber nur zum Kraftverlust des Ortes beigetragen. Und da Heiligtümer im Freien nicht geschützt werden können, ist ein Aufladen von Götterbildern mit Kraft heute kaum noch möglich, es sei denn, im eigenen Garten.

      Im vedischen Glauben ist es übrigens so, daß Indra durch die Opfer der Gläubigen gestärkt wird. Unterbleiben diese, fehlt Indra die Kraft und er kann die Dämonen nicht besiegen. In den Eddas ist es von Thor angedeutet, daß er zuweilen in seine Asenkraft fährt, doch wird der Zusammenhang mit den Opfern und Gebeten der Menschen nicht hergestellt - vielleicht hat man dieses Wissen vorausgesetzt, vielleicht aber haben vedische Priester die Geschichte mit Indras Stärkung nur erfunden, um die Menschen zu fleißigen Opfern zu bewegen (was ich nicht glaube).

      Wichtig ist also für jeden Kult: Gedankenkontrolle, einheitliche positive Vorstellung der Gottheit, was durch eine gute Vorbereitung erreicht werden kann, und Festlegung auf eine Tradition, kein Mischkult.
      Vielen Dank für diesen Beitrag, Viktor. Wenn es alles so stimmt, dann ist es ja kein Wunder, dass die Germanen, kaum den Limes überschritten, so relativ schnell zum Christentum übergegangen sind: deren Orthodoxie passt ja dann gut zu dem von dir beschriebenen homogenen Gottesbildern. Persönlich bevorzuge ich dann doch lieber die mediterranen Manieren mit ihrer Orthopraxie, bei die peinliche genaue Ausführung der Kulthandlungen wichtiger war, als was der einzelne von den Göttern dachte. Ob man Venus nun wie die Epikureer als Mutter der gesamten Natur betrachtete oder, beeinflusst von der griechischen Unterhaltungsliteratur (denn das war die Mythologie), als untreue Ehefrau, das alles hindert einem ja nicht daran, am 1. April die Riten für sie als Venus Verticordia zu vollziehen, die übrigens genau aus diesem Grund angerufen wurde: um die Frauen und Mädchen vor unsittlichen Gedanken zu schützen. Bei diese Religion waren die äußeren Handlungen wichtiger als die innere Haltung. Daraus können wir nicht schließen, dass es keine innere Haltung gab, doch diese wurde nicht von oben diktiert und stellte sich von selbst ein, da man mit uralten Kulten zu tun hatte, die man als Kind schon von den Eltern hat vollziehen sehen und die automatisch ein Gefühl der Ehrerbietung aufrufen. Wenn die Germanen da offenbar wie die Christen waren, dann ist das sehr interessant, auch wenn es nicht meine Religion ist.
      Nun, es gab in Rom so viele Priester und Priesterklassen, daß man wohl annehmen darf, daß sie auch irgendetwas gelehrt haben werden. Und dann durchlief ja jeder zweite männliche Römer die Mithras-Initiation. Ich behaupte, daß bei dieser Ausgangslage eine einheitliche Vorstellung von der jeweiligen Gottheit vorhanden war, was wir ja auch anhand der Kunst sehen können, denn die Götterbilder aus verschiedenen Zeiten und Orten ähneln sich doch sehr.
      Aber unbestreitbar hatte auch in Rom eine gewisse religiöse Dekadenz um sich gegriffen als Folge der Vermenschlichung der Götter. Wenn man Götter immer mehr zu Menschen macht, so darstellt, dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis man ihnen auch menschliche Fehler andichtet.
      Ja, es gab verschiedene Priesterkollegien in Rom, doch wohl eher aufgrund der zunehmenden Burökratisierung einer immer größer werdenden Stadt. Den Priestern oblag die Pflege des Kults der ihnen zugeteilten Gottheiten. Das Priesteramt war allerdings nur eines von vielen Ämtern, die eine Person tragen konnte und die römischen Priester hatten außer ihren priesterlichen Pflichten noch andere staatliche Verpflichtungen. Eine "Frohe Botschaft" oder sonstige Lehre gab es da nicht. Allgemein glaubte man, die Götter seien mächtige Wesen, mit denen man es sich nicht verscherzen sollte, indem man ihnen nach überlieferten Riten an bestimmten Tagen ihre Opfer darbrachte, um den Frieden zwischen Menschen und Gottheiten zu beständigen. Wie man die Götter zu verehren hatte, dass war festgelegt. In frühester Zeit war den Römer der "Götzenkult" sage ich jetzt mal, also die Verehrung von Göttern in Statuen und Tempeln, auch fremd.

      Ein schönes Beispiel liefert uns Ovid in seinen Fasti (Festkalender): im März feierten die Römer neben vielen anderen Festen auch das beim Volk so beliebte Fest zu Ehren der Göttin Anna Perenna. Über die Identität dieser Göttin gibt es viele Gerüchte: manche halten sie für Didos in einem Fluss ertrunkene Schwester Anna, andere für die Mondgöttin Luna, welche für Io-Isis und weitere für eine Quellnymphe. Keiner der Römer käme auf die Idee, sich wegen der Identität dieser Göttin zu streiten, genauso wenig, wie einer auf die Idee käme, ihr Fest nicht mehr zu begehen.

      Aber so war es bei den Römern. Bei den Germanen kann es ja ganz anders ausgeschaut haben.
      Auch wenn -wie oben beschrieben- bei möglichst ähnlichen Vorstellungen gemeinsam Betender das erwünschte Ergebnis verstärkt wird, ist es für mich wichtiger, mir immer wieder klar zu machen, daß Bilder und Erscheinungen von Göttern eben nur Darstellungen derselben sind. Bildliche Darstellungen können sehr kraftvoll sein, dennoch sind sie immer nur der Teilaspekt des Gottes/der grundlegenden Kraft, die der Künstler, oder Seher, aufgrund seines eigenen Erfahrungshorizontes wahrnehmen kann.
      Ich lege das biblische "Du sollst dir kein Bildnis machen" so aus, daß ich ein Bild, das ich mir (in diesem Fall vom Göttlichen) mache, nicht für die letztendliche Wahrheit halte.

      In diesem Zusammenhang möchte ich noch mal Grof zitieren:

      Gottheiten...sollten "transparent auf das Transzendente"sein. Sie
      sollten eine Brücke zum göttlichen Ursprung darstellen, nicht damit
      verwechselt werden. Wenn wir systematische Selbsterforschung oder
      spirituelle Übungen betreiben, müssen wir uns unbedingt davor hüten,
      eine einzelne Gottheit undurchsichtig zu machen und als höchste
      kosmische Kraft statt als Fenster zum Absoluten aufzufassen.

      Die Verwechslung eines bestimmten archetypischen Bildes mit dem letzten
      Ursprung der Schöpfung führt zum Götzendienst, einem entzweienden und
      gefährlichem Irrtum, der in der Geschichte der Religionen und Kulturen
      sehr weit verbreitet ist. Er vereinigt vielleicht die Menschen, die
      diesen Glauben teilen, setzt aber diese Gruppe von anderen ab, die sich
      für eine andere Darstellung des Göttlichen entschieden haben. Dann kann
      es dazu kommen, daß sie versuchen, andere zu bekehren oder sie zu
      bezwingen und auszurotten. Im Gegensatz dazu ist echte Religion
      universal und allumfassend. Sie muß kulturspezifische archetypische
      Bilder transzendieren und das Augenmerk auf den letzten Ursprung aller
      Formen richten. Die wichtigste Frage in der Welt der Religion ist somit
      die nach dem Wesen des höchsten Prinzips im Universum.

      Stanislav Grof (mit Bezug auf Joseph Campbell), Kosmos und Psyche Fischer 2000 (1997 engl. Originalausgabe) ISBN 3-596-14641-0
      Götterbilder, sind sehr unterschiedlich. Einmal ist dies das Bild, dass ich mir von der Gottheit mache. Dieses Bild ist dan auch nur für mich gültig. Ob sich unterschiedliche Ansichten zu einer Gottheit gegenseitig beeinflussen, aufheben oder neutralisieren, wage ich nicht einzuschätzen. Ich stelle mir dies schwierig vor, wenn viele Gläubige zum gemeinsamen Opfer zusammenkamen.

      Was die Beleidigungen der Gottheiten betraf, so musste man dafür sehr weit gehen. Gerade die Römer waren dafür bekannt, auch mal herzhaft auf die Götter zu schimpfen - gerade dann, wenn sie sich von Ihnen im Stich gelassen fühlten. Das konnte sogar in Vandalismus ausarten. Was tatsächlich als Beleidigung der Göttre galt war meist klar formuliert. Etwa, wenn sich ein Mensch als Gottheit darstellen ließ (siehe Phryne) oder wenn man bei den Göttern einen Meineid schwor. Letzteres galt als verweigerter Respekt und war besonders verwerflich.

      Es gibt aber auch Fresken und Mosaike, wo Götter dargestellt werden.

      Ganz zu schweigen von den Götterstatuen. Diese sehe ich als Punkt, an dem sich die spirtuellen Kräfte der Gottheiten und der Gedanke des Gläubigen treffen. Natürlich weiß ich, dass die Statue nicht die Gottheit ist, sondern diese lediglich darstellt. Von daher ist das Bild des sogenannten Götzendieners, wie es von den Heiden im Koran gemalt wird, völlig abwegig.
      Gnothi seauton ... und Du erkennst die Götter, und deinen Platz im Universum.
      Die Verwechslung eines bestimmten archetypischen Bildes mit dem letzten Ursprung der Schöpfung führt zum Götzendienst, einem entzweienden und gefährlichem Irrtum, der in der Geschichte der Religionen und Kulturen sehr weit verbreitet ist. Er vereinigt vielleicht die Menschen, die diesen Glauben teilen, setzt aber diese Gruppe von anderen ab, die sich für eine andere Darstellung des Göttlichen entschieden haben. Dann kann es dazu kommen, daß sie versuchen, andere zu bekehren oder sie zu bezwingen und auszurotten.

      Diese Schlußfolgerung sehe ich nicht. In der Vergangenheit gab es seltener Kriege zwischen (und um) verschiedene "Götzenkulte" als vielmehr zwischen den sich von Götzenkulten distanzierenden abrahamitischen Religionen - bis heute.

      Viktor schrieb:

      und Festlegung auf eine Tradition, kein Mischkult.


      Ich bin jetzt etwas neugierig, wie hältst Du es dann mit dem Donnerstag? Dem Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens zufolge weist das Brauchtum um den Donnerstag noch viele heidnische Züge auf: man soll vorzugsweise die dem Donnergott geweihten weil den Hagelkörnern ähnlichen Erbsen essen, Elben und Zwerge sind an diesem Tage tätig, es herrscht teilweise ein Arbeitsverbot usw. Diese werden auf Donar zurückgeführt und das zweifel ich auch nicht an, doch die 7-Tage-Woche gelangte ja aus dem Orient über die Römer zu den Germanen und dass wir heute den Donnerstag so nennen, liegt ja daran, dass die Römer diesen Tag nach ihrem Iuppiter benannten. Die Germanen übernahmen die 7-Tage-Woche im 4. Jh. und ich kann mir durchaus vorstellen, dass man ab dann den nach Donar benannten Tag auch irgendwie heiligte, aber dennoch wäre das dann ja kein "rein germanischer" Brauch, sondern ein erst durch die Übernahme der 7-Tage-Woche entstandener Brauch. Oder zumindest eine Verschiebung des Brauchtums. Jedenfalls wäre das ja auch ein Mischkult.

      Artjom schrieb:

      doch die 7-Tage-Woche gelangte ja aus dem Orient über die Römer zu den Germanen und dass wir heute den Donnerstag so nennen, liegt ja daran, dass die Römer diesen Tag nach ihrem Iuppiter benannten. Die Germanen übernahmen die 7-Tage-Woche im 4. Jh.

      Die Germanen übernahmen die siebentägige Woche von den noch heidnischen Römern. Das römische Heidentum ist ein Seitenast der Linie der indogermanischen Religion. Zuvor hatten die Germanen vermutlich eine 9 oder 10tägige Woche, die in den Mondmonat hineinpaßte. Dort gab es sicherlich auch eine Zuordnung von Tagen zu Göttern, wie wir es ja von den 27 Mondhäusern (Mondstationen) auch kennen (die es noch in Indien gibt).

      Wie ich schon ausgeführt hatte, halte ich es für falsch, irgendwo in einer fiktiven Urzeit anzusetzen, z. B. ein rein bronzezeitliches Asatru zu praktizieren. Ich halte es für richtig, dort anzusetzen, wo es durch das Christentum gewaltsam beendet wurde, d. h. in etwa vor einem Jahrtausend. Somit gehört die siebentägige Woche dazu, zumal die Planetenzuordnung ja nicht willkürlich war, sondern vom Herrscher der ersten Stunde ausging. Durch die Umsetzung der Namen ins Germanische und die lange Tradition in Germanien, sowie die ursprüngliche indogermanische Herkunft kann man nicht von einem Mischkult sprechen.

      Ob man Venus nun wie die Epikureer als Mutter der gesamten Natur betrachtete oder, beeinflusst von der griechischen Unterhaltungsliteratur (denn das war die Mythologie), als untreue Ehefrau, das alles hindert einem ja nicht daran, am 1. April die Riten für sie als Venus Verticordia zu vollziehen,

      Ich glaube nicht, daß ein frommer Römer, selbst wenn er die Mythen, die von Untreue redeten, kannte, deswegen diese Vorstellungen im Tempel hegte. Damals hatte man großen Respekt vor Gottheiten; Untreue war unethisch, deswegen wird man an die (angebliche) Untreue von Venus mit Mars beim Tempelkult tunlichst nicht gedacht haben, um die Göttin nicht zu verärgern. Und dann lebte man auch in dem Bewußtsein, daß Gottheiten im Mythos auch auf Vorgänge in der Natur bezogen wurden oder daß der ganze Mythos erst durch Identifikation von Gottheiten mit Naturvorgängen entstanden ist (also keine Unterhaltungsliteratur). Daß Jupiter die Blitze schleudert, wußte man noch, daß Helios etwas mit der Sonne und Luna mit dem Mond zu tun hat, war allgemein bekannt. Somit kann die angebliche Untreue von Venus mit Mars schlichtweg eine Konjunktion der Planeten Mars und Venus beschrieben haben bzw. davon geschlußfolgert worden sein. Ich denke, in den Mysterienschulen und -initiationen werden entsprechende Dinge gelehrt worden sein. Und dann war eben die Vorstellung doch relativ einheitlich. Es hat also bestimmt keiner die Venus als Hure gesehen und ein anderer als Heilige, sondern alle waren sich der Bedeutung des Mythos (Mars-Venus-Konjunktion) bewußt, die moralisch nicht bewertet werden konnte (zumal auch nicht von Menschen). Anders ist übrigens nicht erklärbar, was Artjom schrieb:

      das alles hindert einem ja nicht daran, am 1. April die Riten für sie als Venus Verticordia zu vollziehen, die übrigens genau aus diesem Grund angerufen wurde: um die Frauen und Mädchen vor unsittlichen Gedanken zu schützen.