Götterbilder

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      Ich habe erst vor kurzem angefangen Plutarch "Von Großen Römen und Griechen" zu lesen. Darin beschreibt Plutarch das Leben von König Numa Pompilius, dem ersten König nach Romulus, der den römischen Kult im wesentlichen neu ordente. Darin gibt es eine sehr interessante Stelle. Plutarch beschreibt, dass die Römer damals gar keine Bilder der Götter hatten. Sie waren der Ansicht, die Götter sind Wesen ohne Gestalt und ohne Begrenzung, und sie darzustellen sei falsch, da Körperlichkeit Begrenztheit darstelle. Man wurde erst danach durch den Kontakt mit den Griechen durch deren kunstvolle Statuen dazu animiert, auch Götter in menschlicher Form darzustellen.

      Insofern ist anzunehmen, was auch die starke Bedeutung platonischer und neoplatonischer Sichtweisen in Rom unterstreicht, dass die Römer die Götter eher in einem spirituellen Sinne ansahen. Letztlich dürfte es schwer sein, die "eine authentische" Sicht von damals zu rekonstruieren. Ich habe, um einmal eine andere Perspektive zu bringen, vor kurzem ein Buch gelesen, über die Bedeutung heiliger Bäume in der römischen Religion. Darin argumentiert der Autor sehr überzeugend, dass es auch direkt animistische Elemente der Römischen Religion gab. Meine Ansicht ist, dass es in den meisten Hochkulturen mit organisierter Religion eine "Hochreligion" und eine "Volksreligion" gab, dass es also ein Unterschied war, ob man als sehr gebildeter Römer (oder Ägypter) an die Sache heranging, oder als einfach Bauer vom Lande. Landbevölkerung wird wohl immer Dinge eher physich-animistisch gesehen haben, während gebildetere Schichten wohl eher philosophisch-spirituelle Sichtweisen auf die Götter hatten. Zudem haben wir ja nur einzelne Zeugnisse, etwa von Cicero. Aber wie repräsentativ das ist, kann man heute schwer sagen.

      Wir hatten über die Frage sind die Götter in den Statuen gerade in der Roman Republic eine Debatte. Da gab es unterschiedliche Sichtweisen. Ich sehe hier die Dinge klar eher durch die neoplatonische Sicht, dass Statuen die Götter repräsentieren. Manchmal schauen sie auch durch diese, wie ich meine, sind also in ihnen zuweilen gegenwärtig.


      Dass Römer bei kleinsten "Fehlern" abbrachen und neu begannen ist heute nicht mehr so eindeutig gesehen, wie früher. Auch die Idee einer "reinen" Orthopraxis. Ich verweise auch hier auf die exzellente Studie "Reviving Roman Religion: Sacred Trees in the Roman World" von Aisla Hunt. Sie argumentiert, dass jede kultische Handlung AUCH eine innere Vorstellungswelt impliziert, die sich über die Zeit entwickelt. Also auch die Römer werden bestimmte Vorstellungen gehabt haben, und diese Sicht als "reine Orthopraxis" weisen heute einige Forscher wieder zurück, und deuten dies eher als eine durch Christliche Autoren bestimmte Projektion zurück, die bewußt oder unbewußt, der römischen Religion eine "Hohlheit" zuschreiben wollten. Was davon wahr ist, hmm wer weiß. Aber ich halte persönlich die Idee einer so reinen Orthopraxis schon für eher zweifelhaft. Ein wesentlicher Grund des häufigen Neuanfangs war auch der strenge Glaube an Omen. Da war es oft Sache des Cultors selbst festzulegen, wie oft fängt er neu an? Wie wichtig ist es, wegen einem Detail neu zu beginnen?

      Ich bin hier auch in einer Reformbewegung, die darauf abzielt, dieses starre, Omenfixierte der alten Zeit hinter uns zu lassen oder zumindest zurück zu drängen, da mir heute ein so starres Festhalten an Form zu Ungunsten des Innernweltlichen, nicht mehr zeitgemäß erscheint.

      Elikal schrieb:

      Ich bin hier auch in einer Reformbewegung, die darauf abzielt, dieses starre, Omenfixierte der alten Zeit hinter uns zu lassen oder zumindest zurück zu drängen, da mir heute ein so starres Festhalten an Form zu Ungunsten des Innernweltlichen, nicht mehr zeitgemäß erscheint.


      Wie genau kann ich mir das vorstellen? Eher eine Beschäftigung mit den (neu)platonischen, stoischen und epikureischen Ansichten über die Götter als eine Fixierung auf die Riten? Bürgt das nicht die gleiche Gefahr wie bei den Christen, nämlich dass es zu Glaubenssätzen und Streitigkeiten über diese kommt? Persönlich gefällt mir eine orthopraktische, nüchterne Religion mir da besser, aber das ist eher eine persönliche Ansicht.