Wendisches Heidentum

This site uses cookies. By continuing to browse this site, you are agreeing to our use of cookies. More details

    Wendisches Heidentum

    Immer wieder mal tauchen slawische und wendische Götter hier nebenbei in Diskussionen auf. Wenn ich auf Reisen in entsprechende Gegenden gekommen bin, habe ich mir natürlich mit grossen Interesse die dortigen Fundorte und Heiligtümer angesehen, das tue ich eigentlich überall, wo ich hin komme, auch da, wo die Stätten nicht keltisch, sondern griechisch, römisch südgermanisch, etruskisch, wasweißich, oder auch von Wikingern, Sachsen, Slawen hinterlassen wurden. Ich denke es ergibt ein runderes Bild, wenn ich auch etwas über die Zeitgenossen der Kelten, aus deren Pantheon meine Götter stammen, weiss.

    Wie bei Kelten und Germanen auch, ist die Fundlage auch bei den Slawen eher dünn, vieles im Bereich der Volksmythen, Sagen, Bräuche zu finden, aber auch sehr vieles gerade im Internet mit Zuschreibungem und Einordnungen versehen, die eindeutig in die rechte Ecke gehören.

    Mit entsprechendem Grusel habe ich mir den Link zu einer deutschsprachigen Wenden-Seite in einem anderen Thread angesehen, denn ich stolperte schon nach wenigen Absätzen über den Verweis auf das “uralte heilige Symbol der Swastika“. Aufmerksam geworden schaute ich genauer.

    Die dargestellten Wenden waren vor Jahrhunderten Opfer einer Zwangschristianisierung und Kulturauslöschung geworden, unter der ihre Identität noch heute zu leiden hat. Immer wieder durchaus geschickt gemachte unterschwellige verweise auf rechtes Gedankengut, die vielleicht nicht jeder auf den ersten Blick erkennt.

    Die Anklänge an die Neue Rechte, die sich dort ideologisch positioniert sind äusserst deutlich, wenn man die Literaturliste wendisches-heidentum.jimdo.com/literatur/ ansieht.

    Da werden unter anderem Alain Benoist und Reinhard Falter, beide Vordenker der Europäischen Neuen Rechten, genannt. Zu beiden gibt es für den schnellen Überblick was bei Wikipedia.

    ausserdem diverse eindeutig rechte Asatruar - Texte beispielsweise von Fritz Steinbock oder dem altbekannten selbst ernannten Obergoden Geza in zwei Namensvarianten referenziert, spätestens beim Rabenclan findet man auch zu diesen beiden eindeutige Einordnung.

    Ich habe nicht alle dort genannten Autoren Namen überprüft, aber es ist gut möglich, dass noch weitere in diese Richtung gehören. Diese vier sind nur die, die mir sofort auffielen, weil sie mir schon in anderen Zusammenhängen aufgefallen und bekannt sind.

    Eine noch unvollständige, aber für den Anfang nützliche kulturhistorische Ausarbeitung, die versucht das rechte Gedankengut und die wenigen Fakten auseinander zu bröseln, und somit etwas Hilfe beim erkennen brauner Rattenfängerseiten leistet, gibt es beim Rabenclan.
    rabenclan.de/index.php/Heidentum/SlawischesHeidentumVorwort

    Ich würde mich freuen, wenn wir es schaffen, gemeinsam noch ein bisschen was an nicht ideologisch aufgeladenen Quellen, Infos etc zum wendischen Heidentum zu finden, leider ist nämlich das was in der Ausarbeitung des Rabenclans zu finden ist häufig eher auf noch weiter östlich liegende Gegenden in Polen, Russland, Weißrussland und der Ukraine verortet, und es scheint schwierig zu sein, auch in Deutschland entsprechende Spuren zu finden.
    Oh, guter Hinweis! Ich wusste schon, dass bei slawischem Neuheidentum viel Rechtes dabei ist, hatte bei der Seite wendisches-heidentum.jimdo.com aber bis auf weithergeholte Bezüge zum Hinduismus selbst nichts Unseriöses bemerkt. Ärgerlich. Wenn du eine Vorstellung davon hast, wie sich Quellen und Infos sammeln bzw. präsentieren lässt, würde ich gerne helfen. Ich beherrsche keine slawischen Sprachen, kann aber Latein, byzantinisches Griechisch und Mittelhochdeutsch übersetzen.

    Edit: Ergänzung
    Ich muss gestehen, dass ich die Seite nicht so kenne, weil ich mein Wissen um die wendischen Götter aus Büchern habe, nicht aus dem www...

    Folgende Bücher habe ich zu diesem Thema:

    - Handwerg, Michael: Die slawischen Götter in Pommern und Rügen. Elmenhorst: Edition Pommern, 2010.

    - Meschkank-Měškank, Werner: Als die Wendengötter sterben sollten. Über die vorchristliche wendische Glaubens- und Götterwelt. Cottbus: Regia Verlag Cottbus, 2005.

    - Reiter, Norbert: Das Glaubensgut der Slawen im europäischen Verbund. Wiesbaden: Harrassowitz Verlag, 2009.

    - Schmidt, Ingrid: Götter, Mythen und Bräuche von der Insel Rügen. Rostock: Hinstorff Verlag, 1997.

    Als vornehmste westslawische Götter sind bekannt:

    - Svarozic, Gott der Redarier, verehrt im Tempel von "Riedegost" (nach Thietmar);
    - Radigast, Gott der Redarier, verehrt im Tempel von Rethra (nach Adam von Bremen);
    - Tryglaw, dreiköpfiger Gott verehrt in Stettin und Brandenburg;
    - Gerovit/Jarovit, Gott der Stadt Wolgast, dem ein Schild geweiht war;
    - Prowe, der Gott der Stadt Aldenburg/Stargard, der in einem heiligen Hain verehrt wurde;
    - Siwa oder Ziwa, die Göttin der Polaben, die mit der Ceres verglichen wurde;
    - Podaga, verehrt im Tempel von Plön;
    - Pripegala, als Fruchtbarkeitsgott gedeutet;
    - Swantevit, vierköpfiger Gott der Insel Rügel, Orakelspender, Kriegs- und Fruchtbarkeitsgott;
    - Rugievit; ein anderer Gott der Rüganer, hatte sieben Häupte und acht Schwerter und hatte Kräfte wie Mars;
    - Porevit, gemeinsam mit Rugievit und Porenut verehrter Gott auf Rügen, hatte fünf Köpfe;
    - Porenut, teilte einen Tempel mit Rugievit und Porevit auf Rügen, ebenfalls mit fünf Köpfen;
    - Pizamar, auf Rügen verehrte Gottheit;
    - Tjarnaglofi, auf Rügen verehrte Siegesgottheit mit silbernen Schnurrbart.
    Ich habe einfach mal bei den Grundlagen angefangen, nämlich deren Definition von Heidentum. Im Fließtext tauchten dann recht schnell diverse Schlüsselwörter auf, hübsch in einem ziemlich komplexen Satzbau eingestreut.

    Teilweise macht der Text den Eindruck, als wäre er aus Büchern oder grösseren Aufsätzen kopiert, irgendwo wird da auch Guido von List (zum einen kein rechtmäßiger “von“, zum andern braune Soße vom übelsten) erwähnt. In der Literaturliste wird er aber nicht genannt.


    Das schwierige für mich ist, dass ich einerseits zwar alles “heidnische“ spannend finde, und auch gerne wenn ich unterwegs bin die gewünschte Gegend auch mit Stichworten wie Bodendenkmal, Archäologische Sehenswürdigkeit etc im Internet checke. Da findet sich dann alles mögliche, vom museum mit der Himmelsscheibe von Nebra, dessen Existenz mir schon längst vorher bekannt war bis hin zu Steinsetzungen und Hünengräbern in der Lüneburger Heide, deren Existenz mir völlig neu war. Und oft sind es gerade solche eher unbekannten Orte, die sich als wirklich sehenswert und besuchenswert herausstellen. Bei manchen Sachen stolpere ich auch über irgend etwas aufgrund der von mir verwandten OSM- Karten, die den überraschenden Hinweis auf einen Ringwall liefern, und dann findet eine Internetsuche plötzlich mit Ortsname + Ringwall den Hinweis auf ein kleines regionales Museum in der benachbarten Kreisstadt oder Sowas.

    Aber gerade bei den Slawen fehlen mir oft die passenden Suchworte, die Erfolg versprechen, weil ich über diese Kultur zu wenig weiss, um gut suchen zu können.

    Insofern kam mir der Link zum Rabenclan (deren aktiv anti-rechte Positionierung mir bekannt ist, und die sich alle Mühe geben, Mythen, Fakten und Ideologie zu trennen, wenn sie über etwas schreiben) für einen ersten Überblick gerade recht.


    Was spannend an diesen Göttern ist, ist dass aus den diversen Folge Seiten aus meinem Link hervor geht, dass Götter zumindest weiter ostwärts in Polen, der Ukraine und Russland öfters als Duo oder Gruppen auftreten, zum Beispiel ein schwarzer und ein weisser, Aspekte für jede Jahreszeit, oder Geschwister die männlich und weiblich sind und am gleichen Tag verehrt werden. Es scheint sehr viel stärker von bäuerlichen und jahreszeitlichen Rhythmen geprägt zu sein als bei den Mittelmeerkulturen, selbst bei den Südgermanen. Auf jeden Fall interessant.

    Ich hoffe einfach, mehr zu erfahren, ohne im braunen Sumpf zu landen.

    Gibt es eigentlich eine Entsprechung der Baba Yaga auch bei den Wenden oder Sorben, oder ist das eine Figur die es nur in der russischen Märchenwelt gibt?
    Meine Katze lief gerade über die Tastatur und die ganze Antwort ist verschwunden...

    Ich bleibe einmal bei der Baba Yaga: Mir ist keine bekannt, nur die Zolotaja Baba bei den Polen, welche die älteste der drei Schicksalsgöttinnen war und Reichtum und Fruchtbarkeit brachte.
    @Artjom

    Triglaw ist aber wohl ein überregionaler Gott, den kennen auch die Slowenen. Ob in exakt der gleichen Ausprägung und Darstellung wie in Brandenburg und Stettin, kann ich nicht sagen. Ist von diesen Heiligtümern denn noch etwas übrig, und sei es in einem Museum?

    Und der gleichnamige Berg im Zentrum des einzigen slowenischen Nationalparks ist eines DER “Pilgerziele“ für die Slowenen - auf diesem Berg muss man gewesen sein, wenigstens einmal im Leben. Das ist Sowas wie ein Nationalheiligtum... Und durch eine Legende, nach der oben auf dem berg eben auch der Sitz des Gottes Triglaw sei, hat das für die Slowenen auch eine starke spirituelle Dimension, sehr viel mehr als bei uns ein Besuch auf der Zugspitze.

    Die Triglav-Region ist definitiv eine Reise wert, ich würde da durchaus auch nochmal hinfahren, um etwas mehr von der Berg-Seite zu sehen, nachdem ich mich vor etlichen Jahren weit überwiegend paddelnd auf den Wassern der knalltürkisen Soca unterhalb des Triglaw herumgetrieben habe.

    Was die Slawen in Deutschland angeht, so sind die ziemlich unsichtbar, erst in den letzten vielleicht zehn bis 15 Jahren scheint da was in Bewegung gekommen zu sein.
    Beruhigend dass nicht nur ich Probleme mit der Technik bzw den Nebenaktivitäten (Kräutersud kochen) habe... Ich tippsel ewig an den Beiträgen, hüpfe zwischendurch zum Herd und sehe dann erst hinterher nach dem abschicken, dass zwischendurch noch jemand geschrieben hat. immerhin ist bei mir nicht das Raubtier an den Tasten, Madame streift gerade auf der Suche nach Beute durch die Nachbarschaft.
    Cool, danke für den Bericht über den Berg in Slowenien.

    Ja, während der Nazizeit durften sie keine Sorben/Wenden sein, in der DDR sollen sie es teilweise nicht gewollt haben, weil von oben erzwungen (man wollte aus dem Wendischen die Amtssprache der DDR machen, damit man mehr zu den anderen sozialistischen und überwiegend slawischsprachigen Brüderstaaten passen würde... Fakenews zu Ende) und jetzt in den letzten Jahren führen sie nach wie vor einen Kampf ums Überleben ihrer Sprache, wobei es scheinbar auch Reibereien gibt zwischen den Niedersorben (Wenden) und Obersorben (Sorben). Ihnen gehen auch die Lehrer aus. Die Zeiten, dass es noch vollkommen wendische/sorbische Dörfer in der Lausitz gab, scheint absolut vorbei zu sein...
    Eine der typischen Schwierigkeiten die solche kleinen Sprachen gefährdet, ist auch die berufliche Mobilität - Leute die die Sprache noch können, arbeiten nicht unbedingt immer da, wo sie sie sprechen können, und so fehlt dann schnell die nötige Übung, und gleichzeitig gelingt auch der Spagat mit der Zweisprachigkeit für die Kinder immer schlechter. Es ist das gleiche Problem wie mit friesisch, walisisch, schottisch, bretonisch oder gälisch. Insbesondere schottisch ist auch durch die fehlenden beruflichen Möglichkeiten in vielen Gegenden gefährdet, die Leute können es sich nicht leisten da zu bleiben, wo ihre Sprache wenigstens noch etwas lebendig ist, wenn sie nicht völlig den Anschluss verpassen wollen. Und erst recht wenn sie sich nicht mit landwirtschaftlichen oder touristischen berufen anfreunden können.
    Was mir bei den slawischen Göttern auffällt, sind die überwiegend gefährlichen oder gar bösen weiblichen Wesen.

    WasserGeister wie die Rusalki, die nichts anderes planen als junge Männer zu verführen und zu ertränken, es gibt auch weibliche Sumpf- oder Moorwesen mit ähnlichen Absichten.

    Baba Yaga als menschenfressende Hexe ist vermutlich vor allem durch das Christentum verfremdet worden, aber es kommt irgendwie durch, dass sie nicht nur böse ist. Vorausgesetzt man begegnet ihr mutig, ehrlich, ohne Hintergedanken .

    Teilweise erinnern diese Geister und Wesen an die unzähligen lokalen, Legenden von “weissen Frauen“, “Nebel-Damen“ etc, die es quer durch Deutschland gibt. Ich habe mehrere Bücher mit Sammlungen regionaler kleinerer Sagen und Legenden aus dem Rheinland, der Eifel, dem Bergischen - und da hat fast jede Burg, auch viele Seen oder Flüsse, manchmal auch ein besonderer Berg oder eine besondere Gesteinsformation eine solche Gestalt zu bieten. Sie sind oft unglücklich Verliebte, die sich selbst töteten, weil sie nicht ihrem Geliebten heiraten durften, vom eigenen Vater oder einem abgewiesenen Freier wegen einer nicht akzeptierten Liebe getötet wurden, manchmal sind es auch besonders freundliche, gute, wohltätige Frauen, die beim Versuch einen Streit zu schlichten von einem der streitenden getötet werden, oder an dem Kummer darüber, dass ihnen die Vermittlung nicht gelingt sterben. Alle möglichen Varianten von guten Frauen, die Opfer wurden. Es gibt auch böse Frauen, die auch im Tode noch keine Ruhe geben, und an bestimmten Daten Lebende in ihren Bann zu ziehen versuchen, um doch noch ihre bösen Taten zu vollenden, oder einfach neue böse Taten zu begehen.

    Eine ziemlich wilde Mischung. Und in vielen Fällen auch eindeutig von einem christlichen Verständnis wie eine Frau in der jeweiligen Zeit zu leben hatte geprägt.

    Einige dieser Gestalten kann man durchaus auch mit typisch keltischen Vorstellungen von lokalen Göttern und Geistern, die beispielsweise zu einem Berg, See Fluss, Quelle gehören, in Verbindung bringen.

    Wenn es ähnliche Legenden auch im heute deutschen westslawischen Siedlungsgebiet gibt, finden sich darin vielleicht auch Spuren alter slawischer Götter und Geister.

    Vielleicht gibt es ja Sammlungen von lokalen Sagen und Legenden aus Mecklenburg-Vorpommern, dem Wendland, der Lausitz etc, in denen sich solche und ähnliche Spuren entdecken lassen. Gerade in den letzten Jahren sind zumindest aus meiner Gegend einige derartige Sammlungen neu oder wieder veröffentlicht worden - wobei es sicher nicht immer leicht ist, dabei das was der Nationalromantik von achtzehnhundertstreuselkuchen und noch übleren Quellen entstammt angemessen einzuordnen.