Botanische Besonderheiten im Volksglauben

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      Botanische Besonderheiten im Volksglauben

      Hallo!

      Ich suche gerade Ideen zum Thema "Botanische Besonderheiten oder Seltenheiten" im Volksglauben.

      Gesucht ist also etwas aus dem Pflanzenreich, was eben nicht nur einfach beinhaltet, dass Pflanze soundso für diesunddas verwendet wurde. (Denn dann wäre das Thema viiiiiiel zu umfangreich, da ja fast jede Pflanze irgendwie im Volksglauben irgendwelche Kräfte - seien es heilende, atropäische oder sonstige zugesprochen wurde.)

      Was ich suche, sind eben Besonderheiten.

      Als erstes fallen einem da vielleicht die Alraunen und Pseudo-Alraunen ein, also Wurzeln, die irgendwie menschliche Proportionen hatten und darum als etwas außergewöhnliches angesehen wurden.

      Anderes Beispiel, um zu zeigen, dass nicht unbedingt etwas seltenes gemeint sein muss, wären Hexenbesen. Also durch Pilze hervorgerufene Wucherungen in den Kronen von Bäumen, die ja nun nicht wirklich selten sind, aber eben besonders, da der "normale" Wuchs des Baumes anders aussieht.

      Dann habe ich eine Frage zu Rosengallen, im Volksglauben als "Schlafäpfel" bekannt. Hat jemand von euch so was schon mal in natura (no pun intended :D ) gesehen?
      Ich muss sagen, ich nicht. :| Falls ihr schon mal so was gesehen, auf was denn für Rosen? Hundsrosen? (Ich denke mal die Besitzer von Zierrosen werden die Galle sofort wegschneiden, damit die sich nicht auf deren Sträuchern ausbreitet, darum vermute ich die ja eher an Stadtbepflanzungen, wo keiner regelmäßig guckt, also an Hundsrosen, die ja gerne gepflanzt werden.)


      Und was käme euch in den Sinn, wenn jemand dazu eine Ausstellung machen würde, im Stile eines "Kuriositätenkabinets"? Ich denke da so an Deko-Elemente wie geschnitzte Wurzelgesichter, die vor Generationen noch als Urlaubssouvenir verbreitet waren, ich glaube aus dem Alpenraum. (Wisst ihr, was ich meine?)


      Ich nehme auch gerne Anregungen aus anderen Ländern, aber es sollte schon etwas aus dem Europäischen Raum sein.

      Bin mal gespannt, was euch so einfällt! ;)



      P.S.: Besonderheiten aus der Fauna wie z.B. Hühnergötter, Donnerkeile oder versteinerte Seeigel sind zwar auch interessant, aber nicht mein Thema, können aber gerne mit erwähnt werden.
      Philosophie = Liebe zur Weisheit. Nicht: Ich gebe die mir gefälligen Bruchstücke der Erkenntnisse antiker Philosophen in eigenen Worten wieder. Sapere aude!
      Einfallen würden mir jetzt noch zwei Pflanzen, die ziemlich "ungewöhnlich" sind: die Mistel, weil sie als immergrüner Strauch auf Bäumen wächst, und die Bartflechte Usnea filipendula. Letztere ist ein wichtiger Teil des Telfer Schleicherlaufens schleicherlaufen.at/die-gruppen/die-wilden welches wiederum zum immateriellen Weltkulturerbe gehört.
      Schatz fahr vorsichtig, hinter uns is Stau.

      "Die Nazis haben den Ruf der Nazis so versaut, dass nicht mal mehr Nazis Nazis sein wollen." Philip Meinhold
      Oh, die Bartflechte ist auch toll, nur leider kenne ich keinen damit verbundenen Aberglauben. (Das von dir gebrachte Beispiel ist ja leider nur Brauchtum.) Aber das ich keinen kenne, muss ja nichts sagen. Ich muss mal nachgucken, wenn ich wieder zugriff auf die Fachbibliothek habe.

      Bei einer Wanderung in Schottland bin ich mal über ein Wäldchen sehr großer, alter Strauchbirken gestolpert, das über und über mit Bartflechten bewachsen war. Das war jedenfalls der Feenwald par excellence.


      Mistel, klaaaar! Paradebeispiel für das Thema wie die Alraune. :D
      Philosophie = Liebe zur Weisheit. Nicht: Ich gebe die mir gefälligen Bruchstücke der Erkenntnisse antiker Philosophen in eigenen Worten wieder. Sapere aude!
      So auf die Schnelle fällt mir an Ungewöhnlichem - irgendwie fällt es mir schwer da etwas Besonderes heraus zu greifen, da ich das Thema des rituellen Gebrauchs, mythologischer Verstrickungen bis hin zu Volksbrauchtum an sich schon immer recht ungewöhnlich finde ;) - eigentlich nur ein Grenzfall ein, wenn es um den Begriff der Botanik geht, denn streng botanisch sind es keine Pflanzen, sondern eben Pilze.

      Die hielt man im Rahmen der Miasmentheorie für Auswüchse eben jenes Miasmas, übler, mitunter übersinnlicher, nicht näher greifbarer Verunreinigungen und Ausdünstungen, die u.a. Krankheiten verursachen würden. Vermutlich fußt das u.a. auf der Beobachtung, dass Umgebungen, die Pilzwachstum förderten, also dunkel und feucht, kühl wie warm, damit korrelierten, dass sie auch mitunter krankheitsfördernd und / oder auslösend waren. Wie so oft wurde fälschlicherweise aus einem Korrelat Kausalität geschlossen. In der Folge dichtete man Pilzen wie auch ganzen Biotopen wie z.B. Sümpfen und Mooren krankmachende Eigenschaften an und der Pilz wurde im wahrsten Sinne verteufelt, christliche Esoterik griff den Pilz allzu gern als teuflisch auf - zumal er eben auch weder ins Bild der Pflanze, noch des Tieres passen wollte, wo er ja auch nicht hingehört. Hexenringe finden hier dann auch bitterbösen Anschluss ;)

      Ein anderer sehr obskurer Zeitgenosse wäre dann z.B. auch der Leichenfinger auch bekannt als Stinkmorchel. Auch das Judasohr lässt sich da anschließen oder der absolut absurde Tintenfischpilz... Also im Gebiet der Pilze erschließt sich eine ganze Vielfalt an Kuriositäten.
      Ludlul bel nemeqi - Ich will preisen den Herrn der Weisheit
      Ich hoffe meine Besonderheiten in der Erscheinung sind dir nicht zu unauffällig, ich gebe zu, daß ich sehr Signaturen-Lehre lastig bin:

      "Von dem Zeitpunkt an, als das Christentum in Mitteleuropa Fuß gefaßt hatte, war ein wirksamer Schutz vor dem Hexenzauber erforderlich. Eben jene Kräuter, die der Waldfrau oder Hebamme vormals zum Heilzauber dienten, gebrauchte man schließlich zur Abwehr ihres bösen Blicks. Sogar das Bilsenkraut wurde zum Schutz vor den Hexen über Stalltüren befestigt. Buschen aus duftenden Frauenkräutern, nun jedoch kirchlich geweiht, sollten der Hexe den Zugang zu Haus oder Stall verwehren."
      M.E. hat die Bilsenkrautblüte eine gewisse Sogwirkung:
      blumeninschwaben.de/Zweikeimbl…echse/P1410954.JPG_aa.jpg

      "Der Schierling gehörte in unseren Breiten mit zu den ersten Lokalanästhetika. Mit
      seinem betäubenden Saft bestrich man die Haut zum Beispiel vor Amputationen. Dies gab
      Anlaß zu der Spekulation, daß die Hexe, wenn sie sich damit salbte, das Gefühl hatte, sich
      in ein Tier zu verwandeln. Schierling verändert die Hautempfindung und verursacht
      ein Taubheitsgefühl, das in Kombination mit einem Nachtschattenrausch in der Tat
      Halluzinationen von Fell oder Federkleid bewirken kann. Manchmal vermittelt eine
      Schierlingssalbe auch das Gefühl, als ob ein kühler Windhauch über die Haut bliese.
      Schierlingsstängel sehen für mich unheimlich aus, wie ein Warnschild, das vor der Giftigkeit warnt:
      "http://steckbrief.kräutergustl.de/pics/gallery/schierling-gefleckter-b5.jpg


      "Johanniskraut:
      Nach alterTradition bereiteten sie den Gebärenden ein duftendes Lager daraus. Ein solches Kräuterbett sollte ursprünglich alle dämonischen Einflüsse von Mutter und Kind fern halten. Nach moderner Erkenntnis
      ersetzten Kräuterlager wie auch magische Räucherungen schlichtweg die Raumdesinfektion. Immerhin
      konnten unsere Wissenschaftler in den Bettstrohkräutern antibakterielle Wirkstoffe nachweisen. Die Assoziation von Rotöl mit Blut liegt nahe.

      zitiert aus: Margret Madejsky
      natura-naturans.de/artikel/pdf/hexenpflanzen.pdf

      "Eisenkraut - Verbena officinalis
      Das Eisenkraut stand als magisches Mittel bei Germanen, Kelten und Römern im höchsten Ansehen. Römische Gesandte hatten bei Ausübung ihrer Tätigkeit Eisenkraut bei sich zu tragen; sie wurden deshalb als Verbenarii bezeichnet.
      Die Pflanze ist bei innerlichem Gebrauch das charismatische und Diplomaten-Mittel Nr. 1. Reduziert Selbstzweifel, fördert Initiative und Entscheidungsfähigkeit. (Ich kann mich nicht erinnern, je einen Mißerfolg erlebt zu haben.)
      "Hierobotanae, das ist/ Herba sacra, oder geweihet Kraut/ dieweil man solch Kraut für das Gespenst geweihet und aufgehenckt hat..." (Lonicer, Kreuterbuch 1679).
      "Verbeen, Agrimonia, Modelgeer, Charfreitags graben hilft dich sehr, Daß dir die frawen werden holdt, Doch brauch kein eisen, grabs mit goldt." (Thurneysser, Archidoxa 1575)"
      zitiert aus: Max Amann/Anwendung von Pflanzenarzneien bei zwischenmenschlichen Beziehungen

      natura-naturans.de/artikel/pdf…schlichen_beziehungen.pdf

      In den Artikeln von Natura Naturans sollte noch mehr zum Thema zu finden sein.
      natura-naturans.de/artikel/artikel.htm
      Danke für die Ideen!

      Ragnor wrote:

      ... eigentlich nur ein Grenzfall ein, wenn es um den Begriff der Botanik geht, denn streng botanisch sind es keine Pflanzen, sondern eben Pilze.


      Keine Sorgen, ich habe den botanischen Begriff im weitesten Sinne benutzt, als Abgrenzung gegen Fauna, da ich primär keine Hasenpfoten, Benzoar, Wolfzähne, unter Türschwellen vergrabene, mit Nägeln durchbohrte Schweineherzen, Mardergebisse und all das tierische Gebammel am Charivari suche (das Thema übernimmt jemand anderes) sondern Dinge aus der Flora.

      Was bei Pilzen schwierig wird, ist nur, dass man die frisch schlecht ausstellen kann, und sie getrocknet präsentiert viel von ihrer "Wunderhaftigkeit" verlieren. (Da müsste man mit einem Modell kommen.) Käme also nur bedingt in Frage. Obwohl... da hast du mich auf eine Idee gebracht: Lumineszierende Pilze und andere organische Organismen wären noch eine schöne Besonderheit, über die man nachdenken könnte. allerdings kenne ich da keinen mit dem Volksglauben verbundenen, da z.B. Irrlichte und Elmsfeuer ja eher physikalische Phänomene sind und keine botanischen. Schade... :|

      Ein ganzes Habitat wie ein Moor zeigen geht leider auch nicht, da es in der Art einer "Wunderkammer" bzw. eines Kuriositätenkabinetts (Vitrinen voller Sandrosen, Seeigelskeletten, Donnerkeilen, Korallen, exotischen Hörnern, etc.) präsentiert werden soll, also Bilder oder eine pars-pro-toto Darstellung nur in Ausnahmefällen in Frage kommen. So was: baroque.it/images/cultura/curiosita-scientifica.jpg oder static2.tonight.de/thumbs/lib/71/36/12/o_big/123671.jpg

      Wisst ihr was ich meine? Oder denkt auch an solche ethnographischen Sammlungen aus dem 19. Jahrhundert mit all den ausgestopften exotischen Tieren, Schlangen in Gläsern mit Formaldehyd, Walknochen und aufgespießten Schmetterlingen. So was hat eine ganz eigene Ästhetik und einen ganz eigenen Charme, dessen düstere, überfüllte, angestaubte Darstellungsweise so gar nichts mit moderer musealer Konzeption zu tun hat. Wenn ihr schon mal im Museum of Witchcraft in Cornwall gewesen seid, kommt ihr dem schon nahe... Oder anderen kleinen Ausstellungen von Privatsammlern, die mehr Wert auf das "wundersame" und "kuriose" legen, als auf die thematisch richtige Einordnung und der Wissenserweiterung der Besucher.

      @ Isarkiesel: Wie gesagt, "Pflanze soundso wurde für/gegen diesunddas verwendet" macht die Thematik einfach zu umfangreich, so interessant das inhaltlich auch wäre. Zudem suche ich ja Objekte, die um ihrer selbst Willen interessant anzugucken sind und will nicht eine (getrocknete) Pflanze neben der anderen haben und dann das interessante nur im Text erklärt.

      Und ganze Bäume wie die Dorflinde sind leider ebenso schlecht in eine Ausstellung zu bringen wie das Moor als solches. :D
      Philosophie = Liebe zur Weisheit. Nicht: Ich gebe die mir gefälligen Bruchstücke der Erkenntnisse antiker Philosophen in eigenen Worten wieder. Sapere aude!