Über die Schlangen im Hauskult der Völker

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      Über die Schlangen im Hauskult der Völker

      Nur weil ich gespannt bin, was es bei den Kelten für einen Schlangenkult gegeben haben soll...


      Guten Tag,

      in religiöser Hinsicht hat die Schlange im Westen wohl eher weniger günstige Karten. Man denke an die Geschichte von Adam und Eva der Juden und auch an die schreckliche Midgardschlange der Germanen.

      Es fällt mir schon länger auf, dass Schlangen bei einigen Völkern im privaten Kult eine wichtige Rolle zu spielen scheinen. Ich dachte ja, dass das darauf zurückzuführen sei, weil die Vorräte der Menschen Mäuse und Insekten (sogenanntes "Ungeziefer") anlocken und diese wiederum solche Tiere anlocken, die sich eben von diesen Mäusen oder Insekten ernähren, wie zum Beispiel auch Spinnen, Katzen und Wiesel/Frettchen. Mäuse sollen eher weniger auf dem Speiseplan der Ringelnatter gestanden haben, aber Insekten (wie Kakerlaken) eventuell schon. Aber vielleicht hat es auch gar nichts damit zu tun, vielleicht suchten sich die Schlangen die Behausungen der Menschen und vor allem die Ställe des Tiere der Menschen nur deswegen aus, weil der "Abfall" der Menschen und der Düng des Kühe/Schafe/Ziegen eine ideale Temperatur für die Schlangeneier hatten? Das würde natürlich auch erklären, warum die Balten der Schlange Milch hinstellten oder wieso das Kind aus der deutschen Erzählung mit der Schlange Milch und Brot speist und wieso die Schlange als Beschützerin des Viehes und somit natürlich des Besitzes und Wohlstands der Menschen galt. Und ohne weitere biologische Kenntnisse sah man darin wohl die wohltuende Wirkung der Ahnen und/oder Götter, würde ich annehmen?

      Bei beispielsweise den Griechen, Römern, Slawen und Balten soll die Schlange als Vertreterin von Ortsgeistern oder Ahnengeistern eine wichtige Rolle im Hauskult gespielt haben. Zumindest wird van den alten Litauern, Letten und auch Preußen (Prußen) behauptet, sie hätten sich Ringelnattern gehalten und diese mit Milch gefüttert. Die Ringelnatter (Žaltys) waren ihnen zufolge der Sonnengöttin Saule geweiht, der beim Anblick einer toten Žaltys die Tränen kamen. Auch dem Fruchtbarkeitsgott Potrimpo oder Patrimpas war die Schlange geweiht und wurde in einem Gefäß unter etwas Stroh gehalten und angeblich mit Milch gefüttert.

      Bei den Wenden sagte man dereinst neidvoll von einem Nachbarn, den es allzu gut ging: "Tón ma zmija!" "Zmij" bedeutet Schlange, doch damit ist auch der geldbringende Drachen gemeint, der sich der wendischen Sage zufolge bei einem Menschen einquartieren kann. Nun ist der Unterschied zwischen einem Drachen und einer mythologischen Schlange nicht allzu groß. Jedenfalls nicht so groß, wie zwischen Germanen und allen anderen Völker dieser Erde und bestimmt auch anderer Planeten... Im Sorbenland erzählt man sich überdies auch vom Schlangenkönig, dessen Krönlein dem Besitzer unermesslichen Reichtum bringen soll. Zum Schlangenkönig habe ich diese Illustration gefunden, die mir gefällt, weil sie die Sage vom Schlangenkönig mit der von der Hausunke (siehe unten) vereint: i.ytimg.com/vi/OwCh0MH03AQ/hqdefault.jpg. Des Weiteren sieht man in der Lausitz an den Giebeln der Häuser oft gekreuzte Schlangenköpfe, so wie man sonstwo in Deutschland eher gekreuzte Pferdeköpfe sieht. Diese werden von den Menschen vor Ort (also nicht meine Interpretation!) als Erinnerungen an die ehemaligen Schutz- und Hausgötter angesehen.

      Wer an die griechische Götterwelt denkt, denkt an die schillernden Figuren wie Zeus, Hera, Apollon, Poseidon, Athena usw. Nicht zu Unrecht, denn die griechische Mythologie ist einfach phantastisch, ohne Weltuntergang usw. Heutige Hellenisten oder andere Polytheisten, die die griechischen Götter auf eigene Weise verehren, haben, wenn man den Bildern im Internet glauben schenken darf, bei sich zu Hause oftmals sehr üppig gestaltete Schreine für die olympischen Götter errichtet. Sehr schön, sehr devot und sehr individuell. Doch was die meisten Hellenisten nicht vergessen, ist einen "Kathiskos" aufzustellen. Das ist ein kleines Gefäß, dessen Henkel mit Wolle verziert ist und der Wasser, Olivenöl (natürlich ^^) und zumeist Samen und Körner enthielt und enthält. Das nannte man "Panspermia" und war ein Opfer an "Zeus Ktesios", dem Schutzgott der Vorratskammer. Man opferte ihm monatlich einen Teil der Vorräte in der Hoffnung, er möge den ganzen Vorrat schützen. Fast so wie beim öffentlichen Kult eben. Nun, ob es im alten Griechenland wirklich monatlich erfolgte, dieses Opfer, weiß ich nicht. Ich weiß nur, das heutige Hellenisten es monatlich machen, am Tag des Neumonds.

      Jedenfalls hat auch dieser "Zeus Ktesios" die Gestalt einer Schlange. Überhaupt fand man auch Inschriften ohne "Zeus" und nur mit "Ktesios", also inwieweit es eine Hausgottheit Ktesios gab, die dann später mit der Zeusreligion verschmolz weiß ich nicht. So gesehen hätte jeder Haushalt seinen eigenen Zeus gehabt, und nicht nur einen, denn im Haus wurde ebenfalls der schlangengestaltige Zeus Meilichios "der Honigsüße" und Zeus Herkeios verehrt. Letzterer war der Schutzgott des (Innen-)Hofes, der dort seinen Freiluftaltar hatte. Zeus Meilichios war eher eine chthonische Gottheit, die Wohlstand und Reichtum spenden konnte. Er soll in ganz Griechenland verehrt worden sein, doch in Athen feierte man für ihn die Diasia, ein Fest, bei dem Familien in der Öffentlichkeit ein Festmal hielten (alle beisammen, doch jede Familie für sich) und dem Meilichios opferten und der Ahnen gedachten.

      Ein anderer Gott oder Geist der Griechen, der oft die Gestalt einer Schlange annahm, war der Agathos Daimon eines jeden Menschen, eine Art "Schutzengel", und verwandt und manchmal auch verheiratet mit der Tyche Agathe, der guten "Glücksfee" eines jeden Menschen.

      Kommen wir nach Rom. Bekannt sind ja die Malereien der Lararien der Römer, die nebst Genius und tanzenden Laren oftmals auch eine oder mehrere (bärtige oder gehörnte) Schlangen zeigen, die sich oftmals auf einen Altar hin bewegen, als wäre dasjenige, was darauf geopfert wird, für sie bestimmt. Eine genaue Deutung dieser Schlange kann ich nicht direkt geben, denn dazu habe ich Verschiedenes gelesen: Mal soll die Schlange ein Ortsgeist sein, ein "Genius loci", dann heißt es wieder, die Schlange verkörpere den Genius Paterfamilias, also den (Schutz-)Geist, den Göttlichen Funken des Familienoberhauptes und vor allem eben seine schöpferische Potenz. Von den Laren habe ich ja auch gelesen, dass sie mal als Ortsgottheiten, dann wieder als Ahnengeister interpretiert werden. Und vielleicht ist auch die Schlange ein Ahnengeist? Auf jeden Fall lese ich immer wieder, dass die alten Römer in religiöser Hinsicht sehr fromm gewesen sein sollen, und ich kann mir vorstellen (wenn das denn nicht zu unwissenschaftlich ist), dass sie dadurch verschiedene Traditionen, deren Bedeutung sie selbst nicht mehr so genau kannten, (unwissentlich) zusammengeführt haben (ähnlich wie bei uns teilweise Nikolaus, Weihnachten und Neujahr zusammengelegt wurden/werden), um ja keine Gottheit zu vergessen? Denn die auf uns typisch wirkende Darstellung zweier spiegelverkehrter Larengötter soll ja auch erst zu Zeiten von Kaiser August aufgekommen sein? Vielleicht kann @Corvina diesen Absatz ergänzen?

      Im Sagenschatz der deutschen Sprache wird ab und an von der Hausunke oder Unke gesprochen. Unke verbindet man heute eher mit Kröten, in den Sagen ist die Unke allerdings eine Schlange. Allerdings nicht nur eine Schlange, sondern eben ein übernatürliches Wesen, dessen Gesundheit und Wohlwollen unentbehrlich für das Haus waren. Die mir bekannteste Version erzählt, wie die Hausschlange und das Kind des Hauses gemeinsam in Milch eingeweichte Brotstückchen essen. Weil die Schlange nur von der Milch, nicht aber von dem Brot isst, wird das Kind ungehalten und schlägt der Schlange mit dem Löffel auf den Kopf, denn sie solle auch vom Brot essen. Die Schlange ist entweder sofort tot oder eben zutiefst verletzt und verschwindet. Mit ihr verlässt auch das Glück das Haus, und das Kind, dessen Seelentier die Schlange wohl gewesen sein könnte, stirbt wenige Tage später. Überdies gibt es eben noch die Erwähnung (offenbar im Heiligenleben des Bonifatius), dass die Langobarden auch Götzenbilder in Form von Schlangen anbeteten. Doch da es keinen einzigen Ásatrúar heute gibt, die Schlangen anbeten, können wir einen solchen Schlangenkult bei den Germanen wohl völlig ausschließen und war die Schlange für die Germanen ein genauso böses und unheilvolles Zeichen wie für Juden und Christen.




      Maximillian