Schöpfung des Menschen im Heidentum?

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      Schöpfung des Menschen im Heidentum?

      Ok, mich würde mal interessieren, wie seht ihr die Rolle der Schöpfung des Menschen im Heidentum?

      Bei den Asen scheint es ja eher ne Nebensache gewesen zu sein. Machen wir sie halt mal, nun sind sie da, und schaut wie ihr zurecht kommt.

      In der Griechischen Variante von Hesiod sind die Götter den Menschen erst reichlich unwohl gesonnen. Prometheus baut Mist, und der Mensch badet es aus. Kein sehr
      charmanter Zug der Götter, lol.

      Als Römer frage ich mich da auch: hatten die Römer da eine eigene Version? So wie Wissenschaftler die Hesiod-Geschichte kommentieren, scheint es, als habe es selbst bei den Griechen mehrere Varianten gegeben. Ich entsinne mich dunkel, eine andere besagt, die Menschen seien einst duale Wesen gewesen, die dann gespalten geworden wären. Wieder ein ganz anderer Ansatz.

      In den Abrahamitischen Religionen steht ja die Schöpfung des Menschen regelrecht im Mittelpunkt. Dagegen scheint bei den Heiden der Mensch eher ein Störfaktor oder "naja nun ist er halt da" für die Götter zu sein. Etwas klarer legten sich da die Heidentümer des Ostens fest, Ägypter und Sumerer, wo der Mensch quasi als Dienerwesen erschaffen wird um zu Arbeiten. (Auch nicht gerade prall. ^^)

      So, was haltet ihr davon? Spielt es für euch eine Rolle? Für Juden, Christen und Muslime ist es ja wichtig, dass sich ihr Gott direkt ihnen zuwendet, dass er quasi alles erschafft für den Menschen, sozusagen. Da ist man als Heide in einer anderen Position. Die Götter eroberten idR die Welt, sie schufen sie nicht, und der Mensch spielt in der Urgeschichte der Götter eher eine schlechte Rolle. Was denkt ihr also dazu? ^^
      Eine sehr interessante Frage!

      Ich kenne mich weder im Heidentum noch in den großen Religionen gut genug aus, um da eine Antwort zu geben, die mehr umfasst als meine eigene persönliche Sichtweise.

      Beim Christentum und dem Menschenbild in unserem Kulturkreis hatte ich bisher immer den Gedanken, dass die Menschen sich mal nicht so wichtig nehmen sollten- Krone der Schöpfung und so, das gefällt mir nicht.

      Als Atheist glaube ich nicht an eine Schöpfung, sondern an eine Kette glücklicher Zufälle, für mich ist es so, dass auch der Mensch ein Zufallsprodukt ist und nun halt da ist und nun muss man irgendwie mit den anderen Lebewesen auf der Welt auskommen. Da komme ich dann an den Punkt, wo ich an Umwelt-, Natur- und Tierschutz denke.

      Wenn ich versuche, mir höhere Wesen vorzustellen oder mir eine Geschichte ausdenken müsste, fände ich diese Variante sogar irgendwie sympathischer- wir ärgern sie, sie ärgern uns, aber gegenseitiges Helfen ist auch drin. Gefällt mir besser als ein herrsch- und kontrollsüchtiger Gott, dem gefälligst alle zu dienen haben.
      Jetzt fände ich es spannend zu erfahren, ob es diese Sichtweise in irgendeiner Religion gibt.
      Hi Elikal,

      das sind ein paar interessante Fragen bzw. Positionen. Allerdings habe ich in ein paar Details eine etwas andere Sicht der Dinge:

      Elikal wrote:

      Bei den Asen scheint es ja eher ne Nebensache gewesen zu sein. Machen wir sie halt mal, nun sind sie da, und schaut wie ihr zurecht kommt.

      In der skandinavischen Völuspa, einem Edda-Lied, das die Welt in ihrer Gesamtheit beschreibt, ist die Schaffung der ersten Menschen gewiss "nur eine Episode" im Gesamtbild, aber nichts desto trotz werden die Menschen von den Göttern doch mit allem ausgestattet, was ein eigenständiges Wesen zum Leben braucht. Es gibt ja auch einige Geschichten von Interaktionen zwischen Göttern und Menschen, freundliche wie ausgesprochen unfreundliche, genau so wie es Geschichten von Interaktionen zwischen Göttern und anderen Göttern, Riesen, Alben usw. gibt. Menschen sind halt nicht der Nabel der Welt.

      Elikal wrote:

      In der Griechischen Variante von Hesiod sind die Götter den Menschen erst reichlich unwohl gesonnen. Prometheus baut Mist, und der Mensch badet es aus. Kein sehr
      charmanter Zug der Götter,

      Mag sein, dass ich diese Variante nicht kenne, sehr wahrscheinlich sogar. Ich kenne es so, dass Prometheus durch das bringen des Feuers zu den Menschen einen typischen Kulturheros verkörpert, also ein göttliches Wesen, das durch die Entwicklung der Menschen vorantreibt, indem es Fähigkeiten vermittelt. Solche lehrenden, unterstützenden Götter gibt es in vielen Mythologien und Stammeslegenden.
      Prometheus dafür an einen Felsen zu ketten, finde ich allerdings auch gelinde gesagt uncharmant.

      Elikal wrote:

      Als Römer frage ich mich da auch: hatten die Römer da eine eigene Version? So wie Wissenschaftler die Hesiod-Geschichte kommentieren, scheint es, als habe es selbst bei den Griechen mehrere Varianten gegeben. Ich entsinne mich dunkel, eine andere besagt, die Menschen seien einst duale Wesen gewesen, die dann gespalten geworden wären. Wieder ein ganz anderer Ansatz.

      Gut, dass du das erwähnst. Als ich sah, dass der thread von dir ist, fiel mir nämlich auf, dass ich null Ahnung von Schöpfung aus römischer Sicht habe.

      Elikal wrote:

      In den Abrahamitischen Religionen steht ja die Schöpfung des Menschen regelrecht im Mittelpunkt. Dagegen scheint bei den Heiden der Mensch eher ein Störfaktor oder "naja nun ist er halt da" für die Götter zu sein.

      Ich denke, es gibt einen grundlegenden Unterschied zwischen der Genesis (über die anderen abrahamitischen weiß ich zu wenig) und der heidnisch-"alteuropäischen" Kosmologie. Zumindest bei der "germanischen" habe ich ganz stark den Eindruck, dass die Götter die vorhandene Welt in eine bestimmte Ordnung gebracht haben, die sie schützen und verteidigen. Da Menschen Geschöpfe der Götter sind, sind sie natürlich Teil dieser Welt und quasi an das von den Göttern geschaffene "Biotop", den Lebensraum Erde, "angepasst". Da aber weder die Götter, noch deren Ordnung "für die Ewigkeit" sind, sitzen wir und die Götter quasi im gleichen Boot. Und eines Tages ist Ragnarök, dann werden die Karten neu gemischt und von der alten Ordnung nicht viel bleiben. Neue Götter, neue Ordnung, neue andere Wesen.
      Aber solange die Welt so existiert wie sie ist, ist alles darin auch wichtig, sind alle auch direkt oder indirekt voneinander abhängig. Manche sind halt etwas größer als andere ;)

      Elikal wrote:

      So, was haltet ihr davon? Spielt es für euch eine Rolle? Für Juden, Christen und Muslime ist es ja wichtig, dass sich ihr Gott direkt ihnen zuwendet, dass er quasi alles erschafft für den Menschen, sozusagen. Da ist man als Heide in einer anderen Position. Die Götter eroberten idR die Welt, sie schufen sie nicht, und der Mensch spielt in der Urgeschichte der Götter eher eine schlechte Rolle. Was denkt ihr also dazu?

      Ja wie gesagt, die Götter ordneten die Welt so wie sie jetzt gerade ist, das kann man natürlich auch erobern nennen. Aber sie sind dadurch nicht die unumschränkten Herren, sondern "nur" ein Teil von etwas größerem, aber wo leitest du her, dass Menschen eine "eher schlechte Rolle in der Urgeschichte der Götter" spielen?
      Und natürlich ist es auch für Heiden wichtig, dass Götter sich ihnen zuwenden. Auch dafür gibt es ja genug Belege in den Mythologien.
      Das Leben auf diesem Planeten hier ist für kein Wesen der reine Ponyhof, da kann ein wenig Segen ab und an doch bestimmt nicht schaden ;)
      Schatz fahr vorsichtig, hinter uns is Stau.

      "Die Nazis haben den Ruf der Nazis so versaut, dass nicht mal mehr Nazis Nazis genannt sein wollen." Philip Meinhold
      Ich denke, die Römer beschäftigten sich mehr mit der Pflege ihrer vorväterlichen Tradition, als mit der Frage der Schöpfung.

      Die negative Rolle, die die Menschen in heidnischen Schöpfungsmythen spielen, ist für mich ziemlich klar, denn die Schöpfung, die Materialisierung ist auch nichts Gutes, da sie das Leiden hervorgebracht hat. Der Schöpfergott ist der Demiurg, er ist nicht der höchste Gott, auch wenn einige ihn dafür halten. Leider sehen sie das falsch. Unsere alten Götter sind Sinnbilder und Emanationen des Einen Göttlichen. Wir sind Seelen, gefangen in der Materie, welche vergänglich ist.

      Bei Ovid findest du einen "römischen" Schöpfungsmythos. Dieser ist sicherlich genauso sehr von griechischen Gedankengut durchzogen, wie der skandinavische Schöpfungsmythos vom Christentum.

      Elikal wrote:


      Als Römer frage ich mich da auch: hatten die Römer da eine eigene Version? So wie Wissenschaftler die Hesiod-Geschichte kommentieren, scheint es, als habe es selbst bei den Griechen mehrere Varianten gegeben. Ich entsinne mich dunkel, eine andere besagt, die Menschen seien einst duale Wesen gewesen, die dann gespalten geworden wären. Wieder ein ganz anderer Ansatz.


      Es stimmt ja nun auch nicht unbedingt, dass DIE Griechen immer nur eine Version von allem hätten. Genauso wie DIE Griechen historisch nicht der graue Einheitsbrei sind, als der sie populär immer dargestellt werden gab es immer nur eine einzige Tradition, sondern vielmehr ganze Reihen. Der Olymp ist ja letztlich auch nur einer der vermeintlichen Götterberge. Andere recht einfache "Detailunterschiede" sind z.B. unterschiedliche genealogische Verbindungen, die letztlich auch unterschiedliche Hintergedanken aufweisen bis hin zu ganz unterschiedlichen, mythologisch ausgeformten Ätiologien.

      Ohne in das doch recht große Detail einzusteigen, das sich da ergibt muss man doch sagen, dass der vermeintlich verbreitete "Standard" in Griechenland wohl eher zum Einen der historisch großen Bedeutung Athens zuzuschreiben ist, jedoch auch der späteren Tradition auch in der Forschung, die sich immer primär auf Athen stützte. Z.T. ist von den anderen Poleis eben auch schlicht deutlich weniger überliefert. Letztlich ist es aber schon recht vielsagend wenn die klassische, griechische Archäologie lieber zum zigsten Male Athen wiederkaut, statt sich z.B. einmal um die reichen Quellen auf der Krim und die dortigen Poleis zu kümmern.

      Wenn ich "Antikes Griechenland" in den Raum werfe, dann denkt man im Ergebnis eben weniger an das Bosporanische Reich, an Taurer oder gar Illyrer. Die Meisten denken an Athen, Sparta, Troja, ein Paar dann noch an die westlichen Kolonien und Rom, Einige dann noch an die hellenistischen Diadochenreiche.

      Wetterleuchten wrote:


      Prometheus dafür an einen Felsen zu ketten, finde ich allerdings auch gelinde gesagt uncharmant.


      Er hätte das ganze wohl schlicht nicht derartig umsetzen sollen, als dass mehr oder weniger Zeus herausfordert und versucht eine Strafe zu umgehen ;)

      Elikal wrote:


      In den Abrahamitischen Religionen steht ja die Schöpfung des Menschen regelrecht im Mittelpunkt. Dagegen scheint bei den Heiden der Mensch eher ein Störfaktor oder "naja nun ist er halt da" für die Götter zu sein. Etwas klarer legten sich da die Heidentümer des Ostens fest, Ägypter und Sumerer, wo der Mensch quasi als Dienerwesen erschaffen wird um zu Arbeiten. (Auch nicht gerade prall. ^^)

      So, was haltet ihr davon? Spielt es für euch eine Rolle? Für Juden, Christen und Muslime ist es ja wichtig, dass sich ihr Gott direkt ihnen zuwendet, dass er quasi alles erschafft für den Menschen, sozusagen. Da ist man als Heide in einer anderen Position. Die Götter eroberten idR die Welt, sie schufen sie nicht, und der Mensch spielt in der Urgeschichte der Götter eher eine schlechte Rolle. Was denkt ihr also dazu? ^^


      Dass in den abrahamitischen Religionen (aR) die Schöpfung des Menschen so im Zentrum steht halte ich in Anbetracht des inhärenten Erwählungsglaubens als natürlich. Man glaubt - in meines Erachtens nicht geringer Hybris - dass Gott höchst selbst sich den Menschen bzw. einen Teil davon erwählt hat. Dazu zu gehören ist also recht schmeichelhaft. Wenn es dann nur einen einzigen Gott gibt, dann macht es das Ganze nur noch schmeichelhafter, ebenso wenn er die ganze Welt drumherum sogar nur dafür geschaffen hat, weil der Mensch so toll ist.

      Erzählt man das nun einem Menschen, dem es schlecht geht, dann mag das einen aufmunternden Effekt haben, der gut gemeint sein mag, doch ganz ehrlich finde ich die Schilderung allgemein recht überzogen.

      Zur Genesis allerdings: Ließt man sie einmal wirklich, dann stellt man fest, dass die Welt als Kosmos bereits existent ist. Gott schafft sie nicht erst, sondern ordnet ganz heidnisch (den Gedanken gibt es in Orient wie Okzident und ist nichts speziell "Alteuropäisches"). Doch die Theologen hatten irgendwann einmal die brennende Frage: Ja woher kommt die Welt, die Gott da ordnet eigentlich? Und woher kommt er? Nun war es irgendwann so, dass die Erklärung Gott selbst, der ja allwissend und allmächtig sein müsse, hätte einen Anfang auch mit der Idee verbunden wurde er müsse ein Ende haben, was seine grenzenlose Ausdehnung beschnitten hätte. Außerdem gäbe es dann die Frage wie denn nun der Kosmos entstanden ist, wenn selbst Gott erst irgendwann danach entstanden sei. Die Frage war nun so problematisch für gängige theologische Konzepte des Christentums - es gab durchaus andere wie z.B. an anderer Stelle den Arianismus, aber die wurden eben bekanntermaßen bekämpft - dass man sekundär die Sache lieber so erklärte und deutete, dass Gott gleichsam auch den ganzen Kosmos, den er ordnet geschaffen haben müsse.

      Der Part, der einen vermeintlichen generellen Unterschied darstellt zwischen aR und Heidentum, Schöpfung contra Ordnung, ist also lediglich sekundär und allein darauf zurück zu führen, dass bei Ersteren eine abweichende Deutung die Oberhand gewann, die allerdings auch vielfach in den Rest eingebettet ist wie Schicksal und eben Anthropozentrie.

      Und zum Orient: Einfach nur als Dienerwesen wird da der Mensch weniger geschaffen ;) Vielmehr als Wesen fürs Praktische. Zum Einen muss man sich vor Augen halten, dass eben auch im Orient die Götter als Wesen auftreten, die schaffen wollen im Sinne von ordnen und gestalten. Innerhalb der mesopotamischen Mythologie stellen sie dann nur irgendwann eben fest, dass das ganze Thema anstrengender ist als gedacht. Es kommt zu Problemen, Streit - auch Götter sind nicht absolut perfekt - und schließlich einigt man sich darauf eine neue Art von letztlich Dienstgeist - In Mesopotamien gibt es von der Sache her keinen kategorischen Unterschied zwischen Geistwesen, Dämonen und Menschen (bzw. deren Totengeist). Man unterscheidet sich nur in Lebensort, -art und Charakter - zu schaffen, der die ganz nervige Arbeit übernehmen soll. Eine Tradition schildert es dabei zum allgemeinen Pech nun so, dass man dafür die Essenz eines Gottes gebrauchte, der ausgerechnet der aufrührerische Gott der Arbeit selbst war, sodass die Menschen daraus nicht weniger problematisch waren.

      Doch um das reine Dienen geht es dabei weniger. Dienen im Sinne von Versorgung wie es Nachkommen für die eigenen Alten tun sollten sehr wohl, das ist explizit ein Thema, ansonsten geht es eher um Ordnen, Erhalten, Schaffen, quasi den "göttlichen Auftrag" umsetzen.

      Für mich persönlich ist das Erschaffen des Menschen nicht Kern des Glaubens. Ein wörtliches Verständnis halte ich für relativ eindeutig unsinnig. Philosophisch sehe ich oftmals mehr als interessante Gedanken und Ansichten, letztlich glaube ich selbst aber auch nicht einmal an ein aktives Eingreifen von Göttern während der Evolution des Menschen oder was auch immer. Literarisch wertvoll, aber Nichts, woran ich mich argumentativ aufhängen würde.
      Ludlul bel nemeqi - Ich will preisen den Herrn der Weisheit

      Maximillian wrote:


      Die negative Rolle, die die Menschen in heidnischen Schöpfungsmythen spielen, ist für mich ziemlich klar, denn die Schöpfung, die Materialisierung ist auch nichts Gutes, da sie das Leiden hervorgebracht hat.


      Naja nun ist aber Leid nicht unbedingt zwangsweise an Materialität gebunden. Ich kann bar jeder Materie auch schlicht psychisch leiden nicht aufgrund irgenwelcher materiellen Sehnsüchte oder Entsagungen, sondern wiederum aufgrund anderer abstrakter Dinge. Materialität mag der Sache eine neue Dimension hinzufügen, aber letztlich ist die reine, bewusste Existenz ausreichend, um Leid zu erfahren.

      Die negative Sicht auf die Existenz in vielen Mythen halte ich von daher weniger für ein Urteil gegen jede Materialität, als einen im Kern vorhandenen Pessimismus bzw. manchmal auch nur die banale Feststellung, dass im Leben quasi Nichts umsonst ist. Man muss in irgend einer Art arbeiten und Anstrengungen auf sich nehmen. Die gute alte Entropie eben. Auch ist nicht immer alles eitel Sonnenschein. Man hat die meiste Zeit eher Sorgen, als dass man unbeschwingt ist. Insofern ähnelt der Mensch dann im Orient umso mehr den Göttern bzw. umgekehrt. Die hatten am Ende ja auch keine Lust mehr darauf und selbst Zeus hat sich ja die Menschen zu ganz eigenen Zwecken im Mythos rund um Prometheus Untertan machen wollen ;)
      Ludlul bel nemeqi - Ich will preisen den Herrn der Weisheit
      @Wetterleuchten

      Naja, bei Hesiod ist es mit Prometheus noch viel mehr.

      Die Götter verlangen von den Menschen opfern, und Prometheus versucht, den Menschen das zu erleichtern, indem er 2 Opfer bereitet, eines wo nur Knochen sind aber Fett drumrum, und eines mit gutem Fleisch, aber nicht gut hergerichtet und er sagt, Zeus solle eines wählen. Zeus wählt das fettige ohne Inhalt und läßt nun seinen Zorn an den Menschen aus, denen er Pandora schickt, die erste Frau, mit "falschen Herzen und lügender Zunge". Frauen werden in dieser Sage also als Strafe über die Menschen (die davor alle männlich waren) geschickt. Naja... Frauenfeindliche Griechen kann man nur sagen.
      (Bin entweder zu doof, oder man kann seine Beiträge nicht nachbearbeiten? ^^)

      Also ich hatte schon immer den Gedanken, die Schöpfung sei da gewesen aber eher gefährlich, chaotisch und wild, also "voller titanischer Kräfte" die walten, und die Götter schaffen in diesem gigantischen Durcheinander einen Raum der Ordnung, in der Leben und menschliche Zivilisation gedeihen können. Das ist vermutlich eine sehr römische Sicht. Während Zeus mir in den Sagen eher dubios erscheint, gilt Jupiter klar als Gott der Gerechtigkeit und des Wohllebens. Oder eben Mars als Kämpfer für Recht und Gerechtigkeit, nicht wie Ares, den die Griechen eher fürchteten. Das scheinen schon andere Weltbilder zu sein. In der Sicht vieler Laien gilt ja das Römische quasi als Griechisch, und das war schon sehr unterschiedlich, wie ich im Lauf der Zeit merkte.

      Vielleicht war den Alten die Frage nach der Schöfpung aber einfach auch weniger wichtig? Für die Römer war ja die Gründung Roms das wesentliche Ereignis der Welt, heh. ;)

      Ich bin mit diesen ganzen "Stories" nie so ganz zurecht gekommen. Dass sich Thor und Odin zoffen wie die Fischweiber, dass Götter so menschlich agieren, fand ich für meinen spirituellen Sinn eher seltsam. Ich sehe Götter zwar klar als Personen mit einem Willen, aber doch mehr als Manifestation von Prinzipien. Ich denke mir schon, es gibt einen göttlichen Ursprung aller Dinge, die Macht vielleicht, um sich mal Starwarsig auszudrücken, und sehe Götter da als Verwalter, als Vertreter der Aspekte. So ist Jupiter eben Recht, Gerechtigkeit, Ordnung, Aphordite ist Liebe, usw.

      Die ganzen Sagen, wer wen zeugte, wer mit wem stritt, ich danke manchmal, das war eher so ne Art Unterhaltung. Wir sind es ja von den abrahamitischen Religionen gewohnt, Aussagen über Gott sehr ernst und wörtlich zu nehmen, und das ist vielleicht ein Denkfehler. Vielleicht erzählten sich die Alten einfach gerne mal ne Story, es hatte doch aber nie den Stellenwert einer "theologischen" Wahrheit.

      Andere Römer wiesen mich ohnehin immer darauf hin, die Religio Romana ist eine Orthopraxis, keine Orthodoxie, also es gibt nur die richtigen Riten die man beachtet, aber keine "letztlich wahre Lehre". Das finde ich ganz gut, so läßt man dem Einzlenen letztlich den Freiraum, selbst zu denken, was es damit auf sich hat. Ich entsinne mich dunkel, mal gelesen zu haben in der Spätantike habe es Texte gegeben, wonach Jupiter, Neptun und andere Götter eigentlich die Welt auch erschaffen hätten. Als spirituelle Kraft oder so, ich erinner mich nicht mehr genau. Könnte von Justinian gewesen sein, aber ich hab die Details leider vergessen. Da sieht man natürlich den Einfluss des Christentums, klar.

      Aber letztlich stimmt es auch, was Ragnor schrieb, dass es DAS Griechische nie gab, und alle heidnischen Religionen immer regional waren damals. Eine Vereinheitlichung gab es also wohl gar nicht.

      So viele Gedanken. ^^
      Einen originär römischen Schöpfungsmythos gab es nicht. In der römischen Antike stand immer die Orthopraxie, die rechte Handlung und die Aufrechthaltung der Pax Deorum, der guten Beziehungen zwischen Menschen und Göttern im Hier und Jetzt im Vordergrund. Insofern war die römische Religion und Gesellschaft sehr diesseitsorientiert.

      Das einzige, was im römischen Kontext einem Schöpfungsmythos annähernd nahekommt, ist die mythologische Gründung der Stadt Rom, die als fundamental wichtiges Ereignis galt und deren "Geburtstag" jedes Jahr bis in die Spätantike gefeiert wurde.

      Natürlich gab es auch zu römischen Zeiten Menschen, die sich darüber hinaus mit Schöpfungsmythen befassten und ein Verlangen danach hatten, Antworten zu bekommen. Dies stand jedem frei, aber derart philosophische Fragen wie "wo kommen wir her" und "wo gehen wir hin" werden nicht von der römischen Religion beantwortet.
      Deshalb beschäftigten sich daran Interessierte ohnehin mit "den" GriechenTM, den zahlreichen von ihnen eingebrachten philosophischen Strömungen, Mythen und Vorstellungen.

      Für den römischen Mainstream spielten derlei Fragen aber keine Rolle, da es wichtiger war, sich um Einhaltung eines religiösen Lebenswandels im Diesseits zu kümmern.

      Daß die römische Religion keine Antworten auf derlei sinnsuchende Fragen hat, ist übrigens mit eine Ursache dafür, daß Mysterienkulte im Laufe der Zeit so regen Zulauf erhielten. Anders als der religiöse Mainstream waren viele von ihnen jenseitsfixiert, boten Aussicht auf ein klar definiertes Weiterleben nach dem Tod, auf Erlösung und auf einen Schwerpunkt auf dem "Danach" anstatt auf dem "Jetzt". Dies erklärt vor allem die zeitweise Kopf-an-Kopf-Popularität von Mithraskult, Isis-Kult und Christentum, die allesamt mit ihren über das Diesseits hinausgehenden Vorstellungen für viele Menschen sehr attraktiv wurden, die in ihrem Alltag keine Antworten auf die Fragen nach dem Davor und Danach fanden.
      [Qute=Elikal]Vielleicht war den Alten die Frage nach der Schöfpung aber einfach auch weniger wichtig? Für die Römer war ja die Gründung Roms das wesentliche Ereignis der Welt, heh[/quote]
      Der eigen Gründungsmythos ist ja auch der Dreh-und Angelpunkt der eigenen Mythologie und Genealogie.

      Wenn man mal davon ausgeht, dass in allen Kulturen vor der Verschriftlichung Mythen, Lieder und tradierte Rituale sowie deren bildliche Darstellung auf vergänglichen wie weniger Vergänglichen Materialien die einzige einzige Möglichkeit waren, Wissen zu speichern und weiter zu geben, dann kommt Mythen m. M. n. die wichtige Rolle zu, die ganze Welt, das ganze Woher und Wohin und Warum zu erklären. Und das ist halt doch deutlich mehr als "nur Menschen". Vor allem, weil man als Mensch von seiner Umwelt auch abhängig ist, Fortschritte, Fehlschläge und tödliche Zufälle erlebt. Selbst wenn man von sich selbst ausgeht bei einer analytischen und bildlichen Erfassung des ganzen, erkennt man doch ziemlich schnell, dass man nicht alleine auf def Welt ist und dass es Umstände, Wesen, Tatsachen gibt, denen menschliche Bedürfnisse oder Interessen sowas von gleichgültig sind. Trotzdem oder gerade deswegen muss oder will man als Mensch doch wissen, wie die Welt funktioniert.
      Und dieses Wissen wurde in Mythen tradiert, meine ich.

      Odin und Thor dissen sich eben nicht nur wie die Waschweiber (das machen meine Katzen oder die Vögel in meinem Garten von Zeit zu Zeit übrigens auch, es ist also kein rein menschliches Verhalten ;) ) sie gehen auch wirklich existentiellen Aufgaben nach.Odin versucht, den Laden zusammenzuhalten, Ragnarök abzuwenden, ist ständig auf der Suche nach Wissen, Verständnis der Dinge oder kulturellen Errungenschaften. Dabei stößt er auch auf Schwierigkeiten und an seine Grenzen. Schöne Beispiele sind z.B. die Eroberung des Skaldenmets oder sein Versuch der Befragung einer toten Völva um Balders Schicksal zu ergründen.
      Für Thor gilt das Selbe, er bekämpft die Riesen, verteigt quasi die Grenzen der bewohnbaren Welt, bekommt aber auch von eben diesen die eigenen Grenzen gezeigt, überlebt dabei teilweise nur knapp oder mit Hilfe Verbündeter oder ihm wohlgesonnen.

      Das zieht sich durch alle Mythologien, und es schildert eben Verhältnisse, Grundbedingungen.

      Da sie die Welt aus menschlicher Sicht schildern, wandeln sich Mythen auch mit kultureller Entwicklung oder Migration, sind also keinesfalls statisch und eben auch ein Spiegel gesellschaftlicher Verhältnisse. Problematisch wird es, wenn sie durch Verschriftlichung und Institutionalisierung auf eine bestimmte Version eingedampft werden. Dann entstehen Dogmen und verkürzte Darstellungen.


      P.S. ich kann hier auch nicht editieren, scheint ein Putzbug zu sein.
      Schatz fahr vorsichtig, hinter uns is Stau.

      "Die Nazis haben den Ruf der Nazis so versaut, dass nicht mal mehr Nazis Nazis genannt sein wollen." Philip Meinhold