Freya und Frigg

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      Freya und Frigg

      Hallo zusammen,
      mich würde interessieren, wie Ihr Frigg und Freya wahrnehmt? (Bitte die Fragestellung beachten: Es geht mir um Eure WAHRNEHMUNG ;) )
      Sind es für Euch zwei unterschiedliche Göttinnen? Sind Sie für Euch eine Göttin?
      Wenn Ihr Sie als eine Göttin wahrnehmt, könnt Ihr dies näher beschreiben, worauf dies begründet?
      Und wie passt dann für Euch die Beschreibung (oder Denkweise), dass die eine Asen-, und die andere eine Vanen-Göttin ist?

      Und jetzt zu guter Letzt zum historisch-überlieferten Teil ;)
      Ich habe jetzt tatsächlich unterschiedliche Meinungen gelesen, die eine Gleichsetzung von Frigg und Freya nahelegen, wobei wohl eben das ausschlaggebende Argument GEGEN eine Gleichsetzung die besagte Tatsache ist, dass es sich bei Freya um eine Vanen-, und bei Frigg um eine Asen-Göttin handelt.
      Hinzukommt, dass wohl Frigg mehr mit Ehe, Kinder, Familie und wohl auch Weissagung und Schicksalswissen (gaaaaaanz ganz grob von mir jetzt zusammen gefasst) assoziiert wird, während Freyas Rolle da eher mit Krieg, Sexualität und natürlich dem Seidr in Verbindung steht.
      Nicht zu vergessen, das es noch Unterschiede in Ihrer Abstammung gibt ;) .

      Wie wertet Ihr diese Diskussion für Euch aus und spielt es für Eure Wahrnehmung und Euren Glauben eine Rolle?
      Wenn ja, was für eine?
      Und wenn sich Wissenschaft/Überlieferung und Eure Wahrnehmung widersprechen, wie geht Ihr damit um?


      Ich freu mich auf Eure Beiträge.

      LG
      Siat
      Von den Hohen erschaffen
      zu lernen, zu lehren, zu wachen
      Geboren in der Sterne Welten
      Wandern und wandeln sie
      Die Drachen
      ©Siat



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      ANB´s
      Es gibt nur sehr wenige Göttinnen die für mich so stark eine Verkörperung einer unabhängigen, selbstbestimmten, und "untraditionellen" Frauenrolle repräsentieren wie Freya, wenn ich sie mit anderen Göttinnen aus anderen Pantheons vergleiche.

      Beim Vergleich Freya - Frigg erscheint mir Frigg als die "verbindlichere, Bindungen fördernde und schützende", sie würde ich eher als "Mutter" einordnen. Freya ist eher die "Abenteuerin, die sich ausprobiert, aber auch stark und selbstbewusst Grenzen setzt, eine die die Welt verändern will", das aber nicht unbedingt auf dem typischen "Frauenweg" angeht, sondern sehr unkonventionell.

      Wobei das germanische Pantheon eigentlich eher nicht "meins" ist - insofern mag das etwas kurz und oberflächlich gegriffen sein aus dem heraus was einem auf den ersten blick ins Auge hüpft wenn man sich mit den germanischen göttersagen und dem zugehörigen Pantheon befasst.
      Für mich sind es die skandinavischen Dichter, die wohl aus einer Göttin Frîja zwei Göttinnen machten. Das ist meine Sichtweise, doch ist es für mich kein fester Glaubenssatz und würde ich bei einem Blót auch nicht austicken, wenn da Bildnisse von Frigg und Freyja aufgestellt seien. Meine germanische "Hauptgöttin" ist Hertha-Holda. Ich gestehe, dass mir Frigg am meisten zusagt. Ich mag ihre Serenität und ihre Sensualität.
      Ich empfinde beide als verschiedene Göttinnen, auch wenn ich nachvollziehen kann, dass andere sie als eine sehen. Vielleicht ist Frigg auch einfach nur die ältere Freya. Aber grundsätzlich fühlen sie sich für mich ganz unterschiedlich an.

      Wie wertet Ihr diese Diskussion für Euch aus und spielt es für Eure Wahrnehmung und Euren Glauben eine Rolle?

      Es spielt für mich nur bedingt eine Rolle, da ich mit Frigg eigentlich nichts zu tun habe (mit Freya eher). In einem Ritual würde ich sie aber als getrennte Wesen anrufen.
      Ich verstehe gar nicht, wie man auf den Gedanken, es sei eine einzige Göttin, kommen kann. Man würde ja auch nicht Thor und Heimdall als einen Gott ansehen.
      Es kann also nur die Namensähnlichkeit sein, die Spekulanten zu so einer Annahme verleitet: Fria (Merseburger Spruch) und Freyia (Edda). Aber dazwischen liegen nicht nur über 500 km, sondern auch ca. 400 Jahre.
      Die Römer oder Griechen haben das Problem nicht, niemand würde Venus und Juno bzw. Aphrodite und Hera gleichsetzen.
      Hallo Viktor,
      nun ja wenn Du den Anfangspost gelesen hast, geht/ging es mir bei der Fragestellung um zwei Dinge: zum einen die rein persönliche, absolut subjektive WAHRNEHMUNG einer bzw. zweier Gottheiten (Du kannst es auch UPG nennen), zum anderen um die Tatsache, dass die WISSENSCHAFTLICHEN Meinungen und Sichtweisen dazu äußerst widersprüchlich sind!
      So "klar" ist es also in der allerletzten Instanz halt doch nicht, ob es sich bei den beiden um verschiedene oder um eigentlich ein und dieselbe Göttin handelt. ;)

      LG
      Siat
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      ANB´s

      Viktor schrieb:

      Die Römer oder Griechen haben das Problem nicht, niemand würde Venus und Juno bzw. Aphrodite und Hera gleichsetzen.


      Nun, Kaiser Julian Restitutor hat es in seinem Hymnos auf Fürst Helios getan.

      Zu Frigg, Freyja und Frîa: Aus rein sprachlicher Sicht ist das Vermuten, es handle sich ursprünglich um eine einzige Göttin, nicht so verkehrt. Die Götternamen sind ja wohl auch entstanden, als die Menschen und alles Menschliche, wie eben auch die Sprache, noch jung waren. Zwei ähnlich klingende Namen (Homonyme) mit unterschiedlicher Bedeutung sind nicht sehr zweckdienlich, weder heute noch damals. Und damals, als die menschliche Sprache noch jung war, da gab es sicherlich weit weniger Homonyme (und Synonyme) als heute. Wenn es von Anfang an zwei verschiedene Göttinnen waren, warum dann die große Namensähnlichkeit? Zumal es ja über die Namensbedeutung hinausgeht: beide Göttinnen werden bei Geburten angerufen; beide Göttinnen pflegen eine innige Beziehung zu Wodan; beider Partner verschwinden für eine gewisse Zeit; beide haben ein Falkengewand.

      Ich denke, es verhält sich so, dass den beiden Göttinnen eine Göttin zugrunde liegt und dass, als die Mythen zu Schrift gebracht wurden, sich entweder zwei unterschiedliche Göttinnen entwickelt haben, oder dass eben jene, die die Mythen niedergeschrieben hatten, meinten mit zwei verschiedenen Göttinnen zu tun zu haben, einmal eine Götterkönigin à la Hera und einmal eine Liebesgöttin à la Aphrodite.

      Der Vergleich mit den griechischen Meeresgöttinnen Tethys und Thetis ist meiner Meinung nach besser als mit Hera und Aphrodite. Hera war eine einheimische Göttin des griechischen Festlands, die Aphrodite kam aus dem Orient in den Olymp.

      ERGÄNZUNG: Was meine persönliche Wahrnehmung der Göttinnen anbelangt, so sind Frigg und Freyja für mich in mythologischer-literarischer Hinsicht natürlich zwei sich stark ähnelnde, aber dennoch unterschiedliche Personen. Wissenschaftlich mögen sie aus einer Göttin hervorgegangen sein, doch ich wüsste nicht, warum dies für die Anhänger von Ásatrú relevant sein sollte? Ich würde mir da als Asatruar keine Gedanken drüber machen, eher darüber, ob Frigg nun noch mit Odin oder doch mit Thor verheiratet ist?
      Ich bin aber nicht explizit ein Asatruar, kann aber als Deutscher die germanischen Götter auch nicht ganz wegdenken, doch das sind dann vornehmlich die südgermanischen Götter Wodan, Thunar und Frîa und mehr noch jene, die sich mit dem Brauchtum der Rauhnächte verbunden haben - wobei man natürlich auch diskutieren kann, inwiefern Frau Holle/Berchta und der Wilde Jäger Wode überhaupt etwas mit dem germanischen Pantheon zu tun haben. Für mich ist das nicht wichtig, es stört mich nicht, die Bräuche zu pflegen. Und so sollten sich Asatruar meiner Meinung sich nicht darüber den Kopf zerbrechen, ob Frigg und Freyja eine oder zwei Göttinnen sind. Der Edda nach sind es zwei.

      Artjom schrieb:

      Aus rein sprachlicher Sicht ist das Vermuten, es handle sich ursprünglich um eine einzige Göttin, nicht so verkehrt. ... Wenn es von Anfang an zwei verschiedene Göttinnen waren, warum dann die große Namensähnlichkeit? .. Wissenschaftlich mögen sie aus einer Göttin hervorgegangen sein

      Aus sprachlicher Sicht geht das nicht, denn "Freyja" bedeutet nur "Herrin" und ist Anrede, nicht der richtige Name. In Dänemark wurde sie z. B. mit dem Namen Gefion angerufen, im Süden möglicherweise als Ostara oder Liuba.
      Welcher Wissenschaftler setzt diese Gottheiten ernsthaft gleich? Es gab zwar viele Spekulationen (z. B. dass Tyr dem Freyr entspräche, einfach von der Dreiheit Wodan-Donar-Zius und Odin-Thor-Freyr geschlossen), aber heute hört man so etwas eigentlich nicht mehr.

      beide Göttinnen werden bei Geburten angerufen; beide Göttinnen pflegen eine innige Beziehung zu Wodan; beider Partner verschwinden für eine gewisse Zeit; beide haben ein Falkengewand.

      Dann sind wir beim Wicca, da fast alle männlichen Götter auch im Kampf angerufen werden. Auch andere Götter verschwinden zeitweilig(Baldur) und Wodan hat einige andere Partnerinnen (Rind, Jörd).

      Ich denke, es verhält sich so, dass den beiden Göttinnen eine Göttin zugrunde liegt

      Ich sehe nicht ein Indiz dafür. Und wenn man die antiken Mythologien, die ja auch indoeuropäisch sind, betrachtet, dann bestätigen sie diese Theorie auch nicht.

      Außerdem erscheint Freyja bereits in Grimnismal, einem der ältesten Eddalieder, auch gibt es kleine Figürchen aus Skandinavien, die diese Göttin zeigen. In heidnischer Zeit ist also die Verehrung dieser Göttin belegt. Die Heiden aber nahmen ihre Religion nicht aus Texten und Deutungen von Dichtern, sondern aus lebendigem Erleben und Offenbarungen. Die (falsche) Aufspaltung einer Göttin in zwei durch irgendeinen Liederzähler hätte da also keinen Einluß auf die gelebte Verehrung haben können, es sei denn, man geht von einer Art heidnischem Konzil aus, dass so eine Aufspaltung einführte. Das kann ich mir nicht vorstellen.

      Viktor schrieb:

      Aus sprachlicher Sicht geht das nicht, denn "Freyja" bedeutet nur "Herrin" und ist Anrede


      Der Name "Freyja" unterscheidet sich doch kaum vom Namen "Frigg". Und das Verhältnis zwischen Form und Bedeutung ist immer arbiträr, bedeutet also, das Wörter nach Verlauf auch andere Bedeutung bekommen können.

      Viktor schrieb:

      Dann sind wir beim Wicca, da fast alle männlichen Götter auch im Kampf angerufen werden.


      Verstehe jetzt überhaupt gar nicht, was Wicca damit zu tun haben soll...?

      Viktor schrieb:

      Ich sehe nicht ein Indiz dafür.


      Mit allem nötigen Respekt, aber dann verschließt Du eindeutig deine Augen, aus welchem Grund auch immer... Ich kann mir schon denken, wieso...

      Viktor schrieb:

      auch gibt es kleine Figürchen aus Skandinavien, die diese Göttin zeigen.


      Steht da der Name der Göttin drauf? Woher weiß man denn, dass es genau die "Freyja" ist?

      Viktor schrieb:

      Die (falsche) Aufspaltung einer Göttin in zwei durch irgendeinen Liederzähler hätte da also keinen Einluß auf die gelebte Verehrung haben können, es sei denn, man geht von einer Art heidnischem Konzil aus, dass so eine Aufspaltung einführte.


      Das Wort "falsch" ist im heidnischen Kontext total fehl platziert (und stärkt mein Vermuten, woher das kommt...).

      Im Heidentum gibt es kein Heilsversprechen wie bei den Christen. Wenn bei denen etwas als "falsch" entlarvt wird, dann fällt ihr ganzes Kartenhaus in sich zusammen. Bei uns Heiden ist das nicht so: man braucht nicht zwangsläufig zu glauben. Die Stärke der heidnischen Religionen liegt in ihrem Alter, in der Tradition. Man pflegt die rituellen Kultpraktiken der Vorfahren. Diese haben damals funktioniert, also funktionieren sie auch jetzt noch. Und wenn die Ernte trotz Vollziehung der überlieferten Rituale misslingt, dann sucht man den Fehler eher bei der Ausführung des Rituals, man zweifelt es aber nicht an (jedenfalls nicht offen). Die Rituale sind das wichtigste in unserer Religion, nicht irgendwelche Biographien der Götter. Wenn eine Gottheit nicht an einem überlieferten Ritual, dann hat sie für mich auch nur eine poetische Bedeutung.

      Übrigens habe ich oben geschrieben, dass ich mir zwar vorstellen kann, dass Freyja und Frigga aus ein und derselben Göttin hervorgingen, doch das sollte in meinen Augen keinen einzigen Einfluss auf die Kultpraxis heutiger Asatruar haben, denn es geht nicht um Wahrheit oder Falschheit. Die Edda spricht von zwei verschiedenen Göttinnen: Warum sollte man dann nur eine Göttin verehren oder hinter ihnen suchen? Theologie spielt keine Rolle im Heidentum. Es genügt doch zu wissen, dass beide angerufen werden bei der Geburt.

      Viel wichtiger erscheint mir die Frage, wie man mit der norwegischen Sage umgeht, in der die Frigg als Partnerin dem Thor und nicht dem Odin zugesprochen hat?

      Aber wie gesagt, ich bin kein Asatruar.