Beseelen?

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      Hallo Forum,

      ich hätt' da mal eine Interpretationsfrage: Salustios (4. Jh.) spricht in seinem Werk Über die Götter und über die Welt davon, dass Zeus, Poseidon und Hephaistos die Welt erschaffen; Demeter, Hera und Artemis diese beseelen; Apollon, Aphrodite und Hermes diese harmonisieren und Hestia, Athene und Ares zu guter Letzt diese beschützen.

      Was genau kann ich mir unter "Beseelen" noch vorstellen, außer eben, dass dem, der beseelt wird, eine Seele eingehaucht wird? Das demjenigen oder derjenigen, der, das oder die beseelt wird, eine Bedeutung gegeben wird?

      Danke fürs Mitgrübeln,

      LG
      Maximillian
      Welcher Begriff für "beseelen" bzw. "Seele" wird denn im griechischen Original genannt? (Psyche? Eidolon? Thymos? Empsychos?)

      Daraus lässt sich oft schon viel ableiten, wenn man dann in entsprechenden Lexika/Wörterbüchern nachguckt, wie dieser Begriff von den verschiedenen philosophischen Denkrichtungen mit welchem genauen Inhalt gebraucht wurde.

      Ansonsten würde ich einfach mal gucken, was Platon oder die Neuplatoniker allgemein zum Seelenbegriff gesagt haben.

      Salustios scheint da ja ziemlich klar Stellung bezogen zu haben:
      de.wikipedia.org/wiki/Salustios_(Neuplatoniker)#Seelenlehre
      Philosophie = Liebe zur Weisheit. Nicht: Ich gebe die mir gefälligen Bruchstücke der Erkenntnisse antiker Philosophen in eigenen Worten wieder. Sapere aude!
      Ich habe mich mal umgehört. Die Standartnachschlagewerke sind da wohl die "Routledge Encyclopedia of Philosophy" und das "Historische Wörterbuch der Philosophie" und die "Stanford Encyclopedia of Philosophy". Letztere ist auch online verfügbar. (plato.stanford.edu/)

      Guck z.B. unter Suchbegriffe wie Ancient Theories of Soull oder Neoplatonism & Soul and Natur
      Philosophie = Liebe zur Weisheit. Nicht: Ich gebe die mir gefälligen Bruchstücke der Erkenntnisse antiker Philosophen in eigenen Worten wieder. Sapere aude!
      Ich habe da einen ganz anderen Gedanken. Salustios lebte ja im 4. Jhrd, also einer Zeit, als das Christentum schon sehr stark war. Dadurch und durch den Neoplatonismus, war wohl der Versuch denkbar, die heidnischen Gedanken quasi ein wenig zu Christianisieren in dem man die Götter zu Schöpfern erklärt.

      Ich habe das Heidentum immer als deutlichen Gegensatz zu den abrahamitischen Religionen begriffen, und dieser Gegensatz macht sich vor allem durch die Schöpfung klar. Jahwe ist gedacht als Schöpfer aller Dinge. Damit ist die Schöpfung heilig und perfekt. Wenn es nun Übel gibt, dann muss jemand anders diese ja in die Welt gebracht haben, und da bleibt als Träger des freien Willen nur der Mensch. Hier wird der Mensch zum schuldhaften Verbrecher, der die heilige und perfekte Schöpfung verdarb.

      Im Polytheismus ist es anders. Die Schöpfung ist ursprünglich chaotisch und tendenziell eher finster. Gewaltsame titanische Kräfte überall, und die Götter treten auf als Eroberer, die das destruktive Urchaos quasi so beseite schieben, dass es nun einen Raum gibt, innerhalb derer eine positive Ordnung erschaffen werden kann. Diesen Raum der Ordnung im Urchaos zu schaffen und zu erhalten ist die Aufgabe der Götter. (Siehe den allnächtlichen Kampf Ra's gegen Apophys.) Damit ist es auch ganz normal und eben kein "Sündenfall", wenn die Schöpfung Übel kennt, und es ist damit aus niemandes "Schuld". Das macht für mich, betrachte ich die Schöfpung, viel mehr Sinn, zu sagen die Götter haben eine chaotische, gefährliche Schöpfung so geordnet, dass darin Leben und Ordnung gedeihen.

      Die einzige Alternative wäre zu denken, dass die Götter/Gott absichtlich die Übel der Welt zuließen, und das wäre eine wenig charmante Vorstellung.

      Elikal schrieb:


      Die einzige Alternative wäre zu denken, dass die Götter/Gott absichtlich die Übel der Welt zuließen, und das wäre eine wenig charmante Vorstellung.


      Na, gibt noch andere Alternativen. Wie z.B. die Idee der "bestmöglichste aller Welten" a la Leibniz.
      Philosophie = Liebe zur Weisheit. Nicht: Ich gebe die mir gefälligen Bruchstücke der Erkenntnisse antiker Philosophen in eigenen Worten wieder. Sapere aude!

      Elikal schrieb:

      Dadurch und durch den Neoplatonismus, war wohl der Versuch denkbar, die heidnischen Gedanken quasi ein wenig zu Christianisieren in dem man die Götter zu Schöpfern erklärt.


      Durchaus denkbar. Denkbar ist auch, dass beide, Christentum und Polytheismus, dem Neoplatonismus sehr verpflichtet waren in diesen Zeiten. Ich meine nur, wir sollten das Christentum jetzt auch nicht überbewerten. Gab auch genug kluge Leute unter den Heiden :-).

      Es stimmt, die griechischen Mythen stellen die Götter nicht direkt als Schöpfer der Welt dar. Andere Mythologien hingegen tun es sehr wohl.

      Was das Übel angeht: Salustios beschreibt das Übel als Abwesenheit des Guten.

      Auch kann man sagen, dass erst durch die Schöpfung, also durch die Materialisierung, das Böse in die Welt kam, da alles Körperliche vergänglich ist, und das Vergängliche bringt das Leid.


      Freut mich übrigens, einen Hellenisten (und Berliner) im Forum begrüßen zu dürfen!

      Maximillian schrieb:

      Elikal schrieb:

      Dadurch und durch den Neoplatonismus, war wohl der Versuch denkbar, die heidnischen Gedanken quasi ein wenig zu Christianisieren in dem man die Götter zu Schöpfern erklärt.


      Durchaus denkbar. Denkbar ist auch, dass beide, Christentum und Polytheismus, dem Neoplatonismus sehr verpflichtet waren in diesen Zeiten. Ich meine nur, wir sollten das Christentum jetzt auch nicht überbewerten. Gab auch genug kluge Leute unter den Heiden :-).

      Es stimmt, die griechischen Mythen stellen die Götter nicht direkt als Schöpfer der Welt dar. Andere Mythologien hingegen tun es sehr wohl.

      Was das Übel angeht: Salustios beschreibt das Übel als Abwesenheit des Guten.

      Auch kann man sagen, dass erst durch die Schöpfung, also durch die Materialisierung, das Böse in die Welt kam, da alles Körperliche vergänglich ist, und das Vergängliche bringt das Leid.


      Freut mich übrigens, einen Hellenisten (und Berliner) im Forum begrüßen zu dürfen!


      Danke. :)

      Eigentlich bin ich ja Römer (huch^^), aber das gibts in der Auswahl zum Profil nicht. ^^

      Elikal schrieb:

      Eigentlich bin ich ja Römer (huch^^), aber das gibts in der Auswahl zum Profil nicht.

      Jetzt aber, speziell für Dich: Religio Romane
      Handle, ehe es da ist | Lenk es ehe es wirr wird | Der Weise geht zurück den Weg, den die Menschen gingen | um den Dingen zurückzuhelfen zu ihrer Natur | und wagt nur eines nicht: wider die Natur zu handeln.