Verbindendes (?) der verschiedenen heidnischen Pfade (?)

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      Verbindendes (?) der verschiedenen heidnischen Pfade (?)

      Ausgekoppelt aus dem Thread "Wie werde ich eigentlich Priesterin?"
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      Maximillian schrieb:

      Hmm, man stellt jedenfalls bei heutigen Neoheiden viele Übereinkünfte fest, auch wenn sie gerade noch so sehr betonen, wie unterschiedlich sie sind. Zum Beispiel die Sache mit dem Fulltrui und der Patrongottheit bei Asatru und Hellenisten.

      Des Weiteren würde ich sagen: die Vielgötterei, die Naturbezogenheit, die Ahnen, die Ehrung der Tradition, ...


      Hallo Maximilian,
      hm... Nun ja, aber auch hier hat nicht jede/r Heide/in eine Patrongottheit (wobei vielleicht die Frage ist, was man dann unter einer Patrongottheit versteht) . Asatru und Hellenisten sind ja nun nur eine Gruppe von einigen.

      Das letztere ist für mich auch nicht unbedingt etwas, was generell ALLE Heiden verbinden würde/könnte...
      EINIGE sicherlich... Aber weder ist Vielgötterei ein Kriterium, das alle erfüllen.
      Henotheismus und Monolaterie kommen da mindestens genauso häufig vor, wie der Polytheismus. Sind sie deswegen weniger heidnisch?

      Naturbezogenheit... Um ehrlich zu sein halte ich es für eine etwas romantisierte Vorstellung, das alle Heiden naturbezogen sind und/oder die Natur verehren würden.
      Davon mal ganz abgesehen, was man denn unter "Naturbezogenheit" und/oder "Naturverehrung" verstehen mag, ist eben nicht jeder heidnische Pfad naturverbunden/-bezogen.
      Betrachte Dir Kemet: Was ist am Kemetismus naturbezogen oder gar Naturverehrung?
      Oder den Hinduismus (ja, für mich ist er definitiv heidnisch!).
      Was macht Naturbezogenheit aus? Das man versucht, sich im Umweltschutz zu engagieren? Das man seine Rituale in der Natur feiert? Das man "Naturgötter" ehrt oder "Naturgeister"? Das man einen, an den "Zyklen der Natur" ausgerichteten Jahreskreis feiert?
      Sind alle Heiden, die in Tempeln feiern dann per se keine Heiden mehr? Und wenn man mit "Naturgöttern"/"-geistern" nichts am Hut hat, schließt es einen dann ebenfalls automatisch davon aus, Heide zu sein?


      Ahnen(Verehrung) ist auch so ein Thema.
      Ich z.B. hab dazu überhaupt gar keinen Bezug oder Draht.
      Und es gibt neben mir viele andere, für die dies völlig irrelevant ist.

      Und was verstehst Du unter der "Ehrung der Tradition"?
      Welche "Tradition" meinst Du ?


      LG (und danke für das tolle Thema! :D )
      Siat
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      Hallo Siat,

      danke für diesen Thread. Dann will ich mich mal beteiligen!

      Siat schrieb:

      Das letztere ist für mich auch nicht unbedingt etwas, was generell ALLE Heiden verbinden würde/könnte...
      EINIGE sicherlich... Aber weder ist Vielgötterei ein Kriterium, das alle erfüllen.
      Henotheismus und Monolaterie kommen da mindestens genauso häufig vor, wie der Polytheismus. Sind sie deswegen weniger heidnisch?


      Hmm... lasse mich überlegen. Durchaus gibt es auch monolatrische oder henotheistische Heiden. Wie es bei Monolatrie ist, weiss ich nicht, aber der Henotheist akzeptiert ja auch die Existenz anderer Götter, auch wenn er oder sie eben eine über alle anderen stellt. Bei mir werden auch nicht alle Götter gleichermaßen geehrt (eigentlich vor allem die Göttin Holda, vielmehr noch die Unterirdischen), aber nicht, weil ich die nicht ehren möchte, sondern nur weil es sich dafür keine passende Gelegenheit bot.

      Vielgötterei kann man ja auch so verstehen, dass ich zum Beispiel jetzt nur die Göttin Holda verehren täte, du, Siat, den Lord Vischnu und die Lady Lakshmi, TerraM die Erdmutter und Merienptah Lord Ausar und Lady Aset, und dass wir das alle von einander akzeptieren und die jeweiligen Götter anerkennen täten: wäre das nicht auch Vielgötterei?

      Siat schrieb:

      Betrachte Dir Kemet: Was ist am Kemetismus naturbezogen oder gar Naturverehrung?


      Hmm... sind der Nil und die Sonne nicht sehr hohe Gottheiten für die KemetikerInnen?

      Siat schrieb:

      Oder den Hinduismus (ja, für mich ist er definitiv heidnisch!).


      Für mich ist der auch heidnisch, aber indertat, die Naturbezogenheit beim Hinduismus fällt mir gerade nicht. Vielleicht die Apsaras, diese Nixengöttinen Indiens?

      Siat schrieb:

      Was macht Naturbezogenheit aus? Das man versucht, sich im Umweltschutz zu engagieren? Das man seine Rituale in der Natur feiert? Das man "Naturgötter" ehrt oder "Naturgeister"? Das man einen, an den "Zyklen der Natur" ausgerichteten Jahreskreis feiert?
      Sind alle Heiden, die in Tempeln feiern dann per se keine Heiden mehr? Und wenn man mit "Naturgöttern"/"-geistern" nichts am Hut hat, schließt es einen dann ebenfalls automatisch davon aus, Heide zu sein?


      Ja, alles, was du nanntest, gehört zur Naturbezogenheit. Ob man sich nun die Götter als perzonifierte Naturmächte denkt, oder ihnen an natürlichen Orten wie Baum, Stein oder Quelle opfert, oder sich in Rahmen eines postmodernen Mutter-Erde-Kults für den Umweltschutz einsetzt... irgendwie spielt die Natur doch immer eine Rolle im Heidentum. Im Juden- und Christentum kann sie übrigens eine vergleichbare Rolle erfüllen. Es geht ja nicht darum, den Unterschied zu diesen beiden herauszuarbeiten.

      Siat schrieb:

      hnen(Verehrung) ist auch so ein Thema.
      Ich z.B. hab dazu überhaupt gar keinen Bezug oder Draht.
      Und es gibt neben mir viele andere, für die dies völlig irrelevant ist.


      Ich zunächst auch nicht und bei mir handelt es sich dann auch wirklich um die Urgroßeltern, Großeltern, Großonkel, Großtanten usw. Für mich ist Ahnenkult schon, wenn man ein Bild von einem verstorbenen Familienmitglied aufstellt oder wenn man bestimmte Gegenstände, die diesen Personen gehört haben oder die man von ihnen geschenkt bekommen hat, aufbewahrt. Nach dieser Definition betreibt jeder ja wohl in gewisser Weise einen Ahnenkult.

      Auch hier mag das wieder jeder halten, wie er möchte. Für mich gehören zum Beispiel nicht irgendwelche Berühmtheiten der Geschichte zu meinen Ahnen. Wirklich nur meine Verwandten, ob durch Blut oder durch Heirat oder durch Adoption...

      Siat schrieb:

      Und was verstehst Du unter der "Ehrung der Tradition"?


      Wie der Rest ist auch "Tradition" für mich nicht fest umrissen. Traditition kann das Weihnachtsmenü sein; die Art, wie man einen Geburtstag organisiert usw. Das ist die private Tradition einer jeden Familie oder eines jeden Haushalts. Dann gibt es noch die überlieferte Tradition, wovon einiges erhalten, anderes vergessen ist. Das moderne Weihnachten, Ostern und Halloween kann man auch zur Tradition rechnen (gehört ja dazu). Eine Tradition, die ich für mich wiederbelebt habe, ist das Nixenopfer am Johanni (24.6). Die Blót- und Sumbeltradition wird von vielen Ásatrúar wiederbelebt, so wie auch viele andere Traditionen.

      Wichtiger Punkt dabei ist, dass man die Tradition ehren will und dieser so gut wie geht entsprechen möchte.

      Siat schrieb:

      Ausgekoppelt aus dem Thread "Wie werde ich eigentlich Priesterin?"
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      Maximillian schrieb:

      Hmm, man stellt jedenfalls bei heutigen Neoheiden viele Übereinkünfte fest, auch wenn sie gerade noch so sehr betonen, wie unterschiedlich sie sind. Zum Beispiel die Sache mit dem Fulltrui und der Patrongottheit bei Asatru und Hellenisten.

      Des Weiteren würde ich sagen: die Vielgötterei, die Naturbezogenheit, die Ahnen, die Ehrung der Tradition, ...



      Das ist aber doch nun in großen Teilen ein Zirkelschluss, finde ich. Ich meine, wer sind denn diese Leute, bei deren Glauben man diese Übereinkünfte feststellt, diese Ähnlichkeiten und wie verfahren sie?

      Im Großen und Ganzen ist das eine recht kleine, recht stark nach allen Ecken hin miteinander in Kontakt stehende Gruppe von Personen, zum Großteil aus dem westlichen Bildungsbürgertum mit starker Nähe zu manchen Themen wie Öko etc. etc. Und neben der zumindest manchmal in erster Linie betriebenen kritischen Quellenstudie ist das Hauptmerkmal der Inhaltsfindung nicht eine vergleichende Religionsstudie, sondern die meist mehr frei durchgeführte Assoziation frei nach Gefühl und vor allem extensiv.

      Vereinfacht gesagt: Eine kleine, recht gleichförmige und gut abgegrenzte Gruppe aus mehr oder weniger demselben Kulturraum greift auf denselben, ebenso recht eng gefassten Quellenpool (hier sind eben vor allem nordisches, keltisches und griechisch-römisches zu allererst zu nennen), der IN SICH bereits stark aufeinander Bezug nimmt und tauscht dann unter- und miteinander Ergebnisse und Gedanken aus.

      Das DA dann Vieles an verschiedenen Ecken auf gleiche Weise auftaucht ist für mich nun nicht überraschend. Das hat für mich weniger den Charakter einer Art inhärenten panheidnischen Wahrheit, einer Art "heidnischem Kern", als dass es zeigt wie ineinander verschmolzen der eng gefasste Block modernen Neuheidentums zum überragenden Großteil ist. Die Themenpunkte, um die es im Zitat geht sind obendrein auch noch recht allgemein wenn es um Ahnenkult und z.B. Tradition geht.

      Ahnenkulte sind in der Religionslandschaft mehr als verbreitet. Mal sind sie stärker, mal weniger betont, doch selbst im Katholizismus besucht man das Grab der Verstorbenen und stellt Bildchen etc. auf samt Totenmesse, die zum Gedenken abgehalten wird.

      Und mal abgesehen, dass wohl jede Tradition sich selbst bewahren wollen wird (Zirkelschluss und irgendwie trivial, andernfalls wäre es ja auch nie zu einer Tradition gekommen) sehe ich im Neuheidentum noch gar keine Tradition etabliert bis auf die, dass man bloß keinem Anderen folgt ;)

      Maximillian schrieb:



      Wie der Rest ist auch "Tradition" für mich nicht fest umrissen. Traditition kann das Weihnachtsmenü sein; die Art, wie man einen Geburtstag organisiert usw. Das ist die private Tradition einer jeden Familie oder eines jeden Haushalts. Dann gibt es noch die überlieferte Tradition, wovon einiges erhalten, anderes vergessen ist. Das moderne Weihnachten, Ostern und Halloween kann man auch zur Tradition rechnen (gehört ja dazu). Eine Tradition, die ich für mich wiederbelebt habe, ist das Nixenopfer am Johanni (24.6). Die Blót- und Sumbeltradition wird von vielen Ásatrúar wiederbelebt, so wie auch viele andere Traditionen.

      Wichtiger Punkt dabei ist, dass man die Tradition ehren will und dieser so gut wie geht entsprechen möchte.


      Je nachdem würde ich allerdings nicht von Tradition sprechen, sondern von Gewohnheiten. Jeden Sonntag einfach nur einen Braten zu servieren, jeden Tag denselben weg zur Arbeit zu fahren oder sich morgens immer zuerst einen Kaffee zu machen hat noch Nichts von einer Tradition. Ein in meinen Augen essenzieller Faktor, der Tradition von Gewohnheiten unterscheidet, ist die Dauer, das überspannen von Generationen, was eben auch dem Wortsinn nach Tradition ausmacht: Überlieferung. Man bezieht sich auf Muster, die die eigene Lebensspanne überschreiten (werden).

      Zweitens würde ich die gedankliche Komplexität in den Fokus stellen. Nur weil ich selbst mir immer morgens einen Kaffee gemacht habe und mein Sohn das nun macht oder mein Vater das einmal gemacht hat, ist das noch nicht wirklich eine überzeugende Tradition, wenn sie nicht z.B. mit einer Art ideologischem, sinnstiftenden Hintergrund gefüllt wird und damit z.B. zu einer art (Gruppen)Identität beitragen kann "Du machst das so wie ich es gemacht habe und dadurch sind wir verbunden". So wäre sehr wohl auch das simple Kaffeetrinken eine Tradition.
      Ludlul bel nemeqi - Ich will preisen den Herrn der Weisheit