Donarkeule

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      Ich finde es interessant das die heute so gerne getragenen Thorshämmer überaus zahlreich im nordgermanischen Raum gefunden wurden, wohingegen im kontinentalgermanischen nur ein einziger Hammerfund zu verzeichnen ist, der sich zudem stilistisch von den typischen Thorshämmern unterscheidet, nämlich der Hammer von Kneitlingen (Krs. Wolfenbüttel), der in das 8. Jahrhundert datiert wird.
      Im kontinentalgermanischen Raum wurden hingegen zahlreiche sog. "Donarkeulen" gefunden, die den römischen Herkuleskeulen nachgeahmt zu sein scheinen.
      Diese Donarkeulen wurden ausschließlich in germanischen Frauengräbern gefunden und wurden an der Taille getragen.

      Der germanische Donar wurde ja von den Römern mit Herkules gleichgesetzt, so dass die Ähnlichkeit von Herkules- zu Donarkeulen Sinn ergibt.
      Allerdings las ich auch das diese Donarkeulen von ihrer regionalen Funddatierung her eigentlich eine Enstehung durch römische Beeinflussung ausschließen.
      Auch las ich des öfteren auf verschiedenen Webpages das Donar im kontinentalgermanischen Raum mit einer Keule dargestellt worden sei.
      Entsprechende Abbildungen konnte ich bislang im Netz nicht finden.

      Ich finde diese Infos rätselhaft.
      Wurde Donar tatsächlich mit Keule dargestellt/vorgestellt?
      Warum wurde diese Donarkeule nur in Frauengräbern gefunden?

      Was meint Ihr dazu?
      Weiß jemand genaueres darüber?
      "Keule" ist hier wie so oft bei der Benennung in erster Linie mehr als enigmatischer Funde mit Vorsicht zu genießen.

      Typologisch was eben die äußere Form angeht und den Fundkontext (Gräber) gibt es Ähnlichkeiten. Erstere jedoch müssen rein gar nichts bedeuten und können pure Konvergenz sein. Zeitlich gibt es immerhin auch gut zwei Jahrhunderte Unterschied. Letztlich braucht es durch das Vorkommen Donars im kontinentalgermanischen Raum nun aber auch keinen Römer, um da einen Bezug zwischen Schmuck und mythologischer Gestalt aufbauen zu können.

      Das Auffälligste an ihnen, das zu bedenken ist, ist wohl, dass wie der Thorshammer auch die Donars"keulen" ein Schmuck der Damen (bzw. Mädchen) waren. Es gibt keinen einzigen sicheren Fund aus einem Männergrab. Keinen. Dafür wurden die Donarskeulen als nicht nur im Kopfbereich, sondern vielmehr im Schläfenbereich gefunden, was auch Ohrringe u.ä. denkbar werden lässt. Viel interessanter in Verbindung mit der Formgebung finde ich, dass man sie im Beckenbereich vorfindet, wohl irgendwie an Gürteln o.ä. befestigt gern mit Kaurischnecken vergesellschaftet, die wiederum ein beliebtes Symbol für die weiblichen primären Geschlechtsmerkmale waren ;) Gepaart damit, dass Donarskeulen in erster Linie aus Geweihspitzen gefertigt wurden scheint mir die Deutung als Keule nur sekundär wenn nicht gar durch Scham vorgeschoben wirklich brauchbar zu sein.

      Fruchtbarkeit im weitesten Sinne scheint mir hier der treibende Wunsch gewesen zu sein. Gerade das fehlen in Männergräbern spricht dann denke ich auch für sich. Wenn man die Dinger Donarlümmel nennen würde, läge man vermutlich auch nicht ganz daneben. Letztlich ist es diese Assoziation, die der Keule selbst einen Gutteil ihrer "männlichen", betont phallischen Konnotation verleiht. Offenkundig empfand man es entweder als nicht notwendig oder nicht schicklich, dass Männer auf diese Art um Was-auch-immer baten. Ggf. setzte man das auch auf andere Art um. Schlichlich gibt es da komplementär auf Seiten der Herrschaften Waffenniederlegungen etc. Die Bestattungsriten unterschieden sich eben zwischen Männlein und Weiblein. Auch besteht die Frage, inwiefern derlei Schmuck nicht sogar in erster Linie für den Todes- bzw. Begräbnisfall da war und Teil von Bestattungsriten war ohne, dass er im Alltag des Lebenden von großer Bedeutung war. Grabfunde sind immer ein Problem für sich.

      Als Solches stellt sich auch die Frage, inwiefern diese "Keulen" nun tatsächlich direkt auf Donar Bezug nehmen oder nicht viel allgemeiner um Gunst werben. Donar wird zwar ganz prägnant mit einer Keule attributiert, deshalb müssen aber nicht alle Keulen auf Donar Bezug nehmen, erst recht wenn das mit der "Keule" doch mitunter viel allgemeinere Inhalte beherbergt.
      Ludlul bel nemeqi - Ich will preisen den Herrn der Weisheit

      Ragnor wrote:

      Wenn man die Dinger Donarlümmel nennen würde, läge man vermutlich auch nicht ganz daneben.

      Klasse! :thumbup:

      Ragnor wrote:

      Das Auffälligste an ihnen, das zu bedenken ist, ist wohl, dass wie der Thorshammer auch die Donars"keulen" ein Schmuck der Damen (bzw. Mädchen) waren. Es gibt keinen einzigen sicheren Fund aus einem Männergrab. Keinen.

      Die Mjöllnirs wurden auch nur in Mädchen-/Frauengräbern gefunden? Das wusste ich nicht.

      Ragnor wrote:

      Gepaart damit, dass Donarskeulen in erster Linie aus Geweihspitzen gefertigt wurden scheint mir die Deutung als Keule nur sekundär wenn nicht gar durch Scham vorgeschoben wirklich brauchbar zu sein.

      Das Geweih als Fruchtbarkeitssymbol passt da natürlich auch sehr gut zur Phallus-Symbolik!

      Ragnor wrote:

      Donar wird zwar ganz prägnant mit einer Keule attributiert, deshalb müssen aber nicht alle Keulen auf Donar Bezug nehmen, erst recht wenn das mit der "Keule" doch mitunter viel allgemeinere Inhalte beherbergt.

      Wird er ganz prägnant mit einer Keule attriibuiert? Wo?

      TripTrop wrote:

      Ragnor wrote:

      Donar wird zwar ganz prägnant mit einer Keule attributiert, deshalb müssen aber nicht alle Keulen auf Donar Bezug nehmen, erst recht wenn das mit der "Keule" doch mitunter viel allgemeinere Inhalte beherbergt.

      Wird er ganz prägnant mit einer Keule attriibuiert? Wo?


      In Form der guten alten Interpretatio Romana als z.B. Hercules Magusanus seitens der Bataver. Davon gibt es dann auch Statuetten in Form eines klassischen Herkules mit Keule. Ob die Keule im südgermanischen Raum bereits ein eigenständiges Symbol war, das sich eben vom Hammer im Norden unterschied oder erst unter römischem Einfluss entwickelt wurde, kann man meines Wissens nach kaum beurteilen. Interessant ist jedenfalls doch die unterschiedliche Brauchtumssituation zwischen Hammer und Keule, die meines Erachtens nicht mal eben so entstanden sein wird.

      Mit den Keulen sind wir ca. 5.-7. Jhd primär im elbgermanischen und südskandinavischen Raum, die sich dann weiter verbreiten. Später erst, als Erstere eben im Zuge der Christianisierung wohl verschwinden, tauchen ab dem 8. Jhd erste Thorshämmer in Skandinavien auf. Diese finden sich dann neben den klassischen Orten an die man so denkt, Schweden, Island, Gotland etc. wohl auch dank der Waräger im baltischen Raum wieder bis hinein nach Russland.

      Und zwar ist beides Frauenschmuck, der Hammer wird jedoch um den Hals getragen, die Keule am Gürtel (und vermutlich irgendwie als Ohrring oder vielleicht Haarschmuck?).

      Eine interessante Verbindung von Thorshammer bzw. Thor und Mjölnir als mit Weihungen verbunden sind einige verstreute Textpassagen.

      Stellvertretend für allerlei Zeug (z.B. eine Reihe von Runensteinen, u.a Velanda, das Thor weihen soll:

      „Thor, weihe diese(n) Grabhügel.“
      (Runenstein von Virring)

      Des öfteren soll er dann auch mal verfluchen etc.

      Zu guter Letzt eine Passage, die meines erachtens eine Verbindung zwischen Mjölnir, damit Thorshammer und dem Tragegebrauch der Donarskeule möglich erscheinen lässt. Aber nunja, einzelne Textstellen können viel heißen.

      „Da sagte Thrym, der Thursen
      König: Bringt den Hammer, die Braut zu weihen! Leget Mjöllnir der Maid
      in den Schoß! Mit der Hand der War weiht uns zusammen! Das Herz im Leib
      lachte da Thor, als der hartgemute den Hammer sah: erst traf er Thrym,
      der Thursen König; der Riesen Geschlecht erschlug er ganz.“

      – Þrymskviða, Strophe 30, 31

      Ganz wichtig: Die Weihung erfolgt hier zum Abschluss der Hochzeitsfeierlichkeiten. Ein Grund, warum betont Frauen derlei Schmuck tragen kann also womöglich sein, dass es ein Zeichen verheirateter Damen war, vielleicht gar nach dem Motto "Jungs, Finger weg! Sonst Gnade euch Thor/Donar!" ;)
      Ludlul bel nemeqi - Ich will preisen den Herrn der Weisheit
      Wenn ich mir allerdings die besondere Geschichte dieser Hochzeit ansehe, glaube ich nicht dass der Mjölnir hier ein Fruchtbarkeitssymbol darstellt.

      Denn Thrym hatte ja zuvor Thor seinen Hammer entwendet, und diese Hochzeitsszene ist eine Finte, von Loki ausgeheckt um den Mjölnir wieder in Thors und damit die Hände der Asen zu bringen.

      Da sitzt also die liebliche Maid Freya (die in Wirklichkeit Thor in Freyas Brautschleier ist) zur Rechten Thryms, und soll von der "Brautführerin" Loki zur Linken Thryms nun im Austausch gegen den Hammer mit Thrym verbandelt werden.

      Es ist meiner Meinung nach durchaus anzunehmen dass die Aufforderung "Legt der Braut den Hammer in den Schoß um sie zu weihen" für den Riesen zum einen der Versuch ist die Asen nochmals zu übertölpeln - denn er war es ja der vorher Loki erklärt hatte er sei bereit Mjölnir gegen Freya als seine Frau zu tauschen. Vielleicht hat er ja sogar geglaubt dass er auf diese Art Freya UND den Hammer behalten könnte - denn jemand anderes als Thor kann ja die Kräfte des Hammers gar nicht nutzen, und der ist ja nicht anwesend, wie Thrym glaubt.

      Zum anderen hat Loki diese Geschichte mit der Weihe mit dem Hammer vorgeschlagen - es kann also auch etwas einfach als Mittel zum Zweck erfundenes sein, das aber ansonsten weder symbolisch noch sonstwie übliche Hochzeitsritualpraxis war. Oder geben die Sagas irgendwo die Information her, dass einer Frau bei ihrer Verheiratung immer der ihrer Familie übergebene Brautpreis in den Schoß gelegt wird, um sie zu weihen? Denn zumindest aus Thryms Sicht ist hier Mjölnir der zu entrichtende Brautpreis für Freya.

      Und zumindest in der nacherzählten Version die mir in Erinnerung ist, ist Thrym dermaßen heiß auf seine Braut, dass er keine Geduld hat die Übergabe der Hausschlüssel durch seine Schwester und den Austausch gegen ein entsprechendes Pfand abzuwarten, und auch schon vorher mal den Schleier lüftet so dass Loki ihm mühsam das Blaue vom Himmel erzählen muss um "Freyas" wild-wütende feurige Augen zu erklären.

      Wenn ich weiter annehme, dass zum rechtmäßigen Abschluss der Hochzeitsfeierlichkeiten nicht nur die Formalien wie Ehe- und Treueversprechen sowie Austausch von Pfändern und Zahlung des Brautpreises, sondern sicherlich auch "Hochzeitsnacht samt Geschlechtsakt" gehört haben, kann "der Braut den Mjölnir in den Schoß legen" auch sehr doppeldeutig verstanden werden.

      Mit Fruchtbarkeit hat das nach meinem Eindruck weniger zu tun als mit auf sexueller Ebene ausgeübter körperlicher Übermacht, vor der der Mjölnir "Freya" hier schützt. Säße denn tatsächlich Freya unter dem ganzen Schleiergedöns, sie hätte absolut keine Chance dem Riesen durch körperliche Gegenwehr Grenzen zu setzen in seinem sexuellen Begehren.
      Wobei der ganze übergeordnete Kontext des Warum und cui bono nicht unbedingt etwas mit etwaigen Hochzeitsriten zu tun haben muss. Bei einer christlichen Hochzeit ist es für die darin verwendeten Riten ja nun auch nicht von Bedeutung Wer Wen aus welchen Gründen heiratet, seien sie politisch oder nicht.

      Lokis Ansinnen kann hierbei auch Vielerlei bedeuten. Es könnte ein bereits etablierter Brauch sein, den der literarische Loki ausnutzt - denn gerade weil es Brauch ist wird Niemand Verdacht schöpfen - oder es könnte sich gar um eine Ätiologie handeln, die eben den Brauch selbst erklären soll. Möglich wäre es, dass das übergeben von Mjölnir einen ganz konkreten Brauch wie das Anstecken eines Ringes bezeichnet oder allgemein die Übergabe des Brautpreises.

      Dass der Mjölnir nun ausgerechnet in den Schoß gelegt werden soll sieht für mich erst recht nach Fruchtbarkeit aus, wenn man ihn denn phallisch deutet. Die gerade eben nicht vermiedene Zweideutigkeit der Sache wird auch sicher nicht erst in moderner Zeit Assoziationen ausgelöst haben, erst recht wenn man das komödienhafte der ganzen Szene bedenkt. Thor, der als Frau verkleidet poltert und frisst und so überhaupt nicht damenhaft ist. Mit Beanspruchung mag das auch zu tun haben, was im Weiteren die Zugehörigkeitsanzeige nur noch verstärken würde, Donarkeule und Thorshammer quasi als "Ehering".

      Deutet man die Geschichte wiederum als Ätiologie muss es gar nicht das böse Zeichen der Macht des Mannes über die Frau sein. Denn in der Geschichte gibt Thrym ja gerade das Objekt der Macht an Thor zurück - wenn auch ungewollt - und verliert sie dadurch. Es schwingt also auf der anderen Seite sehr wohl eine Art Auslieferung des Bräutigams an seine "Braut" in diesem Fall mit, denn unter dem Schleier der vermeintlichen Freya wütet nicht einmal eben eine Furie, sondern ein waschechter Thor. Insofern unterschätzt Thrym seine Braut bzw. wähnt sie für Etwas, was sie nicht ist. Also obacht wer sich (ewig?) bindet.


      Es muss ja letztlich aber auch kein Entweder-oder sein.

      EDIT: Was mir einfällt sind typologisch verwandt im Übrigen eine ganze Reihe Mythen aus dem indogermanischen Kontext, z.B. der von Illuyanka. Wettergott verliert die Quelle seiner Macht und erlangt sie zurück, indem er durch HOCHZEIT und dank einer List, die scheinbar etablierte Bräuche ausnutzt, seine Machtquelle in Form des Braut/Bräutigamspreises zurückerlangt. Danach tötet er seine Feinde. Bekannt?
      Ludlul bel nemeqi - Ich will preisen den Herrn der Weisheit

      Ragnor wrote:

      Es könnte ein bereits etablierter Brauch sein, den der literarische Loki ausnutzt - denn gerade weil es Brauch ist wird Niemand Verdacht schöpfen

      Das vermute ich auch denn das-in-den-Schoss-legen des Hammers ist ein altes wikingerzeitliches Hochzeitsritual welches noch heute praktiziert wird:
      Liebe, Werbung und Ehe im Skandinavien der Wikinger
      Es könnte natürlich sein das dieses Ritual erst aufgrund der Þrymskviða entstanden ist, aber da diese Edda-Lieder frühestes auf um die Jahrtausendwende datiert werden denke ich vielmehr das in Þrymskviða ein bereits gängiger Brauch Niederschlag fand.

      Ragnor wrote:

      Was mir einfällt sind typologisch verwandt im Übrigen eine ganze Reihe Mythen aus dem indogermanischen Kontext, z.B. der von Illuyanka. Wettergott verliert die Quelle seiner Macht und erlangt sie zurück, indem er durch HOCHZEIT und dank einer List, die scheinbar etablierte Bräuche ausnutzt, seine Machtquelle in Form des Braut/Bräutigamspreises zurückerlangt. Danach tötet er seine Feinde. Bekannt?

      Intreressant und - mir zumindest - unbekannt! Hast Du Lust etwas darüber zu erzählen? ;)

      Wie sieht es denn eigentlich mit dem "Donnerkeil" aus. Kann man die Donarkeulen nicht auch als "Donnerkeile" bezeichnen?
      Außerdem las ich auf einer Webpage, die ich wegen deutlich brauner Gesinnung nicht verlinke, dass das Doppelaxtklingen-Symbol für den Donnerer dem Hammer vorausgegangen sei. Jemand Ahnung ob dem so ist?

      Ich wrote:

      Wie sieht es denn eigentlich mit dem "Donnerkeil" aus. Kann man die Donarkeulen nicht auch als "Donnerkeile" bezeichnen?

      Hmmm, wohl eher nicht:

      HDA wrote:

      Belemniten / Donnerkeile / Teufelsfinger

      Griech. βελεμνίτης (τὸβέλεμνον = τὸ βαλλόμενον), das Geschleuderte, Geschoß, Blitz.

      Als vom Himmel unter Blitz und Donner herabgeschleuderte und gegen den Blitz schützende Steine gelten im Volksaberglauben die prähistorischen Donnerkeile, die Echeniten und Belemniten. Unter Belemniten versteht man die in der Jura- und Kreideformation häufig sich findenden versteinerten Reste von Vorläufern der Tintenfische. Es sind schlanke, nach oben spitz zulaufende, außen mit einem festen Feuersteinmantel bedeckte, innen meistens mit Kreidekalk gefüllte Hohlkegel, die genau der Form einer Zigarre gleichen. Bei den Badegästen auf Rügen und an der Ostseeküste gelten sie noch heute als Blitzröhren, die durch die Glut einschlagender Blitze aus Kies und Sand zusammengeschmolzen sind.

      Das Volk aber glaubt, sie seien beim Gewitter herabgeschleudert worden; als Schutz gegen das Gewitter legt man sie deshalb, wenn ein Wetter heranzieht, auf den Tisch, Herd oder auch auf das Fensterbrett.


      Habe auch mal den Eintrag zu "Keule" im Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens gelesen:

      HDA wrote:

      Die Keule stellt auf deutschem Boden eine primitive Waffe vor, die bei Einsiedlern, Waldgehern usw. in der Frühzeit des Mittelalters noch in Gebrauch war. Sie verkörpert aber auch die Macht der Obrigkeit, dem Recht mit ihrer Handhabung Geltung zu verschaffen, ähnlich wie Prügel, Ochsenziemer, Knüppel, Hämmer und dergleichen zur bevollmächtigten Ladung der Dorfgenossen verwendet wurden oder werden. Die literarischen Quellen zur sinnbildlichen Verwendung der Keule, die manchenorts einfach als starker Kieferknorren, Rebwurzel oder Eichklotz überliefert wurde, lassen sie auch einem Hammer, Kolben oder Schlägel gleichsetzen.
      [...]

      In Sternberg sagt das Volk von den dort vor dem großen Brand am Tore aufgehangenen Keulen, daß vor Zeiten der Feind mit denselben vertrieben worden wäre, ja daß die Frauen damit ihre Männer in den Kampf getrieben und sich selber an ihm beteiligt hätten. Im Schweidnitzer Keller zu Breslau sollte nach alter Sage der erstmalig in die Stadt Gekommene die »Igelkeule« küssen. Der hl. Hippolyt, Patron von Blexen soll dort einst mit eherner Keule vom Himmel herab die Feinde der Friesen zerschmettert haben, was wiederum auf andere Vorstellungen doch wohl mythischer Art Bezug hat.

      Quelle: Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens

      Also lässt sich die Keule laut HDA auch mit einem Hammer gleichsetzen. Bereits Grimm habe theoretisiert das Keulen oder Schlegel am Eingang heidnischer Tempel aufgehangen worden seien... aber letzteres ist wohl nichts als Grimms Fantasie.
      Hi Eule,

      nö, ich denke auch, dass der Hammer hier ein Fruchtbarkeitssymbol darstellt. Thor, der Eigner ist als Wettergott schließlich auch für die Fruchtbarkeit der Erde zuständig. Und ich kann mir gut vorstellen, dass diese Macht symbolisch auf den Schoss der Braut übertragen wird. Thor wird ja auch "Weihegott" genannt und bei Balders Bestattung weiht er den Scheiterhaufen mit seinem Hammer, in der Geschichte mit den armen Bauern, bei denen er um Nachtlager bittet, schlachtet er seine Böcke zum Abendessen und erweckt sie am nächsten Tag wieder zum Leben, indem er ihre Knochen in die Felle einschlägt und mit dem Mjölnir weiht. Das ist also nicht nur ein Symbol für Tod und Zerstörung das vornehmlich gegen die (lebensfeindlichen) Eisriesen angewandt wird sondern auch ein Symbol für Leben und Gedeihen.

      (

      Eule wrote:

      Es ist meiner Meinung nach durchaus anzunehmen dass die Aufforderung "Legt der Braut den Hammer in den Schoß um sie zu weihen" für den Riesen zum einen der Versuch ist die Asen nochmals zu übertölpeln - denn er war es ja der vorher Loki erklärt hatte er sei bereit Mjölnir gegen Freya als seine Frau zu tauschen.

      Das ist doch viel zu riskant. Einfach nicht rausrücken wäre schon gefährlich. Ok, wenn es dann zum Krieg käme, müsste er den Hammer aber wirklich rausholen. Vorausgesetzt,, er kann mit ihm umgehen. Zum stehlen immerhin hats ja gereicht. ;)


      Eule wrote:

      Zum anderen hat Loki diese Geschichte mit der Weihe mit dem Hammer vorgeschlagen - es kann also auch etwas einfach als Mittel zum Zweck erfundenes sein, das aber ansonsten weder symbolisch noch sonstwie übliche Hochzeitsritualpraxis war. Oder geben die Sagas irgendwo die Information her, dass einer Frau bei ihrer Verheiratung immer der ihrer Familie übergebene Brautpreis in den Schoß gelegt wird, um sie zu weihen? Denn zumindest aus Thryms Sicht ist hier Mjölnir der zu entrichtende Brautpreis für Freya.

      Nö, der "Vorschlag" kommt direkt von Thrym, das klingt schon wie allgemeiner Brauch:
      "Da hob Thrym an, der Thursenfürst:
      "Bringt mir den Hammer, die Braut zu weihen,
      Legt den Miölnir der Maid in den Schoß
      Und gebt uns zusammen nach ehlicher Sitte
      ."
      http://www.thomasnesges.de/edda/thrymskvida_oder_hamarsheimt.html

      Wie gesagt, ich denke nicht, dass es sich hierbei um einen Brautpreis handelt. Eher, dass Heimdal genau daran auch dachte, als er vorschlug, Thor solle als Braut verkleidet nach Jötunheim.

      Eule wrote:

      Und zumindest in der nacherzählten Version die mir in Erinnerung ist, ist Thrym dermaßen heiß auf seine Braut, dass er keine Geduld hat die Übergabe der Hausschlüssel durch seine Schwester und den Austausch gegen ein entsprechendes Pfand abzuwarten, und auch schon vorher mal den Schleier lüftet so dass Loki ihm mühsam das Blaue vom Himmel erzählen muss um "Freyas" wild-wütende feurige Augen zu erklären.

      Das allerdings, weswegen er ja auch zackig zum Ritual kommen will.
      Schatz fahr vorsichtig, hinter uns is Stau.

      "Die Nazis haben den Ruf der Nazis so versaut, dass nicht mal mehr Nazis Nazis sein wollen." Philip Meinhold