Germanische Mondphasen

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      Germanische Mondphasen

      Hallo,

      ich habe bei der Beschäftigung mit den indischen Gottheiten erfahren das dort mit der Naksatra 28 personifizierte Mondphasen verehrt werden.
      Wie sieht es denn bei den germanischen Heiden aus?
      Personifizierungen gibt es keine.
      Gibt es Namen für die verschiedenen Monde zu verschiedenen Zeiten?
      Hat man den jeweiligen Mondphasen spezifische Kräfte zugeschrieben?

      Danke für jegliche Hilfe!
      Da es mir etwas schwerfällt, ein ganzes Buch wiederzugeben, empfehle ich es einfach:

      Der gebundene Mondkalender der Germanen von Zauntner (ist germanischer Heide)

      Quellcode

      1. http://www.amazon.de/gebundene-Mondkalender-Germanen-Lunisolarkalenders-mittelalterlichen/dp/3943150089


      Daraus kann man folgende Antworten zu deinen Fragen erlesen:

      Gibt es Namen für die verschiedenen Monde zu verschiedenen Zeiten?


      Ja, die sind auch heute noch bekannt. Besondere Ereignisse werden benannt - wie Schwarzmond, Blutmond usw.

      Hat man den jeweiligen Mondphasen spezifische Kräfte zugeschrieben?


      Ist nicht bekannt. Weder aus den isländischen Schriften wie Edda noch aus Fragmenten Südgermaniens. Man muss von einem ziemlich deutlichen Nein ausgehen.

      TripTrop schrieb:


      Hat man den jeweiligen Mondphasen spezifische Kräfte zugeschrieben?


      Wenn du in der Richtung etwas willst, findest du wohl am ehesten Anklänge im Volksglauben. Allerdings kenne ich keine deutsch- oder englischsprachige Literatur zum skandinavischen Volksglauben, die ich dir empfehlen könnte.
      Philosophie = Liebe zur Weisheit. Nicht: Ich gebe die mir gefälligen Bruchstücke der Erkenntnisse antiker Philosophen in eigenen Worten wieder. Sapere aude!
      @Vailos: Danke für die Info. Das Buch ist mir bereits bekannt, ich werde es mir irgendwann zulegen. Derzeit habe ich aber noch andere Literatur die gelesen werden will.
      Aber ist nicht die Tatsache(?) das Festlichkeiten der Germanen an Vollmondsnächten stattfanden ein Hinweis auf eine Auffassung dieser Tage als besonders kraftvoll?

      @Umo: Auch danke für die Info. Das "Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens" fällt mir da als Option ein. Ich muss mir das auch irgendwann mal besorgen.

      Ich habe auch zwischenzeitlich gestöbert und die Theorie von Finn Magnusen aufgeschnappt das es sich bei Wodans Ring Draupnir mit den in jeder neunten Nacht abtropfenden acht Ringen um eine symbolische Darstellung der Mondphasen handeln könnte. Die Begründung: Der periodische Mondmonat hat ungefähr 27 Tage, in dieser Zeit werden drei Mondphasen beobachtet der die Germanen je neun Tage zugeschrieben hätten. Die vierte Mondphase (Neumond) sei unsichtbar. Jeder der acht abtropfenden Ringe symbolisiere ein Mondsegment während einer der Mondphasen.

      Hilft punkto der Fragestellung nicht wirklich weiter, aber ich fand es bzgl der Thematik interessant und habe es deshalb mal mit eingebracht.

      TripTrop schrieb:


      Das "Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens" fällt mir da als Option ein.


      Das hilft dir im Bezug auf nordischen/germanischen Glauben nicht weiter.

      Zitat aus dem HdA, Artikel "Mond":

      "Wer aufmerksam das Material zum Mondglauben des deutschen Volkes überprüft, wird vergeblich versuchen, den Knäuel der mannigfaltigen Vorstellungen in einer ihn befriedigenden Weise zu entwirren; in den Wetterregeln und Sagen einer Gegend, soweit sie sich mit dem Mond beschäftigen, muss man, um die in ihren verschiedenen Bestandteilen zu verstehen, auf die gegenteiligsten Grundlagen zurückgehen. Sie liegen teils im Naturempfinden, teils entstammen die dem Volksglauben der Mittelmeerländer, teils der Magie des Altertums oder der wissenschaftlichen Astrologie der Alten."

      Und mit der "wissenschaftlichen Astrologie der Alten" wird die des Neuplatonismus gemeint sein.
      Philosophie = Liebe zur Weisheit. Nicht: Ich gebe die mir gefälligen Bruchstücke der Erkenntnisse antiker Philosophen in eigenen Worten wieder. Sapere aude!

      TripTrop schrieb:

      Aber ist nicht die Tatsache(?) das Festlichkeiten der Germanen an Vollmondsnächten stattfanden ein Hinweis auf eine Auffassung dieser Tage als besonders kraftvoll?


      Nein, das ist bei einem lunar orientierten Kalendersystem nicht weiter verwunderlich. Das war bei den Kelten genauso. Mit Vorsicht ist nur die Geschichte mit den Vollmondnächten zu genießen - im germanischen bin ich da jetzt nicht so bewandert. Aber wegen der Nähe zu den Kelten glaube ich da nicht dran - der Vollmond spielte eigentlich keine Rolle. Der Neumond war wichtiger, das mit dem Vollmond ist eigentlich eher eine neuzeitliche Interpretation aus der Romantik und hexischem Neuheidentum.
      @Umo:Schade!

      @Vailos:
      Ich komme aus Mittelhessen/Taunus, einer Region wo Kelten und Germanen sich so nah waren wie es näher nicht ging.
      Von daher bin ich ohnehin überzeugt das keltisches und germanisches Gedankengut hier zusammen geflossen sind!

      Bei den Kelten war also nachweislich der Neumond ein wichtiger kultischer Zeitpunkt?

      TripTrop schrieb:


      Bei den Kelten war also nachweislich der Neumond ein wichtiger kultischer Zeitpunkt?


      Es war ein wichtig Zeitpunkt deshalb, weil das ein Startpunkt im Kalender ist: mit dem Neumond begann ein neuer Monat, ein neues Jahr und nach Ablauf von 30 Jahren ein neues Zeitalter bei den Kelten. (Laut Plinius' Naturalis historia.)

      Das hat aber nichts mit der Vorstellung von "besonders kraftvollen" Tagen zu tun. Vor allem "kraftvoll" in Bezug auf was? Agrarisch? Magisch? Religiös?
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      Umo schrieb:

      Das hat aber nichts mit der Vorstellung von "besonders kraftvollen" Tagen zu tun. Vor allem in Bezug auf was? Agrarisch? Magisch? Religiös?

      Alles!
      Was auch immer man der jeweiligen Mondphase für Kräfte zuschrieb würde mich interessieren.
      In erster Linie denke ich aber an magische/spirituelle/religiöse Kraft um Rituale an diesen Tagen auszuführen, weil eben diese besondere Kraft vorherrscht.

      TripTrop schrieb:


      In erster Linie denke ich aber an magische/spirituelle/religiöse Kraft um Rituale an diesen Tagen auszuführen, weil eben diese besondere Kraft vorherrscht.


      Das, denke ich wie Valios, ist eine neuheidnische Idee (*). (Falls jemand andere Indizien oder gar Belege hat, lasse ich mich gerne eines besseren belehren.)


      (*) Und auch hier ist es wohl die Frage, was für Kräfte es denn seien sollen. Sowohl dem Beginn der Phase des zunehmenden als auch des abnehmenden Mondes werden besondere Kräfte zugesprochen. Nur in dem einem Fall sind es aufbauende und im anderen auflösende Kräfte.

      Im Gegensatz zu oben, wo es eher um ritualistisch/magische Sachen geht, würde ich religiös z.B. eine Mondgottheit dann als besonders stark ansehen, wenn der Mond voll ist. (So wie auch die Sonne/der Sonnenheros um die Mittagszeit seine stärkste Kraft hat. Gabs da nicht mal eine Geschichte mit Gawain...?) Kann man also schlecht alles in den selben Topf schmeißen.
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