Das negative Sündenbekenntnis und die heutige Zeit

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      Hallo Merienptah,

      Du schriebst:

      Sieh dir die Welt ohne Maat an, Schau nach draußen und sieh dich genau um. Das ist die Welt ohne Maat, ohne Gewissen und Verantwortungsgefühl, ohne Rücksicht, ohne Regeln.
      Eine Welt voll von Chaos, Ausbeutung, Leid, Tod und Zerstörung. Eine Welt in der sich jeder nur noch um sich selbst und um seine "Gewinnmaximierung" sorgt, ganz gleich was er anderen damit für Leid zufügt und was er für Schaden anrichtet.


      Als Deine Meinung von der Welt um uns herum kann ich das stehen lassen, obwohl es mir persönlich wehtut, wenn ich lese, dass Menschen offensichtlich hauptsächlich das dunkle um sich herum sehen.

      Nach meiner persönlichen Meinung gibt es viel schlimmes, keine Frage !
      Aber das ist nicht alles, und um es auf die spirituelle Ebene zu heben : Glaubst Du, dass die Götter sich freuen, wenn wir die Auge vor der inneren Schönheit unserer Mitmenschen verschließen ?
      Daran dass es dir weh tut, kann ich leider nicht ändern. Mir tut es auch weh wenn ich die Welt mit all ihren Schlechtigkeiten so betrachte.

      Ich sehe auch positive Dinge, mach dir da mal keine Sorgen.
      Aber wenn es um Maat geht, wie hier in dem Beispiel dann muss ich sagen dass die Welt "da draußen" der Inbegriff von Maatlosigkeit und Isfet ist.
      Eine Welt voll Chaos und Irrsinn ohne Maß und Grenzen.

      Es gibt auch einige wenige kleine Lichtblicke, die hoffen lassen aber verglichen mit dem großen Ganzen sind das dann doch eher Tropfen auf dem heißen Stein.
      "Das ist die Seuche dieser Zeit,
      Verrückte führen Blinde"


      King Lear, W. Shakespeare 1606

      Vielen Dank an die Kemeten und nicht Kemeten für die konstruktiven Antworten erstmal... Mhh... Maat, ich weiß natürlich nicht so genau was es ist als nicht Kemete... Aber es reizt mich diesen Begriff in meine Welt zu übersetzen und ich sehe darin vlt. eine Art naturgegebene Ordnung... und dass das angesprochene empfundende Chaos tatsächlich damit zusammenhängen könnte, dass wir als Menschen das Vertrauen in dieses Maat verloren haben. Wir halten uns selber im Kern für " böse" und reden uns ein, dass wir uns in Ketten legen müssen, um uns nicht gegenseitig umzubringen, statt einfach vertrauen in diesen "Kern" und somit in unsere naturgegebene Ordnung zu legen die uns geschenkt ist. Stattdessen laufen wir irgendwelchen Hirngespinsten hinterher und verstricken uns immer mehr ins Chaos....

      Baboy schrieb:

      Was ich eigentlich damit sagen wollte ist, dass letztendlich der Mensch selbst festlegt was "gut" und was "böse" ist....


      Das sehe ich nicht ganz so. Sicher stellen Menschen tagtäglich Regeln auf und definieren "ihr" Gut und Böse immer wieder selbst aufs Neue.
      Aber wenn man sich mal umschaut und die Grenzen von Raum und Zeit der Menschheitsentwicklung mal hinter sich lässt, fällt auf dass sich ganz gleich an welchem Ort und ganz gleich zu welcher Zeit das Verständnis von Gut und Böse kaum voneinander unterscheidet.
      Daraus folgere ich dass es ein kosmisches, ein göttliches Gesetz geben muss dass klar definiert was "Gut" und was "Böse" oder besser was "Richtig" und was "Falsch" ist.

      In meinem Verständnis ist dieses allem zugrundeliegende Gesetz von Richtig und Falsch eben die Maat.
      Auch etwas an sich Gutes kann falsch und etwas an sich Böses kann richtig sein. Maat definiert nicht Gut und Böse, Maat zeigt aber was richtig und was falsch ist.
      Das ist ein kleiner aber feiner Unterschied.

      Also sind Menschen auch nicht von vornherein als im Kern böse zu bezeichnen, aber die Menschen sind anfällig für das Schlechte und Chaotische, sie tendieren von sich aus zur Isfet, deswegen muss ihnen die Maat immerfort gebracht werden. Man muss den Menschen also immer wieder aufzeigen was richtig und falsch ist. Die Maat ist kein Selbstläufer der blüht und gedeiht wenn man ihn einmal gepflanzt hat. Ohne immer währende Erneuerung der Ermahnung würde Isfet die Maat in kürzester Zeit wieder auslöschen und verdrängen. Denn hier in der Welt herrscht seit der Zeit des Himmelsaufstieges Isfet, Maat ist die verdrängte göttliche Ordnung die hier nur unter Aufbringung großer Mühen aufrechterhalten werden kann.

      Uns "in Ketten legen" ist ein vollkommen sinnloses Unterfangen, denn aus eigenem Antrieb schlagen sich Menschen obwohl sie durchaus anfällig für Schlechtigkeiten sind, nicht grundlos die Köpfe ein.
      Also für diesen Ausnahmefall hunderte von Regeln zu erschaffen die uns einengen und einsperren ist eher unnütz.
      So ein brutales Verhalten wäre das Böse, und Menschen sind nicht böse, höchstens etwas schwach und leicht zu verlocken oder zu verleiten.
      Von Natur aus böse ist der Mensch nicht. Er weiß was Richtig und was Falsch ist, also auch wenn er das Wort Maat (was sich übrigens in seinem gesamten Umfang absolut nicht ins Deutsche übersetzen lässt) noch nie gehört hat, hat er dennoch ein Verständnis von Richtig und Falsch. Er kennt die Maat, denn sie liegt jeder universellen Ordnung zu Grunde, er muss nur ab und an mal daran erinnert werden damit er sie nicht ignoriert.

      Neferure schrieb:

      Das sehe ich nicht ganz so. Sicher stellen Menschen tagtäglich Regeln auf und definieren "ihr" Gut und Böse immer wieder selbst aufs Neue.
      Aber wenn man sich mal umschaut und die Grenzen von Raum und Zeit der Menschheitsentwicklung mal hinter sich lässt, fällt auf dass sich ganz gleich an welchem Ort und ganz gleich zu welcher Zeit das Verständnis von Gut und Böse kaum voneinander unterscheidet.
      Daraus folgere ich dass es ein kosmisches, ein göttliches Gesetz geben muss dass klar definiert was "Gut" und was "Böse" oder besser was "Richtig" und was "Falsch" ist.


      ...ich denke schon auch das es gewisse (allerdings veränderliche fließende) Regeln gibt....
      Dabei sehe ich u.A. unsere menschliche "Vernunft" als Produkt der Evolution an....Unsere Moral und unser Gemeinschaftsverständniss hat uns unser Überleben bis ins Heute gesichert..... ....Es funktioniert und insofern ist es richtig... D.h.
      aber zb. nicht, dass ganz anderes organisierte Lebensformen falsch sind....sie existieren ja genau so...... In diesem Sinne glaube ich, dass der Mensch nie in der Lage sein wird die Wirklichkeit bzw. Wahrheit ganz zu erfassen...Er sieht ja immer nur das, was ihn seine Menschenaugen sehen lassen oder was sein menschliches Nervensystem verarbeitet...Also immer nur einen klitzekleinen Teil der Wirklichkeit bzw. Wahrheit von seinem ganz persönlichen Blickwinkel aus.. und selbst innerhalb der Menschheit gibt es da noch kleine aber feine Unterschiede...Schließlich sind wir ja nicht alle gleich, wir ähneln uns nur stark....

      Neferure schrieb:

      So ein brutales Verhalten wäre das Böse, und Menschen sind nicht böse, höchstens etwas schwach und leicht zu verlocken oder zu verleiten.
      Von Natur aus böse ist der Mensch nicht. Er weiß was Richtig und was Falsch ist, also auch wenn er das Wort Maat (was sich übrigens in seinem gesamten Umfang absolut nicht ins Deutsche übersetzen lässt) noch nie gehört hat, hat er dennoch ein Verständnis von Richtig und Falsch. Er kennt die Maat, denn sie liegt jeder universellen Ordnung zu Grunde, er muss nur ab und an mal daran erinnert werden damit er sie nicht ignoriert.


      Auf der einen Seite kann ich das Gesagte gut nachvollziehen ..Der Mensch ist ein Kind der Natur der kosmischen Ordnung, kennt diese somit und ist Teil von ihr.. Auf der anderen Seite liegt vlt. genau darin das Problem, dass der Mensch denkt, dass er wüsste was "Richtig" und was "Falsch" ist. Er tut so als hätte er die ganze Wahrheit erfasst und sieht sich als Krone der Schöpfung... Was Er tut ist richtig... Frei nach Sartre : "Die Hölle, dass sind die Anderen"... Diese "Ich bin im Recht" führt häufig zu Krieg und verderben.. Und am Ende vernichtet er sich vlt. selbst, weil er denkt das er alles besser weiß, als die "Natur" ( oder vlt. Maat?) selbst .. Somit sollte der Mensch vlt. ab und an daran erinnert werden, dass er die ganze Wahrheit eben nicht kennt und nie kennen wird...Aber das er SEINE Wahrheit Leben kann ( und eben nur diese) und indem er das macht, kann er vlt. selbst zur Wahrheit werden...

      Das ist jetzt alles ziemlich Offtopic...Aber ich finde es für mich Wichtig und Interessant abzugleichen um besser zu verstehen ( Danke nochmal für die Erläuterungen und die fruchtbare, unaufgeregte Diskussion!!!) .... Ich suche für mich immer so eine Art roten Faden der sich durch die Religionen zieht und der "Maat" Begriff hat es mir da gerade angetan... Ich hoffe das ist O.K.....
      Also ich finde nicht dass das OT ist.
      Ihr versucht grad den Maatbegriff zu definieren und Maat ist nun mal die Basis auf der das negative Sündenbekenntnis gründet.
      Tiefer ins Thema hinein kommt man gar nicht.

      Baboy schrieb:

      Ich suche für mich immer so eine Art roten Faden der sich durch die Religionen zieht und der "Maat" Begriff hat es mir da gerade angetan... Ich hoffe das ist O.K.....


      Ich find das sogar sehr okay. Ich vermute ja dass die Maat dieser rote Faden ist. Bei uns heißt er Maat und jede andere Religion hat ihren eigenen Begriff dafür.
      Diesen "Leitfaden für Richtig und Falsch" haben alle Religionen und solange ich mich nun schon mit dem Thema beschäftige ist mir noch nie aufgefallen dass es da irgendwelche gravierenden Unterschiede gibt. Egal wo man hinschaut.
      Das ist das was alle Religionen gemeinsam haben, ganz gleich wie sie es nennen...
      "Das ist die Seuche dieser Zeit,
      Verrückte führen Blinde"


      King Lear, W. Shakespeare 1606

      Ich grübel schon die ganze Zeit schon an einer Übersetzung von Maat. Eine 1:1 Übersetzung geht gar nicht.
      Norm, Weltordnung, Richtigkeit, Ausgewogenheit usw... alles richtig.
      Aber das triffts nicht ganz. Immer fehlt noch etwas.

      Wenn man Maat in unserer Schrift aber mal nicht mit der ihr eigenen Feder schreibt kann man noch ein anderes Zeichen verwenden, und zwar den Statuensockel. Das macht deutlicher als die Feder was Maat ist.
      Maat ist der Sockel, also die Basis auf der jede Gemeinschaft und jede Gesellschaft ruht.

      Baboy schrieb:

      In diesem Sinne glaube ich, dass der Mensch nie in der Lage sein wird die Wirklichkeit bzw. Wahrheit ganz zu erfassen...

      Soll er ja auch gar nicht.... ;)

      Baboy schrieb:

      Auf der anderen Seite liegt vlt. genau darin das Problem, dass der Mensch denkt, dass er wüsste was "Richtig" und was "Falsch" ist. Er tut so als hätte er die ganze Wahrheit erfasst und sieht sich als Krone der Schöpfung... Was Er tut ist richtig...

      Glaub mir, er weiß was richtig und falsch ist. Auch wenn ein Boss eines Großkonzerns beispielsweise eine fürs Unternehmen "richtige" Entscheidung trifft weiß er, dass er falsch handelt, ein Finanzjongleur an der Wallstreet weiß tief drinnen dass das was er tut falsch ist und ein Minenbetreiber in Südamerika der seine Leute wie Sklaven nach Bodenschätzen schürfen lässt, weiß auch dass er eigentlich falsch handelt.
      Sie alle wissen das ganz tief in sich drin.

      Dieses Gewissen ist Maat, dieses tiefe innere Wissen von Recht und Unrecht, und daran muss Mensch erinnert werden weil er diese innere Stimme sonst überhört.
      Der Mensch neigt nämlich dazu die Ohren und Augen vor Maat zu verschließen obwohl er sie ganz genau kennt, er lässt sich verleiten und blenden.
      In dem Punkt ist er gänzlich der Isfet verfallen und folgt ihren honigsüßen Verheißungen aus purer Gier heraus ohne den bitteren Beigeschmack des Chaos und der Zerstörung zu bemerken den sie bringt.
      Immer und immer wieder muss man die Ermahnungen wiederholen. Auch wenn man ein und die selbe Sache schon tausendmal angemahnt hat wird der Mensch es wieder verdrängen wenn man ihn nicht ständig darauf hinweist dass er gegen "die Ordnung" verstößt.

      Neferure schrieb:

      Glaub mir, er weiß was richtig und falsch ist. Auch wenn ein Boss eines Großkonzerns beispielsweise eine fürs Unternehmen "richtige" Entscheidung trifft weiß er, dass er falsch handelt, ein Finanzjongleur an der Wallstreet weiß tief drinnen dass das was er tut falsch ist und ein Minenbetreiber in Südamerika der seine Leute wie Sklaven nach Bodenschätzen schürfen lässt, weiß auch dass er eigentlich falsch handelt.
      Sie alle wissen das ganz tief in sich drin.

      Dieses Gewissen ist Maat, dieses tiefe innere Wissen von Recht und Unrecht, und daran muss Mensch erinnert werden weil er diese innere Stimme sonst überhört


      Naja, ohne falsch kein richtig...Ohne böse, kein gut...Ohne Isfet keine Maat... So gesehen kann das Falsch dann doch gar nicht so falsch sein, sondern es ist im Gegenteil sogar genau richtig.
      Ich glaube schon, dass der Mensch instinktiv bzw. im Herzen weiß was "gut und richtig " für sein Überleben ist...
      Sein Hirn bzw. sein Geist macht ihm da nur leider oft einen Strich durch die Rechnung....so das sein vlt. großartigstes Stück auch gleichzeitig sein verhängnisvollstes ist.
      Ja ist noch die Frage wie Mensch, wenn doch das Gewissen tief in allen Menschen ist, drauf
      kommt einen Masstab, der dann für alle gelten soll, zu errichten...hat ja zumindest nach vollziehbar und aufgeschrieben als Gesetzestext schon recht früh begonnen.
      Ordnungen sind variabel und das Gewissen ist dehnbar...für bestimmte Gemeinschaften mit bestimmten Zielen sind Ordnungen wichtiger als für andere Gemeinschaften.
      Es gibt keine klar definierte Grösse von Ordnung, im Sinne einer endgültigen Wahrheit , das sind immer menschliche Konstrukte zur Erhaltung eines bestimmten Status untermauert von der Grossen vorgeblichen Ordnung der da existierenden Götter, die, wenn alle Stricke reissen, und die Reiche der Menschen zerbrechen die Bösen ins Kröpfchen und die Guten ins Töpfchen stecken werden. Meine Ansicht!

      Hugh, das das wär s dann oder ? Der Weckruf ins Gewissen wie schon gesagt,- ein Gewissen hält einiges aus und siehe da, die Bösen leben net so schlecht,. in diesem Leben ? Und sollen im nexten gestraft werden und wenn sie auch dort einfach nur in Frieden ruhen ? dann haben sie gut gelebt und die anderen miserabel.

      Jupp da wird das Gesetz dann ehern und die Ahndung beginnt wobei das Gesetz im Prinzip sofort wirkt zellulär wer nämlich gegen
      sich und sei Gewissen handelt erfährt das sehr schnell an seinem eignen Leib. ( sagt man oder ist das so?)
      nexte spannende Frage: Wer definiert dann für die ganze Gemeinschaft was Recht und Gesetz ist...wohlmeinende Diktatoren seien besser für s Volk als eine schlechte Demokratie MEINTEN wohl schon die Griechen..

      nun ja Regulation braucht es nur,- wo zu viele Einer Gattung auf einander hocken und böse sei die Meinung Kriege seien die modernen Regulative die die Pest ersetzen.
      .ich kenne mein Gewissen das anderer Menschen kenne ich nicht und kann nicht urteilen das ist eine Lehre, die mir in den Sinn kommt daher diese Verlegung des Gerichts in die "Anderwelt" ins Jenseits, unbewiesen, nicht beglaubigt, angenommen und vage...

      Wie eben das Paradies oder wie die Hölle ...auch angenommen, auch vorstellbar und unbewiesen, geschaut in Visionen die hier auch schon mal freundlich als Wooo qualifiziert wurden ...

      Tja das Recht und die Ordnung und das Gewissen . Wichtige Dinge vorrausgesetzt man *Nimmt an*, dass es gut und böse für alle gleich geben würde und das Gewissen eine messbare Grösse sei.

      liebe Grüsse fee
      *runtergekommene Meisterin*