Das negative Sündenbekenntnis und die heutige Zeit

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      Das negative Sündenbekenntnis und die heutige Zeit

      Hallo zusammen,
      nun möchte ich doch noch mal ein anderes Thema aufbringen ;)
      Und zwar soll´s hier mal um das negative Sündenbekenntnis gehen.
      Damit wir auch wissen, worum es geht, zitiere ich hier mal vom Online-Archiv der Uni-Bonn (Quell-Link unten):

      Siehe, ich bin zu dir gekommen.
      Ich habe dir Maat gebracht.
      Ich habe dir das Unrecht der Menschen vertrieben.
      Ich habe keine Angehörigen elend sein lassen.
      Ich habe nichts Böses anstelle von Rechtem getan.
      Ich kenne nicht, was es nicht gibt.
      Ich habe nichts Schlechtes getan.
      Ich habe nicht - (und zwar) für jeden Tag - Arbeiten "gemacht" (festgesetzt) über dem, was ich (selbst) hätte tun können.
      Mein Name ist nicht zur Stätte der Leiter gedrungen.
      Ich habe keinen Armen an seinem Besitz verarmen lassen.
      Ich habe nichts getan, was die Götter verabscheuen.
      Ich habe keinen Diener bei seinem Vorgesetzten schlecht dastehen lassen.
      Ich habe kein Leid zugefügt.
      Ich habe nicht hungern lassen.
      Ich habe nicht zum Weinen gebracht.
      Ich habe nicht getötet.
      Ich habe nicht zu töten befohlen.
      Ich habe niemands Leid verursacht.
      Ich habe die Opferrationen in den Heiligtümern nicht vermindert.
      Ich habe nichts von den Opferbroten der Götter abgebrochen.
      Ich habe keine Opferkuchen der "Verklärten" weggenommen.
      Ich habe nicht mit einem Buhlknaben gebuhlt.
      Ich habe keine Unzucht getrieben.
      Ich habe das Maß nicht vermindert.
      Ich habe das Ackermaß nicht vermindert.
      Ich habe die Äcker nicht verkleinert.
      Ich habe nichts auf die Gewichte der Handwaage (hinzu)gelegt.
      Ich habe nichts vom Lot der Standwaage weggenommen.
      Ich habe keine Milch vom Mund des Säuglings weggenommen.
      Ich habe das Kleinvieh nicht seines Futters entblößt.
      Ich habe keine Vögel von der "Harpunenspitze" (Jagdrevier?) der Götter (mit
      dem Netz) gefangen.
      Ich habe keine Fische aus ihren (der Götter) Lagunen gefangen.
      Ich habe kein Wasser zu seiner Zeit zurückgehalten.
      Ich habe nicht dämmend einen Damm gegen fließendes Wasser gebaut.
      Ich habe kein Feuer zu seiner Zeit gelöscht.
      Ich habe keine Termine bezüglich des erlesenen Opferfleischs versäumt.
      Ich habe kein Vieh vom Gottesbesitz vertrieben.
      Ich habe keinen Gott bei seiner Prozession behindert.
      Ich bin rein - viermal.

      Meine Reinheit ist die Reinheit jenes großen Phönix, der in Herakleopolis ist.
      Denn ich bin ja jene Nase des Herrn der Winde, der die alles Volk belebt, an jenem Tage des Füllens des Udjat-Auges in Heliopolis, am letzten Tag des zweiten Wintermonats.
      Ich bin einer, der beim Füllen des Udjat-Auges in Heliopolis zugesehen hat.
      Nichts Böses wird mir in diesem Land und in dieser Halle der Beiden Maat zustoßen.
      Denn ich kenne den Namen dieser Götter, die in ihr sind.

      Oh Weitausschreitender, der aus Heliopolis stammt, ich habe kein Unrecht verübt.
      Oh Flammenumarmer, der aus Cheraha stammt, ich habe nicht geraubt.
      Oh Schnabelträger, der aus Hermupolis stammt, ich war nicht habgierig.
      Oh Schattenverschlinger, der aus der Höhle stammt, ich habe nicht gestohlen.
      Oh Schreckgesicht, der aus Rosetau stammt, ich habe keinen Menschen getötet.
      Oh Ruti, der aus dem Himmel stammt, ich habe das Maß nicht beschädigt.
      Oh, Dessen Augen aus Feuer bestehen, der aus Letopolis stammt, ich habe kein Unrecht begangen.
      Oh Flammender, der rückwärts herausgeht, ich habe keinen Gottesbesitz gestohlen.
      Oh Knochenbrecher, der aus Herakleopolis stammt, ich habe keine Lüge ausgesprochen.
      Oh, Umstürzender, der aus der geheimen Unterwelt hervorgegangen ist, ich habe nichts weggenommen.
      Oh, Flammensprießender, der aus Memphis stammt, ich war nicht nörgelig.
      Oh, Dessen Gesicht hinter ihm ist, der aus der Höhle der Überfahrt(?) stammt, ich habe nichts Essbares gestohlen.
      Oh, Höhlenbewohner, der aus dem Westen stammt, ich habe keinen Kornwucher begangen.
      Oh, Brennfuß, der aus der Dämmerung stammt, ich war nicht nachlässig.
      Oh, Weißzahn, der aus dem Fayum stammt, ich habe nicht gefrevelt.
      Oh, Blutfresser, der aus der Schlachtstätte stammt, ich habe kein Gottesrind geschlachtet.
      Oh, Eingeweidefresser, der aus dem Dreißiger-Gerichtshof stammt, ich habe nicht die Feldvermessung beeinträchtigt.
      Oh, Wahrhaftiger, der aus (dem Ort der) Beiden Maat stammt, ich habe nicht gelauscht.
      Oh, Irrender, der aus Bubastis stammt, ich war nicht geschwätzig.
      Oh, Glänzender, der aus Heliopolis stammt, ich habe nicht gestritten, es sei denn um meinen (eigenen) Besitz.
      Oh, Dessen Übel übel ist, der aus dem Gau von Busiris stammt, ich habe mit keinem Buhlknaben gebuhlt.
      Oh, Uamemti, der aus der Richtstätte stammt, ich habe keine Unzucht getrieben.
      Oh, Der sieht, was er holen wird, der aus dem Min-Tempel stammt, ich habe mit keiner verheirateten Frau geschlafen.
      Oh, Oberster der Großen, der aus dem Akazienheiligtum stammt, ich habe keinen Schrecken verbreitet.
      Oh, Herr von Letopolis, der aus dem Gau von Xois hervorgegangen ist, mein Ausspruch war nicht hitzig.
      Oh, (Du) mit gewaltiger Stimme, der aus dem Großen Heiligtum stammt, ich habe mich nicht vor der Rede der Gerechtigkeit taub gestellt ("mein Gesicht/Anschein taub gemacht").
      Oh, Kind, das aus dem Gau von Heliopolis stammt, ich habe keinem Anderen zugezwinkert.
      Oh, Finsterling, der aus der Finsternis stammt, ich habe nicht geschmäht.
      Oh, Bringer seines Opfers, der aus Sais stammt, ich war nicht gewalttätig.
      Oh, Meldestimme, der aus dem Wenes-See stammt, ich war nicht voreilig gesonnen.
      Oh, Herr der Gesichter, der aus Nedjefet stammt, ich habe nicht gegen meine Wesensart verstoßen und keinen Gott "gewaschen".
      Oh, Ankläger, der aus Utjenet stammt, ich war bei keiner Rede geschwätzig.
      Oh, Herr des Hörnerpaars, der aus Siut stammt, ich habe kein Unrecht begangen, obgleich ich Böses sah.
      Oh Nefertem, der aus Memphis stammt, ich habe keine Schmähung gegen den König ausgestoßen.
      Oh, Restvernichter, der aus Busiris stammt, ich habe mich nicht auf Wasser gelehnt.
      Oh, Der nach seinem Willen tut, der aus Antaioupolis(?) stammt, meine Stimme war nicht laut.
      Oh, Ihi, der aus dem Nun stammt, ich habe keinen Gott geschmäht.
      Oh, Der das Volk gedeihen läßt, ich habe mich nicht aufgeplustert.
      Oh, Verleiher von Gutem, der aus seinem Tempel stammt, ich habe keine Nachlässigkeit begangen.
      Oh, Neheb-kau, der aus seiner Höhle stammt, mein Bedarf war nicht groß, außer bei (meinem) Besitz.
      Oh, Trennkopf, der aus seinem Schrein stammt, kein Streit eines Gottes ist in mich (gedrungen).
      Oh, Dessen Arm holt, ich habe den Stadtgott nicht gelästert.

      Quelle: Das altägyptische Totenbuch-Ein digitales Textzeugenarchiv (Uni Bonn)



      Was mich heute interessieren würde, ist die Umsetzung in der heutigen Zeit, grade auch in Hinblick auf das Thema "Globalisierung" und den Fakt, dass wir zum Teil eigentlich (!) gar nicht alle Konsequenzen bis in das aller kleinste Detail nachvollziehen, durchdenken oder gar verhindern (!) könnten.
      Betrachte ich allein schon die Aussprüche:
      Ich habe keinen Armen an seinem Besitz verarmen lassen.
      Ich habe nichts getan, was die Götter verabscheuen.
      Ich habe kein Leid zugefügt.
      Ich habe nicht hungern lassen.
      Ich habe nicht zum Weinen gebracht.
      Ich habe nicht getötet.
      Ich habe niemands Leid verursacht.

      Fallen mir x-Dinge ein, mit denen "wir" dagegen verstoßen.
      Angefangen beim Luxus unserer Handys und PC´s, über einem (Groß)Teil unserer Lebensmittel (inkl. Wasser u.a. Getränke) und unserer Kleidung bis hin zur Kosmetik/Körperhygiene.
      Und die Liste lässt sich, wie gesagt, fortsetzen.
      "Wir" SIND (zumindest in unseren westlichen Ländern) für unsagbar viel Leid (mit)verantwortlich, auf Grund unserer Lebensstile, die sich nur z.T. (von uns selbst aktiv) ändern lassen.
      Viele Menschen wollen alles billig-billig-billig. Andere KÖNNEN nur billig-billig-billig, weil ihre eigenen Lebensumstände es nicht anders ermöglichen.
      Wir sind für Hungersnöte (mit)verantwortlich, für Vergiftungen, Mord und Totschlag.
      Wir sind dafür (mit)verantworlich, dass andere nicht von dem, was sie erwirtschaften leben können und dafür, dass in vielen Familien Leid an der Tagesordnung ist. Das Eltern ihre Kinder verkaufen (müssen) usw. usf.

      All das und noch viel mehr sind Konsequenzen unseres Handelns und unseres Denkens, mit denen Mensch im Prinzip vor den Totenrichtern und vor dem Herrn der Duat überhaupt nicht bestehen KANN.

      Zumindest betrachte ich das grad so, weil wir nicht (mehr?) abgekapselt vom Rest der Welt existieren, sondern sich alles gegenseitig beeinflusst.

      Nun würden mich aber Eure Sicht und Meinung zum Thema interessieren.


      LG
      Siat
      Von den Hohen erschaffen
      zu lernen, zu lehren, zu wachen
      Geboren in der Sterne Welten
      Wandern und wandeln sie
      Die Drachen
      ©Siat



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      ANB´s
      Ganz klar ein Thema das mir oft wichtig ist. Ich bin zu dem Schluß gekommen, daß ich eine gewisse Agression an den Tag legen muß, um zu überleben und einigermaßen komfortabel zu leben, die Kunst oder Kulturleistung aber darin besteht, den Schaden den ich anrichte zu minimieren.

      Den Großteil meiner Kleidung bekomme ich aus Kleidertauschaktionen und 2nd Hand - was nur deshalb funktioniert, weil viele Kaufen um auszusortieren.
      Unser Energieverbrauch liegt statistisch weit unten - obwohl zu oft Licht nicht ausgeschaltet wird oder ein CD-Spieler aus Stand-by-Betrieb läuft.
      Unterwegs kauf ich auch mal ein sinnlos durch die Gegend kutschiertes Mineralwasser, weil ich vergaß genug Leitungswasser mitzunehmen.
      Auf tierische Produkte verzichte ich vermeintlich - um dann festzustellen, daß Schweinegelantine im Schleifpapier und Kälberenzym im Apfelsaft verwendet wird. Seit ich Kinder habe, kann ich mir Bioware/Fair gehandeltes nur noch teilweise leisten.
      Ein heißes Bad ? Einerseits eine Umweltschweinerei, andererseits macht's mich wieder fit und schmerzfrei - und damit einsatzbereit als Mutter.
      Kompromisse an allen Ecken und Enden.

      Glücklicherweise sagt mir zuweilen ein Freund aus der Geiserwelt, daß ich mich mal locker machen soll.

      UND: Je ruhiger und unaufgeregter ich es betrachte merke ich, daß das was mir wirklich gut tut, ( zB in Sachen Ernährung) auch am verträglichsten für mein Umfeld ist.

      Fallen mir x-Dinge ein, mit denen "wir" dagegen verstoßen.
      Angefangen beim Luxus unserer Handys und PC´s, über einem (Groß)Teil unserer Lebensmittel (inkl. Wasser u.a. Getränke) und unserer Kleidung bis hin zur Kosmetik/Körperhygiene.
      Und die Liste lässt sich, wie gesagt, fortsetzen.
      "Wir" SIND (zumindest in unseren westlichen Ländern) für unsagbar viel Leid (mit)verantwortlich, auf Grund unserer Lebensstile, die sich nur z.T. (von uns selbst aktiv) ändern lassen.
      Viele Menschen wollen alles billig-billig-billig. Andere KÖNNEN nur billig-billig-billig, weil ihre eigenen Lebensumstände es nicht anders ermöglichen.
      Wir sind für Hungersnöte (mit)verantwortlich, für Vergiftungen, Mord und Totschlag.
      Wir sind dafür (mit)verantworlich, dass andere nicht von dem, was sie erwirtschaften leben können und dafür, dass in vielen Familien Leid an der Tagesordnung ist. Das Eltern ihre Kinder verkaufen (müssen) usw. usf.


      Das ist für mich eine Ansichtssache ob ich für das Leid anderer verantwortlich bin oder nicht... Man kann auch sagen: " Jeder ist seines Glückes eigener Schmied "... Jemand verkauft ein Produkt billig....das muss er ja nicht...jemand geht für fast nichts arbeiten...das muss er ja nicht..... Man könnte sogar denken,
      dass es besser ist Dinge aus Drittweltländern billig zu kaufen als gar nicht..so haben die da wenigstens eine kleine Verdienstmöglichkeit.... Ottonormalbürger tötet keinen Menschen oder stiehlt von den Armen um sich daran zu bereichern... Er lässt sich vlt. von jemanden übers Ohr hauen, der sich auf diese Art und Weise bereichert und lässt sich irgendwas andrehen, was er eigentlich sowieso nicht braucht...so gesehen wird er sogar zum Mitopfer... Die Täter dabei sind seelenlose und erbarmungslose Konstrukte.... Personen im juristischen Sinne schon... aber eben keine Menschen... sondern irgendwelche Kapitalgesellschaften... und die müssen sich vor keinen Gott verantworten...weil die haben halt keinen...
      Im obigen Text geht es um das ägyptische "Programm", was für den Gläubigen gut und richtig zu sein hat. Ähnliches findet sich in der einen oder anderen Form in jeder Religion. Vieles ist durch die Fülle oder Strenge der Regeln gar nicht einzuhalten. In der Bibel (AT) gibt es fast 700 sich teilweise widersprechende Regeln - was dafür sorgt, daß der Gläubige ständig ein schlechtes Gewissen hat. Psychologisch recht geschickt ... durch das Sündenbekenntnis und die priesterliche Vergebung (bzw. magische Tricks mit denen man die Götter übertölpeln will → Herzskarabäus/Ablass/Beichte/etc.) hält man die Leute in einer permanenten, psychischen Geiselhaft.

      Ein Regelwerk für regeltreues, sittliches und moralisches Verhalten ist zwar sinnvoll, lässt sich aber auch mißbrauchen.

      Ich sehe das inzwischen recht entspannt. Da meine Patchwork-Religion keine derartigen Ansprüche an mich stellt, bin ich nur meinem eigenen Gewissen unterworfen. Zwanghaft "gut" zu sein und den traditionellen oder zeitgeistgemäßen moralischen Erwartungen von diversen Interessengruppen (religiös, politisch, ökologisch, etc.) zu entsprechen ist gar nicht machbar. Je mehr jemand versucht, mir ein gewisses Verhalten überzustülpen, desto störrischer reagiere ich - bis ich aus Trotz vielleicht sogar mal das Gegenteil meiner persönlichen Überzeugungen mache, nur um diese Personen zu ärgern.

      Übrigens - gerade die durch unsere Spenden finanzierten, Hilfsorganisationen (unser moderner Ablasshandel) richten teilweise durch ihr gut gemeintes Handeln, einen recht beträchtlichen Schaden an. Unsere "Segnungen der Zivilisation", unsere recht einseitigen Ansichten, Vorstellungen und Sitten zerstören Gemeinwesen und ganze Völker. Ähnliche Probleme gibt es bei der staatlichen Entwicklungshilfe, die von unseren Steuergeldern bezahlt wird. Nicht nur der Kommerz ist schädlich, sondern oft auch der Ausgleich, der durch technische und monetäre Hilfe angestrebt wird. Dummerweise gibt es keinerlei Patentrezept, wie man diesen Teufelskreis zerbricht. Das ist ein sehr komplexes System (wenn auch dysfunktional), das sich selbst erhält - vor allem wegen vieler wohlmeinender Menschen, die das aber nicht merken. So funktioniert der Ablasshandel mit dem guten Gewissen eben: "Da hast Du Geld. Tu was Gutes damit, aber belästige mich nicht mit Details (bzw. erzähl mir eine nette Lüge)."

      Meine Geister sehen das auch eher locker und lachen mich aus, wenn ich mich unbewusst mal wieder fremdbestimmen lasse, weil ich glaube etwas "Gutes" zum Ausgleich für meine schädliche Existenz, meine moralisch angreifbaren Entscheidungen und Handlungen tun zu müssen.

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      Hüte dich vor Altruismus! Er basiert auf Selbstbetrug, der Wurzel allen Übels.

      Bist du versucht etwas zu tun, das nach "Altruismus" riecht, so durchleuchte deine Beweggründe und merze den Selbstbetrug aus. Bleibt dein Entschluss auch danach fest - bitte, nur hinein ins Vergnügen.
      Robert A. Heinlein
      Handle, ehe es da ist | Lenk es ehe es wirr wird | Der Weise geht zurück den Weg, den die Menschen gingen | um den Dingen zurückzuhelfen zu ihrer Natur | und wagt nur eines nicht: wider die Natur zu handeln.
      Jap, diese "Hilfsorganisationen" sind ein wichtiges und probates Mittel, um ein Land abhängig zu halten...Es lohnt z.b. einfach nicht als Bauer in den Reisanbau zu investieren, wenn man den Reis für quasi nix bekommen kann. Dauert nicht lange und das landwirtschaftliche Wissen ist ganz
      verloren... und falls jemand gegen "Regeln" verstößt und unbequem wird...dann wird die Futterkrippe halt erstmal geschlossen...
      Hallo zusammen,
      danke für Eure Meinungen bisher.
      Aber bevor es weiter zu Missverständnissen kommt, weils vielleicht gar nicht so rüber gekommen ist:
      Mir geht es hier um die tatsächliche Umsetzung der "Gebote" im kemetischen "Glaubensleben" (daher auch im Kemet-Unterforum gepostet ;) ), bzw. darum, wie ggf. mit dieser "Problematik", wie ich oben angedeutet habe, um gegangen wird, so man ägyptischen bzw. kemetischen Glaubens ist.

      LG
      Siat
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      ANB´s
      Na dann will ich mal schnell was zur kemetischen Sicht auf das negative Sündenbekenntnis sagen.
      Wenn man dieses Bekenntnis wörtlich nimmt wird auffallen dass es eigentlich unmöglich ist diese Beteuerung vor dem Totengericht abzugeben ohne dabei lügen zu müssen, denn genau genommen kann man als Mensch niemals frei von allen darin erwähnten Verfehlungen sein.

      Das ist aber nicht der Kern der Sache, denn das negative Sündenbekenntnis mit all seinen Punkten und Beteuerungen ist keine in Einzelpunkten abzuarbeitende Liste von "Do 's und Don't 's" (sieht das blöd aus wenn man's aufschreibt) sondern eher eine allgemeine Zusammenfassung von Richtig und Falsch, also so in etwa eine Kursvorgabe. Das fällt vor allen Dingen bei der zweiten Hälfte des Bekenntnisses auf.

      In der zweiten Hälfte werden die 42 Richter des Göttertribunals direkt angesprochen und jedem der Richter wird eine Sünde (!) verneint. Wenn man die Totentexte Kemets allerdings genauer betrachtet fällt auf, dass es eigentlich 84 Punkte sind die diese Sünden-Liste bilden und dass "nur" 42 davon vor das Tribunal getragen werden. Auch fragen die Richter diese Punkte nicht ab sondern der Verstorbene wählt selbst welche Sünde er ansprechen will und welche er lieber weglässt. Dabei fällt auch auf dass einige Punkte sogar mehrfach vorkommen können, dann nur etwas anders formuliert werden.

      Ja es mag auch richtig sein dass unser Tun hier, dank Globalisierung und der daraus resultierenden Reaktionskette Auswirkungen auf Menschen ganz woanders hat, und in den meisten Fällen sind diese Auswirkungen auch nicht gerade positiv, aber das Sündenbekenntnis sagt nicht "ich habe nicht diese und jene Kette ausgelöst", es spricht ganz deutlich von aktiv beeinflusstem Handeln. "Ich habe nicht getötet", bedeutet eben genau das und nicht "ich habe keine Kette ausgelöst in deren Verlauf jemand zu Tode kam".
      Die Punkte des Sündenbekenntnisses beschreiben das aktive Tun jedes Einzelnen unabhängig von den globalen Zusammenhängen, die dieser nicht oder nur selten beeinflussen kann.

      Auch darf das Sündenbekenntnis nicht als einzige moralische und ethische Richtschnur Kemets gesehen werden. Es ist im Prinzip der Schlußakt eines lebenslangen Weges der sich durch vielerlei Dinge maatgerecht gestalten lässt. Die Weisheitslehren Kemets sind da ein genauerer Ratgeber und Kompass was das richtige und falsche Handeln angeht, denn da wird auch erwähnt dass es den Göttern nicht wohlgefällig ist wenn man Handel mit Menschen treibt, die beispielsweise ihre Produkte durch unmenschliche Praktiken herstellen oder die bei der Produktion ihrer Waren die Umwelt schädigen. Das erwähnt das negative Sündenbekenntnis nicht.
      Die Weisheitslehren sagen viel deutlicher als diese eine Passage des Totenbuches worauf es genau ankommt.

      Was die "psychische Geiselhaft" angeht kann ich nur sagen dass ein Kemet zu Lebzeiten nicht von irgendwem danach gefragt wird ob er gemäß dieser Liste maatgerecht ist oder eben nicht. Das ist ein Ding nur zwischen ihm und den Göttern. Kein Richter urteilt in dieser Welt darüber.
      Demzufolge kann auch kein Priester oder sonst wer hier eine dieser Sünden vergeben oder zu einer bestimmten Sühne aufrufen.

      Der Herzskarabäus ist tatsächlich ein Mittel um beim Gericht zu "mogeln" und die Chancen etwas zu verbessern. Denn während der Verstorbene vor dem Tribunal seine 42 Punkte verneint wird bei jedem einzelnen dieser Punkte sein Herz gegen die Maat abgewogen. Das Herz weiß von jeder Verfehlung und wird beim Wägen gegen die Maat Zeugnis davon ablegen ob die Behauptung wahr ist oder nicht. Jedes Wägen wird aufgeschrieben und dann am Ende wird zusammengezählt. Leider weiß ich nicht wie viele Prozent man schaffen muss um zu bestehen. *g*

      Der Herzskarabäus trägt als Inschrift eine magische Formel, die das Herz dazu bewegt nicht gegen seinen Besitzer auszusagen. Allerdings hat meine Großmutter immer gesagt dass man damit nur einmal das Herz dazu bewegen kann vor Gericht zu lügen. Ob's stimmt? Keine Ahnung... ;)

      Auf jeden Fall sollte man das Sündenbekenntnis nicht zu wörtlich nehmen, sondern es eher als Richtschnur betrachten.
      Es sind eben keine "Gebote" wie diese Zehnerliste in der Bibel...