Hausgötter und Hauskult bei den Germanen

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      Hausgötter und Hauskult bei den Germanen

      Hallo,

      ich finde den römischen Hauskult mit seinen Penaten & Laten & Ahnen usw. superinteressant und würde auch gerne eine solche Verehrung pflegen. Gab es solche ähnlichen Rituale und Götter auch bei den Germanen? Mir fallen dazu spontan eigentlich nur die Alfen/Alfar aus älterer Zeit und die Hauskobolde/Wichtel aus jüngerer Zeit ein. Gibt es zu Ehren dieser Gottheiten/Geisterwesen überlieferte Rituale?

      Weil ich würde sehr gerne eine oder mehrer Gottheiten wirklich kultisch verehren auf regelmäßiger Basis. Dazu habe ich einiges über den Hauskult der Römer gelesen und das gefällt mir sehr gut. Vor allem auch weil ich bei den großen Göttern wie eben Jupiter, Juno, Minerva, usw... bei den Römern und Odin, Thor, Freyr, usw... bei den Germanen irgendwie den Eindruck habe, dass es sich da eher um eine Staats- bzw. um eine Gemeinschaftsangelegenheit handelte.
      Schon mal danke für die Antworten.

      Gruß,

      Maximillian
      Hi Maximillian,

      also grundsätzlich denke ich, dass dass es bei den historischen heidnischen Germanen auch soetwas wie einen Hauskult gab. Dass du den Eindruck hast, dass es sich bei der Verehrung der "großen Götter" eher um eine Art Staatskult gehandelt habe, mag mit der eher spärlichen Quellenlage einerseits und der gesellschaftlichen Struktur der heidnischen Germanen andererseits zusammenhängen. Ich betone "heidnische Germanen" deshalb, weil sich ein "richtiges germanisches Staatswesen" erst mit der "Übernahme" der zerfallenden römischen Reiches einerseits und der Annahme des Christentums andererseitsherausbildete.
      Vorher waren das eher bäuerliche Stammeskulturen. Es erscheint mir logisch, dass Feste und Opferungen, die in Verbindung mit den Belangen der Gemeinschaft standen, Aussaat, Ernte, kriegerische Auseinandersetzungen, aber auch stattfindende rechtsprechende Versammlungen wie das Thing, unter Anrufung der "großen Götter stattfanden und vom Hof-, Sippen- oder Stammesvorstand, je nachdem, ausgerichtet wurden.

      In schriftlichen Quellen über die Germanen sind dann auch eher solche Dinge erwähnt. Oder es gibt archäologische Quellen, die in Zusammenhang mit diesen Quellen gedeutet, zumindest die materiellen Hinterlassenschaften einiger dieser Opferungen zeigen. Es ist auch anzunehmen, dass in privaten Situationen auch private Opferungen stattfanden.

      Viele germanische Stammesangehörige dienten als Auxiliare in der römischen Armee und brachten kulturelle Einflüsse mit, manche Gebiete waren römische Provinzen. Das alles hatte auch Einfluss auf praktizierte Kulte.
      Von daher kann man ruhig Anleihen nehmen, um Lücken zu füllen, finde ich.

      Andererseits geht aus verschiedenen Quellen -z. B. das "kleine Volk", Wichtel usw. in der volkstümlichen Überlieferung, Landgeistern in den Islandsagas, oder Zwiesprache mit den Ahnen auf dem Grabhügel- hervor, dass die Beziehungen zum "kleinen Volk" wichtig, manchmal sogar existentiell sein können.

      Wichtig finde ich, mit diesen ganzen Wesen des eigenen Umfelds in "Kontakt" zu kommen. Das kann über kleine Opfergaben und bewusstes Wahrnehmen der jahreszeitlichen Vorgänge der eigenen Umgebung geschehen.Sozusagen die "Sprache des Landes" verstehen lernen. "Land" im Sinne von der Boden auf dem du stehst, die Landschaft, die dich umgibt und ernährt. "Land" soll hier nicht im politischen Sinn als nationales Konstrukt verstanden werden, und "Sprache" meint hier nicht die von den Menschen gesprochene Umgangssprache sondern den "Ausdruck" der Landgeister. Was macht die eigene Umgebung aus? Wie ist das Klima, mild, rauh, feucht, usw., welche Pflanzen und Tiere leben dort, welche menschlichen Kulturformen haben sich im Lauf der Zeit herausgebildet, wie "tickt" das Land? Wie "tickt" das Haus, in dem ich lebe? Usw


      Schatz fahr vorsichtig, hinter uns is Stau.

      "Die Nazis haben den Ruf der Nazis so versaut, dass nicht mal mehr Nazis Nazis sein wollen." Philip Meinhold

      Post was edited 2 times, last by “Wetterleuchten” ().

      Stimmt, der Brauch Essenstehen zu lassen, ist leicht umsetzbar. Wir machen das von Zeit zu Zeit, sehr zur Freude unserer Katzen. Die finden übrigens auch Milch-Sahne-Honig-Opfer an einen bestimten Hollerbusch ganz klasse :mrgreen:
      Wobei, wenn man ländlich wohnt, dann ist der Übergang von Opfer über Bewirtung zu leben und leben lassen ja eh eher fließend. Die Wesen seiner Umgebung zu achten, ob jetzt "geisterhaft" oder ganz konkrete Tiere, Pflanzen, Nachbarn usw. fördert auf jeden Fall ein harmonisches Gesamtklima, find ich.
      Den Hausgeistern stelle ich auch schon mal einen Teller Knabberzeug hin, wenn wir längere Zeit wegfahren, damit sie gut aufs Haus aufpassen.
      Schatz fahr vorsichtig, hinter uns is Stau.

      "Die Nazis haben den Ruf der Nazis so versaut, dass nicht mal mehr Nazis Nazis sein wollen." Philip Meinhold
      Überrascht hat mich ein Statement meiner Mutter, die nun wahrlich keinen Meter heidnisch unterwegs ist als es um Pfede ging, die sagte doch glatt Pferde isst man nicht die sind doch heilig ? Uff ja wie se drauf kommt sie ist in einer Gegend auf gewachsen, die dann mal von den deutschen Ordensrittern besiedelt wurde und hatte wenigstens von der einen Seite her die Ureinwohner diesen Landes als Vorfahren.

      Und denen waren ihre Gäule heilig, unter anderem eben auch deswegen ( also ganz praktisch!) weil man ohne Gaul nirgends schnell genug hinkam oder kein Feld pflügen konnte und weil das eben Landwirte bzw. Bauern waren.

      Leider leben meine Oma` s nimmer mit dem was ich heute an Fragen habe würde ich mich gerne nochmal mit ihnen unterhalten bzw. zuhören. Dabei hab ich wirklich vielen alten Oma s und Opa s zugehört scheint nicht genug. Ja und dann hat meine Mutter von nach dem Krieg erzählt und wo man dann nach stundemlangen Anstehen ein zwei Kilo Pferdefleisch bekommen konnte ( zum Essen ). Der Glaube richtet sich auch nach dem Hunger. Manchmal ist heilig eine Sache der Möglichkeiten die man so hat sich zu ernähren.

      lg fee
      >nunNUN(°>
      Papst Gregor III. hat 732 das essen von Pferdefleisch geächtet. Im Judentum ist es grundlegend geächtet.

      Pferde in der Landwirtschaft sind erst seit dem 9.Jh. belegt. Damals wurde ein entsprechendes Geschirr entwickelt.
      Schwere landwirtschaftl. Arbeiten wurden von Ochsen durchgeführt.

      Edit: Papstname falsch geschrieben
      wird schon werden

      Post was edited 2 times, last by “peregrinus” ().

      ah ja Danke,-
      blogs.faz.net/tierleben/2013/0…osse-empoerung-kommt-135/

      also grade so rum,- die Heiden aßen Pferd und die Christen sollten deswegen kein Pferd essen...wobei die Tabuisierung von Lebenssmitteln ja sowas von durchsichtig ist und aktuell auch bleibt.
      Nimmt unter Umständen auch sehr religiöse Züge an *g* ohne Götterbeteiligung.

      Fällt mir noch ein Brauch ein, um die Geister der Erde zu beschwichtigen gab s auch Tieropfer bei Häusern bei grösseren Häusern waren es dann,- soweit mir erinnerlich auch Menschen...auch quer durch die Weltgeschichte und Religionen.

      lg fee
      >nunNUN(°>
      eigentlich noch subtiler.

      731 wurde Bonifatius von Gregor II beauftragt Hessen und Thüringen zu christianisieren und da half dieses verbot schon mal ordentlich.
      Ein wenig Rückenwind aus Rom konnte jedenfalls nicht schaden.
      40 Jahre später zog dann Karl der Große ins heidnische Sachsenland und bekehrte dort auf eine ihm eigne Weise.
      wird schon werden

      Baboy wrote:

      Den Link hatte ich lange gesucht, über den brauch aus meiner alten Heimat.. Pferdeköpfe in den Dachgiebel zu hängen...das soll wohl ein Überbleibsel aus alter Zeit sein... Der "Haushalt" soll mit Wodan in Verbindung stehen ... Obs stimmt, wer weiß....


      Und die Sorben-Wenden bringen die Pferdeköpfe mit Swantevith in Verbindung.