Was ist Heidentum (für euch)?

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      Was ist Heidentum (für euch)?

      Hallo,

      dann will ich mal Corvinas Wunsch entsprechen und den "Was ist Kemet?"-Thread ein wenig entlasten.

      Das Thema "Was ist Heidentum?" gab's hier oder im alten Forum, so wie in jeglichem Heidenforum, schon oft, doch es macht immer wieder Spaß, darüber zu lesen und darüber zu schreiben.

      Ich stelle hier nun nur dar, wie ich das Heidentum verstanden habe. Ich denke, es ist ein sehr schwammiger Begriff und längst nicht so klar umrissen, wie beispielsweise der Begriff "Christentum". Zumal ja noch hinzukommt, dass die Moslems den Christen lange Zeit als Heiden galten, und auch die Katholiken den Protestanten lange Zeit als Heiden galten (und vice versa?). Ich, als selbsterklärte Heide, empfinde weder Moslems noch Katholiken als Heiden. Alles also eine Frage der Ansichtssache.

      Es scheint, dass die heidnischen Völker selbst keinen abgrenzenden Begriff für die jeweilige Religion hatten: man war Kelte/Germane/Römer, also betete man zu den keltischen/germanischen/römischen Göttern, bzw. zu den Göttern, die man von Hause aus kannte. Andere Völker beteten eben entweder ganz andere Götter an, oder eben die gleichen unter anderen Namen. Doch bei allen Völkern fanden sich ähnliche Bräuche: Orakel wurden befragt, Opfer wurden dargebracht, die Ahnen wurden verehrt.

      Religionsbegriffe tauchten gemeinsam mit den Mysterienkulten auf, so scheint mir: die Verehrer der Isis wurden Isiaki genannt, die des Mithras Mithraisten, die der Kybele Galli oder Galloi, ... und auch für die philosophischen Schulen gab es eigene Namen, zu Unterscheidung der anderen.

      Doch der Otto Normalheide verehrte wohl die ihm bekannten Götter und Geister und hatte keinen Grund, sich deswegen irgendwie anders zu benennen.

      Erst durch das Christentum war es dann wohl notwendig, zwischen Christen und Heiden/Hellenen zu unterscheiden. "Heide" war zunächst ein Schimpfwort und aus diesem Grund kann man es heutigen Heiden nachempfinden, wenn sie diese Bezeichnung ablehnen. Die meisten empfinden es allerdings nicht mehr als beleidigend, so scheint.


      Damit habe ich aber noch nichts dazu gesagt, was Heidentum denn (für mich) ist? Ich persönlich habe den Eindruck, dass es sich beim Heidentum eben um sämtliche religiöse und magische Praktiken nichtchristlicher bzw. nichtjüdischer bzw. nichtislamitischer Natur handelt. Ich glaube um ehrlich zu sein nicht, dass es wirklich so etwas wie die griechische, römische, germanische, keltische, slawische usw. Religion gab, sondern viel eher, dass es eine ganze Reihe an Kulten und Kultpraktiken gab, die neben einander existierten und von welchen einige eben von den örtlichen Autoritäten annerkannt (und subventioniert) waren, und andere nicht. Das bedeutet also, dass die heidnischen Religionen keine wirklich geschlossenen Systeme sind. Die Heiden selbst verhehlen dies nicht. Die Römer berichten, es sei ihr zweiter König gewesen, der die Staatsreligion eingestellt habe. Das heißt nicht, dass er die Kulte oder gar die Götter erfunden hat! Das heißt nur, dass er eine Wahl getroffen hat, welche Götter und welche Kulte offiziell anerkannt wurden. Daneben existierten noch genug andere Kulte (wie der Hauskult) die vielleicht nicht subventioniert wurden, doch trotzdem nicht als ketzerisch galten. Manchmal war dies schon der Fall: die Anbeter von Bacchus und Isis zum Beispiel wurden in Rom nicht immer tolereriert.

      Also: für mich ist sehr vieles Heidnisch. Es handelt sich in meinen Augen dabei um eine ganze Menge an Kulten, Kultpraktiken, Ritualen, Bräuchen, ... die nebeneinander existieren, und wovon einige offiziell anerkannt sind, andere inoffiziell, andere wiederum verpöhnt oder gar untersagt. Der Kult der zwölf Olympischen Götter ist zwar dominant doch war so in seiner Form von Anfang an auch nicht da sondern wurde von den Menschen zusammengetragen.

      Tja, es fehlt wahrscheinlich noch so einiges hier an meiner Aussage. Eigentlich gibt es auch nicht viel dazu zu sagen. Neben gemeinsamen ¨Bräuchen können sogesehen auch immer wieder neue private heidnische Bräuche entstehen, meist inspiriert von älteren oder ähnlichen.

      Ich lasse es jetzt mal bei dem hier.
      Gruß,
      Zornowski

      Zornowski wrote:

      Damit habe ich aber noch nichts dazu gesagt, was Heidentum denn (für mich) ist? Ich persönlich habe den Eindruck, dass es sich beim Heidentum eben um sämtliche religiöse und magische Praktiken nichtchristlicher bzw. nichtjüdischer bzw. nichtislamitischer Natur handelt.

      Also alle die nicht den drei abrahamitischen Buchreligionen folgen sind damit gemeint? Das heißt dann also dass nach deiner Ansicht Buddhisten, Schintoisten, Hindus etc. allesamt auch "Heiden" sind?

      Zornowski wrote:

      Das bedeutet also, dass die heidnischen Religionen keine wirklich geschlossenen Systeme sind.

      So ganz stimmt das nicht. Also ich geh mal wieder von uns aus und das System ist schon ziemlich in sich geschlossen. Es ist zwar nicht hermetische verriegelt und ab und an werden Gottheiten von außen eingebunden, auch heute noch, aber an sich ist es schon ziemlich geschlossen.

      Ich muss ehrlich zugeben dass ich selbst überhaupt keine Eigendefinition für "Heidentum" habe. Das Wort ist ne christliche Diffamierung und Schmähung für alle Nichtchristen. Warum sollte ich als Nichtchristin mich derartiger Worte bedienen, selbst wenn sie heute einen weicheren Klang haben als damals. Ich muss mich nicht über die Einstellung der Christen zu meinem Glauben definieren. Diesen ewigen Brückenschlag über das Christentum find ich "bei Heidens" eh sehr müßig. Definiert eure eigene Position doch über das was ihr seid und nicht immer über das was ihr nicht seid.
      Dieser ewige Abgrenzungswahn ist schwer verdaulich. Wir sind alle anders und unterscheiden uns voneinander. Die Gemeinsamkeiten zwischen den verschiedenen "heidnischen Religionen" halten sich doch arg in Grenzen. Das Einzige worin sich alle einig sind ist dass wir eben alle keine Christen sind. Bei den meisten anderen Punkten sieht's mit Gemeinsamkeiten meist schon wieder mau aus.

      Ich versteh aber auch nicht warum diese Unterschiede immer so schlecht gemacht werden.
      Wir haben wenig gemeinsam, na und... Ich hab nen anderen Glauben als du und das ist gut so. Dein Weg passt für dich und meiner für mich.
      (ist nicht an dich persönlich adressiert Zornovski sondern ne Verallgemeinerung)
      Ich seh es da genau so wie es in alter Zeit war und kann neben meinem Kult gut auch andere Kulte akzeptieren und tolerieren auch wenn ich selbst diese Götter nicht anbete. Religionen untereinander sind meines Erachtens schon intoleranter. Ich bezeichne Kemet auch nicht als Religion, es ist eine Kultgemeinschaft, auch wenn viele religionsethische Faktoren ne Rolle spielen geht's in erster Linie um den Kult und nicht um Ideologie.

      Neben meinem Kult kann es doch noch hunderte andere geben, ich bin ja nicht gezwungen auf allen Hochzeiten zu tanzen. Das einzige worauf ich Wert lege und was ich auch von allen anderen erwarte, ist dass mit allen Kulten und Göttern respektvoll umgegangen wird.
      Das ist auch einer der Gründe warum mir das in Heidenkreisen so beliebte Christenkloppen so missfällt, es ist einfach eine herablassende und arrogante Art und Weise einen anderen Glauben niederzumachen. Ein absolut respektloses Verhalten von denjenigen, die für sich selbst immerfort Respekt und öffentliche Anerkennung einfordern...

      Mit einem derart rüpelhaften Verhalten bekleckern sich "die Heiden" nicht wirklich mit Ruhm und obendrein macht dies es den "alteingesessenen Religionen" nicht gerade einfacher offen auf die paganen Kulte zuzugehen. Die ablehnende Haltung der breiten und vornehmlich christlichen Masse gegenüber "dem Heidentum" haben sich die, die sich selbst als Heiden bezeichnen durch ihr eigenes Auftreten oftmals selbst zuzuschreiben.

      Zornowski wrote:



      Das Thema "Was ist Heidentum?" gab's hier oder im alten Forum, so wie in jeglichem Heidenforum, schon oft, doch es macht immer wieder Spaß, darüber zu lesen und darüber zu schreiben.


      Danke für die gute und sachliche Einleitung! Ich finde auch, daß dieser "Klassiker" unter den Themen in einem solchen Diskussionsforum nicht fehlen sollte :)

      Der Frage "Was ist Heidentum" kann man sich aus zwei Richtungen nähern; einmal der historischen und ethymologischen Richtung, also woher stammt der Begriff, wann wurde er zum ersten Mal zur Abgrenzung genutzt, wer grenzte sich gegen wen damit ab und so weiter. Darauf werden wir mit Sicherheit noch das ein oder andere Mal in dieser Diskussion zurückkommen.

      Da die Überschrift aber auch lautet "Was ist Heidentum (für euch)" und in dem Forum "Heidnische Religionen, Weltanschauungen und Spiritualität HEUTE" steht, möchte ich mich zur Eröffnung dem Thema erst von dieser Seite nähern. Zugegebenermaßen ist dieser Ansatz provokativer und soll deshalb auch ein bißchen dabei helfen, diese Diskussion anzufeuern. Ich Böse ich. 8)

      Ich persönlich finde den Begriff "Heide" (oder auch "Pagan") insofern problematisch, weil er als Sammelbegriff für etwas dient, was eigentlich nicht unter einem Begriff zusammengefasst werden kann.

      Ich möchte das am Beispiel des Christentums deutlich machen.

      Eine Sammelbezeichnung "Heide" suggeriert in einer wie auch immer gearteten Weise eine Zusammengehörigkeit aller dazu gehörenden Strömungen, so wie man beispielsweise unter "Christentum" die römisch-katholische Kirche, die Protestanten, die Anglikaner und die Orthodoxen gleichermaßen zusammenfasst. Diesen Richtungen ist, bei allen theologischen und liturgischen Unterschieden, die Wurzel und eine Grundlehre gemeinsam. Insofern ist es legitim, sie alle unter dem Sammelbegriff "Christen" zusammenzufassen.- unabhängig von einer inhaltlichen Bewertung.

      Bei anderen Gruppen, die sich ebenfalls auf diesen Ursprung, auf Jesus, die Bibel und die Lehre berufen - wie Mormonen, Zeugen Jehovas, evangelikale Erweckungsbewegungen der wiedergeborene Christen und ähnliche Strömungen - ist die Zugehörigkeit zu diesem Sammelbegriff
      zumindest frag- und diskussionswürdig.

      Dennoch haben die letztgenannten Gruppen mehr mit den traditionellen Formen des Christentums gemeinsam, als manche Richtungen, die unter "Heiden" zusammengefasst werden, miteinander, die keine inhaltlichen Gemeinsamkeiten verbinden. Ja, einige heidnische Richtungen haben meiner Ansicht nach sogar mehr mit dem Christentum gemeinsam, als mit anderen heidnischen Richtungen (sic!).

      Was ich damit sagen möchte, ist, daß der Sammelbegriff "Heide" eine inhaltliche Zusammengehörigkeit suggeriert, die nicht gegeben ist. Die einzige Gemeinsamkeit, die sämtliche "heidnischen Strömungen" (Religionen, Weltanschauungen, was auch immer) miteinander verbindet, ist die Tatsache, daß es sich dabei nicht um Christen, Juden oder Moslems handelt.

      (Bevor es wieder zu begrifflichen Diskussionen kommt: Daß der Begriff "Heide" zur Zeit der Kreuzzüge speziell als Bezeichnung für die "Sarazenen", also Moslems, verwendet wurde, spielt hierbei keine Rolle; ich denke nicht, daß irgendein Moslem sich heutzutage zu den "Heiden" rechnen würde und in solchen Foren wie diesem verkehrt (außer natürlich interessehalber, was ihm unbenommen sei, aber nicht aus Selbstidentifikation mit der "paganen Bewegung".)

      Hindus sind sicher zu den Heiden zu rechnen, ebenso viele Buddhisten, die parallel lokale volksreligiöse Bräuche und Traditionen pflegen, sei es Shinto oder Bön oder ganz lokale Kulte ihrer Heimat. Insofern gibt es auch keine Abgrenzung "Heiden" vs. "Weltreligionen", sondern die Abgrenzung findet ganz explizit nur von den drei Religionen Christentum, Judentum und Islam statt.

      Hierbei spielt auch keine Rolle, daß das Judentum polytheistische Wurzeln hat und daß im frühen römisch-katholischen Christentum, das sich aus Heidenchristen (also ehemals heidnisch-polytheistischen Römern) entwickelte, nicht aus Judenchristen (wie in der Anfangszeit des Christentums im Nahen Osten), in den ersten Jahrhunderten der Entwicklung noch zahlreiche polytheistische Elemente enthalten waren, sowohl inhaltlicher wie kultischer Natur.
      Bis heute beinhaltet gerade das römisch-katholische Christentum zahlreiche polytheistische Elemente, die direkt auf die römische Antike zurückzuführen sind und kaum ihre Form (oder Funktion) verändert haben. Ein sehr schönes Beispiel sind die Heiligen, wie Maria, die Jesus an ihrer Brust stillt - es gibt nahezu identische Darstellungen aus der römischen Antike, die Isis mit dem Horuskind in der gleichen Position zeigen. Nach römischem Geschmack sind diese Darstellungen optisch schon völlig von ihrer ägyptischen Herkunft entkleidet und zeigen eine Isis im römisch-hellenischen Stil, die in keiner Kirche auffallen würde.

      Heutigen Heiden ist also nur gemeinsam, daß sie weder Christen noch Moslems noch Juden sind.
      Darüber hinaus gibt es natürlich innerhalb aller Religionen und Weltanschauungen, die dieser Definition entsprechen, welche, die sich untereinander näher stehen und mehr Gemeinsamkeiten miteinander haben (vor allem diejenigen, die sich als "Naturreligion" verstehen oder auf irgendeine Form Naturspiritualität berufen). Andere sind einander so fremd, wie Hindus dem Christentum oder Moslems den Wicca, obwohl sie gleichermaßen als Heiden gelten.

      Was ich so problematisch an dem (Wunschdenken entspringenden) vermeintlich monolithischen Block der "Heiden" finde, ist die Tatsache, daß innerhalb der heutigen Heidenszene von einem Grundkonsens ausgegangen wird, der so nicht existiert. Und zwar werden Gemeinsamkeiten oder sogar eine "Zusammengehörigkeit" aller Heiden postuliert, die so nicht der Realität entsprechen.

      Achtung, das trifft natürlich bei weitem nicht auf alle "Heiden" zu und ich möchte damit auch niemanden persönlich angreifen (falls sich jemand in diesem Forum auf den virtuellen Schlips getreten fühlt, dann ist es ausschließlich dieser inhaltlichen Debatte geschuldet). Ich möchte auf keinen Fall verallgemeinern, aber meine Beobachtungen oder Erfahrungen mit "der Heidenszene" an dieser Stelle doch zur Diskussion stellen. Ist ja schließlich ein Diskussionsforum :whistling:

      Denn (meiner Ansicht nach leider), ist dies ein Hauptproblem der heutigen Heiden bei der Darstellung des "Heidentums" in der Öffentlichkeit, daß diese Fraktionen die meiste Publicity generieren und ein (meiner Meinung nach) falsches Bild des "heutigen Heidentums" nach außen vermitteln. So ist es nicht verwunderlich, daß Heiden heute von der Mainstream-Öffentlichkeit gerne als Freaks, Eso-Spinner, Baum-Umarmer mit Trommeln, Klangschalen und Hirschgeweih abgetan werden.

      Daß "Heidentum" keine einheitliche Bewegung ist, daß es innerhalb dieses Schirmbegriffs vielfältige und teils sogar gegensätzliche Strömungen gibt und daß sozusagen "für jeden etwas dabei ist", geht dabei völlig unter und kommt nicht beim Publikum an. Deshalb sind jegliche Bestrebungen, für Toleranz in der Öffentlichkeit zu werben oder Aufklärung zu betreiben, auch von vornherein nicht sehr erfolgversprechend. Denn meist führt das, was als Heidentum präsentiert wird, doch eher zur Belustigung des nicht-heidnischen Publikums als zu einer ernsthaften Beschäftigung mit der Frage, ob das auch etwas für sie sei.

      Es wird zum Beispiel innerhalb der Heidenszene oft davon ausgegangen, daß Heidentum = Naturreligion ist.

      Das ist nicht der Fall. Bei weitem nicht jeder Heide ist naturreligiös, umweltbewegt, tierschutzbewegt, eins mit der Natur, schamanistisch interessiert, nimmt Kontakt zu Bäumen oder einem Krafttier auf, folgt dem Gaia-Prinzip oder hat den "Schutz von Mutter Erde" im Sinn. Ganz im Gegenteil. Es gibt zahlreiche religiöse Strömungen innerhalb des Heidentums, bei denen all diese Punkte keine zentrale Bedeutung haben und wo Anliegen wie Naturschutz oder Tierschutz rein persönlichen Interessen entspringen, jedoch keinerlei religiös begründete Grundlage haben.

      Es wird aber oft eine Erwartungshaltung an den Tag gelegt, daß der Heide an sich naturreligiös ist. Widerspricht man diesem Postulat, sollte man sich auf Flakfeuer einstellen.

      Oft gibt es Aussagen wie: "ich brauche keinen Tempel und keine Kirche, um meine Götter / Geister / die Natur / wen auch immer zu verehren, ich tue das an jedem See, Berg, Baum, Stein." Das ist ja auch vollkommen in Ordnung. Leider wird es aber häufig verallgemeinert und dann nach außen so dargestellt, daß "wir Heiden" alle naturreligiös sind und "im Gegensatz zu den Christen" unsere Götter nicht einsperren und keine Kirchen brauchen, weil unsere Götter allgegenwärtig sind. Das dient in erster Linie der von vielen Heiden oft aggressiv zur Schau gestellten Abgrenzung vom Christentum, von dem man sich mit Händen und Füßen distanzieren möchte, geht aber leider an der Realität vorbei, denn es trifft überhaupt nicht für alle Heiden zu.

      Gleiches gilt für Schamanismus, der heutzutage fast zu jeder guten heidnischen Strömung dazuzugehören scheint. Zur Klarstellung: ich habe überhaupt nichts gegen Schamanismus und gegen Menschen, die sich schamanisch betätigen. Ich bin privat gut mit einer freifliegenden Hexe befreundet, die intensive Erfahrungen mit Schamanismus macht und hat und höre mir ihre Erzählungen und Berichte ihrer schamanischen Reisen und Erfahrungen neutral-interessiert an.
      Das heißt aber nicht, daß jeder Heide automatisch auch einen Bezug zu Schamanismus oder schamanischen Praktiken oder Vorstellungen hat. Auch das ist etwas, das in der verallgemeinernden Selbstdefinition oft als Tatsache dargestellt wird: "Wir Heiden" sind nicht nur naturreligiös, wir kehren auch zu den urtümlichen Wurzeln unserer Ahnen zurück, die animistisch-schamanische Praktiken ausgeübt haben. Auch das entspricht natürlich nicht der Realität, wird nach außen aber leider häufig zu vermittelt, wobei die Vielzahl auf dem Eso-Markt angebotenen Schamanischen Trommelkurse, Reisen etc. nicht unschuldig sind.

      Ein drittes Klischee, das leider immer wieder als "Gemeinsamkeit" herhalten muß, ist, daß Heiden Magie praktizieren (sei es Naturmagie, rituelle Magie, Zeremonialmagie, Küchenmagie, Hexenmagie etc.). Man wird geradezu schräg angeschaut, wenn man keinen Schutzkreis zieht, bevor man ein Ritual durchführt und auch kein Pentagramm- oder das daraus abgeleitete Hammerritual durchführt oder immer ein Fläschchen Salz in der Tasche hat. Es wird geradezu als fahrlässig und gemeingefährlich betrachtet - wie kann man nur ein Ritual abhalten oder mit Göttern oder anderen Westen interagieren, ohne einen Schutzkreis zu ziehen!!!
      Dabei wird oft vergessen, daß das "magische Weltbild", das derartige Maßnahmen erfordert, auch nur eine Strömung innerhalb der Heidenszene ist und daß andere derartiges Denken gar für superstitio im römischen Sinne betrachten würden.
      Auch hier gilt: es gibt kein gemeinsames Weltbild und keine gemeinsame Lehre und keine gemeinsame kultische, rituelle oder magische Praxis innerhalb des Heidentums.

      Ich bekenne: Ich praktiziere keine Naturreligion. (Natürlich gibt es in der Religio Romana auch zahlreiche Elemente, in denen natürliche Orte eine Rolle spielen, wie die heiligen Quellen der Sirona und des Apollo-Grannus, dem Genius loci, den Lares compitales und dem Numen das (ganz ähnlich wie im Shinto) allen Dingen innewohnt. Das entspricht aber nicht der Definition einer Naturreligion, die Leute propagieren, die für eine Rückkehr in die heiligen Haine und eine Ablehnung der Verehrung in geschlossenen Räumen sind).

      Ich praktiziere keinerlei Form von Schamanismus. Ich habe kein Krafttier (oder kenne es zumindest nicht, aus Sicht von Schamanen). Ich praktiziere keine Magie. Ich ziehe keine Schutzkreise.

      Es erweckt für mich häufig den Eindruck, daß man händeringend ein gemeinsames verbindendes Element sucht, um sich als "die Heiden" gegen "die Christen" abgrenzen und darüber eine Selbstdefinition zu finden, die es so nicht geben kann. Es gibt nicht "die Heiden". Es gibt zahlreiche religiöse Strömungen, die nicht-christlich, nicht-jüdisch und nicht-muslimisch sind. Sie haben aber nicht zwangsläufig etwas miteinander zu tun.
      Sie sind streng genommen nicht einmal alle polytheistisch; genauso gibt es unter den Heiden welche, die pantheistisch sind, kosmotheistisch oder dualistische Glaubensvorstellungen haben oder die sich sogar nur auf eine Gottheit fixieren oder alle Gottheiten als eine betrachten. So fällt selbst dieses vermeintliche verbindende Element flach, denn es gibt so viele Gottesvorstellungen und Vorstellungen von Naturwesen, wie es Heiden gibt.

      Auch der letzte verbindende Punkt aller Heiden, die Abgrenzung gegen das Christentum, kann ich nicht als verbindendes Element akzeptieren, das identitätsstiftend wäre oder auch nur eine Zusammenfassung aller Heiden zu einer Gruppe rechtfertigen würde.

      Mir fällt in der heidnischen Szene oft unangenehm der aggressive und despektierliche Grundton auf, der gegenüber Christen an den Tag gelegt wird (ein gutes Beispiel ist der hiesige Mattusek-Thread in diesem Forum). Oft gehört es zur Selbstdefinition der Heiden, daß sie "die Religion unserer Ahnen praktizieren, die von den Christen mit Feuer und Schwert ausgerottet wurde". Es herrscht eine oft erschreckend simplifizierende, reduzierte und inhaltlich falsche Vorstellung vor, wie sich das Christentum in Europa verbreitete. Bei vielen Heiden definiert sich ihr Heidentum quasi nur als Reaktionskult auf das Christentum, was insbesondere häufig in heidnisch-germanischen Kreisen zu beobachten ist (ich betone, es gibt auch hier natürlich vollkommen vernünftige, historisch gut informierte Leute, die die Sache differenziert sehen!).

      Dennoch ist es so, daß viele Heiden in Bezug auf das Christentum freiwillig und offensichtlich mit großer Inbrunst die Position des "Entrechteten" einnehmen - sei es, daß die bösen christlichen Missionare "ihre lebenfeindliche Religion in die heiligen Haine brachten und die Germanen (wahlweise Kelten, Slawen etc.) zwangsbekehrten", sei es, daß man als Hexe und Weise Frau auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde.

      Es erweckt den Eindruck, daß man als stillschweigenden Kompromiss, um eine gemeinsame Identität aller Heiden zu stiften, einen besonders einigenden Punkt gefunden hat: ein gemeinsames Feindbild, denn nichts einigt mehr, wenn man ansonsten nichts gemeinsam hat. So wird dann schnell - bei allen Unterschieden und Differenzen, die zwischen den einzelnen heidnischen Gruppen herrschen - in dieser Frage gerne ein Schulterschluß vorgenommen.

      Leider funktioniert aber selbst dieser Punkt nicht, um "die Heiden" als eine Gruppe mit einem gemeinsamen Merkmal zu vereinen. Denn - so unerhört und schockierend das auch klingen mag - es gibt Heiden, die ein entspanntes Verhältnis zum Christentum haben (nochmal sic!).

      Wir in der Religio Romana gehören dazu. Als römische Rekonstruktionisten ist uns die Bedeutung des (römisch-katholischen) Christentums aus seinen heidnischen Wurzeln als ein römischer Mysterienkult unter vielen sehr bewußt. Das Christentum, als späterer römischer Staatskult, ist eine sehr wichtige, nicht zu unterschätzende Quelle, denn das römisch-katholische Christentum ist heutzutage tatsächlich die einzige ununterbrochene Traditionslinie, die bis in das Römische Reich zurückgeht. Vieles an Kult und Liturgie (zumindest bis zum 2. Vatikanischen Konzil) erlaubt direkte Einblicke in die antiken Vorstellungen. Ich habe deshalb auch kein Problem damit, in eine Kirche zu gehen, dort eine Kerze vor dem Standbild eines Heiligen anzuzünden, was genauso wie das Weihwasser am Eingang oder die "Maria hat geholfen"-Votivtafeln in vielen Kirchen originär-römische Bräuche sind, die es schon im römischen Heidentum gab.

      Betrachtet man also die verbindenden Elemente, die "die Heiden heute" ausmachen, so finde ich leider - außer, daß sie keine Christen, Juden und Moslems sind - keine objektiven Gemeinsamkeiten. Gleichzeitig werden Gemeinsamkeiten propagiert und stark an die Öffentlichkeit vermittelt, die es so nicht gibt (Naturreligiösität, Schulterschluß gegen das Christentum, das die Religion unserer Ahnen ausgelöscht hat, allgemeines Interesse an Magie und Schamanismus).

      Einzelne Gruppen machen natürlich hervorragende und sachliche Öffentlichkeitsarbeit und stellen ihre Religion in einer Weise vor, die nicht-spinnert herüberkommt. Leider aber finden diese Aktivitäten immer nur lokal und in begrenztem Rahmen statt, während die öffentlichkeitswirksamen Zurschaustellungen "des Heidentums" einen dazu verleiten, das Wort "Heide" zur Selbstdefinition so weit wie möglich zu vermeiden.

      Um also eine Antwort auf Zornowskis eingangs gestellte Frage zu geben: Ich bin zwar weder Christ, noch Jude, noch Moslem. Aber ich vermeide es ebenso, mich "den Heiden" zuzuordnen, die es meiner Ansicht nach nicht gibt - außer in einer verqueren und nicht sehr tiefschürfenden Selbstdefinition als "die, die keine Christen, Juden und Moslems sind".

      Da die neu-heidnische Bewegung sehr viel Wildwuchs, Kurioses und Merkwürdiges hervorgebracht hat, das stark öffentlich propagiert wird, hat der Begriff "Heide" für mich eine negative Konnotation bekommen, so daß ich ihn für mich selbst vermeide und nicht, wie viele andere, stolz wie ein Schild vor mir hertrage. Wofür auch, ich bin nicht auf Feldzug oder Kreuzzug gegen die Christenheit oder wen auch immer.

      Wenn mich jemand fragt, sage ich, daß ich die Religio Romana praktiziere (oder CDR, Cultus Deorum Romanorum, wie wir auch sagen) oder, je nach Diskussionspartner, polytheistisch-römischen Rekonstruktionismus. Das erkläre ich dann auch gerne. Ich muß aber nicht jede Diskussion erst einmal ausschweifend damit beginnen, mich davon zu distanzieren, Natur- und Göttinnenspiritualität zu praktizieren, im Wald zu trommeln oder christenfeindlich zu sein, als wenn ich es müßte, wenn ich einem Unbedarften sagen würde: "ich bin römischer Heide".

      Das ist der Grund, warum "Heidentum" für mich kein positiv besetzter Begriff ist, den ich gerne für mich selbst verwende. Gleichzeitig waren das meine 2 Cents zur Diskussion.

      Nun laßt Brot und Spiele beginnen! ;)

      Valete optime!
      Corvina


      Edit: Typo

      Post was edited 1 time, last by “Corvina” ().

      @ hi all Ihr lieben Heiden und Nichtmehrdazugehörwollheiden etc.

      es ist eine gute Idee sich über das zu definieren was Ich *bin* anstatt aufzuzählen was ich warum und weshalb nicht bin. Zumal es wesentlich kürzer kommt zu sagen was ich bin.

      Allerdings habe ich nach der letzten Diskussion darüber, wie ich mich definiere und ob das wohl auch alles so ist wie ich das sage, keine Lust mehr mich auf überhaupt eine Weise vorzustellen. Mich mit der Angabe meiner Religionszugehörigkeit vorzustellen,- also auf die Idee müsst ich erst noch kommen. Hi ich bin die fee ich bin ? Heide? Wäre es nun mein Problem, dass sich jemand schon ein ( vllt auch ! ) völlig falsches Bild von "Heide" gemacht hat?

      Bin ich tatsächlich dafür verantwortlich wie HEIDE in der Öffentlichkeit ankommt. Oder was sich hinzundkunz unter Heide vorstellen. Wieviel Wichtigkeit es für den einzenen Heiden spielt ob er nun als zugehörig zu x erkannt wird oder nicht ist auch verschieden. Nun unabhängig, dass ich mich nicht unter Angabe meiner Weltsicht vorstelle, hat das auch etwas damit zu tun wie sehr und ob ich an einer Aussenwirkung interessiert bin.

      Ja die Herren und Damen mit den Hirschgeweihen, fremdschämen *grins scheint ein Thema zu sein, huch nein bloss net sowas peinliches. Und dann *die* mit ihren geschlossenen Tempeln und mysteriösen magischen Ritualen und die pöhsen Christenbasher und diese ganzen anderen Intoleranzien.

      Ja das war und ist für mich nach wie vor ein Grund zu sagen:
      Her mit diesem bunten vielfältigen und chaotischen Heidentum mit allen seine Verücktheiten seinen Anmassungen seinen Ritualen und schamanischen Tendenzen seinen Unzurechnungsfähigkeiten esotherischen Schwurbeleien und seine Traditionslinien seinen Unterschieden, Gleichheiten und allem was dazu zugehört: "Kaleidokop". Seiner unendlichen Göttervielfalt und den geistigen Welten (von drei bis neun bis unendlich viele) Ungebrochene Kreativität und Magische Momente en masse und gleichzeitig auch Platz für die ganz genauen wissenschaftlich orientierten auf Beweise scharfen Leuts.

      Ich welchem anderen Biotop findet sich solche Vielfalt? na klar auch bei Christens gibt es Vielfalt. Nur ist dort unter dem Begriff Christentum, wie das Corvina sehr schön ausgeführt hat, sehr viel mehr Gleichklang vorhanden.

      Jawoll, es gibt das Heidentum garnicht, und? was beweist das? Ein Füllhorn an Heidentümmern gibt es. Ich mag das.


      lg fee
      >nunNUN(°>

      fee wrote:


      Allerdings habe ich nach der letzten Diskussion darüber, wie ich mich definiere und ob das wohl auch alles so ist wie ich das sage, keine Lust mehr mich auf überhaupt eine Weise vorzustellen. Mich mit der Angabe meiner Religionszugehörigkeit vorzustellen,- also auf die Idee müsst ich erst noch kommen. Hi ich bin die fee ich bin ?


      Lol, nur daß kein Mißverständnis aufkommt... ich laufe auch nicht im Alltag durch die Gegend und sage: "Mein Name ist Quinta Albia Corvina und ich praktiziere Religio Romana" :P

      Das ist natürlich nur relevant im Rahmen von thematischen Diskussionen (z.B. wenn man direkt danach gefragt wird, oder im Rahmen eines "Heidentreffens") oder in einem anderen Kontext, wo es die Anwesenden überhaupt interessiert. Meine Arbeitskollegen, die Leute an der Bahnhaltestelle oder im Supermarkt verschone ich damit ebenso wie entfernte Bekannte in der Kneipe, die sich lieber über Musik unterhalten wollen und Religion eher öde finden.

      Meine Eltern wissen Bescheid, da sie, wenn sie zu Besuch kommen, das große Lararium und das Sacrarium sehen, das ich übrigens zusammen mit meinem Schwiegervater gebaut habe, aber auch da muß ich ihnen weder Informationen aufnötigen noch sie damit zutexten. Zitat meines Vaters: "Was Du immer mit Deinen Römern hast..." und damit hat sich das Thema. Meine Mutter liest gerne in unserem Blog.

      Also keine Spur von aufdringlichem Mitteilungsbedürfnis. Nur falls der Eindruck entstanden sein sollte ;)
      Corvina, ich kann leider nur einmal den "Gefällt mir"-Button drücken, obwohl ich ihn bei deinem Beitrag drücken möchte, bis er quietscht und meine Finger wund werden.

      Weiß gar nicht wo ich ansetzen soll mit meiner Zustimmung.
      In Kemet verhält sich das nämlich ganz ähnlich. Wir sind keine Naturreligion, sondern eine Kulturreligion. Obwohl die Natur auch bei uns ein wichtiger Faktor ist, ist sie dennoch nicht das non plus ultra.
      Ich trommle nicht, streu kein Salz, zieh keine Kreise, usw... Ich hab zwar schon mal nen Baum umarmt, aber nicht weil das in meinem Glauben ne Rolle spielt, sondern weil ne Freundin (auch ne Freifliegerin) zu mir gesagt hat "fühl mal". Naja und ich fühlte...

      Auch hab ich absolut null Probleme mit dem Christentum und ehrlich gesagt geh ich sogar recht gern mal in eine Kirche.
      Oder der Islam, hier in Duisburg gibt's eine tolle Moschee, die man Montags auch als Nichtmuslim besuchen kann. ditib-du.de/
      Ich kanns nur empfehlen.
      Wie schon mehrfach gesagt wurde haben wir Kemeten zu den "bösen Abrahamiten" wohl ein durchaus entspannteres Verhältnis als zu mancher heidnischen Strömung. Da werden wir ja ob unserer unübersehbaren Unterschiede zu den im "Heidentum" oft recht dominanten naturreligiösen Gruppen ebenso gern ausgegrenzt und angefeindet wie das pöhse, pöhse Christentum.

      Also ich hab nicht das Gefühl zu einer "Gemeinschaft der Heiden" dazuzugehören. Definitiv nicht.
      Ich seh auch keine solche Gemeinschaft, da die Gruppe, die sich als "Heiden" bezeichnet, außer dass sie eben allesamt keine Abrahamiten sind, nichts aber auch gar nichts miteinander gemeinsam haben. Ich seh mehr Parallelen zwischen Kemeten und Katholiken als beispielsweise zwischen Kemeten und Schamanen oder den Anhängern der nordischen Religionen.

      Dieser Zusammenschluss der "Heiden" unter dem Deckmantel dieses schwammigen Sammelbegriffes hat eigentlich null Bindemittel, da keine Gemeinsamkeiten vorhanden sind. Dennoch pochen die meisten heidnischen Strömungen auf diesen melting pot "Heidentum". Damit der überhaupt irgendwie funktioniert instrumentalisiert man eben dieses überstrapazierte und künstlich geschaffene gemeinsame Feindbild des Christentums.
      Das an sich ist ja nicht schlimm (also das zusammenschließen, das zusammen einschießen auf einen gemeinsamen Feind find ich persönlich sogar ziemlich blöd, aber das ist nur meine ganz private Meinung), zeigt aber wieder den Drang der "Heidenszene" Dinge gleichmachen zu wollen, die nicht gleich sind. Warum sie das tun, dazu hab ich meine ganz eigene Theorie, aber die behalt ich besser für mich, sonst gibt's wieder Flakfeuer. *lach*

      Corvina, danke nochmal für deinen wahrlich aufbauenden Beitrag.
      Schön zu sehen dass wir Kemeten doch nicht allein sind mit dieser Einstellung.
      @

      ich finde es eben mehr als merkwürden Christen ( ich kenne und mag welche sehr gerne und nicht obwohl sondern auch gerade wegen ihren Glaubens) immer so seperat ausgespart werden (beim bashen) aber alles was ein Geweih hat oder sich esotherisch vergnügt oder was sich in irgendeiner anderen freifliegenden oder einfach nur intereligiös betätigt ist zack aussen vor und darf beliebig ab be und verwertet werden. Wird, wenn ich das nun recht verstehe, auch unter dem abgelegt was *Heidentum* ist und wo man sich doch besser iwie distanzieren sollte ?

      Ich meine für mich ist das was manch einer so tut ( Bei Heidens ) auch recht unverständlich selbst wenn es eine noch so lange und ernste Tradition ist und ganz wichtig ist, so ist doch auch jedem anderen Menschen seine Sicht der Dinge und der Welt wichtig. Ist doch so.

      Wieso sollen die einen nicht Krafttierreisen machen und Kreise ziehen und hermetische Rituale abhalten die anderen haben ihre geschlossene Gemeinschaft und ein anderes Selbstverständnis und gut ist? Ist diese Abgrenzerei für irgendwas gut ausser für einen anscheinend sehr ernst genommenen Gruppenzusammenhalt?

      Dafür habe ich Verständnis, sehr sogar und gleichzeitig verstehe ich die von aussen nach drinnen drängenden Menschen, die zu einer solchen Gemeinschaft um jeden Preis dazugehören möchten und sich genau grade damit anscheinend böse in die Nesseln gesetzt haben.

      Es ist einfach nur ein missverstandenes Nein,- Das Nein eines Hohen Priesters der für die kosmische Weltordnung (zu Gunsten der Götter) Nein sagen muss! wird persönlich genommen und das Nein wird als Nein zur Person interpretiert,- ein unsagbar grosses Leid, weil die Menschen die aussen vor den Toren stehen dieses Verständnis von Religion garnicht mehr teilen können, das nicht mehr in der Gesellschaft tradiert/verankert ist.

      @ paseba

      verstehst Du was ich meine? WIR hier draussen ohne Kemet verstehen es nicht besser, *g* Du bist auf diese eine Art priviligiert weil Du (so vermute ich) in diesem Kontext aufgewachsen bist und dieses andere Götterverständnis "in Dir" hast.

      Jetzt haben Menschen aber die Sehnsucht nach etwas Grösserem und zu etwas Grösserem dazu zu gehören, dann seh ich "hach" das "Heidentum" ein Baum der die ganze Welt umspannt in dem alles, wirklich alles Platz hat. (ist mir doch mit meiner Sehnsucht sowas von egal, dass es eine Illusion ist) naja so ist das, und so war das auch bei mir...eine Heimat, ein ZuHause ein dazugehören.

      @

      Es relativiert sich mit der Zeit. Leider es wird flacher und die ersten Zweifel schleichen sich ein man ( ich auch ) also ich dachte es sei viel naturreligiöser, dann stelle ich fest ach nee doch nicht, dann denkt man naja sie sind magischer und verstehen Magie ach nee auch das nicht aber sie legen doch bestimmt Karten ( *g*) nein zu esotherisch, bestimmt sind sie tolerant nein sie beissen dich raus aus dem Kreis. sie ziehen Kreise es sind Hermetiker...aber nein doch sie fangen am anderen Ende an den Kreis zu ziehen, aber sie kennen Planetenenergien...uff der Mond ist das was Nachts am Himmel leuchtet bestimmt haben sie Ahnung von Naturheilmitteln wie die alden Druiden,- nee sie werfen Antibiotika ein und kennen Pilze nur aus der Jägersosse.

      Naja also werden aus vielen Heiden Grüppchen und dann wieder Individuen, es ist auch ein Prozess und den gehen manche Heiden bis sie entweder mal Heiden "waren" und dann nur noch die tollen Metrezepte kochen oder eben bei einer netten Gruppe landen mit denen sich ein gute Zeit verleben lässt oder oder oder.

      Trotzdem ist meine Meinung, dass es ohne Bindemittel und ohne wirkliche Zusammenhänge dieses *Heidentum* gibt, wabernd, unverifizierbar, schwammig, kreativ chaotisch und gut. :D Und bitte wer sich dazu zählen möchte soll das auch einfach tun und die tun das einfach,- so wie ich die Heiden kenne.


      so ungefähr eben, lg fee
      >nunNUN(°>
      Hi hi

      Danke für die Beteiligung!!!

      Heidnische Einheit: wenn ich von dem Schwammbegriff Heidentum rede, dann meine ich damit zum Beispiel: wenn Neferure oder Merienptah von Kemet sprechen bzw. Corvina von der Religio Romana und den dazugehörigen Bräuchen und Verfahren etc., dann erinnert dies mich auch an meine Traditionen, wenngleich diese inhaltlich anders sind und zu Ehren anderer Götter geschehen, trotzdem ähneln sie sich sehr und lösen sie die gleichen Gefühle aus. Jedenfalls habe ich so das Gefühl. Bei Kemet und beim Cultus Deorum Romanum war nun schon die Rede von der Pflege der “väterlichen” (oder “mütterlichen”) Traditionen, und genauso kenne ich es auch aus meiner Kulturreligion.



      Wenn ich von einem offenen System spreche, meine ich damit nicht, dass man einfach mal machen kann, was man will und lustig alles zusammenwürfeln kann. Ich meinte damit, dass diese Religion nicht ganz so fest und klar definiert ist, wie bei den Glaubensreligionen. Ich meine mich zu erinnern, dass Herodot meinte, dass nur Isis und Osiris von allen Ägyptern gleichermaßen verehrt wurden und dass andere Götter nur ortsbedingte Verehrung genossen. Okay, er war Grieche und kontte das vielleicht nicht ganz nachempfinden, aber denkbar ist es doch schon, dass z.B. nicht jeder Ägypter oder egal welcher “heidnische” Mensch nun sämtliche Götter seines Kulturkreises gleichermaßen ehrte, oder dass der eine eher die Geister eines Baches aufsuchte, der andere wiederum bestimmte in Bäumen hausende Numnina. Manche opferten ihren Gottheiten täglich, andere einmal wöchentlich usw. Klar: wie genau die Riten von Statten gingen, das war überliefert und daran versuchte man sich zu halten, damit sie auch wirkten und die Numina auch aktiviert wurden. Was ich mit offen und unsystematisch meinte, war eben, dass das eine Nachbardorf schon wieder ganz andere Bräuche haben konnte, als das nächste…obwohl beide zur gleichen Kultur oder zur gleichen Sprachgruppe gehören.



      Ja, für mich zählen auch Shintos und Hindus zum Schwammbegriff “Heide”.



      Was naturreligiös anbelangt, so habe ich mir die Woche auch mal dazu Gedanken gemacht: eigentlich war die uralte “steinzeitliche” Verehrung von Gottheiten und Geistern, welche die Natur beherrschen sollten, doch eher ein erster Schritt in Richtung der Unterwerfung (und Ausbeutung) der Natur, und hat damit wenig mit dem zu tun, was heute “gepredigt” wird in Sachen Heidentum und Natur. Aber das ist nur so ein Gedanke.



      Wie gesagt: die Gemeinsamkeiten sah und sehe ich eben in Elementen wie Vielgötterei, Orthopraxis (“väterliche/mütterliche Sitten”), Opferkult, Orakel, Fetishe, usw. Das mit der Magie ärgert mich auch ein wenig, denn eigentlich war sie vom Staatskult, jedenfalls vom römischen, ebenso verpöhnt, wie später von der Kirche: die Religion bat die Götter um etwas, die Magie zwingt die Götter zu etwas. Allerdings gehörte die Magie zum damaligen Volksglauben.



      Ich selbst antworte, wenn ich nach meiner Religion befragt werde, dass ich Anhänger der alten Bräuche bin.

      Gruß
      Polytheist
      Hallo fee,

      ich versteh dich sogar sehr gut und ehrlich, ich freue mich aus tiefstem Herzen wenn das "wabernde, unverifizierbare, schwammige, kreativ chaotische und gute Heidentum" dir einen Platz, eine Heimat und ein Zuhause bieten kann. Hab ja nicht gesagt dass "das Heidentum", also dieser undefinierbare Schmelztiegel von Glaubensrichtungen verschiedenster Art etwas schlechtes ist. Wenn ich so denken würde wäre ich nicht hier und mir wärs redlich Schnuppe womit Heidens sich so tagein tagaus beschäftigen und was sie so umtreibt.
      Sicher kann diese große Masse von Menschen, die ja doch irgendetwas miteinander verbindet, vollkommen gleich was da nun genau der Kitt ist der das Ganze zusammenhält, eine Art Geborgenheit und das Gefühl der Zugehörigkeit bieten; einen sicheren, wenn auch manchmal etwas sturmgepeitschten Hafen in dem man sich angekommen und gut aufgehoben fühlt und eben nicht mehr mit seinen Gedanken, Gefühlen und religiösen Ansichten allein ist.

      Ich denke es spielt auch eine nicht unwichtige Rolle von welchem Ursprungspunkt aus man diesen Hafen erreicht. Wenn ich da von Kemet aus hier ankomme, welches an sich schon selbst ein gut geschützter Hafen ist, und mir ein tragendes und wohliges Netz der Geborgenheit und der Zusammengehörigkeit bietet und mein sicheres Zuhause ist, dann muss ich sagen dass mir im Vergleich dazu "der Heidenhafen" ein recht stürmischer und ungemütlicher Ankerplatz ist.
      Dir erscheinen von deinem Standpunkt aus die Gemeinsamkeiten größer als die Unterschiede oder wichtiger, mir, der ich Ruhe und familiären Zusammenhalt schon aus meinem Hafen gewohnt bin, erscheint "das Heidentum" wie ein chaotischer, unkontrollierter Haufen von Raufbolden, die sich permanent über jeden "Furz" (t'schuldigung) in die Köppe kriegen. Immerhin auch ne Gemeinsamkeit *g*
      Ich seh halt weniger Zusammenhalt und Gemeinsamkeiten im "Heidentum", wahrscheinlich weil diese Faktoren in Kemet selbst stärker ausgeprägt sind als hier. Wir sind bereits ne tragende und wie mit Pech und Schwefel zusammengepappte Gemeinschaft die mir von all dem was dir diese große nicht genau definierte Heidenmasse bietet so viel mehr bietet als das was ich hier bekomme.

      Meine Religion lehrt mich beispielsweise Toleranz und Respekt allen anderen entgegenzubringen, auch wenn ich ihre Ansichten nicht teile. Das gelingt mir sicher nicht immer, ich bin auch nur ein Mensch aber ich bemühe mich dennoch redlich.
      Ich hab aber festgestellt dass "Heidens" das gerne etwas anders handhaben und relativ leicht das oben erwähnte "Flakfeuer" eröffnen, wenn man nicht so tickt wie "Heidens" es gerne hätten. Die anderen Kemeten und ich sind ja nicht nur hier in diesem Forum schon bös angegangen und beschimpft und beleidigt worden weil sich Kemet eben doch schon ziemlich deutlich vom "heidnischen Mainstream" unterscheidet. Derartige Intoleranz und Respektlosigkeit bin ich nicht gewohnt und das verunsichert und verärgert mich auch oft.
      Ich wollte ja nicht mal hier ins neue PanPagan zurückkommen, weil ich eigentlich nach den ganzen Anfeindungen der letzten Jahre auf einen gemütlichen Plauderkreis am heidnischen Herdfeuer nicht die geringste Lust mehr hatte.
      Und was hat mich doch wieder hierhergetrieben? Genau das!!!
      Ich bin zurückgekommen weil ich es nicht mehr mit ansehen konnte wie ein einzelner, der hier das Fähnchen für Kemet in den doch recht starken Wind gehalten hat, die geballte Verbaldresche für uns alleine einstecken muss.
      Dann noch festzustellen dass genau diese Dresche von anderen kemetischen Glaubensgemeinschaften, die es ja im "Heidentum" durchaus gibt, kommt war das aller höchste. Und das nur weil die moderneren liberaleren Kemeten mit unserer traditionelleren und strikteren Art ein Problem haben.

      Mich dann noch zum großen Kreis der Heiden dazugehörig zu fühlen fällt mir da doch schon ziemlich schwer. Ich selbst vermeide den Ausdruck "Heide" auch so gut ich kann wenn ich nach meiner Glaubensrichtung gefragt werde, weil ich mich nicht mit dieser neuheidnischen Zankkultur und der ewig endlosen Abgrenzungsorgie identifiziere.

      Ich bin nicht ich weil ich nicht du bin; ich bin ich weil ich ich bin. Verstehst du?
      Du bist gut wie du bist und ich bin gut wie ich bin. Ich muss nicht mit dir oder anderen Glaubensrichtungen, ob nun Heide oder was auch immer, einer Meinung sein um respektvoll mit dir umzugehen. Mir muss dein Weltbild und deine Sicht der Dinge nicht mal ansatzweise gefallen. Das ist völlig unwichtig solange ich auf Augenhöhe mit dir agiere.
      Im Gegenzug dazu wird man von "Heidens" gern von oben herab behandelt. Damit meine ich nicht nur wie man mit uns umgeht sondern ganz allgemein...
      Die eine Gruppe lästert über die "Baumkuschler", was ist das Problem, lasst sie doch so viele Bäume umarmen wie sie mögen. Weder nehmen sie noch irgendein Baum Schaden daran. Die nächste Gruppe macht sich über Schamanen lustig, die nächste hat die Freiflieger aufm Kieker, eine andere hat's Kartenlegen und Magie zum no go erklärt... usw...
      Das ist so.... ungemütlich, unheimelig, kalt, arrogant und einfach nur banal albern. Ich seh halt keine große Gruppe die gemeinsam "das Heidentum" bildet. Ich seh nur sehr viele kleine Grüppchen, die sich untereinander nicht mal sonderlich zu mögen scheinen, die zusammen unter einem Dach, auf dem fett "HEIDENTUM" geschrieben steht vor dem Unwetter der "Außenwelt" Schutz suchen, diesen Schutz aber immer wieder durch ihr Gezänk untereinander selbst torpedieren.

      Dann aber begegnen mit unter den Heiden auch wenige einzelne Menschen, derer ich mich so freue sie habe kennenlernen zu dürfen und mit denen mir der Austausch so viel gibt, selbst wenn man nicht über religiöse Inhalte redet.
      Und diese paar wenigen sind der Grund warum ich bleibe obwohl ich nicht der Meinung bin dazuzugehören.