Was genau ist Kemet?

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      Guten Morgen,

      dazu:
      Hier wäre für mich sehr interessant zu erfahren, wodurch sich die Priesterschaft definiert und wie die Einweihung bzw. Weitergabe der Tradition funktioniert. Wenn es eine bestehende Gruppe gibt, wie wird dann einer aus dieser Gruppe zum Priester bestimmt, gibt es eine höhere Autorität oder gar jemanden, der innerhalb des Kemet gruppenübergreifend eine "Hohepriesterfunktion" innehat, der dann in den lokalen Gruppen den örtlichen Priester bestimmt? Oder existiert jede Gruppe als Zelle für sich in ihrem eigenen lokalen Tempel und hat ihren eigenen Priester?

      …kann ich etwas mehr sagen als Paseba.
      Die Priesterschaft rekrutiert sich größtenteils aus bereits bestehenden Priesterfamilien, weil es da einfach Tradition ist, dass eines oder mehrere Familienmitglieder den Priesterdienst aufnehmen und diese Tradition fortführen. Die übrigen Priester werden, wie Paseba schon sagte aus den Tempelschulen heraus nach der „kemetischen Grundausbildung“ entsprechend ihren persönlichen Fähigkeiten herausgefiltert und dann priesterlich ausgebildet.

      Diese priesterliche Ausbildung dauert nach Abschluß der Schreiberschule in etwa noch weitere 5 Jahre. Danach muss eine Prüfung abgelegt werden und sofern diese bestanden wird, kann man zum Tempeldienst herangezogen werden. An sich ganz einfach.

      Hohepriester. Ja, kein Wort welches mir gefällt, aber diese Institution gibt’s bei uns sogar in verschiedenen „Dienstgraden“.
      Also allein das Wort Priester darf man nicht im Sinne von Betbruder oder Mönch oder ähnlichem verstehen. Ich weiß nicht ob das hier schon mal erklärt wurde.
      Unser Wort "Gottesdiener" gefällt mir da schon besser, weil‘s deutlicher macht worum es eigentlich geht. Die Kultarbeit und die Ritualhandlungen nehmen nur einen kleinen Teil der priesterlichen Dienstzeit in Anspruch. Die Hauptaufgaben liegen eher bei Verwaltung, Schreibdienst, Archivarbeit, Opferzuteilung, Instandhaltung, Koordination der Abläufe in der Tempelschule, Unterrichten der Schüler, Materialbeschaffung, Einlagerung, Gartenarbeit, uvm…

      Dieser ganze Dienst muss organisiert, koordiniert und gelenkt werden also sind „Hohepriester“ notwendig. Bestimmte Ritualhandlungen dürfen beispielsweise nur von den „ersten Gottesdienern“ ausgeführt werden. Das ist also nur ein notwendiger Dienstgrad von vielen innerhalb der Priesterschaft. In etwa wie ein Abteilungsleiter in einem Konzern.

      Lokale Gruppen. Dem Nisut direkt unterstellt sind die Oberpriester der fünf Haupttempel, (übrigens nicht nur im Pott!) diesen Tempeln sind wiederum kleinere Tempel angegliedert und diese verwalten dann jeweils noch weitere Schreine. Genauso organisiert sich auch die zentrale Opferzuteilung, die vom Nisut aus an die Haupttempel und von diesen dann wiederum an die weiteren Tempel verteilt wird. Das ergibt ein gut organisiertes und zentral verwaltetes Netzwerk. In den einzelnen Tempeln dienen je nach Größe eine gewisse Anzahl an Priestern im Rotationsprinzip.
      Untereinander werden jeweils im Viermonatsturnus einige Priester ausgetauscht, das stellt eine bessere persönliche Vernetzung auch über größere Distanzen hinweg sicher.

      Und was nun die Priester angeht sind sie allesamt, vom Laienpriester bis hin zu den Oberpriestern der Haupttempel, legitimierte Stellvertreter des Nisut im Tempeldienst und werden von ihm in ihre jeweiligen Ämter berufen. Ohne diese Zentralverwaltung würde das ganze System nicht funktionieren.
      Den Rest versuche ich später zu beantworten…

      A.
      BTW: Da ich den Düsseldorfer Tempel verwalte, den du so gerne als den 80er-Hansel-Tempel im Pott bezeichnest. (übrigens sinds 84 und Düsseldorf ist Rheinland, nicht Pott - da bin isch wat eijen) weiß ich, dass du bei M. angefragt hast, ob du bei uns an einer Opferung teilnehmen kannst. Die Antwort war wie unschwer zu erraten ist "Nein"...

      Wenn mich nicht alles täuscht hat man dir als Interessiertem sogar angeboten an einer der Neujahrsopferungen teilzunehmen da diese nicht im Tempel sondern am Rhein stattfindet worauf du nicht weiter eingegangen bist.

      Schön bei den Fakten bleiben.
      Aber ich meine auch gelesen zu haben, dass diese sinnfreie Diskussion nicht weiter hier in der Öffentlichkeit ausgetragen werden sollte.

      A.
      Hi Chao,

      ich tippe bei der Traditionslinie eher auf Ägyptologie- bzw. Antiken"mode" sowie den damals allseits beliebten Logengründungen. Die Zeitangabe 18. Jh. legt das nahe. ;) Und damit wären sie so "uraltägyptisch" wie ein damals gegründeter Druidenorden eben nicht "urkeltisch". Was ja nichts schlimmes ist und außerdem jetzt reine Spekulation meinerseits und keine Art von "Gütesiegel". Aber es hilft beim einordnen, es ist halt nicht das "historische Kemet", das spätestens mit den Ptolemäern unterging.
      Was anderes wäre die Authentizität der zur Rekonstruktion des historischen spirituellen Kemets genutzen historischen Quellen und da scheint es ja einige nutzbare zu geben, dank der historischen Wissenschaften. Wenn also einer Anspruch auf "Kemet" erhebt, dann muss er diese Quellen auch offen legen können. Und damit erinnert mich die ganze leidige Geschichte an den Club einer GG, die eine Traditionslinie bis ins 19. Jh vorweisen kann und der der Alleinvertretungszahn gezogen wurde. Die leidige allseits bekannte Geschichte. Und da das eine sehr schmerzhafte und langwierige Angelegenheit war mit vielen Wunden auf allen Seiten, pass auf dich auf.


      @ Liebe Kemeten und vor allem Merienptah,

      danke für die Aufklärung, dass "Kemet", wenn hier von Kemet die Rede ist, "euer Kemet" meint und keine 4000 Jahre ungebrochene Tradition. Dieser Eindruck mag in letzter Zeit hier entstanden sein und ist falsch, das wissen wir jetzt, und damit kann ich ich vieles was hier geschrieben wird und wurde viel besser einordnen.
      Schatz fahr vorsichtig, hinter uns is Stau.

      "Die Nazis haben den Ruf der Nazis so versaut, dass nicht mal mehr Nazis Nazis sein wollen." Philip Meinhold
      @ Chao:
      Ich habe Dir bereits auf FB geschrieben, dass meine Wertung auf meinen persönlichen, sehr unschönen Erfahrungen mit S. beruhen, und das mit einer von Dir interpretierten Loyalität ggü. Meri und "seiner" Gemeinschaft daher soviel zu tun hat, wie eine Kuh mit Schlittschuhlaufen.
      Aus diesem Grund nehme ich für mich auch überhaupt nicht in Anspruch, der "Dame" ggü. neutral zu sein/sein zu wollen.

      Wenn Dir das intellektuell zu hoch ist, diese Unterschiede zu verstehen, kann ich Dir leider nicht helfen. Das ist Dein Problem.


      @ Wetterleuchten:
      Nein. WIR wissen erst mal recht wenig. Wenn Du den Schluß für Dich ziehst, sei Dir das unbenommen, aber für uns alle zu sprechen, geht dann doch etwas zu weit. ;)


      LG
      Siat
      Von den Hohen erschaffen
      zu lernen, zu lehren, zu wachen
      Geboren in der Sterne Welten
      Wandern und wandeln sie
      Die Drachen
      ©Siat



      Forenregeln
      ANB´s
      Ich hielt diese Schlussfolgerung für logisch und selbstverständlich will ich nicht für alle sprechen, klar.
      Für mich ist die Schlussfolgerung übrigens nach wie vor logisch und naheliegend. Und nein, ich will mich darüber nicht streiten.
      Und ich persönlich ziehe für mich den Schluss, dass es dieser rekonstruktionistischen Richtung in Bezug auf Nachprüfbarkeit und Transparenz nicht anders geht als anderen rekonstruktionistischen Richtungen auch. Und dass Pommes-und-Cola vs. "Richtig"-Vergleiche mit ein wenig mehr belegbar sein müssen als einer Position innerhalb der eigenen Glaubensgemeinschaft.
      Schatz fahr vorsichtig, hinter uns is Stau.

      "Die Nazis haben den Ruf der Nazis so versaut, dass nicht mal mehr Nazis Nazis sein wollen." Philip Meinhold

      Siat wrote:

      Hallo zusammen, danke für das Zurückkehren aufs Thema und Eure Postings, Amenhotep und Corvina.]


      Keine Ursache :) Da das Thema dieses Threads lautet "was genau ist Kemet" und da ich diese Frage spannend finde, weil ich mich mit Kemet nicht auskenne, finde ich es interessanter, Fragen zum Thema zu stellen und Antworten zu bekommen, als sich über Personalien und interne Differenzen zu streiten. Hier steht dann eh Aussage gegen Aussage, ein Außenstehender kann nicht beurteilen, wer Recht hat, wer wem Unrecht tut, und zur allgemeinen Diskussion trägt es gar nichts bei, jedenfalls nicht für den dahergelaufenen Forenbesucher (wie mich) ;).


      Das liegt (nach meiner eigenen Beobachtung!) weniger an einer vermeintlichen Unsicherheit gegenüber den eigenen Quellen als viel mehr an den Erfahrungen, die Meri und einige andere in der Inet-Welt (z.T. auch in der älteren Inkarnation unseres Forums) so gemacht haben.
      Ich kann gut verstehen, dass einem da die Lust vergeht und auch der Argwohn gegenüber Fremden sehr stark zunimmt, wenn zu den "Erlebnissen" online auch noch mit Menschen aus einer Online-Community ziemlich üble Erfahrungen gesammelt wurden.

      Spielt also so einiges rein, was online und in real life so gelaufen ist (wie gesagt, hier oder auch wohl in anderen Foren) und was man als Neuling (nicht bös gemeint, aber Meri ist schon einige Jahre Mitglied im Forum und wir haben daher schon so einiges miteinander erlebt ;) ) logischer Weise nicht überblicken kann.
      Der Eindruck, den Du oben schilderst, mag sich dabei sicherlich aufdrängen, aber ich es geht am "Kern des Problems" (wenn man es so bezeichnen möchte) vermutlich etwas vorbei :) .


      Da hast Du vollkommen Recht, das kann ich als Außenstehende nicht beurteilen, die ich die persönliche Geschichte und Konflikte, die es hier oder in anderen Foren gegeben haben mag, nicht kenne. Deshalb kann ich nur schreiben, wie es subjektiv auf mich wirkt. Kann natürlich vollkommen an der Realität vorbeigehen. Aber das hast Du jetzt ja auch gut aufgeklärt.

      Entschuldige, aber ein wenig musste ich darüber lachen, weil ich es schön fände, wenn es so wäre, aber es doch etwas an der Realität vorbei geht.
      Es gibt leider unzählige Menschen, die über etwas zetern, schimpfen, es nieder oder schlecht machen, diffamieren oder sonst was, wovon sie gar keine Ahnung haben oder schlicht falsch informiert sind.
      Zetern um des Zeterns Willen ist leider auch in den vielen heidnischen Strömungen nix Neues und Unbekanntes.


      Ich korrigiere meine Aussage. Es sollte (in einer idealen Welt) so sein, daß man nur dann über etwas schimpft und zetert, wenn man weiß, worüber man schimpft oder zetert. Über etwas zu schimpfen und zu zetern, über das man keine Ahnung hat, geht meist eh nach hinten los 8)

      Aber Deinen Satz sollten sich so einige fett ausdrucken und häufiger am Tag mal draufgucken :) .


      Bitte, bitte! Ich trete gerne alle Rechte ab und erlaube die beliebig häufige Reproduktion!

      Valete optime!
      Corvina

      Edit: Formatierung

      Paseba wrote:

      Also da versuche ich mal drauf zu antworten, soweit ich das kann.


      Vielen Dank für Deine ausführlichen Antworten, Paseba! Ich bin sehr positiv überrascht, daß Ihr meine Fragen direkt und sogar relativ ausführlich beantwortet habt. Damit hätte ich nach all den Vorwürfen der Geheimniskrämerei nicht gerechnet :P So ganz top secret ist das alles also gar nicht...

      Meine persönliche Meinung, wenn ich versuche einen Glauben mit Quellen und Beweisen zu untermauern, brauch ich keinen Glauben mehr, denn dann wird er eine Wissenschaft. Religion lässt sich doch weder beweisen noch widerlegen.


      Hier bin ich (wie man sich denken kann) entschieden anderer Meinung. Bzw. ich finde Deine Formulierung unzutreffend. Wir "Römer", die wir fanatische Quellenstudien betreiben, sowohl schriftlicher als auch praktischer Natur vor Ort, sehr penibel darauf achten, Authentisches aus der Antike von Modernem oder Rekonstruiertem zu trennen etc. machen das nicht, um unseren "Glauben mit Beweisen zu untermauern". Auch wollen wir unsere Religion nicht beweisen.

      Ich muß den Thread deshalb leider für einen kurzen Moment ins off-topic entführen, aber es dient ja auch als Diskussiongrundlage und dem Verständnis dessen, was Ihr glaubt oder an Überlieferungen habt. Achtung. Es folgt ein vehementer Widerspruch 8) .

      Wir sind in der Religio Romana bestrebt, die vorchristliche-polytheistische Religion zu praktizieren, die bis ins 3. bis 4. Jahrhundert hier, in dem Land, in dem wir heute leben, praktiziert wurde (in unserem Fall also der gallo-römische Cultus).
      Wenn es so viele Quellen gibt, zum Beispiel über religiöse Praktiken, über die Natur der Laren, über Details der Durchführung der Auspizien, über die Einrichtung und den Gebrauch eines Larariums (das auch heute das Kernelement der Sacra Privata ist), über die unterschiedlichen Götter, welche Götter mit welchen lokalen Göttern synkretisiert wurden, wen man aus welchen Gründen anrief, wie die Tempel genutzt wurden, wie und welche Opfer in der Sacra Privata und der Sacra Publica (dem Staatskult) dargebracht wurden, wem man was opferte, wer wie opferte, wie man einen Vertrag mit den Göttern einging, was zum Beispiel bei einer Evocatio geschah, in deren Rahmen Götter fremder Völker und Kulturen in den römischen Pantheon "herübergezogen" wurden etc.... wenn ich also über all diese Details (und vieles mehr, das den Rahmen hier sprengen würde), ausführliche schriftliche, bildliche oder stoffliche Quellen habe - warum um alles in der Welt sollte ich diese ignorieren mit dem Verweis darauf, dann hätte das ja nichts mehr mit "Glauben" zu tun und mir stattdessen irgendetwas ausdenken, was ich schön und römisch finde - nur weil ich glaube, daß Religion keine "Beweise" braucht, weil sie dann nichts mehr mit Glauben zu tun hat?

      Diesen Gedankengang finde ich unlogisch und kann ihn nicht nachvollziehen; ich freue mich lieber daran, daß in unserer Religion so viele Details überliefert sind und unsere Quellenlage definitiv die beste der ganzen Antike ist. Nur weil ich z.B. von Cicero und Plinius, Petronius, Plutarch und Cato weiß, wie der Larenkult praktiziert wurde und Millionen von Menschen es genauso viele Jahrhunderte lang praktiziert haben, werfe ich das nicht weg und sage, "nee danke, ich muß das nicht beweisen, daß der Larenkult genau so und so gemacht wurde, denn dann hat das ja nichts mit Glauben zu tun."

      Ganz im Gegenteil. Ich kann mir sicher sein, daß meine Kultpraxis so durchgeführt wird, wie es schon immer war und wie es - aus römischer Sicht - richtig und damit wirkungsvoll ist. Das ist in einer orthopraktischen Religion wie der Religio Romana von fundamentaler Wichtigkeit, da sie über kein orthodoxes Lehrgebäude oder eine dogmatische Theologie verfügt und deswegen sehr konzentriert ist auf korrekte Form und praktische Durchführung der Kulthandlungen ist (die die Voraussetzungen für das "Geschäft" oder den "Vertrag" mit den Göttern sind, mit denen man im Rahmen des Do ut des interagiert). Die Religio Romana kennt deswegen auch keine Vorschriften bezüglich der "großen Fragen", wie man sich z.B. die Natur der Götter vorzustellen hat oder wie das Jenseits ist. Das war und ist schon immer Privatsache; wer sich für solche Fragen interessierte, studierte die alten Philosophen, deren Themen das waren. Ansonsten machte man sich selbst ein Bild oder ließ es sein, da es für die Kultpraxis keinerlei Belang hat.

      Gute Kenntnisse der Quellen und wie die römische Religion in der Antike praktiziert wurde, haben rein gar nichts damit zu tun, daß man dadurch weniger glaubt oder nicht so religiös wäre wie jemand, der gerade das glaubt, was er sich selbst so vorstellt und sich ein "freifliegendes" Bild von Göttern, Natur, Naturwesen oder Jenseits macht.
      Ein Anhänger einer "Selfmade-Religion", oder jemand, der aus tiefstem Herzen daran glaubt, daß es Einhörner gibt oder der jeden Tag mit den Feen in der Anderswelt tanzt oder der regelmäßig Kontakt mit seinem Krafttier aufnimmt und daraus Kraft und Energie schöpft, ist nicht religiöser und es hat nicht mehr mit Religion zu tun, weil er sich auf keine schriftliche Grundlage beruft, sondern nur darauf, was ihm ein Lehrer beigebracht hat, was in seiner Gruppe praktiziert wird oder was er sich selbst im Kämmerlein zusammenreimt. Das eine hat nicht mehr mit "Glauben" zu tun als das andere und auch nicht mit "Beweisen".

      Ich muß niemandem "beweisen", daß die Römer den Larenkult praktizierten und es auch nicht verteidigen, das ist nicht der Grund, warum unsereins Quellen studiert.

      Und bevor Mißverständnisse aufkommen: diese Aussagen waren jetzt nicht despektierlich gegenüber Anhängern von "freifliegenden" Religionen, Schamanismus, Feenkult oder Naturreligionen gemeint; sie dienten nur der Illustration meiner Worte. Also, Ihr mußtet nur als Beispiel herhalten. Jeder kann in meinen Augen gerne glauben, was er möchte, selbst an die Kleinen Grünen Männchen (ganz im Gegenteil fände ich es spannend, mehr darüber zu erfahren und darüber eines Tages in einem Thread zu lesen ;) )


      Hier werden ja keine Quellen für unseren Glauben verlangt, man fordert Beweise von uns die dem Interessierten unseren Geschichtsverlauf darlegen. Ich halts für unwichtig weil da explizit ein gesondertes Augenmerk auf die Funktionsweise und die innere Struktur der kemetischen Hierarchie gelegt wird, die dem modernen Weltbild oft nicht in den Kram passt und deswegen gerne als Zielpunkt für Attacken ausgewählt wird.

      Wie Siat schon sagte, haben wir hier und in mehreren anderen Foren im Laufe der letzten, weiß nicht, 5-8 Jahre vielleicht schlechte bis sehr schlechte Erfahrungen sammeln dürfen. Deswegen haben wir mittlerweile fast überall unsere Präsenz aufgegeben und uns wieder zurückgezogen. Wenn man immer nur angefeindet wird, vergeht einem auch die Lust auf Kommunikation mit der Außenwelt.


      Wenn das ein wiederkehrendes Problem ist und sich seit Jahren an unterschiedlichen Orten mit den gleichen Mustern immer wiederholt, dann solltet Ihr mal dringend mit Eurer Marketingabteilung sprechen ;)

      Mal im Ernst, liegt es wirklich an der Tatsache, daß Ihr intern hierarisch strukturiert seid, was als Hauptaufhänger beim Wettern gegen den Kemetismus genutzt wird? Es gibt so vieles an so vielen Religionen, auch an anderen heidnischen Richtungen, die nicht "in das moderne Weltbild" passen.

      Wie eine Glaubensgemeinschaft sich intern strukturiert, ob es einen alleinherrschenden Hohepriester, einen Allhersjagoden, einen gleichberechtigen Rat, eine routierende Führungsspitze, einen Obersten Thetan oder eine Basisdemokratie gibt, ist mir doch sowas von egal - solange derjenige mir als Außenstehend nicht sagen will, was ich zu tun, zu denken und zu lassen habe, betrifft mich das nicht und beeinträchtigt auch nicht mein Wohlbefinden.
      Und wenn mir das persönlich gefällt und ich bereit bin oder den Sinn darin sehe, daß in meiner Glaubensgemeinschaft jemand das Sagen hat und ich mich ihm aus freiem Willen unterordne, dann ist das mein gutes Recht. Selbst wenn ich mich dazu entschließe, Tempelsklave zu werden, dann ist das allein meine eigene Sache und ich würde dieses vertreten und keine Angriffsfläche bieten.
      Wenn ich so etwas nicht möchte und die Autorität nicht akzeptieren will, bin ich in der falschen Gruppe.

      Was die Leute in ihren eigenen vier Wänden oder eigenen Tempeln treiben, ist mir vollkommen egal, so lange sie ihren Glauben oder ihre Gesellschaftsordnung nicht anderen aufdrücken wollen, die damit nichts zu tun haben. Das scheint bei Euch aber nicht der Fall zu sein, ich fühle mich zumindest bislang nicht von Eurer hierarchisch-autoritären Struktur bedroht. 8)


      Deswegen sicher auch das emotional etwas aufgeladene Posting von Amenhotep vermute ich. Das war mit Abstand der längste Monolog, den er in den letzten Jahren überhaupt gehalten hat, würd ich mal behaupten. *g*
      Der ganze Thread hier ist eh schon emotional sehr aufgeladen, weil wir und insbesondere Merienptah, gerade mal wieder völlig grundlos angegriffen wurden.


      Deshalb bin ich ja auch davon ausgegangen, daß Amenhoteps kleiner Ausrutscher gegen die "blökende Masse mit den Sandförmchen" sich nicht gegen unsereins, die wir die Öffentlichkeit nicht scheuen, richtete, sondern nur unglücklich formuliert war.


      Und ich geh mal davon aus dass unser gesprochenes Kemetisch auch mittlerweile recht weit von Original entfernt ist. Die Kopten in Ägypten, die ja auch eine Spätform der altägyptischen Sprache sprechen, können sich nicht so ohne weiteres mit uns unterhalten. Sind wohl zwei "Dialekte" die sich im Laufe der Zeit ganz schön auseinanderentwickelt haben.
      Also wir unterscheiden uns schon vom Kemet von vor 2000 oder mehr Jahren.


      Um mal wieder mit meinen lästigen Fragen zum Thema zu kommen... es gibt ja auch Versuche, andere alte/antike Sprachen zu modernisieren und in die Gegenwart zu übertragen, um sie (zumindest im liturgischen Kontext) zu nutzen. Die rekonstruktionistischen Kelten versuchen dieses ja auch seit einiger Zeit mit "Neu-Gallisch". Ich bin sprachlich immer sehr interessiert, weshalb ich gerne wissen würde, wo man das moderne Kemetisch lernt (ist es z.B. ein Teilgebiet der Ägyptologie im Bereich der Sprachwissenschaften oder wird es, wie das Neu-Gallisch, in Privat-Initiative unter privater Beteiligung und Engagement von Wissenschaftlern (dort Keltologen und Ethnologen, bei Euch wahrscheinlich Ägyptologen) entwickelt oder gelehrt?


      Die Transparenz die du ansprichst, ist in Kemet schon mal von Vornherein unmöglich. Ihr in der Religio Romana macht öffentliche Opferungen und Weihungen wie du gesagt hast. Das entspricht ja auch, soweit ich weiß, eurer Tradition. Eure Opferungen fanden vor den Tempeln statt und waren öffentliche Anlässe zu denen "das Volk" zugelassen und sogar erwünscht und eingebunden war.
      Kemetische Opferungen finden im Inneren der Tempel statt und "das Volk",ist dabei nicht zugelassen. Es wird sogar explizit aus den heiligen Bereichen "ausgesperrt". Es ist dem einfachen Kemeten strengstens verboten das Innere eines Heiligtums zu betreten.
      Ich bin kein Priester, und obwohl ich im Dienst der Priesterschaft stehe, hab ich noch nie einen kemetischen Tempel von innen gesehen, und das werd ich wohl auch nicht.


      Das sind solche Details, die ich mir bei der Eingangsfrage "was genau ist Kemet" in diesem Thread eigentlich erhofft hatte. Da ich - wie bereits vielfach bemerkt - keine tiefergehenden Kenntnisse über Kemet habe, kenne ich natürlich auch nicht die kultischen Praktiken oder Details darüber, wie Opfer durchgeführt wurden. Derartige Erläuterungen, wer einen ägyptischen Tempel überhaupt betreten darf, wie stark das ganze durch Priester und Tabus reglementiert ist, halte ich für grundlegende Informationen, weil sie den Kern der religiösen Praxis definieren.

      Und in der Hinsicht unterscheidet sich Kemet offenbar schon im Grundansatz von der Religio Romana, bei der - wie Du richtig sagst - sich nichts hinter verschlossenen Türen abspielt (von den geheimen und nicht-öffentlichen Teilen der in der Kaiserzeit sehr populären Mysterienkulte einmal abgesehen, von denen die Überlieferungen aber so bruchstückhaft sind, daß sie ein Problem für rekonstruktionistische Ansätze darstellen). Zwar gab es natürlich in den Umgangstempeln auch die Cella, in denen das Götterstandbild stand, und die von den Gläubigen nicht betreten wurde (außer bei bestimmten Göttern zu bestimmten Feiertagen im Zusammenhang mit bestimmten Kulthandlungen, zum Beispiel dem Waschen und Schmücken einer Statue). Aber sie war nicht abgeschlossen oder top secret, sie stand oft auch offen und man konnte zumindest hineinschauen. Der Altar stand vor dem Tempel und war für kultische Handlungen und Opferungen vorgesehen; für manche Götter (z.B. Vulcanus) gab es auch zusätzliche, spezielle Opferstellen für das normale Volk, zum Beispiel in Form einer im Vorraum des Tempels stehenden brennenden Schale, in die man kleine Fische warf. Opferungen, Zeremonien, Prozessionen waren immer eine sehr öffentliche Sache und die Bevölkerung war angehalten, sich daran zu beteiligen, selbst das Kaiseropfer daheim oder öffentlich zu bringen, und damit zur Einhaltung des Pax Deorum beizutagen.

      Mauschelei und geheime Praktiken hinter verschlossenen Türen waren sogar etwas, was Römer generell mißbilligten und mißtrauisch beäugten, weshalb es auch immer wieder zu Verfolgungen und Verboten der verschiedenen Mysterienkulte kam.


      Aber wenn wir schon unser eigenes "einfaches Volk" nicht in die Heiligtümer einlassen, wie sollten wir denn dann Fremden die Tore öffnen???
      Das ist einfach absolut unmöglich.
      Sicher ist das sehr schade für diejenigen, die gerne mal einem kemetischen Opferritual beiwohnen wollen würden,


      Definitiv!


      Ich kenne nur sehr wenige Kemeten, die noch besonderen Wert darauf legen mit der "Heidenszene" zu interagieren. Da kommen wir mit den christlichen Kirchen und selbst mit den Muslimen besser klar.
      Das ist traurig, aber wahr.


      Nun, zum römisch-katholischen Christentum (das einst auch nur einer von vielen römischen Mysterienkulten war) haben auch wir eine deutlich entspanntere Haltung als viele Heiden.


      Das mit dem Schulterklopfen hast du sicher etwas falsch verstanden. Das war sicher nur die überspitzte Gegendarstellung zu dem Gezänk. Das Netz neigt ja dazu "likes" und "dislikes" zu verteilen, und wir sind halt weder an dem einen noch an dem anderen interessiert. Wir sehen gar keinen Grund uns in der Öffentlichkeit zu präsentieren. Wenn jemand Fragen hat soll er kommen und fragen, dann wird ihm auch geantwortet. Wir müssen keine Antworten ins Netz stellen, auf Fragen, die niemand gestellt hat.
      So seh ich das jedenfalls.


      Umso erfreulicher, daß Ihr jetzt Antworten ist Netz stellt auf Fragen, die jemand stellt :)


      Das wars erstmal von mir dazu.
      Eh schon zu viel geschrieben


      Ach was! Je länger, desto besser :thumbup:

      Valete optime!

      Corvina


      PS: An die Foren-Admins: Ich habe in diesem Beitrag zwecks Begriffserläuterung einige Links zu unserer Website eingefügt. Falls das als unerlaubte oder unerwünschte Eigenwerbung gilt (wir haben keinerlei Missionierungspläne ;)), bitte einfach ungefragt entfernen!!

      Wetterleuchten wrote:

      Ich hielt diese Schlussfolgerung für logisch und selbstverständlich will ich nicht für alle sprechen, klar.
      Für mich ist die Schlussfolgerung übrigens nach wie vor logisch und naheliegend. Und nein, ich will mich darüber nicht streiten.
      Und ich persönlich ziehe für mich den Schluss, dass es dieser rekonstruktionistischen Richtung in Bezug auf Nachprüfbarkeit und Transparenz nicht anders geht als anderen rekonstruktionistischen Richtungen auch. Und dass Pommes-und-Cola vs. "Richtig"-Vergleiche mit ein wenig mehr belegbar sein müssen als einer Position innerhalb der eigenen Glaubensgemeinschaft.


      wobei die Pommes Cola Sache nicht ganz korrekt im Sinne von nett war, aber jetzt auch nicht überbewertet werden sollte....ich mag z.b. Pommes Cola manchmal;-) .. Meri hat ja im nachhinein klargestellt, dass es jetzt nich abwertend gegen alle anderen Kemeten gemeint war... Soweit ich das jetzt sehen kann, ist Meri schon eine gefühlte Ewigkeit im Paganforum unterwegs... und mir ist da noch nix aufgefallen im Bezug auf einer besonders intoleranten Haltung....
      Danke an die anwesenden Kemeten auf jeden Fall für die Infos..auch wenn ihr gar keinen Wert auf ein Danke legt... Sehr interessant... Ob sie nu einer 4000 oder 300 Jahre alten oder 30 Jahre alten Traditionslinie entspringen.... Und Chao....neee... Meri ist Meri und schon authentisch... Den gibt's schon seit dem Ururforum! Aber irgendwo verstehe ich deinen ärger auch....Nur kann eine "Gier" nach Infos da eben auch kontraproduktiv wirken, gerade wenn sich jemand oder etwas gerade erst entschlossen hat etwas von sich Preis zu geben....

      Grüßle
      Hallo,

      ich habe die Diskussion verfolgt und es freut mich, dass offenbar auch noch andere Menschen der Ansicht sind, im Heidentum dürfe es Regeln geben.

      Das Forführen von überlieferten Regeln bzw. Riten. Das ist auch meine Auffassung von Heidentum und in dem Sinne habe ich den Eindruck, dass sich alle Heidentümer ähneln, obgleich andere Leute da anderer Meinung sein mögen.

      Für mich persönlich hat das Heidentum ... oder nein, dass ist ein zu breiter Begriff: meiner Meinung nach hatten die heidnischen Staats- oder Stammesreligionen (eben von Römern, Griechen, Kelten, Germanen, Slawen und eben auch von Ägyptern) sehr viel bzw. mehr mit Tradition zu tun, als mit Glauben. Im christlichen Kontext wird oft kritisiert, wenn Leute ihre Kinder taufen lassen oder zur Kommunion schicken, weil's eben Tradition ist, obgleich sie selbst nicht daran glauben. Bei einer Glaubensreligion, wie dem Christentum, mag diese Kritik vielleicht gerechtfertigt sein. Doch das Heidentum speist sich doch geradezu aus der Tradition: man macht etwas, weil es schon immer so gemacht worden ist. Irgendwann hat mal einer damit angefangen, damals glaubte man noch daran, dass bestimmte Handlungen Einfluss auf die Natur (personifiziert von Geistern oder Göttern) hatten. Heute darf man auch daran glauben, aber auch wenn man nicht daran glaubt, macht es Sinn, die Tradition weiterzuführen, denn auch wenn die Geister und Götter, denen zu Ehre diese Bräuche abgehalten wurden, vielleicht nicht existieren, so existierten doch die Menschen, die diese praktizierten und daran glaubten, und so ehrt man diese Menschen (die dann zumeist als "Vorfahren" empfunden werden). Das ist meiner Meinung nach einer der wesentlichen Kerne der alten heidnischen Religionen.

      Versteht mich nicht falsch. Genauso wie Corvina zähle auch ich Anhänger "freifliegender" Heidentümer voll und ganz zum heutigen Heidentum. Die sind nicht weniger religiös, als Rekonstruktionisten! Schade finde ich nur dieses Märchen, es gebe im alten Heidentum keine Regeln! Ja, hinsichtlich dessen, was die Menschen denken und glauben dürften, gab es weniger Regeln, als im Christentum. Doch hinsichtlich der Rituale und des Brauchtums, gab's bestimmt sehr viel mehr Regeln, als im Christentum! Corvina, verbessere mich, wenn ich falsch liege, aber gab es beispielsweise nicht die Regel, dass ein bestimmter Priester in Rom (der Priester des Jupiter gar?) keine Ziegen berühren durfte? Wir mit unseren heutigen "christlichen" oder "aufgeklärten" Verständnis würden so etwas doch leicht als Aberglauben abtun, doch ich persönlich sehe gerade im Aberglauben oder Volksglauben sehr viel Übereinstimmungen zum alten Heidentum. Zwar bin ich kein Cultor oder "Römer", doch hat mir die römische Religion und Kultpraxis eigentlich sehr viel über das heidnische Religionsverständnis beigebracht.

      Und ich stimme dem auch zu: für eine Religion, die Synonym ist mit Tradition, wie es beim Heidentum der Fall ist, ist es schon wichtig, diese Traditionen zu kennen. Klar kann man den Nixen und Hausgeistern an jeden x-beliebigen Tag opfern, aber traditionell geschah dies eben meist zu Johanni bzw. am Donnerstag oder Sonnabend. Gibt man nun sein selbstständiges Denken auf und wird man zum Schaf, wenn man diese Tradition beibehält?

      Gruß
      Zornowski
      Danke Corvina, für den sehr informativen Link zum Thema "Römisch (oder) Katholisch".

      Den weitverbreiteten Christenhass in Heidenkreisen finde ich persönlich eh sehr suspekt und auch in unsrem Kemet ist er gänzlich fremd.

      Nochmal zum Alter Kemets. Obwohl es eigentlich keine Rolle spielt welches Gründungsdatum unsere Gemeinschaft hat kann ich bezeugen dass in den Archiven unserer Tempel Unterlagen aufbewahrt werden, die weiter zurückreichen als die Familiengeschichte von Paseba. Außerdem sind sie in kemetischer Sprache und Schrift verfasst, die der übrigen Welt erst nach 1822 wieder zugänglich gemacht wurde. Daraus darf sich nun jeder seine eigenen Schlüsse ziehen.
      Mag sein dass das was mich die Priester im Lebenshaus gelehrt haben nicht der Wahrheit entspricht, und Kemet eben nicht ungebrochen fortbestand. Ich kann das weder belegen noch verwerfen. Allerdings legt die Kontinuität im Schriftgebrauch den Schluß nahe, dass es einen wie auch immer gearteten Kontakt zum pharaonischen Kemet gegeben haben muss. Der muss wohl etwas früher gewesen sein. Ich jedenfalls vertraue in die inhaltliche Wahrheit der Lehre unserer Priester und alle Indizien, die mir bekannt sind untermauern das was gelehrt wurde.

      Es erscheint mir jedenfalls arg unwahrscheinlich dass sich ein gelangweilter Priester irgendwann um 1850/60 hingesetzt hat und sich die Mühe machte all diese unzähligen Aktenmeter an Archivbeständen in die Hieroglyphenschrift rückzuübersetzen.
      Okay veraltete und vom Verfall bedrohte Archivpapiere werden nötigenfalls kopiert und die zerstörten Originale durch die Kopie ersetzt, aber dennoch halte ich eine für alle Archivarien vorgenommene Rückübersetzung für ein wahnwitziges und auch recht sinnloses Projekt, da ja eh kein Außenstehender zu sehen bekommt was da drin steht und vor allem wie es geschrieben ist..

      Ich bin eh der Meinung dass dieser "interreligiöse Schwanzvergleich" -tschuldigung- völlig sinnfrei ist.
      Ist doch völlig egal wessen Religion älter ist, höheres Alter bedeutet doch nicht zwangsläufig besser oder weiser.
      Unsere Lehre "behauptet" Kontinuität ohne Bruch, ich kanns nicht beschwören, aber ausschließen kann ichs auch nicht. Ich vertraue darauf dass das was unsere Priester lehrten und das was ich heute lehre richtig ist, genau wie christliche Priester beispielsweise darauf vertrauen dass ihre Priesterseminare ihnen die Wahrheit vermitteln.

      Ebenso ist es bei Schrift und Sprache. Unsere Priester sind keine Ägyptologen, keine studierten Historiker oder Sprachwissenschaftler, dennoch beherrschen und lehren sie die Schriften Kemets und auch die Sprache. Auch wenn unsere Schrift sich tatsächlich ein bisschen vom pharaonischen Schriftgebrauch unterscheidet.
      Die gesprochene Sprache (die wir eigentlich nur noch als Liturgiesprache verwenden) ist keine moderne ägyptologische Rekonstruktion, denn die Ägyptologen vertonen unsere vokallos geschriebene Sprache etwas anders als wir. Koptisch ist es aber auch nicht, denn die Kopten vertonen wieder anders und haben sehr viele griechische Lehnworte. Koptisch wird außerdem mit griechischen Buchstaben geschrieben.
      Es ist eben unser eigen Ding... *schulterzuck*

      Auch dachte ich eigentlich dass es im panpaganen oder besser noch im interreligiösen Austausch um religiöse Inhalte gehen sollte, anstatt sich immer wieder an sicherlich nicht unspannenden Themen wie interner Politik oder der Geschichte festzubeißen.
      Ich verstehe sehr gut dass gerade diese Punkte neugierig machen und ich kann nachvollziehen warum ihr danach fragt, gar kein Thema. Auch wenn die Antworten von unserer Seite vielleicht manchmal etwas gequält rüberkommen können, sind wir darüber nicht böse dass ihr nachfragt. Es gibt halt nur Grenzen was den Rahmen unserer Antwort- und Beweismöglichkeiten angeht. Damit wollen wir uns auch nicht geheimnisvoll oder wichtig machen, denn wenns nach uns ginge würden über diese Themen ja am liebsten gar nicht reden. *lach*

      Aber wie man sieht, wir antworten... auf nahezu jede Frage die man uns stellt. ;)

      Wir vermeiden es aber gerne diese bestimmten Themen öffentlichkeitswirksam zu diskutieren weil logischerweise daraufhin immer Beweise eingefordert werden, die wir nicht vollumfänglich liefern können oder dürfen. Die von mir genannten Dokumente in den Archiven darf ich nicht herzeigen, auch wenn ich es gerne wollte und es vieles einfacher machen würde bei der Erklärerei. Aber diese Dokumente und ihre Inhalte unterstehen dem Schutz der Tempel und das heißt im einfachsten Deutsch widergegeben "Was einmal drin ist, kommt nicht wieder raus".

      Da könnt ihr leider auch "nur" meinem Wort vertrauen, oder es eben lassen.

      LG Neferure