Was genau ist Kemet?

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      Hi Siat,

      schon klar, dass man das nicht eins zu eins vergleichen kann. Ich persönlich kenne mich auch mit dem antiken kemetischen Weltbild viel zu wenig aus um mir da eine Beurteilung anzumaßen, was "richtig" und was "falsch" ist.
      Allerdings ist das halt genau der "Toleranz"-Trick eben jenes oben Erwähnten, allen, die nicht seiner "traditionellen" Auffassung sind, zu attestieren, dass sie eben kein "richtiges" Heidentum lebten. Eine Ablehnung dessen, was er für traditionell hält, ist nach seiner Definition gleichbedeutendmit "moderner Beliebigkeit" und Oberflächlichkeit.

      Und in dieser Hinsicht hatte ich hier schon ein gewisses "strukturelles Dejavu". Mag sein, dass mir ein Urteil bezüglich der strittigen kemetischen Inhalte nicht zusteht, da halte ich mich auch sehr gerne raus. Nur wurden evtl. strittige Inhalte des Blogs hier gar nicht diskutiert oder einer kritischen Analyse unterzogen. Statt dessen wurde nach meiner Wahrnehmung diese formale Schiene "Absprechen "richtiger" Tradition" gefahren. Darauf zu reagieren, diese Beobachtung öffentlich zu äußern, ist aber was ganz anderes und vom Recht auf freie Meinungsäußerung gedeckt, find ich.
      Schatz fahr vorsichtig, hinter uns is Stau.

      "Die Nazis haben den Ruf der Nazis so versaut, dass nicht mal mehr Nazis Nazis sein wollen." Philip Meinhold
      Meine Herren, da hat aber einer das "Nein" von unserer Seite ziemlich schlecht verkraftet.

      Auf die ganzen verwirrenden Zitate gehe ich jetzt nicht einzeln ein. Das ist zu anstrengend und obendrein würde das bedeuten, dass hier jedes einzelne Wort auf die Goldwaage gelegt wird, was ein Gespräch nur unnötig schwerfällig macht.
      Irgendwie riecht das hier mächtig nach gekränkter Eitelkeit, es stinkt fast schon danach. Sorry, aber mehr ist das in meinen Augen nicht. Wer macht denn hier so ein Fass auf wegen eines NICHTS?

      Unser Kemet, saublöd dass ich das jetzt so besonders hervorheben muss, da ich wenn ich von Kemet rede, das meine mit dem ich zu tun habe, IST traditioneller als die anderen kemetischen Strömungen, die es auf der großen weiten Welt neben uns noch so gibt. Vielleicht sollte man das einfach mal so als Fakt akzeptieren, auch wenn es einem nicht gefällt.
      Wenn es anderen kemetischen Strömungen nicht passt, wie wir unseren "traditionell-konservativen-Kemetismus" (ACHTUNG: diese Bezeichnung ist eine Neuschöpfung zur besseren Abgrenzung) leben, dann sollen sie uns doch einfach in Ruhe lassen. Es zwingt sie ja niemand mit uns in Kontakt zu treten. Wir gehen unseren Weg nicht um damit andere zu beeindrucken oder ihnen damit zu gefallen.
      Auf so öffentlichkeitswirksame Schlammschlachten können wir, glaube ich, alle ganz gut verzichten.

      Ich bin glücklich in meiner traditionell-konservativ-kemetischen Gemeinschaft und ich wünsche mir auch dass bei uns alles so bleibt wie bisher.
      Eine Glaubensgemeinschaft mit großen Werbebannern und medialen Großauftritten will ich nicht. Ich wünsche mir auch keine Aufweichung unseres Kemets nur um es modernen Strömungen anzupassen. Unser Kemet ist gut, so wie es ist und wie es immer war.
      Wem das nicht gefällt, der darf gerne seine Aufmerksamkeit auf wen anderes richten.

      Uns mit Dreck zu beschmeißen weil wir anders sind als der Rest finde ich das ALLERLETZTE!!!
      Alle schreien und krakehlen nach Toleranz, aber wehe es kommt mal wer um die Ecke, der dann doch mal etwas vom Mainstream abweicht, dann ist's mit der Toleranz aber schnell Pustekuchen.

      Chao mal ein Wort direkt an Dich.
      Hat dir Merienptah, außer dass er Dir den Zutritt zu unseren Tempeln verwehrt hat, sonst noch irgendetwas schlimmes angetan dass einen derartigen Angriff auf ihn rechtfertigen könnte?
      Es besteht die Möglichkeit dass Du Dich hier in nicht geringem Maß selber bloßstellst indem Du ihn so aggressiv attackierst.

      Nur weil Du augenscheinlich ein persönlichen Problem mit ihm hast, warum auch immer, gibt Dir das noch kein Recht unsere ganze Gemeinschaft in den Dreck zu ziehen. Damit beleidigst Du uns alle und das geht zu weit.

      em hotep
      Neferure
      Vielleicht können die Drachens ja hier nen Sandkasten-Thread aufmachen, da kann man dann jedem ein Schaufelchen in die Hand geben und die verschiedenen Kemeten kloppen sich dann solange damit aufn Kopp bis einer weint.

      Dieser Knatsch hat nix mehr mit der Eingangsfrage in diesem Thread zu tun.
      Das, also dieses Gezänk, ist jedenfalls nicht Kemet!!!

      em hotep
      Pasebachaienniutmehtet
      Aber ernsthaft:
      Ich bin keine Freundin von dumben "Aufeinander-Einkloppen" und demnach auch nicht von solchen Spielplätzen.
      Hab oft genug mitbekommen, dass daraus nichts konstruktives erwächst.
      Viel lieber ist mir eine konstruktive (und das schließt gern auch hitzige und/oder emotionale(re) Diskussionen ein! ;) ) Auseinandersetzung miteinander, die auf gegenseitiger Achtung (im Sinne der Wahrnehmung und Wahrung der Würde des/der anderen) beruht.


      Also, daher wieder zurück zur Eingangsfrage! (Der fragliche Blog (oder Beiträge daraus) kann herzlich gern in einem anderen Thread diskutiert werden!)
      Was genau ist Kemet?

      Für Euch? Für andere?
      Wie unterscheiden sich vielleicht unterschiedliche kemetische Richtungen voneinander (wenn Ihr mit anderen Kontakt hattet) ?
      Und gibt es da überhaupt eine allgemein gültige Antwort?


      LG
      Siat
      Von den Hohen erschaffen
      zu lernen, zu lehren, zu wachen
      Geboren in der Sterne Welten
      Wandern und wandeln sie
      Die Drachen
      ©Siat



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      ANB´s
      Für mich ist Kemet eben unser Kemet.
      Traditionell, konservativ und meinetwegen auch altmodisch und angeblich nicht zeitgemäß. Sei's drum.
      Wir existieren nicht um anderen zu gefallen, egal wem.
      Ich komme mit meinem "alten" Kemet in der heutigen Zeit ganz gut zurecht.

      Trotz oder gerade wegen der strikten Einhaltung unserer tradierten Regeln,
      trotz oder gerade wegen der Trennung zwischen Priesterschaft und Rechit,
      trotz oder gerade wegen der Unsichtbarkeit und Verschlossenheit
      und trotz oder gerade wegen des Nisut, seiner Familie und der bindenden Kraft dieser Institution.

      Mag darüber schimpfen und zetern wer mag, aber das ist Kemet.

      Ich brauch keinen Jan Assmann zu lesen um das Prinzip der Maat zu verstehen, die Maat ist die Basis und der Sockel unserer ganzen Existenz, sie wohnt in uns und beseelt uns jeden Tag aufs neue wenn ihr Vater Ra am Morgenhimmel erscheint.
      Ich brauche keine Internetpräsenz mit Werbung in eigener Sache oder wohlwollendes Schultergeklopfe von Fremden, ich brauche nur die Gewissheit in meinem Herzen, dass die Priester Kemets im Namen des Nisut jeden Morgen aufs neue, wie es die Traditionen seit was weiß ich wie vielen Generationen verlangen, Ra begrüßen wenn er am Himmel aufgeht, dass sie die kosmischen Götter hüten und versorgen indem sie ihren pflichtgemäßen Dienst in den Tempeln verrichten und dass sie in regelmäßigen Abständen die Totenrien für unsere Ahnen vollziehen.

      Ich brauch keinen Runden Tisch an dem ich mich mit den verschiedensten Ausblühungen meiner Religion austausche und immer und immer wieder die ewig gleichen Themen diskutiere, ich brauche das Gefühl dass Hapi die Flüsse weiter strömen lässt und somit den Kreislauf des Lebens antreibt. Da setze ich mich lieber eine Stunde an den Fluss, lasse sein Wasser über meine Hand fließen und lausche der Stimme des Flussgottes anstatt mich durch das Gezänk irgendwelcher "Communities" unnütz vom Wesentlichen ablenken zu lassen.

      Ich lebe einzig durch das Wirken der Götter um mich herum und um das erfahren und erfühlen zu können nutzen mir Diskussionsrunden nichts. Dafür allerdings bietet mir mein Kemet den Raum und die Ruhe um das Wirken der Götter auch tatsächlich erfassen und teilweise sogar verstehen zu können. Diese Erfahrungen kann mir niemand sonst bieten.

      Ich danke und verehre den Nisut und seine Familie, genauso wie alle Priester in den Tempeln, dass sie tagtäglich die Bürde und diese unvorstellbare Last auf sich laden, diesen geschützten Raum für die Rechit auch weiterhin nach außen zu verteidigen und ihn im Inneren zusammen und sauber zuhalten. Mag die Welt über diese unsere Institutionen denken was sie mag, aber ein Kemet ohne das ist kein Kemet.
      Das ist meine Meinung dazu.

      Und ich bin verdammt stolz auf unsere "altehrwürdige" Gemeinschaft.

      em hotep
      A.
      Jetzt, wo der Thread zurück zur Eingangsfrage kehrt - "Was genau ist Kemet?", schließe ich (als jemand, der sich mit Kemet defnitiv und bekennenderweise nicht auskennt, aber immer interessiert ist an rekonstruktionistischen Ansätzen anderer Gemeinschaften) aus Deinen Worten, Amenhotep, folgende Kernelemente, die ich an dieser Stelle als "On-Topic-Diskussionsgrundlage" einmal zusammenfassen möchte. Korrigiert mich, wenn ich etwas falsch verstanden habe :)
      • Es werden tradierte Regeln eingehalten.
      Wobei die Fragen, wer sie tradiert, wie die Traditionslinie und -weitergabe aussieht, wo sie unterbrochen ist und wo und an welchen Stellen rekonstruiert wurde/werden mußte, auf welche Quellen sie sich stützt, welche schriftlichen / antiken Zeugnisse und Quellen es bezüglich Details religiöser und ritueller Praxis überhaupt gibt, wahrscheinlich nicht in der Öffentlichkeit diskutiert werden. Das vermute ich aufgrund des Eindrucks, daß Ihr Wert darauf legt, "unter Euch" zu bleiben.

      Da das etwas ist, das bei "uns Römern" komplett anders ist, finde ich das etwas schade, denn gerade diese Fragen nach Authentizität, Marke "woher wißt Ihr das oder habt Ihr Euch das ausgedacht", sind gut und schnell zu entkräften, wenn man quellensicher ist und fundierte und belegbare Antworten geben kann, sowohl zu überlieferten und aus der Antike erhaltenen Elementen als auch zu rekonstruierten Bestandteilen.

      Diskussionen schriftlicher, bildlicher und archäologischer Quellen sind bei uns ein fundamentaler Bestandteil, ebenso wie die strikte Beachtung, rekonstruierte Elemente sowie überlieferte und belegbare Elemente jeweils als solche zu kennzeichnen. Wir diskutieren die Religio Romana auch problemlos mit interessierten "Leuten von außen" und selbst (im Nachhein kommentierte und erläuterte) Vorführungen von Kulthandlungen mit Laienpublikum (z.B. ein Opfer zu Beginn eines Römerfestes im Rahmen einer Museumsveranstaltung, um für ein gutes Gelingen der Veranstaltung zu bitten), sind kein Tabuthema, sondern historische Bildung. Information aller interessierten Leute, egal ob "Heiden" oder Christen oder völlig unspirituellem Familienpublikum im Museumstag ist nie verkehrt. Es gibt bei uns keine "geheimen" Überlieferungen uralter Traditionslinien, die ungebrochen zurückreichen in die Zeit von Kaiser Marcus Aurelius, die nur Eingeweihten weitergegeben werden, sondern die Religio Romana bemüht sich im Gegenteil um absolute Transparenz in Bezug auf Authentizität und Quellenlage.

      Ich brauche keine Internetpräsenz mit Werbung in eigener Sache oder wohlwollendes Schultergeklopfe von Fremden


      Deshalb ist die hier dargestellte Einstellung des "wir bleiben unter uns, weil wir keine Werbung, kein Schulterklopfen brauchen", "wir gehen den Weg nicht, um andere zu beeindrucken und ihnen zu gefallen" und der Befürchtung "öffentlicher Schlammschlachten" wenn man mit Informationen nach außen tritt, für mich zugegebenermaßen eher befremdlich. Ich bin nicht der Ansicht, daß wir in der Religio Romana unseren Glauben nur praktizieren, erklären und auch in zahlreichen Artikeln oder zu öffentlichen Anlässen gerne erläutern, das tun, um "andere zu beeindrucken" oder ein Schulterklopfen erwarten, was für coole Leute wir sind.

      Wir tun es, weil wir es gerne tun und weil das Interesse an römischer Religion und Kultgeschehen einfach da ist, auch ohne daß jeder gleich konvertieren möchte oder wir auf "Mission" wären, ganz im Gegenteil. Die meisten, die vorher nicht viel über die Religio Romana wußten und dann erfahren, worum es dabei geht - insbesondere aus dem heidnischen Spektrum, wo es viele Leute gibt, die in ihrer Richtung gefestigt sind, aber dennoch gerne "über den Tellerrand hinausschauen", einfach nur, um zu sehen, was andere "Heiden" glauben - stellen relativ schnell fest, daß der römische Rekonstruktionismus nichts für sie wäre. Was sie nicht daran hindert, sich trotzdem dafür zu interessieren und darüber zu diskutieren.

      Genauso ist natürlich das Interesse an keltischer, hellenistischer, orientalischer oder ägyptischer heidnischer Religion der Antike da. Daß man Euch als Anlaufstelle für ägyptische Religion betrachtet, ist deswegen nicht sonderlich überraschend. Umso bedauerlicher ist, daß ausgerechnet hier so ein für den Außenstehenden undurchsichtiges und geheimniskrämerisches "Kuddelmuddel" besteht, um es mal plakativ zu formulieren, denn daß das alte Ägypten und die ägyptische Religion auf breites Interesse in der Öffentlichkeit stoßen, ist nun kein Geheimnis. Man muß sich nur mal ägyptische Sonderausstellungen in Museen anschauen, die gut besucht sind. Als "Repräsentant" genau dieser Sparte liegt da geradezu Potential brach, um mit Spekulationen und Mythen aufzuräumen, die Euch auch selbst schaden.

      Ich akzeptiere natürlich Eure Einstellung, daß Ihr Eure Religion lieber "im stillen Kämmerlein" bzw. im heimischen Tempel praktiziert, nicht mit Außenstehenden diskutiert und Informationen nur privat weitergebt. Eure Begründung dafür, daß man nicht an die Öffentlichkeit geht, weil man sich nicht selbst beweihräuchern will und niemandem etwas beweisen muß, finde ich jedoch aus den zuvor genannten Gründen nicht nachvollziehbar bzw. diskreditierend gegenüber anderen Strömungen, die sich auf alte Quellen berufen und viel Zeit darin investieren, ihre Authentizität zu belegen und zu zeigen, wie viel tatsächlich aus der Antike bis heute erhalten geblieben ist. Das ist keine Last, kein Darstellungsbedürfnis und kein ständiger "Rechtfertigungszwang", sondern es macht uns tatsächlich Spaß, darüber zu diskutieren und Fragen zum Cultus zu beantworten.

      Wir existieren nicht um anderen zu gefallen, egal wem.


      Ich halte die Gefahr, daß grundlegende Informationen über Kemet, über die Glaubensvorstellungen, über die Traditionslinie, Quellen und eine Transparenz darüber, was authentisch ist und wieviel man tatsächlich noch aus der Antike überliefert hat, in "falsche Hände" gerät und Euch wilden Angriffen der Unwissenden aussetzt, für sehr überschaubar. Als römischer Rekonstruktionist bekommt man eine Menge Gegenwind, vor allem aus der heidnisch-germanischen Ecke, aber damit kann ich sehr gut leben. "Gefallen" müssen wir auch niemandem und tun es auch nicht jedem. Muß man auch nicht.
      • Kemet hat einen hierarchischen Aufbau, eine autoritäre Struktur und eine Trennung zwischen Priesterschaft und Rechit (was ich mal als die "Gemeinde" interpretiere)
      Hier wäre für mich sehr interessant zu erfahren, wodurch sich die Priesterschaft definiert und wie die Einweihung bzw. Weitergabe der Tradition funktioniert. Wenn es eine bestehende Gruppe gibt, wie wird dann einer aus dieser Gruppe zum Priester bestimmt, gibt es eine höhere Autorität oder gar jemanden, der innerhalb des Kemet gruppenübergreifend eine "Hohepriesterfunktion" innehat, der dann in den lokalen Gruppen den örtlichen Priester bestimmt? Oder existiert jede Gruppe als Zelle für sich in ihrem eigenen lokalen Tempel und hat ihren eigenen Priester?

      Wie funktionierte dies im antiken Ägypten und inwieweit wurde das auf die heutige Zeit übertragen oder ist aufgrund der Quellenlage überhaupt noch nachvollziehbar? Da die Mehrheit der in diesem Forum angemeldeten Kemeten ja Meris "traditionalistischer" Linie anzugehören scheint, sind hier Schnittmengen mit Neo-kemetischen Gruppen bzw. gemeinsame Priester- oder Hohepriestereinsetzungen oder -praktiken, diese einzusetzen, vermutlich nicht gegeben.

      Ich erwarte an dieser Stelle natürlich keine Antworten, aber ich möchte trotzdem aufführen, welche interessanten Fragen sich für mich aus Eurer Traditionslinie ergeben. Vielleicht ist das auch für Euch interessant, welche Fragen Außenstehende in Bezug auf Kemet bewegen.
      • Ihr schätzt Unsichtbarkeit und Verschlossenheit
      Dazu habe ich mich im ersten Punkt schon Stellung bezogen; Unsichtbarkeit, Verschlossenheit und "Unter-Sich" bleiben, ist ja Euer gutes Recht, ebenso, selbst auszuwählen, wem ihr was erzählen möchtet. Nur die Argumente dafür, die in diesem Thread genannt werden, sind für mich nicht nachvollziehbar.

      Wie auch immer geartete "kultische" oder religiöse Motive könnte ich ja noch verstehen. Aber was für mich in diesem Thread herüberkam, waren Argumente wie "wir wollen halt nicht angeben und niemanden beeindrucken, deshalb müssen wir uns nicht präsentieren und zur Schau stellen" (und wie das andere Gruppen, die antike Religionen praktizieren wirkt und die in der Öffentlichkeit anders damit umgehen, habe ich ja bereits ausgeführt).

      Werden wir eigentlich so angefeindet weil wir nicht am neopaganen Ringelreigen ums Sonnenwendfeuer teilnehmen?
      Was ist die Anklage? Was wirft man den traditionell-konservativen Kemeten eigentlich vor?

      Dass wir nicht mit dem Strom schwimmen?
      Dass wir nicht mit jedem Dahergelaufenen sofort und ohne ihn zu kennen unsere Sandförmchen teilen?

      Wir werden hier zum Feind stilisiert weil uns keiner kennt? Was ist das denn für ne Logik?
      Verzeihung bitte, dass wir nicht so laut blöken wie die restlichen Schafe der Herde.


      Amenhotep, daß wir "laut blöken" wie die restlichen Schafe der Herde, daß wir mit dem Strom schwimmen (obwohl auch wir nicht am schamanischen Sonnenwend-Ringelreihen teilnehmen) weise ich jetzt mal entschieden von mir. Und dazu, daß wir mit jedem Dahergelaufenen, ohne ihn zu kennen, unsere Sandförmchen teilen, habe ich eine andere Einstellung - wir vermitteln gerne Wissen über die römische Antike, auch über den gallo-römischen Kult, der dort praktiziert wurde, wo wir heute leben.

      Wir betrachten das nicht als "unser Förmchen", das wir mit niemandem teilen möchten. Es mag sein, daß Dein zitierter Beitrag unter emotionaler Beteiligung in Reaktion auf den Streit in diesem Thread geschrieben wurde, aber leider stellst Du damit Euer Kemet in einer selbstgerechten Weise dar, die für "unsereins" etwas beleidigend herüberkommt. Ich unterstelle zu Deinen Gunsten aber mal, daß das so nicht beabsichtigt war, sondern nur etwas schräg herüberkam.

      Die Einstellung, nicht mit Außenstehenden darüber zu diskutieren, erweckt den Anschein einer gewissen Unsicherheit in den eigenen Quellen und suggeriert eine gewisse Befürchtung, in Diskussionen grundlegende Aspekte des Kemet nicht mit Argumenten begegnen zu können und diese deshalb lieber zu vermeiden. In diesem Thread klang öfter eine Angst an, in Schlammschlachten verwickelt oder "angefeindet zu werden" wegen dem, was Ihr glaubt oder "weil ihr anders seid". Nun, "Anders" sind römische Rekonstruktionisten auch, in vielen Punkten gibt es sehr große inhaltliche und praktische Differenzen zwischen der Religio Romana und neuheidnischen Bewegungen aller Art, von Hexen bis hin zum Asatru. Mit (zum Teil auch sehr kritischen) Worten und Standpunkten muß man umgehen können. Und das kann man, wenn man weiß, wovon man redet. Sich deswegen gar nicht erst der Diskussion oder Öffentlichkeit auszusetzen, aus Angst, als "sonderlich und anders" wahrgenommen zu werden, macht keinen Sinn.
      • Es gibt einen Nisut, seine Familie und diese Institution hat bindende Kraft
      Das klingt ebenfalls interessant, denn ich habe keine Ahnung, um was für eine Institution es sich handelt und welche bindende Kraft gemeint ist. Hier würde ich mich über einen erklärenden Dreizeiler auch freuen ;)


      Mag darüber schimpfen und zetern wer mag, aber das ist Kemet.


      Zetern und schimpfen kann darüber ja eigentlich nur, wenn weiß, was Kemet überhaupt ausmacht. Wer die grundlegenden Elemente nicht kennt, kann gar nicht beurteilen, ob er diese Richtung komisch, blöd oder seltsam findet. Deshalb muß man zumindest vorher schon damit Kontakt gehabt zu haben, um sich zum Schimpfen und Zetern über kemetische Traditionen und Einstellungen hinreißen zu lassen :P

      Ich zetere und schimpfe nicht und hoffe, mein Diskussionsbeitrag wurde auch nicht als solches aufgefaßt (auch nicht als persönliche Beleidigung irgendeiner Person).


      Und ich bin verdammt stolz auf unsere "altehrwürdige" Gemeinschaft.


      Das wäre auch noch etwas, was mich interessieren würde (vielleicht zukünftiger Stoff in diesem Unterforum für einen eigenen Thread) - welche Strömungen es im Kemet überhaupt gibt, wie verbreitet das Ganze ist (hier erweckt es für den außenstehenden Internet-Surfer den Anschein einer starken amerikanischen Dominanz der Bewegung), und wie sich Kemet und Neo-Kemet unterscheiden.

      Und natürlich, wie verbreitet diese Religion noch im "Mutterland", d.h. im heutigen Ägypten ist - gibt es dort im Untergrund noch heidnisch-kemetische Strömungen und inwiefern steht der mitteleuropäische oder amerikanische Kemet noch in Kontakt zu Ägypten, Ägyptern oder ägyptischen Gruppen?

      Wir "Römer" haben ja den Vorteil, daß wir noch direkt in den Grenzen des alten Römischen Reichs leben, daß wir - gerade hier, im östlichen Gallien, wo ich wohne - umgeben sind von gallo-römischen antiken Stätten (sogar rekonstruierte und wieder-geweihte Tempel wie dem Merkur-Tempel in Tawern).

      Als ägyptischer Rekonstruktionist würde ich, so stelle ich mir das in meiner Naivität vor, Altägyptisch und Hieroglyphenschrift lernen und regelmäßig dorthin fliegen, um das "Numen", die göttliche Präsenz an den Orten zu erfahren, wo sie einst wirkte. Die wenigen erhaltenen Orte in Deutschland oder Nordeuropa, wo synkretistische römisch-ägyptische Kulte praktiziert wurden (wie die Isis-Tempel in Mainz und London oder der zivile vicus von Tawern und der Tempel, wo Ibis-Mosaik, Isis und Serapis-Reliefs gefunden wurden, sind ja nicht wirklich originär ägyptisch, sondern schon römisch umgedeutet und für Euch deshalb vermutlich nicht mehr so richtig für Kultpraxis geeignet).

      Und - bevor ich hier die ganze Zeit Unsinn Rede und etwas völlig an mir vorbeigegangen ist - ist Kemet überhaupt eine rekonstruktionistische Religion bzw. ägyptischer Rekonstruktionismus oder hat es ganz andere Wurzeln?

      Vielen Dank für Eure Aufmerksamkeit, es ist etwas länger geworden 8)

      Vale Optime!

      Corvina


      Edit: Formatierung zur besseren Übersicht

      Hallo zusammen,
      danke für das Zurückkehren aufs Thema und Eure Postings, Amenhotep und Corvina.

      @ Corvina:
      Vielen Deiner Fragen kann ich mich nur anschließen, daher nur eine kleine Anmerkung am Rande:

      Corvina wrote:

      Die Einstellung, nicht mit Außenstehenden darüber zu diskutieren, erweckt den Anschein einer gewissen Unsicherheit in den eigenen Quellen und suggeriert eine gewisse Befürchtung, in Diskussionen grundlegende Aspekte des Kemet nicht mit Argumenten begegnen zu können und diese deshalb lieber zu vermeiden. In diesem Thread klang öfter eine Angst an, in Schlammschlachten verwickelt oder "angefeindet zu werden" wegen dem, was Ihr glaubt oder "weil ihr anders seid".

      Das liegt (nach meiner eigenen Beobachtung!) weniger an einer vermeintlichen Unsicherheit gegenüber den eigenen Quellen als viel mehr an den Erfahrungen, die Meri und einige andere in der Inet-Welt (z.T. auch in der älteren Inkarnation unseres Forums) so gemacht haben.
      Ich kann gut verstehen, dass einem da die Lust vergeht und auch der Argwohn gegenüber Fremden sehr stark zunimmt, wenn zu den "Erlebnissen" online auch noch mit Menschen aus einer Online-Community ziemlich üble Erfahrungen gesammelt wurden.

      Spielt also so einiges rein, was online und in real life so gelaufen ist (wie gesagt, hier oder auch wohl in anderen Foren) und was man als Neuling (nicht bös gemeint, aber Meri ist schon einige Jahre Mitglied im Forum und wir haben daher schon so einiges miteinander erlebt ;) ) logischer Weise nicht überblicken kann.
      Der Eindruck, den Du oben schilderst, mag sich dabei sicherlich aufdrängen, aber ich es geht am "Kern des Problems" (wenn man es so bezeichnen möchte) vermutlich etwas vorbei :) .

      Aber das ist halt auch nur meine persönliche Ansicht (sehr kurz dargestellt) ;) , versteht sich, die, wie gesagt auf meinen Beobachtungen, Gesprächen und auch (heißeren *lol* ) Diskussionen beruht. :)

      Corvina wrote:

      Zetern und schimpfen kann darüber ja eigentlich nur, wenn weiß, was Kemet überhaupt ausmacht. Wer die grundlegenden Elemente nicht kennt, kann gar nicht beurteilen, ob er diese Richtung komisch, blöd oder seltsam findet. Deshalb muß man zumindest vorher schon damit Kontakt gehabt zu haben, um sich zum Schimpfen und Zetern über kemetische Traditionen und Einstellungen hinreißen zu lassen


      Entschuldige, aber ein wenig musste ich darüber lachen, weil ich es schön fände, wenn es so wäre, aber es doch etwas an der Realität vorbei geht.
      Es gibt leider unzählige Menschen, die über etwas zetern, schimpfen, es nieder oder schlecht machen, diffamieren oder sonst was, wovon sie gar keine Ahnung haben oder schlicht falsch informiert sind.
      Zetern um des Zeterns Willen ist leider auch in den vielen heidnischen Strömungen nix Neues und Unbekanntes.

      Aber Deinen Satz sollten sich so einige fett ausdrucken und häufiger am Tag mal draufgucken :) .



      LG
      Siat
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      ANB´s
      Also da versuche ich mal drauf zu antworten, soweit ich das kann.

      Wobei die Fragen, wer sie tradiert, wie die Traditionslinie und -weitergabe aussieht, wo sie unterbrochen ist und wo und an welchen Stellen rekonstruiert wurde/werden mußte, auf welche Quellen sie sich stützt, welche schriftlichen / antiken Zeugnisse und Quellen es bezüglich Details religiöser und ritueller Praxis überhaupt gibt, wahrscheinlich nicht in der Öffentlichkeit diskutiert werden.

      Ehrlich gesagt, muss ich persönlich zugeben dass ich selbst nicht beweisen kann wie weit genau nun unsere Traditionslinie zurückreicht. Ich selbst bin kein Priester und hab somit auch keinen Zugang zu den Archiven der Tempel in denen dazu sicher einige Belege zu finden wären.
      In meiner Familie lässt sich diese kemetische Tradition 10 Gerartionen, also etwa bis 1790 zurückverfolgen, danach wird's spekulativ da sich die Spur meiner Familie dann verliert. Seit dieser Zeit lässt sich jedenfalls rekonstruieren dass verschiedene Mitglieder meiner Familie als Schreiber und Lehrer im Dienst der Priesterschaft standen. Also gabs da wohl auch Tempel Kemets in denen diese Priester ihren Dienst taten. Woher diese nun kamen weiß ich nicht, ich war ja nicht dabei. Ich kann nur dem Glauben schenken was mir in der Tempelschule während meiner Schreiberausbildung dazu beigebracht wurde.

      Da das etwas ist, das bei "uns Römern" komplett anders ist, finde ich das etwas schade, denn gerade diese Fragen nach Authentizität, Marke "woher wißt Ihr das oder habt Ihr Euch das ausgedacht", sind gut und schnell zu entkräften, wenn man quellensicher ist und fundierte und belegbare Antworten geben kann, sowohl zu überlieferten und aus der Antike erhaltenen Elementen als auch zu rekonstruierten Bestandteilen.

      Meine persönliche Meinung, wenn ich versuche einen Glauben mit Quellen und Beweisen zu untermauern, brauch ich keinen Glauben mehr, denn dann wird er eine Wissenschaft. Religion lässt sich doch weder beweisen noch widerlegen. Hier werden ja keine Quellen für unseren Glauben verlangt, man fordert Beweise von uns die dem Interessierten unseren Geschichtsverlauf darlegen. Ich halts für unwichtig weil da explizit ein gesondertes Augenmerk auf die Funktionsweise und die innere Struktur der kemetischen Hierarchie gelegt wird, die dem modernen Weltbild oft nicht in den Kram passt und deswegen gerne als Zielpunkt für Attacken ausgewählt wird.
      Wie Siat schon sagte, haben wir hier und in mehreren anderen Foren im Laufe der letzten, weiß nicht, 5-8 Jahre vielleicht schlechte bis sehr schlechte Erfahrungen sammeln dürfen. Deswegen haben wir mittlerweile fast überall unsere Präsenz aufgegeben und uns wieder zurückgezogen. Wenn man immer nur angefeindet wird, vergeht einem auch die Lust auf Kommunikation mit der Außenwelt. Deswegen sicher auch das emotional etwas aufgeladene Posting von Amenhotep vermute ich. Das war mit Abstand der längste Monolog, den er in den letzten Jahren überhaupt gehalten hat, würd ich mal behaupten. *g*
      Der ganze Thread hier ist eh schon emotional sehr aufgeladen, weil wir und insbesondere Merienptah, gerade mal wieder völlig grundlos angegriffen wurden.

      Unsere heute Religionspraxis unterscheidet sich schon in einigen Punkten von der altkemetischen, das stimmt wohl. Ich denke mal dass sind einfach Anpassungen an die Erfordernisse der jeweiligen Zeit. Wir sind ja nicht "von gestern", und wenn Dinge geändert werden müssen, dann werden sie auch verändert und angepasst. Der Kalender ist da wohl ein sehr gutes Beispiel. Wann der jetzt gültige eingeführt wurde weiß ich nicht, aber zu Zeiten meiner Großeltern galt der wohl schon. Aber er macht das Umrechnen von Daten um ein vielfaches einfacher als der originalkemetische Wandelkalender.
      Totenritus ist auch etwas anders und noch ein paar weitere Unterschiede sind schon vorhanden. Auch, ich als Schreiber kann davon ein Lied singen, unsere Schrift hat sich gegenüber der altkemetischen Schreibweise ein wenig verändert. Das Schriftsystem ist etwas vereinfacht worden und verwendet heute etwa 25% weniger Schriftzeichen als in alter Zeit.
      Und ich geh mal davon aus dass unser gesprochenes Kemetisch auch mittlerweile recht weit von Original entfernt ist. Die Kopten in Ägypten, die ja auch eine Spätform der altägyptischen Sprache sprechen, können sich nicht so ohne weiteres mit uns unterhalten. Sind wohl zwei "Dialekte" die sich im Laufe der Zeit ganz schön auseinanderentwickelt haben.
      Also wir unterscheiden uns schon vom Kemet von vor 2000 oder mehr Jahren.

      Die Transparenz die du ansprichst, ist in Kemet schon mal von Vornherein unmöglich. Ihr in der Religio Romana macht öffentliche Opferungen und Weihungen wie du gesagt hast. Das entspricht ja auch, soweit ich weiß, eurer Tradition. Eure Opferungen fanden vor den Tempeln statt und waren öffentliche Anlässe zu denen "das Volk" zugelassen und sogar erwünscht und eingebunden war.
      Kemetische Opferungen finden im Inneren der Tempel statt und "das Volk",ist dabei nicht zugelassen. Es wird sogar explizit aus den heiligen Bereichen "ausgesperrt". Es ist dem einfachen Kemeten strengstens verboten das Innere eines Heiligtums zu betreten.
      Ich bin kein Priester, und obwohl ich im Dienst der Priesterschaft stehe, hab ich noch nie einen kemetischen Tempel von innen gesehen, und das werd ich wohl auch nicht.
      Aber wenn wir schon unser eigenes "einfaches Volk" nicht in die Heiligtümer einlassen, wie sollten wir denn dann Fremden die Tore öffnen???
      Das ist einfach absolut unmöglich.
      Sicher ist das sehr schade für diejenigen, die gerne mal einem kemetischen Opferritual beiwohnen wollen würden, aber wie schon so oft gesagt wurde ist ein "Nein" auch eine Antwort, die es zu akzeptieren gilt.

      Wir versuchen ja zu erklären was wir tun, warum wir es tun und auch wie wir es tun. Um denjenigen die sich dafür interessieren ihre Fragen zu beantworten, allerdings werden wir es nicht praktisch herzeigen können, denn an den Mauern der Tempel ist Schluss. Es geht nur bis dahin und keinen Schritt weiter.
      Ich wage auch stark zu bezweifeln, dass sich an der "Einmauerungstaktik" Kemets (ich sags nochmal explizit an dieser Stelle - wenn ich von Kemet spreche meine ich UNSERES!) zukünftig etwas ändern wird. Im Moment ist eher reaktionäre Strömung in Kemet zu bemerken, die die Öffnung der letzten Jahre, dank der echt miesen Erfahrungen die wir an den verschiedensten Stellen machen durften, am liebsten komplett Rückgängig machen würde. Ich kenne nur sehr wenige Kemeten, die noch besonderen Wert darauf legen mit der "Heidenszene" zu interagieren. Da kommen wir mit den christlichen Kirchen und selbst mit den Muslimen besser klar.
      Das ist traurig, aber wahr.

      Das mit dem Schulterklopfen hast du sicher etwas falsch verstanden. Das war sicher nur die überspitzte Gegendarstellung zu dem Gezänk. Das Netz neigt ja dazu "likes" und "dislikes" zu verteilen, und wir sind halt weder an dem einen noch an dem anderen interessiert. Wir sehen gar keinen Grund uns in der Öffentlichkeit zu präsentieren. Wenn jemand Fragen hat soll er kommen und fragen, dann wird ihm auch geantwortet. Wir müssen keine Antworten ins Netz stellen, auf Fragen, die niemand gestellt hat.
      So seh ich das jedenfalls.

      Ja unter Rechit kannst du die "Gemeinde" verstehen.

      Hier wäre für mich sehr interessant zu erfahren, wodurch sich die Priesterschaft definiert und wie die Einweihung bzw. Weitergabe der Tradition funktioniert. Wenn es eine bestehende Gruppe gibt, wie wird dann einer aus dieser Gruppe zum Priester bestimmt, gibt es eine höhere Autorität oder gar jemanden, der innerhalb des Kemet gruppenübergreifend eine "Hohepriesterfunktion" innehat, der dann in den lokalen Gruppen den örtlichen Priester bestimmt? Oder existiert jede Gruppe als Zelle für sich in ihrem eigenen lokalen Tempel und hat ihren eigenen Priester?

      Also in den Tempeln dienen mehrere Priester in mehren hierarchischen Dienstgraden, wie genau das abläuft weiß ich jetzt auch nicht, da ich keiner bin. Hier im Forum gibt's dazu meines Erinnerns nach ein einen recht ausführlichen Beitrag.
      Was die Auswahl angeht liegt das oftmals schon in der Kindheit (läuft ähnlich ab wie bei den Schreibern). Die meisten kemetischen Kinder besuchen im Alter von 7 - 10 Jahren eine Tempelschule, wo ihnen die "Basics" unserer Religionsgemeinschaft beigebracht werden. Dabei kristallisiert sich dann schnell heraus wer zum Priesterdienst taugt und wer halt nicht, oder wer überhaupt dazu bereit ist diesen Weg einzuschlagen. Danach folgt dann ne dreijährige Schreiberausbildung wo die kemetische Schrift und Sprache gelehrt werden und danach geht's dann an die 5 Jahre dauernde Priesterausbildung. Danach gibt's dann wohl noch mal gestufte Weiterbildungsmöglichkeiten, aber das solltest du jemanden fragen der so weit gekommen ist. Nach der Schreiberausbildung hab ich die Tempelschule nämlich geschmissen weil Priester kein Job für mich ist.

      Da mein Beitrag doch schon verdammt ist nur noch hierzu ein paar Worte:
      Es gibt einen Nisut, seine Familie und diese Institution hat bindende Kraft
      Das klingt ebenfalls interessant, denn ich habe keine Ahnung, um was für eine Institution es sich handelt und welche bindende Kraft gemeint ist. Hier würde ich mich über einen erklärenden Dreizeiler auch freuen

      Ja der Nisut, ich weiß nicht ob ich dazu was sagen sollte. DAS ist ja mit Abstand der Punkt, der uns immer am stärksten vorgeworfen wird. Aber das Thema lässt sich nun mal schlecht ausklammern.
      Der Nisut ist der ranghöchste amtierende Priester Kemets (ich sags nochmal an dieser Stelle - wenn ich von Kemet spreche meine ich UNSERES!), alle anderen Priester in den Tempeln verrichten ihre Ämter in seinem Namen und als seine legitimen Stellvertreter. Er ist der Einzige, der den Tempelkult und die Rituale vollziehen darf, der die Menge der Opfergaben bestimmt, der die Verwaltung und Instandhaltung der Tempel kontrolliert, usw. und nur die durch ihn legitimierten Priester dürfen die Tempel betreten und den Göttern dienen. Er ist sozusagen die Schnittstelle zwischen diesseitiger Welt und den Göttern. Das Amt des Nisut ist erblich und geht im Regelfall vom Vater auf den Sohn über. Überdies ist der Nisut als Hüter und Vertreter der Maat, also als höchste moralische Instanz, der oberste Richter innerhalb der kemetischen Gerichtsbarkeit und sitzt dem 42 köpfigen Richtertribunal der Priester vor. Alle Kemeten können dort ihre Streitigkeiten vorbringen und diese werden dann gemäß unserer Traditionen (wie bei nem Schiedsgericht gemäß deutschem Recht) beurteilt.
      In der Ausübung dieser Ämter wird er von den Mitgliedern seiner Familie unterstützt, die gemäß ihrem Rang gewisse Ämter und Funktionen ausfüllen.
      Er ist sozusagen die Schaltzentrale Kemets und der Kleber der unsere verstreute Gemeinschaft zusammenhält. Klingt alles sehr nach dem "Übel schlechthin", dem Königtum. Das Wort Nisut bedeutet tatsächlich im übertragenen Sinne in etwa so viel wie König, auch wenn "Kultkönig" es besser trifft, da sich seine weltlichen Kompetenzen innerhalb Kemets doch arg in Grenzen halten.
      Dieses Kultkönigtum kommt aber verdammt schlecht an in der Außenwelt und deswegen sagen wir dazu eigentlich seltenst irgendwas um nicht unnötig zu provozieren. Scheint aber auch nicht die richtige Taktik zu sein wenn er dann dennoch deswegen beschimpft wird. Seine Funktion wirkt nur nach innen und nicht nach außen, deshalb ist es schwer für uns zu verstehen warum sich die "Heidenwelt" daran so aufreibt.
      Also ich möchte nicht mit ihm tauschen. Dieses Amt bringt nämlich für den Inhaber eigentlich keine Vorteile sondern nur Lasten und Ärger, und ich ziehe meinen Hut davor dass er trotz allem immer wieder stellvertretend für uns seinen Kopf in die Schusslinie stellt um uns vor Angriffen und Anfeindungen zu bewahren.

      Das wars erstmal von mir dazu.
      Eh schon zu viel geschrieben

      Pasi
      Ich klink mich insofern hier aus, weil die Plattform mir nicht neutral genug dazu ist. Ich möchte an der Stelle nur noch mal abschließend folgendes zusammenfassen:

      -Das "Kemet" von Merienptah, der auch von Siat als so eine Art Kemeten-Spezialist behandelt wird, ist eine "Gruppe" von Kemeten, die im Pott beheimatet sind. Meri spricht glaub ich von irgendwas um die 80 Leute. Davon kann man jetzt halten was man will. Wenn man sich in der Heidenszene etwas auskennt, findet man die angegebene Zahl per se schon grotesk.
      -Diverse Leute, die hier u.a. auch schon mal angemeldet waren, sind allerdings der Meinung dass diese "Gruppe" aus niemand anderem als Merienptah besteht und diverse Accounts eben seine Accounts sind. In wie weit das der Wahrheit entspricht, möchte ich mal dahingestellt lassen, auch die Absicht dahinter lass ich mal offen, vielleicht ists ja einfach so eine Art Internet-Rollenspiel, das sich verselbstständigt hat, vielleicht ist es einfach geschäftsinteressierte Hochstapelei oder irgendeine Art von Störung. Ich weiß es nicht. Grotesk und bezeichnend finde ich aber, dass das offenbar wirklich viele Leute wissen und trotzdem die Klappe halten *g*
      -Btw hab ich beim KRT nachgefragt, da weiß niemand was von einer Beteiligung irgendwelcher düsseldorfer Tempelscharen am KRT

      Und persönlich: Ich habe nie irgendeine Abfuhr oder so von dem obigen Tempel bzw. der Einzelperson erfahren, nur mal nachgefragt. Persönlich wurde es als ich hier andeutete, dass ich es für etwas persönliches halte, wenn man den Blog der hier sehr unbeliebten Sati als alles andere als kemetisch bezeichnet. Mehr hab ich nicht geschrieben. Dann ist der Pharao ausgetickt *g*
      Persönlich Teil 2 ist, dass ich diese Geschichte natürlich auf den diversen anderen Plattformen ausreichend publizieren werde, weil das auch meinem Verständnis von Ma'at entspricht während das wackelige Lügengerüst um Merienptah Isfet entspricht. Merienptah

      ciao, Chao