Kindergeschichte, irgendwie heidnisch

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      Kindergeschichte, irgendwie heidnisch

      Ich habe in einem Buch eine Kindergeschichte gefunden, die in die Rubrik heidnische Familie/Erziehung passt, hier ist ein Auszug (es geht darum, dass ein paar Tiere nach einem Otterkind suchen):

      Sie landeten schweigend und bahnten sich ihren Weg durch das blühende und duftende Grün … bis sie auf einem kleinen, wunderbar grünen Rasen standen, der von
      wildwachsenden Obstbäumen bestanden war – Holzapfel, Wildkirsche und Schlehe. „das ist das rot meines Traumliedes, der Ort, an dem ich die Musik gehört habe“, flüsterte die Ratte wie in Trance, „hier an diesem heiligen Ort, hier, falls überhaupt irgendwo, werden wir ihn sicher finden!“ Dann fühlte sich der Maulwurf plötzlich von großer Ehrfurcht ergriffen … es war kein panischer Schrecken – nein, er fühlte sich wunderbar friedlich und glücklich – statt dessen war es eine Art von Ehrfurcht, die ihn traf und in ihrem Bann hielt … und immer noch wuchs das Licht und wuchs und wuchs … der Aufruf schien immer noch beherrschend und gebieterisch.
      Er durfte sich nicht weigern, selbst wenn der Tod wartete, um ihn sofort niederzustrecken, sobald er sich die dinge angesehenen hatte ...die zu recht er versteckt gehalten wurden. Zitternd gehorchte er … und dann, in jener vollkommenen Klarheit des anbrechenden Morgens, während die Natur alles mit unglaublichen Farben überzog … schaute er in die Augen des großen Freundes und Helfers.

      Er sah die nach hinten gebogenen Hörner, die im zunehmenden Tageslicht schimmerten; er sah die ernste Hakennase zwischen den freundlichen Augen, die ihn amüsiert
      anschauten, während der bärtige Mund sich zu einem halben Lächeln verzog, er sah die schwellenden Muskeln auf dem Arm, der über der breiten Brust lag, die lange, geschmeidige Hand, die immer noch die Panflöte hielt, die gerade erst aus den noch geöffneten Lippen abgesetzt war; er sah die prächtigen Kurven der zottigen Gliedmaßen, die in majestätischer Leichtigkeit auf dem Rasen ausgebreitet waren; und sah schließlich zuletzt, wie sich die kleine runde Form des Otterkindes zwischen den Hufen kauerte … dann beugten sich die beiden Tiere zur Erde, neigten ihre Köpfe und fingen an zu beten.

      Plötzlich und in wunderbarer Weise zeigte sich die goldene Scheibe der Sonne über dem Horizont, und die ersten Strahlen, die über die am Wasser gelegenen Wiesen schossen, blendeten sie. Als sie in der Lage waren, wieder hinzusehen, hatte sich die Vision verflüchtigt, und die Luft war angefüllt mit dem Gesang von Vögeln, die die Morgendämmerung priesen.

      Aus: Der Wind in den Weiden von Kenneth Grahame