Heiden, Kraftplätze, Rituale und... - MÜLL

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      Neferure schrieb:

      Ich war letztens mit ner Freundin in der Eifel.
      Da wollten wir auch ne heilige Quelle der Iuturna besuchen, also wir habens auch getan aber mit heilig war da nicht viel.
      Leider wars ne Müllkippe mit Wasserloch in der Mitte.


      @Neferure, wo ist die Quelle genau? Im Eifelraum sind wir häufig unterwegs, da sammeln wir immer interessante Reisetipps - auch negative, um entsprechende Artikel darüber zu verfassen und vielleicht etwas zu erreichen. In einigen Fällen haben wir von Einheimischen vor Ort schon Feedback bekommen und an einigen Orten kümmern sich nun verstärkt Ehrenamtliche, der Eifelverein oder Senioren um die Sauberkeit und z.B. Rasenbewuchs und Pflanzen.

      Wir haben mittlerweile immer eine Rolle Müllsäcke im Auto und nehmen diese - leider - mit, wenn wir antike Stätten besuchen. Manchmal erlebt man angenehme Überraschungen, wenn ein Tempel oder eine andere Stätte vor Ort von Ehrenamtlichen und Einheimischen betreut wird. Da gibt es auch sehr positive Beispiele. An vielen Orten bemüht man sich, alte Stätten zu pflegen, scheint aber nicht immer Zeit und Personal dafür zu haben, regelmäßig genug nachzuschauen, so daß die Prollo-Dreck-Fraktion meistens schneller ist.

      Manchmal verschlägt es einem jedoch auch die Sprache - wir waren neulich in einem gallo-römischen Bergheiligtum für die keltische Göttin Caiva und da hatte tatsächlich jemand einen Raum des Tempels als Toilette (!) benutzt... für ein großes Geschäft. Diese Respektlosigkeit gegenüber alten Orten hat alles getoppt; selbst wenn jemand mit einem Tempel nichts anfangen kann und selbst wenn nur Grundmauern erhalten sind, so handelt es sich immerhin um ein fast 2000 Jahre altes Gebäude und unsere eigene Geschichte. Wer kommt auf die Idee, sich in ein Denkmal zu erleichtern, zumal wenn fünfzig Meter daneben der Wald liegt?
      Hallo Corvina

      Das war zwischen Ahrweiler und Mayschoß irgendwo rechts von der Ahr in den Wald rein... Genau weiß ich das jetzt nicht mehr, da müsst ich nochmal genau nachfragen. Waren aber noch gute zwei drei Kilometer waldeinwärts.
      Eigentlich ein sehr schönes Fleckchen Erde.
      Naja wir haben dann auch aufgeräumt und den Müll entsorgt, aber das war ja nu eigentlich nicht der Grund für unsern Besuch, schließlich sind wir ja nicht als Putzfrauen auf dem Weg dorthin gewesen. Ich fand es sehr ärgerlich und meine Freundin war echt fertig mit der Welt. Also das sind so Dinge, dafür fällt es mir sehr schwer Verständnis aufzubringen.

      Na das mit dem "Häufchen" ist ja wohl echt das Allerschärfste. Auf die Idee muss man erst mal kommen wenn doch ringsum Wald is...
      Soll ich jetzt das nächste mal in Köln auch auf die Domplatte , damit die Leutz mal sehen dass das echt nicht toll ist??? Geht gar nicht sowas... *kopfschüttel*
      Selbst wenn man es nicht als Heiligtum erkennt sollte doch wenigstens ein Fünkchen Respekt vor dem Alter der Stätte da sein, oder???

      Neferure schrieb:

      Hallo Corvina

      Das war zwischen Ahrweiler und Mayschoß irgendwo rechts von der Ahr in den Wald rein... Genau weiß ich das jetzt nicht mehr, da müsst ich nochmal genau nachfragen. Waren aber noch gute zwei drei Kilometer waldeinwärts.
      Eigentlich ein sehr schönes Fleckchen Erde.


      Die Gegend kenne ich gut, aber die Quelle ist mir bislang entgangen! Wäre super, wenn Du die Möglichkeit hast, die Stelle genauer zu eruieren (zwischen Ahrweiler und Mayschoß ist ja ne Menge Wald jenseits der Weinberge). Verläuft in der Nähe zufällig einer der einschlägigen Wanderwege, an dem man sich orientieren könnte oder gibt es sonstige auffällige Wegmarken?

      Ja, Respekt vor dem Alter der Stätte ist vielen Leuten heute auch ein Fremdwort, für die sind das nur "olle Steine" ohne jegliche Bedeutung oder Bezug zu ihrer eigenen Geschichte (die sie auch nicht interessiert). Kulturanalphabetismus in Reinform.

      Wir waren am Sonntag auf der Saalburg im Taunus und der Weihealtar vor der Jupitersäule im nahegelegenen Park (der zwar "nur" eine Replik ist, aber das ist imho nicht relevant) war mit neongrünem Graffiti besprüht und dahinter lag ein Berg Müll, vor allem Essensreste und benutztes Einweg-Geschirr aus Plastik. Ein Weihestein bzw. Altar bietet halt so schön viel Fläche zum Sprühen und so ein riesiger vergoldeter Jupiter auf einer meterhohen Säule lädt offenbar geradezu dazu ein, ein Müllopfer darzubringen :thumbdown:
      Ein Nachtrag zu diesem Thema, aus aktuellem Anlass.

      Im August waren wir im gallo-römischen Tempelkomplex Varnenum bei Kornelimünster (Nähe Aachen - Monschau). Dabei handelte es sich zu römischer Zeit um einen Tempel für die in der Region beliebte germanische Göttin Sunuxal und den Gott Varneno (von dem nicht bekannt ist, ob er keltischer oder germanischer Herkunft ist, es gibt auch nur diese eine Fundstelle, von der er bekannt ist).

      Der Tempelkomplex war seinerzeit riesig, mit 2 Umgangstempeln, Wandelhalle, Priestergebäuden, Herbergen, Geschäften und allem, was der rege Pilgerbetrieb noch so benötigte. Da Kultstätten für Sunuxal selten sind und Varneno noch ungewöhnlicher, wollten wir schon immer mal nach Varnenum und uns diesen Tempel anschauen.

      Er wird heute von der Stiftung NRW betreut und ist ein geschütztes Bodendenkmal.

      Der Tempel liegt auf dem Lande, auf einer Anhöhe inmitten von Kuhwiesen. Die Lage ist eigentlich optimal, ruhig, friedlich und abgelegen. Die zwei Umgangstempel sind leicht erhöht und es führen Stufen hinauf zur Cella. Die Tempel sind, genau wie einige Nebengebäude, mit einer etwa 1 Meter hohen Mauer aufgemauert worden, damit man sie gut erkennen kann.

      Als wir diesen Tempel erreichten, waren wir ziemlich schockiert. Wir haben ja schon einiges gesehen, von den vermüllten Matronentempeln in der Eifel, wo wir regelmäßig aufräumen, über den Caiva-Tempel auf dem Berg bei Gerolstein, den jemand als Toilette mißbraucht hatte. Aber kein Ort wirkte so dauerhaft vernachlässigt, wie dieser Tempelkomplex.

      Das Gras war zwar gemäht, aber innerhalb der Gebäude wucherte wild Unkraut und Gestrüpp, so daß die Gebäude kaum zu erkennen waren. Das war aber nicht das Hauptproblem, ebensowenig wie die fehlende Info-Tafel, die vor Jahren geklaut und niemals wieder aufgestellt wurde.

      Der Schlag traf uns, als wir die Cella des ersten Umgangstempels betraten - denn beide Tempel werden offenbar von der örtlichen Dorfjugend oder sonstwem für regelmäßige Saufgelage benutzt und sind eine einzige Müllkippe. In beiden Tempeln ist ein großer Brandfleck, der von regelmäßigen Grillaktionen zeugt, und überall liegen Tetra-Packs, Glasscherben, Flaschen, Pappbecher, Verpackungen und sonstiger Müll herum, in den Gebäuden, sogar auf den Umfassungsmauern. Die Menge des Mülls war so groß, daß auch Aufräumen vergeblich gewesen wäre und außerdem wirkte es so, als wäre das eh vergeblich, weil es am nächsten Tag wieder genauso aussehen würde. Hier scheint sich ein regelmäßiger Treffpunkt absoluter Kulturbanausen zu befinden, die keinerlei Vorstellung davon haben, was ein fast 2000 Jahre altes Bodendenkmal ist oder die auch nur annähernd einen Bezug zu ihrer eigenen kulturellen Vergangenheit haben (auch nicht zu ihrer Gegenwart, offensichtlich).

      Wir bringen ja gerne Opfer in gallo-römischen Tempeln dar und viele dieser Orte sind auch noch von dem Numen beseelt, das diesen Ort einst ausmachte. Varnenum aber wirkte im wahrsten Sinne des Wortes von "allen guten Geistern verlassen" und tot, was ich keiner Gottheit verdenken kann - bei derartiger Vernachlässigung und Respektlosigkeit. Selbst ein Opfer würde sie sicher nicht verleiten, an den Ort zurückzukehren, was ich ihnen ebenfalls nicht verdenken kann... so brachten wir kein Opfer für Sunuxal (in diesem Müll war es uns einfach nicht möglich) und hatten auch keine Gelegenheit, den unbekannten Gott Varneno zu erforschen, sondern verließen den Ort eher verstört und ungehalten.

      Ich habe mich nach unserem Besuch an die Stiftung NRW gewandt, die mir schrieb, daß sie sich kümmern will und danach Bescheid sagt. Ich bin ja mal gespannt, ob da jemals eine Reaktion kommt.

      Einen ausführlichen Reiseartikel zu diesem Tempelkomplex haben wir heute auf unserer Website veröffentlicht; dort findet Ihr mehr Infos über dieser beiden Gottheiten und die Hintergründe zum Tempel, aber auch mehr zum traurigen Zustand (samt Fotos).

      Wenn sich schon nicht die einheimische Bevölkerung (oder Lokalgruppe des Eifelvereins oder lokale Heiden oder wer auch immer) berufen fühlt, dort regelmäßig für Ordnung zu sorgen, wie es an anderen römischen Stätten geschieht, dann hilft vielleicht etwas negative Publicity, auf das Problem aufmerksam zu machen - denn immerhin wird der Ort touristisch beworben und liegt am Beginn des Eifelsteigs. Und beim Geld werden die offiziellen Stellen ja immer hellhörig.

      Antike Stätten: Tempelkomplex Varnenum für Sunuxal und Varneno bei Kornelimünster