Heiden, Kraftplätze, Rituale und... - MÜLL

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      In meiner Verwandschaft gibt es einen Mann, Joseph, der hat immer einen Greifer und eine Tüte dabei, wenn er spazierengeht, und sammelt den Müll auf, der ihm auffällt. Er sucht nicht danach, es ist Teil seines Spazierganges. Er tut das ganz ohne Pathos, es fällt kaum auf, wen man ihn begleitet. Er tut es ohne (erkennbaren) Ärger auf die Verschmutzer. Er tut es einfach der Schönheit der Wege, die er begeht, zuliebe. Also zum Teil aus Eigennutz.

      Mich über die Leute zu ärgern, die sinnlos Müll verteilen, ist mir gar nicht fremd. Aber das Vorbild dieses Mannes lässt mich meinen Zorn vergessen, und ihn durch Demut ersetzen. Wer bin ich, über die Gewohnheiten anderer Menschen zu richten? Bin ich selber bereit, dafür Verantwortung zu übernehmen? Ich hinterlasse bei meinen Ritualen keinen Müll, aber selber anderen hinterherzuräumen - bin ich nur begrenzt bereit, bei ganz ausgewählten Orten. Stand jetzt.
      Ich kann mich noch gut an Plastikbändchen an der Drei Bethen Quelle erinnern. Diese befindet sich in Leutstetten (Bayern), ebenso wie eine Reihe von Hügelgräbern. Lauter Wunschbändchen in den Bäumen, aus Plastik-Kunststoffen, mit synthetischen Farbstoffen gefäbte Stoffbänder, oder Geschenkpapierbänder.
      Auf dem Grab der Heilerin lagen auf einem Baumstumpf Ü-Eier Figuren und Platikblumen ...
      Wer einen kleinen Eindruck möchte kann die Drei Bethen Quelle Leutstetten im Netz suchen.
      Mal abgesehen davon: Auch die lautstarke Belästigung von Besuchern/Wanderern über Kultplätze kann nicht richtig sein.
      Wer rennt schon schreiend durch eine Kirche, oder über einen Friedhof? ;)

      Meine Grüße

      Lohe

      Lohe schrieb:

      Mal abgesehen davon: Auch die lautstarke Belästigung von Besuchern/Wanderern über Kultplätze kann nicht richtig sein.
      Wer rennt schon schreiend durch eine Kirche, oder über einen Friedhof?


      Naja, aber auf der anderen Seite:
      Bei Kirchen, Friedhöfen, Moscheen oder was auch immer, ist eindeutig bekannt, dass diese Plätze sind, die religiös/spirituell..öh... "genutzt" werden. Da ist (leider!) der Bezug ein völlig anderer.
      Zumal Hügelgräber, Viereckschanzen, (heilige) Quellen, Tempelruinen etc.pp. eben heut zu Tage einfach "Dinge aus der Geschichte" sind, die genutzt WURDEN, aber deren religöse Bedeutung HEUTE in dieser Form (von der Mehrheit der Menschen) eben (noch) nicht in der allgemeinen Bevölkerung bekannt ist.
      Und das streift, wie ich finde, auch noch gleich ein völlig anderes "Dilemma": Nämlich den Umgang mit den Überresten "unserer" *hust* Vorfahren und den Geschichtswissenschaften, die Grabräuberei und Entweihung von (einst) heiligen Stätten betreiben... Aber ohne die wir heute das meiste überhaupt nicht wissen würden!

      Ich finde es auch nicht unbedingt lustig, wenn Besucher von mir wichtigen Plätzen sich lautstark Unterhalten, ihren Dreck hinterlassen, rücksichtslos und unaufmerksam durch die Gegend trampeln...
      Aber ich glaub, da wäre es dann mal an uns (?) dafür zu sorgen, dass das Bewusstsein dafür gestärkt wird, dass eben nicht nur archäologische Denkmäler, Naturdenkmäler oder ähnliches sind, sonder dass es eben auch heute Menschen gibt, denen diese Orte heilig sind und die erwarten, dass sich entsprechend respektvoll und achtsam benommen wird.

      Halt wieder das Thema "Aufklärung".


      LG
      Siat
      Von den Hohen erschaffen
      zu lernen, zu lehren, zu wachen
      Geboren in der Sterne Welten
      Wandern und wandeln sie
      Die Drachen
      ©Siat



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      ANB´s

      Lohe schrieb:

      Wer rennt schon schreiend durch eine Kirche, oder über einen Friedhof? ;)



      Mehr als man denken sollte. Touristen - gerade in Horden - sind der Schrecken jedes Domwächters oder anderen Aufsichtspersonal in Sakralgebäuden die auch einen "touristischen Sehenswert" haben. Uneinsichtig, laut, egoistisch und keinerlei Gespür, dass das ein heiliger Ort ist. (Wenn schon nicht für sie, dann doch für die Leute.)
      Wunderschön, wenn man miterlebt, wie Leute sich in Kirchen drängen, obwohl da gerade eine Messe stattfindet und in unzähligen Sprachen da schriftlich steht und ihnen mündlich mitgeteilt wird, dass während der Messe keine Besucher in die Kirche sollen, sie sich aber einen Weg erzwingen, da sie nicht bis nach der Messe warten können, da sonst ihr Reisebus weiterfährt.

      Von Friedhöfen - aka: Das ist unser Stadtparkersatz für unsere Sauf-Picknicks und unser Hundetobeplatz - fang ich gar nicht erst an.
      Philosophie = Liebe zur Weisheit. Nicht: Ich gebe die mir gefälligen Bruchstücke der Erkenntnisse antiker Philosophen in eigenen Worten wieder. Sapere aude!
      Ja, da hast Du völlig Recht, Umo, das kommt noch hinzu.

      Von den Friedhöfen mal völlig abgesehen, die aufgelöst werden/wurden und dann tatsächlich bewusst als Parks offen gelassen werden...
      Wo eine meiner Tanten (und ein Teil meiner Familie) begraben ist, war das z.B. auch der Fall. Der Friedhof wurde seit 1972 nicht mehr weiter belegt und dann ist daraus zum 100-jährigen Bestehen 1997 eine Grünanlage draus gemacht worden. Aus dem "Friedhof Lohbrügge" wurde der "Alt-Lohbrügger Park", in dem ein "Grabsteinweg" noch von seiner Vergangenheit kündet.

      Ich denke, solch ein "Schicksal" haben sicherlich auch andere Friedhöfe.


      LG
      Siat
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      ANB´s
      Ich kenn mich zwar mit solchen Orten noch nicht sehr gut aus und muss jetzt nach demUmzug auch erst noch etwas erkunden hier, aber eine Sache fällt mir hier beim durchlesen auf.

      Meine Mutter hat mir neulich erst von ihrem Indien-Besuch erzählt und wie sie sich über den Zstand des Taj Mahal's geärgert hat. Das es den Touri's da auch egal ist was sie da kaputt machen, hauptsache man hat einen schönen Stein oder eine Perlmuttplatte oder ähnliches als Souvenir.
      Und so lange selbst solche Orte so behandelt werden, bezweifle ich, dass es Kraftorten oder ähnlichem besser ergeht.
      Da scheint es, leider, noch sehr viel Aufklärungsarbeit zu benötigen bis sich ein Bewusstsein für Kulturstätten entwickelt. Zumindest bei einigen Menschen.
      Omnes una manet nox

      ***** ***** *****

      Alles was du sagst, sollte wahr sein! Aber nicht alles was wahr ist, solltest du auch sagen!
      Ich habe neulich die alte Kirche in Wormbach bei Schmallenberg besucht, um am dortigen Kraftplatz ein wenig "in mich zu gehen!"
      Leider wurde da nichts draus, weil zwei ältere Frauen, offensichtlich auf Kulturtour, laut aus einem Reiseführer vorlasen. Also nichts mit meditieren! Leider bin ich zu gut erzogen, aber ich hatte den starken Wunsch die beiden zu erwürgen.
      Ich war letztens mit ner Freundin in der Eifel.
      Da wollten wir auch ne heilige Quelle der Iuturna besuchen, also wir habens auch getan aber mit heilig war da nicht viel.
      Leider wars ne Müllkippe mit Wasserloch in der Mitte.

      Um die Quelle herum nur Dreck, Plastiktüten, Brotpapier, Trinkbecher, Blechdosen, Bierflaschen und was weiß ich was noch für Zeugs...
      und keine 15 Meter entfernt stehen drei große Mülleimer, alle leer...
      Sowas regt mich auf.
      Zu faul mal ein paar Schritte zu gehen und das Zeug in die Eimer zu werfen. Ey es sind Mülleimer da, warum benutzt man die denn nicht?
      Meine Freundin war am Boden zerstört dass der ihr heilige Ort so geschändet wurde. Das tat mir in der Seele weh...

      Aber das ist in Kemet ja genauso. Geht mal nach Karnak und schaut mal Abseits der Hauptwege um die Ecken, da liegt der Müll an manchen Stellen nen halben Meter hoch. Und bei Karnak weiß nun im Gegensatz zu ner versteckten Waldquelle jeder dass das ein Tempel also ein heiliger Ort ist, trotzdem lassen sie alles da fallen wo sie es zuletzt benutzt haben...

      Menschen sind echt respektlose Dreckschweine... *grummel*
      ein Mensch ist ein Mensch ist ein Mensch....
      Und leider keine Rose, dementsprechend ohne lieblichen Duft, der ihn in einem leichten Hauch umgibt.
      Menschen neigen dazu egoistisch zu handeln.
      Immerzu.
      Denn der Wunsch einen Platz rein und heilig zu halten entspringt letztlich auch dem egoistischen Wunsch eines Einzelnen oder einer Gruppe.
      Für andere ist dieser Ort nur ein Funplace oder sie haben einen anderen Begriff von Heiligkeit.
      Ich würde echt gern einen Stein aus dem Kölner Dom brechen, um mir eine Buchstütze daraus zu machen. Von so einem Schnörkelornament....
      Mich bremst jetzt eher meine Feigheit und ja auch meine (fast) gute Erziehung.
      Und meine Ehrfurcht vor geschichtsträchtigen Gebäuden.
      Und mein Respekt vor den wenigen verbliebenen wirklich Gläubigen Christen.
      Okay ich eigne mich einfach nicht für Vandalismus....

      Aber das entspringt meinem mir ureigenen Egoismus. Ich will das so, das entspricht mir.

      Ich denke oft es ist müßig etwas wollen zu wollen, nein vielmehr dass ich kein Recht habe etwas wollen zu wollen.
      Also halte ich meine besonderen Orte geheim und sammle schweigend den Müll auf, in der Hoffnung, dass die Meute irgendwann weiterzieht.
      Ich versuche nicht mehr zu erziehen (in meiner Freizeit ;o) ) .

      evtl. nehme ich bei meinem nächsten Kölnbesuch dennoch einen leichten Hammer mit..... nachdenklich