Die Edda - doch welche?

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      Die Edda - doch welche?

      Hallo, ihr Lieben,


      ich bin zwar immer noch nicht durch damit, die für mich interessanten Forenparts durchzulesen und habe momentan auch viel um die Ohren (verzeiht mir also meine aktuell noch ruhige Art), aber ich möchte mich gerne über das germanische/nordische Heidentum informieren. Das passende Schriftstück sollte da ja die Edda sein. Doch welche?

      Bei Amazon habe ich die folgende gefunden: amazon.de/Edda-Snorri-Sturluso…=8-1&keywords=snorra+edda
      Snorri scheint ja die Edda niedergeschrieben haben und mehr oder weniger der Martin Luther des nordgermanischen/skandinavischen Heidentums zu sein.

      An dieser Stelle interessieren mich grob drei Sachen:
      1.) Welche ist die "perfekte" Übersetzung/Niederschrift der Edda? Leider verfüge ich lediglich über Englisch- und Deutschkenntnisse. Isländisch oder ähnliches beherrsche ich leider nicht. :(
      2.) Handelt es sich bei den skandinavischen Göttern der Edda auch um die Götter der alten Stämme, Klans und co. Deutschlands? (Lediglich ein historisches Interesse, bevor deswegen irgendwelche Diskussionen entstehen).
      3.) Gibt es - ähnlich der Bibel - eine komplette Abhandlung der Werte dieser Religion?

      Danke schon einmal im Vorraus! :)
      Hallo Vike,

      Weißt du, dass es zwei gibt? Einmal die Prosa-Edda (die von Snorri) und einmal die Lieder-Edda.

      Vike schrieb:

      1.) Welche ist die "perfekte" Übersetzung/Niederschrift der Edda?


      Es gibt keine perfekte Übersetzung, da es bei Übersetzungen naturgemäß immer Dinge gibt, die nicht 1:1 wiedergegeben werden können. Das betrifft besonders poetische und mythische Texte. Die Übersetzung von Krause, die du verlinkt hast, ist aber eine der guten. Für "Neueinsteiger" vor allem auch geeignet, da er viele Fußnoten und Erklärungen hat.

      Vike schrieb:

      2.) Handelt es sich bei den skandinavischen Göttern der Edda auch um die Götter der alten Stämme, Klans und co. Deutschlands? (Lediglich ein historisches Interesse, bevor deswegen irgendwelche Diskussionen entstehen).


      Ein klares: Jain. Man kann klar Parallelen ziehen z.B. zwischen dem skandianvischen Thor und dem germanischen Donar, dem skandinavischen Odin und dem germanischen Wotan und so weiter. Allerdings gab's auf dem Festland auch noch jede Menge andere Götter. Und von einigen der skandinavischen gibt es auf dem Festland keine Spur. Zudem reden wir hier von einem Zeitunterschied von einigen Jahrhunderten, da tut sich in der Götterwelt und dem Glauben der Menschen so einiges, da das ja nichts statisches ist.

      Als preiswertes Einsteigerbuch für einen Überblick kann ich dir "Der Glaube der Germanen" von Rudolf Simek empfehlen.

      Vike schrieb:

      3.) Gibt es - ähnlich der Bibel - eine komplette Abhandlung der Werte dieser Religion?


      Nein, es war weder eine schriftliche Religion noch eine mit einem heiligen Buch. Es gibt allerdings Asatruar die versucht haben nach dem, was überliefert ist, sich einen passenden Regelkanon zu geben an dessen Werte sie sich orientieren. Hier zum Beispiel: vfgh.de/data/te_2.asp?MLEVEL1=21&MLEVEL2=50&MLEVEL3=10
      Philosophie = Liebe zur Weisheit. Nicht: Ich gebe die mir gefälligen Bruchstücke der Erkenntnisse antiker Philosophen in eigenen Worten wieder. Sapere aude!
      Dem schließe ich mich jetzt einfach mal an.

      Kleinigkeit noch, Krauses Edda-Übersetzung sind drei Reklambände: Prosa-Edda, Heldenlieder und Götterlieder, weil die Liederedda sinnvoll auf zwei Bände aufgeteilt wurde, jeweils erläutert und kommentiert. Letzteres finde ich ganz sinnvoll, gerade wenn man mit der Materie nicht so vertraut ist. Ich finde diese Ausgabe empfehlenswert.
      Zusätzlich ist es auch ganz empfehlenswert, sich nicht nur über das religiöse Weltbild "der Germanen" zu informieren (auch da teile ich Umos Empfehlung) sondern auch ein wenig über die geschichtlichen Hintergründe.

      Z.B. das:

      amazon.de/Die-Geschichte-Germa…nulf-Krause/dp/3593368854
      Schatz fahr vorsichtig, hinter uns is Stau.

      "Die Nazis haben den Ruf der Nazis so versaut, dass nicht mal mehr Nazis Nazis sein wollen." Philip Meinhold
      Oder Duke Meyers Pantheon eibensang.de/index.php/category/schweinepriester/goetter/ ;)

      Ich fand und finde beide erfrischend (vor allem im Vergleich zu "verstaubten" Werken aus dem 19. / frühen 20. Jh) und den Einstieg in die germanische Götterwelt enorm erleichternd. Aber man sollte nicht vergessen, dass beide Künstler sind, die eine intelligente und sehr persönliche Auseinandesetzung mit ihren Göttern präsentieren. So gut und inspirierend ich das finde, es hat mit der Edda, der schriftlichen Hauptquelle*) des nordischen Pantheons und Weltbilds erst mal wenig zu tun.
      Ich bin der Ansicht, dass man um als "christlich verbildeter" Mensch unserer Zeit die polytheistische Auffassung und das Weltbild das den germanischen Götterbildern zugrunde liegt, einigermaßen begreifen und nachvollziehen zu können, auch historisches und kulturelles Hintergrundwissen braucht. Wenn du also tiefer einsteigen willst @ Vike, kommst du um Sachbücher wie die von Simek oder Krause nicht herum.


      *) Hauptquelle deshalb, weil außer dieser mittelalterlichen Handschrift und deren Abschriften eher wenig "germanisches" überliefert ist. Kontinentalgermanisch, also antik oder frühmittelalterlich noch weniger, aus verschiedenen Gründen wie frühe Christiansierung, nicht-schriftliche Kultur der Germanen, vereinzelte Darstellungen "von außen" (Griechen, Römer, Missionare usw). Während in Skandinavien durch die schriftliche Fassung der Königs- oder Siedlungssagas und die Skaldendichtung durch -christliche- Autoren doch einiges an heidnisch-kulturellem Erbe erhalten wurde. Aber das ist wie Umo schon weiter oben anmerkte, ein Ausschnitt aus einer ganz bestimmten Zeit in einem ganz bestimmten geografischen und kulturellem Raum.
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      Jetzt hab ich mich glaub lange genug diesbezüglich auf die Hände gesetzt, aber es muss raus: Snorri Sturluson war Katholik (wie so gut wie alle Norweger und Isländer im Hochmittelalter) ;)
      und hat weder den "heidnischen Glauben" reformiert, noch war er Heide, oder hat den "heidnischen Glauben" in Landessprache in Buchform gebracht. Island war zu Snorris Lebenszeit schon zweihundert Jahre offiziell christlich (Christen hatte es aber schon vorher auf Island gegeben und ein paar vergebliche Missionierungsversuche). Snorri war aber wohl sehr interessiert daran, isländische Kultur und Idendität zu erhalten. Kurzer Überblick hier: de.wikipedia.org/wiki/Snorri_Sturluson
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      Ich wuerde dir eher die Uebersetzung von Simrock empfehlen. Das ist auch die, auf die man sich normalerweise in der Skandinavistik stuetzt, zumindest im Studium wird auf die gepocht. Gibt es uebrigens auch von Reklam. Es gibt auch ein paar Ausgaben, die sowohl Goetter- als auch Heldensagen beinhalten, ein bisschen stoebern, und du wirst sicher fuendig.
      Natuerlich ist es immer am besten, die Originalsprache verstehen zu koennen, aber gluecklicherweise sind deutsch und die skandinavischen Sprachen nah genug verwandt miteinander, dass Uebersetzungen leichter sind. Auch wenn du Islaendisch koenntest, wuerde dich das nur bedingt weiter bringen, da die Edda immerhin auf alt-islaendisch geschrieben ist ;D

      Wenn du ausserdem etwas lesen moechtest, das "einfacher" geschrieben ist [einige Stellen in den Uebersetzungen sind unklar und bleiben unerklaert], wuerde ich dir das Buch "Odin - Nordische Goettersagen" von A. Kayser-Langerhanß empfehlen. Hab da eine sehr schoen gebundene Ausgabe mit Illustrationen; macht sehr viel Freude, darin zu stoebern. Allerdings solltest du die "Originale" in Uebersetzung zuerst kennen, bevor du dich da ransetzt.

      Das "Handbuch der Germanischen Mythologie" von Golther wuerde ich dir auch ans Herz legen. Hier wird die gesamte Mythologie, Goetter, Braeuche etc auf knapp 800 Seiten analysiert ;D

      Zu 2. Wotan ist nur ein anderer Name fuer Odin, der Gute hat ein paar mehr ;) Frey/Yngg/Frøy auch alles Namen fuer den Gleichen, etc. Sollte mir jemand weiß machen wollen, dass die Nordler und die nicht-keltischen Germanen unterschiedliche Pantheons hatten, würde er kläglich scheitern :) Die Theorie waere meines Erachtens etwas zu weit hergeholt als dass sie glaubhaft sein koennte. Dass in verschiedenen Zeiten und verschiedenen Gebieten andere Goetter hoeher geschaetzt wurden, kann man dafuer nicht abstreiten. Manche Gebiete sahen Odin/Wodan/... als ihren hoechsten Gott an, andere wiederum legten mehr Wert auf Thor, andere auf Frey, und so weiter. Die drei sind denke ich die bekanntesten der germanisch/nordischen "Hauptgoetter", oder wie man das nennen mag, wobei es auch Anzeichen gab, dass z.B. Tyr, der in der Edda nur noch eine kleinere Rolle spielt, frueher einmal ebenfalls den Thron innehatte. Das heisst aber noch lange nicht, dass es sich hier um unterschiedliche Pantheons handelt - ganz im Gegenteil.

      3. wurde schon beantwortet, 'nein'. Eine Abhandlung wie in der Bibel war aber laut manchen gar nicht wirklich notwendig. Man brauchte einfach gesunden Menschenverstand, dann wusste man, was man besser tun oder lassen sollte :) Anders als bei manchen moderneren Religionen wurde das frueher noch ganz selbstverstaendlich vorrausgesetzt.
      Mein 'nein' gilt hier dem "aehnlich der Bibel". Tatsaechlich aber gibt es in der Edda ein Lied, Hávamál, in dem einige Verhaltensregeln behandelt werden, und daraus kann man sich sehr gut ableiten, was als gut und schlecht galt, entspraeche den Verhaltensregeln, nach denen du gefragt hast.

      Uruwen schrieb:

      Das "Handbuch der Germanischen Mythologie" von Golther wuerde ich dir auch ans Herz legen. Hier wird die gesamte Mythologie, Goetter, Braeuche etc auf knapp 800 Seiten analysiert ;D



      Oh....wait... :stop2:

      Die Bearbeitungen vom H.J. Hube sind mit großer Vorsicht zu genießen. (Sei es nun seine Bearbeitung von Golther, der Heimskringla, der Gesta Darnorum oder was er noch alles für den Marixverlag verbrochen hat. Der ist berüchtigt dafür, dass seine sogenannten "Übersetzungen" lückenhafte und fehlerhafte Nacherzählungen sind, dafür aber voll von absurden Kommentaren.)

      Und was Golther betrifft: Achtung, was der schreibt, ist der Wissens- und -deutungsstand des 19. Jahrhunderts! (Originalausgabe von 1908 auch wenn in der Marix-Ausgabe "Erstauflage" steht!!) Gerade Neueinsteigern in die Materie würde ich empfehlen sich erst einmal genügend Wissen bei modernen Autoren anzulesen um dann vergleichen zu können, was in solchen Werken geschrieben wurde.

      Uruwen schrieb:


      Wenn du ausserdem etwas lesen moechtest, das "einfacher" geschrieben ist [einige Stellen in den Uebersetzungen sind unklar und bleiben unerklaert], wuerde ich dir das Buch "Odin - Nordische Goettersagen" von A. Kayser-Langerhanß empfehlen.


      Es sieht schön aus, hat aber inhaltlich ebenso viel - oder wenig - mit den alten Stoffen zu tun wie Richard Wagners "Ring des Nibelungen" mit der Völsungasaga. ;) Sind eben Gedichte einer Dame von 1880, die nordische Mythologie zum Inhalt haben.
      (Auch nichts, was ich einem Neueinsteiger unbedingt empfehlen würde.)


      Uruwen schrieb:

      Sollte mir jemand weiß machen wollen, dass die Nordler und die nicht-keltischen Germanen unterschiedliche Pantheons hatten, würde er kläglich scheitern :)


      Wo findest du im skandinavischen Pantheon denn Götter wie wie zum Beispiel Apadeva, Hludana, Seneucaega, Nehalennia oder Gebrinius? Oder im festlandgermanischen Spuren von extrem-nordischen wie Skadi (bei der manche samische Einflüsse vermuten)?
      Philosophie = Liebe zur Weisheit. Nicht: Ich gebe die mir gefälligen Bruchstücke der Erkenntnisse antiker Philosophen in eigenen Worten wieder. Sapere aude!
      "Mit Vorsicht" ist schoen und gut. Ich bin davon ausgegangen, dass jemand, der sich an wissenschaftliche Bearbeitungen setzt (egal welchen Stand die sind), Verstandes genug ist, alle Faktoren mit einberechnen zu koennen, und nicht alles, was er gedruckt vor sich hat, als bare Muenze nimmt. Soviel hab ich jetzt Vike zugetraut. Uebrigens ist auch nicht alles, was modern ist, wissenschaftlich korrekt, und wenn man Golther "mit Vorsicht" geniesst, wie du so schoen sagtest, dann kann man das was er schreibt, durchaus geniessen.

      Umo schrieb:

      Es sieht schön aus, hat aber inhaltlich ebenso viel - oder wenig - mit den alten Stoffen zu tun



      Mhm, darum sage ich ja, man solle die "Originalquellen" zuerst lesen.
      Wobei wir beim Thema "Originalquellen" waeren, da selbst die "Originalquellen" in diesem Fall keine Originalquellen sind :) Der liebe Snorri hat sich zwar erbarmt, die muendlichen Ueberlieferungen aufzuschreiben, damit sie nicht in Vergessenheit geraten, aber dass seine Sammlungen genauso wie die Lieder-Edda nicht mehr unbedingt 100% dem Original entsprechen, ist weitgehend bekannt.

      Umo schrieb:

      Wo findest du im skandinavischen Pantheon denn Götter wie wie zum Beispiel Apadeva, Hludana, Seneucaega, Nehalennia oder Gebrinius?



      Hmm, hast du da was ueberlesen? Darf ich mich selbst zitieren?

      Umo schrieb:

      die Nordler und die nicht-keltischen Germanen


      Das sollte deine Frage eigentlich beantworten, bzw sollte dir klar werden, dass du da etwas vorbeigeschossen hast ^^'

      Uruwen schrieb:

      Ich bin davon ausgegangen, dass jemand, der sich an wissenschaftliche Bearbeitungen setzt (egal welchen Stand die sind), Verstandes genug ist, alle Faktoren mit einberechnen zu koennen, und nicht alles, was er gedruckt vor sich hat, als bare Muenze nimmt.


      Jeder sollte Faktoren einberechnen können wie die, dass Golther alt ist und Hubes Bearbeitungen schlecht? Woher soll er die Faktoren denn haben? Um das zu wissen, muss man sich doch mit der Thematik schon ausreichend beschäftigt haben.

      Uruwen schrieb:

      Uebrigens ist auch nicht alles, was modern ist, wissenschaftlich korrekt,


      Ja, nur noch mal: Um beurteilen zu können, was korrekt sein könnte und was nicht, dafür braucht es wieder mal eine solide Basis an Wissen. Denn an was sonst sollte man in diesem Falle fest machen können, was korrekt ist und was nicht?

      Umo schrieb:

      Wobei wir beim Thema "Originalquellen" waeren, da selbst die "Originalquellen" in diesem Fall keine Originalquellen sind :) Der liebe Snorri hat sich zwar erbarmt, die muendlichen Ueberlieferungen aufzuschreiben, damit sie nicht in Vergessenheit geraten, aber dass seine Sammlungen genauso wie die Lieder-Edda nicht mehr unbedingt 100% dem Original entsprechen, ist weitgehend bekannt.


      Vieleicht habe ich mich unklar ausgedrückt, ich sprach von den originalen Quellen, aus denen all unser Wissen über nordische Mythologie stammt. Im Unterschied zu neuzeitlichen Gedichten, Opern, Schauspielen und Märchen mit "nordischem" Flair, die Leute sich in Anlehnung an diese originalen Quellen ausgedacht habe.

      Ich gehe davon aus, dass ein "100% Original" wie du es wohl meinst (also heidnisches, mündliches) nicht einmal bei den Zeitgenossen festzumachen war, da es es keinen einheitlichen Glauben gab, sondern große zeitliche und regionale Unterschiede in den Vorstellungen.

      Uruwen schrieb:

      Hmm, hast du da was ueberlesen?


      Ich werde dich wohl eher missverstanden haben. Ich war davon ausgegangen dass du das skandinavische Pantheon als "Nordler" bezeichnet hast und Festlandgermanen als "nicht-keltische Germanen". Meintest du da etwas anderes?
      Philosophie = Liebe zur Weisheit. Nicht: Ich gebe die mir gefälligen Bruchstücke der Erkenntnisse antiker Philosophen in eigenen Worten wieder. Sapere aude!