Etwas "verschreien"

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      Etwas "verschreien"

      Uruwens Vorschlag folgend versuche ich mal, die Posts zum Verschreien aus dem anderen Thread auszukoppeln und einen eigenen aufzumachen.

      Ein schönes Beispiel ist meine Mutter: vor lauter Angst, etwas zu verschreien, wagt sie es nicht, sich über irgendetwas zu freuen. Meine Schwester und ich haben ganz bewußt entschieden, dass wir das so nicht handhaben wiollen. Wir wollen uns immer dann freuen, wenn uns danach ist, und das auch lautstark zum Ausdruck bringen.

      Soweit zur Überzeugung. Die Erfahrung lehrt uns das Gegenteil. Sobald eine von uns ausspricht: "jetzt läuft es so, wie ich es mir wünsche", kommt ein Rückschlag daher. Also haben wir es doch verschrien? Obwohl wir nicht daran glauben? Was ist das für eine verquere Magie!

      Post was edited 2 times, last by “Solveig” ().

      Moin Moin, hi Solveig

      es gibt mehrere Überzeugungen bei mir zu diesem "Themenkreis", die teilweise gleichwertig neben einander stehen und die sich dann wieder geringfügig verändern "können".

      Eine der "gewicht"igsten Erfahrungen der letzten Jahre war die mit dem NICHT kommunizierten Rauchstopp, bei welchem ich ganz bewusst selektiert habe wem ich davon erzähle und wem nicht. Weil an diesen !Überzeugungen! derart viele Felder andocken, dass es schier unmöglich ist sich seine eigenen (grad egal ob positiv oder negativ) Gedanken zu erhalten.

      Da habe ich die wertvolle Erfahrung gemacht, dass es enorm hilft den Schnabel zu halten bis man ( also ich) sicher im EXraucherdenkfeld verankert ist.
      Bei magischen Akten gibt es in einigen Traditionen diesen Satz

      Wissen
      Wollen
      Wagen
      Schweigen, der soll laut einiger Rückmeldungen aus magischen Kreisen auch ganz sinnvoll sein, vor allem wenn es sich bei der Magie um einseitig positive ! für eine Seite handelt.

      Warum einige magische Manipulationsversuche in der Gegenwart oder der Zukunft ins Leere laufen, obwohl der Magier alles "richtig" gemacht hat, das ist eine Frage, die mich weniger bewegt.
      Sich länger als unbedingt nötig ( zur Analyse) mit Misserfolgen ( oder dem was er sie es als Misserfolg interpretiert) zu beschäftigen halte ich für eitel.

      Übrigens kann ich mich auch mit Misserfolgen schmücken und jedesmal wenn ich einen habee damit enorm viel Zuspruch erhalten. *g* Dann kann sich das ganze Erfolg Misserfolg dings ratz fatz in einen Selbstläufer verwandeln und ich lande automatisch im Dreck (selbst gewählt aber nicht mehr im Bereich indem ich das noch bewusst steuern könnte, weil schon LÄNGST in den Körperzellen verankert und damit das hauseigene Destruktions - Programm )

      Für viel viel Geld wurden in den letzten Jahren solche Destruktionsprogramme zu Hauf verhökert, als Gewinnoptimierung getarnt, in den persönlichen Bereich verscherbelt, zum Beispiel das positive Denken, das gibt es in X Abhandlungen und auch alle GewinnerProgramme die den Leut den ultzimativen Weg zum Reichtum versprechen ...

      Das dauert lange bis man ( also auch ich *fg* ) das durchschaut.

      Ergo, ich halte weder das Verschreien für etwas das unbedingt so sein muss noch meine ich, dass es immer nützlich ist zu schweigen. Das muss ich für mich jedes Mal neu erfragen und austesten, am besten funktioniert bei mir eine gelassene zufriedene Grundhaltung mit ab und an einer Spitze an Wissen / Wollen / Wagen und Schweigen. UND dann loslassen und wieder zurück zur zufriedenen gelassenen Grundhaltung.

      liebe Grüsse fee
      >nunNUN(°>
      Ich gehe jetzt mal hilfweise davon aus, dass sog. Aberglauben auch ganz handfeste, praktische Hintergründe haben können.
      Es gibt zu diesem "verschreien" auch eine ganz bodenständige Redewendung, die da lautet: Wer gackert muss auch legen. Das markiert eigentlich schon ganz gut den Rahmen, in dem das mutmaßliche verschreien stattfindet. Wenn ich nämlich immer lauthals tolle Projekte verkünde, die dann aus Gründen, die im Vorfeld so vielleicht gar nicht absehbar waren, scheitern, bin ich schnell als Schwätzerin verschrieen,die man nicht ernst nehmen muss. Wenn' s ganz dumm läuft, programmiere ich mich womöglich selbst auf gackern statt legen. Ich habs ja schließlich verschrieen und muss mich mit sachlicher Analyse, warum mein Projekt nix wurde z.B. schlechte Vorbereitung, übersehen wichtiger Details oder Hindernisse, Fehleinschätzung meiner Fähigkeiten usw., gar nicht mehr auseinandersetzen. Das bringt mich auf Dauer zwar Erfolgen nicht näher, ist aber wenigstens bequem.

      Ganz praktisch ist Schweigen auch, wenn man sich in der Frühphase seines Projekts die Neider und Saboteure vom Hals halten will. Was die nicht wissen, macht sie nicht heiß und ich hab meine Ruhe.

      Ein bissche was anderes ist meiner Meinung nach das "Tabu", sich allzu lautstark über etwas zu freuen. Da ist mir schon öfter der Aberglaube untergekommen, dass das Unglück bringt. Zu früh gefreut, klar, man kann nicht wissen, ob man wirklich diejenige ist, die zuletzt lacht. Man kann das aber auch als Mahnung zur Bescheidenheit und Warnung vor Hochmut interpretieren. Man kann durchaus im hochmütig arrogantem Überschwang in die eigenen Fallen rauschen, z.B. die schlechte Vorbereitung.

      Und schließlich kann man auch alles richtig gemacht haben, freut sich nen wohlverdienten Hampel über seinen Erfolg, und dann trifft einem doch irgendein Tiefschlag. Shit happens, das eine muss mit dem anderen vielleicht gar nichts zu tun haben. Man ist aber gerade so auf Freude und Stolz gepolt, dass einen der Schlag einfach nur wesentlich schmerzhafter trifft, auch wenn er an sich vielleicht gar nichtso hart war, objektiv betrachtet.

      Ich würde dieses verschreien und Co. nicht überbewerten, aber die Mechanismen im Auge behalten die damit verbunden sind.
      Schatz fahr vorsichtig, hinter uns is Stau.

      "Die Nazis haben den Ruf der Nazis so versaut, dass nicht mal mehr Nazis Nazis sein wollen." Philip Meinhold
      Diese Unterscheidungen leuchten mir absolut ein. Der Ausspruch "über ungelegte Eier gackern" oder "das Fell des Bären verkaufen, ehe man ihn erlegt hat", sind auch mir geläufig. Das ist aber weniger die Richtung, die ich meine.

      Bedrohlich finde ich Programierungen wie: "Den Vogel, der morgens singt, den holt am Abend die Katz". Wenn man sich so etwas zum Lebensmotto nimmt, erstickt es jede Freude schon im Keim. Dahinter steht wohl die Überzeugung, dass die Götter neidisch sind und den Menschen ihre Erfolge nicht gönnen. Im Chinesischen gibt es auch so eine Geschichte mit "schlechter Reis". Nur nicht zugeben, dass etwas gelungen ist, sonst wird es einem genommen.

      Da ich die Götter so nicht erlebe, und auch mit Göttern, die mich mit Neid und Argwohn verfolgen, nichts zu tun haben möchte, distanziere ich mich ganz bewußt von solchen Sprüchen. Dennoch holen sie mich mitunter ein.
      Ist das nun "Zufall" (mir fällt halt auch mal ein Mißerfolg zu, wenn ich ihn nicht "verdient" habe), oder eine tiefe Prägung, die den Ausstieg aus einem Familienmuster verhindert? Sitzen diese Sätze aus unserer Sozialisierung so tief, dass man sie selbst mit Bewußtheit nicht aushebeln kann? Das ist die Frage, die mich beschäftigt.
      Mag sein, dass Götter prinzipiell nicht übelwollend sind. Deswegen kann einem trotzdem was "unverdientes" zustoßen. Passiert mir auch ;)
      Was aber Götter auf keinen Fall machen, ist einem die Arbeit und die Aufmerksamkeit abnehmen.

      Da fällt mir ein, es gibt im Grimmschen Märchenschatz geradezu einen "Verschreiklassiker".
      Da ist dieser Kerl, der vor lauter Vorfreude um sein Feuerchen hüpft: "Ach wie gut dass niemand weiß, dass ich Rumpelstilzchen heiß' ...". Vor lauter Freude darüber, dass eine gewisse Königin wohl nie seinen Namen erraten wird, merkt er gar nicht, dass er ausgespäht wird. Hätte er sich mal mehr um sein Unternehmen und seine Umgebung gekümmert, dann hätte er den Sack in aller Ruhe zumachen können.
      Ich versteh dererlei eher als Warnung denn als Fluch. Den Spaß muss man sich ja nicht nehmen lassen, nur weil's nicht immer rund läuft im Leben.
      Schatz fahr vorsichtig, hinter uns is Stau.

      "Die Nazis haben den Ruf der Nazis so versaut, dass nicht mal mehr Nazis Nazis sein wollen." Philip Meinhold
      Well met, alle zusammen ;)

      Verschreien kenne ich aus dem Bereich, dass über Glück und Co so wenig wie möglich besprochen werden sollte um den Neid der Zuhörer (und das kann durchaus auch das unsichtbare Volk rundherum betreffen!!!) nicht zu erregen. Aus demselben Grund wird nicht lauthals drüber gesunden, wie gut es einem ginge ...
      Rein pyschkologisch ist das zusätzlich noch garnicht blöd, weil die meisten Leuts ein Issue haben mit "mir geht´s sooo gut" (weil sie im Inneren nicht davon überzeugt sind, dass sie das auch verdient hätten und sich damit dann selber ein Bein stellen, weil das ja ned sein kann *g*)
      Bright blessings
      Anufa
      Ich kenne das irgendwie gar nicht. Den Ausdruck "verschreien" hab ich hier im Norddeutschen noch nie gehört. Das hab ich hier im Forum erstmalig gelesen. Aber ehrlich gesagt: Ich freu mich und ich rede über meine Pläne und irgendwie .... geht es immer besser je lautstarker ich mich freue oder drüber rede.

      Klar - auch bei mir geht mal was daneben oder Dinge, die gut zu laufen schienen funktionieren nicht: Aber ich käme nie auf den Gedanken da übelwollende Kräfte für verantwortlich zu machen. So ist das halt im Leben: Dinge gelingen oder misslingen. That's life!
      Moin Moin,

      ist ein Unterschied von Land zu Land und von Kultur zu Kultur mMn und dem was ich schon an Erzählungen gehört habe. Zum Beisiel ist es angeblich in den Usa kein Makel reich zu sein und das auch meterweit aus dem Fenster zu hängen.
      Keine Ahnung woher hier in unseren Landen diese Angst vor Neid herrührt. Wobei die zwei ja wundervolle Gefährten sind. Angst und Neid.

      Auch interessant ist wieso dieses dem *anderen* Nichts gönnen in manchen Landstrichen gradezu ein ansteckender Virus zu sein scheint.
      Kommt das von diesem *ich gönne mir nichts und den anderen auch nicht?*
      Irgendwie eine Art emotionale (soziale) mentale Magersucht ...
      Eine Frau, aus einem der Dörfer hier sagte mal sie erzähle nicht mehr wenn es ihr schlecht geht, weil sie das Gefühl hat, dass das ander Leut ungemein freut.
      Die nexte meinte, dass ihre Nachbarn neidig seien, weil sie nun ein neues Haus gebaut hätten.
      ich kann mir gut vorstellen, dass Angst vor Neid vor allen dann entsteht wenn ich meine, dass mir Gutes ( Gutes jeweils individuell definiert) nicht zusteht.

      lg fee
      >nunNUN(°>
      Stimmt, "verschreien" im magischen Kontext scheint auf den süddeutschen Sprachraum begrenzt zu sein. Sollte man mal einen Germanisten zu fragen. Ist aber auch möglich, dass sich das verschreien im magischen Sinn im südlichen Sprachraum länger gehalten hat.
      Das Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens behandelt "verschreien" unter dem Stichwort "verhexen".
      Es scheint tatsächlich einen Zusammenhang mit Lob oder Erfolg einerseits oder übelwollendem Fluch andererseits zu geben. Dass Glück und Erfolg übelwollende Neider anziehen kann scheint eine tief verwurzelte Idee zu sein, und ist ja grundsätzlich nicht abwegig.

      Wenn ich eine ausgesprochene Glücksträhne habe, freut mich das natürlich unbändig und ich genieße es auch und bin stolz und alles. Aber im Hintergrund knistert ganz leise so ein Gefühl, als ob soviel Glück etwas zerbrechliches sein könnte, das man schützen muss und nicht "strapazieren" darf.
      Ob das jetzt "verdient" ist oder nicht, hat ja mit dem Wesen von "Glück" erst mal nix zu tun. Glück darf gerne "unverdient" sein.
      Erfolg oder Heil sind andere Kaliber, dafür muss und kann man arbeiten. Mit einem Quentchen Glück oder, wie es früher hieß, Fortune wird die Sache dann rund.
      Glück oder Fortune sind aber schlecht steuerbare Faktoren, abhängig von den Launen des Zufalls, der Götter oder "guten" und "bösen" Nornen. Also ist man in diesem Bereich logischerweise auf der Hut, weckt lieber keine schlafenden Hunde und verschreit sein zartes Pflänzchen Glück lieber nicht.

      Das finde ich noch völlig im gesunden Bereich. Wenn jemand sich gar nicht traut, sich über etwas zu freuen, aus Angst es zu verschreien, das finde ich allerdings auch bedenklich. Ich glaube nämlich, dassGlück gerne zu denen kommt, die's auch zu schätzen wissen. Und ein bisschen bejubelt will so Glück schon werden. Das liegt vielleicht in seiner Natur?
      Schatz fahr vorsichtig, hinter uns is Stau.

      "Die Nazis haben den Ruf der Nazis so versaut, dass nicht mal mehr Nazis Nazis sein wollen." Philip Meinhold
      Interessanter Aspekt, dass die Angst, etwas zu verschreien, ein regionales Brauchtum ist. In unserer Region scheint es stark verankert zu sein. Da fällt mir z.B. "Klopf auf Holz" ein: wenn ich etwas sage wie "so etwas ist mir noch nie passiert!" muss ich danach dreimal auf ein Holzstück klopfen, sonst passiert es mir postwendend.

      Fallen euch noch andere "volkstümliche magische Praktiken" oder Aussprüche ein?