Aschera

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      Ich komme über den Thread "Ursprünge Israels" drauf. Bekannt ist ja seit langem, dass es in der Religion des JHWH offenbar lange Zeit eine weibliche Göttin namens Aschera gegeben haben muss. Mich macht diese Göttin sehr neugierig. Rein wissenschaftlich habe ich das erste mal in einem religionswissenschaftlichen Seminar davon gehört, als es um eine Scherbe ging in der "JHWH und seine Aschera" als Schriftzug vorkamen.

      Seither habe ich nicht viel Neues darüber gehört. Weiss jemand wie der Stand der Forschung zu diesem Thema ist? Gibt es aus spiritueller Sicht bereits Annäherungen an diese Göttin (womöglich im Dianic Wicca oder aus dem grossen Bereich der Göttinnenspiritualität?

      Soweit zu meinen Fragen. Aber hier nun auch meine persönlichen Überlegungen und Wahrnehmungen, die natürlich sehr persönlich gefärbt sind: Ich habe einige Erfahrung mit dem jüdischen Glauben machen können, war vor vielen, vielen Jahren auch selbst in Jerusalem und dort in verschiedenen Synagogen und Familien zu Gast. Was mich immer fasziniert hat, war das jüdische Frauen-Bewußtsein, dass so gar nicht zu einer Religion zu passen schien, die von einem männlichen Gott geprägt ist. Die Frau ist die Priesterin des Hauses. Sie ist diejenige an der sie allwöchentlichen Rituale hängen, die den Sabbath erst ermöglicht. Sie ist diejenige, die das Haus als zentrales Heiligtum reinigt, bewahrt und gestaltet und die durch das Gebären der Kinder als Garantin der Religion gilt.

      Zugegeben: Die Männer sind im öffentlichen Leben die Wortführer - aber in Wahrheit kommt niemand der der jüdischen "Mama" vorbei. Sie ist maßgeblich für persönliche Entscheidungen und von der Billigung der Frauen hängt ab ob die Männer ihre Pläne durchsetzen können - und bei den älteren Männern wohl auch welche Entscheidungen sie überhaupt zu treffen wagen ;)

      Als spiritueller Mensch habe ich in den jüdischen Ritualen bei denen ich dabei sein durfte und beim Durchwandern der Heliigen Stätten durchaus die Präsenz und Macht des männlichen Gottes wahrgenommen. Der Gott Abrahams. Der ehrfurchtgebietende. Der Einzige. Und dennoch war für mich leiser aber genauso eindrücklich immer auch eine weiche, dunkle und genauso ehrfurchtgebietenden weibliche Präsenz spürbar. Mehr im Hintergrund. Hinter einem Schleier verborgen. Aber noch unumstößlicher, geheimnisvoller und manchmal sogar ehrfurchtgebietender als der männliche Gott auf den alles schaut und um den sich alles zu drehen scheint.

      Und da frage ich mich: Hat Aschera die Jüdinnen möglicherweise niemals verlassen? Es mag sein, dass die Überlieferung endete. Es mag sein dass sie aus den Geschichten gestrichen wurde - oder sich womöglich nur noch in der Figur der "Weisheit" oder als "Ruach" wiederfindet. Aber verlässt eine Göttin "ihre Frauen", nur weil man sie aus den Schriften der Männer streicht?

      Steckte die Überlieferung von Ashera womöglich niemals in "der Schrift", sondern im Handeln der Frauen? Ist es womöglich Aschera, die bis auf den heutigen Tag herbeigerufen, eingeladen und gewürdigt wird, wenn die Frauen am Freitag abend rituell die Kerze enzünden und die Heilige Braut Sabbath herbeirufen? Ist die Überlieferung von Aschera verborgen in den Riten der Frauen, im überlieferten Habitus der Mütter, in der nichtschriftlichen Tradition? Das Wissen das wir im jüdischen Witz finden, dass ohne die Frauen alles nichts ist? Das mündlich weitergetragene Wissen der Männer, die wie selbstverständlich sagen: Die Frauen haben durch ihre Rolle als Gebärerin schon Anteil am Schöpfungsakt. Sie haben ihre religiöse Pflicht längst erfüllt. Deswegen müssen Männer beten und studieren und Gott suchen - und Frauen nicht.

      Die gelebte jüdische Religion hat mich schon immer fasziniert. Nicht das was in den Schriften steht - sondern das was gelebt wird. Das was spürbar ist. Und wäre es nicht irgendwie logisch, dass eine Göttin sich nicht allzuviel darum schert ob sie in den Schriften steht, sondern einfach ihre Präsenz, ihre Macht, ihre Weisheit durch Ritual und Begegnung spürbar werden lässt??

      Vielleicht ist es die ungebrochene Tradition des Sabbath, das kontinuierliche Festhalten der Frauen am Entzünden der Kerze, das wöchentliche Schaffen des Heiligen Raums am eigenen Eßtisch das, was die jüdischen Frauen in all den Jahrhunderten mit dem Göttlichen verbunden hat. Ich glaube ich bin damals der Aschera durchaus begegnet. In den Häusern orthodoxer Jüdinnen. Ich habe zwar nicht verstanden was da gerade spürbar wurde - aber es war heilig. Es ist das Kerzenlicht in dunkler Nacht. Aschera steht für Trost. Nicht für den Mutterschoß, sondern für die Umarmung einer Mutter in dunkler Nacht. Für die stille und ruhige Präsenz, die alles vom Leben weiss und die dich dennoch in die Arme nimmt und dich spüren lässt: "Alles wird gut."

      Um ehrlich zu sein: Die verheirateten Jüdinnen, die den Sabbath praktizieren sind es, von denen ich unglaublich viel gelernt habe. Die Selbstverständlichkeit der Gesten, die Ehrfurcht vor den alten Formeln, die Ernsthaftigkeit im Ritus, das Bewußtsein hier Teil zu sein von einer ewigen Kette von Müttern und Töchtern und die Fähigkeit in aller Selbstverständlichkeit das Heilige allwöchentlich ins eigene Leben einzulassen. Ich habe selten überzeugendere Priester gesehen als diese jüdischen Frauen, die für sich und ihre Familien den Sabbath einläuten ... Und ich glaube dass diese Frauen allwöchentlich Aschera ehren, ihr begegnen und teilhaben an Ihrer Präsenz und Weisheit. Womöglich brauchte Aschera niemals eine schriftliche Überlieferung. Und vielleicht ist sie die einzige der alten Göttinnen, die nie vergessen und "wiederentdeckt" wurde. Vielleicht ist sie die einzige, die wirklich eine "ungebrochene Tradition" für sich beanspruchen könnte - wenn ihr das wichtig wäre?

      Nur so Überlegungen ... Ich würd mich freuen, wenn der oder die ein oder andere Lust hätte mit mir gemeinsam dieser Göttin nachzuspüren und zu schauen wo uns das hinführt. Gern auch per PN.

      Liebe Grüße
      Alvara

      Alvara wrote:

      Weiss jemand wie der Stand der Forschung zu diesem Thema ist?

      Francesca Stavrakopoulou, eine Professorin, deren Hauptstudiengebiet israelische und jüdische Religion und Geschichte ist, forscht daran.
      Ich hab vor einer Weile auf Youtube da mal eine sehr interessante Dokumentation gesehen
      ("The Bible's Buried Secrets"), allerdings in diese mehrteilige Doku mit IHR nicht mehr auf Youtube zu finden, wo sie über diese Stele (wenn ich es recht in Erinnerung habe) spricht.

      Müsste man mal gucken ob man irgendwo anders diese Doku herbekommt. War auf jedenfall SEHR interessant.

      Ansonsten:
      Ich kenne mich leider mit der jüdischen Religion überhaupt nicht aus, um dahin gehend auch nur Ansatzweise etwas gescheit´s sagen zu können.


      LG
      Siat
      Von den Hohen erschaffen
      zu lernen, zu lehren, zu wachen
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      Prof. Stavrakopoulou hat auch schriftlich einiges zum Thema veröffentlicht ;) humanities.exeter.ac.uk/theolo…vrakopoulou/publications/
      Und hier scheint's die Doku zu geben humanities.exeter.ac.uk/theolo…tavrakopoulou/engagement/
      Schatz fahr vorsichtig, hinter uns is Stau.

      "Die Nazis haben den Ruf der Nazis so versaut, dass nicht mal mehr Nazis Nazis sein wollen." Philip Meinhold
      Die Frauen haben durch ihre Rolle als Gebärerin schon Anteil am Schöpfungsakt. Sie haben ihre religiöse Pflicht längst erfüllt. Deswegen müssen Männer beten und studieren und Gott suchen - und Frauen nicht.



      Liebe Alvara,

      erklärst Du Dir damit, dass es Mädchen und Frauen verboten ist, die Thora zu berühren? Ist das eine Erklärung, warum Frau an allen Ecken und Enden dort zu hören bekommt "du bist weniger" etc pp?
      (vor allem die Ultra-Orthodoxen, wenn ich das korrekt im kopf hab, was ich letzt im tv sah..da dürfen Frauen nur mit Schleier (der Schejtel muss bedeckt sein) und knielangem Rock raus, und nur mit Mann an der Seite..und wehe sie werden etwas offener, dann werden sie verstoßen und die Schiwa wird gehalten....

      Hm..

      nee...ich denke, weil Männers dem Gott - der ja schöpfernd wirksam ist - gleich werden wollen, verbieten sie den Frauen, außerhalb des Hauses einen religiösen Auftritt. Männer bekommen bei der Bar Mizwah den Tallit, Frauen bei der Bat Mizwah nicht. (hm..ich merk gerade, ich höre mich wieder wie "krampf/kampfemanze-matihühnchen an..ok..lassen wir das..)

      so nu hab ich meine Worte gekramt:

      Männer müssen studieren, weil sie den grundsätzlichen Zugang zur Spiritualität - zur Göttin - ablehnen, verneinen und Angst davor haben (jedenfalls kenne ich - außerhalb des Forums - keinen, der anders tickt).
      Es gibt da doch eine indische "sekte" sind da anders. Die versuchen, den Zugang zu finden, über Selbstbeschneidung, -verstümmelung etc pp...(Siat, ist das so korrekt? wenn nein, bitte berichtigen, danke!)

      Nein, Ashera war nicht tot. Die Göttin ist nicht tot. Nirgendwo. Sie ist nur aus dem "Focus" gerutscht, umgedeutet worden.

      Ja der jüdische Mystizismus ist faszinierend (mich hats auch gepackt)...

      aber die offizielle Auslegung ist so wenig frauenfreundlich wie die katholische Kirche.

      Ist meine Ansicht, und da bleib ich bei und steh ich zu.

      Morag

      da ist ein Link zu einer Seite, die ich für sehr informativ erachte: de.chabad.org/

      Ich bin was ich war
      ich war was ich werde
      ich werde was ich bin

      https://daspuppenkontor.wordpress.com/
      Nachtrag:

      Die Juden sehen die Frau als "Mittelpunkt des Hauses". Das setze ich - my personal Gnosis - zwar auch mit Priesterin gleich, aber ich denke nicht - so rein my personal Bauchgefühl - dass die Rebbes das auch so sehen..

      schau mal:

      de.chabad.org/library/howto/wi…-Wer-zndet-die-Kerzen.htm

      ".. Doch es ist die Frau des Hauses, die in ihrer Rolle als Mittelpunkt des Heims das Anzünden tatsächlich vornimmt. Wenn keine Frau im Haus ist, oder sie nicht in der Lage ist, die Kerzen zu zünden, fällt die Verpflichtung auf den Mann..."
      Ich bin was ich war
      ich war was ich werde
      ich werde was ich bin

      https://daspuppenkontor.wordpress.com/

      Morag wrote:

      Es gibt da doch eine indische "sekte" sind da anders. Die versuchen, den Zugang zu finden, über Selbstbeschneidung, -verstümmelung etc pp...(Siat, ist das so korrekt? wenn nein, bitte berichtigen, danke!)

      Öhm... Ist mir persönlich noch nicht untergekommen, um ehrlich zu sein.
      Wenn ich mich recht entsinne war das im (frühen) Cybele-Kult "Praxis", aber im indischen Bereich...
      Nicht wirklich.


      LG
      Siat
      Von den Hohen erschaffen
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      ©Siat



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