Aschera

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      So, ich nehme mir zwar meinen Beitrag schon länger vor, aber nun ist es soweit *gg*

      Ich stehle mir mal einige obige Sätze als Anknüpfungspunkte heraus ;)

      So gesehen glaube ich schon, das wenn es sie aktiv gab, sie nicht verschwunden ist, wie es sich einige erhoffen, aber viele erinnern sich nicht mehr an sie.


      Es ist doch vielmehr so, dass sich die konkreten Personen nicht nur schlicht nicht erinnern würden wer Aschera ist bzw. welche Vorstellung man mit diesem Namen verbandt, sondern, dass sie es vielmehr nie erfahren haben und nicht wissen. Das Judentum hat schon vor langer langer Zeit seine recht agressive theologische Trennnung von der polytheistischen Theologie vollzogen, in deren Folge auch das Judentum selbst sich einer Wandlung unterzogen hat. Mal gerieten so eher agressive, mal moderate Strömungen in den Vordergrund oder gar tolerante, die sich auch immer wieder wechselnd bspw. in der Bibel niedergeschlagen haben. Letztlich gewinnen die in der Hinsicht Radikalen jedoch die Oberhand und so ist es im Zuge einer in diesem Sinne "reformatorischen" Welle du verschiedenen Folgen gekommen um jedweden vermeintlich schädlichen Einfluss der Heiden auf den Kult Jahwehs wieder zu beseitigen. Zu diesen Folgen gehört eben auch das Vorgehen gegen die anderen zu dieser Zeit in Kanaan verehrten Götter, von denen Jahweh ja nur ein einzelnes Mitglied eines ganzen Pantheons war und eine spezielle Verbindung u.a. zu Aschera hatte.

      Vielleicht weis der Ein oder Andere ja bereits, dass es irgendwann im Verlauf des 2. Jt. zu einer Identifikation der ursprünglich getrennten Gottheiten El und Jahweh miteinander kam, die dann schließlich im Alten Testament als Namen eines einzigen Gottes auftauchen. Selbiges geschieht mit Aschera. Ursprünglich Els Gemahling wird sie mit Jahwehs Anat bzw. Astarte gleichgesetzt. Ich spare mir einmal die Details, doch ist es im Orient letztlich so, dass ein Gott und seine Frau, bzw. umgekehrt Göttin mit Mann für gewöhnlich zusammen in einem Tempel als eine Art göttliche Familie in einem "Haushalt" verehrt wurden. In diesem Kontext stolpert man dann über Aschera, denn so hieß auch eine Art Baumstamm oder Kultpfahl, der neben den Altären für Jahweh stand und im AT ausdrücklich als Ziel zur Vernichtung im Zuge der Auslöschung heidnischer Kulte genannt wird. Einzig die dann doch wohl recht hohe Stellung der Aschera bewahrte sie vielleicht in so mancher von eher liberalen Kreisen besetzten Region vor der sofortigen Zerstörung.

      Hier ist aber noch lange nicht das Ende polytheistischer Substrate im monotheistischen Judentum erreicht, denn schließlich ist das, was folgt noch ein wenig düsterer. Denn während sich unter hellenistischer, persischer und römischer Herrschaft das Judentum wie parallel auch lokale heidnische Kulte weiter entfalten können und theoretisch im weitesten Sinne sogar polytheistische Spielarten des Judentums erhalten bleiben konnten hat sich das alles mit der islamischen Expansion erledigt. Alles, was keine der anerkannten Buchreligionen ist wird radikal vernichtet. Die ganzen persischen, hellenistischen und römischen Kulte vor Ort gehen unter. Es erhält sich bestenfalls noch eine Reminiszenz in Form von weiter tradierten Bräuchen, falls man das überhaupt noch Beurteilen kann in Ermangelung einer guten Quellenlage im Detail. Hier und da kann man es besser bewerten, bspw. im Iran, wo sich durch den Zoroastrismus, der dort auch eine deutlich bessere Stellung (heutzutage leider nicht mehr immer) genoss als im Rest der arabischen Welt bspw. das Judentum, ganz zu schweigen von anderen Religionen wie Mandäern, Drusen, Yesiden etc. Und all diese Religionen sind immerhin noch monotheistisch.

      Letztlich gab sich das junge Judentum konkret wie auch allgemein viel Mühe nicht nur obskure, ferne Kulte zu bekämpfen, die den einen "wahren" Kult des Jahweh vermeintlich bedrohten (die Gründe spare ich mir hier einmal), sondern auch die Kulte, die direkt vor Ort die Enzigartigkeit des Jahweh bedrohten oder gar herausforderten zu beseitigen. Dazu gehört letztlich auch, dass man in einer so entstehenden monotheistischen Religion sich nun nicht neuerlich die Mühe macht 500, 1000 oder 2000 Jahre später die Gläubigen über ebene jene ehemals mit Mühe bekämpften Kulte zu informieren. Es ist schließlich nicht nur nicht Inhalt des Glaubens, es läuft ihm teilweise zu wieder Wissen über Dinge zu tradieren, die man als falsch und sündhaft betitelt. Das Ergebnis dessen ist dann, dass man sich im frühen 20. Jhd mit großer Verwunderung die Augen reibt, wenn es in antiken Texten "Jahweh und seine Aschera" heißt.
      Und immer wieder wird auch die religiöse Identität ein Stiftungsmerkmal, das soziale Gruppen begründet. An sich ist das kein Problem, wird es jedoch in höchstem Maße, wenn diese neu begründete Gruppe sich dann die Vernichtung all anderer auf die Fahnen schreibt. Der gleichzeitige interne Druck sich den gegebenen sozialen Normen der Gruppe zu fügen steigt an, denn die Konsequenz wäre nicht mehr als Mitglied der eigenen Gruppe anerkannt zu werden und so zum Feind zu werden. Das Ergebnis dessen ist wiederum eine Konsolidierung, wenn man es positiv sehen mag oder Gleichmacherei, wenn man es verurteilen will. Die Sachlage bleibt letztlich aber gleich, dass die Gruppe in hohem Maße homogen, also gleichförmig wird.

      All das lässt mich dann nicht sehr zuversichtlich sein wenn man sich im modernen Judentum nach Spuren antiker polytheistischer Kulte im häuslichen Umfeld der Gläubigen umsehen will. Ich fürchte, dass man da wohl eher Rätselraten betreiben wird, als wirklich etwas Verlässliches von historischem Wert zu erfahren. Dass man für sich selbst gewisse Einsichten erlangen mag ist natürlich jederzeit möglich, von anderen Ansprüchen als einem persönlichen Gewinn würde ich allerdings Abstand nehmen.

      Die Rolle der Frau als eine Art häusliche Kultversorgerin sehe ich so auch zum Großteil durch die Gesellschaftsstruktur damaliger Zeit in hohem Maße vorgegeben. In einer Gesellschaft, in der ein Bild vorherrscht, dass den Mann bei der Arbeit außehalb des Hauses sieht, wie bspw. in der Levante vielfach durch Viehzucht ausgeübt, kann sich der Mann eben nicht um den häuslichen Kult oder dessen Vorbereitung kümmern. Diese Rolle muss aus ganz praktischen Gründen einer anderen Person zufallen, wie bspw. der Frau solange sie sich in einer Form der häuslichen Produktion übt, deren Tradition es dann denke ich recht schnell wird, wenn sich an den Rahmenbedingungen nichts ändert.
      Gleichzeitig wurde die Frau in ihrer Funktion als Mutter deutlich stärker als Ernährerin gesehen, als der Mann, von dem das bestenfalls in Aufseherpositionen als Versorger gesagt werden konnte. In diesem Kontext gibt es von West nach Ost, von Nord nach Süd das verbreitete Bild der stillenden Mutter mit Kind, das es in der römischen Welt sogar auf Totenstelen geschafft hatte. Umgekehrt entwickeln sich dann auch oft parallel oder direkt als Gegenpol klassische Handlungsräume für Männer, die dann in ihren Zuständigkeitsbereich fallen, wie das Überbringen der Opfer, gewisse Formen des Tempeldienstes etc.
      So gesehen mag deine Beobachtung in meinen Augen eher auf eine allgemeine, parallele Entwicklung zurück zu führen sein aufgrund gleicher gesellschaftlicher Begebenheiten und Tradition, denn auf direkter Weitergabe konkreter Kultpraxis, Alvara. Wobei ich denke, dass es mit Sicherheit recht anregend sein kann sich eine mögliche Art der Umsetzung einmal vor Augen führen zu lassen.

      Vielleicht schürrt daher auch eines der Gebote "Du sollst keine anderen Götter haben neben mir".


      Der Satz bedeutet ursprünglich auch nicht, dass man an keine anderen Götter glauben darf ;) Einstmals bezog es sich lediglich auf die kultische Verehrung durch Opfer. Andere Gottheiten sollten nicht beopfert werden. In diesem Sinne hat die Antike ein anderes Verständnis von Glaube, als es heute großteils der Fall ist. Man zeichnete sich nicht dadurch aus an welche Gottheiten man glaubte, denn man glaubte an viele und u.U. auch an die vom komischen Germanen nebenan oder dem lustigen Kelten, bevor man zum Abendessen seinen eigenen seine Aufwartung machte. Was theistische Vorstellung angeht ging es nicht darum zu sagen an wen man nicht glaubt, wen man also für nicht existent hält und wen doch etc., sondern wem man aktiv opfert, zur Gefolgschaft welcher Gottheit man sich selbst zählte oder gehören wollte. Das erste Gebot besagt so schlicht in anderen Worten "Du kannst nicht zwei Herren dienen!" Wollte man Jahwehs Gunst, so durfte man keinem anderen Gott opfern. In diesem Kontext ist dann auch "Unser Gott ist ein eifersüchtiger Gott" u.ä. zu sehen.

      Das moderne Verständnis des ersten Gebotes man dürfe nicht an andere Götter glauben ist ein Ergebnis dieses veränderten Verständnisses von "Glaube" allgemein, das sich erst später vollzieht und an dem das Christentum nicht wenig beigetragen hat. Man verehrt nicht mehr nur keine anderen Gottheiten, es gibt keine anderen Gottheiten, denn nur der eine ist ein wahrer Gott, da er allmächtig und allwissend und vor allem der Schöpfer ist. Der Rest ist so schwach, unzulänglich und böse etc. pp., dass es keine Götter sein KÖNNEN.

      So, das war mein schon länger angedachter Kommentar dazu *gg* Wie immer viel länger als gedacht, hoffentlich ist dabei aber bei aller "Kürze" Nichts zu kurz gekommen. Mir fällt sicher noch mehr ein.
      Ludlul bel nemeqi - Ich will preisen den Herrn der Weisheit
      Wow. Danke Ragnor. Das war sehr aufschlussreich. Wissenschaftlich und religionsgeschichtlichen sehr informativ und plausibel.

      Nur Frage ich mich halt ob eine verleugnete Göttin nicht womöglich trotz all dieser Entwicklungen “ihren Frauen“ treu geblieben sein könnte um im Verborgenen zu wirken?

      Mag sein, dass die Frauen aus dem öffentlichen Leben verdrängt wurden. Mag sein, dass der Name der Göttin getilgt wurde - aber mag es nicht genauso sein, dass SIE dennoch in überlieferten Ritualen wortlos und ungenannt geehrt wurde? Und dass die Verbindung zwischen Frauen und Göttin so doch nicht abriss??

      Die Frauen übten die Rituale aus, die Göttin war ihnen nahe - selbst wenn die Frauen gar nicht mehr wussten was sie da taten.

      Anders formuliert: Kann der Mythos nicht wirken, auch wenn Logos es nicht versteht?

      Deine Ausführungen sind für mich sehr spannend, Ragnor. Sie fügen sich auch rational in mein vorheriges,Wissen ein.

      Und dennoch ist meine Perspektive eine andere. Vielleicht weil ich ab lebendige Götter glaube, deren Existenz nicht abhängig von den Menschen ist.

      Götter sind nicht von den Menschen geschaffene Konstrukte. Sie sind. U.d sie können mit Menschen in Beziehung treten.

      aus dieser Beziehung heraus, entstehen Gottesbilder. Und die sind dann tatsächlich konstruiert. das ist es, was wir in der Literatur vorfinden. Aber das Göttliche selbst können wir unvermittelt nur in der Begegnung wahrnehmen.

      Und auf dieser Frage kaue ich grade herum: Kann es sein, dass die Götter Leuten treu bleiben, die sich durch Verlust des Heiligen Wissens gar nicht mehr intellektuell an sie erinnern? Das die Erinnerung vielleicht nur noch als Bauch Gefühl tradiert wird, das man hat, wenn dies oder jenes Ritual erfolgt??

      Kann es sein, dass Götter viel öfter dabei sind,als wir es wahrnehmen, wenn wir bestimmte Handlungen begehen ohne dass wir sie wahrnehmen?

      Und was würde das bedeuten? Kann es sein, dass eine Person jahrelang Kontakt zu einem Gott hält, den sie gar nicht kennt oder kennen kann, weil das bewusste,Wissen verloren gegangen ist?

      Was ich in jüdischen Ritualen beobachtet habe könnte auch für das,kleine Mädchen gelten, dass von Opa mit in die Wälder oder die Berge genommen wurde oder mit der Oma Kräuter sammelte und spürte, dass die Alten hier etwas Besonderes ehrten und,taten - ohne es intellektuell zu erläutern.

      Auch hier mag es sein, dass .an Jahre später erkennt, dass ein Gott einen schon immer begleitet hat - ohne dass man ihn bewusst wahrgenommen hätte.

      Kurz: Wie Verhalten sich Kenntnis von einer Gottheit und Beziehung zu einer Gottheit zueinander?

      Alvara wrote:

      Vielleicht weil ich ab lebendige Götter glaube, deren Existenz nicht abhängig von den Menschen ist.


      Das klingt interessant. Wie glaubst du sei das Verhältnis zwischen Mensch und Göttern denn?
      Philosophie = Liebe zur Weisheit. Nicht: Ich gebe die mir gefälligen Bruchstücke der Erkenntnisse antiker Philosophen in eigenen Worten wieder. Sapere aude!

      Alvara wrote:



      Nur Frage ich mich halt ob eine verleugnete Göttin nicht womöglich trotz all dieser Entwicklungen “ihren Frauen“ treu geblieben sein könnte um im Verborgenen zu wirken?


      Der in meinen Augen sehr schwierige Punkt bei dieser Frage ist auch bei dir offensichtlich nicht unbeachtet geblieben: Inwiefern sind die Jüdinnen von Heute in irgendeiner Beziehung zu Aschera zu sehen bzw. gar als "ihre" Frauen zu betiteln? Ich würde das für die Allgemeinheit in Abrede stellen. Ich sehe hier bis auf konstruierte historische Rückgriffe keine Möglichkeit so eine Art von Beziehung erfolgreich hin zu biegen. Letztlich ist ja weder eine ununterbrochene Tradition in der Kultpraxis her zu stellen noch gar eine personelle, sei es durch die Ethnie oder was auch immer. Inwiefern ist denn Jüdin X, deren Vorfahren irgendwelche Christen, vielleicht Heiden und sonst was waren und die jetzt zum modernen Judentum übertritt in Verbindung mit der antiken Aschera aufzufassen? Für einen Zeitraum von vor rund 2000 oder gar 1500 hätte man das vielleicht noch so sehen können, aber in meinen Augen ist da der Faden für diese Art des Rückgriffes bereits seit zu langer Zeit abgerissen mit zu viel Zwischenspiel.

      Konkret kann ich nur sagen, dass es wohl potenziell möglich wäre, dass sich eine Gottheit oder was auch immer so verhalten mag, letztendlich ist das aber wohl eine Glaubensfrage, ob man daran glauben will, dass Aschera nach über 2000 Jahren noch wildfremden Frauen anhängt. Mir persönlich fällt das eher schwer. Da würde ich eher vermuten, dass man sich neue Gesellschaft sucht.

      Alvara wrote:



      Mag sein, dass die Frauen aus dem öffentlichen Leben verdrängt wurden. Mag sein, dass der Name der Göttin getilgt wurde - aber mag es nicht genauso sein, dass SIE dennoch in überlieferten Ritualen wortlos und ungenannt geehrt wurde? Und dass die Verbindung zwischen Frauen und Göttin so doch nicht abriss??


      Mag sein ^^ Aber ich würde vermuten, dass sich dann irgendwann ein Zustand einstellt, in dem die letztlich zu Laien gewordenen Ausrichter des Rituals kaum mehr selbst verstehen was und für wen sie da eigentlich genau machen durch allgemeinen Verlust von tradiertem Wissen, sei es durch Fahrlässigkeit bis hin zur Tötung der eigentlichen Träger des Wissens. Spätestens damit würde sich der Versuch einer (Neu)deutung einstellen. Mir selbst fällt es auch da schwer diese Art der Beziehung dann noch als eine intakte Verbindung von Anhänger und Gottheit zu bezeichnen. Je nach Art der Neudeutung mag das noch funktionieren, u.U. aber nicht mehr, wenn man sich das Ganze dann einmal von außen objektiv ansieht. Wenn es nur Details sind, die sich im Zuge einer neu verstandenen Theologie ändern, dann mag es funktionieren, in anderen Fällen mag dasselbe Ritual aber vielleicht in anderem Kontext oder neuer Zielsetzung oder eben neuem Adressaten, sprich anderem Gott jede Art einer Deutung als ununtebrochene Tradition als leicht absurd erscheinen lassen. Kommt darauf an.

      Alvara wrote:



      Anders formuliert: Kann der Mythos nicht wirken, auch wenn Logos es nicht versteht?


      Was verstehst du denn unter dem "Wirken des Mythos"?

      Alvara wrote:



      Götter sind nicht von den Menschen geschaffene Konstrukte. Sie sind. U.d sie können mit Menschen in Beziehung treten.

      aus dieser Beziehung heraus, entstehen Gottesbilder. Und die sind dann tatsächlich konstruiert. das ist es, was wir in der Literatur vorfinden. Aber das Göttliche selbst können wir unvermittelt nur in der Begegnung wahrnehmen.


      Dem stimme ich voll und ganz zu ^^ Wobei ich auch bei der Wahrnehmung der Begegnung noch den Filter eben jener Wahrnehmung und ihrer Grenzen beachten würde.

      Alvara wrote:


      Und auf dieser Frage kaue ich grade herum: Kann es sein, dass die Götter Leuten treu bleiben, die sich durch Verlust des Heiligen Wissens gar nicht mehr intellektuell an sie erinnern? Das die Erinnerung vielleicht nur noch als Bauch Gefühl tradiert wird, das man hat, wenn dies oder jenes Ritual erfolgt??

      Kann es sein, dass Götter viel öfter dabei sind,als wir es wahrnehmen, wenn wir bestimmte Handlungen begehen ohne dass wir sie wahrnehmen?

      Und was würde das bedeuten? Kann es sein, dass eine Person jahrelang Kontakt zu einem Gott hält, den sie gar nicht kennt oder kennen kann, weil das bewusste,Wissen verloren gegangen ist?


      Aus meinen obigen Überlegungen schlussfolgernd: Ja, aber nur im schwer zu überprüfbaren Einzelfall. Generalisiert halte ich es für sehr sehr schwierig und eine reine Glaubensfrage, der man sich denke ich aber ruhig hingeben kann, solange man das Problem des fehlenden Nachweises nicht übersieht.


      Alvara wrote:



      Was ich in jüdischen Ritualen beobachtet habe könnte auch für das,kleine Mädchen gelten, dass von Opa mit in die Wälder oder die Berge genommen wurde oder mit der Oma Kräuter sammelte und spürte, dass die Alten hier etwas Besonderes ehrten und,taten - ohne es intellektuell zu erläutern.

      Auch hier mag es sein, dass .an Jahre später erkennt, dass ein Gott einen schon immer begleitet hat - ohne dass man ihn bewusst wahrgenommen hätte.

      Kurz: Wie Verhalten sich Kenntnis von einer Gottheit und Beziehung zu einer Gottheit zueinander?


      Losgelöst. Ich denke nicht, dass beides per se miteinander einhergeht und kongruent ist, doch ich denke gleichfalls, dass der Glaube es doch anstrebt - oder anstreben sollte - Beides miteinander in Einklang zu bringen. Letztlich bleibt aber da diese gewisse Art von Grenze, die sich in den beiden Naturen von Jenseits und Diesseits - wie auch immer man das im Detail sehen mag - manifestiert, sodass jeder Gedanke zum Thema Glaube letztlich in gewissem Maße abeits der Bereitschaft zu glauben höchst spekulativ bleibt. So sehe ich dann letztlich auch Glaubenssysteme per se, als Versuch des Menschen diese Grenze seiner erfahrbaren Welt zu durchstoßen und sich daüber hinaus ein Bild zu machen in Form verschiedener, dem Versuch einer Ordnung unterliegender Systeme, die eine Antwort zu geben versuchen. Letztlich ist es dann am Menschen daraus seines zu wählen.

      Wie sich diese Verhältnis letztlich im Einzelfall darstellt und wie damit Umgegangen wird ist eine Sache, die wohl von Religion zu Religion so einigem Unterschied unterliegen wird.
      Ludlul bel nemeqi - Ich will preisen den Herrn der Weisheit
      Morgen Alvara,

      Alvara wrote:

      Und auf dieser Frage kaue ich grade herum: Kann es sein, dass die Götter Leuten treu bleiben, die sich durch Verlust des Heiligen Wissens gar nicht mehr intellektuell an sie erinnern? Das die Erinnerung vielleicht nur noch als Bauch Gefühl tradiert wird, das man hat, wenn dies oder jenes Ritual erfolgt?? [...] dass von Opa mit in die Wälder oder die Berge genommen wurde oder mit der Oma Kräuter sammelte und spürte, dass die Alten hier etwas Besonderes ehrten und,taten - ohne es intellektuell zu erläutern.

      Ich nehme diesen letzten Satz mal hier mit rein, weil das der ist, der's bei mir klingeln ließ ;)
      Ich denke, dass Götter bleiben (können). Aber Treue ist schon was anderes, Treue ist Loyalität und Zusammenhalt, ein bewusster Vorgang, der auf Gegenseitigkeit beruht, oder zumindest beruhen sollte.
      Aber ja, dieses dunkle, tiefe Bauchgefühl kenne ich auch. Für mich war und ist das immer ein Zeichen, dass da, wo dieses Gefühl auftritt, *etwas ist*, dem ich nachforschen sollte. Eine Aufforderung zu eigener (Recherche)Arbeit.

      Das Gefühl selbst würde ich am ehesten als Verbundenheit beschreiben. Und ich finde, man kann da verscheidene Arten der Verbundenheit ausmachen.
      EInerseits ist da die ganz direkte kultische Verbundenheit, also die jüdischen Frauen, die die Sabbatrituale ausführen und damit untereinander im Kult direkt verbunden sind und andererseits auch mit ihnen persönlich Unbekannten sowie den Frauen vor und nach ihnen durch die kultische Tradition. Und das ist ja der eine Sinn von Kult, die Verbindung der ausführenden Menschen untereinander, die Geborgenheit in der Tradition. Die Verbindung zur angesprochenen Gottheit ist der andere Sinn des Kults, sofern eine Gottheit angesprochen wird.
      Wir hatten das Thema mal so ähnlich in irgendeinem Julfred, als es um die "Magie der Vorweihnachtszeit" ging und darum, seinen Kindern eine Art "magisches Rüstzeug" durch Rituale mitzugeben. Bin jetzt aber gerade zu faul, im alten Forum herum zu suchen.
      Aber ich denke, dass dieses Gefühl der Verbundenheit, die man als Kind oder auch als Erwachsener später in der Rückschau bei bestimmten Erlebnissen empfindet, eine Art Basis sein kann, sich an den Aufbau anderer Verbindungen zu machen. Während man die magische Verbindung zu denen, mit denen man das Erlebnis hatte, ja bereits teilt und in den "Heiligen Hallen" der Erinnerung jederzeit abrufen oder aufsuchen kann.

      Kann es sein, dass Götter viel öfter dabei sind,als wir es wahrnehmen, wenn wir bestimmte Handlungen begehen ohne dass wir sie wahrnehmen?

      Bestimmt. Die Frage ist doch, was ändert sich, wenn es einem Bewusst wird und was macht man daraus?

      Und was würde das bedeuten? Kann es sein, dass eine Person jahrelang Kontakt zu einem Gott hält, den sie gar nicht kennt oder kennen kann, weil das bewusste,Wissen verloren gegangen ist?

      Ich glaube nicht, weil "Kontakt halten" eine bewusste, kontrollierte Handlung ist. Irgendwie in Kontakt oder Berührung sein, das kann ich mir schon vorstellen, aber was sind jeweils die Konsequenzen? Ich bin auch der Ansicht, dass Götter unabhängig von Menschen existieren, ab doch scheinen sie den Kontakt zu Menschen zu suchen oder zumindest diesem nicht abgeneigt ;)
      Ich sehe einen Unterschied zwischen "einfach da sein " und "in Beziehung treten" eben im bewussten Anteil nehmen menschlicherseits. Nach meiner Erfahrung haben Götter es ganz gerne, wenn man sie namentlich erkennt und kennenlernen will, schließlich geben sie sich ja auch Mühe, Aufmerksamkeit zu erregen *lach*.
      Inwiefern das jetzt "nur" eine Glaubenssache meinerseits ist, wäre natürlich interessant, kann ich aber nicht wirklich objektiv beurteilen gaube ich *g*
      Schatz fahr vorsichtig, hinter uns is Stau.

      "Die Nazis haben den Ruf der Nazis so versaut, dass nicht mal mehr Nazis Nazis sein wollen." Philip Meinhold
      Schlicht nur, dass man dort was findet. Die beschribenen Bezüge dort sind auch recht interessant. Sie machen mehr deutlich, wie Aschera einzuordnen ist.
      Wenn man bei google oder wikipedia schaut findet man recht wenig zu Aschera.

      Mir gings da so wie anderen auf der ersten Seite dieses Threads, bevor ich ihn gelesen hab war mir Aschera vollkommen unbekannt.
      Ich habe was über Aschera gefunden! Und zwar in einer Wiederholung von TERRA X:
      Die Karriere Gottes
      Zu sehen bei ZDFmediathek, Sendung v. 26. 12. 14
      zu finden über die Suchfunktion. (Eingabe: Die Karriere Gottes)
      Guckt doch mal nach, es lohnt sich!