Wie steht ihr zum Christentum?

    This site uses cookies. By continuing to browse this site, you are agreeing to our use of cookies. More details

      Wie steht ihr zum Christentum?

      Hey Leute,
      im Titel seht ihr ja schon worum es geht. Ich finde es allgemein interessant, wie ihr über das Christentum, die Kirche, etc. denkt. Welche Erfahrungen habt ihr gemacht und wie steht ihr zum Christentum?

      Ich persönlich habe bezüglich des Christentums wechselhafte Erfahrungen gemacht. Dem Monotheismus stehe ich extrem kritisch gegenüber, besonders diesem alleinigen Wahrheitsanspruch, wie auch der katholischen Kirche. Dennoch finde ich, dass in heidnischen Kreisen, besonders im Asatru, eine antichristliche Sichtweise vertreten wird. Was denkt ihr über dieses komplexe und schwierige Thema? Oder bindet ihr christliche Elemente sogar in eure Kultpraxis mit ein? (Die frühen Christen verwendeten beispielsweise Abbildungen von Isis und Horus als Mariendarstellung)
      Ps: Ich weiß das ich mich ziemlich kurz gefasst habe, werde in den nächsten Tagen aber nochmal genauer auf das Thema eingehen.
      Heillo, Nick

      Für mich gesprochen, ambivalent.

      Ein schon oft in diesem Forum bemühtes Thema. Hast du dich schon mal durch die alten Threads gelesen? Da gibt es vieles dazu.

      Ich kann nur für meine Perspektive sprechen, und da sieht es wie gesagt, gemischt aus:
      Der Bogen reicht von Dialog und gegenseitigem Austausch (immerhin bin ich auch mit einer Christin verheiratet und habe durchaus auch einige Christen im Bekanntenkreis, die mich allerdings nehmen wie ich bin) bis hin zu Abscheu vor manchen Elementen. Wobei letzteres garnichtmal die Religion der Christen an sich, sondern die
      menschlichen Aberrationen betrifft. Das Bodenpersonal, gewissermaßen.

      Allgemein hat mich die Jesus-Religion nie bewegt, nie angesprochen, nie etwas in mir zum Klingen gebracht. Viele der in der Bibel stehenden Aussagen mögen gut und richtig sein, manche wieder überhaupt nicht, aber ich hatte nie das Gefühl, dass sie etwas mit mir zu tun haben. Da ist ein fernes Land irgendwo, eine mir fremde Gesellschaftsordnung, ein Gott, der sich ein Volk auserwählt hat, das er durch die Wüste führt, schön und gut, hat aber mit mir nichts zu schaffen. Denn ich bin hier, in den mitteleuropäischen Wäldern daheim und da spüre ich meine Götter.

      Ich bin schon in meiner Kindheit manchmal mitgenommenerweise in Kirchen gesessen und hab verzweifelt versucht, irgendetwas von dieser "Beheiligengeisterung" und göttlichen Liebe zu erfahren, in dem , was der Pfaffe dort vorne zum Besten gegeben hat, weil ich dachte, da muss doch was sein---und weil ich auch dachte, dies wäre der einzig mögliche Glaube- es ist mir aber versagt geblieben, da war nichts, bis ich eines Tages erkannt habe, dass dort, wo immer schon mein Herz war, auch meine Götter wohnen. Und das war eben nicht in Emmaus oder Jerusalem.

      Was Jesus vorgibt, ist ein Sozialprogramm. Und wie bei allen spirituellen Führern ist viel Wahrheit in dem, was er von sich gibt. Und die extreme Verzopftheit und Misogynie findet sich im Urchristentum auch noch nicht. Das kann man jetzt mal so stehen lassen, wenngleich man es im Detail spätestens ab Paulus diskutieren müsste. Was dann allerdings aus dem Sozialprogramm geworden ist, als es sich institutionalisiert hat, steht auf einem anderem Blatt. Und was sich bis heute in der Pfaffengemeinschaft und bei den beschädigten Hardcore-Nachbetern abspielt, kann man ungeschnitten als Vomitivum verwenden. Und manchmal, wenn es besonders ätzend nach Sakristei mieft, "kotz" ich das auch raus.
      Vor allem, wenn, und man sollte nicht glauben, dass es den noch gibt, der Ausschließlichkeitsanspruch durchschlägt.
      In der direkten Konfrontation damit macht es mir dann wieder richtig Spaß, Heide zu sein.

      Allerdings kann ich das ewige Gejeiere von Kreuzzügen, Hexenverfolgungen und der Zwangsmissionierung durch "Vorbilder" wie Karl dem Franken seitens der opferrolligen Heiden auch nicht mehr hören. Wir wissen wie es war, aber der Käse ist gegessen. und es hilft uns nichts zu idealisieren und zu verklären, denn auch in der Heidenzeit war nicht alles Rosenduft und Himbeerkuchen.

      Natürlich: Ich finde es auch erbärmlich, wie Mann versucht hat, die Vakanz einer weiblichen Gottheit nach der Missionierung durch eine völlig in die Dienerinnenrolle gedrängte geschlechtslose Figur namens Maria zu füllen, deren Leben man größtenteils erfunden hat, oder wie man durch ins Volk gestreute, grenzdebile (auch größtenteils erfundene) Heiligenlegenden die Domänen unserer alten Gottheiten versucht hat, ins Christliche zu verschieben und wie sich das Ganze dann im Laufe der Jahrhunderte tatsächlich, mangels erlaubter Alternativen und dank einer gewissen Volksnaivität sosehr etabliert hat, dass der andalusische Prozessionsteilnehmer den Gehörnten tatsächlich bis heute für den Teufel hält.
      Alles klar---keine Frage.

      Aber ist das alles heute noch relevant? Sind unsere wirklichen Gegner nicht vielmehr technokratische Atheisten, die, weil ihnen jeder Respekt vor der Natur fehlt, die Welt in ihrem Wahn zerstören? Ich denke mir, Religion, egal welche, solange sie mit Augenmaß ausgeübt wird, ist immer noch besser als gar kein Glaube mehr. Denn dann hat man den Freibrief für die absolute Überheblichkeit.

      Allgemein versuche ich, wie schon an anderer Stelle geschrieben, mich einfach darüber zu freuen, den für mich richtigen Weg gefunden zu haben und lasse den anderen das Ihre, sofern es niemandem schadet, oder mir keiner missionierenderweise direkt auf den Geist geht. Denn nichts liegt mir ferner denn andere Religionen als falsch anzusehen.

      So viel von mir
      Eurem Waldstreicher
      Neither country proverbs nor a kings command can keep me out of the woods today - Lily, Legend