Kemetismus außerhalb Ägyptens

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      Ma'en[/quote]

      Ma wrote:

      - dann wäre deine Antwort in etwa, dass jeder Name und jede Definition ja ohnehin nur ein Versuch ist, das Unfassbare zu benennen, ist das so?


      Ja genau so sehe ich das.

      Liebe Ma'en
      Sorry, aber mit dem zitieren habe ich noch Schwierigkeiten
      zahme Vögel singen von Freiheit
      Wilde fliegen

      Hi Nick,

      ich will einmal einen einzelnen Aspekt herausgreifen, weil mir das gerade so auffiel...ich hoffe, das ist ok?

      Nick 01 wrote:

      IOb Minerva, Belissima, Seschat oder Andraste, es ist die selbe Gottheit.

      Hmmm, ganz so sehe ich es nicht. Ich glaube es gibt neben dem Namen durchaus noch andere Unterschiede.
      Jede Gottheit ist eine ganz individuelle Sammlung aus Aspekten, Archetypen, Formen und Assoziationen. Und sicherlich sind sich Minerva und Andraste untereinander ähnlicher als Minerva und Nut, dennoch sind Minerva und Andraste nicht "die selbe", finde ich.
      Ein Mensch kann in verschiedene Rollen schlüpfen, sich verschiedene Kleidung anziehen und verschiedene Verhaltensweisen an den Tag legen, und bleibt dennoch in seinem Körper und seiner Biographie das selbe Individuum.
      Bei einer Gottheit, die eben nicht an die Körperlichkeit und die Zeit gebunden ist, würde ich das nicht so sehen. Eine Gottheit ist so gesehen kein Individuum... oder zumindest mehr als nur ein Individuum. Sie wandelt sich ständig und kann sich jederzeit teilen oder verschmelzen, kann Aspekte und Merkmale aufnehmen oder ablegen. Eine Gottheit ist eigentlich in jeder einzelnen Erscheinung und in jeder Wahrnehmung wieder anders.

      Das Spektrum reicht gewissermaßen von der Einheit bis zur Unendlichen Vielfalt... In dem Sinne: Einerseits kann man alle Gottheiten als Aspekte und Ausprägungen der selben, allumfassenden Göttlichkeit definieren... und andererseits könnte man genauso gut argumentieren, dass jede einzelne Gotteserscheinung, also jedes Naturereignis und jede Wahrnehmung durch einen Menschen als eine weitere separate Gottheit definieren, weil sie ja jedes Mal ein klein wenig anders ist.

      So gesehen würde ich auf jeden Fall zustimmen, dass einige Gottheiten aus verschiedenen Kulturen tatsächlich sehr ähnlich sind. Aber eben nicht komplett gleich! Selbst die Ischtar, die sich aus der sumerischen Inanna entwickelt hat, würde ich durchaus als eigene Gestalt ansehen. Obwohl es hier einen direkten Kulturellen Zusammenhang gibt und die Gottheit in gewisser Weise von einem Vorläufervolk übernommen wurde.
      Ich meine, selbst die Isis der Ptolemäerzeit ist ja nicht dieselbe, wie die Isis im Mittleren Reich. Mythologie, Erscheinungsform und Zuschreibungen ändern sich dauernd, im Laufe der Zeit.

      Darum würde ich verschiedene Gottheiten und Erscheinungen von Gottheiten eigentlich immer auf einer Art Skala einordnen... jede Gottheit hat einen eigenen Platz auf der Skala, aber bei manchen liegen die Punkte ziemlich nah beieinander.

      Aber das ist jetzt natürlich nur meine persönliche Interpretation.



      liebe Grüße

      Ma'en
      Da muss ich dir in jedem Fall zustimmen und ganz so hab ich das nicht gemeint. Ich wollte vielmehr ausdrücken, dass hinter diesen Gottheiten die "selbe Göttlichkeit: steckt und sie von Kulturen anders gesehen wurden bzw. sich ihnen anders gezeigt hat. Ich denke ebenfalls, dass eine Gottheit mehr als ein Individuum ist und verschiedene Aspekte und Formen an und ablegen kann. Jedoch sehe ich sie nicht als vollkommen getrennte Individuen wie z.B. du und ich.
      "So gesehen würde ich auf jeden Fall zustimmen, dass einige Gottheiten aus verschiedenen Kulturen tatsächlich sehr ähnlich sind. Aber eben nicht komplett gleich! Selbst die Ischtar, die sich aus der sumerischen Inanna entwickelt hat, würde ich durchaus als eigene Gestalt ansehen."
      Das stimmt natürlich! Jedoch würde ich Ischtar als eine Art "Reinkarnation" der Inanna sehen, die natürlich eigenständig "agiert", aber trotzdem noch Inanna "in sich trägt" bzw. wird, wenn ich Ischtar anrufe, nicht Inanna zu mir sprechen oder erhöhen, da Ischtar sowohl vom Wesen als auch von ihrer Persönlichkeit anders ist und auch anders "agieren" wird. Dennoch geht sie auf Inanna zurück, obgleich sie diese nicht ersetzt hat, und enthält viel von ihrem Wesen und ihrer Energie, die sich bloß anders und im unterschiedlichen Maße manifestiert. Stärker tritt dieser Aspekt dann wahrscheinlich bei anderen Göttern z.B. Isis auf, obwohl das bloß eine Theorie ist, da ich keinen starken Bezug zu ihr habe, wo Isis im neuen Reich lediglich eine andere Form von Isis der alten Zeit ist, die auch hier immer noch existiert, doch unterscheidet sich die "neue" Isis im Wesen und ihrer Form von der "anderen" Isis, wobei die "andere" Isis auch die "neue" Isis ist und ebenso präsent sein kann. Die "neue" Isis verkörpert die Aspekte lediglich in anderer Form oder sogar gänzlich neue. Hoffe, dass ich das irgendwie erklärt habe :).
      LG Nick
      *lächel*
      Ein sehr schönes Thema, auch wenn das Gespräch sich mittlerweile doch etwas vom Titel entfernt (falls ich ihn ändern soll, sagt Bescheid ;) ).

      (übrigens freue ich mich sehr, von Dir zu lesen, Ma´en! Ich bin vor gar nicht allzu langer Zeit mal wieder auf das HoN-Forum gestoßen und hab einige alte Beiträge von Dir gelesen. Habe mich da schon gefragt, wie´s Dir wohl geht :D )

      Warum das Sanatana Dharma so eine tiefe Resonanz in mir findet ist, dass es da sehr viele verschiede Konzepte zum Thema "Göttliches" und "Götter und Göttinnen" gibt.
      So z.B. die Ideen von
      • Parabrahman (nicht zu verwechseln mit dem Gott Brahma!): ich würde es erklären als unmanifeste und attributlose "Ursuppe". Die Quelle allen Seins, allen Göttlichens und auch unserer Seelen.
      • Adi-Parashakti: diese würde ich erklären als unmanifeste und attributlose "göttlich-weibliche" Quelle. Eine Art "Ursuppe", in der alle "Erscheindungsmöglichkeiten" des Weiblich-Göttlichen enthalten sind.
      • Adi-Paramshiva: Nun, als was ich das erklären würde, könnt Ihr Euch in dem Zusammenhang dann natürlich denken.
        Richtig. Eben den göttlich-männlichen "Teil" des Ganzen.
      Allerdings sind diese Drei nicht getrennt voneinander zu betrachten, sondern sie werden trotzdem als Einheit betrachtet.
      (Vielleicht in etwa so, wie "Mensch" ein Oberbegriff darstellt, und die Begriffe "Mann" und "Frau" eben Unterkategorien darstellen, wobei sich dann dennoch jedes Individuum entweder als Frau, Mann oder einfach Mensch sieht. *grübel*)
      Das wird dann durchaus in eine "Form" gebracht, in dem Adi-Parashakti und Adi-Paramshiva als Mahadevi bzw. Ishvari und Mahadeva bzw. Ishvara auftreten (beide werden dann als "rupa-arupa", dh. als gleichzeitig attribut-(form- und gestalt)-los und mit Attributen (bzw. Forme und Gestalten) betrachtet), die dann, je nach hinduistischer "Schule" als Parvathi bzw. Durga oder (Maha)Kali (z.B. bei den eher Göttin-zentrierten Shaktas) und Shiva genannt werden. In anderen Schulen werden allerdings auch Vishnu oder Ganesh Ishvara betrachtet (in der Regel allerdings ohne Verbindung mit Mahadevi).
      Diese Einheit von Göttlich-Weiblichen und Göttlich-Männlichen wird auch Ardhanaishvara/i bezeichnet und z.B. so dargestellt:

      Ardhanarishwara5.png Ardhanarishwara7.jpg

      Die Einheit von Parabrahman, Adi-Parashakti und Adi-Paramshiva wird in der Form des Shiva-Lingam symbolisch dargestellt, in dem Adi-Parashakti durch die Yoni und Adi-Paramshiva eben durch den Lingam dargestellt ist, aber beides als eines Verehrt wird.
      Ich finde, dieses Bild macht es eigentlich ganz schön "sichtbar".

      shiva-3.jpg


      Die Einheit Mahadevis ("DER" Göttin schlechthin) wird dann z.B. in solchen Darstellungen sichtbar gemacht:

      AdiParashaktiMa.jpg AdiParashakti3.jpg


      Und ähnliche Darstellungen gibt es dann natürlich auch von Shiva oder, wohl am bekanntesten, von Vishnu.


      Adi-Parashakti, Mahadevi, Sie sind das weiblich-göttliche Eine. Die weiblich-göttliche Quelle, aus der die anderen individuellen (!) Göttinnen hervorgehen. Die sich in den ganzen Göttinnen unterschiedlichster Namen und "Charaktäre" erlebbar und erfahrbarbar macht.
      Sie ist der in unzählige Facetten geschliffene Diamant, in dem sich das göttliche Licht bricht und so für uns in unterschiedlichen "Farben" und "Formen" sichtbar und erfahrbar wird.
      Gleichsam Adi-Paramshiva.

      Und nichts repräsentiert mein Verständnis und Erleben von "Alle Göttinnen sind eine Göttin, alle Götter sind ein Gott, und zusammen sind Sie Eines" so sehr, wie eben genau dieser Ansatz.
      Und die Beschäftigung mit diesen Aspekten innerhalb einer bestimmten Richtung des Sanatana Dharma hat mir dabei geholfen, bessere Worte für das zu finden, was ich erlebe und was mich in meinem Glauben(sleben) leitet., nur gestaltet sich diese Sichtweise (und damit schlage ich mal den Bogen zum eigentlichen Thema) "globaler".
      Um es tatsächlich bildlicher zu machen, möchte ich Eure Aufmerksamkeit noch einmal auf die Bilder von Mahadevi bzw. Adi-Shakti lenken.
      Die Bilder zeigen Durga (links) und Kali (rechts). Die Darstellungen sind natürlich geprägt durch die hinduistische Denk-und Sichtweise und von dem spezifischen Pantheon.
      Auf meinem Pfad würden sich die Bilder in der Weise ändern, als dass sie "Köpfe" oder "Darstellungen" von Göttinnen aller nur denkbaren Pantheone enthielten.
      Nein. Kali IST nicht Durga.
      Kali ist weder Sekhmet noch Nemesis.
      Isis weder Parvathi noch Durga. Auch nicht Bastet oder gar Hera oder Juno.
      Und doch sind Sie alle eines: Teil des Weiblich-Göttlichen, das in Ihnen Ausdruck findet und für uns Menschen erleb- und erfahrbar wird.
      Nein. Rhenus ist nicht derselbe wie Hapi. Ra oder Heru (selbst Sie unterscheiden sich schon von einander!) nicht dieselben wie Sol.

      Aber Sie alle haben "Domänen" und Aufgaben für die Sie verantwortlich sind, und durch die Sie u. U. und in einer gewissen Art und Weise verbunden sind.

      Ob sich die "örtlichen" Götter beleidigt fühlen, wenn man "ortsfremde" Götter anbetet?
      Die Frage ist doch, ob die Göttlichen tatsächlich in solchen "Bewertungen" denken, wie wir Menschen? Wären Sie beleidigt, würde das bedeuten, dass Sie ähnlich "ticken" wie wir Menschen. Und meinem Erleben nach (Achtung, pure unverifizierbare, persönliche Gnosis!) stehen tun Sie das nicht.
      Bisher (!) habe ich in all den Jahrzehnten auf meinem Pfad nicht erlebt, dass irgendeine Gottheit "beleidigt" reagiert hätte.

      Aber vielleicht ist das auch alles eine Frage, der persönlichen Wahrnehmung?
      Ich bin mehr als nur überzeugt davon, dass unsere eigenen Vorstellungen und Ideen auch das Erleben mit den Göttlichen prägt.
      Auf die Spitze getrieben:
      Wenn ich selbst davon überzeugt bin, dass Gottheiten beleigt (einfach um bei diesen Beispiel zu bleiben) sein können, dann ist vermutlich auch die Wahrscheinlichkeit recht hoch, dass Sie mir auch so begegnen kann (nicht Zwangsweise muss).


      Hmmm...
      So, aber ich glaube, ich mache jetzt erst mal Schluss.

      LG
      Siat
      Von den Hohen erschaffen
      zu lernen, zu lehren, zu wachen
      Geboren in der Sterne Welten
      Wandern und wandeln sie
      Die Drachen
      ©Siat



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