Welche Götter, Geister, Wesenheiten ehrt ihr?

    This site uses cookies. By continuing to browse this site, you are agreeing to our use of cookies. More details

      Welche Götter, Geister, Wesenheiten ehrt ihr?

      Ich möchte mal einen neuen Impuls setzen. Auch weil sich das Forum gerade neu belebt und wir einander auf diese Weise (neu) kennenlernen können.

      Und natürlich, weil ich sowieso neugierig und an meinen Mit-Heiden interessiert bin ...

      Da wir sehr vielfältige Zugänge zur nicht alltäglichen Wirklichkeit haben, ist schon eine für alle stimmige Fragestellung eine Herausforderung, also sehr mir den Titel des Themas nach ...

      Ich würde mich freuen, wenn ihr aus eurer persönliche Praxis erzählen könntet. Als Impulse schreibe ich einfach mal, was mich ihr interessieren würde:

      1)Welche Götter, Geister, Wesenheiten kommen darin vor?

      2) Wie ist euer Verhältnis zu ihnen? Wie erlebt ihr sie?

      3) Gibt es eine persönliche Beziehung oder versteht ihr es als reine Anbetung oder arbeitet ihr mit ihnen ... oder sie mit euch?

      4) Welche alltäglichen oder besonderen Riten oder Gewohnheiten prägen eure spirituelle Praxis?

      5) Auf welche Weise nehmt ihr sie wahr? Spürt ihr sie? Reist ihr in die NAW? Habt ihr Visionen oder Träume?

      6) Lebt ihr euren Glauben offen oder im Geheimen? Oder wissen ausgewählte Freunde davon? Habt ihr eine Gemeinschaft, eine Sippe, Clan,Cover oder ähnliches?

      Alle diese Fragen sollen nur als Impuls dienen. Ich würde mich freuen, wenn ihr euch die Fragen rausfischt über die ihr uns was erzählen mögt.

      Eine Bitte noch: Bitte achtet bei allen Kommentaren und Rückfragen in diesem Thema besonders auf Respekt und Wertschätzung untereinander. (Auch und insbesondere, wenn ihr diesen Thread erst in einigen Monaten oder Jahren rauskramt). Jeder Beitrag in dem jemand von dem, was ihm oder ihr heilig sein mag spricht, sollte mit besonderem Respekt betrachtet werden. Ich weiss, dass dies eh der Geist des Forums ist, aber manchmal ist es gut sich das zu vergegenwärtigen.

      Und nun freue ich mich auf eure Beiträge. Natürlich werde ich auch selbst aus meiner Praxis berichten. Aber erst möchte ich euch den Vortritt lassen .... Wer mag was erzählen?


      LG
      Alvara Hollerbusch
      (Die natürlich die Holle in ihrer Praxis an wichtiger Stelle hat )
      Ich bin noch dabei zu überlegen, ob ich alle Gottheiten aufzählen, denn das wird eine ziemlich lange Liste.

      Das liegt daran, dass es nicht nur das griechische und römische Parthenon gibt, sondern weil es viele recht unbekannte dazugehörige Gottheiten gab, und manche Götter mit denen anderer Kulte gleichgesetzt wurden. Hinzu kommen jene Götter, die von den Römern "importiert" wurden und am Ende hat es niemanden interessiert, wenn ein Römer meinte, einer ägyptischen und asiatischen Gottheit ein Opfer darbringen zu müssen.

      Die Welt der paganen Kulte war und ist bunt und vielfältig.
      Gnothi seauton ... und Du erkennst die Götter, und deinen Platz im Universum.

      Agnosco wrote:

      Ich bin noch dabei zu überlegen, ob ich alle Gottheiten aufzählen, denn das wird eine ziemlich lange Liste.

      Das liegt daran, dass es nicht nur das griechische und römische Parthenon gibt, sondern weil es viele recht unbekannte dazugehörige Gottheiten gab, und manche Götter mit denen anderer Kulte gleichgesetzt wurden. Hinzu kommen jene Götter, die von den Römern "importiert" wurden und am Ende hat es niemanden interessiert, wenn ein Römer meinte, einer ägyptischen und asiatischen Gottheit ein Opfer darbringen zu müssen.

      Die Welt der paganen Kulte war und ist bunt und vielfältig.


      OH... Ich wäre durchaus an einer langen Liste interessiert... Aber vielleicht magst du auch einfach erzählen welche dieser Götter gerade besonders präsent in deinem Leben sind oder dich in der Vergangenheit besonders inspiriert oder unterstützt haben...
      Dieser Thread hat es nicht verdient, einfach so unter die räder zu kommen, deshalb möchte ich ihn nochmal nach oben holen. Ich würde es auch gut finden, wenn die derzeit aktiven in diesem Forum mehr voneinander wissen, zumindest was die spirituelle Praxis betrifft.

      Zu 1.)
      Ich würde mich als liberalen Ásatrú bezeichnen. "Ásatrú" bedeutet, dass ich mich an der nordisch-germanischen Mythologie orientiere und mich deshalb an die Wesenheiten und das Pantheon dieser Kultur halte. "Liberal" heißt, dass ich in dieser Mythologie letztlich nur eine von unzähligen gleichwertigen Möglichkeiten einer Projektion der nicht alltäglichen Wirklichkeit (NAW) auf den menschlichen Erlebnishorizont sehe. Alle anderen religiösen Ausdrucksformen gelten mir gleich viel, sie erzeugen in mir nur nicht die gleiche Resonanz.

      Zu 2. und 3.)
      Diese beiden Punkte kann ich schlecht trennen. Das Verhältnis zu den Göttern ist im Ásatrú zwar von höchstem Respekt und Verehrung geprägt, dabei aber jederzeit familiär und fast freundschaftlich. Götter und Geister erlebe ich durchweg als wohlmeinend und fürsorglich. Ich fühle mich immer von Schutz- und Hilfsgeistern, in der nordischen Mythologie "Fylgjen" genannt, begleitet. Wahrscheinlich sind es im weitesten Sinne Ahnengeister, wobei ich unter "Ahnen" nicht unbedingt nur biologische Vorfahren verstehe. Die Götter agieren in meiner Wahrnehmung aus dem Hintergrund heraus, dabei aber nicht weniger wohlwollens. Ich habe zunehmend das Gefühl, dass sie einen Plan verfolgen, in dem ich noch eine Rolle zu spielen habe. Da ich ihnen vertraue, kann ich in Rune awarten, welche "Rolle" das sein wird, ich werde es schon rechtzeitig erfahren.

      Zu 5.)
      Diesen Punkt ziehe ich vor, da er thematisch hier her passt. Bis jetzt empfange ich keine Visionen oder Traumgesichte. Reisen in die NAW gelingen mir bis jetzt auch noch nicht, was vermutlich heißt, dass mir noch die Reife dazu fehlt. Die Präsenz der Götter und Geister erlebe ich mittelbar, durch ihr Wirken. Ich weiß auch, dass sie für mich jederzeit ansprechbar sind.

      Zu 4. und 6.)
      Auch bei diesen Fragen bietet sich für mich eine gemeinsame Beantwortung an. Ich bin Teil einer Sippe, die die acht Jahreskreisfeste begeht. Dabei halten wir immer ein Ritual ab, das erfordert von mir im Vorfeld einige Beschäftigung mit den Themen und Aspekten des jeweiligen Festes. Eine weitere, z. B. tägliche Ritualpraxis hat sich noch nicht etabliert, aber das kann noch werden. Dagegen beschäftige ich mich täglich mit spirituellen Themen, insbesondere lese ich viel. Meine heidnische Spiritualität ist nicht geheim, aber in meinem Freundes- und Bekanntenkreis war Religion bis jetzt nie ein Thema.

      Alles, was ich hier beschrieben habe, sind Momentaufnahmen. Ich bin noch nicht so lange auf dem alten Weg unterwegs und dem entsprechend ist viel Bewegung drin. Im Großen und Ganzen sollte das Bild aber so bleiben wie dargestellt.

      Jetzt hoffe ich, dass sich noch mehr Aktive durchringen, hier etwas mehr über ihre spirituelle Praxis zu erzählen.

      Viele Grüße
      Raginharti
      Das Gott ist eine Vielheit.
      Es umfasst alles, es verbindet alles und es vereint alles.
      Ja, schöne Idee, dieser Faden - das kann eine interessante Sammlung werden!
      Die bereits vorhandenen Antworten sind schon mal sehr interessant...

      Alvara wrote:

      1)Welche Götter, Geister, Wesenheiten kommen darin vor?

      2) Wie ist euer Verhältnis zu ihnen? Wie erlebt ihr sie?

      3) Gibt es eine persönliche Beziehung oder versteht ihr es als reine Anbetung oder arbeitet ihr mit ihnen ... oder sie mit euch?

      4) Welche alltäglichen oder besonderen Riten oder Gewohnheiten prägen eure spirituelle Praxis?

      5) Auf welche Weise nehmt ihr sie wahr? Spürt ihr sie? Reist ihr in die NAW? Habt ihr Visionen oder Träume?

      6) Lebt ihr euren Glauben offen oder im Geheimen? Oder wissen ausgewählte Freunde davon? Habt ihr eine Gemeinschaft, eine Sippe, Clan,Cover oder ähnliches?


      1) Als "höchste" Wesenheiten würde ich die ursprünglichsten kosmischen Kräfte ansehen. Materie, Raumzeit, Energie, Struktur, und die Gegenkraft des Chaos. Oder ägyptisch: Nun/Neith, Atum/Ra, Shu(Anch), Tefnut(Ma'at) und der Götterfeind A/pep.
      Dann gibt es die "größeren" Gottheiten. Hathor, Sachmet, Horus, Osiris, Nut, Geb usw.
      Diese Gottheiten begegnen mir in einer Vielzahl von Erscheinungsformen, die ineinander übergehen können.
      Und dann ist da noch die ganze beseelte Welt, voller Ahnengeister, Ortsgeister, Göttergefolge und sogar Begriffsgötter.

      2) Mein Verhältnis zu den meisten würde ich als respektvoll, aber distanziert, bezeichnen.
      Die meisten Gottheiten sind auch durchaus nicht nur gut und freundlich, sondern im Gegenteil: Sie können auch grausam sein. Manchmal ist es ganz gut, wenn man ihrer Aufmerksamkeit entgeht...
      Nur zu Hathor, Re und Nut habe ich eine innigere, herzlichere Beziehung.
      Und Merseger, an der Dehenet, das ist ein Lieblingsort den ich innig verehre (das ist die Bergspitze über dem Tal der Könige in Luxor)

      3)&4) Mein Verständnis ist eigentlich, dass ich im Alltag gar nicht so eng mit den Gottheiten verkehren muss. Ich bin ja keine Priesterin.
      Mit den Geistern jedes Ortes bemühe ich mich um ein friedliches Verhältnis, die Ahnen haben ihren Platz auf dem großen Ahnenschrein im Wohnzimmer und bekommen Gaben und Gebete (aber aus meinem Leben dürfen sie sich trotzdem gerne raushalten: Sie können sozusagen zum Kaffee vorbei kommen, aber sie müssen mir nicht dauernd über die Schulter gucken)
      An die Götter wende ich mich direkt (das heißt, mit Ritual und allem) eigentlich nur in besonderen Situationen: zu hohen Feiertagen, und wenn ich Hilfe brauche (wenn ich auf Reisen gehe, weil jemand krank ist, weil ich Rat suche...)
      Ansonsten sind es im Alltag nur kurze Stoßgebete, Formeln, gute Wünsche und so etwas.

      Was ich aber pflege und was ich mir ständig zu erhalten suche ist eine Art "Bewusstheit" im Leben. Dass ich die Sonne auf meinem Gesicht nicht für selbstverständlich hinnehme, und die Luft in meinen Lungen und das Essen auf meinem Tisch - sondern dass ich in der Welt um mich und in den Segnungen, die ich genieße, stets die Anwesenheit der Gottheiten und die Verbindung der Dinge untereinander fühle.

      Da kommen auch meine "Hauptgottheiten" ins Spiel, sie sind so eine Art permanente Anwesenheit in meinem Leben. Sie begegnen mir in konkreten Aspekten des Alltags:
      Hathor ist das Grundvertrauen, dass ich keine Angst habe vor Verbrechen, Krankheit, Schicksalsschlägen... denn ich fühle mich beschützt und vertraue, dass schon alles irgendwie gut wird (und wenn nicht, dann komme ich schon irgendwie da durch)
      Re ist die Freude, die Herzensweite, die reine Glückseligkeit des Sonnenlichts und der Schönheit der Natur.
      Nut ist die Stille der Nacht, die mir Ruhe und Frieden bringt wie sonst nichts auf der Welt
      Djehuty/Thoth ist die Freude am Lernen und Forschen und Lesen... die Neugier und die Befriedigung, wenn man etwas neues gelernt hat.

      5) In meinen fast 20 Jahren kemetischer Praxis hatte ich genau 3 Erlebnisse, die ich für mich als einen "echten" direkten Kontakt einordnen würde. Einen ungeplanten Trancezustand, eine direkte Begegnung im Ritual und eine verbale Botschaft.
      Der Rest war eher flüchtig oder vermutlich reines Wunschdenken (also, wenn man sich Kontakt wünscht, vielleicht während des Gebets, und sich überlegt, "was würde die Göttin dazu sagen": ob ich in solchen Situationen tatsächlich eine Antwort bekommen habe oder ob ich mir das nur eingebildet habe ist völlig unklar)

      6) Ich lebe meine Religion relativ offen. Meine Familie weiß Bescheid, genau wie mein Umfeld. Ich stelle mich auch bei Gelegenheit offen als "Polytheistin" vor und erwähne das auch durchaus innerhalb meiner politischen Arbeit. Denn ich will auch ein bisschen ein Vorbild sein und für eine offene, tolerante Gesellschaft werben: ich finde die individuelle Freiheit bei der Wahl der Religion (oder nicht Religion) sehr wichtig und ich finde, eine Pluralität von religiösen Identitäten und Gemeinschaften kann durchaus wertvoll sein für die Gesellschaft - aber nur, solange man sich auf einen ethischen Grundkonsens verständigen kann.
      Aber wer von meinem Glaubensinhalt und meinen Gottheiten erfahren will, der muss mich schon fragen: ich stelle mich nicht auf den Marktplatz um zu predigen oder irgendwen zu bekehren.

      Alvara wrote:



      1)Welche Götter, Geister, Wesenheiten kommen darin vor?

      2) Wie ist euer Verhältnis zu ihnen? Wie erlebt ihr sie?

      3) Gibt es eine persönliche Beziehung oder versteht ihr es als reine Anbetung oder arbeitet ihr mit ihnen ... oder sie mit euch?

      4) Welche alltäglichen oder besonderen Riten oder Gewohnheiten prägen eure spirituelle Praxis?

      5) Auf welche Weise nehmt ihr sie wahr? Spürt ihr sie? Reist ihr in die NAW? Habt ihr Visionen oder Träume?

      6) Lebt ihr euren Glauben offen oder im Geheimen? Oder wissen ausgewählte Freunde davon? Habt ihr eine Gemeinschaft, eine Sippe, Clan,Cover oder ähnliches?



      Stimmt, darauf wollte ich ja auch noch antworten. Danke, Raginharti, dass du den Thread wieder hochgeholt hast.

      Oft denke ich: Mei, wer will denn "schon wieder" hören was ich so glaube. Ich bin jetzt schon so lange dabei das ich vergesse wie oft neue Leute dazukommen die mich nicht kennen oder nicht viel von mir gelesen haben. Hier also meine Antworten.


      Mein Weg ist ganz klar der Schamanische. Wie sehr, das wird mir gerade wieder klar während ich versuche den druidischen Weg kennenzulernen und immer wieder darauf stoße dass vieles einfach nicht mein Weg ist. Das bedeutet nicht das ich nichts mehr lernen kann oder will. Ganz im Gegenteil, ich liebe es zu lernen und mehr zu erfahren und letztendlich lernen wir nie aus (was ganz wundervoll ist - alles andere wäre totlangweilig). Aber ich spüre immer wieder wie tief ich im Schamanismus verankert bin und ganz intuitiv meinen Weg gehe. Dazu brauchte es keine Ausbildung - nur die Berufung der Geister und meinen Willen ihnen zu folgen. Alles andere ergab und ergibt sich beim Gehen des Weges von selbst. Als Schamane ist man nichts mehr (oder weniger) als der Bote und der dienstbare Mensch der Geister und Götter. Sie geben an was ich wie wo tun soll und ich folge. So einfach und so klar wie es klingt ist es auch.

      Lasst mich noch einen sehr wichtigen Unterschied klären bevor ich mich an die Beantwortung der Fragen mache: Ein Schamane ist kein schamanisch Arbeitender. Jeder Mensch kann, je nach Begabung mehr oder weniger, schamanisch arbeiten. Er kann die entsprechenden Techniken erlernen und so den Kontakt mit den Göttern und Geistern suchen. Das ist so essentiell das schamanische Praktiken Teil fast jeglicher Religion sind. Schamane selbst "wird" man aber nicht durch das Erlernen und Praktizieren schamanischer Praktiken, auch nicht dadurch den Kontakt zu den Geistern und Göttern herstellen zu können oder Antworten zu bekommen. Man "wird" Schamane indem man berufen wird. Die Geister suchen sich einen Menschen aus und bestimmen ihn zu ihrem Diener. Der Mensch kann ablehnen (schlechte Idee, sehr, sehr schlechte Idee) oder annehmen. Die Geister suchen sich meist keinen Menschen aus der diesen Weg nicht gehen könnte und sie statten diesen Menschen auch mit dem entsprechenden Fähigkeiten aus. So ist es möglich der Berufung zu folgen und wenn man, wie ich, dazu geboren ist, ist es auch das einzige das wirklich Sinn macht. Dann ist es die Bestimmung, der Sinn des Lebens, dieser Berufung zu folgen. Das zu tun ist dann wie nach Hause zu kommen.

      Oft werden die Begriffe "Schamane" und "schamanisch Arbeitender" nicht wirklich unterschieden und so kommt es das Menschen "Schamanen-Seminare" besuchen um (meist gegen Bezahlung horrender Summen) ihr "Schamanendiplom" zu erhalten. Aber das macht niemanden zum Schamanen. Zudem - und das sollte man sich vor Augen führen - ist Schamane zu werden nichts, was für den nicht Berufenen erstrebenswert ist. Für diese Menschen ist der Preis, den man dafür bezahlt, zu hoch. Der Preis ist nicht mehr oder weniger als dein ganzes Leben. Du musst es aufgeben um ganz den Geistern zu dienen und damit werden nur die glücklich, die wirklich berufen sind.

      Noch etwas ist mir wichtig: Es gibt keine Abstufung von "Schamane" und "schamanisch Arbeitendem". Beides ist gleichwertig und niemand steht über dem anderen. Es ist lediglich eine Unterscheidung für wen jemand abeitet. Der schamanisch Arbeitende arbeitet für sich oder, wenn er das anbieten möchte, für andere Menschen (oft gegen Geld denn er erbringt ja eine Dienstleistung). Der Schamane arbeitet für die Geister und Götter, sonst für niemanden.

      So, ich hoffe das hilft meine Antworten besser zu verstehen. Hier kommen sie nun:

      Zu 1.) Bei mir kommen alle Götter und Geister vor. Als dienstbarer Mensch werde ich von unterschiedlichen Geistern gebeten für sie zu arbeiten. Das sind zumeist die Geistwesen, die mich ausgewählt haben, allgemein als "meine Geister" bekannt - obwohl ich natürlich "ihr Mensch" bin und nicht sie "meine Geister". ;) Zudem gibt es einen sehr engen Kontakt zur Göttin Hel, zu Cernnunos, Pan und Odin und, seit kurzem, auch zur Göttin Bridghid.

      Zu 2. und 3.) Mein Verhältnis zu "meinen Geistern und Göttern", denen, die ich in Punkt eins aufgeführt habe, ist persönlich und eng, enger als zu jedem Menschen. Sie sind Freunde, Partner, Helfer und Arbeitgeber zugleich. Das ich für sie arbeite und warum ich das tue, das habe ich weiter oben schon beschrieben.

      Zu 4. und 5.) Als geborene Schamanin sind die Tore zur NAW, der Welt der Götter und Geister, für mich immer offen. Es sind keine Rituale oder Techniken nötig um diese Welt zu betreten. Für mich sind beide Welten, die AW, unsere Welt, und die NAW eins. Rituale sind nur nötig wenn ich für andere Menschen auf Anweisung der Geister arbeite. Dann richtie ich mich mit den Ritualen an deren Glauben aus. Ich nehme die Götter und Geister als Wesensheiten wahr ebenso wie ich Menschen wahrnehme. Für die Wahrnehmung der Materie gibt es den Körper, für die Wahrnehmung spiritueller Art die Seelenwahrnehmung. Sorry, genauer kann ich das nicht beschreiben. Wie bei vielen anderen Dingen auch ist das für mich völlig normal und selbstverständlich denn ich bin so geboren. Ich kenne keine andere Art der Wahrnehmung als diese und habe kein Wort in der Menschensprache dafür gefunden. Sehr oft ist das Bennen dessen was man in der NAW wahrnimmt mit menschlichen Worten unzureichend und manchmal auch gar nicht möglich. Visionen und Träume sind ganz normale Wahrnehmungen für einen Schamanen. Das hat man ständig und benutzt es ganz intuitiv.

      Zu 6.) Ich mache keine Mördergrube aus meinen Herzen und kein Geheimnis aus meiner spirituellen Weltsicht, binde es aber auch nicht jedem sofort auf die Nase. Die meisten können damit eh nichts anfangen. Man ist es als Schamane gewöhnt oft belächelt oder auch lächerlich gemacht zu werden. Das ficht mich nicht an, aber ich muss es auch nicht auf die Stirn tätowiert vor mir hertragen und mich bewusst Unverständnis aussetzen. Meine Familie und meine Freunde wissen natürlich um meinen Schamanismus. Das geht auch gar nicht anders denn er ist so sehr Teil von mir das ich nicht ich selbst sein kann wenn ich das Schamanische verleugnen würde.

      Eine Gemeinschaft mit Menschen in Form einer Sippe, eines Coven, Ordens etc. gibt es nicht. Ich bin zwar automatisch Mitglied im OBOD geworden weil ich diesen Bardenkurs gekauft habe aber ich sehe noch nicht das ich aktiver Teil dieser Gemeinschaft werde (über das hinaus was die Geister mir antragen). Ich bin als Schamane in Gemeinschaft mit den Geistern und Göttern. Das bedeutet nicht dass ich mich nicht manchmal nach einer verwandten Seele sehne die mich versteht und mit der ich über all meine Dinge sprechen kann aber das gibt der Schamanismus eben nicht her. Dennoch sind meine Geister freundlich und senden mir immer wieder Menschen mit denen ich mich austauschen kann.

      Ich bin gespannt ob meine Antworten jemanden helfen meine Postings besser einzuordnen. Zumindest aber hilft es vielleicht dann, wenn meine Postings mal wieder keinen Sinn ergeben, entspannt denken zu können: "Mei, Schamanen halt". ;)

      Liebe Grüße
      Wölfin
      Es gibt mehr Ding im Himmel und auf Erden, als eure Schulweisheit sich träumt, Horatio.

      Hamlet (I, 5)
      Was die Offenheit der gelebten Kultpraxis betrifft, so kann jeder der mich kennt, sich an den fünf Fingern einer Hand abzählen, wie ich ticke. Ich mach da kein Geheimnis draus, bin aber auch niemand, der das unbedingt jedem auf die Nase binden muss. Schließlich gibt es auch keinen Missionierungsauftrag. Verstecken tu ich mich aber auch nicht, was man daran sehen konnte, dass ich mich bei einem Forum der Bertelsmannstiftung, - wo es inhaltlich um Religionen ging -, zu meinen paganen Wurzeln bekannte.

      Mit der Buntheit ist das so eine Sache. Die finde ich auch gut, nur es ist eben ein Idealbild, was man stets im Hinterkopf behalten muss. Sie muss allseits gewollt sein, sonst scheitert das Idealbild und bisher gab es noch immer jemanden, der sich quer oder über andere stellte. In Vorleistung gehe ich da nur insoweit, Toleranz anzubieten. Doch auch diese muss auf Gegenseitigkeit beruhen. Wird sie mir oder meinem Glauben verweigert, endet auch meine Vorleistung und macht einer im Inhalt harten Argumentation Platz.

      Spannend finde ich Sternenwoelfins Post, weil ich mir gleich die Frage stellte, was eigentlich Pagan ist. Ich habe dann zur Kenntnis nehmen müssen, dass alle Religionen als pagan (heidnisch) gesehen werden, die nicht zu den Buchreligionen, zu den Zoroastriern und Manichäern gehören. (So gesehen muss auch ich über die Nutzung des Wortes "Heide" noch einmal nachdenken.)

      Schamanen kommen, soweit ich weiß - und bitte korrigiert mich, wenn ich falsch liegen sollte - aus den östlichen Gebieten in Sibirien, aus Asien und den Ureinwohnern Amerikas. Die sibirischen Völker und Schamanen finde es offenbar nicht ganz so lustig, wenn das Wort Schamane neu definiert und verwendet wird. Sie wollen wohl eher, dass es nur im traditionellen Sinn genutzt wird und andere lieber bei ihren Wurzeln bleiben. Vielleicht befürchten sie eine Zweckentfremdung, aber dass weiß ich natürlich nicht genau.

      In gewisser Weise kann ich das nachvollziehen, da sich auch der YSEE und damit der Hellenismos von Wicca abgrenzt und nicht eingebunden werden möchte.

      Andererseits wenden sich Schamanen weniger an Götter, sondern an Geister. Doch ich glaube auch mal etwas davon gelesen zu haben, das Donar - und der ist ein Gott - schamanische Züge hat. Damit ergibt sich eine höchst interessante Argumentationsmöglichkeit für Schamane.

      Vor allem aber kann man in diesem Thread sehen, wie vielfältig die Ansichten in diesem Forum sind. Wenn wir es wenigstens hier schaffen bunt und tolerant zu bleiben, wäre das schon mehr, als andernorts möglich ist.
      Gnothi seauton ... und Du erkennst die Götter, und deinen Platz im Universum.
      Vielen Dank für Deine Sichtweise Agnosco. Ich erkenne einmal mehr wie sehr meine Spiritualität auf persönliche Erfahrung mit der AW basiert. Das mag vielleicht daran liegen das ich aus einer Buchreligion (Christentum) komme in der es zwar ein Buch gibt mit Worten von Gott, die aber von jedem Gläubigen anders ausgelegt werden. Auch gibt es dort viele Tradition und Riten doch für mich blieben sie immer leer. Es waren Worte und Riten ohne jegliche Bedeutung, celebriert wie ein Theaterstück in dem ich eine Rolle spielte die mir nicht entsprach.

      Was ich heute lebe ist das vollkommene Gegenteil. Ich berufe mich nicht auf althergebrachte Traditionen. (Wir haben in Deutschland keine schamanischen Traditionen mehr und die Traditionen indigener Völker sind deren Traditionen die mit mir nichts zu tun haben. ) Es gibt auch keine Schamanenbibel und selbst bei einem anderen Schamanen zu lernen war mir nie möglich (und sicherlich auch nicht mein Weg, sonst hätten die Geister mir diese Menschen in mein Leben geschickt). Was auch immer ich schreibe und erzähle kommt aus ureigenen Erfahrungen und meiner Interptretation der Dinge (die in meinem Realitätstunnelchen entstehen).

      Ich habe gelernt das Worte nur Worte sind, leere Hülsen denen wir selbst Bedeutung beimessen und diese Bedeutung kann schon von Mensch zu Mensch schwanken. Wenn ich mich "Schamane" nenne, dann ist das ein Wort von dem ich weiß das sich viele Menschen sich darunter in etwa das vorstellen, was meinem Lebensweg am nähesten kommt. Es ist für mich ein Kommunikationsmittel um mich mitzuteilen, nicht mehr und nicht weniger. Wollte ich genau sein müsste ich sagen ich bin "die, die zwischen den Welten wohnt, an der Seite der Geister geht, ihnen dient und Vermittler ist zwischen Mensch und Geist", was aber eine episch lange Beschreibung eines einfachen Tatbestandes ist und wahrscheinlich auch nicht besser verstanden wird als "Schamane". Das interessante ist: Trifft man einen anderen Schamanen braucht es keine Worte um sich einander zu erklären. Der Schamane sieht die Geister bei mir, ich die bei ihm. Ohne auch nur ein Wort gewechselt zu haben weiß man wer sein gegenüber ist.

      Sprache ist eine sehr komplexe Kommunikationsform die viele Möglichkeiten für Fehler und Missverständnisse beinhaltet (und es ist mir noch immer ein Rätsel weshalb der Mensch diese komplizierte Kommunikationsmöglichkeit als die wichtigste etabliert hat). Letzendlich ist Sprache, sind Worte eine Möglichkeit uns anderen mitzuteilen um mit ihnen in Kontakt zu kommen. Ich versuche daher darauf zu achten das andere Menschen unter einem Begriff etwas anderes verstehen könnten als ich. Im Faden über das Wort und die Bedeutung von "Heide" war das schön zu sehen.

      Die Herausforderung dieses Forums ist sich immer wieder zu bemühen den anderen wirklich zu verstehen. Das gelingt natürlich nicht immer sehr leicht, wird aber mit vielen neuen Ideen und Sichtweisen belohnt.
      Es gibt mehr Ding im Himmel und auf Erden, als eure Schulweisheit sich träumt, Horatio.

      Hamlet (I, 5)