Darf man sich seinen Glauben selbst basteln?

    This site uses cookies. By continuing to browse this site, you are agreeing to our use of cookies. More details

      Dennis wrote:

      Mir gefällt das Bild mit dem Supermarkt sehr gut. Mir kam auch gerade der Gedanke dass das ,,basteln“ ja auch nicht zwangsläufig bedeutet dass man irgendwelche Überzeugungen für andere über Bord wirft, quasi ein ,,Ich Wechsel meinen Glauben wie meine Unterhose“ wie es ja angedeutet wird mit den sich nicht festlegen wollen. Ich würde mal behaupten hier und da gewinnt man gewisse ,,Versatzstücke“ dazu, andere sortiert man aus, aber ein gewisser Kern bleibt. Man weiß ja so grob wo man sich hingezogen fühlt. Und was halt nicht so ,,mein Ding“ ist.
      Vielleicht ist man auch in jungen Jahren tatsächlich experimentierungsfreudiger. Wobei es bei mir eher umgekehrt ist, ich hatte in jüngeren Jahren ein wesentlich größeres Bedürfnis nach Sicherheit und dementsprechend weniger Lust Neues auszuprobieren. Je älter ich werde desto mehr genieße ich auch die Freiheit. Irgendwie mache ich immer alles andersherum wie der Rest der Welt :P


      Mit dem Alter kommt eben auch Selbstsicherheit und Unabhängigkeit. Und die Zukunft wird weniger offen. Am Anfang meines Berufsleben hatte ich viele Ängste und wollte mir nix verbauen. Heute kann ich offener zu meinem Glauben stehen, weil ich weiß dass ich keinen kirchlichen Arbeitgeber mehr brauchen werde. Die Kinder sind versorgt, die Selbständigkeit läuft ... Ich werde mich nie wieder von kirchlichen Trägern anstellen lassen. Das bietet auch Freiheit, die ich in früheren Jahren nicht hatte ...
      Natürlich hat jeder seine eigene Spiritualität und seine eigenen Erfahrungen. Auch im Christentum haben viele Gläubige ganz unterschiedliche Vorstellungen von ihrer Religion und allem was dazugehört. Soweit ist es also ganz normal, wenn verschiedene individuelle Ansichten bestehen und z.B. jeder seine bevorzugten Gottheiten hat.

      So wie es in der Überschrift stand, hatte ich allerdings den Eindruck, dass danach gefragt wurde, ob es legitim ist, sich seine eigene Religion aus verschiedenen Fragmenten der Kulte zusammenzimmern. Ich weiß, dass es Leute gibt, die das machen und dabei glücklich werden. Dann gern, aber bei allen Freiheiten und aller Individualität die auch in den paganen Kulten immer bestanden haben, so wurden diese früher nie praktiziert. Dann wäre jeder für sich gewesen, aber einer der wichtigsten Eigenschaften der Kulte war und ist bis heute, das Gemeinschaftsgefühl, dass durch sie gestärkt wird.

      Obwohl es im Vergleich zu den großen Religionen in Deutschland recht wenige Anhänger paganer Kulte gibt, ist man, so mein Eindruck, von einem echten und tiefen Gemeinschaftssinn sowohl spirituell als auch im praktischen Bereich weit entfernt.
      Gnothi seauton ... und Du erkennst die Götter, und deinen Platz im Universum.
      Natürlich wurde das früher nicht so praktiziert. Einfach weil es weniger globale Durchmischung gab. Aber mit den Römern haben sich die römischen Götter mit den Kulturen vermischt in die sie Einwanderern. Mit dem Zug der Völker, Touristen, Autoren wanderten Ideen und Impulse.

      Nehmen wir Samhain, das als Halloween (all Hallows Eve) mit den katholischen Iren in die vereinigten Staaten wanderte, dort auf den Kürbis traf, der dort besser gedieh als die gute alte Rübe und dann über die modernen Fernsehsendungen zurückschwappte nach Europa und jetzt wieder Eingang in die Hexen Praxis der Hexen der Gegenwart findet.

      Wir leben auf einem globalen Planeten. Und das was jetzt im grossen Umfang passiert gab es schon immer.

      Religiöse Idee sind auf Handelsschiffen mitgereist, wurden durch Kriege importiert oder auf den Seiten bildungsbürgerlicher Dichter transportiert....

      Synkretistische Religionen entstanden überall wo der Katholizismus sich mit einheimischen Glaubensauffassungen vermischte oder Forscher nach alten vorchristlichen Wahrheiten suchten.

      Wicca ist nicht die erste Synkretistische Religion. Der europäische Buddhismus nicht die erste Religion. Die importiert und dabei verändert wurde, Voodoo und die anderen südamerikanischen Kulte nicht die erste Synthese völlig unterschiedlicher Glaubenskonstrukte...

      Konservative und orthodoxe Kulturen und Religionen beschränken daher genau das: freies Reisen, freies Lesen, eigenständige Erfahrungen.

      Nur so können die Amish über Jahrhunderte dieselben bleiben. Nur so konnte der Katholizismus so lang als Priesterreligion überleben.

      Solange die Deutungshoheit bei einem Buch, einer Priesterkaste liegt und der Einfluss neuer Ideen über Bildungsverbote, Heiratsgebote und Reisevorgaben kontrolliert wird, kann auch der Kult rein bleiben und das Dogma im Volk als unhinterfragbar anerkannt werden.

      Sobald aber Informationen, Ideen und Erfahrungen frei fließen... Fließt auch die Religion....

      Und das ist gut so....

      Just my 2 pence...