Cerridwen - Dunkle Mutter, alte Weise?

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      Cerridwen - Dunkle Mutter, alte Weise?

      Hallo ihr Lieben,

      Die Tage werden kürzer, die kalte und dunkle Hälfte des Jahres steht vor uns.

      In den letzten Wochen habe ich viel über Cerridwen nachgedacht, ihre Verbindung zu dieser Jahreszeit, zu Samhain.

      Ich sehe sie als dunkle Göttin, transformierend, Schattenarbeit verbinde ich sehr stark mit ihr. Der Kessel als Gefäß der Transmutation und Wiedergeburt,nach dem Ruhen (mehr oder weniger) in der Dunkelheit.

      Wer ist sie für euch? Spielt sie in eurem Heidentum eine Rolle? Oder dieser dunkle Aspekt von Natur und Göttlichkeit generell?

      Liebe Grüße
      Holundergeistin
      Hallo Leute

      Nun, ich unterscheide für mich zwischen Cerridwen, die für mich als Hexengöttin der Inspiration und Transformation gilt und der Alten (Borbeth/Caelleach) nur insofern, als ich die erstere jünger imaginiere, als Rund ums Jahr wirkende Göttin, während die andere für mich in der Skorpionzeit des Jahres heraufsteigt und als alte Mutter des Kessels auch das Todes- und Wiedergeburtsthema dominiert. Sie kann so oder so erscheinen. Ihr Thema ist aber immer der Kessel.

      Eine kleine waldstreichersche Geschichte dazu....?

      Es ist schon einige Jahre her, meine Mädchen waren noch relativ klein damals, fuhr ich mit ihnen zu Halloween auf die Burg Aggstein in der Wachau, nicht weit von uns, eine meiner liebsten Landschaften in Niederösterreich, ähnlich wie im Moseltal in Deutschland umrahmen alte Burgen und Weindörfchen zwischen grünen Bergen den Donaufluss.

      De Halbruine Burg Aggstein liegt hoch darüber und ist ein noch recht imposantes Bauwerk der Kuenringer mit vielen versteckten Winkeln, hohen Aussichtstürmen und tiefen Kellern. Es gibt dort auch Mittelalterfeste und ich war in meinem Leben schon gefühlte hundert Mal dort gewesen.

      Man hatte sich bemüht, dort Halloweenstimmung aufkommen zu lassen, mit einiger Dekoration und verschiedenen Programmpunkten, sowie Halloweenartikel in einem winigen Laden. Als es aber dunkel wurde, sollte eine lokale Märchenerzählerin tief im höhlenartigen Keller der Anlage jedem, der sie besuchte, ihre Geschichten zum besten geben.
      Wir entschlossen uns, sie aufzusuchen.

      Es waren nicht allzuviele Leute da und die Dunkelheit umschloss die Burg. Es war kalt und tief neblig geworden. Nur ein Spalier aus Fackeln erleuchtete den Weg in die tiefen, aus dem Fels gehauenen Gewölbe. Ich machte mich mit meinen Kindern auf den Weg und spannenderweise ging so gut wie niemand denselben Weg mit.

      Als wir am Ende der Fackelallee in den Keller kamen, brannte da ein Feuer in der hintersten Ecke des weitläufigen Raumes. Und dahinter saß eine ganz in schwarz gekleidete Frau über einem Kessel.

      Ich wusste, dass dies die Märchenerzählerin war, und dennoch ergriff mich plötzlich so etwas wie eine heilige Scheu. Langsam gingen wir näher und sie saß da, mit ruhigem Blick und betrachtete uns. Ich verbeugte mich vor ihr und wagte es kaum näherzutreten, gleichzeitig fühlte ich mich unsagbar geborgen und von tiefer Ergriffenheit erfüllt.
      Ganz weit im Hinterkopf sagte mir eine Stimme, dass dies eine verkleidete Frau sei, die möglicherweise nichtmal wusste, in wessen Rolle sie da geschlüpft war und einfach nur die "Hexe" verkörpern sollte.

      Doch ähnlich wie ein Kind, dass vor dem Weihnachtsmann steht, nahm ich es für gegeben an, hier vor der großen Alten zu stehen und sie um Segen für meine Familie zu bitten.

      Sie lächelte freundlich und fragte, was wir uns wünschen...Und ich hatte keine Ahnung, was ich sagen soll. Es war eine Mischung aus absolutem Vertrauen und sprachloser Begeisterung- so als stünde ein Fan seinem Idol gegenüber. Auch die Kinder wussten nichts zu sagen, woraufhin sie in den Sack griff und ihnen, wie der Kaufhausnikolaus, eine handvoll Süßigkeiten gab. "Wer viel will, der bekommt auch viel" sagte sie.

      Und da begann sich die Realität wieder zu melden und die Frau wurde wieder eine normale Frau, die keine Urweisheit, sondern nur Sprüche auf Lager hatte. Aber das war nicht enttäuschend, denn das magische Gefühl blieb, auch als wir uns bedankten und gingen.

      Seither gehe ich in meiner Visualisierung der Alten gern diesen Weg. In die Höhle unter der Burg, wo sie mich geduldig erwartet.

      Noch heute besitze ich eine kleine Zinnhexe, die ich damals im Laden mitgenommen hab und ein kristallenes Pentakel, das mich an diesen Tag erinnert.

      Stimmungsvolle Skorpionzeit
      Wünscht Euch Streicher
      Files
      @Waldstreicher deine Geschichte hat mich beim Lesen sehr berührt, und es scheint so als sei ich mit dir selbst dort gewesen. Meine Verbindung ist eher eng mit Cernunnos verknüpft, so hörte ich einmal seine Hufen hinter mir, als ich hektisch in Berlin unterwegs war. Das entschleunigte mich umgehend. Nach meinem Weltenschmerz, den ich wieder einmal aufgrund des kaum zu ertragenden Tierleides auf Erden empfund (manch ein Experte würde dies Depression nennen), sah ich den Schatten eines imposanten Geweihs in meinem Zimmer. Einbildung? Trost vom Unterbewußtsein? ... Ich glaube er hat sich mir dadurch genau so gezeigt, wie du Cailleach sprachlos gegenüber standest.

      Sie ist die endgültige Weisheit, ihr Urteil ist längst gefällt. Dieser Teil an Brigid mag viele abschrecken, aber nicht jene die wissen das es weiter geht. Sie ist die Norne, die das Seil durchtrennt und sie kennt das Ende eines jeden von uns. Gerade das du dieses Gesicht von Brigid gesehen hast, sagt mir, dass sie dich und deine Familie als weise und klug genug empfindet den alten Pfad zu durchschreiten, und ich bin mir sicher das jede Facette der Dreifachen Göttin, jedes Gesicht (Brigid, Modron und Cailleach), über dich und deinesgleichen wachen wird.
      Ein wunderschönes Erlebnis lieber Bruder Streicher.

      Manchmal, sehr selten (oder vielleicht auch öfters als uns bewusst ist), hält die Zeit an und die Götter treten durch den Vorhang der Welten. Dann scheint die Göttin durch die Form einer Frau am Kessel oder am Bahnübergang. Diese Momente sind zutiefst ergreifend, kostbar und heilig.

      Hab herzlichen Dank dass du dieses Erlebnis mit uns teilst.

      Liebe Grüße
      Wölfin
      Es gibt mehr Ding im Himmel und auf Erden, als eure Schulweisheit sich träumt, Horatio.

      Hamlet (I, 5)