Der Gehörnte oder "The Green Man" - Cernunnos/Herne/Pan

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      Der Gehörnte oder "The Green Man" - Cernunnos/Herne/Pan

      Ich bin eine Hexe, die weniger die weiblichen Gottheiten verehrt, obwohl mein echter Name ironischerweise Diana ist. Diese Mond - und Jagdgöttin (im Griechischen Artemis) wird gerne mal in Coven, Hexenzirkel und auf Altäre verehrt. Mein Herz, sage ich jetzt mal, schlägt für Cernunnos, aus welchen das Christentum verzweifelt weil nie tot zu kriegen, letztendlich den Teufel machte.

      Dies war ein fataler Fehler in meinen Augen, denn so wurden auch gleich die Natur und die Tiere verteufelt, was letztendlich Dank des Christentums dazu führte, dass der Mensch sich von allem entfernte was ihn eigentlich ausmacht: die Naturverbundenheit und die Magie.


      Wer war oder ist jedoch Cernunnos?

      Ganz einfach: Der Gehörnte.

      Cernunnos ist vermutlich der latinisierte Name eines keltischen Gottes. Sein Name wird als „der Gehörnte“ gedeutet, und er wird aus den bildlichen Darstellungen zumeist als Gott der Natur, der Tiere oder der Fruchtbarkeit interpretiert.



      de.m.wikipedia.org/wiki/Cernun…tbarkeit%20interpretiert.

      Er ist auch bekannt als Herne oder Pan. Geht man jedoch noch weiter zurück kommt man von Cernunnos und Cernunna zu Lahamu und Lahmu, zwei sumerische Gottheiten und die ersten Kinder von Tiamat und Abzû. Lahmu wird Kusarikku zugeordnet, dem "Bullenmann" und Wilden.

      en.m.wikipedia.org/wiki/Lahmu

      en.m.wikipedia.org/wiki/Kusarikku


      Einen gehörnten Naturgott gibt es folglich schon seit dem es die Menschheit gibt. Vielleicht sogar schon zu Zeiten, als die ersten Menschen in den Höhlen noch Steine bearbeiteten und Jagdwaffen herstellten. Der Gehörnte und der Grüne Mann war und ist das Bindeglied zwischen Mensch und Natur, eine Art Nabelschnur, welche das Christentum einst radikal zu durchtrennen wusste. Natürlich sind wir Hexen und Magier mit dem Teufel im Bunde, insofern man Cernunnos nun so nennen mag. Für die Kelten war Herne jedoch bedeutend, und auch noch im Mittelalter betete man den Gehörnten an, opferte ihn Gaben der Natur und bat ihn um Hilfe wenn es um Zauber und Verwünschungen ging.

      Damit sollten wir Hexen nie aufhören, allein schon um dem Christentum zu zeigen das ein Glaube, welcher Jahrtausende vor Christentum, Buddhismus, Islam, Judentum usw. usf. bestand, nie tot zu kriegen ist. Cernunnos ist ein Teil von uns, und noch immer die wertvolle Verbindung zwischen uns und der Natur, wovon sich viele Menschen immer mehr mit ihrer Oberflächlichkeit und Ichbezogenheit entfernen.


      Dieser Thread dient dazu, um Informationen und Gedanken rund um den Gehörnten und vielleicht auch um seine Dämonisierung auszutauschen. Ich wünsche allen aktiven und auch stummen Mitlesern viel Spaß dabei! :)
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      Segen dir, Stadthexe Diana

      Als Waldstreicher stehe ich dem Grünen Mann und Cernunnos natürlich sehr nahe.
      Für mich ist Cernunnos der Gott der animalischen, ur-erd-kräftigen ungezähmten Natur - auch in uns. Und er ist der Hüter der Weisheit der Tiere und somit auch der Krafttiere. Der Kreislauf des Fressens und gefressen werdens ist ebenso sein Bereich wie die natürliche Akzeptanz von werden und vergehen. Er steht in dieser und der Anderswelt und ist Mitbestimmer der großen Kreisläufe. Wann immer ich die Wälder betrete grüße ich ihn und bin mir seiner Präsenz bewusst. Und ich bin ihm in den Wäldern durchaus schon auf verschiedene Arten schon begegnet. EInmal hat er mir auf unmissverständliche Weise sogar den Weg gezeigt, als ich mich verirrt hatte.

      Der Greenman hingegen ist dies auf der pflanzlichen Seite. Der Geist des vegetativen Waldes, in dessen ewiger Meditation die Pflanzen mit dem Universum verbunden sind. Beide sind sehr wichtig für mich. Mit ihm ist die Kommunikation zB über Bäume wunderbar möglich.

      Wenn in der zeit vor Yule bei uns auf dem Lande die gehörnten Perchten und Teufelsgestalten umherziehen, freue ich mich jedesmal..denn ich sehe die wilden Geister des großen gehörnten Gottes in ihnen. Brauchtum, das die Kirche nicht ausrotten konnte. Die ungezähmte animalische Seite (der Krampus)--Cernunnos kommt mit der menschengeistigen, kultivierten Seite (Nikolaus -- Odinn) des Göttlichen in unsere Häuser. Und eines ist ohne das andere nicht vollständig.

      Der nordische Freyr wäre für mich auch ein Verwandter, wenn nicht eine Emanation des Gehörnten. Auf einer, dem Menschen näheren Art. Als König des Waldlandes und der Fruchtbarkeit.

      Ja der Gehörnte ist einer der ältesten Götter die wir haben.

      Ich nehme an du kennst das Buch vom Gehörnten von Voenix? Auch wenn darin nicht alles auf höchstem Niveau spielt, hat sich da doch jemand die Mühe gemacht recht viel zu dem Thema zusammenzutragen und viel Heidenherzblut reinzustecken.

      Und ohne jetzt Werbung für meine Lieblings - Heiden -Band machen zu wollen, aber ohne die folgende Nummer darf dieser Thread auf keinen Fall auskommen.
      Der Segen des gehörnten sei mit Dir, Stadthexe
      Grüße, Streicher

      Neither country proverbs nor king's commands can keep me out of the woods today. (Lili, Legend)
      Vielen Dank für das Video und das schöne Lied! Durch Musik kann man so viel bewirken, und es gibt zum Glück viele musikalische Vertreter unserer Zunft.

      Das Buch von Voenix kenne ich noch nicht, obwohl ich zumindest Heiden TV abonniert habe und regelmäßig schaue. Ich kam um alle 8 Ecken zu Cernunnos, muss ich gestehen. Dem Teufel stand ich schon immer skeptisch gegenüber, und auch Dämonen sehe ich kritisch. Zuerst erfuhr ich das Dämonen nur Naturgeister sind, welche im arabischen Raum und auch in Japan zum Beispiel, weder gut noch böse sind. Sie können sich in Tiere verwandeln, Wünsche erfüllen, beim Zaubern helfen, und ähnlich wie die Kraft der Natur im indianischen Glauben auch Gutes bewirken. Sie sind nicht grässlich, furchteinflößend und reif für den Exorzismus. Die Kirche hat in dem Punkt viel zetstört, indem sie einzig Angst und Schrecken verbreitete.

      Dann raubte man Feste, Zeichen wie das Pentagramm und die Triquetra von den Heiden und verschmolz Luzifer mit dem Teufel, zwei völlig unterschiedliche Wesenheiten. Luzifer war ähnlich wie Loki schön, weise und er stand dem christlichen Allvater mit Rat und Tat zur Seite. Er kritisierte nur sein Werk der Menschen, und er missbilligte uns... zu recht, wenn man unsere Welt nun betrachtet. Dafür flog er hochkant aus dem Himmel, hinab auf die Erde, die er so hasste. Es gibt viele Aspekte der Grausamkeit des christlichen Gottes, aber das ist ein anderes Thema.

      Zurück zum Gehörnten, denn dieser war die perfekte Verkörperung des heidnischen Bösen. Hörner waren plötzlich schlecht, obwohl doch auch schon Moses Hörner hatte, und diese eher für Weisheit stehen in meinen Augen. Das Wilde und Animalische in Verbindung mit der Weisheit. Dies war das Erste was Tiamat erschuf, und da kam damals ich ins Spiel. Ich recherchierte intensiv alles rund um Gilgamesh und seinem Epos (wovon sich das Christentum wieder mal dreist bediente, und nahezu alles 1 zu 1 in die Bibel kopierte). Dabei stieß ich auf viele Gottheiten in Mesopotamien. Die ersten waren Tiamat und Abzû, doch gerade Lahmu ließ mich fortan nicht mehr los. Der Bullenmann und Gehörnte. Seit Anbeginn der Menschheit gab es ihn also schon, und wie viele bereits untergegangene Zivilisationen verehrten ihn schon vorher?

      Ich war wie besessen von ihm und folgte seiner Spur über Herne, Pan bis zu Cernunnos und dem Grünen Mann. Das ist die pure und reine Natur, gekoppelt an die Weisheit auch in ihr wandeln und sich ihr Herr nennen zu dürfen, anders als wir Menschengewürm, die wir alles vernichten und zerstören. Fortan bin ich ihm verfallen und er hat mir auch schon in einer sehr sehr schweren Zeit helfen können, und anders als Christentum, Islam und Co. erhält man als Heide wirklich Antworten und Hilfe. Alles was man dafür benötigt ist ein reines Herz, Liebe für die Natur - und Tierwelt und das Wissen - nicht der Glaube - um die alten Götter.
      Hallo ihr Lieben,

      wie schön, ein Thread zu meinem geliebten Cernunnos <3 .

      Was soll ich sagen was nicht schon Waldstreicher viel schöner gesagt hat als ich es je ausdrücken könnte? Dank dir, Streicher, auch für die Verlinkung von Faun's "Hymn to Pan", eins meiner Lieblingslieder von Faun. Die Art wie die Flöte gespielt wird hat viel von der Verführungskraft Pans wie ich ihn kenne.

      Cernunnos, Herne der Jäger, Pan, der Freund aller Nymphen (und schokoladeliebenden Wölfinen ;) ), der Gehörnte in all seinen Ausführungen und Namen ist auch für mich einer das ältesten Götter der Menschen. Er steht wie kein anderer für das wilde, freie, starke, Männliche. Für Freiheit, Wildheit, Sexualität, aber auch für Jagd, Ernährer, Beschützer. Geliebter der Göttin, Partner und Vater. Er ist der Herr der Tiere und Pflanzen, der Vater des Landes und die dem Wald innenwohnende männliche Kraft.

      Die Schamen der Jäger und Sammler riefen ihn an und luden ihn ein mit auf die Jagd zu gehen. An seiner Seite war der Jagderfolg sicher und für ihn wurde das Fest abgehalten, das wir heute noch (wenn auch sehr verändert) als Beltaine / Walpurgisnacht kennen. Die Nacht von Beltaine war schon bei unseren keltischen Vorfahren die Freinacht, die Nacht der großen Orgie in der Cernunnos geehrt wurde mit Mahl, Tanz ums Feuer und dem Zelebrieren jeder Art von sexueller Verbindung. In der Freinacht entstandene Kinder waren heilig.

      Cernunnos begleitet mich seit langem. Er ist die wilde, animalische, männliche Kraft. Pan, der mich auch begleitet, mehr für die verführende, männliche Kraft. Beides hat seinen Reiz. Der wilde Jäger spricht mich ebenso an. Auch sehe ich ihn als Vater des Landes, wie Damh the Bard es so schön beschreibt.(Das Lied verlinke ich unten.) Er ist für mich der Gott und Mutter Erde, die Göttin, ist seine Geliebte. Für mich ist er auch der green man. Ich kann mir aber gut vorstellen das der grüne Mann eher die Verkörperung der Pflanzenwelt im Wald ist während der Stag, der Hirsch-Gott die Verkörperung der Tiere ist.

      Zum Thema Teufel will ich in einem separaten Posting noch etwas schreiben. Aber das "entheiligt" dieses Posting. Daher hier lieber noch zwei Lieder von Damh the Bard. Beide beschreiben den Gehörnten wunderbar und beschreiben auch meine Sicht auf diesen großartigen und vielfältigen Gott.




      Lyrics: songtexte.com/songtext/damh-th…he-solstice-53ffff39.html





      Lyrics: songtexte.com/songtext/damh-th…nding-stone-63a5f2bf.html


      Liebe Grüße
      Wölfin
      Es gibt mehr Ding im Himmel und auf Erden, als eure Schulweisheit sich träumt, Horatio.

      Hamlet (I, 5)
      Hallo ihr Lieben

      Na da verstehen wir uns ja wieder mal im Dunkeln.
      Freut mich sehr, mit Euch zu kommunizieren - da hat sich ein harmonischer Kreis aufgetan.

      Es ist schön, überhaupt als Freiflieger, der sich seine Ansichten in vielen Jahren selbst zusammengetragen hat, plötzlich die eigenen Gedanken von jemand anderen ausgesprochen, bzw geschrieben zu sehen und zu merken..hey da tickt ja noch wer so wie man selber.

      Ich möchte, aus Rücksicht auf der lieben Wölfin Wunsch, das Thema hier "rein" zu halten, einen Teil meiner Antwort auslagern in einen eigenen Nebenthread, den ich den Titel Kommunikation mit dem Göttlichen und Irrtümer des Menschlichen nenne. Bitte dort auch reinschauen.

      Jetzt aber mal hier:

      Ehre und Gruß dir, Stadthexe

      Zunächst nochmal Danke, dass Du dieses Thema begonnen hast.
      (Seit du hier eingestiegen bist, kommt man mit dem Lesen und antworten nicht mehr nach. Jedesmal, wenn ich reinschaue sind schon wieder zehn neue Antworten drin - ich glaub, du tust dem Forum gut. Echt -Dafür haben wir ne Berlinerin gebraucht :D )

      Und nun zum Eigentlichen.

      Stadthexe wrote:

      Die Kirche hat in dem Punkt viel zetstört, indem sie einzig Angst und Schrecken verbreitete.


      Wahr gesprochen. Natürlich. Das war ja das Druckmittel. Angst.
      Nur so konnte man die Massen kontrollieren und die eigenen Machträusche durchpfeifen.
      Bei genauerer Betrachtung kann aber am Gehörnten schon von Natur aus nichts Bedrohlich sein. Welches gehörnte Tier wäre denn Fleischfresser? Welches Jäger? Welches giftig?
      Natürlich ist er wild. Das macht es ja aus.
      Zahn - und geschlechtslose Götter gehören nicht ins Heidentum.
      Unsre Götter sind blutvoll--in ihren Mythen lieben, kämpfen, fühlen sie.

      Die Schriftreligionen wollen uns einreden, dass Gott den Menschen nach seinem Vorbild erschaffen habe. Und degradieren die Tiere zu seelenlosen Bestien und die gesamte Natur zu einer dem Menschen untergeordneten "Kulisse".
      Doch wir wissen, dass die Götter ebenso in den Tieren wohnen wie in allen anderen Erscheinungsformen des Lebens.
      Unsere Religion passiert nicht ex cathedra, in zu studierenden Schriften und anhaltendem Schuldgefühl.
      Unsere Religion fließt mit dem Mondblut im heiligen Schoß der Frauen, bricht sich Bahn mit dem hochaufgerichteten Glied der Männer,
      schickt ihre ekstatischen Gesänge laut durch die Vollmondnächte und wühlt sich tief in die regennasse Erde.

      Unser Gott, unser gehörnter Gott säuselt uns nichts von Askese und Weltverzicht, nichts von Sünde und Körperfeindlichkeit.
      Unser gehörnter Gott tanzt mit uns nackt ums Feuer und kennt die Lust des Daseins, die er uns nicht nur gönnt, sondern auch schenkt.

      Stadthexe wrote:

      Das Buch von Voenix kenne ich noch nicht, obwohl ich zumindest Heiden TV abonniert habe und regelmäßig schaue.


      Voenix ist, obwohl es da auch andere Meinungen gibt, mir persönlich sehr sympathisch. Er meint es meiner Ansicht nach ehrlich und vertritt das auch. Ich hab mal vor zwei Jahren eine zeitlang einen Emailwechsel mit ihm geführt und hatte einen wirklich gute Eindruck. Das Buch hat seinen Schwerpunkt auf den Bildern, die halt Geschmacksfrage sind, jedoch auch viele Hintergrundstories. Er hat wirklich ein Menge Interpretationen des Gehörnten hin bis in die Gegenwart zusammengetragen, und man nimmt ihm das ehrliche Anliegen, etwas zu Ehre dieses Gottes zu tun, durchaus ab.

      Nun zu Dir, oh Wölfin

      Sternenwoelfin wrote:

      Die Art wie die Flöte gespielt wird hat viel von der Verführungskraft Pans wie ich ihn kenne.


      Liebe, liebe Sternenwölfin ...was die großartige Fiona Rüggeberg da spielt, ist die Irische Low-D whistle, die auch für mich zu den am liebsten gespielten Instrumenten zählt. Und ich hätte wetten können, dass das auch einer deiner Lieblingslieder von Faun ist.

      Noch bevor ich deinen Beitrag fertig gelesen hatte, hab ich mir gedacht, ich sollte noch Damh mit seinem "Standing Stone" reinstellen. Voila.
      Dann hab ich gesehen, du hast es schon getan. Danke auch dafür.
      Und ein vorbehaltloses Like für deine gesamte Antwort. Ich wüsste nicht, was man daran besser machen könnte.

      PS:

      Zur Herbstgleiche war ich mitsamt den drei Hunden meiner Schwimu in einer uns nahegelegenen Waldbachklamm (ist ein Naturschutzgebiet, schön wildromantisch, bei mir gleich um die Ecke) und hab dort zwei herrliche Stunden verbracht. Auf dem Rückweg bin ich dann durch ein andreres Waldstück gekommen und an einer kleinen, offenbar alten Kapelle vorbei, die ich nicht kannte. Aber bevor ich noch ein saures Gesicht ziehen konnte, fiel mir auf, dass über dem Eingang ein großes Hirschgeweih hing. Ich hab im vorbeigehen Cernunnos gegrüßt und mir gedacht, siehst du, sie haben gar keine Ahnung, wen sie da in Wirklichkeit vor sich haben, wenn sie ihre "Hubertus"-kapellen mit den Hörnern schmücken. Und das hat mich amüsiert. Und ich denke, ihn amüsiert das auch manchmal.

      Euer Wilder Waldstreicher
      Neither country proverbs nor king's commands can keep me out of the woods today. (Lili, Legend)
      Ich danke euch beide für eure wundervollen Kommentare und Ansichten zu unseren geliebten Cernunnos. Nie hätte ich erwartet mich hier so unsagbar heimisch zu fühlen. Man möge meinen wir Heiden seien Wilde, dabei sind wir herzlicher als so manche Religionsvertreter anderer Zünfte.

      Sternenwoelfin wrote:



      Cernunnos begleitet mich seit langem. Er ist die wilde, animalische, männliche Kraft. Pan, der mich auch begleitet, mehr für die verführende, männliche Kraft. Beides hat seinen Reiz. Der wilde Jäger spricht mich ebenso an. Auch sehe ich ihn als Vater des Landes, wie Damh the Bard es so schön beschreibt.(Das Lied verlinke ich unten.) Er ist für mich der Gott und Mutter Erde, die Göttin, ist seine Geliebte. Für mich ist er auch der green man. Ich kann mir aber gut vorstellen das der grüne Mann eher die Verkörperung der Pflanzenwelt im Wald ist während der Stag, der Hirsch-Gott die Verkörperung der Tiere ist.



      Ein Wald besteht aus Pflanzen und Tiere, und in meinen Augen besitzt Cernunnos beide Attribute, welche er auch optisch verkörpert. Sein Geweih oder die Hörner sind ähnlich eines Geäst und sein Körper wird eins mit seiner Umgebung. So erhebt er sich nie wie ein Herrscher über alles, sondern wandert als Teil eines großen Ganzen umher. Etwas, dass auch der Mensch noch zu lernen hat: Anpassung. Doch der Mensch richtet viel mehr alles nach seinem Willen aus, gestaltet die Natur um, rodet Wälder, baut Felder an die größer sind als ganze Dörfer oder zerklüftet Landschaften und macht sie unbewohnbar, nur der Kohle und Erdschätze wegen.

      Dies ist umso mehr ein Grund warum die Menschen gerade jetzt zu Cernunnos und den alten Göttern zurückkehren sollten... nein, eigentlich eher müssten.

      Waldstreicher wrote:



      Es ist schön, überhaupt als Freiflieger, der sich seine Ansichten in vielen Jahren selbst zusammengetragen hat, plötzlich die eigenen Gedanken von jemand anderen ausgesprochen, bzw geschrieben zu sehen und zu merken..hey da tickt ja noch wer so wie man selber.


      Du bist nicht allein, ganz im Gegenteil. :D

      Waldstreicher wrote:



      Ehre und Gruß dir, Stadthexe

      Zunächst nochmal Danke, dass Du dieses Thema begonnen hast.
      (Seit du hier eingestiegen bist, kommt man mit dem Lesen und antworten nicht mehr nach. Jedesmal, wenn ich reinschaue sind schon wieder zehn neue Antworten drin - ich glaub, du tust dem Forum gut. Echt -Dafür haben wir ne Berlinerin gebraucht :D )


      Eine Community ist immer ein Zusammenspiel aller User, und hier fühlt man sich automatisch geborgen und gut aufgehoben, weshalb ich mich diesbezüglich viel lieber bei Euch bedanke. :)

      Waldstreicher wrote:


      Bei genauerer Betrachtung kann aber am Gehörnten schon von Natur aus nichts Bedrohlich sein. Welches gehörnte Tier wäre denn Fleischfresser? Welches Jäger? Welches giftig?
      Natürlich ist er wild. Das macht es ja aus.
      Zahn - und geschlechtslose Götter gehören nicht ins Heidentum.
      Unsre Götter sind blutvoll--in ihren Mythen lieben, kämpfen, fühlen sie.


      Das hast du unsagbar gut auf den Punkt gebracht, und endlich spricht einmal jemand das aus was ich schon immer gedacht habe.


      Waldstreicher wrote:


      Die Schriftreligionen wollen uns einreden, dass Gott den Menschen nach seinem Vorbild erschaffen habe. Und degradieren die Tiere zu seelenlosen Bestien und die gesamte Natur zu einer dem Menschen untergeordneten "Kulisse".
      Doch wir wissen, dass die Götter ebenso in den Tieren wohnen wie in allen anderen Erscheinungsformen des Lebens.
      Unsere Religion passiert nicht ex cathedra, in zu studierenden Schriften und anhaltendem Schuldgefühl.
      Unsere Religion fließt mit dem Mondblut im heiligen Schoß der Frauen, bricht sich Bahn mit dem hochaufgerichteten Glied der Männer,
      schickt ihre ekstatischen Gesänge laut durch die Vollmondnächte und wühlt sich tief in die regennasse Erde.

      Unser Gott, unser gehörnter Gott säuselt uns nichts von Askese und Weltverzicht, nichts von Sünde und Körperfeindlichkeit.
      Unser gehörnter Gott tanzt mit uns nackt ums Feuer und kennt die Lust des Daseins, die er uns nicht nur gönnt, sondern auch schenkt.


      So ist es, denn andere Religionen leben mit Hilfe von Angst und Unterdrückung. Da werden eigene Begierden abgetötet, Frauen und auch Männer verhüllt und die Schönheit des Seins versteckt, Sexuelle Gelüste heimlich und kriminell ausgeübt, nur weil man sich der Unterdrückung wegen selbst geißelt und einsperrt... Dann gibt es da noch die ständige Angst. Das Fegefeuer und die Pflicht einen Erlöser zu lieben, sonst wird man noch in ewiger Qual leben müssen.

      So etwas gibt es bei uns Heiden nicht, denn wir sind eines: frei.

      Frei im Denken, Handeln und Sein und dabei immer Eins mit unserer Natur und Umwelt. Wir akzeptieren uns und unsere Körper und wir respektieren unsere Mitmenschen und Tiere. Einige von uns spüren gar das Leben und die Energie der Pflanzen, und hören gar ihre Gesänge untereinander. Nichtheiden hingegen sind in der Regel für derlei Dinge des Lebens blind und taub, und sie erkennen nicht einmal die Zeichen.

      Waldstreicher wrote:


      Zur Herbstgleiche war ich mitsamt den drei Hunden meiner Schwimu in einer uns nahegelegenen Waldbachklamm (ist ein Naturschutzgebiet, schön wildromantisch, bei mir gleich um die Ecke) und hab dort zwei herrliche Stunden verbracht. Auf dem Rückweg bin ich dann durch ein andreres Waldstück gekommen und an einer kleinen, offenbar alten Kapelle vorbei, die ich nicht kannte. Aber bevor ich noch ein saures Gesicht ziehen konnte, fiel mir auf, dass über dem Eingang ein großes Hirschgeweih hing. Ich hab im vorbeigehen Cernunnos gegrüßt und mir gedacht, siehst du, sie haben gar keine Ahnung, wen sie da in Wirklichkeit vor sich haben, wenn sie ihre "Hubertus"-kapellen mit den Hörnern schmücken. Und das hat mich amüsiert. Und ich denke, ihn amüsiert das auch manchmal.


      Genau das meine ich. :) Er zeigt sich uns, die wir ihn suchen, in vielen Erscheinungen. Auch mitten in Berlin, im illustren Treiben auf den Straßen sah ich einmal ein Schaufenster mit einer unsagbar schönen Hirschfigur. Am Hauptbahnhof lief auch einst ein Mann mit einem Tattoo an mir vorbei, welches nichts anderes als Cernunnos darstellte: Schneidersitz, Hirschgeweih und keltischer Torque. Es ist faszinierend das er niemals wirklich weg war, sondern immer all jene begleitete und noch begleitet, die ihn ehren. Und eines Tages werden wir auch wieder mehr, und sein Einfluss in dieser Welt stärker werden. Dies wird dann auch der Moment sein, an welchen sich die Natur wieder wird erholen können. Bis dahin halten wir die Stellung und geben Cernunnos Kraft, so wie er uns.